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Auf dem Weg als Anwält:in
Auf dem Weg als Anwält:in
Author: Duri Bonin
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© Duri Bonin
Description
In diesem Podcast reflektiert Duri Bonin mit Gästen über Fragen rund um die Arbeit als Anwalt und Strafverteidiger: Was macht eine gute Anwältin aus? Wie organisiert man die Anwaltstätigkeit? Wie handhabt man den Umgang mit Klienten, Gegenanwälten, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und den Gerichten? Was zeichnet ein gutes Plädoyer aus? Wie legt man sich eine Verteidigungsstrategie zurecht? Der spannenden Fragen sind vieler. Es ist ein Weg ins Urmenschliche, manchmal gar Allzumenschliche.
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In dieser Folge setzen Duri Bonin und Gregor Münch ihre gemeinsame Lektüre der Strafprozessordnung fort und kommen zu den sachlichen Beweismitteln nach Art. 192–195 StPO.
Im Zentrum steht die Schnittstelle zwischen Tatwirklichkeit und Aktenwirklichkeit: Wie wird eine Spur, ein Gegenstand oder ein Ort korrekt ins Verfahren überführt, sodass das Beweismittel später tatsächlich überprüfbar bleibt – für Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung? Was bedeutet es konkret, wenn das Gesetz verlangt, Beweisgegenstände „vollständig und im Original“ zu den Akten zu nehmen? Und wo liegen die praktischen Bruchstellen zwischen Norm und Alltag?
Das Gespräch bewegt sich konsequent entlang der Praxis: vom Umgang mit Originalen und Kopien über digitale Aktenführung, Ton- und Bildaufnahmen bis zur Frage, wann Verteidigung sich aktiv um Einsicht in das Original bemühen sollte. Dabei wird deutlich, dass Beweisführung weniger eine formale Frage ist als eine Frage von Integrität, Nachvollziehbarkeit und Kontrolle.
Am Ende öffnet sich der Blick über Art. 192 StPO hinaus: auf aktuelle bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Rügeobliegenheit und die grundlegende Frage, wer im Strafverfahren eigentlich die Verantwortung für einen rechtsstaatlichen Ablauf trägt.
Darum geht es in dieser Episode
- Art. 192 StPO: „vollständig“ und „im Original“ – was heisst das wirklich?
- Unterschied zwischen Beweisgegenstand und Aktenumfang
- Originale vs. Kopien: wann eine Kopie genügt – und wann nicht
- Praktische Beispiele: Tatwaffen, Testamente, Urkunden, digitale Beweise
- Einsichtsrechte der Parteien bei physischen Beweisgegenständen
- Ton- und Bildaufnahmen: Anspruch auf das Original statt nur auf Protokolle
- Herausforderungen der digitalen Aktenführung und wechselnder Aktennummerierung
- Beweisprüfung als aktive Aufgabe der Verteidigung
- Eigene Gutachten und die Frage der Entschädigung im amtlichen Mandat
- Vorschusspflicht und Kostenrisiken für die Verteidigung
- Take-Home-Message zu Art. 192 StPO: Originale ernst nehmen
- Exkurs: Bundesgericht zur Rügeobliegenheit
- Paradigmenwechsel? Warum Beschuldigte nicht für Verfahrensfehler der Behörden einstehen müssen
Ein Gedanke, der hängen bleibt: Eine echte Beweisprüfung beginnt dort, wo man sich nicht mit Auszügen, Screenshots oder Protokollen zufriedengibt. Wer wissen will, was ein Beweis wirklich trägt, muss – im Zweifel – das Original sehen, hören oder anfassen können.
Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie an Richterinnen und Richter, die sich mit der praktischen Beweisführung im Strafverfahren befassen. An Praktikerinnen und Praktiker, die wissen wollen, wo die StPO klare Vorgaben macht – und wo Aufmerksamkeit, Erfahrung und Nachfragen entscheidend sind.
Bei einem Freispruchbier kam die Idee auf, die Strafprozessordnung Artikel für Artikel zu besprechen: Deshalb treffen sich [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch) und [Gregor Münch](https://www.d32.ch/personen) freitags in den "Heiligen Stunden" des 5-Uhr-Clubs und diskutieren einen Artikel der Strafprozessordnung. Wann ist Aussageverweigerung sinnvoll? Warum braucht es Teilnahmerechte? Wie läuft eine Einvernahme ab und wie ist die Atmosphäre im Vernehmungszimmer? Wann finden die meisten Verhaftungen statt? Diesen und weiteren Fragen gehen Duri und Gregi in diesem Podcast nach.
Die Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen Plattformen zu hören 🎧. Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und abonnieren.
Hast du schon einmal gekündigt – und ist dir schon einmal gekündigt worden? Warum entzieht man einem Strafverteidiger ein Mandat genau dann, wenn er nachweisbar liefert? Und was sagt das über Rollen, Erwartungen und Symbolik in Konfliktsituationen?
Frank Renold und Duri Bonin setzen ihr Gespräch «Mit 40i cha mers mit de Tiger» fort – diesmal entlang von Kündigungen und Entscheidungen, die sich selten vollständig rational erklären lassen. Was passiert, wenn man eine Stelle kündigt, ohne Plan? Wie hat Duri den Entscheid gefällt, Anwalt zu werden? Wie ist es, wenn man selbst eine Kündigung aussprechen muss? Warum fühlen sich manche Entscheide im Moment brutal an, wirken aber im Nachhinein wie ein geöffnetes Fenster?
Die beiden sprechen über Probezeit und Teamdynamik, über Auswahlverfahren als Storytelling und über die Frage, wie viel Zufall in Lebensläufen steckt – und wie viel Mut in einem klaren Schnitt.
Darum geht es in dieser Episode
- Kündigen ohne Anschlussplan
- Rückzug und Neuorientierung: Maiensäss, Lesen, offline sein
- Anwaltsprüfung und Kanzleistart: Disziplin und schneller Übergang in die Praxis
- Mandatskündigungen im Strafverfahren: Logik vs. Symbolik
- Kündigungen als Arbeitgeber: Probezeit, Passung, Verantwortung
- Auswahlverfahren als Storytelling: Fussball, Orchester, Casting
Diese Folge ist für alle, die über Kündigung und Neustart nachdenken – aus Stress oder Unterforderung. Für Führungspersonen, die Passung im Team besser verstehen wollen. Und für alle, die interessiert, wie Entscheidungen im Berufsalltag und in Verfahren entstehen, wenn Emotionen und Rollenbilder mitspielen.
Links zu diesem Podcast:
- [#761 So geht es nicht weiter: Kündigen, bevor der Körper entscheidet](https://www.duribonin.ch/761-so-geht-es-nicht-weiter-kuendigen-bevor-der-koerper-entscheidet/)
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)
- Firma von [Frank Renold](https://ohnenamen.ch)
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In dieser Folge von 'Mit 40i cha mers mit de Tiger' sprechen Duri Bonin und Frank Renold über eine Entscheidung, die viele lange vor sich herschieben: die Kündigung. Frank erzählt offen, warum er seine Stelle gekündigt hat, welche körperlichen und psychischen Warnsignale ihn dazu gebracht haben, – und wie es sich anfühlt, wenn man den Schritt tatsächlich macht. Im Zentrum steht nicht Arbeitsrecht als Theorie, sondern der Moment, in dem man merkt: So geht es nicht weiter. Frank beschreibt plastisch, wie Stress sich gezeigt hat (Schlafprobleme, Grübeln, emotionale Labilität) und warum gerade das Gefühl von Handlungsfähigkeit nach der Kündigung entlastet.
Neben der persönlichen Seite wird auch das Praktische sichtbar: Wie kündigt man eigentlich gut? Warum ist es hilfreich, Dinge schriftlich festzuhalten, auch wenn das Gespräch mündlich stattfindet? Und wie sieht ein Offboarding aus, das professionell ist und gleichzeitig menschlich bleibt?
Darum geht es in dieser Episode
- Kündigung als Reaktion auf Stress und Überlastung
- Warnsignale erkennen: Schlafprobleme, Grübeln, emotionale Labilität
- Selbstwirksamkeit: Warum Entscheidungen entlasten können
- Zwischen Entscheid und Kündigungsgespräch: Wie schnell muss man handeln?
