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Die Produktwerker
Die Produktwerker
Author: Tim Klein, Dominique Winter, Oliver Winter
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© Tim Klein, Dominique Winter, Oliver Winter
Description
Im Podcast der Produktwerker besprechen wir Themen rund um die Rolle des Product Owners. Dazu tauschen wir uns nicht nur untereinander aus, sondern sprechen auch mit interessanten Gesprächspartnern aus allen möglichen Themenbereichen von Product Ownern.
Die Produktwerker sind Tim Klein (@produktwerkCGN), Oliver Winter (@oliwin) und Dominique Winter (@designik). Als Experten für Produktentwicklungen haben wir uns in der agilen Community Kölns kennen und schätzen gelernt. Wir drei wollen die Kompetenz von Product Ownern und Produktorganisationen fördern, bessere Produkte und Services zu entwickeln.
Wir freuen uns über Euer Feedback auf produktwerker.de, per Mail an podcast@produktwerker.de oder via Twitter an @produktwerker.
Die Produktwerker sind Tim Klein (@produktwerkCGN), Oliver Winter (@oliwin) und Dominique Winter (@designik). Als Experten für Produktentwicklungen haben wir uns in der agilen Community Kölns kennen und schätzen gelernt. Wir drei wollen die Kompetenz von Product Ownern und Produktorganisationen fördern, bessere Produkte und Services zu entwickeln.
Wir freuen uns über Euer Feedback auf produktwerker.de, per Mail an podcast@produktwerker.de oder via Twitter an @produktwerker.
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Dominique und Tim sprechen in dieser Folge darüber, was das 3-Horizonte-Modell für die Arbeit als Product Owner bedeutet und warum es weit mehr ist als ein strategisches Denkmodell aus der Managementliteratur. Das 3-Horizonte-Modell hilft dabei, Produkte nicht nur im Hier und Jetzt zu betrachten, sondern im Spannungsfeld von heute, morgen und übermorgen. Viele Product Owner:innen stecken gedanklich tief im Tagesgeschäft: Backlog pflegen, sich mit Stakeholder abstimmen und Releases vorbereiten. Das ist wichtig. Doch genau hier setzt das 3-Horizonte-Modell an und öffnet ein wenig die Perspektive.
Doch was sind die drei Horizonte?
Der erste Horizont steht für das aktuelle Kerngeschäft. Hier wird die Wertschöpfung gesichert, Bestehendes optimiert, auf Marktanforderungen reagiert und das Produkt stabil gehalten. Die Unsicherheit ist vergleichsweise gering. Wir kennen Markt, Nutzer und Geschäftsmodell gut. Prognosen fallen leichter. Es geht darum, den Lebenszyklus unseres Produktes bewusst zu verlängern und wirtschaftlich tragfähig zu halten. Doch wer ausschließlich im ersten Horizont denkt, riskiert Stillstand.
Im zweiten Horizont bewegen wir uns in aufkommenden Geschäftsfeldern. Produkte oder Features zeigen erste Marktsignale. Hier geht es darum, echten Product Market Fit zu erreichen. Wir prüfen, ob aus einer guten Idee ein tragfähiges Geschäft wird. Kundennähe, schnelles Feedback und konsequentes Lernen prägen diese Phase. Der Fokus verschiebt sich von Stabilität hin zu Wachstum und Skalierung.
Der dritte Horizont fordert uns noch stärker heraus. Hier arbeiten wir mit Hypothesen, nicht mit gesicherten Umsätzen. Es geht um Optionen für die Zukunft. Um Problemstellungen, die wir erst verstehen müssen. Um Experimente, die scheitern dürfen. Das 3-Horizonte-Modell macht deutlich, dass Innovation Raum braucht. Raum zum Lernen. Raum zum Ausprobieren. Raum für Unsicherheit.
Für Product Owner bedeutet das eine bewusste Haltung. Je nach Horizont verändert sich der Schwerpunkt der Arbeit. In ersten Horizont dominieren Effizienz und Priorisierung innerhalb eines klaren Rahmens. In Horizont zwei stehen Validierung, Marktnähe und schnelles Anpassen im Mittelpunkt. In Horizont drei braucht es Mut, Neugier und die Bereitschaft, mit unklaren Ergebnissen zu arbeiten.
Das 3-Horizonte-Modell schafft dabei Orientierung im Portfolio. Es hilft Organisationen zu erkennen, woran Teams eigentlich arbeiten. Es verhindert, dass Innovationsinitiativen vorschnell an klassischen Erfolgskriterien gemessen werden. Und es schützt gleichzeitig das Kerngeschäft vor blinder Experimentierfreude. Und gerade in der Rolle als Product Owner ist diese Transparenz entscheidend. Wir müssen verstehen, in welchem Horizont unser Produkt gerade unterwegs ist. Davon hängen Entscheidungen, Metriken und Erwartungen ab. Ein Experiment aus Horizont drei braucht andere Bewertungsmaßstäbe als ein etabliertes Produkt in Horizont eins.
Das 3-Horizonte-Modell ist damit kein theoretisches Konstrukt, sondern ein praktisches Werkzeug für strategische Klarheit. Es verbindet Produktstrategie mit konkreter Produktarbeit. Und es erinnert uns daran, dass nachhaltiger Produkterfolg immer auf mehreren Zeitebenen gedacht wird.
In dieser Podcast Folge sprechen Oliver und Tim darüber, wie eine Product Roadmap gestaltet sein kann, ohne ihre eigentliche Aufgabe zu verlieren. Beide bringen ihre Erfahrungen aus Trainings und der täglichen Arbeit mit Produktteams ein und nehmen sich bewusst Zeit für die Frage, welchen Detailgrad eine Product Roadmap wirklich braucht und in welchen Darstellungsform sie hilfreich ist.
Eine Product Roadmap entsteht nicht als Lieferplan und auch nicht als Versprechen auf Termine. Sie beschreibt eine Richtung und schafft Orientierung darüber, welche Wirkung mit einem Produkt in welcher Reihenfolge erreicht werden soll. Genau hier liegt der Kern der Diskussion. Eine Product Roadmap hilft dann, wenn sie Klarheit über Ziele und Wirkungen erzeugt und nicht versucht, zukünftige Entwicklungen bis ins letzte Detail vorwegzunehmen. Die ist keine vorhersage der Zukunft. Zu viel Genauigkeit erzeugt Scheinsicherheit und lenkt den Blick schnell auf Output statt auf Wirkung.
Was für Templates nutzt du bei der Arbeit mit Product Roadmaps? Gibt es Tools oder Darstellungsformen auf die wir zu wenig oder garnicht eingegangen sind? Teile deine Erfahrungen oder Geschichten deiner Arbeit mit Product Roadmaps doch mit uns und der Community. Hinterlasse gerne einen Kommentar unterm Blog-Artikels oder auf unserer Produktwerker LinkedIn-Seite.
Der Detailgrad einer Product Roadmap hängt stark vom Kontext ab. In stabilen Umfeldern kann eine längere Vorschau sinnvoll erscheinen, während in einem volatilen Produktumfeld kurze Zeithorizonte und bewusst grobe Darstellungen besser funktionieren. Entscheidend ist, dass die Product Roadmap Raum für Lernen lässt und Veränderungen nicht als Störung wahrgenommen werden. Sie bleibt ein lebendiges Arbeitsinstrument und kein statisches Dokument.
Auch die Darstellungsform spielt dabei eine wichtige Rolle. Eine Product Roadmap darf einfach sein und muss nicht jedes Element erklären, solange sie ihre Richtung klar vermittelt. Wirkungsziele, übergeordnete Themen und zeitliche Orientierung reichen oft aus, um Gespräche zu ermöglichen und Entscheidungen zu unterstützen. Zusätzliche Details entstehen dort, wo sie gebraucht werden, etwa im Backlog oder in der täglichen Arbeit mit dem Team.
Eine gute Product Roadmap macht also sichtbar, was gerade wichtig ist und was bewusst später oder gar nicht verfolgt wird. Sie hilft dabei, Erwartungen zu managen und Diskussionen auf einer sachlichen Ebene zu führen. Gleichzeitig zeigt sie, dass Produktentwicklung kein Abarbeiten von Listen ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess aus Entscheiden, Lernen und Anpassen.
Am Ende geht es bei der Product Roadmap um Verantwortung. Wer sie nutzt, übernimmt Verantwortung für Richtung, Fokus und Wirkung des Produkts. Genau dafür ist sie gedacht und genau dann entfaltet sie ihren Wert im Alltag von Product Ownern, Produktmanagern und Führungskräften.
