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Die hr2-Hörbar

Author: hr2

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Musik grenzenlos und global - Chanson, Folk, Jazz, Singer/Songwriter, Klassik oder Filmmusik – hier ist alles möglich
1328 Episodes
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Die Genfer Harfenisten Julie Campiche widmet ihr erstes Solo-Album "Unspoken" engagierten Frauen und Frauenrechts-Bewegungen, die sie musikalisch porträtiert, darunter etwa die mexikanische Migranten-Hilfsorganisation "Las patronas", die Street-Art-Künstlerin Maman du ciel oder auch die #MeToo-Gründerin Tarana Burke. Mit Harfe, Gesang und dezenten elektronischen Effekten und Loops werden spannende Klanglandschaften und Collagen erschaffen - ein Album mit Anspruch und Botschaft und in jedem Fall hörenswert. Außerdem singen "Les Ogres de Barback" ein kleines, leicht derbes Loblied auf die weiblichen Reize, Barb Jungr interpretiert Bob Dylan neu, Dobranotch sind mit einem Klezmer-Klassiker vertreten, und Felix Meyer und Konstantin Wecker fordern dazu auf, sich ein Herz zu fassen gegen die Gleichgültigkeit. Das und vieles mehr in der heutigen Hörbar…
Ein weiterer schön zusammengestellter Sampler aus dem Hause Putumayo: "Love Songs Around the World" präsentiert Singer/Songwriter-Perlen zum wohl beliebtesten Lied-Thema aller Zeiten, von Frankreich und Portugal über Südamerika und Afrika, Indien und den Malediven bis hin zu Island. Wie immer hübsch und informativ aufgemacht, wobei hier - ob solo und oder im Duett - dem amourösen Sujet gemäß eher die ruhigen Töne dominieren. Außerdem bekennt Jazzsänger Hugh Coltman, dass er nie wirklich eine Chance hatte, Interclarinet sind mit einem Tango von Isaac Albéniz vertreten, alles ist gut, solange man etwas tut, meint Marcel Brell, und das Orkestar Kriminal aus Montreal klingt weit weniger kriminell, als man vermuten könnte.
Von "Down Under", aus dem australischen Melbourne, kommt der Hammond-Organist Jake Mason, der mit seinem Trio mit Gitarre und Schlagzeug sein zweites Album vorlegt: "The modern ark". Schnörkelloser Retro-Jazz mit reichlich Soul, Funk und Blues, mit zwei wunderbaren vokalen Tracks mit Kurt Elling und Kate Ceberano. Und zudem mit der Botschaft, dass keine "moderne Arche" uns aus dem Hier und Jetzt entführen wird, sondern wir selbst uns unseren Problemen stellen müssen. Außerdem ist George Brassens der Meinung, dass dem Liebesgott Cupido fast alles egal ist, Cristina Branco nimmt uns mit zu einem Schnelldurchlauf durchs Leben, Fatoumata Diawara beklagt, dass niemand mit ihr spricht, und Wallis Bird vermisst für uns den Himmel.
An der Hörbar am Wochenende mischen wir bunt: eine Folkrock-Legende sorgt für Gänsehaut, eine junge Jazzsängerin geht in einen groovigen Dialog mit Piano und eine Schweizer Indieband spielt Kammerpop, so geheimnisvoll wie ein Nebelwald in Graubünden. Seit über einem halben Jahrhundert ist der Fairport Convention-Musiker Richard Thompson unterwegs, ein unermüdlicher Gräber in Archiven, ein Storyteller, ein Barde. Auf seinem jüngsten Soloalbum switcht er zwischen der elektrischen und der akustischen Gitarre - wie in besten Folkrockzeiten. Aus München stößt Alma Naidu zu uns. Musik ist der Sängerin, Pianistin und Komponistin in die Wiege gelegt worden; die Mutter ist Opernsängerin, der Vater Dirigent. Schon mit 2 Jahren saß sie unter’m Konzertflügel - jetzt, mit 30, gilt sie als eine der vielversprechendsten deutschen Jazzstimmen. Black Sea Dahu sind ein schwerer zu fassendes Gebilde. Mal verschwindend zart, mal rockig aufwallend, gern üppig mit akustischen Instrumenten. Die Schweizer Band um die Sängerin Janine Cathrein hat vor kurzem ihr jüngstes Album "Everything" veröffentlicht. Das und mehr - an der Hörbar-Wochenendausgabe.