- Kündigung mündlich oder schriftlich: warum ein schriftlicher Nachweis beruhigt
- Offboarding in der Praxis: professionell, empathisch, klar organisiert
- Trauer, Scham und Wertschätzung: welche Gefühle bei einer Kündigung auftauchen
- Kündigung als Beziehungsbruch: Parallelen und Unterschiede
- Übergabe und Abschluss: mit einem Bein draussen und trotzdem verantwortlich bleiben
- Kommunikation ohne WhatsApp: digitale Erreichbarkeit und weniger Bildschirmzeit
Diese Folge ist für Menschen, die mit dem Gedanken spielen zu kündigen, aber zögern. Für alle, die Stresssignale besser verstehen wollen. Und für Führungspersonen und Teams, die überlegen möchten, wie ein Offboarding professionell und gleichzeitig menschlich gelingen kann.
Frank Renold und Duri Bonin diskutieren in ihrem monatlichen Podcast aktuelle Fragen aus Beruf, Familie und Gesellschaft. Frank ist Unternehmer – erfolgreich und gescheitert. Schauspieler. Optimist. Bastler und Tüftler. Er hat UX-Design und Web-Applikationen entwickelt, ein Theater gebaut, viel improvisiert und einen Baum gepflanzt. Er arbeitet als Coach und ist fasziniert von Menschen, die etwas können. Er blüht auf, wenn Dinge gemeinsam entstehen – im Tun, nicht im Konzept. Duri ist Anwalt, Strafverteidiger, Autor und Podcaster. Er arbeitet seit vielen Jahren im Strafrecht, denkt über Verfahren, Wahrheit und Verantwortung nach und schreibt und spricht über das, was zwischen Akten, Menschen und Entscheidungen liegt. Ihn interessiert, wie Recht wirkt, wo es scheitert – und was es braucht, damit es trägt. Gemeinsam teilen sie ihre Einsichten, Zweifel und Erfahrungen. Mit Witz, Tiefe und Freundschaft.
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Diese Folge knüpft an [#757 Plädieren mit Substanz: Wie Strafverteidigung vor Gericht überzeugt an](https://www.duribonin.ch/757-plaedieren-mit-substanz-wie-strafverteidigung-vor-gericht-ueberzeugt/) – geht aber einen Schritt weiter. Es geht nicht mehr nur um Technik, sondern um die Funktion von Verteidigung im Verfahren.
Duri Bonin ordnet das Handwerk des Plädierens ein als Arbeit an Klarheit in einem Verfahren, das selten eindeutig ist. Strafverteidigung erzählt Geschichten – nicht um zu dramatisieren oder zu überreden, sondern um Komplexität verständlich zu machen, Widersprüche sichtbar zu halten und dem Gericht die Arbeit der Entscheidung überhaupt erst zu ermöglichen.
Die Folge zeigt, warum gute Verteidigung nicht im Effekt liegt, sondern in der sorgfältigen Verdichtung: von der Rechtsfrage über die Falltheorie bis zur Sprache des Plädoyers. Und warum genau diese Arbeit – so unspektakulär sie wirkt – für Gerichte zentral ist, um Sachverhalte einordnen, abwägen und verantworten zu können.
Darum geht es in dieser Episode:
- Warum gutes Plädieren mit der präzisen Klärung der Rechtsfrage beginnt
- Falltheorie: Was ist passiert – und was bedeutet das rechtlich?
- Die Funktion des Leitmotivs als innerer Kompass der Verteidigung
- Storymap im Strafverfahren: Figuren, Ort, Ablauf, Wendepunkt
- Warum die beste Version der Gegenseite immer mitzudenken ist
- Beweise einordnen statt aufzählen
- Einvernahmen und Zeugenbefragungen als Teil einer konsistenten Sachverhaltsversion
- Widersprüche integrieren statt verdrängen
- Die stärksten Gegenargumente offen benennen und beantworten
- Sprache im Plädoyer: Struktur, kurze Sätze, anschauliches Deutsch
- Warum Textbausteine Denken ersetzen – und Urteile schwächen
- Der ethische Prüfstein: nichts Wesentliches weglassen, nichts verdrehen
- Die Widerstandsprobe: Trägt die eigene Version auch unter ungünstigen Annahmen?
Gute Verteidigung arbeitet mit dem, was trägt – und verschweigt nicht, was offenbleibt. Sie hält Unsicherheit aus, statt sie zu kaschieren. Und sie nimmt das Gericht ernst als Instanz, die mit Ungewissheit umgehen und Verantwortung übernehmen muss.
Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie Vertreterinnen und Vertreter von Privatklägern, die ihr Plädieren schärfen wollen – nicht rhetorisch, sondern strukturell. An Richterinnen und Richter, die nachvollziehen möchten, wie Verteidigung Sachverhalte strukturiert und Entscheidungsprozesse unterstützt. Und an alle, die sich für Rechtsstaatlichkeit interessieren und verstehen wollen, warum gute Strafverteidigung nicht stört, sondern ermöglicht.
Links zu diesem Podcast:
- Buch '[Anwaltsmanagement](https://www.duribonin.ch/produkt/anwaltsmanagement-bd-6/)' (Bd. 6) - am 15.1.26 in 2. Auflage erschienen
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)
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Was passiert mit dem Rechtsstaat, wenn Angst und/oder emotionale Aufladung den Ton angeben? In dieser Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» spricht Duri Bonin mit Gregor Münch über einen historischen Strafprozess, der bis heute nachwirkt: die Stammheim-Verfahren der 1970er- und 1980er-Jahre – und darüber, was sie über heutige Strafverfahren erzählen.
Ausgehend vom Fall Peter-Jürgen Bock, einem ehemaligen RAF-Mitglied und Aussteiger, zeichnet Duri Bonin die Eskalation eines Strafverfahrens nach, das sich von der Zusage eines fairen Prozesses zu einem politisch aufgeladenen Ausnahmezustand entwickelte. Im Zentrum stehen Fragen nach Kronzeugen-Logik, Verfahrensklima, der systematischen Schwächung der Verteidigung und der Rolle von Gerichten in Zeiten gesellschaftlicher Angst.
Das Gespräch verbindet Rechtsgeschichte mit heutiger Praxis: Wie wirken Misstrauen, Sicherheitsdenken und politischer Druck auf Ermittlungsbehörden, Gerichte und Verteidiger? Wo beginnen Zermürbungsmechanismen – durch Terminregime, Sicherheitskontrollen, Honorarkürzungen oder die Abwertung verteidigerischer Arbeit? Und was bedeutet das für die Idee eines fairen, ergebnisoffenen Strafverfahrens?
Ein Zitat aus der Folge: «Wenn Angst den Strafprozess bestimmt, verschiebt sich alles. Dann wird Strafverfolgung zur Machtdemonstration, das Gericht zum Verteidiger des Staates – und die Verteidigung zum Problem.» Also genau dann, wenn diese am nötigsten wäre.
Darum geht es im Detail in dieser Episode:
- Stammheim als historisches Symbol für den Strafprozess im Ausnahmezustand
- Der Fall Peter-Jürgen Bock und die enttäuschte Erwartung an einen möglichen Kronzeugen
- Die Frage, ob „Fairness“ faktisch an Kooperationsbereitschaft geknüpft wird
- Wie ein öffentliches Interview (Der Spiegel) das Verfahrensklima kippen liess
- Die Rolle des Strafverteidigers Heinrich Hannover und die extreme Belastung der Verteidigung
- Der Versuch, unliebsame Verteidiger zu umgehen oder zu ersetzen
- Sicherheitsdenken gegenüber Verteidigern: Durchsuchungen, Misstrauen, Asymmetrien
- Zermürbungsmechanismen durch Terminierung, Reisepflichten, Durchsuchung, Überwachung
- Die Ökonomie der Pflichtverteidigung und das strukturelle Risiko für Kanzleien
- Pauschale Honorarkürzungen als Ausdruck von Geringschätzung verteidigerischer Arbeit
- Gutachten, die „zu gut passen“, und der Umgang der Gerichte mit methodischen Mängeln
- Verteidigungsbeweise, die formal erlaubt, praktisch aber entwertet werden
- Medien als Korrektiv oder zusätzlicher Druck auf Verfahren und Beteiligte
- Angst und/oder emotionale Aufladung als Motor der Strafjustiz – damals in Stammheim und heute in anderen Kontexten
- Die Frage, wie Prozesskultur und Waffengleichheit konkret geschützt werden können
Diese Folge richtet sich an Strafverteidiger, Richterinnen, Staatsanwälte und alle, die sich für Strafprozessrecht und Rechtsstaatlichkeit interessieren. An Menschen, die verstehen wollen, wie sehr Klima, Politik und Angst die Urteilsfindung beeinflussen können – und warum historische Verfahren wie Stammheim auch heute noch relevant sind.