Im Gespräch empfehlen Tim & Oliver diese Bücher, Videos und Websites:
- Nacho Bassino: Product Direction
- C. Todd Lombardo, Bruce McCarthy, Evan Ryan, Michael Connors: Product Roadmaps Relaunched
- Video: "Going beyond the 'Now-Next-Later' Roadmap" mit Phil Hornby beim ProductTank Cologne
- Website von Phil Hornby: talkingroadmaps.com und die Roadmap Visual Patterns
Passende frühere Folgen:
- Agile Product Roadmaps
- Wie agil ist eine jährliche Roadmap?
- Mit mehreren Product Roadmaps arbeiten?
- Product Roadmaps in der täglichen Arbeit einsetzen
- Vom Projekt- zum Produktmodus
In dieser Podcastfolge sind Tim und Julia Wissel im Gespräch und beschäftigen sich mit der Frage, wie Produktmanagerinnen und Produktmanager führen können, obwohl sie eigentlich ja oft keine formale Macht besitzen. Der Blick richtet sich auf den Alltag jenseits vom Organigram, dort wo Entscheidungen entstehen, beeinflusst werden oder auch blockiert bleiben, obwohl niemand offiziell zuständig zu sein scheint.
Ohne Macht führen bedeutet in diesem Kontext jedoch nicht, ohne Einfluss zu sein. Im Gegenteil. Produktmanagement ist von Natur aus eine Führungsrolle, weil Produkte Orientierung brauchen und Entscheidungen verlangen. Wer Verantwortung für ein Produkt trägt, führt Teams, Stakeholder und Organisationen, auch wenn keine disziplinarische Linie existiert. Führung entsteht hier über Haltung, Klarheit und die Fähigkeit, andere mitzunehmen. Wer glaubt, ohne formale Macht handlungsunfähig zu sein, reduziert die eigene Rolle auf Verwaltung und verliert Gestaltungsspielraum.
Ein zentraler Hebel liegt in Beziehungen. Entscheidungen entstehen selten dort, wo sie im Organigramm verortet sind. Einfluss verläuft über Vertrauen, persönliche Verbindungen und informelle Netzwerke. Wer versteht, wer wessen Meinung hört und wer welche Themen wirklich treiben, gewinnt Handlungsspielraum. Ohne Macht führen heißt deshalb, Zeit in Beziehungspflege zu investieren und diese bewusst als Infrastruktur für Entscheidungen zu begreifen. Gespräche außerhalb formaler Meetings, echtes Interesse an den Herausforderungen anderer und kontinuierlicher Austausch verändern die eigene Wirksamkeit spürbar.
Gleichzeitig braucht Führung ohne Macht eine klare inhaltliche Position. Produktmanagerinnen und Produktmanager können sich nicht darauf verlassen, dass gute Ideen sich von selbst durchsetzen. Sie müssen argumentieren, Prioritäten begründen und zeigen, welchen Beitrag Entscheidungen zum Unternehmenserfolg leisten. Daten, Nutzerfeedback und strategische Einordnung schaffen Glaubwürdigkeit. Wer klar benennen kann, welches Problem gelöst wird und warum das relevant ist, wird gehört, auch ohne formale Autorität.
Ein weiterer Aspekt ist der bewusste Umgang mit Hierarchie. Hierarchie verschwindet nicht dadurch, dass man sie ignoriert. Sie kann Orientierung geben, wenn sie transparent genutzt wird. Führung ohne Macht bedeutet nicht, Hierarchie zu bekämpfen, sondern sie zu verstehen. Wer weiß, welche Themen auf welcher Ebene entschieden werden und welche Zeithorizonte dort relevant sind, kann seine Anliegen besser platzieren. Gespräche auf Augenhöhe entstehen, wenn man die Perspektive des Gegenübers ernst nimmt und dessen Kontext berücksichtigt.
Ohne Macht zu führen fordert aber auch Mut. Konflikte lassen sich nicht vermeiden, wenn Produktverantwortung ernst genommen wird. Wer immer ausweicht, um Harmonie zu bewahren, verzichtet auf Wirkung. Führung zeigt sich darin, unbequeme Themen anzusprechen, Entscheidungen einzufordern und Verantwortung nicht nach oben abzugeben. Gleichzeitig bleibt es wichtig, offen für Feedback zu sein und eigene Annahmen zu hinterfragen.
Der Blick auf diese Form der Führung zeigt, dass Macht im Produktmanagement weniger aus Positionen entsteht als aus Klarheit, Vertrauen und Konsequenz. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, Beziehungen aufzubauen und Entscheidungen fundiert vorzubereiten, führt bereits. Ohne Macht führen heißt nicht, weniger Einfluss zu haben, sondern Einfluss anders zu gestalten und bewusst einzusetzen.
Wer noch weitere Fragen an Julia Wissel hat oder direkt mit ihr in Kontakt kommen möchte, erreicht sie am besten über ihr LinkedIn-Profil.
Auf folgende Podcast-Episoden hat Tim im Gespräch Bezug genommen bzw. passen hierzu:
- Seine Stakeholder kennen und richtig analysieren
- Umgang mit schwierigen Stakeholdern
- Von der Führungskraft zurück zum Product Owner
Wer noch weitere Fragen an Julia Wissel hat oder direkt mit ihr in Kontakt kommen möchte, erreicht sie am besten über ihr LinkedIn-Profil.
Vibe Coding verändert gerade, wie Produkte entstehen.
Produktmenschen bauen selbst. Ideen werden direkt im Code sichtbar. Dokumente, Übergaben und lange Abstimmungen verlieren an Bedeutung.
In dieser Folge sprechen Oliver und Tim darüber, was diese Entwicklung für Product Owner, Developer und die Zusammenarbeit im Team bedeutet.
Sie zeigen, warum Vibe Coding sich so befreiend anfühlt. In kürzester Zeit entsteht funktionierende Software. Lernen passiert unmittelbar. Hypothesen lassen sich ausprobieren, anpassen oder direkt verwerfen.
Gleichzeitig werfen sie einen kritischen Blick auf die Risiken. Wenn Entscheidungen direkt im Code getroffen werden, rückt Product Delivery stark in den Vordergrund. Nutzerfeedback und strukturierte Product Discovery geraten leicht ins Hintertreffen. Bauchgefühl ersetzt dann schnell echte Erkenntnisse.
Auch die Frage nach Verantwortung spielt eine zentrale Rolle. Wenn Produkt und Umsetzung in einer Hand liegen, verschwimmen klassische Rollengrenzen. Das kann effizient sein, birgt aber Risiken für Qualität, Wartbarkeit und langfristige Kosten – vor allem ohne Sparring.
Trotzdem sehen Oliver und Tim große Chancen. Product Owner entwickeln mehr technisches Verständnis. Developer profitieren von klareren, greifbaren Ideen. Diese Nähe kann Zusammenarbeit stärken – wenn sie bewusst gestaltet wird.
Am Ende bleibt eine entscheidende Frage:
Nutzen wir Vibe Coding, um schneller Lösungen zu bauen – oder um schneller herauszufinden, welche Probleme wirklich relevant sind?
Simonetta Batteiger ist erneut zu Gast und sie spricht mit Tim über ein Thema, das in vielen Unternehmen gerade an Bedeutung gewinnt: die Kosten von AI Initiativen.
Es geht um die Frage, wie sich Investitionen in künstliche Intelligenz realistisch bewerten lassen. Der Austausch bewegt sich bewusst weg vom Hype und hin zu einer nüchternen betriebswirtschaftlichen Betrachtung, die Produktmenschen dabei hilft, Verantwortung zu übernehmen.
AI Initiativen entstehen aktuell oft aus Neugier, Innovationsdruck oder dem Wunsch, technologisch nicht abgehängt zu werden. Gleichzeitig bleibt häufig unklar, was diese Vorhaben tatsächlich kosten und welchen Beitrag sie zum Geschäftserfolg leisten sollen. Die Kosten von AI Initiativen beschränken sich dabei selten auf Tool Lizenzen oder Token Nutzung. Schon früh im Gespräch wird deutlich, dass der größte Teil der Ausgaben in Menschen fließt. Machine Learning Engineers, Data Scientists, Produktteams, Governance Rollen und rechtliche Prüfung verursachen laufende Kosten, die dauerhaft eingeplant werden müssen.
