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Morgenimpuls
Morgenimpuls
Author: DOMRADIO.DE
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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.
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Am Wochenende war eine Gruppe elf bis dreizehnjährige Mädchen mit mir im Mutterhaus zu einem gemeinsamen Erleben in der Fastenzeit. Und dann haben wir unter anderem ein Fastenzeit- und Osterquiz gemacht mit immer drei bis vier Antwortmöglichkeiten. Manches ernsthaft, manches eher witzig, manches religiös und manches auch profan. Und zwei Mädchen waren immer schneller als alle anderen und wussten echt immer fast alles wirklich richtig. Ich war total erstaunt und in der Pause zwischendurch habe ich dann mal gefragt, wieso und woher sie das alles wussten. Na, aus der Schule und von zuhause, war die genauso rasche, fast identische Antwort. Die anderen Mädels, die zum Teil in die gleiche Schule und sogar in die gleiche Klasse gehen, konnten kaum eine Frage beantworten, oder, wenn ich sie animiert habe, doch einfach mal zu tippen, war es meist echt daneben. Mir ist wieder klar geworden, dass Glaubensvermittlung wirklich viel eher zuhause geschieht, oder das zuhause Vermittelte eher in Kopf und Herz bleibt. „Wir machen das doch immer zusammen zuhause oder mit Oma“, sagen die Mädchen: „das Beten, das in die Gottesdienste gehen, am allerliebsten in die Osternacht und die ganzen Sachen mit den Palmsträußen, dem Ostereierfärben, dem Backen und alles, was so dazu gehört.“ Ich hoffe sehr, dass viele Eltern und Großeltern auf dem Schirm haben, dass das so ist und die Dinge, die das liturgische und Kirchenjahreszeitliche Lernen beinhalten, nicht im Alltagsgeschehen untergehen. Beim gemeinsamen Kreuzwegbeten, hinter dem Mutterhaus mit den sehr eindrücklich gestalteten Plastiken, sind dann auch die anderen Teilnehmerinnen aus sich herausgekommen, als es bei jeder Station darum ging, für wen wir, unter dem Eindruck der einzelnen Stationen beten könnten. Da hatte ich zwischendurch Gänsehaut bei den sehr klar formulierten Anliegen und Problemen, die dieser Jesus mit auf seinen Kreuzweg nehmen sollte. „Learning by doing“ heißt es im Englischen: lernen im Tun, ist auch für uns Ältere immer wieder gefragt, damit wir gerade in dieser Fastenzeit nicht vergessen, worum es geht – bei Gott und bei den Menschen.
Heute gibt es eine Zeile aus dem Buch Exodus aus dem Alten Testament. Da heißt es: "Gott sagt: Ihr habt gesehen, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe." Und wenn wir bedenken, dass die Worte Gottes nicht nur damals vor vielen tausend Jahren sondern auch heute an die gerichtet sind, die auf ihn hören, dann werde ich hellhörig.Viele Menschen haben ein ziemlich anstrengendes und mühsames Leben und plagen sich jeden Tag sehr, um sich und ihre Familien über die Runden zu bringen. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen kümmern sich um die Vielen, die in Not sind: um Flüchtlinge und Asylbewerber, um Strafgefangene und Nichtsesshafte, um alle, die durch unser soziales Netz gefallen sind. Und sie wissen oft nicht, wie sie mit der vielen Not klarkommen sollen. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen pflegen ihre kleinen Kinder, ihre chronisch Kranken, körperlich und geistig Behinderten und alten Familienmitglieder zu Hause mit viel Liebe und Einsatz, der sie aber oft bis an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Kraft bringt. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen engagieren sich in ihrer Kirche und müssen immer wieder damit klarkommen, dass alle Sünden und Fehler Einzelner immer allen angelastet werden und auch damit, dass sie als Frauen, als Laien, als Nichtgeweihte wenig Chancen haben, etwas in dieser, ihrer Kirche zu verändern. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Und doch und trotzdem und gerade deshalb gibt es diese Zusage Gottes an Sein Volk: "Ich habe Euch auf Adlerflügeln hierher zu mir getragen. Ihr werdet unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein." Es kann ein Trost, eine Hilfe, eine Motivation sein, wenn ich weiß: In all meiner Mühe und Sorge, in all dem, was mir mein Leben gerade nicht einfach macht, sagt mir Gott zu, dass er in meiner Nähe ist, mich in meinen schwierigen Zeiten nicht verlässt und auf mich achtet, weil ich zu ihm gehöre.
