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Musik für einen Gast
Musik für einen Gast
Author: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)
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© 2026 SRG SSR
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«Musik für einen Gast» – die besondere Talkshow auf SRF 2 Kultur: Ein Mensch und seine Musik. Persönlichkeiten – ob aus Kultur, Wissenschaft, Sport, Politik oder Wirtschaft – erzählen über ihr Leben, ihren Beruf, ihre Träume und Visionen und vor allem über die Musik, die sie geprägt hat und ihnen wichtig ist.
420 Episodes
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1981 zog man Max Rüdlinger mitten aus einer Berner Demo vor die Filmkamera. Er träumte von grossen Rollen, Champagnerbädern und Frauen, die ihm zu Füsse lagen. Doch die internationale Filmkarriere blieb aus.
Stattdessen spielte er ein Leben lang in Dutzenden von Filmen kleine Nebenrollen: Hauswarte, Polizisten, Miesepeter. So wurde er zum «Griesgram der Nation».
Max Rüdlinger, geboren in Flums, war als junger Mensch ein Streber, bis er erkannte, wie leer ihn das Auswendiglernen machte.
In der Folge suchte er als Revolutionär den Stunk auf der Strasse, hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und landete immer wieder in improvisierten Filmen von Clemens Klopfenstein.
Auf Filmplakate schaffte er es nicht allzu oft. Seine Visage, hiess es, tauge nicht als Verkaufsargument.
Seine grosse Sinnkrise in der Lebensmitte pedalte Rüdlinger mit dem Velo nieder: von der Schweiz bis fast ans Nordkap und von San Francisco nach Costa Rica.
Wie er mit Enttäuschungen lebt, warum er lieber liest als dreht und wie wichtig ihm Spiritualität geworden ist, erzählt er in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu.
Die Musiktitel:
- M.A. Numminen: Ich und meine Braut im Parlament
- Milva: Addio Lugano bella
- Gurdjeff Ensemble, Levon Eskenian: Trembling Dervish
- Jimmy Cliff: The Harder They Come
Braucht man zum Händchenhalten jetzt auch noch ein Studium? Solche Kommentare bekam Eva Cignacco zu hören, als sie als erste Hebamme der Schweiz studierte. Sie liess sich nicht beirren, weil sie forschen wollte. Nun ist sie frisch pensioniert und blickt auf ein reiches Berufsleben zurück.
Um auf Augenhöhe mit Ärzten diskutieren zu können, braucht es viel Wissen und gute Argumente – das wurde Eva Cignacco klar, als sie als junge Hebamme in der Frauenklinik des Inselspitals in Bern arbeitete. Da es in der Schweiz noch keinen Studiengang für Hebammen gab, studierte und doktorierte sie in den Niederlanden. Ihre Habilitation schrieb sie später an der Universität Basel.
Trotz ihrer wissenschaftlichen Erfolge fühle sie sich in der akademischen Welt bis heute fremd, sagt Eva Cignacco: «Ich bin als Migrantenkind an einen Ort gekommen, der so für mich nicht vorgesehen war.» An ihre Kindheit in einer italienischen Arbeiterfamilie im Basler Gundeli-Quartier denkt sie gerne zurück, auch wenn der Schulstart zunächst schwierig war.
In «Musik für einen Gast» schaut Eva Cignacco auf ihr erfülltes Berufsleben zurück. Sie erzählt von ihrer Leidenschaft für Tango, die sie mit ihrem Mann teilte, bis er aufgrund einer Hirnblutung seine Sprachfähigkeit verlor und alles neu lernen musste. Und sie spricht über die Demut, die sie in ihrem Beruf gelernt hat.
Die Musiktitel:
- Lila Downs: Paloma negra
- Cuarteto Cedron: Milonga pour aimer
- Ali Farka Touré: Ai ga bani
- Joan Baez: Help Me Make It Through the Night
- Mercedes Sosa: Gracias a la vida
Sebastian Meyer ist Komponist zeitgenössischer Musik und hat je einen Master in Musiktheorie und Komposition. Ausserdem schreibt er Musik für die Basler Fasnacht. Irgendwann hat er festgestellt, dass ihm das Komponieren allein nicht reicht. Darum macht er jetzt noch eine Lehre als Papiermacher.