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In dieser Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» spricht Duri Bonin mit Anna einen Tag nach ihrer mündlichen Wiederholungsprüfung. Es ist ein Gespräch über extreme Nervosität, Selbstkontrolle unter Hochdruck – und über den Moment, in dem alles kippt: von Angst zu Klarheit, von Zweifel zu Ruhe.
Anna erzählt ihren Prüfungstag minutiös: vom frühen Aufwachen, der wachsenden Nervosität ab dem Vormittag, dem Eisbaden im Fluss als kurzfristige Beruhigung, dem Warten vor dem Gericht und dem inneren Dialog im Spiegel. Im Zentrum steht nicht der Prüfungsstoff, sondern der Umgang mit Druck, der Einstieg in die Prüfung, das bewusste Verlangsamen, das strukturierte Denken – und das Vertrauen, dass die Kommission sehen will, was man kann, nicht was man nicht kann.
Die Folge zeigt eindrücklich, wie stark Auftreten, Tonfall und Interaktion den Verlauf prägen können. Wie eine freundlich gestellte erste Frage den Raum öffnet. Wie Selbstkontrolle funktioniert, wenn die Nervosität bei zehn ist. Und wie sich nach Minuten des Wartens die Entscheidung zuspitzt – bis zum Satz, der alles verändert: Sie haben die Prüfung bestanden.
Darum geht es in dieser Episode
- Der Tag der mündlichen Wiederholungsprüfung – von morgens bis abends
- Prüfungsangst, körperliche Reaktionen und mentale Überforderung
- Eisbaden, Atem, Routinen: kurzfristige Strategien gegen Stress
- Der Moment vor dem Gericht: Warten, Spiegel, Selbstansprache
- Warum der Einstieg in die Prüfung entscheidend ist
- Tonfall, Haltung und Interaktion als unterschätzte Faktoren
- Struktur statt Tempo: bewusst langsamer sprechen und denken
- Fokus auf das, was man weiss – nicht auf mögliche Lücken
- Die Beratung der Kommission und das Warten auf den Entscheid
- Der Moment des Bestehens und die emotionale Entladung danach
- Was Anna aus zwei Prüfungsanläufen gelernt hat
- Warum sie sich heute stärker fühlt als vor der ersten Prüfung
Ein Gedanke, der hängen bleibt: Nicht Wissen allein entscheidet in der mündlichen Anwaltsprüfung, sondern die Fähigkeit, unter maximalem Druck bei sich zu bleiben, zuzuhören und strukturiert zu denken. Mentale Stärke zeigt sich nicht in Abwesenheit von Angst, sondern im Umgang mit ihr.
Diese Folge richtet sich an Kandidatinnen und Kandidaten der Anwaltsprüfung. An Personen, die Prüfungsangst, Freeze oder Selbstsabotage kennen. Und an alle, die verstehen wollen, wie mentale Selbstführung, Auftreten und innere Haltung über Erfolg oder Scheitern entscheiden können.
Links zu diesem Podcast:
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)
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Was macht ein gutes Plädoyer aus? Nicht Lautstärke, nicht Polemik, nicht das grosse Finale – sondern präzise Arbeit an der «Geschichte», an den Widersprüchen und an den Zweifeln. In dieser Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» spricht Duri Bonin über das Handwerk des Plädierens.
Zum Jahresanfang geht es um die Grundlagen überzeugender Strafverteidigung vor Gericht. Wie entstehen Geschichten, die tragen? Warum sind Szenen stärker als Schlagworte? Weshalb ist es fatal, Widersprüche zu verschweigen – und warum liegt gerade im Benennen von Unsicherheiten oft die grösste Überzeugungskraft?
Die Folge zeigt Schritt für Schritt, wie aus Akten eine stimmige Falltheorie wird: vom klar definierten Ziel über das Leitmotiv bis zur Storymap mit Personen, Schauplatz, Zeitlinie und Wendepunkt. Duri erklärt, warum man die beste Version der Gegenseite kennen muss, um die eigene glaubwürdig zu entwickeln – und weshalb ethische Zurückhaltung kein moralischer Luxus, sondern ein zentraler Wirkfaktor ist.
Darum geht es in dieser Episode
- Warum Menschen durch konkrete Szenen überzeugt werden – nicht durch abstrakte Begriffe
- Wie Strafverteidigung mit Geschichten arbeitet, ohne Fakten zu verbiegen
- Weshalb Widersprüche nicht verdrängt, sondern integriert werden müssen
- Wie Zweifel sichtbar gemacht werden und warum «in dubio pro reo» praktisch wirkt
- Zieldefinition, Falltheorie und Leitmotiv als Fundament jedes Plädoyers
- Storymap im Strafverfahren: Personen, Schauplatz, Zeitlinie und Schlüsselszene
- Arbeit mit Beweisen: objektiv Unbestrittenes, neutrale und parteiische Zeugen
- Zeugenbefragung als Teil der eigenen Geschichte – nicht als Selbstzweck
- Sprache im Plädoyer: klare Struktur, kurze Sätze, konkrete Verben
- Warum Textbausteine Denken ersetzen – und Urteile schwächen
- Ethik in der Verteidigung: keine Polemik, keine Manipulation, keine Auslassungen
- Weshalb Vertrauen durch Fairness entsteht – gerade gegenüber Gerichten
- Warum ein Plädoyer Wochen vor der Verhandlung stehen sollte
- Der Stresstest der eigenen Geschichte: Trägt sie auch unter ungünstigen Annahmen?
Ein Gedanke, der hängen bleibt: Ein Plädoyer ist kein Seifenblasenprodukt und kein Widerstand um des Widerstands willen. Es ist das Ergebnis harter, ehrlicher Arbeit an einer Geschichte, die auch dann noch trägt, wenn man der Gegenseite maximal Glauben schenkt. Erst dann hat Verteidigung Substanz.
Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, die ihr Plädieren vertiefen und schärfen wollen. An Anwältinnen und Anwälte, die verstehen möchten, wie Psychologie, Sprache und Beweiswürdigung im Gerichtssaal zusammenspielen. Und an alle, die sich für Rechtsstaatlichkeit interessieren und verstehen wollen, warum gute Strafverteidigung nicht im Effekt, sondern in der täglichen Präzisionsarbeit liegt.
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Was passiert zwischen zwei entscheidenden Prüfungen - zwischen der ersten und der zweiten mündlichen Anwaltsprüfung? In dieser sehr persönlichen Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» spricht Duri Bonin mit Anna über die Zeit nach einem Nichtbestehen – und vor der alles entscheidenden Wiederholungsprüfung.
Es geht um Prüfungsangst, mentale Blockaden, Überforderung durch Gedanken an das Danach und um die Frage, wie man mit maximalem Druck umgeht, ohne sich selbst zu sabotieren. Anna erzählt offen von ihrem Rückzug in die Berge, von Erholung, Visualisierung, Therapie, Lernstrategien und davon, wie leicht man sich in Prüfungssituationen im eigenen Kopf verliert.
Die Folge zeigt eindrücklich, dass es oft nicht am Wissen scheitert, sondern am Moment: am Einstieg, am Auftreten, am inneren Dialog. Und sie macht Mut, den Fokus wieder auf das Wesentliche zu legen – zuhören, nachfragen, bei den Basics beginnen, Komplexität reduzieren.
Darum geht es in dieser Episode
- Die Zeit nach einem Prüfungs-Fail und vor der Wiederholungsprüfung
- Prüfungsangst, Panik, Freeze – und wie sie entstehen
- Warum Druck nicht aus mangelndem Lernen, sondern aus Gedanken entsteht
- Mentale Strategien: Visualisierung, Atem, Routinen, Self-Control
- Erholung als Teil der Vorbereitung: Berge, Abstand, Fokus
- Der Umgang mit der Angst vor dem endgültigen Scheitern
- Warum der Auftritt oft entscheidender ist als Detailwissen
- Einstieg in die Prüfung: hören, nachfragen, strukturieren
- Komplexität reduzieren statt gedanklich vorgaloppieren
- Warum es hilft, nicht «speziell» sein zu wollen
- Lernen zwischen Optimismus und Realismus
- Wiederholung als mentale Klippe – und als Chance
Ein Gedanke, der hängen bleibt: Nicht das Wissen bringt einen aus der Bahn, sondern die Angst vor dem nächsten Gedanken. Wer lernt, im Moment zu bleiben, zuhört und bei den Grundlagen anfängt, gewinnt wieder Handlungsspielraum – selbst unter maximalem Druck.