Ein zentrales Spannungsfeld liegt in der Erwartungshaltung vieler Organisationen. AI soll Prozesse beschleunigen, Kosten senken oder neue Umsätze ermöglichen. Diese Erwartungen brauchen jedoch eine belastbare Grundlage. Ohne klare Hypothesen bleibt unklar, ob eine Initiative Wert schafft oder lediglich Ressourcen bindet. Die Kosten von AI Initiativen lassen sich nur dann sinnvoll bewerten, wenn sie mit einer konkreten Annahme über Nutzen verknüpft werden. Genau hier kommt das AI Business Case Template von Simonetta ins Spiel, das nicht als finanzmathematisches Artefakt verstanden werden soll, sondern als Denkwerkzeug und Anstoß von Diskussionen. Das AI Business Case Template (inkl. Anleitung) findet ihr in folgendem Blog-Post von Simonetta verlinkt: The RoI of AI initiatives and the realistic cost of AI readiness auf ihrem Blog inclusiveleaders.blog
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ein Return on Investment entstehen kann. Investitionen in Infrastruktur, Datenqualität und Betrieb müssen sich über Zeit rechnen. Dabei ist Geschwindigkeit entscheidend. Je früher sichtbar wird, welchen Effekt eine AI Initiative hat, desto besser lässt sich nachsteuern. Gleichzeitig bleibt Unsicherheit ein fester Bestandteil. Auch bei AI gelten die bekannten Muster aus der Produktentwicklung. Viele Ideen funktionieren nicht wie erhofft. Das ist kein Scheitern, sondern Teil des Lernprozesses. Entscheidend ist, diese Unsicherheit bewusst einzuplanen und transparent zu machen.
Die Kosten von AI Initiativen steigen vor allem dann stark an, wenn aus Experimenten irgendwann produktive Systeme werden. Modelle müssen überwacht werden, Daten verändern sich, regulatorische Anforderungen greifen. Ohne saubere Governance und kontinuierliche Kontrolle entstehen neue Risiken. Diese Aspekte gehören von Anfang an in die Betrachtung, damit AI nicht zur Black Box wird, die sich finanziell und organisatorisch verselbständigt.
Deutlich wird im Gespräch mit Simonetta Batteiger aber auch, dass sich an den Grundprinzipien der Produktarbeit wenig ändert. Discovery bleibt zentral, um echte Probleme zu verstehen. Value entsteht nur dort, wo Nutzer oder Kunden bereit sind, für Lösungen zu bezahlen oder wo Kosten messbar reduziert werden. AI erweitert den Werkzeugkasten, hebt aber betriebswirtschaftliche Logik nicht auf. Wer die Kosten von AI Initiativen realistisch einschätzt, schafft eine solide Basis für Entscheidungen und wird gegenüber Stakeholdern anschlussfähig. Wer die Kosten von AI Initiativen versteht und einordnen kann, verlässt die Rolle des Experimentierenden und übernimmt Gestaltungsspielraum. Genau darin liegt die Chance, AI sinnvoll und wirksam im Unternehmen zu verankern.
Wer überhaupt mal einen Zugang zu Business- und Finanzzahlen bekommen möchte und sich strukturiert Wissen hierzu draufschaffen möchte, dem können wir ihren Kurs sehr empfehlen: Business and Finance Concepts for Product and Tech Leaders.
In dieser Folge sprechen Dominique und Oliver über die Trends, die die Rolle von Product Ownern im Jahr 2026 prägen könnten – und was das für den Arbeitsalltag konkret bedeutet.
Denn: Viele Organisationen spüren längst, dass sich die Erwartungen an Product Owner verändern. Es geht nicht mehr nur um Tools, Methoden oder einzelne Praktiken. Sondern um ein neues Rollenverständnis – mit mehr Verantwortung für echte Produktwirkung.
Dominique und Oliver werfen u.a. einen Blick auf diese Entwicklungen:
• Datenkompetenz als Schlüssel: Daten gibt’s genug – aber welche davon helfen wirklich bei Entscheidungen?
• KI im Produktalltag: Weg vom Tool-Experiment, hin zu sinnvoller Unterstützung bei Analyse, Discovery und Strategie.
• Fokus auf Outcome statt Output: Mehr Features ≠ mehr Wert. Aber wie zeigen wir Wirkung wirklich?
• Neue Formen der Zusammenarbeit: Ownership wird zum Teamergebnis – und braucht Orientierung, Klarheit und Kommunikation.
• Umgang mit Komplexität: Lernen wird wichtiger als Planen. Was bedeutet das für agiles Arbeiten im Jahr 2026?
Am Ende verdichten sich die Trends zu einem klaren Bild: Product Owner entwickeln sich vom Anforderungsmanager zur echten Produktverantwortung. Technologische Möglichkeiten wachsen – aber der Erfolg bleibt menschlich: Klarheit, Haltung und Verständigung sind entscheidend.
Monte-Carlo-Simulation hilft in der Produktentwicklung dabei, Prognosen realistischer zu machen. Nicht als harte Zusage, sondern als Blick auf Wahrscheinlichkeiten und damit auf das Risiko, das in komplexer Arbeit fast immer mitschwingt. Zeit also, sich tiefer damit auseinander zu setzen, weshalb Dominique in dieser Folge mit Felix Rink, Flight Level und Kanban Coach aus Köln, spricht.
Gemeinsam starten sie bei einer Frage, wann ist etwas fertig (dazu hatten wir auch schon eine andere Folge mit Felix) und wie belastbar ist so eine Aussage eigentlich, wenn Teams in unsicheren Umfeldern arbeiten. Von dort geht es zur Idee hinter der Monte-Carlo-Simulation. Sie ist überraschend simpel. Vergangene Ergebnisse geben Hinweise darauf, wie sich Arbeit vermutlich auch künftig verteilt. Statt eine einzelne Zahl zu versprechen, entsteht eine Bandbreite. Fertigstellungen aus der Vergangenheit werden in vielen Durchläufen immer wieder neu kombiniert, bis ein Muster sichtbar wird. Manche Ergebnisse tauchen oft auf, andere sind selten. Genau diese Verteilung ist in der Produktentwicklung hilfreich, weil Schwankungen zum Tagesgeschäft gehören. Schnell wird klar, dass es weniger um exakte Termine geht als um ein besseres Gefühl für Risiko. Die Simulation zeigt, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmter Umfang in einem Zeitraum wirklich geschafft werden kann. Das verändert, wie über Planung gesprochen wird. Zusagen werden zu bewussten Entscheidungen über Risiko und nicht zu Versprechen, die später unter Druck verteidigt werden müssen. Für Product Owner ist das besonders wertvoll, weil Gespräche mit Stakeholdern dadurch sachlicher werden und Erwartungen besser eingeordnet werden können.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Daten. Entscheidend ist nicht, möglichst weit zurückzugehen, sondern eine Vergangenheit zu wählen, die der erwarteten Zukunft ähnelt. Kurze Zeiträume mit ausreichend vielen Datenpunkten liefern oft bessere Prognosen als lange Historien, in denen Sondereffekte alles verzerren. Auch eine feinere Betrachtung auf Tagesbasis kommt zur Sprache, weil sich Forecasts damit schneller aktualisieren lassen und Veränderungen im System früher auffallen.
Spannend wird es dort, wo die Monte-Carlo-Simulation nicht als einmaliger Schritt verstanden wird, sondern als laufendes Werkzeug. Neue Erkenntnisse, zusätzliche Arbeit oder geänderte Rahmenbedingungen fließen direkt in den nächsten Forecast ein. So entsteht ein kontinuierlicher Abgleich zwischen Realität und Erwartung. Das unterstützt aktives Risikomanagement und hilft Teams, Prioritäten immer wieder neu auszurichten, ohne jedes Mal bei null anfangen zu müssen.
Am Ende geht der Blick über die klassische Fertigstellungsfrage hinaus. Überall dort, wo vergangenes Verhalten brauchbare Hinweise auf die Zukunft gibt, kann Monte Carlo helfen, Unsicherheit greifbar zu machen. In der Produktentwicklung ist das oft genau die Art von Pragmatismus, die fehlt. Nicht kompliziert, aber deutlich verlässlicher als Bauchgefühl.
In dieser Folge ist Dominique allein am Mikrofon und denkt laut über ein Thema nach, das im Produktalltag oft übersehen wird. Es geht um die Pause und um ihre Wirkung auf Entscheidungen, Zusammenarbeit und Produktentwicklung. Ausgangspunkt ist ein sehr persönlicher Zustand von Erschöpfung und Müdigkeit, der schnell deutlich macht, wie stark fehlende Erholung die eigene Denkfähigkeit beeinflusst. Genau daraus entsteht die Überzeugung, dass die Pause ein unterschätztes Werkzeug in der Produktarbeit ist.