Geboren in Abidjan, aufgewachsen in Mali, jetzt in Berlin, ist Aly Keïta eine feste Größe in der deutschen Jazzszene. Einer, der die Möglichkeiten improvisierter Musik auslotet, tief in afrikanische Rhythmen eintaucht und sie mit Jazzelementen verbindet. Das Balafon (ein Xylophon, bei dem Kalebassen als Resonatoren untergehängt sind) ist in Westafrika in verschiedenen Varianten verbreitet und ein klassisches Begleitinstrument der Griots. Aly Keïta hat es in den Mittelpunkt seiner Kunst gerückt und zum Soloinstrument gemacht. Seiner Trioformation - mit Keïta am Balafon und an der Kalimba, Marcel van Cleef am Schlagzeug und Roberto Badoglio am Bass - gelingt auf dem neuen Album "Balafon Evolution" eine mitreißende Fusion aus Tradition, Pop, Jazzfunk und Futurismus. Außerdem heute an der Hörbar: arabisch gefärbter Jazz von Rima Khcheich, die Progrock-Ikone Ian Anderson mit poetischer Querflöte, der französische Wahl-Berliner und Chansonnier Antoine Villoutreix - und viele andere mehr!
2015 in einer WG im Alternativen-Stadtteil Vauban gegründet, haben sich Malaka Hostel schnell einen Namen gemacht mit - ja, wie nennt man das eigentlich? "Global Oompah Music" oder doch lieber "Black Forest Neo Brass"? Ihr Sound macht auf jeden Fall Spaß! Malaka Hostel sind eine Band mit dem Weltenbummler-Gen. Man darf sich ihre Sessions ein bisschen vorstellen wie eine WG-Party "auf Susi", einem genossenschaftlichen Freiburger Wohnprojekt: Aus jedem Zimmer schallt ein anderer Beat, im Flur wird schon ausgelassen getanzt, und früher oder später landen eh alle in der Küche. Ihr neues Album "Brucca Beat" will verbinden. Hier gibt‘s mehrsprachiges Songwriting, traditionell-folkloristische Elemente aus vielen Kulturen zwischen Karibik, Balkan und Orient, dazu gute alte Liedermacherei und rockigen Sound. Weitere Highlights an der Hörbar: Latin Samba mit Eliane Elias, Neosouljazz mit Samara Joy, dazu Malouma als Grande Dame der mauretanischen Musik und die Franco-Ivorerin Cécile Verny mit ihrem Jazzquartett…
Seit 20 Jahren stehen Alex Glöggler und Philipp Jungk alias Double Drums nun gemeinsam auf der Bühne. Mit "All you can beat" feiert das Münchener Perkussionduo sein Jubiläum. Eine wilde, berührende, starke und zarte Sause mit allem, was Percussion kann. Das Klangpanorama von Double Drums hat viele Gesichter. Klassik, Pop, Coverversionen - das Duo verwandelt Hits von Depeche Mode und Metallica genauso stilsicher wie große Stücke von Puccini. Am spannendsten sind aber eigentlich ihre Eigenkompositionen. Klassische Schlaginstrumente wie Marimbaphon und Vibraphon treffen hier auf Handpan, Boomwhackers, verschiedene Arten von Trommeln - selbst Handwerkertools wie Akkuschrauber und Säge kommen zum Einsatz. Weitere Höhepunkte an der Hörbar sind u.a. der kamerunische Jazzer Richard Bona, die Bluegrass-Queen Rhiannon Giddens, Element of Crime aus Berlin, der australische SingerSongwriter Matthew Scott sowie die dänische Folkmusikerin Helene Blum.