Diese Folge richtet sich an angehende Anwältinnen und Anwälte, Jurastudierende und alle, die sich auf mündliche Prüfungen vorbereiten. An Menschen, die mit Leistungsdruck, Versagensangst oder mentalen Blockaden kämpfen. Und an alle, die verstehen wollen, warum mentale Stärke, Auftritt und Selbstführung in Prüfungssituationen oft entscheidender sind als reines Faktenwissen.
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Kurz vor dem Jahreswechsel sitzen Duri Bonin und Nina Langner zusammen und tun etwas, das im Kanzleialltag viel zu selten geschieht: innehalten. Wie fühlt sich 2025 an, wenn man es wirklich betrachtet? Welche Bilder bleiben, welche Momente tragen und welche Reibungen kosten Kraft? Es ist ein Gespräch über Berufsstolz ohne Pathos, über Erleichterung nach einem Freispruch, über das zermürbende Thema der Honorarnotenkürzungen und über ein gesellschaftliches Klima, das immer stärker nach «maximaler Sicherheit» schreit. Und dann der Blick nach vorn: weniger Flipperkasten im Kopf, mehr Luft im Tag, ein Kanzleialltag, der nicht wieder im Tunnel endet.
Ein Moment, der hängen bleibt: Nina beschreibt ihren grössten Moment des Jahres 2025 nicht als «Triumph», sondern als körperliche Entlastung: jenen Augenblick, in dem ein Stein herunterfällt, wenn ein Mensch nach Jahren unter einem schweren Vorwurf endlich wieder atmen kann. Duri macht deutlich, warum das mehr ist als ein beruflicher Erfolg: weil sichtbar wird, wie sehr ein Verfahren ein Leben formt – lange bevor ein Urteil gesprochen wird.
Zentrale Themen und Fragen der Episode
- Was bedeutet ein Freispruch emotional, wenn man die Jahre davor mitträgt?
- Warum treffen Honorarnotenkürzungen doppelt – finanziell und als Misstrauenssignal?
- Weshalb ist das Rechtsmittel gegen Honorarpauschalen oft irrational, obwohl es um Fairness geht?
- Wie organisiert man Strafverteidigung so, dass Unvorhergesehenes Platz hat und nicht alles andere verdrängt?
- Was macht eine zunehmende Sicherheitskultur mit Institutionen – und warum kippt sie schnell in Misstrauen gegenüber der Verteidigung?
- Wo liegt die Grenze zwischen «nah bei den Klienten sein» und «sich selbst verlieren»?
Zitate, die bleiben:
- «Eine gute Strafverteidigung ist nicht das grosse Finale – es ist die tägliche Arbeit, die den Unterschied macht.»
- «Früher hatte ich das Primat: Ich ziehe jede Honorarkürzung weiter, egal wie gross der Aufwand ist. Nach einem Herzinfarkt sind das dann irgendwie wie die Kämpfe, die man nicht mehr führen mag.»
- «Es macht einen Unterschied, ob wir im Fall drin sind oder nicht – nicht nur wegen des Resultats, sondern weil sich jemand gehört fühlt und weniger Angst hat.»
Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, die ihren Beruf nicht nur als Technik, sondern als Verantwortung erleben. An Anwältinnen und Anwälte, die den Druck von langen Verfahren, knappen Ressourcen und strukturellem Misstrauen kennen und sich fragen, wie man diesen Beruf über Jahre hinweg ausüben kann, ohne sich selbst zu verlieren. Sie ist ebenso für Menschen gedacht, die im Justizsystem arbeiten oder ihm nahestehen und verstehen wollen, was Verteidigung im Alltag tatsächlich bedeutet – jenseits von Urteilen, Schlagzeilen und abstrakten Prinzipien. Und schliesslich für alle, die sich für Rechtsstaatlichkeit interessieren und dafür, wie viel es ausmacht, ob jemand im Verfahren begleitet wird oder nicht: nicht nur für das Resultat, sondern für das Gefühl, gehört zu werden und weniger Angst zu haben.
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Duri Bonin hat [Patrick Arnecke](https://www.linkedin.com/in/patrickarnecke/) zu sich in den Podcast eingeladen, weil er verstehen will, wie KI im realen Workflow hilft. Daraus ist die Serie «Back to the Future» entstanden: eine ruhige Bestandesaufnahme nach dem Hype – was heute schon funktioniert und wie man es sauber in die Praxis bringt.
KI ist nie nur Technik. Sie ist Soziotechnik: Sie verändert Rollen, Verantwortung, Zusammenarbeit und am Ende auch die Frage, was in der Verwaltung (und in der Justiz) als fair, nachvollziehbar und korrekt gilt. In dieser Episode sprechen Duri Bonin und Patrick Arnecke über KI-Ethik als praktische Arbeit: nicht nur «Was dürfen wir?», sondern «Was wollen wir?» und welche Leitplanken es dafür braucht.
Ausgangspunkt sind reale Workflows: Sprachvereinfachung, Audiotranskription, Protokolle in Einvernahmen. Patrick zeigt, warum «Fehler» kein Randthema sind, sondern der Kern jeder ethischen Debatte über KI: Jedes System macht Fehler – entscheidend ist, welche Fehler, wie weh sie tun, und wie man damit sauber umgeht. Ein zentrales Prinzip in der Zürcher Verwaltung: KI als Hilfssystem, nicht als Entscheidungssystem. Patrick nennt das nicht «Human in the Loop», sondern konsequent «AI in the Loop»: Die KI liefert Entwürfe und Anregungen – der Mensch bleibt zu 100 Prozent verantwortlich. Dazu gehört Governance statt Siegeldenken: keine einmalige «KI-Zulassung», sondern laufende Beobachtung, Folgenabschätzung und Qualitätskontrolle über den ganzen Lebenszyklus inklusive Konzeptdrift (die Welt ändert sich, das Modell bleibt stehen). Und am Schluss steht eine Perspektive, die hängen bleibt: KI ist nicht «Zukunft». Sie ist längst überall – gerade weil sie oft unsichtbar geworden ist. Nicht «Wann beherrschen Maschinen die Welt?», sondern: Sie tun es schon und oft erstaunlich doof.
Konkret wird besprochen:
- Warum KI-Ethik mehr ist als Compliance: Es geht um Werte, Gemeinwohl und Benachteiligungen verhindern.
- Benefizienz: KI soll Arbeit besser machen (z.B. mehr Zeit für juristische Kernarbeit statt Protokollstress).
- Fehlerkultur bei KI: unterschiedliche Fehlertypen, unterschiedliche Schäden, unterschiedliche Prüfpflichten.
- Leitplanken der Zürcher Verwaltung: Studie/Leitfaden mit Universität Basel und AlgorithmWatch als Rahmenwerk.
- «AI in the Loop»: Assistenz statt Automatisierung, Verantwortung bleibt beim Menschen.
- Rollout als Teamsport (Juristinnen, HR, OE, Datenschutz, Sicherheit, Fachstellen).
- Ethik als Prozess: Monitoring, Konzeptdrift, laufende Folgenabschätzung statt Stempel.
- Bias als Chance und Risiko: Verzerrungen sichtbar machen – aber auch Datenerhebung vs. Datenschutz als Zielkonflikt.
- Soziotechnische Kompetenz aufbauen: reden, fragen, ausprobieren.
Für wen ist diese Folge besonders spannend? Für alle, die KI nicht als Buzzword, sondern als Verantwortungsthema verstehen wollen: Verwaltung, Justiz, Strafverteidigung, Behördenkommunikation, Compliance/Governance, Daten- und Digital-Teams – und alle, die KI einführen (oder einkaufen) wollen, ohne die Kontrolle abzugeben.
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In dieser Folge geht es um einen der grössten Wirtschaftsstrafprozesse Europas: den Cum-Ex-Skandal.