Pause bedeutet hier keinen Stillstand. Sie steht für Verarbeitung. Während der Körper scheinbar nichts tut, sortiert das Gehirn Eindrücke, verknüpft Gedanken und schafft Ordnung. Gerade Produktentwicklung ist geprägt von Komplexität, Unsicherheit und einer hohen Dichte an Entscheidungen. Ohne Pause entsteht dann schnell Entscheidungsmüdigkeit und Priorisierungen werden unsauber, strategische Fragen werden aufgeschoben und operative Themen übernehmen die Kontrolle. Die Pause schafft Raum, um innezuhalten und bewusst wahrzunehmen, warum eine Entscheidung so oder anders ausfällt. Und gerade im persönlichen Arbeitsalltag zeigt sich das besonders deutlich. Product Owner:innen und Produktverantwortliche sind häufig ein Engpass, weil viele Entscheidungen an ihnen hängen. Fehlt die Pause, fehlt die Energie für genau diese Entscheidungen. Dabei können kurze Unterbrechungen vor wichtigen Weichenstellungen helfen, den Kopf zu entlasten und die Qualität der Entscheidung zu verbessern. Das können sogar nur wenige Sekunden sein, ein tiefer Atemzug oder ein kurzer Blick aus dem Fenster. Auch bewusst kürzere Meetings oder kleine Lücken zwischen Terminen wirken wie eine Pause, in der Gedanken sacken dürfen.
Die Pause wirkt jedoch nicht nur individuell, sondern auch im Team. Produktarbeit lebt von Abstimmung und gemeinsamen Entscheidungen. Pausen im Team helfen dabei, Spannung abzubauen, Konflikte zu entschärfen und sich neu auszurichten. Retrospektiven, No-Meeting-Zeiten oder bewusste "Denkpausen" sind Ausdruck davon. Sie unterbrechen das Dauerfeuer aus Meetings und To Dos und schaffen Raum für Reflexion. Gerade vor Commitments oder nach intensiven Diskussionen hilft eine kurze Pause dabei, bessere gemeinsame Entscheidungen zu treffen.
Auch das Produkt selbst profitiert von der Pause. Produktentwicklung besteht aus einem ständigen Wechsel aus Bauen, Lernen und Entscheiden. Lernen braucht Zeit. Feature Pausen, bewusste Phasen ohne neue Umsetzungen oder Zeiten der Konsolidierung helfen dabei, Erkenntnisse zu verarbeiten und den nächsten Schritt klarer zu sehen. Weniger Aktivität kann hier zu mehr Wirkung führen. Auch Nutzerinnen und Nutzer profitieren davon, wenn Produkte nicht permanent verändert werden und Zeit bleibt, Neues zu verstehen und anzunehmen.
Am Ende steht die Einladung, Pause bewusster einzusetzen. Als Entscheidungswerkzeug, als Lernfenster und als Mittel gegen Überlastung. Die Frage bleibt offen und richtet sich direkt an den eigenen Alltag. Wo fehlt gerade die Pause im Produktteam, im Produkt oder bei einem selbst und was würde passieren, wenn man ihr mehr Raum gibt. Die Pause wirkt als Hebel gegen Aktivitätswahn. Produktarbeit wird schnell mit Beschäftigung verwechselt. Viele Features, viele Storypoints und volle Kalender fühlen sich produktiv an, führen aber nicht automatisch zu mehr Wert. Die Pause hilft, den Fokus wieder auf Wirkung zu richten und bessere Entscheidungen zu treffen. Sie schützt langfristig den Outcome, auch wenn sie kurzfristig Output kostet.
Lasst uns auch die Pause wertschätzen. :)
In dieser Podcastfolge widmen sich Dominique und Tim dem Spannungsfeld zwischen Vertrieb und Produktentwicklung. Beide bringen zahlreiche Erfahrungen aus Organisationen mit, in denen diese beiden Bereiche eng zusammenarbeiten müssen und sich dabei dennoch häufig gegenseitig blockieren, missverstehen oder aneinander vorbei arbeiten.
Vertrieb und Produktentwicklung verfolgen oft unterschiedliche Ziele und arbeiten in unterschiedlichen Zeithorizonten. Während der Vertrieb stark auf kurzfristige Abschlüsse, Umsatzziele und konkrete Kundenbeziehungen fokussiert ist, denkt die Produktentwicklung i.d.R. langfristiger: in Visionen, Roadmaps und Wiederverwendbarkeit. Diese unterschiedliche Perspektive führt regelmäßig zu Reibung, besonders dann, wenn Zusagen gemacht werden, die nicht zur Produktstrategie passen oder wenn Produktentscheidungen den Vertriebsrealitäten zu wenig Rechnung tragen. Das Spannungsfeld entsteht dabei weniger aus bösem Willen als aus strukturellen und kulturellen Unterschieden innerhalb der Organisation.
Der Vertrieb und das Produktteam haben unterschiedlichen Zugang zu Kunden und Nutzenden. Vertrieb ist nah an den Einkaufsorganisationen und ihren Entscheidern, Produktentwicklung ist näher an den tatsächlichen Anwenderinnen und Anwendern. Gerade im B2B Umfeld führt diese Trennung dazu, dass wertvolle Informationen nicht zusammenfließen. Vertrieb hört Marktargumente, Wettbewerbsvergleiche und Kaufhindernisse. Produktentwicklung sieht Nutzungsprobleme, fehlende Wirksamkeit und Schwächen im Erlebnis. Wenn diese Perspektiven getrennt bleiben, entstehen Situationen, in denen sich weder verkaufen lässt, noch nachhaltig und strategisch Produkte entwickelt werden können.
Besonders deutlich wird das Spannungsfeld zwischen Vertrieb und Produktentwicklung bei kundenspezifischen Zusagen. Kurzfristige Deals können dazu führen, dass Features versprochen werden, die nicht zur langfristigen Ausrichtung passen. Dadurch entstehen Einzelfalllösungen, die Entwicklungsressourcen binden und selten echten Produktwert erzeugen. Gleichzeitig ist es zu einfach, diese Situation allein dem Vertrieb zuzuschreiben. Verkaufsziele, Incentives und Zeitdruck erzeugen ein Umfeld, in dem solche Entscheidungen logisch erscheinen. Produktentwicklung steht hier vor der Aufgabe, Orientierung zu geben und klar zu machen, wofür das Produkt langfristig stehen soll.
Umgekehrt darf die Produktentwicklung nicht erwarten, dass der Vertrieb die Produktstrategie automatisch versteht oder unterstützt. Wenn Vision, Zielgruppen und strategische Leitplanken nicht klar kommuniziert werden, entsteht Raum für Interpretationen. Vertrieb füllt diese Lücke dann mit eigenen Prioritäten. Das Spannungsfeld zwischen Vertrieb und Produktentwicklung verschärft sich dadurch weiter, obwohl beide Seiten eigentlich am gleichen Erfolg interessiert sind bzw. sein sollten.
Und gerade in dieser Zusammenarbeit steckt enormes Potenzial (oder wird eben verschenkt). Der Vertrieb liefert wertvolle Einblicke in Marktveränderungen, Wettbewerber und Kaufmotive. Die Produktentwicklung kann diese Impulse nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen und Risiken frühzeitig zu erkennen. Wenn der Vertrieb regelmäßig Einblick in Produktentwicklungen bekommt, neue Funktionen versteht und deren Nutzen einordnen kann, steigt die Qualität der Gespräche mit Kunden deutlich. Beide Seiten gewinnen an Sicherheit und Wirksamkeit.
Voraussetzung dafür ist eine bewusste Gestaltung der Zusammenarbeit. Regelmäßiger Austausch, gemeinsame Termine und echte Beziehungspflege schaffen Vertrauen. Es geht darum, die Perspektive des jeweils anderen zu verstehen und ernst zu nehmen. Produktentwicklung profitiert davon, Verkaufsrealitäten kennenzulernen. Vertrieb profitiert davon, die Komplexität von Produktentscheidungen zu verstehen. Diese Nähe reduziert Missverständnisse und verhindert Eskalationen, bevor sie entstehen.
... mehr dazu dann in der kompletten Folge - hört mal rein!
In dieser Folge sprechen Anne Görs, Senior User Researcher, Founder & Managing Director bei der leefs CX GmbH, und Dominique darüber, wie sich User Research operationalisieren lässt, sodass er dauerhaft Teil der Produktarbeit wird. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele Teams User Research grundsätzlich schätzen, ihn aber als zu langsam, zu aufwendig oder störend für schnelle Entscheidungen wahrnehmen. Genau hier setzt der Gedanke an, User Research operationalisieren zu wollen und ihn so in den Arbeitsfluss einzubetten, dass er Entscheidungen unterstützt statt sie "auszubremsen".