Ein atmendes Auf und Ab, die Beharrlichkeit minimalistischer Klänge: Für den französischen Komponisten JB Dunckel von der Band Air liegt der Reiz seiner Stücke in ihrer Einfachheit. Jetzt hat er seine Solo-Klavierstücke als Kammermusik arrangieren lassen. Air haben mit schwebenden, eleganten Synthieflächen Popgeschichte geschrieben, zum Beispiel auf dem Album "Moon Safari“. Monsieur Dunckel hat aber auch ein Herz für klassische Musik. Vor zwei Jahren erschien sein Klavieralbum "Paranormal Musicality“ - und nun folgt "Paranormal Music Chamber“. Dafür hat er sich Unterstützung gesucht, ein aus fünf Solostreichern und Flöte bestehendes Ensemble vom Orchestre de l’Opéra national de Paris, einem der renommiertesten Klangkörper der Welt, hier unter der Leitung von Arrangeur und Komponist Harry Allouche. Außerdem an der Hörbar: Jazzpop von Katie Melua, der israelische Songwriter Idan Raichel, die Harmonien der Milk Carton Kids oder auch: die afrobrasilianische Samba von Ian Lasserre.
Die Gruppe um die Brüder Diarmuid and Brían MacGloinn steht an der Spitze eines neuen Irish Folk: mit Musik, die sich an der Gegenwart orientiert und eher in besetzten Häusern als in Irish Pubs groß geworden ist. Ihr neues Album heißt "All Tied Together". Fünf Mal wurden sie bereits vom irischen Radio ausgezeichnet, für ihre aufgeweckte, ganz und gar zeitgenössische Lesart von Irish Folk, und die BBC legte noch einen "Folk Award" drauf. Mittlerweile ist die Band vom Duo zum Kollektiv angewachsen - mit akustischen und elektrischen Gitarren, Trompete, Kontrabass, Moog-Synthesizer, Harmonium, Geige und dem warmen Harmoniegesang der Brüder. Weitere Höhepunkte an der heutigen Hörbar sind u.a. Lydie Auvray, Maria Gadú und Nicola Conte sowie feinster A cappella von Quartet Buccal und Klangbezirk.
An der Wochenend-Hörbar verschmelzen ferne Klänge und vertraute Rhythmen zu einer Reise ohne Grenzen... ...ein Spaziergang im "Norwegian Wood", Fado-Flair in Lissabon, ein Pariser Bal Musette, Traumwelten zwischen Okzident und Afrika - und vieles anderes mehr. Amélie-Les-Crayons entfacht ein "kleines Feuer" mit französischer Chanson-Magie, während Georg Ringsgwandl auf seinem Album "Schawumm!" bayerische Ecken und Kanten zeigt. Bei Nils Landgren und Jan Lundgren trifft sanfter Jazz auf Pop-Geschichte. Türkische Leidenschaft bringt dann Canan Uzerli mit "Güneşim" ins Studio. Die perkussive Kraft von Double Drums trifft auf melancholischen Indie-Folk von Black Sea Dahu und die klaren Botschaften von Sarah Lesch. Miriam Nettis italienischer Charme, J.B. Dunckels klassisch-moderne Experimente und der sonnige Swing der Jazz-Legenden Gene Harris & Scott Hamilton runden das Bild ab.
Ein Aufenthalt auf der Insel Ägina im Saronischen Golf, nicht weit von Athen, hat den Oud-Virtuosen Yinon Muallem zu neuer Musik inspiriert. Damit führt er seine Verschmelzung von mediterranen Wurzeln mit traditionellen Maqam-Tonleitern und Jazz weiter. Das neue Album "Aegina’s Secret" bietet - neben wenigen, für Muallem wichtigen Coverversionen - hauptsächlich neues, eigenes Material. "Dieses Projekt steht auch für meinen anhaltenden Wunsch, Brücken zwischen Kulturen und Stimmen zu schlagen", erklärt der in Israel geborene Sohn irakischer Juden. "Für dieses Album habe ich Musiker aus verschiedenen Ländern eingeladen, in denen ich gelebt habe, um einen Dialog zwischen Klängen und Traditionen zu schaffen." Mitspielende aus Schweden, der Türkei und Israel, Tracks wie "Misirlou" und "Feel it" von Kate Bush und über allem der Wunsch nach Frieden und Verständigung: Das ist "Aegina’s Secret".