Gregor Münch ordnet für Duri Bonin die strafrechtlichen, rechtshilferechtlichen und politischen Dimensionen dieses Komplexes ein – mit besonderem Fokus auf die Rolle der Schweiz als Finanzplatz und im Rechtshilfe- und Auslieferungsrecht.
Ausgangspunkt ist die Arbeit der deutschen Staatsanwältin Anne Brorhilker, die die strafrechtliche Aufarbeitung der Cum-Ex-Geschäfte jahrelang massgeblich vorangetrieben hat und scharf kritisiert, dass sich finanzstarke Beschuldigte mithilfe von Einstellungen und Geldauflagen faktisch aus Strafverfahren «freikaufen» können.
Ein zentrales Thema der Episode ist der Fall Hanno Berger, einer der Schlüsselfiguren der Cum-Ex-Geschäfte, der sich lange Zeit in der Schweiz aufhielt und schliesslich an Deutschland ausgeliefert wurde. Dabei diskutieren Gregi und Duri unter anderem:
- wie Cum-Ex-Geschäfte funktionieren und weshalb sie als systematischer Steuerbetrug eingeordnet werden
- weshalb Fiskaldelikte traditionell nicht auslieferungsfähig sind – und wo diese Grenze aufweicht
- die Bedeutung der doppelten Strafbarkeit im schweizerischen Rechtshilferecht
- die Rolle der Schweiz als Transitstaat für Geldflüsse und als Standort einzelner Akteure
- die Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts und des Bundesgerichts im Auslieferungsverfahren
- die Frage der Haft-, Reise- und Verhandlungsfähigkeit aus Sicht der Verteidigung
- warum das Bundesgericht den Fall nicht als «besonders bedeutend» qualifiziert hat
Am Rande wird auch die politische Dimension angesprochen, unter anderem die Debatte um den damaligen Hamburger Bürgermeister und späteren deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz sowie den Einfluss von Lobbying im Finanz- und Bankenbereich.
Die Folge verbindet Wirtschaftsstrafrecht, Strafverteidigung und internationale Rechtshilfe – und zeigt exemplarisch, wie komplex, zermürbend und politisch aufgeladen grosse Finanzstrafverfahren (auch für die Schweiz) sein können.
Zum Schluss schenkt Gregor Duri das Buch «Cum/Ex, Milliarden und Moral» von Anne Brorhilker mit dem Hinweis, man müsse als Strafverteidiger auch die Perspektive der Strafverfolgung kennen. Duri spricht hörbar erfreut über Sympathie und Ambivalenz in Wirtschaftsstrafverfahren, die Rolle der Privatklägerschaft und darüber, weshalb Durchhaltewillen und Präzision in solchen Verfahren entscheidend sind.
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Gestern sass Anna in der mündlichen Anwaltsprüfung. Heute sitzt sie wieder bei Duri im Studio.
Und man hört es sofort: Die Zeit nach der Prüfung fühlt sich nicht an wie Erleichterung, sondern wie Nachbeben. Anna erzählt, was im Raum passiert ist, was in ihr passiert ist – und wie man mit einem Ergebnis weitergeht, das weh tut, aber nicht alles zerstört.
Anna spricht offen darüber,
- wie der Tag bis zum Prüfungstermin abgelaufen ist und wie sie die Minuten unmittelbar vor der Prüfung erlebt hat
- wie sie den Prüfungsraum betreten hat und wie es war, als die erste Frage an sie gerichtet wurde
- wie die Nervosität sich angefühlt hat, warum sie im OR sofort in Panik geraten ist und wie sie im Reden merkte: „Was rede ich da eigentlich?“
- wie sich Zittern und Schwitzen im Prüfungszimmer angefühlt haben – körperlich, unkontrollierbar, brutal ehrlich
- wie sie Begriffe verwechselt hat, wie Prüfer reagiert haben, und warum die Stimmung trotzdem neutral bis freundlich blieb
- wie die Pause und das Gespräch mit dem Prüfungspartner ihr geholfen haben, wieder in einen Arbeitsmodus zu kommen
- welche Fächer danach besser liefen und warum sich „kompensieren“ plötzlich wie ein Rettungsplan anfühlte
- wie belastend das Warten draussen ist, während die Prüfer drinnen das Ergebnis beraten
- wie der Bescheid kam: OR und ZGB nochmals
- wie sie es ihrer Familie sagen musste, und warum Tränen und Prosecco nebeneinander stehen dürfen
- warum sie am Morgen schon wieder gehandelt hat: neuer Termin, Fristverkürzungsgesuch, nicht zu lange warten
- warum sie trotz allem sagt: sechs von acht Fächern bestanden – das zählt
Duri ordnet mit ihr ein, was diese Prüfung psychisch macht, warum Bewegung und Timing helfen können, wie wichtig ein guter Prüfungspartner ist – und weshalb schnelles Wieder-Einsteigen nicht Härte ist, sondern manchmal Selbstschutz.
Du hörst in dieser Folge
• Der Moment nach der Prüfung: raus aus dem Raum, rein in den Körper
• Nervosität als Skala: von 9 zu 11 – und was das mit dir macht
• Blackout im OR: wenn ein Begriff reicht und der Kopf dichtmacht
• Mini-Momente im Prüfungszimmer: Zittern, Schweiss, Stimme, Wasserflasche
• Warum Rückfragen und Struktur (zu spät) plötzlich so logisch wirken
• Teamwork mit dem Prüfungspartner: Unterstützung, Chemie, Kollegialität
• Die Wartezeit draussen: psychischer Druck, Geräusche aus dem Beratungszimmer
• Das Ergebnis: OR und ZGB nochmals – und wie Anna den Bescheid verarbeitet
• Der Tag danach: neuer Termin, Fristverkürzungsgesuch, „sofort wieder aufs Ross“
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Morgen hat Anna die mündliche Anwaltsprüfung. Heute Abend sitzt sie bei Duri im Studio und spricht darüber.
Der Kopf zu voll, der Körper zu wach, die Zeit plötzlich kleinteilig wie eine Packliste. Anna erzählt, wie sich der Druck anfühlt, wenn innert Sekunden aus «ich kann das» ein «ich kann gar nichts» wird – und wie sie sich trotzdem einen Plan für morgen baut: für den Weg zum Obergericht, für die Minuten vor dem Gebäude, für die ersten Schritte im Prüfungsraum … Anna und Duri sprechen über alles, was in den Stunden vor der mündlichen Anwaltsprüfung wirklich zählt: die Taktung des Morgens, Pufferzeiten, Rituale, Kleidung, Tascheninhalt, Atmung, Stille. Und über die eine Frage, die sich niemand wünscht, aber jede und jeder kennt: Was mache ich, wenn im Prüfungszimmer plötzlich alles leer wird?
Eine Folge für alle, die die Anwaltsprüfung schon hinter sich haben, für alle, die vor einer mündlichen Prüfung stehen (Anwaltsprüfung Schweiz, mündliche Anwaltsprüfung Zürich), für alle, die Prüfungsangst kennen – und für alle, die spüren wollen, wie sich dieser letzte Abend anfühlt, wenn morgen alles auf dem Spiel steht.