"Der Name der Rose" von Umberto Eco, ein wirklich großartiges Buch, eine Geschichte, die in einem abgelegenen Kloster in Norditalien spielt. Mordfälle, geheimnisvolle Bibliotheken, ein blinder Mönch, der einen besonderen Schatz hütet, ein Buch über die Komödie des Aristoteles. Für Jorge de Burgos, diesen Bibliothekar, ist Freude etwas unglaublich Gefährliches.Heute, am Laetare-Sonntag, soll aber schon ein bisschen österliche Freude in unsere triste Fastenzeit hineinfallen. Das wäre für ihn, für diesen Jorge de Burgos blasphemisch gewesen. Er vergiftet Bücher und will lieber die Freude zerstören, als dass jemand anderer Freude hat. Am Ende brennt die ganze Bibliothek und mit ihr das Kloster. Die beiden anderen Mönche William und Adson entkommen, doch die sorgfältig geplanten menschlichen Strukturen zerfallen.Lacht Gott? Jorge de Burgos hat das bezweifelt. Hier lacht Gott auch nicht. Es ist ein Bild für das, was passiert, wenn Menschen zu eng, zu ängstlich und zu egoistisch planen. Wenn Freude, Humor, Vertrauen und Großzügigkeit fehlen, dann endet menschliches Handeln viel zu oft in Zerstörung. Ganz anders schaut die Geschichte vom Turmbau zu Babel aus. Menschen wollten sich selbst groß machen, einen Namen erlangen, den Himmel stürmen. Sie planten, sie verwirklichten sich selbst und scheiterten. Hier wird sichtbar, dass Gott durchaus Humor hat. Er lässt die Menschen stolpern, weil sie alles zu ernst nehmen, alles allein schaffen wollen und er zeigt auf spielerische Weise, dass die Welt viel größer ist als unsere Pläne.Das Lachen Gottes ist ein Symbol für Freiheit, für Überraschung, für die Möglichkeit, dass aus Fehlern etwas Neues entstehen kann. Darin steckt eine wunderbare Einladung. Wir dürfen planen, handeln und streben. Aber wir sollten immer bereit sein, dass Gottes Wege anders verlaufen, dass Humor, Freude und Unerwartetes Teil des Lebens sind. Wo wir zu engstirnig handeln, kann es zerstörerisch enden. Wo wir offenbleiben, kann selbst das Scheitern zu Wachstum und Neubeginn führen.Der Mensch plant und Gott lacht. Ein Lachen, das nicht spottet, sondern Freude ist, das erinnert, wir sind ein Teil von etwas Größerem und darin liegt Freiheit, Lebendigkeit und gerade nach einem Fall die Chance für Neubeginn. Wie ist das in diesen letzten Wochen der Fastenzeit? Es lohnt sich sicherlich noch einmal einen Blick genau darauf zu werfen. Wo kann ich jetzt neu beginnen? In der Kraft und im Segen Gottes, weil Gott zumindest manches Mal über mich schmunzelt. Auslachen, das tut er natürlich nicht, aber er freut sich mit mir und den Chancen des Neubeginns.
Hier im Domradio in Köln, vielleicht wusstet ihr das noch gar nicht, gibt es unheimlich viele Fans der Fernsehserie Star Trek. Ich bin jetzt selbst nicht so der riesen Fan, aber eine Figur in der alten Serie fand ich immer schon richtig faszinierend und ihr ahnt es schon, es ist Mr. Spock der Vulkanier. Und immer, wenn der auf Menschen und auf andere Lebewesen trifft, dann erhebt er seine Hand in einem merkwürdigen Segensgestus und sagt: „Live long and prosper“, lebe lang und in Frieden.Was viele auch nicht wissen: Dieser Gruß ist eigentlich ein Segen. Leonard Nimoy, der Darsteller von Mr. Spock, kannte ihn aus seiner jüdischen Kindheit. Es ist der aaronitische Segensgestus. Die gespreizte Hand formt den hebräischen Buchstaben Shin, ein Zeichen für einen der Namen Gottes, Shaddai, der Allmächtige. Ein uralter Segen, der seinen Weg in die Popkultur gefunden hat. Und genau diesen Segen hören wir in der Bibel, im Buch Numeri: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr, lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden.“Dieser Buchstabe Shin steht also mehr als nur für ein Zeichen. Er erinnert auch an Shalom, den Frieden, der mehr ist als Ruhe oder Streitlosigkeit. Er erinnert aber auch an Schomer, das hebräische Wort für Hüter, Gott, der uns behütet, der uns schützt, der uns nicht loslässt.Gerade in diesen Frühlingstagen spüren wir vielleicht: Wir brauchen diesen Segen, dass Gott mit uns geht, dass er immer wieder sagt: Ich bin da, ich wache über dich und ich gehe mit dir. Und so können wir diesen Segen von Mr. Spock in unseren Alltag hineintragen, indem wir ihn uns nicht nur von Gott zusprechen lassen, sondern ihn vor allem anderen zusprechen: Du gehst nicht allein, du bist behütet, und über deinem Leben liegt ein Segen.
Manchmal hört und liest man ja in Gottesdiensten oder geistlichen Texten Formulierungen, die kaum noch jemand versteht, weil man die Hintergründe nicht mehr weiß und die Wortwahl sehr fremd und unverständlich klingt.Im Jubiläumsjahr unserer Ordensgemeinschaft 2013, als wir 150 Jahre Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung gefeiert haben, wurde unter anderem ein immerwährender Kalender erstellt und alle Schwestern unserer Gemeinschaft weltweit haben ihn bekommen. Darin haben wir Fotos aus unseren Provinzen in Deutschland, Brasilien, den USA und den Philippinen und alle paar Tage ein Wort, ein Zitat von unserer Gründerin Mutter Maria Theresia Bonzel abgedruckt. Dieser Tage habe ich da gelesen: "Gott hat uns in seinen Dienst genommen. Lasst uns bereitwillige Werkzeuge in seiner Hand sein, damit er uns zu seiner Ehre benutzen kann."Das Wort stammt aus einem ihrer vielen Briefe an die Schwestern. Wenn ich mal von der etwas verstaubten Sprache absehe, wird ihr Denken schon deutlich. Sie ist überzeugt, dass Gott sich Menschen erwählt, damit sie in seinem Namen, an seiner Stelle für ihre Mitmenschen sorgen und sich um die kümmern, die es notwendig brauchen – damals die Waisenkinder und die Kranken. Werkzeug in seiner Hand zu sein klingt in meinen emanzipierten Ohren nicht gerade erstrebenswert und benutzt zu werden als bereitwilliges Werkzeug schon gar nicht. Benutzt mich Gott zu seiner eigenen Ehre?Ich weiß nicht, wie es für Dich klingt. Ich denke, wir müssen solche Sätze in unser heutiges Denken übersetzen. Dann könnte es heißen: "Gott hat jeder und jedem von uns eine Aufgabe in der Welt zugedacht. Jeder Mensch hat dazu so viele Talente und Gaben bekommen, wie er braucht, um zur größeren Ehre Gottes an der Stelle zu beten, zu arbeiten, zu leiden und zu sein, wo Gott uns hingestellt hat, damit Gott geehrt wird durch all unser Tun."So klingt es in meinen Ohren und in meinem kritischen Herzen auch so, dass ich glauben kann, dass ich gemeint bin und vorbehaltlos loslegen kann in all dem, was heute anliegt und auf mein Tun wartet, zur größeren Ehre Gottes.