Der spanische Jazzpianist ist ein lieber Bekannter an der Hörbar. Er steht für Flamenco, Klassik und jazzige Begegnungen mit der Weltmusikszene. Mit seinem Trio feiert auf dem neuen Album "Táctil" die Kraft der Berührung - von Saiten, Tasten und Herzen. Der 38jährige Mezquida ist angefasst vom Zustand der Welt. "Ein Teil von mir stirbt jeden Tag", schreibt er in den Liner Notes zu "Táctil", "ich habe noch nie so viel innerlich geweint." Aber auch: "Ich habe noch nie so sehr geliebt. Ich habe noch nie so intensiv gelebt." Was hält und was hilft, ist Freundschaft, ist Musik, sind Berührungen. Wie die mit seinen Mitmusikern Martín Meléndez und Aleix Tobias, mit denen Mezquida auf diesem vierten gemeinsamen Projekt ein blindes Einverständnis demonstriert. Herausgekommen ist ein nachdenkliches, aber auch ungemein lebendiges Album. Weitere Highlights an der Hörbar sind heute u.a. die Vokalkunst von Bobby McFerrin, zarter Folk von Cara Dillon, Mascha Kaléko interpretiert durch Dota & Etta Scollo sowie World Jazz von Richard Bona und Salif Keïta.
Alle 14 Tage stirbt laut UNESCO eine Sprache aus - und mit ihr eine ganze Kultur und das darin gespeicherte Wissen. Grund genug für den brasilianischen Tropicália- und Bossa-Experten Santtana, auf seinem neuen Album den Dialog und die Sprachen zu feiern. Der Sänger, Songschreiber, Flötist und Gitarrist aus Salvador de Bahia thematisiert auf seinem neuen, zehnten Album namens "Brasiliano" die Vielschichtigkeit des in Brasilien gesprochenen Portugiesisch. In ihm schwingen Tausende Jahre Geschichte mit, aber es trägt auch die Narben und Wunden des Kolonialismus. Es atmet die vielen Sprachen der Indigenen und ist heute ein ganz eigener Sprachkosmos. Aus diesen Überlegungen heraus hat Santtana sich viele Gäste und Kolleg*innen eingeladen - aus Brasilien, dem Amazonasgebiet, aus Okzitanien, Frankreich, Italien, Galizien bis Guinea-Bissau. Wir können schon vor der offiziellen Veröffentlichung am 6. März reinhören.
Elektronische Tanzmusik - aber eben akustisch, handgemacht, als Jazz. Mal fiebrig nervös, mal gediegen. Das sind Mammal Hands, das junge Jazztrio aus London, in dessen neues, von Improvisation geprägtes Album "Circadia" wir schon mal reinhören können. Seit ihrem Debüt "Animalia" von 2012 stehen Mammal Hands für einen melodischen, hypnotischen Sound. Ihr Mix aus europäischem Jazz und den Rhythmen von Rock und Electronica ist ideal fürs Kopfkino - und erreicht sein Publikum über alle Genregrenzen hinaus. Im Zentrum stehen die Brüder Nick Smart am Klavier und Jordan Smart am Saxofon. Neu bei ihnen ist der Schlagzeuger Rob Turner, vormals bei GoGo Penguin, ein Freund seit über einem Jahrzehnt. "Mit ihm konnten wir die Seele unserer Musik neu freilegen und weiterentwickeln", sagt Nick Smart. Weitere Gäste an der Hörbar sind heute unter anderem Luísa Sobral aus Portugal, Eneida Marta aus Guinea-Bissau, die französische Folkband Les Yeux d’la Tête und der hawaiianische Surfer Jack Johnson.