User Research operationalisieren bedeutet, Forschung nicht als einmaliges Projekt zu denken, sondern als wiederkehrenden, verlässlichen Prozess. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die Wiederholbarkeit ermöglichen, ohne die nötige Flexibilität zu verlieren. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, abgestimmte Abläufe und ein gemeinsames Verständnis dafür, wofür Erkenntnisse genutzt werden. Forschung wird dadurch planbarer und verliert den Ruf, ein Bremsklotz zu sein. Stattdessen erhöht sie die Wahrscheinlichkeit, mit den getroffenen Entscheidungen tatsächlich Wirkung zu erzielen. Dazu braucht es auch einen bewussten Umgang mit Unsicherheit. User Research liefert schließlich keine Wahrheiten, sondern reduziert Risiken. Wenn Teams und Stakeholder verstehen, dass Forschung dabei hilft, bessere strategische Wetten einzugehen, verändert sich die Akzeptanz spürbar. Entscheidungen basieren dann nicht mehr ausschließlich auf Erfahrung oder Bauchgefühl, sondern auf nachvollziehbaren Erkenntnissen über Nutzer:innen. Das stärkt Vertrauen in den Prozess und in die Menschen, die ihn verantworten. Aber damit das Operationalisieren des User Researchs gelingen kann, braucht es auch Wege, Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie im Alltag genutzt werden. Forschung entfaltet nur dann ihren Wert, wenn sie in konkrete Anforderungen, Prioritäten oder Entscheidungen übersetzt wird. Das erfordert enge Zusammenarbeit mit den Produktteams und ein Verständnis dafür, welche Form von Ergebnissen ihnen wirklich hilft. Einheitliche Templates oder starre Reportstrukturen greifen hier oft zu kurz. Entscheidend ist also, dass Erkenntnisse anschlussfähig sind und dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Teams profitieren davon, selbst beteiligt zu sein, zuzuhören, Fragen zu stellen und Forschung mitzuerleben. Diese Beteiligung erhöht die Akzeptanz der Ergebnisse und sorgt dafür, dass Erkenntnisse nicht infrage gestellt werden, nur weil sie unbequem sind. Gleichzeitig braucht es fachliche Begleitung, um Qualität zu sichern und Fehlinterpretationen zu vermeiden. User Research operationalisieren heißt daher am Ende auch, kulturelle Voraussetzungen zu schaffen. Eine Organisation muss bereit sein, mit Feedback umzugehen, das bestehende Annahmen infrage stellt. Forschung deckt Schwächen auf und zeigt, wo Ideen nicht wie erwartet funktionieren. Wer das als Chance zur Verbesserung versteht, schafft Raum für kontinuierliches Lernen und bessere Produkte.
Der Blick richtet sich damit weniger auf einzelne Methoden als auf ein Zusammenspiel aus Haltung, Prozessen und Verantwortung. Wenn User Research dauerhaft Teil der Produktentwicklung wird, unterstützt er Entscheidungen, reduziert Risiken und hilft Teams, näher an den tatsächlichen Bedürfnissen ihrer Nutzer:innen zu arbeiten. Genau dort entfaltet operationalisierter User Research seine größte Wirkung.
Viele Menschen starten motiviert in ihrer Rolle und stellen dann fest, dass ihnen Entscheidungen entzogen werden oder dass bestimmte Aufgaben weiterhin von anderen übernommen werden. Der Frust wächst, weil der Wunsch nach Verantwortung da ist, aber die Strukturen nicht mitziehen. Genau daran knüpft das Gespräch in dieser Folge an und zeigt Wege, wie mehr Ownership nicht nur gefordert, sondern im Alltag schrittweise aufgebaut wird.
Direkt zu Beginn wird klar, dass ein wichtiger Aspekt für mehr Ownership fachliche Tiefe ist. Menschen, die die Kund:innen, den Markt, das eigene Produkt und relevante Wettbewerbsangebote sehr gut verstehen, entwickeln ein anderes Standing. Sie können Diskussionen auf eine faktische Ebene bringen und wegführen vom Raum der reinen Meinungen. Das öffnet Türen, weil Entscheidungen nachvollziehbarer werden und Stakeholder:innen merken, dass jemand nicht nur koordinieren möchte, sondern echte Produktverantwortung übernimmt. Fachliche Klarheit wirkt auf die Organisation, auch wenn sie anfangs kaum Freiraum bietet. Damit verbunden ist aber auch der Umgang mit Unsicherheit. Jede Produktentscheidung bleibt eine Wette. Wer diese Wette sauber beschreibt, ihre Risiken benennt und darauf achtet, auf welcher Datengrundlage entschieden wird, tritt automatisch verantwortlicher auf. Das Gespräch zeigt gut, wie stark sich die Wirkung eines Product Owners verändert, sobald Entscheidungen nicht mehr als absolute Wahrheiten präsentiert werden, sondern als reflektierte Schritte mit nachvollziehbarer Logik. Viele Stakeholder:innen reagieren positiv darauf, weil sie erkennen, dass Entscheidungen begleitet werden und nicht blind getroffen werden. Das zeigt, dass Kommunikation eine wichtige Rolle spielt. Klare Sprache erzeugt Klarheit über Risiken, Annahmen und Wissenslücken. Sie macht sichtbar, welche Informationen fehlen und wo die Organisation Prioritäten setzen sollte. Es steckt viel Ownership darin, offen zu sagen, welche Informationen fehlen, welche Wahrscheinlichkeiten realistisch sind und welche Konsequenzen bestimmte Wege haben. Gute Kommunikation heißt in diesem Kontext nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern Orientierung zu schaffen.
Aber am Ende geht es um die eigene Haltung. Ownership entsteht nicht dadurch, dass jemand sie verleiht. Sie wächst durch konsequentes Handeln. Dazu gehört, aktiv Informationen zu suchen, Discovery voranzutreiben, Entscheidungen einzufordern und Transparenz darüber herzustellen, was möglich ist und wo Grenzen liegen. Wer sein Umfeld so begleitet, verändert Schritt für Schritt die Wahrnehmung der eigenen Rolle und schafft die Grundlage für echte Product Ownership, selbst wenn die Organisation noch im alten Denken steckt.
n dieser Folge sprechen Dominique und Tim gemeinsam über die Lernreise vom Projektmanager zum Product Owner. Beide bringen eigene Erfahrungen aus der Projektwelt und aus dem Projektmanagement mit und beleuchten, wie stark sich Perspektiven und Entscheidungen verändern, sobald man Verantwortung für ein Produkt statt für ein Projekt hat. Was sich im ersten Moment wie ein natürlicher Übergang anfühlt, entpuppt sich im Alltag als echter Perspektivwechsel, der viel Umlernen, Mut und Neugier erfordert.
Viele Menschen, die vom Projektmanager zum Product Owner wechseln, bringen ein ausgeprägtes Gefühl für Struktur und Verlässlichkeit mit. Das hilft in der Zusammenarbeit mit Stakeholdern und in Gesprächen rund um Erwartungen, Risiken und Entscheidungen. Der vertraute Blick auf Zeit, Budget und Umfang gibt Sicherheit, die im Produktalltag weiterhin wertvoll sein kann. Gleichzeitig spüren viele aber schnell, wie anspruchsvoll es ist, nicht mehr den Ablauf eines Vorhabens zu steuern, sondern ein Produkt so zu entwickeln, dass es echten Wert erzeugt. Entscheidungen entstehen nicht mehr durch Freigaben von außen, sondern aus einem eigenen Mandat heraus. Das ist eine neue Verantwortung und eine ungewohnte Freiheit.
Die größte Veränderung beginnt im Kopf. Wer vom Projektmanager zum Product Owner wechselt, erlebt, wie eng alte Muster sitzen. Das Bedürfnis, alles zu organisieren und jede Unsicherheit zu beseitigen, meldet sich sofort zurück, sobald Druck entsteht. Die Umgebung trägt oft ihren Teil dazu bei. Stakeholder kennen die neue Rolle noch nicht gut und behandeln die Person weiter so wie früher. Die Versuchung ist groß, wieder zu schätzen, wieder zuzusagen, wieder in die alte Rolle zu rutschen. Doch genau hier entsteht der entscheidende Lernmoment. Die neue Rolle braucht Raum, Zeit und Unterstützung, damit sie wirken kann.