Überall in den Gärten sieht man die Leute herumwuseln und ihren Garten frühlingsschön machen. Da werden dürre Gräser und Zweige abgeschnitten, die trockenen Blüten vom letzten Jahr und die Wassertriebe an den Bäumen, neue Blumen gepflanzt oder ausgesät und so weiter und so fort. Weil das schöne Wetter einfach lockt und wir Lust haben, draußen zu sein und endlich wieder bunte Blüten zu sehen, die langsam aber sicher überall aufsprießen. Meine Brüder sind Gärtner und von ihnen habe ich gelernt, dass zu warten in diesem frühen Frühling einfach klüger ist. Viele Dinge, die wir jetzt abschneiden, treiben fröhlich neu und wenn dann noch Frost kommt, was hier in der Gegend nicht so selten ist, dann erfrieren die frischen Triebe und alle Mühe war umsonst.Ich gebe gerne zu, dass mir in manchen Situationen das Warten echt schwerfällt. Wir sind in der dritten Woche der Fastenzeit und es ist gefühlt noch ewig hin bis zum Osterfest. Eigentlich wären wir doch schon vorbereitet dafür, oder? Bei der scheinbar langen Zeit der Fastenzeit gerät schon mal aus dem Sinn, worum es in dieser Zeit geht. Im Abschnitt aus dem Lukasevangelium heute gibt es einen sehr prägnanten Schlusssatz: Jesus erklärt den Leuten, die ein Wunder von ihm nicht als göttlich anerkennen wollen und sagt: "Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut." Oh, das ist mehr als deutlich. Es geht nicht nur um freundlich kleine Aktivitäten, damit mein Glaube frisch aufblüht und mein Christsein wach bleibt. Es geht um knallharte Entscheidung für oder gegen Jesus und das, was er vom Reich Gottes verkündet.Für Jesus sein heißt immer auch für die Menschen sein, die Gottes Kinder sind und mit allen, egal wo sie herkommen, welche Religion oder Hautfarbe sie haben, in Frieden zu leben. Und alles und jedes, was dem entgegensteht, das sammelt nicht in Jesu Sinn, sondern zerstreut. Für Jesus sein und mit ihm Menschen für sein Reich gewinnen ist unsere Aufgabe, egal was und wie und wo wir leben und arbeiten. Nicht mehr und auch nicht weniger, damit die Botschaft Jesu immer frisch austreiben kann und keinem Glaubensfrost zum Opfer fällt.
Guten Morgen, kommst Du eigentlich morgens gut aus dem Bett? Das ist ja bei jedem anders: Meine Mitschwestern, die hier in San Damiano mit mir leben, tun sich schwerer als ich. Wenn mein Wecker loslegt, bin ich sofort da und muss mich fast bremsen, nicht ganz so eifrig sofort aus dem Bett zu springen. Auf dem Weg zum Bad höre ich dann einen Wecker aus dem anderen Zimmer, der einen Hahnenschrei imitiert und ich muss lächeln, wie lange der sich bemühen muss, ehe er sein Werk getan hat und seine Kundin wach ist.Der Schrei des Hahnes hat für uns ja eine besondere Bedeutung: Petrus, in seinem ungestümen Eifer für seinen Meister Jesus Christus, beteuert, dass er ihm folgen wird, wohin er auch geht. Und Jesus, der seinen Jünger kennt, kann ganz klar sagen: "Du? bevor der Hahn kräht, wirst Du mich dreimal verleugnen." In einem Hymnus, den ich sehr gern habe, werden wir daran erinnert und es ist gut zu bedenken, dass dieser Hahnenschrei des Petrus auch für mich gültig ist:Der Hahn, des Tages Herold, ruft, der Wächter in der Finsternis.Sein Schrei trennt von der Nacht die Nacht, dem Wanderer zur Nacht ein LichtDa fühlt der Schiffer neue Kraft, des Meeres Brandung sänftigt sich,der Fels der Kirche, Petrus, weint, bereut die Schuld beim Hahnenschrei.So stehet rasch vom Schlafe auf: Der Hahn weckt jeden, der noch träumt.Der Hahn bedrängt, die säumig sind, der Hahn klagt die Verleugner an.Herr, wenn wir fallen, sieh uns an und heile uns durch deinen Blick.Dein Blick löscht Fehl und Sünde aus, in Tränen löst sich unsre Schuld.Du Licht, durchdringe unsern Geist, von unsren Herzen scheuch den Schlaf,dir sei das erste Wort geweiht, dich preise unser Morgenlob. Amen.Aufstehen und neu beginnen. Schuld und Fehler in den Blick nehmen, bekennen, bereuen und bekehren. Die Fastenzeit ruft uns dazu ganz besonders auf.
