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Sternstunde Philosophie
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Sternstunde Philosophie

Author: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

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Vertiefende Gespräche mit herausragenden Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik. Die Sternstunde Philosophie vermittelt lebensnahe Denkanstösse zu zentralen Fragen unserer Zeit.
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Wie geht Abschied?

Wie geht Abschied?

2026-10-3159:51

Ein Mensch stirbt, ein Lebensplan zerbricht, der Körper setzt Grenzen, die Gewissheit, in Frieden zu leben, wird brüchig: Abschiede verändern, wer wir sind. Wie lebt man mit diesen Verlusten? Und warum machen uns manche Abschiede lebendiger? Ein Gespräch mit Schriftstellerin Gabriele von Arnim. Abschied ist immer und überall. Gabriele von Arnim, bald 80-jährig, hat ein Jahr lang über Abschiede nachgedacht, darüber, was sie nicht mehr kann, was sie nicht mehr muss und darüber, was in dieser Welt verlustig geht, wenn Empathie fehlt. Sie hat persönliche und politische Abschiede in einem Tagebuch festgehalten und erzählt von unerfüllten Wünschen genauso wie vom Älterwerden und von einer Welt, deren Veränderungen sie bis in ihre Träume verfolgen. Dabei wurde sie zwar nicht weniger besorgt, aber gleichzeitig heiterer - denn Abschiede sind für sie auch der Weg zur Freiheit. Dazu gehört, sich von der Vorstellung zu verabschieden, wie das eigene Leben sein sollte, um sich auf das einzulassen, was tatsächlich ist. Zugleich bleiben mit jedem eingeschlagenen Weg andere ungegangen. Auch unerfüllte Wünsche gehören zum eigenen Leben. Gabriele von Arnim kennt die Spannung zwischen Verlust und neuen Möglichkeiten aus eigener Erfahrung. Zehn Jahre begleitete sie ihren schwerkranken Mann bis zu seinem Tod. Danach musste sie lernen, die wiedergewonnene Freiheit zu leben. Davon erzählte sie in ihrem Buch «Das Leben ist ein vorübergehender Zustand». Mit Olivia Röllin spricht sie darüber, wie man nach dem Tod eines Menschen in ein eigenes Leben zurückfindet, wie man angesichts von Krieg und politischer Verrohung empfindsam bleibt, ohne zu verzweifeln, ob man sich auf das eigene Sterben vorbereiten kann und woher sie die Zuversicht nimmt, dass selbst im Abschied noch ein Anfang möglich ist.
Hitzesommer, ausgetrocknete Seen und Flüsse, Gletschersterben – und gerade hat die UNO eine Erwärmung um 2.8 Grad prognostiziert. Dennoch sorgt das Thema oft nur für Achselzucken. Können wir uns diese Nonchalance leisten? Und auf wessen Kosten? Ein Gespräch mit Klimawissenschaftler Reto Knutti. In ihrem neuesten Bericht rechnet die UNO vor, dass die Erde bis Ende des Jahrhunderts auf eine Erwärmung von 2.8 Grad zusteuert. Doch viele empfinden die Klimadebatte inzwischen als ermüdend oder gar sinnlos. Warum fällt es uns so schwer, vom Erkennen ins Handeln zu kommen? Kann die kleine Schweiz angesichts eines globalen Problems überhaupt etwas ausrichten? Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich, gehört zu den prägenden Stimmen der Schweizer Klimadebatte. Mit Barbara Bleisch spricht er über die Möglichkeiten und Grenzen technischer Lösungen, über politische Verantwortung und die Frage, was jeder Einzelne bewirken kann. Wie lässt sich für Klimaschutz streiten, ohne zu lähmen oder zu moralisieren? Wie gehen wir damit um, dass viele zwar mehr Klimaschutz wollen, zugleich aber keine Windturbine in ihrer Nähe akzeptieren, ihren Fleischkonsum nicht einschränken und nicht aufs Fliegen verzichten möchten? Und woher nimmt er selbst die Zuversicht, dass Veränderung möglich ist?