Bei Black Sea Dahu ist die Melancholie nie fern: Die Schweizer Band schafft Kammerpop, der sich anfühlt, als stünde man in einem Gewitter, absolut intensiv und lebendig. Dazu kommt die ungewöhnliche Stimme von Janine Cathrein, warm, androgyn, einhüllend. Gerade ist mit "Everything" das neue, dritte Album von Black Sea Dahu erschienen. Darauf zu hören: Indie Folk, kammermusikalische Pop-Feinheiten und bewegendes Storytelling. Auch Selbsttherapie ist dabei, denn Janine verarbeitet hier den Tod des Vaters. Herausgekommen ist Musik voller Gefühl, auf dem Weg zu neuer Offenheit und Resilienz. Mit etwas Fantasie hört man hier auch die wogenden Wälder und die Bergkulisse, in die sich Black Sea Dahu für das Album zurückgezogen haben, in ein Heim-Studio zwischen Kabeln, Jam-Sessions, Teetassen und gemeinsamen Kochabenden. Klingt nach: Familie. Außerdem an der Hörbar: Jazz-Finessen von Triosence, Didier Malherbe und SLIXS, globale Sounds mit Maria de Barros, Javier Ruibál und Murat Coşkun, Singer/Songwriter wie Sting - und viel anderes mehr!
Heute wagen wir mal wieder einen kleinen Ausblick auf die nächste Woche mit "Musik grenzenlos": Welche Themen stehen im Fokus der kommenden Hörbars? Da wäre zum Beispiel die Formation Black Sea Dahu aus der Schweiz mit ihrer melancholisch-faszinierenden Mischung aus Kammerpop und Dark Folk. Oder: Mammal Hands, ein Trio aus London, das auf seinem neuen Album "Circadia" mal wieder mit hypnotischen Jazzsounds überzeugt. Außerdem: Lucas Santtana, der liebenswerte Tropicália-Experte aus Salvador de Bahia - ebenfalls mit neuem Album ("Brasiliano"). Nicht zu vergessen: der spanische Pianist Marco Mezquida und Oud-Virtuose Yinon Muallem aus Israel. Eine wunderbar bunte Hörbar-Klangwelt erwartet uns also mal wieder - in Auszügen auch in dieser Wochenend-Ausgabe. Und: wir gedenken Michel Portal, dem französischen (Bass-) Klarinettisten, der in seinem langen Künstlerleben die Grenzen der Ausdrucksmöglichkeiten seines Instrumentes verschoben hat, in einer beispiellosen Mischung aus Jazz, Neuer Musik, Klassik und Weltmusik. Am 12. Februar ist er im Alter von 90 Jahren in Paris gestorben.
Wenn man im Wien der 1920er und 30er Jahre als Komponistin was werden wollte, war es ratsam, sich ein Pseudonym zuzulegen. Ein männliches Pseudonym! Uns so wurde aus der begabten und gefragten Pianistin Hilde Loewe-Flatter im Handumdrehen Henry Love und schrieb zahlreiche, zur damaligen Zeit beliebte Lieder und Jazzschlager. Die Wiener Sopranistin Romana Amerling hat einige dieser Songs ausgegraben und widmet ihnen ihr neues Album. Wir entdecken ein eigenständiges, zwischen Wiener Kulturerbe, literarischem Anspruch und Unterhaltungskunst oszillierendes Chanson-Werk. Amerling bringt diese facettenreiche Musik erstmals wieder zum Klingen - elegant, leichtfüßig, swingend, mit einem Hauch von Cabaret. An ihrer Seite: Mitglieder der Wiener Philharmoniker wie zum Beispiel der Klarinettist Daniel Ottensamer. Amerling, die sonst eher auf internationalen Konzertbühnen und in Opernproduktionen präsent ist, zeigt hier eine weitere Seite ihrer künstlerischen Persönlichkeit.