Bei einer Tagung mit Diakonen und ihren Ehefrauen aus den östlichen Bistümern war ein Programmpunkt ein Besuch in Bautzen in der Oberlausitz. Das ist mittlerweile eine wunderschöne Kleinstadt und sie wirbt sehr schön um Besucher und schreibt: "Die Altstadt von Bautzen steckt voller Geschichten. Kriege, Stadtbrände, Königsparaden oder Strafgerichte – 1.000 Jahre Stadthistorie versprechen jede Menge Anekdoten und Legenden. Lassen Sie sich verzaubern von 1.000 Jahren Geschichte und nutzen Sie die unvergleichliche Gelegenheit für einen Bummel durch die Jahrhunderte!" Das ist die eine Seite dieser schönen Stadt.In den Zeiten von 1933 bis 1989 hatte der Name der Stadt einen solchen Schreckensklang, dass allein diesen Namen zu nennen, Gänsehaut und Angst ausgelöst hat. Gefängnisse und Lager in Bautzen I und II künden von unglaublichen Taten von Menschen an Menschen in den verschiedenen Diktaturen und Zeitläufen. Wir haben das Stasigefängnis mitten in der Stadt besucht und ich hatte ja schon im Vorhinein ein bisschen Angst davor, dieses Gefängnis, diese Geschichten, diese Bilder von politisch Gefangenen und die Filme mit Gesprächen mit Kindern und Enkeln zu hören. Wir wurden immer stiller und konnten uns kaum des Schreckens erwehren, dass nur das Schauen und Hören in uns ausgelöst hat. Aber es ist immer wieder notwendig zu erinnern und das Gedenken wach zu halten, damit das nie wieder passiert in unserem Land. Und dann sind wir noch zu einem besonderen Ort gefahren, einem Friedhof, auf dem durch das Engagement vieler Menschen nach 1990 den verscharrten Toten der Lager ein Ort und für Gedenken und Gesichter und Berichte gegeben worden ist.Mir ist bewusst, dass das hier kein freundlich schöner Morgenimpuls ist. Aber er kann helfen, wach zu bleiben für alles, was nicht gut ist in unserem Alltag und wo es um Menschen und besseres menschliches Miteinander geht. Auf der Tafel vor dem großen Holzkreuz auf diesem Friedhof stehen Worte von Paul Löbe: "Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch Tote zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet Abkehr von Hass, bedeutet Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat Liebe nötig."
Kennst Du Gordana Davkova, Halla Tómasdóttir, Claudia Sheinbaum, Netumbo Nandi-Ndaitwah, Jennifer Simmons, Catherine Connolly, Ilijana Jotowa? Das sind Präsidentinnen ihrer Länder und es gibt viele weitere Ministerpräsidentinnen und Regierungschefinnen weltweit. Warum erzähle ich das?Gestern war der Internationale Frauentag. Als DDR-Kind war und ist mir dieser Tag sehr präsent. Wir haben als Kinder den Tisch gedeckt, die Küche gefegt und Blumen gesucht. Und in den vielen Betrieben, in denen die Frauen den Hauptanteil der Belegschaft ausgemacht haben, gab es ebenso Blumen, und Reden und kleine Präsente. 1975 haben die Vereinten Nationen den 8. März zum "Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden" gemacht und in 27 Ländern ist dieser Tag ein staatlicher Feiertag. Ein paar Zitate von Frauen gefallen mir bis heute sehr gut: "Träume dir dein Leben schön und mach aus diesen Träumen eine Realität."Das sagt zum Beispiel Marie Curie, die Nobelpreisträgerin und PhysikerinUnd Ella Fitzgerald, die begnadete Musikerin und Sängerin gibt den Tipp:"Gib niemals auf, für das zu kämpfen, was du tun willst. Wo Leidenschaft und Inspiration ist, kann man nicht falsch liegen.""Wir können nicht erfolgreich sein, wenn die Hälfte von uns zurückgehalten wird."sagt Malala Yousafzai, Friedensnobelpreisträgerin und Kinderrechtsaktivistin aus Pakistan und meint ihren Staat und ihre Gesellschaft.Und Nancy Pelosi, die ehemalige Sprecherin des US-Repräsentantenhauses stellt fest:"Ich will, dass Frauen ihre Macht erkennen und wertschätzen. Sie müssen verstehen, dass nichts der Politik so gutgetan hat, wie mehr weiblicher Einfluss."Alle diese Zitate und Tipps tun uns auch als Frauen in der Kirche gut und es ist gut, weiterhin darüber nachzudenken und in die Zukunft zu tragen, damit Frauen nicht weiter die Kirche in Scharen verlassen, sondern teilhaben werden an allen Diensten und Ämtern in der Kirche.
Augen zu und durch! Aber dann bin ich selbst mit Blindheit geschlagen. Dann mache ich etwas, was ich nicht will, weil ich muss. Ich wollte mir mal die Augen lasern lassen. Aber da geht das nicht mit Augen zu und durch. Da muss man sehenden Auges, diese Prozedur aushalten. Und ich habe mal gehört - es stinkt. Fastenzeit ist für mich kein Aushalten mehr von unangenehmen selbst auferlegten Regeln. Die alle mit Essen und Trinken zu tun haben. Nein, ich will da genau das Gegenteil einüben. Nämlich: Augen auf! Augen auf für das, was mir wichtig ist. Augen auf, auch wenn es unangenehm wird. Ich will die Blindheit meiner Zeit abschütteln. Die Babbel, die Blase, in der ich um mich selbst kreise, die will ich aufpicken oder mir dieser Blindheit zumindest bewusst werden. Die eigene Blindheit sehen. Geht das? Vielleicht braucht man dazu eben dann doch einen guten Anstoß von außen. Etwas oder jemanden, der einem die Augen öffnet. Gott kann das sein. Der Augenöffner – wie Jesus in den Wundererzählungen – und dann werden wir zu Staunenden. Aber ich will das gar nicht so mit Wow-Effekt. Eher so, wie wenn man einen Horrorfilm guckt und sich schnell die Hände vors Gesicht schlägt und doch durch die Finger schaut. Ganz vorsichtig. Dann stelle ich mir vor, dass Gott sanft hinter mir ist und mir ins Ohr flüstert. "Ja ist gruselig, aber schau hin, trau dich, öffne trotzdem vorsichtig die Augen. Du bist bei mir. Du bist in Sicherheit." Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.
