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L.I.S.A. Wissenschaftsportal Gerda Henkel Stiftung
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Lesen für die Demokratie

Lesen für die Demokratie

2026-02-1901:11:26

Hat Literatur einen politischen Sinn – und wenn ja, welchen? Ist beispielsweise das, was wir tun, wenn wir lesen oder über unsere Lektüre diskutieren, eine politische Tätigkeit? Wie ließe sich das definieren? Die Literaturwissenschaftlerin Laura Bieger vertritt in ihrem neuen Buch die These, dass Literatur politisch ist, wenn und weil sie dazu beiträgt, die Form unserer gemeinsamen Welt zu verhandeln. Wir fragen bei der Autorin nach, was es bedeutet, Literatur als soziale Praxis zu verstehen, in was für einem Bezugsgewebe literarische Texte sich befinden, und was an der Praxis des gemeinsamen Sprechens und Urteilens über Literatur – jenseits engagierter Literatur – bereits politisch sein kann.
Die bundesdeutsche Gesellschaft hat sich durch die Zuwanderung in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Beinahe 30% der in Deutschland lebenden Menschen haben einen soge­nann­ten Migrations­hinter­grund. In diesem Bevöl­ke­rungs­anteil verbirgt sich jedoch eine große Hetero­geni­tät, die wiederum mit unter­schied­lichen Interessen­lagen verbunden ist. Im Vortrag wird der Frage nach­ge­gan­gen, ob Individuen mit spezifischen ethnischen Hinter­gründen – sprich: etwa einem türkischen, italienischen, russischem oder russland-deutschen – unterschiedliche Werte und Einstellungen vertreten und ob diese Gruppenzugehörigkeit das Wahlverhalten und die Partei­prä­fe­renz beeinflusst. In einem zweiten Schritt wird disku­tiert, ob politische Eliten mit Migrations­hinter­grund dazu ten­die­ren, die Interessen von Migranten verstärkt im politischen Prozess zu repräsentieren. Seit September 2012 ist Marc Debus Professor für Vergleich­ende Regierungs­lehre an der Universität Mannheim. Er hat Politik­­wissen­schaft, Soziologie, Methoden der empirischen Sozialfor­schung, Neuere Geschichte und Wirtschafts- und Sozial­geschichte an den Uni­versi­tä­ten Marburg und Mannheim studiert und an der Uni­versi­tät Konstanz promoviert. Seine Forschung konzentriert sich auf die Analyse poli­tischer Institutionen, insbe­son­dere in Mehr­ebenen­­sys­temen, und ihre Aus­wir­kun­gen auf Wahl­ver­halten und legislative Aktivität sowie auf Parteien­wett­be­werb, das Regieren in Koali­tio­nen und Entscheidungs­pro­zesse in Parla­men­ten und Re­gie­run­gen. Die Veranstaltung fand am 8. Dezember 2025 in der Württembergischen Landes­biblio­thek Stuttgart statt.
Architektur im Anthropozän

Architektur im Anthropozän

2026-02-1201:10:40

Wir leben im Anthropozän. Die Menschheit hat der Erde ihren Stempel aufgedrückt: Es gibt mehr künstlich hergestellte als natürlich gewachsene Masse. Damit stellt sich auch die Frage nach der Verantwortung von Architektur: Sie soll die Welt bewohnbar machen, trägt aber durch immensen Ressourcenverbrauch und hohe CO2-Emissionen zur Zerstörung unserer Existenzgrundlagen bei. Wie kam es dazu? Und wie kann Architektur diese Entwicklung umkehren? Friedrich von Borries hat Antworten. Uta Karstein und Thomas Schmidt-Lux haben nachgefragt.
Adoption und Identität