Apps organisieren unseren Alltag, Algorithmen treffen eine Vorauswahl, KI übernimmt das Denken. Das spart Zeit und Mühe. Philosophin und Astrophysikerin Sibylle Anderl fragt, was wir verlieren, wenn wir uns immer mehr abnehmen lassen, und was es braucht für ein gutes, selbstbestimmtes Leben. Lieferdienste bringen uns das Essen, Spotify kennt unseren Musikgeschmack und KI formuliert unsere Texte. Das Leben wird bequemer, doch der Preis dafür könnte hoch sein. Denn wer nicht mehr selbst kocht, repariert, entscheidet oder denkt, verliert womöglich nicht nur Fähigkeiten, sondern auch Selbstvertrauen, Urteilskraft und Freiheit. In ihrem Buch «Bequeme neue Welt» fragt die Philosophin und Astrophysikerin Sibylle Anderl, wann hilfreiche Entlastung in Abhängigkeit und Entmündigung kippt. Warum ist es wichtig, Dinge selbst zu können? Was geschieht mit unserem Denken, wenn KI uns fertige Antworten liefert? Und was fehlt, wenn selbst menschliche Nähe durch ein stets verständnisvolles digitales Gegenüber ersetzt wird? Im Gespräch mit dem neuen Sternstunden-Moderator Michael Räber spricht sie über Bequemlichkeit und Selbstbestimmung, die Verlockungen künstlicher Intelligenz, das Staunen über den Kosmos und die Frage, was ein gutes Leben ausmacht.
Denkikone, Jahrhundertgenie, Skandalfigur. Der 1926 geborene Philosoph Michel Foucault ist der bis heute einflussreichste Denker der Gegenwart. Was macht den besonderen Reiz seines Denkens aus? Und wie können seine Einsichten den Menschen befreien? Ob zu Fragen der Identitätspolitik, der Sexualmoral, des Überwachungsstaats, der Krise westlicher Demokratien oder auch einer neuen Spiritualität der Selbstsorge – zu all diesen Themen hat der im Jahre 1984 verstorbene Franzose Michel Foucault bahnbrechende Werke veröffentlicht. Und er hat dabei nicht nur ganze Generationen von Denkerinnen und Denkern beeinflusst, sondern auch als politischer Aktivist tief in den öffentlichen Raum gewirkt. Nicht zuletzt als Privatperson überschritt Foucault in seinem unbändigen Freiheitsdrang immer wieder die Grenzen der herrschenden Kultur. Im Gespräch mit dem Berliner Kulturwissenschaftler Philipp Felsch geht Wolfram Eilenberger Foucaults überragenden Bedeutung für die heutige Zeit nach.
Carl Hart forscht an der Columbia Universität in New York zu Drogen und konsumiert selbst regelmässig Substanzen wie Heroin oder Kokain. Olivia Röllin spricht mit ihm über Sucht und Abhängigkeit und das Recht des Einzelnen, sein Bewusstsein durch Drogen zu verändern. Aufgewachsen in einem armen Viertel in Miami, erlebte Carl Hart Drogenhandel, Gewalt und Kriminalität aus nächster Nähe. Als Wissenschaftler begann er später, über Drogen zu forschen, um etwas gegen die Verbreitung von Crack zu unternehmen. Dabei gelangte er immer mehr zur Überzeugung, dass nicht die Drogen das Problem sind, sondern die sozialen und wirtschaftlichen Lebensumstände der Betroffenen. Und, dass der Kampf gegen Drogen als Vorwand diente, um bestimmte Bevölkerungsgruppen zu unterdrücken. Er wandelte sich zu einem Befürworter, der heute eine Legalisierung auch harter Drogen fordert und selbst regelmässig Substanzen wie Heroin und Kokain konsumiert. Er argumentiert, dass ein Konsum ohne Abhängigkeit nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel ist, und dass ihn Drogen zu einem besseren Menschen gemacht hätten. Olivia Röllin hakt nach, ob er die Risiken für die Gesellschaft nicht unterschätzt und ob wir durch ständige Intensivierung von Emotionen nicht verlernen, wie berauschend der Alltag ohne Verstärkung sein kann.
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