Der Katalane Raül Refree und die aus dem süditalienischen Salento stammende Maria Mazzotta haben sich Zeit gelassen, zueinander zu finden. Er, der Produzent und Gitarrist aus Barcelona, fand ihre Stimme schon früh bemerkenswert; sie ist tief verwurzelt in der musikalischen Tradition ihrer Region. Als die Beiden sich schließlich in Apulien trafen, teilte Mazzotta mit ihm die Lieder des alten süditalienischen Repertoires und die Geschichten dahinter - darunter die pizzica taranta, ein Ritualgesang, der einst als musikalisches Heilmittel gegen tiefe Schwermut galt. Als Refree später den Auftrag erhielt, ein Werk über Metamorphosen zu schreiben, griff er auf dieses Material zurück: Lullabys, Klagegesänge und religiöse Weisen bis hin zur ekstatischen Pizzica. Und so hat sich das gemeinsame Projekt "San Paolo di Galatina" geformt, eine musikalische Erzählung über Trost, Transformation und die Kraft des Rauschs. Neben diesem intensiven Duo-Projekt öffnen wir die Ohren heute außerdem für weitere Stimmen der globalen Klanglandschaft: etwa den Garifuna-Gesang von Aurelio aus Honduras, den energiegeladenen brasilianischen Roots-Sound von Matuto und die tief empfundene Poesie des Portugiesen Salvador Sobral.
Sieben Bläser, ein neues Kapitel: Die Gruppe Federspiel aus Österreich spannt mit dem Album "Wir & Jetzt" einen Bogen über zwei Jahrzehnte lebendige Bandgeschichte zum Hier und Jetzt. Erfahrung und Neugier greifen dabei kreativ ineinander, dem Septett geht es schon lang nicht mehr um schiere Virtuosität und den vordergründigen Schaueffekt. Ihre Eigenkompositionen laden zum Innehalten und Nachdenken ein und feiern die Magie des Augenblicks: jenen schmalen Streifen zwischen Vergangenheit und Zukunft, den allein wir mit unserem Handeln füllen und beeinflussen können. Wir leben nur im Hier und Jetzt, und dieses "Wir", das ist für die innovative Blaskapelle aus der Wachau viel mehr als die eigene Band: das sind wir alle! Federspiel, so hat mal ein Kollege vom Schweizer Radio SRF gesagt, das ist "ein Spiel zwischen Rausch und Attacke, zwischen Tradition und Revolution, zwischen Ernst und Ironie". Wie wahr! Außerdem in der Sendung: die ivorische Sängerin Dobet Gnahoré mit energiegeladenem Afropop, Dulce Joya Léon mit romantisch-virtuoser Klavierpoesie, Bukahara mit globalem Urban Folk, The Ukrainians mit ihrer Osteuropa-Variante des Kraftwerk‘schen "Models", Luísa Maita mit lässigem São-Paulo-Groove, der Pianist Michael Schlierf mit Band und ?Shmaltz! mit einem raffinierten Balkan-Tango.
"Call The Things By Their Name". So heißt einer der Songs auf dem neuen Album von Lylit. Die Dinge offen beim Namen zu nennen, das war eine der Maximen für die österreichische Sängerin und Komponistin Eva Klampfer (alias Lylit), als sie daran ging, ihr neues Soloalbum zu entwerfen. Die schonungslose Offenheit kann durchaus auch mal schmerzhaft sein und Überwindung kosten, schließlich stülpt Lylit in manchen ihrer Songtexte ihr Innerstes nach Außen und erzählt von sehr persönlichen Erfahrungen in Songs wie "My Body" oder "I can‘t do this". So etwas macht natürlich verletzlich, kann aber auch befreiend sein. Wir sind jedenfalls dankbar, dass Lylit auf ihrem neuen Album "her" ihre Musik und ihre grandiose Stimme mit uns teilt. Pur, direkt und unverstellt. Außerdem im Mix der Klangfarben dieser Hörbar-Ausgabe: Hazmat Modine mit rootsigem Swamp-Blues, Milladoiro mit Dudelsack und galicischer Weite, Richard Bona mit federndem Afro-Groove und Bass-Eleganz, das Montréal Guitare Trio mit kammermusikalischem Saiten-Drive - und Yamirah’s Solar Explorers mit kosmisch-funkelnden Jazz-Vibes.
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