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Jugend ohne Gott (MP3 Feed)
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Der Lehrer hat Blumen auf dem Tisch von seiner Wirtin und einen Brief seiner Eltern; es ist sein 34. Geburtstag. Er will noch ins Kino und ärgert sich, dass seine Schüler in die Aufsätze den Blödsinn schreiben, den das Radio verkündet.
Sintflutartiger Regen, die Gymnasiasten raufen wie die Volksschüler, und nehmen einem sein Butterbrot weg, um es aus dem Fenster zu werfen. Der Lehrer denkt drüber nach, was da für eine Generation heranwächst.
In der Geographiestunde muss der Lehrer die Aufsätze zurückgeben. Eine inhaltliche Bemerkung kann er sich nicht verkneifen, und die führt zum Besuch eines Vaters, der sich folgend beim Direktor beschwert. Er, der Direktor, hat sich eingerichtet in der plebejischen Welt, in der die reichen Plebejer regieren. Damals in Rom wie heute.
Die Klasse wünscht einen anderen Lehrer. Der Lehrer entdeckt, dass sie ihn bespitzeln. Er geht zum Direktor, der tobt, schreit und beschimpft sie. Ein herrlicher Schauspieler. Die Schüler und der Lehrer bleiben zurück. – Und der Lehrer gibt seine moralischen Bemühungen auf, denn die Schüler erscheinen ihm der Mühe nicht wert.
Die Schüler lehnen alles ab, was dem Lehrer heilig ist. Während er über deren und seine eigenen Ideale nachdenkt, hält er es nicht mehr in seiner Wohnung aus; er geht ins Kino. Die Wochenschau ist auch nicht besser. Er geht in eine Bar.
Der frühere Altphilologe Julius Caesar ist geachtet, besonders bei den leichten Mädchen, seit man ihn aus dem Lehramt entfernt hat. Er deutet alles aus den Erfahrungen der Pubertät heraus. Julius Caesar der Amateurastrologe sieht kalte Zeiten kommen, das Zeitalter der Fische. – Der Lehrer erwacht in einem fremden Bett.
Als der Lehrer nach Hause kommt, wartet der Vater eines Schülers auf ihn. Der Sohn hat sich schwer erkältet beim Fußball-Spiel und er hat einen Wunsch: Den Tormann zu sehen, der so gut gespielt hat. Der Lehrer bringt den Tormann mit ans Krankenbett des Schülers, der nach den Berichten von Länderspielen usw. friedlich und glücklich stirbt.
Nach längerer Fahrt im Autobus kommen die Schüler und der Lehrer im Bergdorf an, wo der Bürgermeister, der Pfarrer und der dortige Lehrer sie erwarten. Ein Feldwebel und Pioniere haben schon Zeltbau-Material ins Lager gebracht. Auch eine Kiste mit Gewehren, denn ab 14 Jahren wird auch geschossen. Im Dorf hat das Sägewerk geschlossen, es war nicht mehr rentabel. Nun gibt es unterernährte Kinder, Arbeitslose und Heimarbeiter. – Und einen braunroten Fleck in der Zeltbahn. Ist es Blut?
Als die Jungen exerzieren, sehen sie eine Gruppe rucksacktragender Mädchen, die mit ihrer Lehrerin ein wehrkundliches Geländespiel spielen. Sie suchen den »verschollenen Flieger«. Damit sie im Kriegfall gleich eingesetzt werden können. – Marschiert nur zu, Mütter der Zukunft!
Der Lehrer geht spazieren, während seine Schüler mit dem Feldwebel exerzieren. Er beobachtet ein etwas älteres Mädchen und zwei Dorfbuben. Einer lockt die blinde alte Bäuerin aus ihrer Tür, schleicht sich ins Haus und stielt einen Laib Brot und eine Vase. Als die Alte um Hilfe schreit, schlägt das Mädchen ihr den Stock aus der Hand und alle drei Kinder verschwinden. Der Bauer weiß, dass die Räuberbande auch bei den exerzierenden Mädchen gestohlen hat.
Der Lehrer geht allein durchs Unterholz, er findet einen Karton, auf dem »Flugzeug« steht. Er also hat den verschollenen Flieger gefunden. Mehr beschäftigt ihn das belauschte Gespräch zweier Mädchen, die sich waschen möchten, sich kämmen, nicht durch den Wald laufen. Was geht sie denn der Flieger an, den sie suchen müssen? Die Männer sind verrückt geworden, und die nicht verrückt geworden sind, denen fehlt der Mut, die tobenden Irrsinnigen in die Zwangsjacken zu stecken.
Als der Lehrer von der Räuberbande berichtet, lässt der Feldwebel die Schüler antreten und teilt Wachen ein. – Der Lehrer geht ins Dorf, um die Verpflegung des Lagers mit dem Bürgermeister zu besprechen, da trifft er den Pfarrer, der ihn auf seinen neuen Wein einlädt. Auf dem Weg zum Pfarrhaus kommt man bei den Heimarbeitern vorbei, die Puppen bemalen. Beim Pfarrer fällt dem Lehrer ein, wie er seinen Glauben verlor und wie er lieber als Arzt Lehrer werden wollte. Sein Beruf freut ihn nicht mehr.