Es ist sehr hilfreich die Verantwortung im Produkt nicht mit der Verantwortung für das Team zu verwechseln. Kontrolle loszulassen und Selbstorganisation zuzulassen gehört zu den schwersten Schritten. Gleichzeitig entsteht dadurch ein Arbeitsumfeld, in dem ein Team eigene Entscheidungen treffen kann. Und genau dort gewinnt ein Product Owner die Energie zurück, die für Discovery, Wertschätzung von Nutzerbedürfnissen und Experimente nötig ist. Wer vom Projektmanager zum Product Owner wird, erlebt oft zum ersten Mal, wie sich Fokus auf Wirkung anfühlt und warum es sich lohnt, alte Routinen zu hinterfragen.
Viele kennen aus ihrer Projektvergangenheit sogenannte Lessons Learned, doch sie passieren meist spät und oft ohne Anschluss. Im Produktalltag zählt etwas anderes. Kontinuität. Eine Retro, die regelmäßig stattfindet, unterstützt das Team dabei, wach zu bleiben, zu lernen und das eigene Arbeiten bewusster zu gestalten. Diese Haltung ist ein Kern der Produktarbeit und ein wichtiger Teil der neuen Verantwortlichkeit.
Zum Abschluss betonen Dominique und Tim noch einmal, dass dieser Wechsel kein automatischer Schritt ist. Wer vom Projektmanager zum Product Owner wechselt, braucht Unterstützung und ein Umfeld, das bereit ist mitzuwachsen. Rollen verändern sich nicht durch neue Titel, sondern durch gemeinsames Lernen. Und genau dafür möchten wir mit unserem Podcast Raum schaffen.
Auf diese älteren Folgen nehmen Tim und Dominique im Gespräch Bezug:
- Welchen Einfluss auf die Retrospektive hat ein Product Owner?
- Dein Freund der Scrum Master
Habt ihr auch Erfahrungen gemacht auf dem Weg vom Projektleiter bzw. Projektmanager zum Product Owner? Oder habt ihr einen solchen Wandel innerhalb eures Unternehmen beobachten können? Wir freuen uns, wenn du deine Erfahrungen aus der Praxis mit uns in einem Kommentar des Blog-Artikels teilst oder auf unserer Produktwerker LinkedIn-Seite.
In dieser Folge spricht Dominique mit Stephanie Weber darüber, wie präsent Emotionen in der Produktarbeit sind und wie stark sie das tägliche Handeln beeinflussen. Stephanie bringt ihre Erfahrung als Head of UX Design bei Fielmann ein und kann bestätigen, dass Emotionen in der Produktarbeit weit mehr sind als ein weiches Thema. Beide haben erlebt, wie sehr Entscheidungen, Zusammenarbeit und Nutzerverhalten durch Gefühle geprägt werden und die gemeinsame Frage, wie wir bewusster mit Emotionen in der Produktarbeit umgehen können, zieht sich durch das gesamte Gespräch.
Es kommt beispielsweise sehr oft vor, dass Angst den Raum verengt. Angst taucht auf, wenn neue Ideen gewagt werden sollen, wenn Entscheidungen unsicher wirken oder wenn Menschen befürchten, im Team nicht ernst genommen zu werden. Dabei ist Psychologische Sicherheit eine der Grundlagen dafür, dass Kreativität entstehen kann. Methoden wie Brainwriting oder die Kopfstandmethode helfen Teams, vorsichtigere Stimmen sichtbarer zu machen und die üblichen Muster offener Brainstormings zu durchbrechen. Angst entsteht auch bei Nutzerinnen und Nutzern, etwa wenn neue Technologien unerwartet wirken. Und gerade dort kann Gestaltung helfen, etwa wenn ein normalerweise blitzschneller Prozess kleine Verzögerungen erfährt, um ihn für Kunden verständlicher wirken lassen und Vertrauen zu schaffen.
Stephanie spricht auch über Reibung als bewussten Teil von Produktarbeit. Reibung ist für sie nicht unbedingt etwas schlechtes, sondern ein Werkzeug, um Skepsis aufzufangen und Orientierung zu geben. Im Team entsteht Reibung durch unterschiedliche Denkweisen und Persönlichkeiten. Wenn diese Vielfalt nicht eingeengt, sondern gezielt genutzt wird, werden Ideen robuster und Entscheidungen fundierter. Kreativmethoden, bei denen Ideen weitergereicht und weiterentwickelt werden, zeigen, wie wertvoll diese Reibung ist.
Scham taucht ebenfalls häufig in der Produktarbeit auf, im Team wie bei Nutzerinnen und Nutzern. Stephanie beschreibt, wie belastend unstrukturierte Gruppenmethoden sein können, vor allem für eher introvertierte und ruhige Menschen. Struktur schafft hier Raum für Beteiligung ohne Scham. Das Manual of Me kann beispielsweise im Team geteilt werden, um persönliche Bedürfnisse und Arbeitsweisen zu verdeutlichen und Unsicherheiten greifbarer zu machen. Und auch bei Kunden im Laden zeigt sich Scham deutlich, etwa wenn Menschen mit hoher Sehstärke eine Fassung testen und sich im Spiegel gar nicht erkennen können. Der Moment wirkt klein, wird für die betroffenen Personen aber schnell unangenehm. Genau solche Beobachtungen helfen, Produkte zu entwickeln, die sich anfühlen wie Unterstützung und nicht wie ein Hindernis.
Langeweile wirkt auf den ersten Blick fehl am Platz, spielt aber in der Produktarbeit eine wichtige Rolle. Stephanie macht deutlich, dass Pausen, langsame Momente und gedankliches Abschweifen essenziell sind, weil sie Raum für neue Verbindungen und Ideen schaffen. Wer ständig durch Meetings, Chats und Aufgaben getrieben wird, nimmt dem Gehirn die Möglichkeit, Dinge sortiert entstehen zu lassen. Kreatives Denken entsteht oft zwischen zwei Tätigkeiten und selten dann, wenn wir es erzwingen. Teams profitieren deshalb stark davon, wenn Langeweile nicht als Mangel an Produktivität verstanden wird, sondern als fruchtbarer Teil der Arbeit.
Emotionen sind in der Produktarbeit unvermeidbar. Sie gehören zu Teams, Entscheidungen, Nutzerverhalten und Produkten. Sie lassen sich nicht abschalten, wenn wir morgens den Rechner einschalten. Je bewusster wir mit ihnen umgehen, desto leichter fällt es, gute Entscheidungen zu treffen, mutige Ideen zuzulassen und Nutzerbedürfnisse wirklich zu verstehen. Genau darum lohnt es sich, Emotionen in der Produktarbeit nicht als Störung zu sehen, sondern sie zu unserem Vorteil zu nutzen.
In Folge 300 feiern wir ein großes Jubiläum
Dominique, Oliver und Tim blicken zurück auf 6 Jahre Podcast und mehr als 300 Gespräche mit und für Product Owner, Produktmanager:innen und alle mit Verantwortung für gute digitale Produkte.
Dabei geht’s um zentrale Fragen wie:
• Wie hat sich die Erwartung an Product Owner, PM & UX verändert?
• Warum verschiebt sich der Fokus weg von Frameworks hin zu echter Produktverantwortung?
• Wieso ist Discovery heute fester Bestandteil guter Produktarbeit?
• Was bedeutet die Durchlässigkeit zwischen PO, PM und UX für die Teamarbeit?
• Warum stoßen viele POs trotz wachsender Erfahrung weiterhin an Grenzen?
Die drei reflektieren die wichtigsten Entwicklungen in der Community – von der Pandemie und Remote-Lernen über veränderte Rollenbilder bis zu den Herausforderungen in skalierten Organisationen.
Ein Rückblick, der Mut macht und Orientierung gibt – für alle, die Wirkung erzielen statt nur liefern wollen. Diese Folge ist eine klare Empfehlung für alle, die sich fragen, wie sich die Rolle des Product Owners weiterentwickelt – und wie sie selbst Teil dieser Entwicklung sein können.
Tim spricht in dieser Folge mit Bernd Joussen über den Einfluss auf die Retrospektive, den Product Owner tatsächlich haben. Bernd ist erfahrener Produkt- und Projektmanager, Scrum Master und Agile Coach und war schon mehrfach Gast im Podcast. Beide erleben in ihrer Arbeit mit Teams, dass viele Product Owner den Raum der Retro missverstehen. Manche treten zu dominant auf und hemmen den Austausch. Andere ziehen sich so weit zurück, dass sie kaum Wirkung entfalten. Dabei ist die Retrospektive ein gemeinsamer Ort des Lernens. Der Product Owner gehört dorthin, weil er Teil des Teams ist und mit seinem Verhalten darüber entscheidet, wie offen gesprochen werden kann.
