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Börsen-Zeitung | Nachhaltiges Investieren
Börsen-Zeitung | Nachhaltiges Investieren
Author: Börsen-Zeitung
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Börsen-Zeitung © Musik: pøpsicle
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Der Sustainable-Finance-Podcast der Börsen-Zeitung
Wer definiert, was nachhaltig ist? Wo beginnt Greenwashing? Und wie müssen sich Investoren, Finanziers, Unternehmen und Dienstleister positionieren, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein? Diese Fragen beleuchtet „Nachhaltiges Investieren“, der Podcast der Börsen-Zeitung rund um Sustainable Finance, ESG-Investments, Nachhaltigkeitstransformation & Co.
Wir sprechen mit Expertinnen und Experten, die etwas zu sagen haben. Unsere Gäste sind Professionals aus Fondsgesellschaften, Banken und Unternehmen, andere bringen ihre Perspektive als Wissenschaftler, Regulierer oder Dienstleister ein. In jeder Episode nehmen wir im Interview ein aktuelles Thema oder eine besondere Herausforderung in den Blick und sprechen über professionelle und persönliche Einschätzungen. Zum Abschluss liefert unser Newsblock einen Überblick über die wichtigsten Meldungen aus der Sustainable-Finance-Community.
Nachhaltiges Investieren erscheint jeden zweiten Donnerstag, Redaktion: Sabine Reifenberger.
Feedback und Fragen sind willkommen: podcast[at]boersen-zeitung[dot]de
Sie interessieren sich für ein Sponsoring des Podcasts oder für die weiteren ESG-Produkte der Börsen-Zeitung? Dann tretet gern in den Austausch mit unserem Sales-Team.
Eva Kammler: E.Kammler[at]boersen-zeitung[dot]de
Wer definiert, was nachhaltig ist? Wo beginnt Greenwashing? Und wie müssen sich Investoren, Finanziers, Unternehmen und Dienstleister positionieren, um zukunftsfähig aufgestellt zu sein? Diese Fragen beleuchtet „Nachhaltiges Investieren“, der Podcast der Börsen-Zeitung rund um Sustainable Finance, ESG-Investments, Nachhaltigkeitstransformation & Co.
Wir sprechen mit Expertinnen und Experten, die etwas zu sagen haben. Unsere Gäste sind Professionals aus Fondsgesellschaften, Banken und Unternehmen, andere bringen ihre Perspektive als Wissenschaftler, Regulierer oder Dienstleister ein. In jeder Episode nehmen wir im Interview ein aktuelles Thema oder eine besondere Herausforderung in den Blick und sprechen über professionelle und persönliche Einschätzungen. Zum Abschluss liefert unser Newsblock einen Überblick über die wichtigsten Meldungen aus der Sustainable-Finance-Community.
Nachhaltiges Investieren erscheint jeden zweiten Donnerstag, Redaktion: Sabine Reifenberger.
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Eva Kammler: E.Kammler[at]boersen-zeitung[dot]de
111 Episodes
Reverse
Im Kreditgeschäft mit Unternehmen sind Banken in Deutschland nach Wahrnehmung von Holger Wußler, Partner Financial Services bei KPMG, mit erheblichen Datenlücken konfrontiert, vor allem, was den Kreditbestand angeht. Durch die Omnibus-Gesetze der EU, die viele mittelständische Unternehmen von Datenanforderungen befreien, dürfte es für die Banken sogar noch schwieriger werden. Zumal die Bankenaufsicht von den Instituten fordert, ein funktionierendes Risikomanagement zu betreiben. „Die Banken sind nicht aus der Verantwortung entlassen“, sagt Wußler im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Sie könnten nicht einfach Felder freilassen, nur weil Kreditkunden nicht genug über ihre CO2-Sensitivität oder ihren Gender Pay Gap wissen. Für Wußler gibt es aber eine Option, über die es sich lohnt nachzudenken, nämlich Plattformlösungen. Anschauungsunterricht gibt es in Österreich.
Kostet Nachhaltigkeit im Portfolio Rendite? Die Fragen beschäftigt den Markt seit Jahren. „Was man grundsätzlich sagen kann ist: Das Versprechen, nachhaltiges Investieren kostet nichts, das ist intakt“, sagt Henrik Pontzen, Chief Sustainability Officer bei Union Investment, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Langfristig stifte nachhaltiges Investieren einen Vorteil, „weil eben langfristige Risiken besser und intensiver analysiert werden“ – auch wenn es kurzfristig zu Einbußen kommen kann.