Du hörst in dieser Folge:
- Abend vor der mündlichen Anwaltsprüfung: so fühlt sich der Druck wirklich an
- Annas konkreter Prüfungstag-Plan (Aufstehen, Puffer, Weg, Ankommen)
- Mini-Entscheidungen, die Stabilität geben: Outfit, Schmuck, Schuhe
- Packliste für die mündliche Prüfung: Wasser, Snacks, «Notfall»-Dinge
- Mentale Strategien gegen Nervosität und Gedankenspiralen
- Was tun bei Blackout in der mündlichen Prüfung: Rückfragen, zusammenfassen, Basics
- Warum Stille manchmal die stärkste Playlist ist
Podcast mit Anna Camozzi über ihre erste und zweite schriftliche Anwaltsprüfung:
- [#659 Scheitern als Chance: Der Weg zur mentalen Stärke](https://www.duribonin.ch/659-scheitern-als-chance-der-weg-zur-mentalen-staerke/): Eine junge Frau über Druck, mentale Blockaden, Selbstzweifel und die Kunst, nicht aufzugeben
- [#698 Schriftliche Anwaltsprüfung, zweiter Versuch – Warten. Zittern. Öffnen.](https://www.duribonin.ch/698-schriftliche-anwaltspruefung-zweiter-versuch-warten-zittern-oeffnen/): Ein Gespräch über Prüfungsangst, Selbstzweifel und den emotionalen Ausnahmezustand zwischen Hoffen und Bangen – und darüber, warum mentale Stärke auch Loslassen heisst
- [#702 Ich weine später – wie Anna mit dem negativen Bescheid zur Anwaltsprüfung umging](https://www.duribonin.ch/702-ich-weine-spaeter-wie-anna-mit-dem-negativen-bescheid-zur-anwaltspruefung-umging/): Eine mentale Reise durch die Räume der Anwaltsprüfung – und warum Vorbereitung weit mehr ist als das Lernen von Gesetzesartikeln
- [#705 Wenn die Spannung weicht – Anna über die emotionalen Nachwirkungen der Anwaltsprüfung](https://www.duribonin.ch/705-wenn-die-spannung-weicht-anna-ueber-die-emotionalen-nachwirkungen-der-anwaltspruefung/)
Links zu diesem Podcast:
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/shop/)
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In dieser Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» stellt Duri Bonin eine Praxisfrage an Nina Langner, die harmlos klingt und in der Haft trotzdem brennt: Spätabends spricht ein Polizist auf die Combox der Kanzlei. Eine verhaftete Person wünscht eine bestimmte Verteidigung, die Einvernahme soll am nächsten Tag zwischen 10 und 11 Uhr stattfinden. Man soll doch bitte am Morgen zurückrufen. Kurz nach 8 Uhr rufst du zurück – es klingelt ins Leere, dann springt die Combox an. Was machst du als Verteidigerin – und was bedeutet das für die Anwaltswahl der beschuldigten Person?
Duri und Nina sezieren den Ablauf nicht als Theorie, sondern als konkretes Handwerk unter Zeitdruck: Welche Schritte sind sinnvoll? Wo scheitert man strukturell (fehlender Name, kein Anknüpfungspunkt, kein greifbares «Mandatsverhältnis» gegenüber dem Posten)? Wie «rettet» die Polizei das Dilemma bequem über das Strafverteidiger-Pikett – und warum entsteht dabei genau die Nebenwirkung, dass am Schluss eine falsche Geschichte hängen bleibt («Ihr Wunschverteidiger hat nicht zurückgerufen»), obwohl schlicht niemand abgenommen hat?
Zentrale Themen und Fragen dieser Episode
- Warum du als Strafverteidigerin trotz Hartnäckigkeit auflaufen kannst, wenn du keinen Namen der beschuldigten Person hast und der Polizist vom Vorabend am Morgen nicht mehr greifbar ist.
- Welche minimalen Informationen die Polizei hinterlassen müsste (Name der Kontaktperson, Name der beschuldigten Person, E-Mail, direkte Nummer), damit der Wunsch nach Wahlverteidigung überhaupt praktisch werden kann.
- Wie man als Pikett-Anwalt mit dieser Lage umgeht und ob es dabei um anwaltliche Kollegialität geht oder darum, dem Klientenwunsch Nachachtung zu verschaffen.
- Warum alle professionellen Beteiligten sich daran messen lassen müssen, ob dem Wunsch der beschuldigten Person real nachgelebt wird – nicht nur formal. «Hauptsache irgendein Anwalt ist da» mag kurzfristig beruhigen, kann aber langfristig Misstrauen erzeugen, wenn die beschuldigte Person später erfährt, dass dem ursprünglichen Wunsch nicht wirklich Nachachtung verschafft wurde.
- Duri’s Leitfrage als Verteidigungs- und Polizeiethik im Kleinen: Was würde ich wollen, wenn ich die beschuldigte Person wäre?
Zitat, das bleibt: «Die Hauptperson in diesem Moment ist die beschuldigte Person. Punkt.»
Als Strafverteidiger erhält man Einblicke in die unglaublichsten Fälle und arbeitet eng mit sehr unterschiedlichen und spannenden Menschen zusammen. Im Podcast 'Auf dem Weg als Anwält:in' versucht der Anwalt Duri Bonin gemeinsam mit seinen Gesprächspartnern (Beschuldigte, Verurteilte, Staatsanwälte, Strafverteidiger, Gutachter, Opfer, Unschuldige, Schuldige …) zu ergründen, wie diese ticken, was sie antreibt und wie sie das Rechtssystem erleben. Behandelt werden urmenschliche Themen. Bei genauerem Hinsehen findet man Antworten auf eigene Fragen des Lebens und der Gesellschaft.
Links zu diesem Podcast:
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- Anwaltskanzlei von [Nina Langner & Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)
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Was passiert in einem Strafverfahren eigentlich wirklich?
In diesem Podcast denkt Duri Bonin über diese essentielle Frage nach. Er überlegt sich, wie unser Gehirn Wirklichkeit konstruiert, wie kommunikative Erinnerungen entstehen und weshalb das Strafrecht nie einfach mit „objektiven Fakten“ arbeitet, sondern immer mit gedeuteten Spuren und erzählten Geschichten.
In dieser Episode geht es unter anderem um die Fragen
- warum Strafverfahren rückwärtsgewandte Rekonstruktionen sind – und was das konkret für Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichte und Verteidigung bedeutet
- weshalb Spuren, Zeugenaussagen und Dokumente allein noch keine Geschichte erzählen
- wie unser Gehirn aus Bruchstücken eine scheinbar stimmige Wirklichkeit bastelt
- was man mit kommunikativem Gedächtnis meint und warum Erinnerungen in Familien, Gruppen und Medien immer miterzählt werden
- wie ein einfacher Verkehrsunfall zeigt, dass der erste Eindruck vom Tatgeschehen die ganze innere Landkarte bestimmt
- warum wir Plausibilität mit Wahrheit verwechseln und weshalb das im Strafverfahren brandgefährlich ist
- wie Alltagstheorien wie „Typisch, der war schon immer so“ unsere Wahrnehmung und Entscheidungen beeinflussen
- weshalb Erfahrung in Strafverfahren nicht nur schützt, sondern auch blenden kann
- und wieso wir eine Strafjustiz brauchen, die nicht nur Fälle prüft, sondern ihre eigenen Denkprozesse reflektiert.
Die zentralen Konzepte dieser Episode sind
- Rückwärtsgewandte Rekonstruktion: Strafverfahren versuchen, vergangene Ereignisse aus Spuren, Erinnerungen und Dokumenten zu rekonstruieren – immer mit Lücken, immer aus der Gegenwart heraus.
- Kommunikatives Gedächtnis: Erinnerungen entstehen und verändern sich in der Kommunikation. Was Zeugen, Opfer oder Beschuldigte „wissen“, ist immer auch das Ergebnis dessen, was rundherum erzählt wurde – in Familien, in Gruppen, in Medien.
- Plausibilität vs. Wahrheit: Eine Geschichte kann sich perfekt stimmig anfühlen und trotzdem falsch sein. Unser Gehirn liebt Kohärenz und verwechselt sie oft mit Wahrheit.
- Zwei Denkarten: Schnelles, intuitives Denken (Bauchgefühl, Routine) vs. langsames, reflektiertes Denken. Gerade im Strafverfahren arbeiten Menschen oft im schnellen Modus – unter Zeitdruck, medialem Druck, hoher Fallbelastung.
Diese Folge ist spannend für Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, die verstehen wollen, wie stark psychologische Mechanismen das Verfahren prägen. Für Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, die ihre eigene Fallwahrnehmung kritisch reflektieren möchten. Für Richterinnen und Richter, die sich mit kognitiven Verzerrungen im Gerichtssaal auseinandersetzen wollen. Für Polizistinnen und Polizisten, die wissen möchten, wie Berichte, erste Eindrücke und Zeugenbefragungen Wahrnehmung formen. Für Studierende von Strafrecht, Psychologie, Kriminologie, Soziologie – und für alle interessierten Laien, die schon immer ahnten: „So einfach ist das mit der Wahrheit im Strafverfahren nicht.“
Konkrete Fragen, die in diesem Podcast gestreift werden
- Was heisst es genau, wenn man sagt: „Das Strafverfahren ist eine Rekonstruktion“?
- Wie entstehen innere Bilder von Täter, Opfer und Tat – und warum bleiben sie so hartnäckig?
- Wieso ist eine Zeugenaussage nie einfach ein „Abspielen der Vergangenheit“?
- Wie mischen sich eigene Erlebnisse, Medienbilder und Familiengeschichten in eine Erinnerung?