Adoption und Identität

2026-02-0901:24:01

Mit dem Zeithistoriker Dr. Carlos Alberto Haas, seit 2025 Geschäfts­führer des Histo­ri­schen Kollegs in München, blicken wir auf die eigene Biografie: Carlos Alberto Haas wurde 1985 in Guatemala geboren, doch bereits im Alter von drei Monaten an Adoptiv­eltern nach Deutschland vermittelt. In der neuen Ausgabe von „Zu Gast bei L.I.S.A.“ erzählt er, was ihm seine guate­mal­te­kische Herkunft heute bedeutet. Ein Gespräch über Identität, das Einwan­derungs­land Deutsch­land und die Erinnerung an den Holocaust in einer post­migran­ti­schen Gesell­schaft.
Im Zuge des gesell­schaft­lichen Wandels haben arbeitnehmer­bezo­ge­ne Zeitrechte und Wahl­optio­nen zwischen Zeit und Geld in den vergangenen Jahren eine zuneh­men­de Bedeutung in der Arbeitswelt bekommen. Elternzeit, Pflegezeit, (Brücken-)Teilzeit, Sabbaticals, die tarif­vertrag­liche Möglich­keiten, zwischen mehr Geld oder mehr freien Tagen entscheiden zu können … Beschäftigten stehen heute viele Optionen offen, um die Arbeit an die persönlichen Bedürfnisse und Wünsche anzupassen. Doch wer nutzt diese Möglich­kei­ten – und wer springt dafür ein? Wie gehen Betriebe mit den temporären Frei­stel­lun­gen und Arbeitszeit­redu­zie­run­gen ihrer Beschäf­tig­ten um? Werden Arbeit­geber vor kaum zu lösende Probleme gestellt – oder entwickeln sich neue, innovative Konzepte des Personal­manage­ments? Der Vortrag präsentiert hierzu Ergebnisse aus einem kürzlich abge­schlos­se­nen Forschungs­projekt. Ute Klammer ist ordentliche Professorin an der Universität Duisburg-Essen (UDE), Fakultät für Gesellschaftswissenschaften und seit 2016 Geschäftsführende Direktorin des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ). Seit Mai 2021 ist sie zudem Direktorin des „Deutschen Instituts für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung“ (DIFIS), einer durch das Bundesarbeits­minis­te­rium geförderten gemeinsamen wissen­schaft­lichen Einrichtung der Universitäten Duisburg-Essen und Bremen. Von 2008 bis 2015 war Ute Klammer an der UDE Prorektorin mit Zuständigkeit für Diversity Management und Internationales. Ihre Forschungs- und Publi­ka­tions­schwer­punkte liegen in den Bereichen der europäischen und international verglei­chen­den Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (insbesondere Familienpolitik, Alters­siche­rung, Arbeits­markt­politik), der Gender-Forschung, Hochschul­for­schung, Migration sowie Armut und Einkom­mens­ver­tei­lung. Ute Klammer war u.a. Vorsitzende der Sachverständigen­kom­mis­sion für den Ersten Gleich­stellungs­bericht für die Bundes­republik Deutschland, Vorsitzende des Sozial­beirats der Bundesregierung sowie Mitglied des Rates für Nachhaltige Ent­wick­lung der Bundesregierung. Die Veranstaltung fand am 13. November 2025 in der Württembergischen Landes­biblio­thek Stuttgart statt.
Die „Montagsdebatte“ widmet sich der Frage, ob die zunehmende Radikalisierung, die wir derzeit erleben, auch auf religiösen und weltlichen Erlösungshoffnungen beruht. Im Anschluss an einen einführenden Impulsvortrag der niederländischen Zeithistorikerin Beatrice de Graaf von der Universität Utrecht folgt ein Gespräch mit Frank Bösch, Direktor des Leibniz-Instituts für Zeithistorische Forschung Potsdam. Nicht nur Islamisten, auch Rechtsextremisten verwenden in zunehmendem Maße religiöse Muster, Symbole und Praktiken. Sie nutzen diese zur Anwerbung, Legitimierung und Verherrlichung von politischer Gewalt in Europa, den USA und Russland. Radikale Erlösungshoffnungen treten auch zunehmend in den Führungen politischer Parteien auf: Trump wird von Evangelikalen als biblischer ‚König Kyros‘ gesehen, Orban stellt sich als ‚Verteidiger des Christentums‘ dar, Putin wirft sich gar als ‚Katechon‘ auf und Vox-Anführer Abascal sieht sich als neuer Kreuzfahrer gegen den Islam. Was sind die Ursachen für diese Rückkehr radikaler Erlösungshoffnungen und wie können wir darauf reagieren?