Für das zurückliegende Kapitalmarktjahr sieht er insbesondere in Deutschland einen Sondereffekt: „Die Dax-Performance im letzten Jahr war eine Rheinmetall-Performance, ganz überwiegend“, erklärt Pontzen. „Wer Reinmetall nicht im Portfolio hatte, weil er als nachhaltiger Investor beispielsweise Rüstungsaktien ausschließt, der hatte dann tatsächlich einen signifikanten Nachteil. Das mag um die 7 Prozentpunkte ausgemacht haben und das ist sehr, sehr viel.“
An den internationalen Kapitalmärkten hingegen war entscheidender, wie sich Investoren bei Themen wie Technologie, Software und Künstliche Intelligenz positioniert haben. Nachhaltige Fonds hätten „typischerweise ein Übergewicht in Tech-Werten“, konstatiert Pontzen. In der globalen Betrachtung schneide daher die nachhaltige Benchmark um gut 2 Prozentpunkte besser ab als die konventionelle. „Wenn im deutschen Investmentuniversum gilt: Nachhaltigkeit hat gekostet, und zwar viel, so gilt im viel relevanteren globalen Investmentuniversum: Nachhaltigkeit war förderlich, und zwar sehr.“
Chancen für nachhaltige Investments sieht er im Bereich Klima-Adaption. Dieser Sektor umfasst Technologien, die zur Anpassung an den Klimawandel benötigt werden – und deren Nutzen häufig individuell spürbar ist. Während es für einen einzelnen schwer erscheint, etwas gegen die globale Erwärmung auszurichten, ist der Erwerb einer Klimaanlage für heiße Tage einfach. „Es mag sein, dass wir keine Mehrheit finden, um die Welt zu retten“, sagt Pontzen. „Aber Menschenleben und sich selbst rettet man immer.“
Es sind keine einfachen Zeiten für Sustainable Finance. „Das Thema ESG-Backlash begegnet einem fast an jedem Tag, und ich glaube, man kann das auch nicht negieren“, sagt Matthias Hübner, seit Oktober 2024 Geschäftsführer des Sustainable Finance Clusters Germany, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. „Das Momentum hat sich ein bisschen verändert, was auch dazu führt, dass es teilweise schwieriger ist, Leute wirklich als Speaker für ein Event zu gewinnen oder auf ein Panel zu holen, weil viele etwas leiser geworden sind, wenn sie über Sustainable Finance sprechen.“
Zwar seien viele Unterstützer leiser geworden, eine Abkehr von Sustainable-Finance-Themen sieht Hübner aber nicht. Er sieht eine Diskrepanz „zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und dem, was tatsächlich in den Instituten passiert – nicht nur bei den Finanzinstituten, sondern genauso auch auf der Corporate-Seite“. Viele Initiativen liefen weiter. Das Cluster versteht er „als Brückenbauer zwischen der Finanzwelt und den Unternehmen“. Dabei gehe es nicht um Lobbyarbeit, sondern um den offenen Austausch.
Für den Finanzplatz Frankfurt kann Sustainable Finance eine Chance sein, ist Hübner überzeugt. Das Thema ist daher auch einer der Schwerpunkte in der Charta für den Finanzplatz Frankfurt, die im Herbst verabschiedet wurde. „Das Thema stand von Anfang an auf der Agenda“, betont Hübner. Es gebe die Überzeugung, dass es ein entscheidender Faktor sei im internationalen Wettstreit der Finanzplätze, um Talente, um Assets und um die Ansiedlung von ausländischen Instituten.
Hübner wünscht sich, dass die Mitstreiter wieder etwas lauter werden, wenn es um Sustainable Finance geht. Durch Regulierung oder durch intrinsische Motivation erreiche man vielleicht 10% der Wirtschaftsakteure, schätzt er. Um die breite Masse zu überzeugen, brauche es überzeugende Business Cases. „Wenn wir wirklich einen Durchbruch erzielen möchten bei dem Thema Sustainable Finance, dann muss sich das Ganze auch lohnen für alle Beteiligten“, sagt Hübner. Das bedeute aber auch: „Es müssen auch die Unternehmen und die Banken bereit sein, über ihre Erfolgsbeispiele zu sprechen.“
Bereits seit 2009 beschäftigt sich die Münchener Meag mit Waldinvestments. Damit zählt sie zu den ersten Assetmanagern, die sich das Thema näher angeschaut haben, sagt Jasper Renk, Senior Investment Manager Illiquid Assets Natural Capital bei Meag, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. In der Meag konzentriert sich die Vermögensverwaltung von Munich Re und Ergo. Die Zugehörigkeit zur Versicherungsgruppe hat auch für die Risikobewertung Vorteile, sagt Renk: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir mit den Climate Experts von Munich Re ein Team haben, was uns regelmäßig zur Verfügung steht, für die Abschätzung und vor allen Dingen auch die Bezifferung der Auswirkungen des Klimawandels in verschiedenen Szenarien.“
Der erste Schritt bei der projektbezogenen Due Diligence ist bei Meag die geographische Auswahl. Dabei fokussiert sich der Assetmanager auf entwickelte Länder. Diese punkten mit einer stabilen Infrastruktur, mit Rechtssicherheit beim Erwerb von Flächen sowie mit politischer und ökonomischer Stabilität. Risikofaktoren werden bei der Prüfung bestmöglich beziffert und einkalkuliert. Schäden durch Stürme, Feuer oder Borkenkäfer, die medial besonders präsent sind, sind aus Investorensicht dabei eher zweitrangig. „Bei einem global diversifizierten Waldportfolio einer gewissen Größe spielen solche Naturrisiken eigentlich eine eher untergeordnete Rolle“, sagt Renk. Bei kaum einer anderen Assetklasse gebe es „eine so große Diskrepanz zwischen empfundenen Risiken und echten Risiken“.
Mittlerweile hat Meag rund 2 Mrd. Euro in Waldinvestments gesteckt. Die Konkurrenz um attraktive Flächen nimmt allerdings zu. Vor 20 Jahren habe man „fast immer das gleiche Bieterkonsortium“ gesehen, erinnert er sich. Doch mittlerweile entdecken immer mehr Neulinge die Assetklasse Wald für sich.
Ab Mitte 2026 gelten neue Regeln im Markt für ESG-Ratings. Erstmals übernimmt mit der ESMA eine Behörde die Aufsicht und Kontrolle über Nachhaltigkeitsratingagenturen im europäischen Raum. Die Regulierung soll für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der Ratings sorgen, etwa durch Offenlegung der Methoden, Datenquellen und Bewertungslogik. Vergleichbarkeit ist gewünscht – Vereinheitlichung hingegen nicht, betont Till Jung, Managing Director und Head of Sustainability Business bei dem Datendienstleister ISS Stoxx, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. „Es gab ja auch Bestrebungen, durch diese Regulierung die Methodik zu vereinheitlichen. Weil es immer Kritik gibt, dass Ratings im Nachhaltigkeitsbereich stark auseinandergehen, je nach Anbieter – wohingegen das doch so schön ist im Kreditrating-Bereich, da sind sich alle einig“, sagt Jung. „Aus meiner Sicht ist das eine etwas verkürzte Sichtweise, weil natürlich im Bereich Nachhaltigkeit auch viel mehr verschiedene Themen zu bewerten sind.“
Investoren müssten sich die unterschiedlichen Methoden anschauen und dann entscheiden, welche Gewichtung zu ihnen passt. Manchen sei beispielsweise die Bewertung kurzfristiger finanzieller Risiken wichtig, anderen die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt. „Es ist ganz wichtig, dass man einfach anerkennt, dass es unterschiedliche Anforderungen und Nachfragen im Markt gibt“, sagt Jung.