Meine Fastenzeit ist irgendwie jedes Jahr vom Scheitern geprägt. Sogar zum Scheitern verurteilt? Na wunderbar. Ich schmeiß hin. Obwohl … Rückschritte bedeuten ja nicht direkt Scheitern. Und ein Schritt zurück kann ja auch eine Chance sein, um Anlauf zu nehmen. Aber ich schaffe es einfach nicht, mich vom Süßigkeiten Schrank fernzuhalten. Manchmal merke ich sogar erst, wenn es zu spät ist, dass ich doch / was Süßes gegessen hab. Besondern auf der Arbeit, wenn es stressig wird … dann habe ich das Papierschen noch verräterisch in der Hand und fühle mich sofort schlechter. Versagerin. Gescheitert. Oder? Schritt zurück? Anlauf nehmen? Ziele sollen SMART sein. Also spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Was ist denn wirklich realistisch / für mich und als Christin sogar attraktiv? Will Gott, dass ich abnehme oder kein Diabetes bekomme? Ich will mir nicht mehr 40 Tage vornehmen. Ich ändre schon einmal den Zeitraum, dann wird’s auch realistischer. Mein Ziel für heute, was für mich heute machbar und realistisch ist, ist einfach zuhören, hinhören oder nur hören. Ich habe die Woche viel gesprochen, da wäre das ein attraktives Ziel für mich und meine Umgebung. Das mach ich, das schaffe ich und damit kann ich dann ohne schlechtes Gewissen zum Süßigkeiten Schrank greifen, weil es um etwas viel Attraktiveres geht. Im Hören, Zuhören, Lauschen, Horchen, da kann ich meinen Mitmenschen begegnen, echt Dasein an diesem Wochenende, und wer weiß, vielleicht ist da auch Gott. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.
Manchmal braucht man etwas anderes. Einen anderen Rahmen, ein anderes Aussehen, andere Musik, andere Rituale. Die Kirche wird völlig anders aussehen, heute Abend in Olpe. Sie ist in warmes Licht getaucht. Große orangene Stoffbahnen hängen von der Decke herab und deuten die Altarinsel nochmal anders. Viele Lichterbecher sind dort auf Steinen verteilt und die Kirchenbeleuchtung ist auf ein Minimum reduziert. Beim Einzug tragen Jugendliche das typische Tafelkreuz von Taize nach vorn und stellen es markant auf. Es gibt eine kurze Begrüßung und dann viel Gesang. Minutenlang eine Melodie mit einprägsamem Text, von einem Projektchor sehr gekonnt und einladend gesungen. Und immer mehr Menschen in der vollen Kirche singen mit. Nach und nach werden die Lichter aller Mitfeiernden entzündet, weil Christus, dein Licht, unsere Schatten verklärt. Ein Evangelium in 6 Sprachen gelesen und Fürbitten für die unendlich scheinende Liste der Länder in denen kriegerische Auseinandersetzungen sind und für jedes wird ein Licht auf den Altar gestellt. Stille, Vaterunser, Segen und Ankündigung von Zeit. Und die Einladung, die je eigene Kerze nach vorn zu bringen, mit Anliegen und Sorgen vor Gott zu tragen und weiterhin die wunderschönen Gesänge, die gesammelte Atmosphäre und das Gespür für die Gegenwart des Göttlichen. Das ist es glaube ich, was die Menschen an dieser Form des Gottesdienstes so lieben: alle Sinne werden angesprochen, die ruhigen Gesänge, die jeder sehr leicht mitsingen oder summen kann, wenige festgelegte Rituale und ein Gefühl des Geborgenseins in Licht, Raum und Klang. Leib und Seele, Herz und Verstand kommen zur Ruhe und können sich einschwingen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, dass tief in uns schlummert und so selten zutage kommen kann. Das Geheimnis der Gegenwart Gottes in jedem Menschen und im Sakrament des Altares, in Licht und Klang und im Kreuz, durch das uns Tod in Auferstehung errungen worden ist. Man könnte noch stundenlang bleiben und lauschen und staunen und beten. Vergewissern wir uns doch öfter dieser wunderbaren Gegenwart Gottes in uns.