Immer gibt es jemanden, der mehr hat. Das ist ebenso naturnotwendig und gottgewollt wie der Staat, die staatliche Ordnung aber kann sich ändern. Der Lehrer empfindet es als Zumutung, dass die unterernährten Heimarbeiterkinder an Gott glauben sollen, der ihnen nicht hilft in ihrer Not. Der Pfarrer spricht von Erbsünde und antiken griechischen Philosophen.
Ein photographischer Apparat wurde gestohlen. Der Feldwebel und der Lehrer beschließen, die nächtlichen Wachen zu kontrollieren. Sie verstecken sich in einem Heuschober. Der Lehrer wartet und überlegt, warum ihn sein Beruf nicht mehr freut. »Die Erde ist noch rund, aber die Geschichten sind viereckig geworden.« Ihm fällt der römische Hauptmann ein, der gemalt beim Pfarrer hängt wie bei seinen Eltern. Der einst die Kreuzigung überwachte. – Freute den noch sein Beruf? Was ist aus ihm geworden? Hat er sich zur Ruhe gesetzt?
Während der Lehrer die Nachtwachen bewacht aus seinem Hauschober gehen ihm die Worte des Pfarrers durch den Kopf: »Gott ist das Schrecklichste auf der Welt.« »Wir werden gestraft und wissen nicht wofür.« In solchen verrückten Zeiten kann man nur feststellen: Die Vernunft hat sich besoffen und tanz nicht mit, wenn Feigheit mit Tugend, Lüge mit Gerechtigkeit und Erbärmlichkeit mit der Kraft tanzt. – Lauter Dreck, alles Dreck.
Der Lehrer beobachtet, wie Schüler Z von einem fremden Jungen einen Brief bekommt, während Z Wache steht. – Unruhe entsteht, weil Z und N raufen. Der Lehrer hört, dass der Z ein Tagebuch schreibt, und dass der N es nicht mag, wenn einer über sich nachdenkt. Genau erkundigt sich der Lehrer nach diesem Tagebuch; er beschließt, es zu lesen.
Während die Jungen marschieren bleibt nur der Lehrer im Lager. Er Liest einen Brief der Mutter des Otto N und öffnet dann das Kästchen, in dem der Z sein Tagebuch verwahrt, mit einem Draht. Der Schüler Z heißt mit Vornamen Adam und schrieb erst sporadisch, seit dem Zeltlager aber schrieb er mehr. Insbesondere von der Begegnung mit einem Mädchen, Eva. Er traf sie beim im Wald, und Eva möchte nicht, dass Adam etwas von der Begegnung weitersagt. Dafür ist sie bereit, ihn zu küssen.
Adam und Eva treffen einander wieder und Z verliebt sich in die verlorene Seele Eva, die Chefin der jugendlichen Räuberbande ist. Er verspricht ihr, sie nicht zu verraten. – Und beendet den Tagebucheintrag mit den Worten: »Jeder, der mein Kästchen anrührt, stirbt!«
Die Jungen kommen zurück, der Lehrer kann das Kästchen nicht wieder verschließen. Er denkt über die Folgen der Affäre für die Zukunft des Z nach, will mit dem Feldwebel reden, da kommt es zu wüstem Geschrei aus einem Zelt. Z beschuldigt den N, dass der sein Kästchen erbrochen habe und das Tagebuch gelesen. Der Lehrer will sagen, dass er es war, der das Tagebuch las. Aber er schämt sich, will des dem Z allein sagen, nicht vor allen. Ein Schüler, der T, beobachtet den Lehrer mit kühlem, gefühllosen Blick. Weiß er, dass es der Lehrer war, der das Tagebuch gelesen hat?
Der Lehrer beobachtet, wie sich der Schüler Z nachts um drei Uhr, während er Wachposten ist und das Zeltlager bewachen soll, mit dem Mädchen Eva trifft. Er will dem Schüler sagen, dass er dessen Tagebuch gelesen hat, aber er beobachtet bloß, wie die beiden einander Küssen, dann ist Eva nackt. – Er sagt nichts.
Als der Lehrer zurück geht, ertastet die Hand des Lehrers etwas: kein Baum, nein, ein Gesicht.
Der Lehrer kommt zurück ins Lager und ist sehr müde. Als er erwacht, sind die Schüler und der Feldwebel bereits unterwegs. Als die Schüler zurückkommen, spricht der Lehrer den Z an, will ihm endlich gestehen, dass er das Tagebuch gelesen hat. Z aber beharrt darauf, dass der Mitschüler N im gestanden habe, dass er das Tagebuch gelesen habe. Der Lehrer sinniert über die Willenfreiheit des Menschen: Ob es nicht besser ohne wäre. Der Schüler N ist fehlt weiter und nachmittags ziehen alle los, ihn zu suchen. Es kommt zu Regen wie vor der Sintflut; die Meldung an die Polizei verschieben sie auf den nächsten Tag.