In seiner Wahrnehmung hat sich die Rolle der Nachhaltigkeitsratings verändert. „Früher hatten viele Fondsmanager und Vermögensverwalter gar keine Expertenabteilungen zu dem Thema nachhaltiges Investment“, erinnert er sich. Ratings sollten in diesen Fällen die benötigten Daten liefern und Orientierung bieten. Mittlerweile ist bei vielen Fondsmanagern allerdings eigenes Expertenwissen vorhanden. Manche Vermögensverwalter haben eigene Abteilungen mit Dutzenden Analysten aufgebaut. Diese Kunden seien nicht an Basisinformationen interessiert, sondern benötigten detaillierte Daten und Branchen-Einblicke, um diese mit dem eigenen Research in Bezug zu setzen, erklärt Jung.
Die Datenlage wird nach Jungs Eindruck „von Jahr zu Jahr besser“. Nachholbedarf sieht er beispielsweise noch bei der Erhebung von ESG-Daten entlang der Lieferkette. Doch er ist optimistisch, dass die Anzahl der berichteten Datenpunkte trotz Omnibus-Initiative zunehmen wird. „Es ist nicht so, dass das alles perfekt ist“, sagt Jung. „Aber es ist auch nicht so, dass man den Kopf in den Sand stecken muss.“
Die nachhaltige Transformation der Wirtschaft wird gegenwärtig durch einen Mangel an Planungssicherheit behindert – und dafür ist die Politik mitverantwortlich. Diese Einschätzung äußert Katharina Beck, die finanzpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag: „Wir brauchen wieder eine gewisse Verlässlichkeit in der Politik – nichts ist schlimmer als dieses ständige Hin und Her“, betont Beck. Natürlich müsse es immer die Möglichkeit geben, Anpassungen vorzunehmen. Aber generell brauche es „eine gewisse Planungssicherheit“.
Aktuell herrsche Verwirrung, niemand wisse so recht, welche Vorgaben er einhalten müsse. Konkret verweist Beck zum Beispiel auf die Tatsache, dass die EU-Richtlinie über Nachhaltigkeits-Berichtspflichten, die CSRD, in Deutschland noch immer nicht in nationales Recht umgesetzt worden und daher seit anderthalb Jahren überfällig sei. Mit Blick auf den Gesetzesentwurf, der nun in erster Lesung im Bundestag verhandelt werde, äußert Beck zwar einige Vorbehalte, weil er bürokratisch aufwändig sei. „Ich bin aus der Motivation heraus, dass es funktioniert, dafür, dass es besonders praxisnah ausgestaltet wird“. Die Finanzexpertin macht aber zugleich deutlich, es sei wichtig, dass nun zügig entschieden werde. Denn Planungssicherheit für Unternehmen sei in den aktuell geopolitisch angespannten Zeiten noch wichtiger.
In der öffentlichen Debatte habe das Thema Sicherheit die Debatte über Nachhaltigkeit etwas verdrängt. Beck unterstreicht in diesem Kontext, dass beides durchaus eng verknüpft sei. Europa müsse realisieren, dass es in der EU wenig fossile Vorkommen gebe – und dabei die geopolitische Situation berücksichtigen. Dann werde offensichtlich: „ClimateTech ist ja am Ende auch ResilienceTech oder wie immer man das nennen will.“
Was die Investitionen in ClimateTech und GreenTech angeht, erinnert die Bundestagsabgeordnete daran, dass Deutschland vor zwei Jahren im Bereich der Klima- und Umwelttechnologien noch Vize-Weltmeister war. „Und ich hätte richtig Bock, dass wir da wieder Weltmeister werden.“ Dabei sei es nicht richtig, Industrie und Nachhaltigkeit – wie es oft in der politischen Debatte geschehe – argumentativ als einen Gegensatz darzustellen. „In meinem Wahlkreis wird gerade ein neues Plastik hergestellt, das man sofort auf den Kompost werfen kann, das ist ja auch Industrie.“
Ist Nachhaltigkeit für Mittelständler in Deutschland kein Thema mehr? Der Eindruck könnte fast entstehen – schließlich werden sie im Zuge der Omnibus-Initiative von Reportingpflichten entlastet. „In der Breite hat sich einfach manifestiert: ESG ist tot“, beobachtet Michael Sindram, Gründer und Geschäftsführer von OpenESG, einer Plattform zur Erfassung und Analyse von Nachhaltigkeitsdaten. Dabei sei das Gegenteil der Fall – gerade in der Bankenwelt würden ESG-Risiken immer relevanter.
Da mittelständische Firmenkunden die Nachhaltigkeitsdaten nicht im Rahmen einer Berichtspflicht erfassen, müssen Banken nachfragen. „Dann kommen Sie natürlich in eine sehr unangenehme Diskussion. Sie sind sofort in der Rechtfertigungspflicht“, sagt Sindram. Für eine Studie hat OpenESG mit Partnern gerade 165 Teilnehmer aus deutschen Finanzinstituten zur Relevanz von ESG-Daten befragt. Dabei wurde deutlich, dass es den Banken zunehmend schwerfällt, die erforderlichen Angaben zu erheben – gerade bei mittelständischen Firmenkunden.