Gab es einen besonderen Umgang mit Medizin, Kranken und Krankheit in der DDR? Matthias Aumüller fragt in seiner Monografie Medikaler Raum in der erzählenden Literatur der DDR nach der Erzählung von Räumen der Medizin – etwa der Klinik, der Arztpraxis – in literarischen Werken u. a. von Christa Wolf, Klaus Schlesinger, Werner Heiduczek und Stefan Heym. Er untersucht die Bedeutung von Schauplätzen und Ortswechseln in Erzähltexten, stellt Zusammenhänge zwischen Raumdramaturgie und zeithistorischem Hintergrund her. Dabei entfaltet Aumüller auch eine historische Perspektive von den 1950er bis zu den 1980er Jahren, von Tuberkulose bis hin zum Alkoholismus in der DDR. Marit Heuß und Ringo Rösener fragen nach, was Matthias Aumüller entdeckt hat.
Modernisierung, Rationalisierung, Differen­zie­rung, Individua­li­sie­rung, Säkula­ri­sie­rung, Globa­li­sie­rung: Die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts wird gerne entlang umfassender Prozess­begriffe erzählt, mit deren Hilfe mal mehr, mal weniger weitreichende Zeitdiagnosen formuliert werden. Diese „Meister­er­zäh­lun­gen“ jedoch bringen ein erheb­liches geschichts­philo­so­phisches Gepäck mit sich, das, so die Ansicht des Soziologen Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozial­for­schung, kritisch reflektiert werden muss. In dieser Ausgabe von Zu Gast bei L.I.S.A. sprechen wir mit Wolfgang Knöbl darüber, wie dies gelingen kann und was die Soziologie von der Geschichts­wissen­schaft lernen kann und umgekehrt.
Vielleicht haben die heutigen Probleme Europas ihren Ursprung weniger in der aktuellen Politik, als im fehlenden historischen Gedächtnis der euro­pä­ischen Gesell­schaf­ten, meint der Althistoriker Prof. Dr. Michael Sommer (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg). In seiner Keynote vor jungen Wissen­schaft­lerin­nen und Wissen­schaft­lern aus Italien, Polen, Deutsch­land und Frank­reich plädiert er für eine neu inten­si­vier­te Auseinan­der­setzung mit der griechi­schen und römischen Antike, die er als unver­zicht­bares Reser­voir der nationen­über­grei­fen­den Sinn­stif­tung ansieht. Dabei veran­schau­licht Professor Sommer an drei histo­ri­schen Lektionen zur Bündnis­fähig­keit, zum Aufstiegs­ver­spre­chen und der Eliten­kon­trol­le, wie sich aus dem antiken Erbe Einsichten für die Zukunft des Konti­nents gewin­nen lassen.
Was die in Chatbots wie ChatGPT verbauten Large Language Models leisten können, bleibt umstritten. Während die einen bereits das Zeitalter der „Textpokalypse“ und der Verdummung gekommen sehen, hoffen andere, in generativer KI ein mächtiges Instrument für Bildung und Demokratisierung zu finden. Diesseits von Hype, Hoffnung und Horror beeinflussen ChatGPT und Co. aber schon heute, wie Menschen recherchieren, lesen, schreiben – und reden. Der Vortrag erschließt anhand von Themen aus Rhetorik, Autorschaft und kommunikativer Kompetenz die Konsequenzen von LLM-Texten für das öffentliche Sprechen und entwirft Szenarien ihrer produktiven Nutzung. Dr. Markus Gottschling forscht und lehrt zu Literatur, Rhetorik und Wissenschafts­kommu­ni­ka­tion. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Allgemeine Rhetorik und verant­wort­lich für die Wissenschaftliche Koordination des RHET AI Center. Dort leitet er auch die Arbeitsgruppe “Communicative Competence”, die sich mit Wirkung und Nutzung generativer KI auseinandersetzt. Regelmäßig ent­wickelt und lehrt er Fortbildungsformate zur Wissenschaftskommunikation. Seit 2025 ist er Co-Direktor der RHET AI Coalition, eines internationalen Forschungs­netz­werks an der Schnittstelle von Rhetorik und Künstlicher Intelligenz. Eine gemeinsame Veranstaltung der Stiftung Bundespräsident-Thedor-Heuss-Haus und der Württembergischen Landesbibliothek. Die Veranstaltung fand am 26. November 2025 in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart statt.
Reiten, Jagen und Schwimmen gehörten zu den regelmäßigen Aktivitäten Karls des Großen. So beschreibt es Einhard in der Vita Karoli Magni. Indem der fränkische König beständig seinen Körper trainierte, entsprach er einem Männlich­keits- und Körperideal, das in engem Zusammen­hang mit der Repräsen­ta­tion von Herrschaft stand. Welche Funktion die Jagd für die fränkischen Herrscher besaß, ob auch der Klerus nach Fitness trachtete und wie ein früh­mittel­alter­liches Trainings­pro­gramm aussah, sind Fragen, denen Prof. Dr. Anne Greule (Göttingen) in ihrem Vortrag nachgeht.