- Warum wirkt die Geschichte „Er hat es wieder getan“ so plausibel – und wie kann man sich dagegen wehren?
- Weshalb hilft es nicht, einfach „objektiv“ sein zu wollen, wenn das Gehirn ganz anders arbeitet?
Viel Spass beim Hören – und vielleicht auch beim produktiven Zweifeln.
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Duri Bonin hat [Patrick Arnecke](https://www.linkedin.com/in/patrickarnecke/) zu sich in den Podcast eingeladen, weil er verstehen will, wie KI im realen Workflow hilft. Daraus ist die Serie «Back to the Future» entstanden: eine ruhige Bestandesaufnahme nach dem Hype – was heute schon funktioniert und wie man es sauber in die Praxis bringt.
In dieser Folge geht es um KI-gestützte Recherchesysteme: Wie finden wir Informationen in Millionen von Dokumenten? Welche Werkzeuge unterstützen Verwaltungsmitarbeitende? Und wie lässt sich KI so gestalten, dass sie hilft ohne Verantwortung zu ersetzen? Patrick erklärt, wie intelligente Suche, automatische Zusammenfassungen und Deep-Research-Mechanismen heute eingesetzt werden können.
Im Zentrum stehen zwei Arten von KI-Werkzeugen: 1. Intelligente Suche für interne Dokumentbestände und 2. Deep Research – ein mehrstufiges Rechercheverfahren, das Fragen strukturiert beantwortet, ohne dass KI frei im Internet sucht. Patrick zeigt im Detail, wie die Verwaltung mit riesigen Korpora arbeitet (Gerichtsentscheide, Bund, Kanton, Direktionen) und wie KI-Systeme helfen, erste Entwürfe und Rechercheberichte zu erzeugen.
Konkret wird besprochen:
- Warum Verwaltungen Millionen von Dokumenten besitzen und wie schwierig es ist, darin effizient zu recherchieren.
- Wie KI-gestützte Suchsysteme funktionieren und warum sie Mitarbeitenden deutlich bessere Treffer liefern als klassische Stichwortsuche.
- Wie ein Pilotprojekt mit dem Gemeindeamt Zürich zeigt, dass KI Antwortentwürfe für komplexe juristische Fragen liefern kann – als Hilfestellung, nicht als Entscheidung.
- Weshalb Deep-Research-Systeme Verwaltungsgerichtsurteile oder Bundesgerichtsentscheide strukturiert durchsuchen können und wie solche Systeme Hunderte von Dokumenten in einem Bericht verdichten.
- Wo KI scheitert: Halluzinationen, Fehlinterpretationen, falsche Gewichtungen.
- Warum Fachkompetenz entscheidend bleibt und KI niemals «für sich» juristische Fragen lösen darf.
- Welche Bias-Risiken auftreten: Automation Bias, Anchor Bias, Eloquenz-Bias – und weshalb gerade eloquente KI-Texte kritisch geprüft werden müssen.
- Warum Nachvollziehbarkeit und digitale Beweisketten in Zukunft essenziell sein werden, wenn KI in gerichtlichen Prozessen eine Rolle spielt.
- Wie maschinelle Modelle mit juristischen Argumenten umgehen und warum sie oft nicht verstehen, was ein Gericht denkt, sondern nur, was ein Gericht wiederholt.
Patrick macht deutlich: KI-gestützte Recherche ist kein Ersatz für juristische Arbeit, aber ein starkes Werkzeug, um bessere, schnellere und gründlichere Recherchen durchzuführen. Entscheidend bleibt immer der Mensch – kritisch, kompetent, verantwortungsbewusst.
Für wen ist diese Folge besonders spannend? Für alle, die mit grossen Dokumentmengen arbeiten – Justiz, Verwaltung, Forschung, Beratung, Bildung, KMU – und verstehen wollen, wie KI Rechercheprozesse beschleunigt, strukturiert und zugänglicher macht, ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben.
Die Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen Plattformen zu hören 🎧. Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und abonnieren.
In der Podcastfolge 746 ging es um ein grundlegendes Problem der Strafjustiz: Viele Strafurteile sind sprachlich und strukturell so schwer verständlich, dass Betroffene sie kaum nachvollziehen können. Diese Episode knüpft daran an. Sie zeigt konkret und praktisch, wie ein verständliches Urteil entsteht.
Duri Bonin überlegt zuerst, wie man den Sachverhalt klar darstellt. Am besten chronologisch, in der Vergangenheitsform und ohne unnötige Passivkonstruktionen. Unwichtige Details sollen wegfallen. Jeder Satz muss eine Frage beantworten: „Hilft diese Information, den Fall zu verstehen?“ Danach fragt er sich, wie eine präzise Beweiswürdigung aufgebaut ist. Ein Gericht soll sich auf die strittigen Punkte konzentrieren, die wichtigsten Beweismittel benennen und die eigenen Gedankenschritte offenlegen. Ein Urteil überzeugt nur, wenn klar wird, warum das Gericht einer Version glaubt und einer anderen nicht. Dafür braucht es keine Wiederholung ganzer Aussagen, sondern klare, nachvollziehbare Gründe. Weiter geht Duri der Frage nach, wie eine verständliche rechtliche Subsumtion gelingt. Gesetz und Sachverhalt müssen verknüpft werden. Ein gutes Urteil zeigt, warum ein Tatbestandsmerkmal erfüllt ist – nicht nur, dass es erfüllt ist. Juristische Begriffe sollten in Klammern kurz erklärt werden, damit auch Leserinnen und Leser ohne juristische Vorbildung folgen können.
Die Folge macht sichtbar, warum Fokussierung auf das Wesentliche so wichtig ist. Ein Urteil darf nicht im Unwichtigen ersticken. Alles, was für die Entscheidung entscheidend ist, muss klar und nachvollziehbar ausgearbeitet werden. Alles andere kann und soll gekürzt werden. Dazu braucht es Mut zur eigenen Sprache, Mut zur Ehrlichkeit. Klarheit in Sprache, Struktur und Argumentation ist ein Zeichen von Professionalität. Verständlich zu schreiben bedeutet keinen Verlust an Tiefe. Im Gegenteil: Wer etwas wirklich verstanden hat, kann es einfach erklären. Wer sich hinter Floskeln, Textbausteinen und Satzketten versteckt, zeigt eher Unsicherheit. Und genau diese Unklarheit kann ein Grund für ein Rechtsmittel sein, weil man sich nicht verstanden fühlt.
Diese Episode richtet sich an Strafrichter, Gerichtsschreiberinnen und Auditoren, Strafverteidigerinnen und Staatsanwälte, Journalistinnen, Studierende des Strafrechts – und an alle, die wissen möchten, wie Rechtsprechung funktioniert und wie man ein gutes Strafurteil schreibt.
Links zu diesem Podcast:
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)
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Diese Podcastfolge widmet sich einem der zentralsten, aber am wenigsten besprochenen Probleme der Strafjustiz: der Unverständlichkeit vieler Strafurteile.
Duri Bonin – Strafverteidiger und langjähriger Beobachter der gerichtlichen Praxis – zeigt, warum dieses Problem weit über Stilfragen hinausgeht. Viele Urteile sind sprachlich und strukturell so schwierig formuliert, dass die Verurteilten ihr Urteil kaum verstehen können. Das wirft grundlegende Fragen auf: Wie kann jemand eine Strafe akzeptieren, wenn der Entscheid nicht nachvollziehbar ist? Wie soll Vertrauen entstehen, wenn zentrale Gründe im Text untergehen? Und weshalb wirken manche Urteile sogar für erfahrene Juristinnen und Juristen wie Rätsel, die nur wenige entschlüsseln können?
Die Episode erklärt, weshalb verständliche Urteile ein Fundament der Strafjustiz sind. Ein Urteil richtet sich nicht an Professorinnen oder Fachjuristen. Es richtet sich an Menschen, denen der Staat Fehlverhalten vorwirft. Trotzdem dominieren Schachtelsätze, Passivkonstruktionen, Nominalstil, Textbausteine und lange Abschweifungen viele Urteilsbegründungen. Dadurch wird die entscheidende Frage schwer fassbar: Wie kommt das Gericht zu seinem Ergebnis? Die Folge zeigt, dass unklare Sprache und fehlende Struktur keine Nebensächlichkeiten sind. Sie gefährden Transparenz, Fairness und die Akzeptanz staatlicher Strafe. Ein Urteil, das nicht verstanden wird, wirkt willkürlich. Verständlichkeit ist deshalb eine Voraussetzung für Legitimation und ein Ausdruck von Respekt gegenüber den Betroffenen.