In der Kreditvergabe an Mittelständler nutzen zwei Drittel der Banken hauptsächlich Branchen- oder Durchschnittswerte. Mit Blick auf das Risikomanagement sei dies schwierig – es drohe eine Negativauslese, mahnt Sindram. „Wenn ich ein Unternehmen bin mit einem sehr schlechten ESG-Footprint, dann bin ich natürlich froh, wenn ich den Durchschnittswert bekomme“, erklärt er. Wer hingegen über dem Branchendurchschnitt liege, werde benachteiligt. „Das ist aus Risikomanagementgesichtspunkten definitiv nicht die optimale Lösung.“
Im Gespräch berichtet Sindram, wie die Banken versuchen, dieses Datendilemma zu lösen, und welche Perspektive auf Nachhaltigkeit er aus seiner eigenen Zeit im Unternehmensmanagement mitgenommen hat.
Auf Wunsch eines institutionellen Investors, der nachhaltig in ein Staatsanleihen-Portfolio für Industrieländer investieren wollte, hat der Assetmanager Degroof Petercam Asset Management (DPAM) 2007 begonnen, ein ESG-Bewertungstool zu entwickeln. Mittlerweile nutzt DPAM dieses auch für Analysen von Schwellenländer-Anleihen. „Für uns ist das ein Risikothema“, erklärt Deutschland-Chef Thomas Meyer im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.
Demokratische Werte stehen für den Assetmanager mit 4 Mrd. Euro Assets under Management an erster Stelle. Staaten, die von der Nichtregierungsorganisation Freedom House als autoritär eingestuft werden, seien beispielsweise aus Nachhaltigkeitsperspektive nicht investierbar. „Das hat uns schon in der Vergangenheit vor so manchem Risiko bewahrt“, sagt Meyer.
Insgesamt fließen mehr als 50 Datenpunkte in unterschiedlicher Gewichtung in die Analyse ein. Die Datenqualität hat sich in der Breite in den vergangenen Jahren „deutlich verbessert“, beobachtet der DPAM-Deutschland-Chef. Wichtig sei allerdings, auf vertrauenswürdige Quellen zu achten. Daten kommen beispielsweise vom Internationalen Währungsfonds, der Weltbank oder von Indexanbietern. Lücken machen sich in der Einstufung negativ bemerkbar: „Wenn wir gar keine Informationen haben oder veraltete, dann führt das eben dazu, dass der Datenpunkt nicht bewertet wird“, erklärt Meyer. Das Land falle dadurch im Ranking zurück.
Abstiege im Ranking haben Folgen für den Anteil der Mittel, die ein Portfoliomanager allokieren darf. So fließen 40% der Mittel in die Länder, die im obersten Quartil einsortiert sind. Der Schwellenländerbegriff ist allerdings weit gefasst. In der Liste findet sich beispielsweise Singapur, das von der Wertschöpfung her höher liege als so manches Industrieland, wie Meyer einräumt. Andere Länder hätten hingegen keine große finanzielle Basis, aber investierten dennoch in ihr Nachhaltigkeitsprofil. Die unterschiedliche Ausgangsbasis will der Assetmanager über einen Trendindikator ausgleichen. „Dieser Trendindikator bewertet die Entwicklung eines Landes in rollierenden Dreijahreszeitraum“, erklärt Meyer. Wenn sich ein schwaches Land in der Nachhaltigkeitsbewertung steigere, dann gebe es einen Bonus obendrauf. Wer hingegen über finanzielle Mittel verfüge, sich aber schlechter entwickle, werde mit Punktabzügen bestraft.
Länder, die im Nachhaltigkeitsranking gute Werte erreichen, sind Meyers Beobachtung zufolge in vielen Bereichen ein stabileres Investment. Sie seien widerstandsfähiger bei Umweltkatastrophen, „aber auch was deren demokratisches Setup, die Institutionen angeht“.
Das Climate-Tech-Unternehmen Right° schaut sich in seinem „What if“-Report an, wie stark die Dax-Konzerne zur Erderwärmung beitragen – und zumindest eine Handvoll Vorbilder ist bereits auf gutem Weg, die Vorgaben der Pariser Klimaziele einzuhalten. In den am Donnerstag veröffentlichten Ergebnissen der jüngsten Ausgabe stechen von 34 untersuchten Unternehmen fünf besonders positiv hervor. Sie haben ein Klimaziel definiert, das im Einklang mit den Pariser Klimazielen von „deutlich unter 2 Grad Celsius“ liegt. Und die Datenentwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass sie auf Kurs liegen, dieses Ziel auch zu erreichen. Einige weitere Unternehmen erfüllen zumindest einen der beiden Faktoren.
Die Modelle von Right° zeigen, wie stark sich die Erde bis zum Jahr 2100 erwärmen würde, wenn die Welt dieselbe Klimaperformance hätte wie das betrachtete Unternehmen. „Insgesamt nennen wir 21 Unternehmen im „What if“-Report, die in irgendeiner Form greifbaren Fortschritt machen in Richtung Pariser Klimaziele. Und das finde ich schon ganz gut“, sagt Hannah Helmke, CEO von Right°, bei der Einordnung der Ergebnisse im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.