Bernd beschreibt, dass eine Retro ohne Vertrauen keine Wirkung zeigt. Wenn Teams einmal darum bitten, eine Runde ohne Product Owner durchzuführen, sei das ein Signal, das ernst genommen werden sollte. Kein Anlass zur Verteidigung, sondern zur Selbstreflexion. Denn Vertrauen entsteht nicht durch Argumente, sondern durch Haltung. Wer als Product Owner offen zuhört, statt zu bewerten, gibt dem Team die Sicherheit, auch heikle Themen anzusprechen.
In vielen Organisationen hängt der Einfluss auf die Retrospektive stark von der Persönlichkeit des Product Owners ab. Wer laut ist, prägt die Dynamik schnell. Wer zurückhaltend ist, verliert an Gewicht. Beides kann den Austausch verzerren. Ein guter Product Owner kennt die Wirkung seiner Präsenz und achtet darauf, Raum zu geben. Bernd betont, dass die Moderation des Scrum Masters hier entscheidend ist. Sie schafft Balance zwischen allen Stimmen und schützt den Raum vor einseitigen Perspektiven.
Der Einfluss auf die Retrospektive zeigt sich nicht in Redebeiträgen, sondern in Haltung. Ein Product Owner, der echtes Interesse am Team zeigt, Fragen stellt und neugierig bleibt, trägt mehr zur Verbesserung bei als jemand, der Ergebnisse einfordert. Gute Retrospektiven entstehen, wenn alle gemeinsam Verantwortung übernehmen. Wenn der Product Owner das Team unterstützt, Lösungen zu finden, statt sie vorzugeben.
Tim beschreibt, dass gerade in produktorientierten Teams die Retro oft zu stark auf Prozesse schaut und zu wenig auf Wirkung. Dabei bietet sie die Chance, über Outcomes zu sprechen, über den Beitrag des Teams zum Produktwert. Wenn der Product Owner diesen Blick einbringt, erweitert er die Perspektive, ohne den Rahmen zu sprengen. Dann wird die Retrospektive zu einem Ort, an dem Teamleistung und Produkterfolg zusammenfinden.
Bernd sieht in reifen Teams eine Selbstverständlichkeit, mit der Product Owner und Scrum Master gemeinsam für diese Qualität sorgen. Sie verstehen sich als Tandem, das das Team befähigt, eigene Lösungen zu entwickeln. Wo diese Verbindung fehlt, bleibt die Retro oberflächlich. Gute Zusammenarbeit zwischen Scrum Master und Product Owner sorgt dafür, dass Themen wie Vertrauen, Konflikte oder Verantwortung auch mit Blick auf den Produkterfolg besprochen werden.
Der Einfluss auf die Retrospektive hängt also davon ab, wie bewusst ein Product Owner seine Rolle lebt. Wer mit Neugier und Ruhe in die Retro geht, stärkt das gemeinsame Lernen. Wer sich als Teil des Teams begreift, fördert Offenheit. Und wer Verantwortung für die Wirkung seiner Worte übernimmt, schafft die Grundlage für Weiterentwicklung. Gute Retrospektiven entstehen dort, wo Menschen zuhören, lernen und handeln – gemeinsam und mit echtem Interesse aneinander.
Frühere Episoden mit Bernd Joussen in diesem Podcast:
- Konflikte mit Stakeholdern meistern - von Spannungen zu Lösungen
- Herausforderungen zwischen Product Owner und Developer
Wenn ihr direkt mit Bernd Joussen in Kontakt kommen möchtet, erreicht ihr ihn über sein LinkedIn-Profil. Weitere Informationen über Bernd Joussen und sein Angebot als Konfliktbegleiter, Experte für Retrospektiven mit Führungskräften und als Teamentwickler findet ihr auf seiner Webseite der-teamdynamo.de.
Wie viel Zeit sollten Product Owner eigentlich in das Schreiben von User Stories investieren? Wenn der Kalender voll ist und die To-do-Liste überquillt, wirkt das Story-Schreiben schnell wie eine lästige Pflicht. Viele sehen es als reine Schreibarbeit. Doch in Wahrheit ist es vor allem Denk- und Teamarbeit. Eine gute User Story entsteht nicht allein am Schreibtisch, sondern im Gespräch. Sie ist das sichtbare Ergebnis gemeinsamer Klärung; ein Zeichen dafür, dass sich ein Team verstanden hat. Wer User Stories schreibt, arbeitet also nicht an Texten, sondern am gemeinsamen Verständnis. Eine Story ist kein Dokument, sondern ein Kommunikationswerkzeug. Sie erinnert an ein Gespräch, in dem klar wurde, welches Nutzerproblem wirklich gelöst werden soll.
Manche Teams versuchen, Sicherheit durch besonders ausführliche Formulierungen zu schaffen. Dabei verlieren sie leicht das eigentliche Ziel aus den Augen. Gute User Stories entstehen, wenn Teams gemeinsam begreifen, worum es geht – nicht, wenn sie jedes Detail zu Papier bringen. Tim beschreibt User Stories als Einladung zum Dialog. Sie sollen Empathie für Nutzer:innen wecken und den Blick auf deren Bedürfnisse richten. In dieser Haltung wird das Schreiben von Stories zu einem Werkzeug, das Orientierung schafft. Wenn Teams verstehen, warum etwas wichtig ist, finden sie auch den passenden Weg dorthin. Dann reicht manchmal ein einziger Satz, um eine Idee zu verankern und das Gespräch darüber am Laufen zu halten. Dominique beobachtet, dass Organisationen sehr unterschiedlich mit User Stories umgehen. In großen Unternehmen wird oft zu viel dokumentiert, vielleicht, weil man es immer so gemacht hat. Startups dagegen schreiben häufig zu wenig auf. Beides zeigt ein Ungleichgewicht zwischen Vertrauen und Kontrolle. Ein Team, das seine Prozesse kennt und sich gegenseitig vertraut, braucht keine langen Texte. Es verlässt sich auf Dialog und gemeinsame Verantwortung. Wie viel Zeit also in die Story-Erstellung fließt, hängt stark von der Reife eines Teams ab. Wer schon lange zusammenarbeitet und den Produktkontext kennt, kommt mit wenigen Worten aus. Neue Teams dagegen brauchen mehr Austausch, um ein gemeinsames Verständnis aufzubauen. In jedem Fall sollte die Energie lieber in Nachdenken und Reflexion fließen als in das Polieren von Formulierungen.
Hilfreich ist die bekannte Zehn-Prozent-Regel: Rund zehn Prozent der Sprintzeit sollten in die Erstellung und das gemeinsame Refinement des Backlogs investiert werden. Diese Zeit zahlt sich aus, weil sie Klarheit schafft – über Ziele, Annahmen und Prioritäten. Wer hier spart, zahlt später mit Missverständnissen und Nacharbeit. Auch Künstliche Intelligenz kann dabei unterstützen, etwa durch Strukturvorschläge oder Formulierungsideen. Doch sie ersetzt kein gemeinsames Denken. Eine automatisch erzeugte Story ist noch keine Story, solange das Team nicht darüber spricht. KI kann inspirieren, aber kein echtes Verständnis schaffen und am Ende braucht es immer jemanden, der beurteilen kann, ob das Ergebnis wirklich gut ist. Gute User Stories entstehen also in Gesprächen, nicht in Tools. Sie schaffen ein gemeinsames Bild des Nutzerproblems und machen Produktentwicklung wirkungsvoller. Wer sich Zeit für den Austausch nimmt, gewinnt Klarheit und diese Klarheit ist die beste Grundlage für jedes gute Produkt.
In dieser Folge sprechen Oliver und Tim über eine Situation, die vielen Product Ownern vertraut sein dürfte. Eine Entscheidung wird (z.B. auf höherer Ebene) getroffen, die sie so nicht nachvollziehen können oder mit der sie schlicht nicht einverstanden sind. Und trotzdem müssen sie solche Entscheidungen vertreten, z.B. gegenüber ihrem Team.
Solche Momente fordern Haltung und eine gewisse Aufmerksamkeit. Als Product Owner steht man oft zwischen verschiedenen Erwartungen von Management, Team und Stakeholdern. Wenn eine Entscheidung fällt, die man selbst nicht getroffen hat, entsteht leicht ein innerer Konflikt. Soll ich loyal sein oder kritisch bleiben? Wie kann ich nach außen geschlossen auftreten, ohne mich selbst zu verbiegen?