Wir haben bei uns im Flur auf der Wohnetage einen Kalender an der Wand. Das ist ja nichts Besonderes, das haben sicher viele. Das Besondere ist, dass er schon seit 2013 da hängt. Wir haben ihn damals geschenkt bekommen und er ist einfach so schön, dass wir ihn seitdem nicht mehr abgenommen haben. Er ist ein Wochenkalender und hat auf der oberen Hälfte immer ein Bild aus einem Garten und unter der Kalenderzeile ein passendes Gedicht zur Jahreszeit, zur Festzeit, zur Gartenzeit. Und das ist so nett, dass ich mich immer freue, wenn ich ihn umblättere. Jedes dort abgedruckte Gedicht oder Lied lese ich jetzt also schon zum 14. Mal und es wird echt nie langweilig. Und jetzt im Frühling, in diesen schönen Sonnentagen, sind die Fotos nochmal mehr eine Augenweide und man bekommt Lust, in den Garten zu gehen und mal zu schauen, was da schon losgeht mit grün, und kleinem Blühen und der Ankündigung dessen, was da kommt. Und immer, wenn wir morgens in den Laudes einen besonderen Hymnus beten, wird mir besser der Zusammenhang klar, zwischen all den Mühen unserer Fastenzeit in der Vorbereitung auf Ostern und dem herrlich aufbrechenden Frühling in unseren Breiten. Dieser Hymnus heißt: Du Sonne der Gerechtigkeit, Christus, vertreib in uns die Nacht,dass mit dem Licht des neuen Tags auch unser Herz sich neu erhellt.Du schenkst uns diese Gnadenzeit, gib auch ein reuevolles Herzund führe auf den Weg zurück, die deine Langmut irren sah.Es kommt der Tag, dein Tag erscheint, da alles neu in Blüte steht;der Tag, der unsre Freude ist, der Tag, der uns mit dir versöhnt.Dir, höchster Gott, Dreifaltigkeit, lobsinge alles, was da lebt.Lass uns, durch deine Gnade neu, dich preisen durch ein neues Lied. AmenAlso, heute noch mehr den Frühling genießen, schauen, was da neu kommt und sich noch mehr auf Ostern freuen.
Mir geht es wie manchen Menschen: Ich habe zwischendurch ein schlechtes Gedächtnis. Und dann habe ich Tricks, wie ich trotzdem bei den Dingen bleiben kann, die mir wichtig sind. So liegt zum Beispiel auf meinem Schreibtisch ein Zettel. Darauf steht: 40 Tage Fastenzeit – nicht jammern – nicht meckern – nicht kritisieren – nicht ablehnen – nicht verletzen – nicht lästern - nicht verurteilen – DENK MAL POSITIV. Ich hatte das irgendwo abgeschrieben, weil es mir sehr zugesagt hat. Und jetzt fällt mir ein: ein Viertel der Zeit ist schon vorbei – was ist jetzt mit diesen Sätzen, die mich so angesprochen haben? Das ist ja schon mal die Crux mit den Vorsätzen: man fasst sie ziemlich hochgemut und hat guten Willen, dann kommt das Alltagschaos oder das tägliche Einerlei und plötzlich ist schon eine ziemliche Zeit vorbei und ich habe nicht dran gedacht. Der Vorteil der Fastenzeit ist, dass es ein gut überschaubarer Zeitraum ist: 7 Wochen, geht doch eigentlich. Und manchmal hilft dann eine Zusage und Ermutigung. So wie sie in der heutigen Lesung steht aus dem ersten Buch der Könige. „Wir sind ja Dein Volk Herr, und dein Eigentum. Du hast uns unter allen Völkern als Dein Eigentum ausgewählt“ Geht noch mehr?Wir sind gemeint, wir sind Gottes Eigentum, von ihm ausgewählt. Da fällt mir vieles leichter: ich muss nicht alles leisten, ich muss nicht alles allein schaffen, ich kann jeden Tag neu anfangen. Es immer neu probieren.Und dann hilft mir zum Beispiel, wenn ich nicht denken muss: Das nicht, das nicht und das auch nicht. Sondern auf meinem Zettel lesen kann: Denk mal positiv. Also: Du darfst, Du kannst, Du hast die Möglichkeit, Du willst doch. Das geht leichter. Denk mal positiv.
Ach Mensch, schon wieder ein Krieg, schon wieder Gewalt und Gegengewalt, schon wieder Auge um Auge und Zahn um Zahn, schon wieder Not, Tod, abgrundtiefes Leid und irrsinnige Zerstörung. Jeder weiß, dass ein Krieg kein Problem löst, und doch…. Die Weltgemeinschaft erlaubt Kriege zur Verteidigung oder präventiv, wenn ein Angriff zu befürchten ist oder man versuchen will, Staaten an der Nutzung der Atombombe zu hindern. Aber hier geht es schon wieder und wieder um Terrorstaaten, die ihren Einfluss und ihre Macht gefährdet sehen und wie wild um sich schlagen. Dass bisherige demokratische Staaten ebenso handeln und weder Kongress noch andere Gremien einbeziehen, macht diffuse Angst. Wenn jeder jeden aus irgendeinem Grund angreifen und Regierungschefs töten kann, was hält dann die Welt im Gleichgewicht?Mir geht es wie Dir und vielen von uns, die ratlos und hilflos die Nachrichten lesen und Brennpunkte schauen und keine Idee haben, was wir tun können. "Da hilft nur noch beten", sagen die einen, "ach, ihr mit eurem Beten das nutzt sowieso nichts und ist naiv“, sagen die anderen. Ich und viele Glaubende wissen aber, dass das Beten den Beter verändert und ihm Kraft gibt, Dinge zu ändern, die in seiner Macht liegen und andererseits seine Hoffnung auf Gott setzt, der die Herzen der Menschen ändern kann. Von Reinhold Schneider gibt es ein Gedicht, dass er 1936 geschrieben hat, und ich möchte es mit Dir teilen. Er schrieb damals:"Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhaltenund diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen.Denn Täter werden nie den Himmel zwingen: was sie vereinen, wird sich wieder spalten,was sie erneuern, über Nacht veralten, und was sie stiften, Not und Unheil bringen.Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt, und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,indes im Dom die Beter sich verhüllen, bis Gott aus unsern Opfern Segen wirktund in den Tiefen, die kein Aug entschleiert, die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.“ Beten wir also.