Die Branchenzugehörigkeit lässt sie als Ausrede für schwächere Klimawerte nicht gelten. Das Modell basiere auf branchenspezifischen Benchmarks: „Die Emissionsreduktionsanforderungen an ein Unternehmen im Energiebereich sind anders als bei einem Unternehmen in der Chemie-Branche.“ Auch die fünf Vorbilder stammen aus unterschiedlichen Bereichen. Helmke war von einem Energieunternehmen positiv überrascht: „Die RWE ist unter den fünf Unternehmen, die sowohl ein Paris-konformes Ziel hat, als auch ihre Wertschöpfung von den Emissionen in Paris-konformem Tempo entkoppelt“, berichtet sie. Auch der Autobauer Porsche erfüllt beide Voraussetzungen, ebenso Siemens Healthineers, Adidas und die Deutsche Börse.
Ein Ergebnis bereitet Helmke allerdings Sorgen: Die mittlere Klimawirkung über alle Unternehmen hinweg liegt nun bei 4,3 Grad Celsius, nach 3,7 Grad Celsius im Vorjahr. „Die Lücke zu 1,5 Grad hat sich leider wieder geweitet vom Jahr 2023 auf das Jahr 2024 – da haben wir noch nicht mal den Trump-Effekt drin.“
Das Thema Rüstung ist derzeit allgegenwärtig, auch bei Investoren. Die Renditen sind attraktiv. Aber bei nachhaltigen Investments ergibt sich ein Spannungsfeld, sagt Daniel Sailer, Head of Sustainable Investment Office bei Metzler Asset Management, im Podcast „Nachhaltiges Investieren” der Börsen-Zeitung. Er beobachtet, dass Kunden sich intensiv mit der Branche befassen – und mitunter neu darüber nachdenken, welche Auswirkungen ein Ausschluss von Rüstungswerten auf ihr Anlageuniversum hat.
„Es gibt Versicherungsunternehmen, die immer Rüstung ausgeschlossen hatten, und sich jetzt im Kontext dieser politischen Veränderungen die Frage gestellt haben: Ist es noch zeitgemäß?“, berichtet Sailer. Hinzu komme der Rendite-Aspekt: „Ist es für mich als Anleger vielleicht sogar meine treuhänderische Pflicht, Rüstung aufzunehmen?“ Wichtig sei es, die quantitativen Effekte in der Kapitalanlage zu ermitteln. „Das hat dann doch der eine oder andere schon stark unterschätzt“, beobachtet Sailer.
Metzler Asset Management hat sich vor kurzem einem Moratorium im Bereich Tiefseebergbau angeschlossen. Die Technologie zur Rohstoffförderung in der Tiefsee wird von Umweltschützern scharf kritisiert. Erste Tests für Tiefseebergbau habe es bereits vor über 30 Jahren gegeben, die damals genutzten Gebiete hätten sich aber seither nicht erholt, erklärt Sailer. Wird es Kunden nicht irgendwann zu viel, wenn man von ihnen verlangt, sich nun auch noch mit Tiefseebergbau zu befassen? „Ja, die Reaktion ist verständlich. Die habe ich auch schon bekommen“, räumt Sailer ein. Das Thema ist aus seiner Sicht aber besonders wichtig, gerade weil es noch nicht so bekannt ist. Es sei „von dramatischer Bedeutung“.
Mit einem verwalteten Vermögen von rund 10 Mrd. Euro hat sich die Investmentboutique Palladio Partners auf Private Markets spezialisiert. Barbara Treusch verantwortet als Director die Nachhaltigkeitsthemen und muss die Herausforderungen bei verschiedenen Investitionswegen von Dachfondsstrukturen bis zu Direktinvestments im Blick behalten. „Wir haben permanent mit Unsicherheiten und mit unvollständigen Informationen zu kämpfen. Das wird auch eine Regulierung, egal in welche Richtung sie geht, nicht ändern“, sagt Treusch im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.
Durch eine Fortbildung zur Nachhaltigkeitsmentorin hat Treusch gelernt, wie wichtig Kommunikation für die Umsetzung einer ESG-Strategie ist. „Ein Datenpunkt kommt nicht einfach so. Sondern da stecken Menschen, die treffen Entscheidungen, es gibt Aktivitäten – und das ist ja die Basis, um überhaupt Informationen und Daten einsammeln zu können.“ Eine Herausforderung sieht sie darin, aus diesen Erkenntnissen dann konkrete Handlungsweisen abzuleiten: „Wie kann ich denn – oder Menschen, die ich begleite –, in dieses Tun kommen.“
In schwierigen Situationen hilft ihr die Weiterbildung zur ESG-Mentorin: „Unsicherheiten bei Investoren, bei unseren Teammitgliedern, die sind nun mal da“, sagt Treusch. Eine wichtige Veränderung hat die Regulierung aus ihrer Sicht aber angestoßen: „Sie hat uns eine gewisse Macht gegeben“, findet Treusch. Diskussionen mit dem Management könne man dadurch anders führen. Mittlerweile gehe es weniger darum, formale Kriterien von Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds zu erfüllen. „Wir gehen jetzt viel stärker in die fachliche Diskussion.“
Als der Podcast „Nachhaltiges Investieren“ im Oktober 2021 startete, war die Corona-Pandemie noch ein prägendes Thema. „Ich glaube, da kam Deutschland gerade kollektiv aus der Joggingrose raus“, erinnert sich Henrik Pontzen, Chief Sustainability Officer bei Union Investment, im Gespräch zur 100. Podcast-Episode. Ist er nun zufrieden mit der Entwicklung von Sustainable Finance seither? Wenn man bedenke, wie dramatisch sich die Weltenlage seither insgesamt seitdem verändert habe, könne man durchaus zufrieden sein, findet Pontzen.