Die Folge wirft Fragen auf, die sich jede Person in der Justiz stellen sollte: Was macht eine verständliche und faire Urteilskommunikation aus? Und wie könnte ein Urteil aussehen, das Menschen wirklich verstehen? Duri möchte ein Problembewusstsein schaffen, das in der juristischen Ausbildung kaum vorkommt. Er richtet sich damit an Strafrichterinnen, Gerichtsschreiber und Auditorinnen, Strafverteidigerinnen und Staatsanwälte, Journalistinnen, Studierende des Strafrechts und an alle, die verstehen möchten, wie Rechtsprechung funktioniert und was ein gutes Urteil ausmacht.
Links zu diesem Podcast:
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
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Duri Bonin hat [Patrick Arnecke](https://www.linkedin.com/in/patrickarnecke/) zu sich in den Podcast eingeladen, weil er verstehen will, wie KI im realen Workflow hilft. Daraus ist die Serie «Back to the Future» entstanden: eine ruhige Bestandesaufnahme nach dem Hype – was heute schon funktioniert und wie man es sauber in die Praxis bringt.
Diesmal sprechen Patrick und Duri über Sprachvereinfachung in der Justiz: Wie verständlich sind juristische Texte? Was das für die Bevölkerung bedeutet? Wie kann KI die juristische Kommunikation wirklich verbessern? Was bedeutet Verständlichkeit im Recht? Und wie entsteht eine gerechtere Verwaltungssprache? Patrick stellt den kantonalen Pilot «KlartextZH» vor: Eine App, die komplizierte Sprache automatisch in verständlichere Varianten überträgt. Immer mit menschlicher Kontrolle, immer mit Verantwortlichkeit.
Konkret wird besprochen:
- Warum juristische Sprache in der Schweiz oft auf C2-Niveau liegt und damit von über 90 Prozent der Bevölkerung kaum verstanden wird.
- Wie der Zürcher Verständlichkeitsindex (ZIX) misst, wie schwer ein Text wirklich ist und wie hoch juristische Texte dabei ausschlagen.
- Wie viel Partizipation entsteht, wenn Behörden verständlicher schreiben.
- Wie KI-gestützte Vereinfachung funktioniert und warum sie nicht autonom eingesetzt werden sollte.
- Wie Verwaltungen mit über 2’000 Textbausteinen arbeiten und wieviel Arbeitsstunden KI spart.
- Welche ethischen Fragen sich stellen: Verantwortung, Fehlerquoten, Service für fremdsprachige Personen.
- Warum Verständlichkeit eine Frage von Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit ist.
Patrick zeigt: Sprachvereinfachung ist kein «Gimmick», sondern ein demokratisches Projekt. Verständliche Sprache ermöglicht Teilhabe in der Verwaltung, im Strafrecht, in Gerichten, in Gesetzen.
Für wen ist die Folge besonders spannend? Für alle, die schreiben, entscheiden, kommunizieren oder Recht anwenden – Verwaltung, Justiz, Bildung, Beratung, NGOs, KMU – und wissen wollen, wie KI Sprache klarer, inklusiver und zugänglicher macht.
Back to the Future:
- [#739 KI nach dem Hype – Wo hilft KI heute konkret? Wie einführen?](https://www.duribonin.ch/739-ki-nach-dem-hype-wo-hilft-ki-heute-konkret-wie-einfuehren/)
- [#741 KI nach dem Hype: Semantische Suche – schneller finden, besser entscheiden](https://www.duribonin.ch/741-ki-nach-dem-hype-semantische-suche-schneller-finden-besser-entscheiden/)
- [#743 KI nach dem Hype: Wie sicher ist KI-Audiotranskription in Strafverfahren? Erfahrungen in der Zürcher Justiz](https://www.duribonin.ch/743-ki-nach-dem-hype-wie-sicher-ist-ki-audiotranskription-in-strafverfahren-erfahrungen-in-der-zuercher-justiz/)
Links zu diesem Podcast:
- Mein Gast [Patrick Arnecke](https://www.linkedin.com/in/patrickarnecke/) ist diplomierter Data Scientist (AI & Machine Learning) beim Statistischen Amt Zürich; er entwickelt mit seinem Team nutzerorientierte KI-Lösungen und führt komplexe Transformationsprojekte
- [Künstliche Intelligenz (KI) im Kanton Zürich](https://www.zh.ch/de/politik-staat/kanton/kantonale-verwaltung/digitale-verwaltung/kuenstliche-intelligenz.html)
- [Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung: rechtliche und ethische Fragen](https://www.zh.ch/de/news-uebersicht/medienmitteilungen/2021/04/kuenstliche-intelligenz-in-der-verwaltung-braucht-klare-leitlini.html)
- [AI + Machine Learning Canton of Zurich](https://github.com/machinelearningZH)
- [Abteilung «Data» beim Statistischen Amt](https://www.zh.ch/de/direktion-der-justiz-und-des-innern/statistisches-amt/data.html).
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Ein dünnes Krimibändchen, ein ungewöhnliches Geschenk und eine Ermittlerfigur, die alles infrage stellt: In dieser Folge geht es um «Mehr Bier» von Jakob Arjuni – und darum, weshalb ein Privatdetektiv wie Kermal Kayankaya überraschend viel über Strafverteidigung lehren kann. Welche Haltung braucht Verteidigung wirklich? Wie arbeitet man in einem Umfeld voller Widersprüche, Lücken, Macht und Zufall? Und was bedeutet es, menschlich zu bleiben, wenn man täglich mit menschlichen Abgründen zu tun hat?
Duri Bonin überlegt, welche Haltungen und Arbeitsweisen aus dem Roman für die Strafverteidigung relevant sind:
- Misstrauen als Grundhaltung: Kayankaya glaubt niemandem – weder Polizei noch Mandanten noch Zeugen. Er prüft jede Aussage, sucht Lücken, achtet auf das Ungesagte. Genau diese Haltung prägt eine gute Strafverteidigung: nie der ersten Darstellung vertrauen, immer prüfen, was fehlt und wer profitiert.
- Unabhängigkeit statt Zustimmung:: Kayankaya ist Aussenseiter und unbequemer Beobachter. Auch Strafverteidigung erfordert innere Distanz, das Aushalten von Gegenwind und das Wissen, dass Beliebtheit kein Kriterium für gute Verteidigung ist.
- Humor als Überlebensstrategie: Arjunis trockener, sarkastischer Stil erinnert daran, dass Humor im Strafrecht Schutz bietet: Er verhindert Abstumpfung und moralische Überhöhung.
- Loyalität ohne Identifikation: Kayankaya hält zu seinen Leuten, ohne sie zu verklären. Gute Strafverteidigung braucht Loyalität gegenüber dem Menschen – nicht Sympathie, nicht Blindheit.
- Die Sprache der Strasse: Verteidigung ist Kommunikation, nicht Theorie. Wer die Codes und unausgesprochenen Regeln versteht, kann Menschen auf Augenhöhe begegnen.
- Gesellschaftliche Zusammenhänge: Im Roman wie im echten Strafrecht stehen Delikte nie isoliert. Sie spiegeln Strukturen: Armut, Herkunft, Machtverhältnisse, Zufall. Wer nur die Akte liest, verpasst die Wirklichkeit.
- Menschlichkeit als Werkzeug: Empathie ohne Weichheit, Nähe ohne Verstrickung – das erlaubt gute Vertretung, ohne erpressbar zu werden.
Die Episode stellt Fragen, die über den Roman hinausreichen: Was steht zwischen den Paragraphen? Wie arbeitet man in einem Feld, das gleichzeitig menschlich und gnadenlos ist? Und welche Haltung trägt einen wirklich durch die Strafverteidigung?
Links zu diesem Podcast:
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- [Mehr Bier, Kayankayas zweiter Fall](https://www.diogenes.ch/leser/titel/jakob-arjouni/mehr-bier-9783257215458.html?srsltid=AfmBOorAZWCIjvantF5hRNqfGoVH_6Ur2Pi9wroJ0kduKOP7cfrWysfU), von [Jakob Arjouni](https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Arjouni)
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