Mit der am 9. Dezember 1948 verabschiedeten „Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes“ fand der Begriff des Genozids Eingang in das Völkerrecht. Maßgeblich geprägt wurde er von dem polnisch-jüdischen Juristen Raphael Lemkin, der ihn vor allem vor dem Hintergrund der deutschen Kriegsverbrechen in Osteuropa entwickelte. Ausgehend von den Nürnberger Prozessen zeichnet Dr. Alexander Korb (Nürnberg) die Vorgeschichte nach, die zur völkerrechtlichen Verankerung des Genozidbegriffs führte.
Immer wollte Rilke sich wandeln, die Metamorphose war sein Lebensthema, er gestaltete sie in seiner Literatur. Zurückgezogen im abgelegenen Chateau de Muzot schrieb er im Februar und März 1922 den größten Teil der „Sonette an Orpheus“. Die insgesamt 55 Sonette, in denen Rilke den Orpheus-Mythos aufgreift, verwandelt und neu deutet, prägen mit ihrer Poetik das Spätwerk des Dichters. Ausgehend von Rilkes Notizbüchern, den Entwürfen und Briefen aus der Zeit, die sich in seinem Nachlass befinden und erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden, gehen Sandra Richter (Deutsches Literaturarchiv) und Anna Kinder (Deutsches Literaturarchiv) auf den Entstehungsspuren dem Wandel in Rilkes Werk nach.
Aschkenas: So nannten die seit dem Mittelalter in Europa ansässigen Juden ihr Siedlungsgebiet vor allem in Deutschland. Peter Schäfer bietet mit diesem Buch erstmals einen auf archäo­lo­gi­schen und schriftlichen Quellen basierenden Überblick über Herkunft und Blüte des aschkena­sischen Judentums und seinen erzwungenen Weg nach Osteuropa. Seine glänzende Darstellung umfasst mehr als 2000 Jahre jüdischer Geschichte, von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, und wird für lange Zeit Maßstäbe setzen. Ein Edikt des Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 betrifft die Juden in Köln, doch erst für die Zeit um das Jahr 1000 sind jüdische Gemeinden in Köln, Mainz, Speyer, Worms, Regensburg, Prag oder Frankfurt sicher belegt. Woher kamen diese Juden? Wie waren ihre Gemeinden organisiert? Wovon lebten sie, und welche Beziehungen pflegten sie zu ihrer christlichen Umgebung? Peter Schäfer kennt wie kaum ein anderer die Schriften des mittelalterlichen Judentums und beschreibt auf ihrer Grundlage – jenseits der bis heute verbreiteten Klischee­vorstellungen – den Alltag und die mystisch geprägte Frömmigkeit der aschkenasischen Juden. Er erzählt von den Verfolgungen und Vertreibungen im Spätmittel­alter, der erneuten Blüte jüdischen Lebens in Polen, Litauen und Russland und vom Weg der Juden in eine ambivalente Moderne, die Emanzipation versprach und Vernichtung brachte. Seither liegen die Zentren des aschkenasischen Judentums in den USA und Israel, doch seine Wurzeln reichen weit in das europäische Ostjudentum, in das mittel­alter­liche Deutschland und in die Antike zurück.
Warum gibt es das Böse? Auf diese fundamentale Frage der Menschheit hatten die Anhänger der Gnosis eine nur auf den ersten Blick einfache Antwort: Neben den absolut guten Gott setzten sie eine zweite, ethisch unvollkommene Gottheit, die für die Irrungen der irdischen Welt veranwortlich sei: den Demiurgen. Die Gnosis (altgriechisch für „Erkenntnis“) wird oft als Reaktion auf die vermeintlich krisenhafte Welt der Spätantike verstanden, was die Lehren der Gnosis wiederum anschlussfähig für aktuelle Zeitdeutungen macht. Der Theologie und Historiker Prof. Dr. Christoph Markschies sieht in der Frühphase des Christentums eher eine Art „Laboratorium“, in dem mit philosophischen Ideen und religiösen sowie mythischen Stoffen experimentiert wurde. In einer neuen Ausgabe von Zu Gast bei L.I.S.A. sprechen wir mit Christoph Markschies über die Mythen und Lehren der antiken Gnosis, die dunkle Seite der Freiheit und was die Gnosis uns heute noch zu sagen hat.