Allerdings müssen ESG-Themen seiner Wahrnehmung nach am Image feilen: „Wir hängen in der nachhaltigen Kapitalanlage viel zu häufig noch zu sehr in diesem Ausschlussdiskurs.“ Die Fokussierung auf Ausschlüsse und Einschränkungen schreckt nach seiner Wahrnehmung viele Kapitalmarktteilnehmer ab. Dass es beim Storytelling hapert, erklärt Pontzen sich mit dem starken Fokus des Kapitalmarkts auf kurzfristige Entwicklungen. „Gerade deswegen ist es so wichtig, diese Professionalität zu haben, immer wieder auch die lange Frist mit in den Entscheidungshorizont zu nehmen.“
Die aktuelle ESG-Müdigkeit führt er ein Stückweit auch auf eine Überfrachtung mit Nachhaltigkeitsanforderungen zurück: „Backlash kommt notwendigerweise nach Overload. Das ist eine Korrekturbewegung, die ganz wichtig ist, um auch wieder Spreu vom Weizen zu trennen.“ Es gelte nun, durch Anpassungen in der Regulierung und ein neues Narrativ einen guten Mittelweg zu finden. Dann könne Europa durchaus langfristig Wettbewerbsvorteile durch seine ambitionierte Herangehensweise erzielen.
Seit fast 20 Jahren ist Edda Schröder mit Invest in Visions im Impact Investing unterwegs – und fokussiert sich dabei auf Regionen, die für viele außerhalb des Fokus liegen. „Ich habe immer das Gefühl, wenn der institutionelle Kunde über seinen Tellerrand hinausblickt, sind wir in Europa, eventuell noch Amerika. Aber Emerging Markets ist ganz weit weg“, berichtet Schröder im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.
Zudem gebe es in einigen Häusern selbst auferlegte Einschränkungen. „Richtlinien geben vor, dass man das teilweise nicht darf“, sagt sie. Sie würde sich wünschen, dass der Horizont weiter aufgeht. „Wir müssen einfach globaler denken.“
Bei Investitionen in Afrika käme oft die Reaktion – „Oh Gott, Korruption!“, berichtet sie. „Dieses Vorurteil sollten wir versuchen, einfach abzulegen. Das sind super-professionelle Unternehmen, die in afrikanischen Ländern unterwegs sind.“ Bei Invest in Visions wird Schröder sich perspektivisch aus der operativen Führung zurückziehen, den Großteil ihrer Anteile verkaufte sie 2022. Noch denke sie „noch nicht so viel darüber nach“, räumt sie ein. „Aber, vielleicht so im nächsten Jahr, sollte man intensiver drüber nachdenken.“
Bei ESG-Themen gibt es gerade zwei gegenläufige Tendenzen: Einerseits mehren sich Schlagzeilen über verheerende Waldbrände und Überschwemmungen, andererseits sind viele Menschen des Themas müde geworden. Für Philipp Bäcker, Leiter Nachhaltigkeit bei der R+V Versicherung, ist das der Punkt, der ihn zurzeit „am meisten umtreibt“, berichtet er im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.
Denn Nachhaltigkeit berührt für Versicherungen zentrale Fragen, bis hin zum Geschäftsmodell: „Ich glaube, dass die die Stärke von Versicherern in Zukunft nicht mehr das sein wird, was unsere Stärke in der Vergangenheit war“, sagt er. Die Branche müsse sich stärker fragen, wie man Risiken versicherbar und bezahlbar halten könne – etwa durch Prävention und Beratung der Versicherungsnehmer.
Bäcker engagiert sich auch im Vorstand des Vereins für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten (VfU). In dem Mitte der 90er Jahre gegründeten Netzwerk sind Sustainable Finance Professionals aus mehr als 60 Finanzunternehmen aktiv, von Versicherungen über Asset Manager bis hin zu Banken. Eine Beobachtung teilten die Nachhaltigkeitsmanager über die Gewerke hinweg: „Wir merken, dass beim Thema Nachhaltigkeit eine gewisse Erschöpfung eingetreten ist“, beobachtet Bäcker.
Ein Grund dafür ist seiner Einschätzung nach die hohe Belastung durch regulatorische Neuerungen wie die CSRD. Doch auch „ein fehlendes Backing von oben“ sei problematisch. Viele Menschen seien aus ihren angestammten beruflichen Positionen in Nachhaltigkeitsrollen gewechselt, „ganz pathetisch gesprochen mit dem Anspruch, die Welt einen Ticken besser zu machen.“
Nun sei es wichtig, die Stimmung wieder zu heben und in die Umsetzung zu kommen. „Sind wir mal ganz ehrlich, die großen Herausforderungen kommen ja eigentlich noch“, meint Bäcker. „Da brauchen wir motivierte und kompetente Menschen.“
Die Dekarbonisierung ist für Felix Krause nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Investmentmöglichkeit. Seit Oktober 2020 investiert er als Gründungsmitglied mit dem Venture-Capital-Investor Vireo Ventures in Unternehmen, die neue Wege zur Energieerzeugung und -nutzung erarbeiten. Die wichtigsten Ansätze für den Investor sind Elektrifizierung und Digitalisierung. „Wir investieren in die Hypothese der elektrifizierten Welt, angetrieben von erneuerbaren Energien. Und wir suchen die Startups, die diese elektrifizierte Welt orchestrieren“, erklärt er im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.
Im Fokus stehen junge Unternehmen, die oft erst ein Jahr alt sind – Zahlenreihen zu Umsatz und Ergebnis sucht man bei denen vergebens. Ein wichtiger Faktor für die Investitionsentscheidung ist daher das Team. Das Management sollte „eine sehr starke Tech-Komponente“ mitbringen, sagt Krause. Man brauchen ein Team, das „das Hustler-Gen hat, wirklich bereit ist, jeden Stein umzudrehen und wirklich für den Erfolg kämpft“. Natürlich sei auch das Produkt wichtig – „jedoch in der Phase, in der wir investieren, werden die meisten Teams nicht mit der Lösung, die sie ursprünglich vorgestellt haben, durchs Ziel gehen“, erklärt Krause.