Gestern hat die zweite Woche der Fastenzeit begonnen. Wie war es so bisher mit Ihren Vorsätzen? Ideen gibt es jedes Jahr viele, aber ich merke das auch an mir: Im Trubel des Alltags gehen da schon manch gute Ideen mal verloren. Zur Fastenzeit gehören ja schon immer die guten Werke, um dem Nächsten in Notsituationen bei zu stehen und in der Not ganz konkret zu helfen, soweit es die eigenen Möglichkeiten zulassen.Ein Exerzitienmeister hat mir mal sehr die Augen geöffnet, als er in seinen Vorträgen klargemacht hat, dass Barmherzigkeit DAS Wort in der Bibel ist. Unsere christliche Tradition kennt je sieben leibliche und geistige Werke der Barmherzigkeit, die von ihren Ursprüngen an als Hilfe gegen existentielle und situationsbedingte Nöte zu verstehen sind. Die Aufzählung von Werken der Barmherzigkeit jedoch ist sehr viel älter als das Christentum: Schon die alten Ägypter kannten sie und im Alten Testament finden sich an vielen Stellen Beispiele für barmherzige Werke. Ich habe Lust mit Ihnen in den nächsten Wochen immer mal wieder auf diese Werke der Barmherzigkeit zu schauen und konkret zu überlegen, was sie für mich und für Sie vielleicht heute bedeuten können. Der Kirchenvater Augustinus, hat schon im 5. Jahrhundert gelehrt, dass alle Werke die wir tun wollen, der jeweiligen aktuellen Not angepasst werden müssen.Barmherzig kann die oder der sein, der es schon selbst erlebt hat. Dass da jemand mir Gutes getan, gesagt, gemailt, gemacht hat. "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer" könnte vielleicht über unserem Montag stehen. Statt eines klug ausgedachten Fastenopfers heute mal barmherzig sein zu einer Mitschwester, die mich nervt, zu einem Arbeitskollegen, der wieder zu spät kommt, zum Teenager, der wieder den gesamten WLAN-Account für sich braucht, mit der Oma, die jeden Tag anruft und ein langes Gespräch will. Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.
Heute ist der meteorologische Beginn des Frühlings. Was für ein schöner Tag hoffentlich! Frühling, das ist eine Zeit, in der das Leben erwacht. Etwas theologisch gesprochen könnte man sagen, der Frühling ist die Zeit der Hoffnung. Ostern ist ja auch nicht mehr ganz so weit weg, das große Fest der Hoffnung.Aber manchmal fragt man sich: Warum hat Gott eigentlich seine Hoffnung auf uns Menschen gesetzt? Und dann verlieren wir vielleicht sogar selbst irgendwie die Hoffnung, gerade in Zeiten des Krieges, des Unfriedens, der Gewalt. Es ist leicht, verzweifelt zu sein, unzufrieden, hoffnungslos. Zum Glück sind wir damit nicht ganz allein.Die Heilige Schrift ist voller Geschichten, in denen die Menschen die Hoffnungen verlieren, aber vor allem sie auch wiederfinden. Der Prophet Ezechiel etwa erlebt das Exil. Israel ist nach Babylon verschleppt, in Sklavenarbeit gezwungen. Er sagt: Ausgetrocknet sind unsere Gebeine, unsere Hoffnung ist untergegangen, wir sind verloren. Furcht lähmt. Hoffnung ist mehr als ein Gefühl in einer einzelnen Situation. Hoffnung ist eine Haltung, eine innere Ausrichtung auf Gott. Sie bringt uns in Bewegung, sie lässt uns auftauchen, sie lässt uns uns selber finden und vor allem eins, etwas Neues wagen.Hoffnung kommt vom mittelhochdeutschen Wort „hopen“, unruhig sein, zappeln. Hoffnung bewegt uns, Hoffnung ist eine positive Erwartungshaltung, eine handlungsleitende Ausrichtung für die Zukunft. Das wünsche ich uns allen für diesen heutigen Tag, zu entdecken, was unsere Hoffnung wachsen lässt.Der meteorologische Frühling erinnert uns daran: Es wird wieder mehr Licht werden. Und Jesus selbst sagt: Ich bin das Licht der Welt. Licht am Ende des Tunnels, Licht, das alles Wachstum des Frühlings ermöglicht. Neues Leben kann entstehen. Und das wissen wir: Alles Wachtstum lässt uns hoffen.
Die Olympischen Spiele sind jetzt gerade frisch vorbei. Die Winter-Olympiade hat viele Menschen begeistert. Manch einer hat sich vielleicht gefragt: Wie kommt man eigentlich ins Eishockey-Team? Wie wird man Teil einer Mannschaft? Und wir alle, fürchte ich, kennen die Situation, wie das so ist in der Schule. Da wird einer vom Lehrer, von der Lehrerin ausgewählt und muss dann ein Team zusammenstellen. Wer bringt eigentlich Stärke, Können oder Ehrgeiz mit? Solche Fragen kennen wir alle. Und nicht nur im Sport, sondern auch im Beruf, im Alltag. Oft neigen wir dann dazu, Perfektion zu erwarten und Schwächen zu vermeiden.Wie hat eigentlich Jesus sein Team zusammengestellt? Er wählte zwölf Menschen aus, keine Helden ohne Fehler, sondern ganz normale Menschen mit Stärken und Schwächen. Einer wird ihn verraten, einer verleugnen, zwei waren ehrgeizig, andere eher still. Thomas war der große Zweifler, unzulängliche Menschen, genau wie du und wie ich, wie wir. Und doch waren sie Jünger, weil sie Zusammenhalt, Vertrauen und Bereitschaft machten, und das war wichtiger als Perfektion.Der Kabarettist Hans-Dieter Hüsch hat es einmal so auf den Punkt gebracht: Zur menschlichen Würde gehört das Unvollkommene. Ich bitte die Menschen, sich dies zu erhalten. Diese weltliche Perspektive trifft ins Herz jeder Gemeinschaft und sollte auch in das Herz von uns Christen treffen. Paulus erinnert uns daran: Einer trage des Anderen Last.Verantwortung teilen, einander stützen, Fehler eingestehen, neu beginnen, das macht Gemeinschaft lebendig. Und das ist unser Team. Am Ende zählt nicht unsere Perfektion, sondern unser Zusammenhalt. Unzulängliche Menschen können gemeinsam unglaublich stark sein. Das ist die Kraft der Gemeinschaft, die wir in unseren Gemeinden, in unseren Kirchen und überall erleben können, getragen von Vertrauen, Respekt und der Bereitschaft, füreinander da zu sein.Dass auch ihr diese Erfahrung heute macht, wenn ihr im großen Team des Lebens mitspielt, das wünscht euch euer Stefan Wißkirchen, Hochschulpfarrer in Düsseldorf.