Oliver und Tim machen im Gespräch deutlich, dass Entscheidungen vertreten nicht bedeutet, sie unreflektiert zu übernehmen. Es geht darum, Verantwortung zu tragen für den gemeinsamen Kurs, auch wenn man selbst anders entschieden hätte. Gerade das unterscheidet reife Product Owner von reaktiven. Sie wissen, dass Produktentwicklung ein Teamsport ist und dass Entscheidungen immer im Zusammenspiel vieler Perspektiven entstehen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass man alles einfach akzeptieren muss. Produktverantwortung bleibt auch in solchen Momenten bestehen. Wer Entscheidungen vertreten soll, darf sie hinterfragen, verstehen und einordnen. Erst wenn ich nachvollziehen kann, warum ein bestimmter Weg eingeschlagen wird, kann ich ihn glaubwürdig gegenüber dem Team kommunizieren. Das erfordert Gesprächsbereitschaft und Mut, besonders gegenüber Führungskräften oder Stakeholdern, die schnelle Ergebnisse erwarten.
Oliver beschreibt, wie hilfreich es ist, bewusst zwischen der eigenen Meinung und der gemeinsamen Entscheidung zu unterscheiden. Ich darf anderer Meinung sein und trotzdem nach außen klar auftreten. Tim betont, dass Transparenz im Team entscheidend ist. Wenn die Product Owner selbst unsicher wirken, verlieren Teams Orientierung. Offenheit nach innen, Geschlossenheit nach außen. Diese Balance prägt professionelle Product Ownership.
Entscheidungen vertreten heißt auch, sich selbst zu reflektieren. Woher kommt mein Widerstand? Geht es um Prinzipien, um persönliche Präferenzen oder um fehlende Informationen? Erst wenn ich das verstehe, kann ich konstruktiv handeln. Manchmal hilft es, die Entscheidung als Experiment zu betrachten. Nicht jede falsche Richtung ist ein Scheitern, solange ich bereit bin, daraus zu lernen.
Für Product Owner ist das ein Lernfeld, das mit der Zeit leichter wird. Denn wer regelmäßig Entscheidungen vertreten muss, die er nicht mag, lernt, zwischen Zustimmung und Verantwortung zu unterscheiden. Und das schafft Vertrauen im Team, bei Stakeholdern und im gesamten Produktumfeld.
Auf folgende frühere Episoden dieses Podcasts wurde im Gespräch verwiesen:
- Klarheit als Superpower für Produktmenschen (Arne Kittler)
- Kluge Entscheidungen treffen mit Decision Poker
- Product Owner sind Pokerspieler
- Ein Produkt einstellen - der Ramp Down von XING Events (Thomas Gläser)
- The Decision Stack
- Nein sagen als Product Owner
Wenn du selbst regelmäßig Entscheidungen vertreten musst, die dir schwerfallen, bist du damit nicht allein. Lass andere teilhaben. Wir freuen uns, wenn du deine Erfahrungen aus der Praxis mit uns teilst.
Viele Produktteams sind ständig beschäftigt – aber nicht immer wirksam. In dieser Episode spricht Oliver Winter mit Produktcoach Tim Herbig über echte Fortschritte in der Produktentwicklung.
Ausgehend von seinem Buch „Real Progress“ teilt Tim, wie Teams durch klare Produktstrategie, bewusste Entscheidungen und lernorientiertes Arbeiten echten Impact schaffen. Statt sich in Methoden zu verlieren, gilt es, Verbindungen zu schaffen – zwischen Product Discovery, Product Delivery und Produkt Strategie.
Eine Folge für alle, die sich weniger Output, aber mehr Outcome und Impact wünschen.
Viele Product Owner kennen das: Anforderungen sind sauber dokumentiert, die User Stories vollständig, Akzeptanzkriterien klar – und trotzdem entsteht am Ende etwas anderes als gedacht.
In dieser Folge sprechen Tim und Oliver darüber, woran das liegt – und wie es besser geht. Sie zeigen, warum die Wirksamkeit von Anforderungen nicht vom Template abhängt, sondern von Sprache, Haltung und Kontext.
Was heißt es, Anforderungen nicht nur zu schreiben, sondern gemeinsam zu denken?
Wann wirkt eine Formulierung einladend – und wann einschränkend?
Und wie gelingt echte Verständigung mit Stakeholdern und Teams?
Eine Folge für alle, die ihre Kommunikation als Product Owner bewusst gestalten und so echte Wirkung erzielen wollen.
In dieser Podcastfolge spricht Tim mit Björn Schotte, Mitgründer und Geschäftsführer von Mayflower, darüber, wie tiefgreifend der Einfluss von AI auf Produktentwicklung bereits ist – und wie sich die Arbeit von Product Ownern, Entwicklerinnen und Organisationen verändert. Björn bringt dabei nicht nur seine Erfahrungen aus der agilen Softwareentwicklung ein, sondern zeigt, wie AI und Context Engineering die Produktarbeit grundlegend neu definieren.
AI verändert nicht einfach nur Prozesse. Sie verschiebt den Fokus. Wo früher monatelange Diskussionen über Features und Architekturen nötig waren, entstehen heute funktionsfähige Prototypen in wenigen Stunden. Systeme, die sich selbst kontextbezogen steuern, liefern Vorschläge, testen Varianten und verbessern kontinuierlich die Ergebnisse. Damit rückt die eigentliche Frage in den Mittelpunkt: Wie kann man als Produktmensch diese Geschwindigkeit und künstliche Intelligenz sinnvoll nutzen, um echten Mehrwert für Nutzerinnen und Nutzer zu schaffen?
Björn beschreibt aufgrund seiner Erfahrung, dass AI längst über das reine „Vibe Coding“ hinausgeht. Die Zukunft liegt für ihn im Context Engineering – also darin, KI-Systemen Zugang auch zu relevanten Unternehmensdaten, Prozessen und Werkzeugen zu ermöglichen. So können sie nicht nur auf Zuruf Code generieren, sondern eigenständig sinnvolle Entscheidungen im Entwicklungsprozess treffen. Diese agentischen Systeme lernen aus Daten, messen Auswirkungen und schlagen eigenständig Verbesserungen vor. Damit entsteht ein Kreislauf, in dem Produktentwicklung zu einem lernenden, sich selbst optimierenden Prozess wird.
Für Product Owner bedeutet das eine Veränderung ihrer Rolle. Nicht mehr jede Entscheidung wird im Expertengremium getroffen. Stattdessen verlagert sich Verantwortung dahin, wo Arbeit tatsächlich passiert – in die Teams und an die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Die Aufgabe verändert sich: vom Entscheider hin zum Orchestrator. Jemand, der den Rahmen schafft, in dem Menschen, Daten und AI-Systeme gemeinsam wirken können.
Ein Beispiel: Mayflower entwickelt Voice-AI-Lösungen, die in Echtzeit mit Menschen sprechen, lernen und kontextbezogen reagieren. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Development, AI und User Experience. Produktentwicklung wird zu einem Dialog – zwischen Mensch, Maschine und Nutzer. Auch in der Modernisierung von Legacy-Systemen zeigt sich der Einfluss von AI: Software kann heute automatisch dokumentiert, getestet und migriert werden. Entwicklerinnen werden nicht ersetzt, sondern durch AI aufgeladen – schneller, präziser und mit deutlich höherer Testabdeckung.
Doch die größte Herausforderung liegt nicht in der Technologie, sondern in der Organisation. Klassische Hierarchien und lange Entscheidungswege bremsen aus. Wer den Einfluss von AI auf Produktentwicklung wirklich nutzen will, muss Strukturen verändern – Budgetierung, (Entscheidungs-)Verantwortlichkeiten, Zusammenarbeit. Entscheidungen gehören dahin, wo die Arbeit geschieht. Dorthin, wo AI, Daten und Menschen gemeinsam im Produktentwicklungsprozess lernen.
Am Ende dieser Entwicklung steht kein Kontrollverlust, sondern eine neue Form moderner Produktentwicklung. Eine, die Geschwindigkeit mit Lernfähigkeit verbindet. Für Product Owner heißt das: Jetzt ist die Zeit, sich mit AI auseinanderzusetzen – nicht theoretisch, sondern praktisch. Wer versteht, wie AI die Arbeit erleichtert, kann schneller handeln, bessere Produkte bauen und mehr Wirkung erzielen.
Das Gespräch knüpft wunderbar an unsere vorletzte Podcast-Folge mit Ben Sufiani "Ist Vibe Coding relevant für die Produktentwicklung?" an.
Wer weitere Fragen an Björn Schotte hat oder mit ihm ins Gespräch kommen möchte, erreicht ihn am Besten über ein LinkedIn-Profil oder per Mail (bjoern.schotte@mayflower.de.
Wie verändert AI deinen Arbeitsalltag in der Produktentwicklung? Wir freuen uns, wenn du deine Erfahrungen aus der Praxis mit uns in einem Kommentar des Blog-Artikels teilst.