Krause bringt Erfahrung aus beiden Seiten mit: Mehrere Jahre arbeitete er für Innogy Ventures, den damaligen Venture-Arm des Energieunternehmens, der 2020 von Future Energy Ventures übernommen wurde. Die Sorgen und Nöte der Gründer kann Krause nachvollziehen. Als 2009 der Boom im Bereich Photovoltaik kam, hat er mit einem Geschäftspartner selbst ein Unternehmen gegründet. „Ich glaube, das Gründen an sich wird sehr häufig glorifiziert“, sagt er rückblickend. Was er aus den Erfahrungen mitnimmt und auf welche Technologie er setzt, erklärt Felix Krause im Podcast.
Als Expertengremium mit 34 Mitgliedern stand der Sustainable-Finance-Beirat der vergangenen Bundesregierung beratend zur Seite. Der Bruch der Ampel-Koalition im Herbst brachte dann ein vorzeitiges Ende. „Mir war ganz klar im November: Okay, wenn jetzt Ampel-Aus ist, dann machen wir noch bis zum Ende der Legislaturperiode. Das war ganz klar“, erinnert sich die damalige Beiratsvorsitzende Silke Stremlau im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Stremlau war bereits in der vorherigen Legislaturperiode Mitglied des 2019 neu gegründeten Beirats, 2022 übernahm sie in der 20. Legislaturperiode den Vorsitz.
Zum Start hat sie sich damals gewünscht, dass der Beirat von der Bundesregierung zu konkreten Problemen angefragt wird und man messbare Erfolge in den Portfolios und bei der Regulierung sieht. Hat es geklappt? „Teils, teils“, resümiert Stremlau. Die Einbindung des Gremiums habe bei der Offenlegungsverordnung (SFDR) gut geklappt, beim Thema Aktienrente hingegen nicht. „Aber ehrlich gesagt, ich glaube, von dem, was ich mir damals gewünscht hätte, da haben wir vielleicht die Hälfte erreicht oder 40% erreicht.“
Was sie an den Strukturen und Abläufen verbessern würde, welche persönlichen Erfahrungen sie aus der Arbeit mitnimmt und warum sie dem Gremium noch einige weitere Jahre wünschen würde, berichtet Stremlau im Podcast.
Mit Angaben wie „Artikel 8“ oder „Artikel 9“ sollte die EU-Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) den Anlegern mehr Orientierung beim nachhaltigen Investieren bieten. Doch in der Praxis werden die Angaben oft als Label für vermeintlich besonders nachhaltige Produkte fehlinterpretiert. „Dabei ist ‚Artikel 8‘ acht oder ‚Artikel 9‘ keine Definition von Ambitionsniveaus an Nachhaltigkeit“, betont Theresa Nabel, Co-Head des Zentrums Sustainable Finance bei der Finanzaufsicht BaFin, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Vielmehr gehe es um unterschiedliche Transparenzstufen. Mindestkriterien für Nachhaltigkeit seien damit nicht verbunden.
Eine Reform der SFDR soll künftig für mehr Klarheit sorgen. Nabel sieht bei Anlegern durchaus ein Bedürfnis nach einem Label, das nachhaltige Produkte klar von anderen abgrenzt. „Das bedeutet, dass wir wirklich stark dafür plädieren, dass ein Kategoriesystem eingeführt wird.“ Die Produktkategorien sollten dann mit klaren Kriterien unterlegt sein. Im Gespräch sind derzeit eine Nachhaltigkeitskategorie und eine Transformationskategorie. „Die unterstützen wir auch“, sagt Nabel.
Kritisch sieht sie eine dritte Kategorie, die unter dem Titel „ESG-Kollektion“ diskutiert wird. „Die hätte ein deutlich niedrigeres Ambitionsniveau.“ In diese Kategorie könnten die aktuellen Artikel-8-Produkte überführt werden. Der Finanzmarktteilnehmer könnte in der ESG-Kollektion selbst festlegt, welche Mindestschwellen oder Mindestkriterien er „Das sehen wir eben als kritisch an, weil es ja genau das ist, was aktuell nicht funktioniert“, sagt Nabel.
Neben klaren Kriterien wünscht Nabel sich auch eine stärkere Einbindung der Anlegerinnen und Anleger. Im aktuellen System seien viele Informationen schwer verständlich aufbereitet oder für Investoren nicht aussagekräftig. Die BaFin plädiert für ein Consumer Testing der möglichen neuen Produktkategorien vor ihrer Einführung – „damit das System im Vorhinein einmal geprüft wird und ausprobiert wird, damit es dann im Nachhinein funktioniert – und wir nicht bald wieder die Notwendigkeit für einen Review sehen“.
Es gibt Stationen in Saskia Bruystens Lebenslauf, die viele in der Finanzbranche vorweisen können: einige Zeit in der Unternehmensberatung bei der Boston Consulting Group, ein Studium an der London School of Economics. Was hingegen die wenigsten im CV stehen haben, ist ein gemeinsames Business mit einem Friedensnobelpreisträger. Bruysten gründete mit Muhammad Yunus das Unternehmen Yunus Social Business. Das gelang, wie sie rückblickend sagt, aufgrund einer gewissen „Dreistigkeit“ auf ihrer Seite: „Yunus sprach an der LSE, wo ich damals studiert habe, und sprach über Microfinance“, berichtet sie im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.