Aufgewachsen auf einem Bauernhof im Emsland, nach dem Abitur Eintritt in den Orden der Herz-Jesu-Priester, Studium der Theologie in Freiburg und Romanistik in Paris, 1987 Priesterweihe, weiteres Studium der Französischen Philosophie in Rom, Promotion mit einer Arbeit zur Mystik. Dann Lehramtsstudium für Geschichte und anschließend Staatsexamen, einige Monate Seelsorger in einer Einrichtung für behinderte Menschen in Toronto, zwei Jahre Schulseelsorger und Lehrer an einem Gymnasium, dann ein Jahr lang in den USA Lehrer an einer Highschol in der Bronx in New York und dann Schulleiter am ordenseigenen Gymnasium in Landrup im Emsland, 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz seiner Gemeinschaft und 2015 zum Generaloberen der weltweiten Gemeinschaft gewählt, seit 2018 Bischof von Hildesheim, seit 24. Februar neugewählter Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er spricht mehrere Sprachen fließend und ist als Ordensmann weltweit vernetzt.Wenn ich das so kurz erzähle, dann merke ich, wieviel Leben in diesem Leben ist und wie viele unterschiedliche Lebens- und Erfahrungsräume dieser neue Vorsitzende Dr. Heiner Wilmer gelebt und durchschritten hat. Und dann sagt er in einem ersten kurzen Statement, die Katholiken in Deutschland wollten ihre Kirche selbstbewusst und demütig in eine neue Zeit führen. Es gebe dabei unterschiedliche Wege, um aus dem Evangelium zu leben, aber man folge Jesus Christus gemeinsam nach.Die Katholiken im Land bezeichnete er als "das lebendige Gesicht der Kirche". Gemeinden, Verbände, Caritas, Schulen und Familien trügen den Glauben. Dieser sei eine Quelle von Kraft und Weite, verbinde Generationen und öffne Räume der Hoffnung, so Heiner Wilmer. Er wird in diesen neuen Räumen moderieren und Brücken bauen, Themen bearbeiten und Konferenzen leiten, Kompromisse suchen und auch anecken. Und am Ende wird er daran gemessen, ob er verbindend war und klar und dabei katholisch – also alles umfassend. Und da steht er nicht allein, das ist Aufgabe und Auftrag für jeden von uns.
Zurzeit gibt es bei uns in Olpe im Mutterhaus einen Exerzitienkurs mit Ordensfrauen und anderen Frauen. Im sehr spannenden Thema geht es um Begegnungen, durch die Neues beginnt. Zum einen geht es um viele Geschichten und Überlieferungen rund um Franziskus von Assisi. Dieser Heilige ist auch heute noch so populär, dass selbst Hunderttausende in diesen Wochen nach Assisi pilgern, um sich selbst klar zu machen, dass es nicht um alte Knochen geht, sondern um ein unglaubliches Leben, dass Jahrhunderte geprägt hat.In seinem Testament hat Franziskus von seinen vielen Begegnungen nur eine erwähnt und zwar die mit einem Aussätzigen. Früher hat er einen großen Bogen um diese Kranken gemacht und sich vor Ekel die Augen und die Nase zugehalten. Und dann einmal haut er nicht ab, sondern hält an, steigt runter von seinem hohen Ross, schaut dem Mann in die Augen und umarmt ihn. Und alles, was mir bis dahin bitter war, wurde mir plötzlich in Süßigkeit verwandelt, wird er später erklären. Wie das denn? Er hat plötzlich gespürt, dass dieser kranke, eklig aussehende und stinkende Mensch, ein Geschöpf Gottes ist, genauso wie er und noch mehr. Er hat plötzlich verstanden, dass das eine Begegnung mit Gott war. Anders als jemals gedacht.Er ist nicht in seine sicheren Bubble, nicht in seinem verschlossenen Weltbild und nicht in seiner sicheren heilen und reinen Umgebung geblieben. Das Ganze geschah nicht in einem frommen Rahmen, nicht beim Gebet oder in einer Kirche, nicht bei einem selbst ausgesuchten Fastenopfer, nicht beim Lesen eines frommen Buches, bei einem Besinnungswochenende oder beim Studium der Heiligen Schriften. Nein, diese Begegnung war mitten am Tag, mitten auf der Straße, mitten in einem verruchten Viertel voller Krankheit und Not. "Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt", wird Franziskus später schreiben und wird sein ganzes neues Leben mit den Armen, den Kranken, den Ausgestoßenen und am Rande lebenden verbringen und sich um sie kümmern. Begegnungen verändern manchmal kolossal und für ein ganzes neues Leben. Du und ich haben so etwas auch schon erlebt. Wahrscheinlich nicht so krass, wie bei Franziskus. Vielleicht erinnerst Du Dich heute an solche eigenen Begegnungsgeschichten, oder sie passieren genau heute.