Sie liegen in Schubladen und Kellern von Wohnhäusern, auf Verkaufstischen von Flohmärkten sowie in der Bibliothek für Zeitgeschichte in der Württembergischen Landesbibliothek: Private Fotoalben sind materielle Zeugnisse, wie Deutsche den Zweiten Weltkrieg erlebten und wie sie ihn erinnert wissen wollten. Einige Alben haben in Ausstellungen oder Publikationen Aufmerksamkeit erregt; dennoch hat sich die Forschung bislang nur ansatzweise mit ihnen befasst. Basierend auf der Auswertung einiger Hundert Privatalben und mit Fokus auf den deutschen Vernichtungskrieg „im Osten“ untersucht Jürgen Matthäus, was ihre Kriegserzählung ausmacht, wie sie Gewalt repräsentierten und welche Spuren ihr Bild deutscher Verbrechen und deutscher Opferschaft bis heute im Familiengedächtnis hinterlassen hat.
Im Kölner Vortrag gibt der Rechtshistoriker Prof. Dr. Miloš Vec (Universität Wien) einen Über­blick über die Überlegungen und Debatten innerhalb der deutschen Völker­rechts­wissen­schaft in der Zwischen­kriegs­zeit. Existierten in den Jahren der Weimarer Republik noch eine große Bandbreite verschie­de­ner Denk­stile und metho­dische Über­zeu­gun­gen neben­ei­nan­der – bei nahezu ein­hel­li­ger Ablehnung des Versailler Vertrages –, erlebte die Völker­­rechts­lehre nach 1933 eine Politisierung im Zeichen der national­sozia­lis­tischen Ideologie. Neo-kolonia­lis­tische Argu­men­ta­tio­nen und eine immer stärkere Indienst­stellung für die Außen­politik führten schließlich zum Relevanz­ver­lust der Disziplin während des Zweiten Weltkriegs, so die These von Vec.
Rom, 1620: In den Tavernen der Stadt versammeln sich junge Niederländer, um in einer berühmt-berüchtigten Künstlergemeinschaft Aufnahme zu finden – den Bentvueghels. Deren ausgelassene Initiationsfeiern, „Bent-Taufen“ genannt, dauern oft mehr als vierundzwanzig Stunden, in denen viel Alkohol fließt und freudvoll, teils im Exzess und mit derbem Humor, das Leben und die Kunst gefeiert werden, u.a. durch die Inszenierung lebendiger Kunstwerke. Einige Zeitgenossen sind vom Verhalten der Fremden empört, die kirchliche Obrigkeit misstraut ihnen, und doch zieht die Bruderschaft über Jahrzehnte hunderte Maler, Bildhauer und Dichter an. Bei ihren Taufen verhöhnen sie auch katholische Zeremonien – ein Affront gegen die Kirche? Und was hat es mit dem Dauerrausch dieser Künstler auf sich? Bloß exzessive Entgleisung in der Fremde, oder doch tieferes künstlerisches Programm?
In der Frühen Neuzeit hing von dem Körper der Fürstin der Fortbestand einer Dynastie ab. Er war eine öffentliche Angelegen­heit, die der Hof, aber auch andere Territorialherren genau registrierten. Die Körperlichkeit und Sexualität der Fürstin konnte, wenn sie denn „erfolg­reich“ war, ein nicht zu unterschätzendes Kapital darstellen, bot aber auch enorme Angriffs­fläche, vor allem wenn die fürstliche Ehe kinderlos blieb. Maria Hauber beleuchtet dieses Spannungs­feld am Beispiel von zwei sächsischen Fürstinnen aus dem 16. Jahrhundert: Elisabeth von Sachsen (1502-1557) und Anna von Sachsen-Coburg (1567-1613).
Metropolen im Wettbewerb

Metropolen im Wettbewerb

2025-12-1101:09:40

Wie der Stadtraum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem zunehmend umkämpften Raum wurde und welche Rolle dabei internationale städtebauliche Wettbewerbe spielten, darüber reden wir mit Cosima Götz. Denn Wettbewerbe erlebten zwischen den 1890er und den 1930er Jahren eine beispiellose Hochphase. Man versprach sich von diesen ihnen nichts Geringeres als einen »Generalplan« – für die Anlage von Verkehrswegen, Bau- sowie Freiflächen und vor allem auch für die gesellschaftliche Neuorganisation unter den Bedingungen einer als »modern« verstandenen Zeit. An den Städten Berlin, Ankara, Paris und Canberra zeigt Cosima Götz, wie die dabei entstehenden Konflikte bearbeitet wurden und welche planerischen, aber auch ideellen Folgen dies hatte. Uta Karstein und Thomas Schmidt-Lux haben nachgefragt, was das eigentlich bedeutet hat.
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