Nach dem Vortrag rannte sie auf die Bühne, drängelte sich durch die Menge und sprach Yunus an. Der lud sie ein, nach Bangladesch zu kommen. „Normalerweise ist das sozusagen seine Art und Weise, Leute abzuwimmeln“, erklärt Bruysten. Doch sie nahm die Einladung an. „Ich war halt hartnäckig oder dreist oder wie man es noch nennen will, und bin dann tatsächlich gekommen.“
Ihren Investitionsfokus hat Bruysten mittlerweile vom globalen Süden auf den Norden verlagert. Dort wird der Großteil an CO2-Emissionen verursacht. Die Plattform Carbon Equity, bei der sie als Co-Founder International an Bord ist, konzentriert sich auf Klimatechnologien und will Lösungen schaffen, die CO2-Ausstöße verringern. Für sie ist privates Kapital ein unterschätztes Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. „Wir denken alle über unseren persönlichen Fußabdruck nach und denken: Ach, wir sollten weniger Fleisch essen, wir sollten weniger fliegen.“ Der größte Hebel liege aber bei vielen Menschen im Kapital. Man müsse sich stärker bewusstmachen, „dass Kapital Power bedeutet“, sagt Bruysten.
Welchen Hebel sie in privatem Kapital sieht, was sie sich vom neuen Eltif-Regime verspricht und warum Klimatechnologien für sie das wichtigste Thema derzeit sind, erklärt sie im Podcast "Nachhaltiges Investieren".
Geld investieren und damit eine bestimmte Entwicklung befördern – diese Idee kennen die meisten von Impact Investments. Auch Systemic Investing zielt auf Ergebnisse ab, allerdings unterscheiden sich die Ansätze. „Der große Unterschied liegt daran, dass man beim Impact Investing letztlich in einzelne Punktlösungen investiert“, erklärt Falko Paetzold, Gründer und Leiter des Center for Sustainable Finance and Private Wealth im Fachbereich Finanzen der Universität Zürich, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.
So könne Impact Investing etwa darauf abzielen, in einem Fahrzeug eine andere Antriebstechnologie zu verwenden. Das systemische Investieren könnte stattdessen betrachten, wie die Mobilität in Deutschland für Einzelpersonen aufgestellt ist: „Wer sind die unterschiedlichen Akteure, und dann – ganz wichtig – was sind die wichtigsten Hebelpunkte, um tatsächlich großen Wandel in diesem ganzen System zu erreichen?“
Viele Hochvermögende seien an Nachhaltigkeit sehr interessiert– doch die Kundenberater bildeten mitunter eine Barriere, beobachtet Paetzold. Er hat mit seinem Team auch einen Investor Guide entwickelt, der die Herangehensweise des Systemic Investing zusammenfasst. Entscheidend ist aus seiner Sicht, dass sich die Investoren selbst überlegen, was sie mit ihren finanziellen Mitteln erreichen wollen, wie ihre Renditeerwartungen sind und wie stark sie das Investment mit philanthropischer Arbeit verbinden wollen. Vermögensverwalter oder Berater führten diese Diskussion mit den Kunden zu wenig, kritisiert Paetzold. Am Ende könne auch das Ergebnis stehen, für unterschiedliche Kapitaltöpfe verschiedene Ziele auszurufen. „Das können Impact-Ziele sein, das können finanzielle Ziele sein.“
Paetzold ist überzeugt, dass auch traditionelle Investoren von dem Ansatz des Systemic Investing noch lernen können. Das Prinzip findet er so einleuchtend, dass man den Ansatz aus seiner Sicht, wenn man ihn einmal verinnerlicht hat, „nicht wieder vergessen kann“.
Die Immobilienbranche spielt bei der nachhaltigen Transformation eine große Rolle, doch am Überblick über ESG-Daten mangelt es vielerorts. Es gebe einige „wirklich tolle Vorreiter“, sagt Johanna Fuchs-Boenisch im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. In vielen Unternehmen fehle es aber an Transparenz. „Und zwar gar nicht, weil die Unwillens sind, sondern weil das eine schwierige Nuss ist, die man hier zu knacken hat.“
Wie schwer Veränderungen zu erzielen sind, hat sie in den zurückliegenden Monaten selbst erlebt. Fuchs-Boenisch wurde 2023 CEO bei Susteco, einer Plattform, über die Akteure der Immobilienbranche ihre ESG-Daten erfassen und analysieren konnten. Die Idee hinter dem Ansatz: stärker kollaborativ arbeiten. 2023 wurde Susteco als Bosch-Tochter in Berlin gegründet. Doch Mitte April hat Bosch entschieden, das Corporate Start-up einzustellen. „Gestiegene Zinsen, der makroökonomische Outlook. Das sind alles Themen, wo eine Datenplattform vielleicht noch als ‚nice to have‘ betrachtet wird und nicht als ein ‚must have‘“, erklärt Fuchs-Boenisch.
Fuchs-Boenisch sieht das freilich anders, für sie gehören ESG-Daten weit oben auf die Agenda. „Die Immobilienbranche trägt zum Beispiel bis zu 40% aller CO2-Emissionen bei. Das ist ein Riesenthema“, betont sie. Kleine Fortschritte könnten aus ihrer Sicht spürbare Verbesserungen bringen: „Wir haben da natürlich auch eine Riesenchance, weil: Einsparung ist Einsparung. Egal, ob ich da ESG draufschreibe oder was anderes.“
Sie ist überzeugt, dass ESG-Transparenz auch bei Finanzierungen zunehmend eine Rolle spielen wird. „Banken verlangen immer mehr Transparenz, auch was ihr Reporting angeht. Und meine persönliche Meinung ist, dass es einen Riesenunterschied macht, ob ich mit sieben oder acht Banken sprechen kann und deren Erfordernisse erfülle oder ob es nur mehr zwei sind.“ Was sie aus ihrer Erfahrung als Investmentmanagerin über den Umgang mit ESG-Transparenz mitgenommen hat, wie sie das Aus von Susteco erlebt hat und welche Ansätze sie für die Branche sieht, erklärt Johanna Fuchs-Boenisch im Podcast.