Sebastian Meyer ist ein musikalischer Senkrechtstarter. Schon mit zwölf Jahren entdeckt er die zeitgenössische Musik. Gleichzeitig lernt er Piccolo und begeistert sich für die Basler Fasnacht. Rasch beginnt er zu komponieren. Sowohl zeitgenössische Musik wie auch Fasnachtsmusik, die bei ihm weit über die traditionellen Piccolo-Märsche hinausgeht. Die Begegnung mit dem Fasnachtserneuerer und Komponisten Bernhard Batschelet bereits als Teenager und die mit seinem Lehrer Erik Oňa während des Studiums sind prägend und machen aus ihm einen Komponisten zeitgenössischer Musik und spezieller Fasnachtsmusik gleichermassen.
Von seinen Prägungen und Begegnungen, von der zeitgenössischen Musik und den Möglichkeiten der Fasnachtsmusik und von seiner ganz anderen Welt als Lehrling des Papiermacherhandwerks an der Basler Papiermühle erzählt Sebastian Meyer am Vorabend der Basler Fasnacht 2026 im Gespräch mit Gastgeber Michael Luisier.
Die Musiktitel:
- Bernhard «Beery» Batschelet: Lumpensammler
(Museumsgruppe)
- Elnaz Seyedi: Felsen unerklärlich
(The Monochrome Project; Marco Blaauw, Leitung)
- Igor Strawinsky: Larghetto & Moderato, aus Cinq doigts
(Idil Biret, Klavier)
- Igor Strawinsky: Moderato & Larghetto, aus Eight instrumental miniatures
(Canadian Broadcasting Symphony, Toronto; Igor Strawinsky, Leitung)
- Erik Oña: Fünf Lieder
(Thürmchen Ensemble: Truike van der Poel, Mezzosopran; Caspar Johannes Walter, Violoncello)
- Morton Feldman: Crippled Symmetry (Ausschnitt)
(Eberhard Blum, Flöte/Bassflöte; Nils Vigeland, Klavier/Celesta; Jan Williams, Glockenspiel/Vibraphon)
Geburtskiewer, Herzberner, Wahlberliner: So beschreibt Dmitrij Gawrisch sich selbst. Und Schreiben ist auch, was er beruflich tut. Etwa darüber, wie er durch den russischen Angriff auf die Ukraine seine Muttersprache verlor.
Wie kommt es zu einem Text? Was steht ganz am Anfang? Ein Gedanke, ein Bild, ein aufgeschnappter Gesprächsfetzen? Dmitrij Gawrisch weiss das auch nicht so genau. «Etwas passiert, ich verstehe dieses Etwas nicht, merke aber, dass da ein Konflikt, eine Fallhöhe ist – und vor allem ein grosses Rätsel.» Er verstehe das Schreiben als eine Möglichkeit, sich die Welt anzueignen, sagt Gawrisch, dem Unscharfen, dem Uneindeutigen nachzugehen.
Dmitrij Gawrisch wurde 1982 in Kiew geboren und kam mit 11 Jahren in die Schweiz, nach Bern. Bern: Die Stadt, in der er schwimmen gelernt, das Gymnasium besucht, studiert, die ersten Texte geschrieben und über eine Verkettung von Zufällen zum Theater gefunden habe. Heute schreibt Gawrisch vor allem für die Bühne – in der Spielzeit 2022/2023 war er Hausautor der Bühnen Bern – und arbeitet neben seiner Theatertätigkeit für das Magazin «Reportagen».
Seit dem russischen Grossangriff auf die Ukraine hat er zahlreiche Texte zum Krieg verfasst. Diese Aktualität literarisch einzufangen sei ihm jedoch bis heute unmöglich. «Ich habe gemerkt, dass der Nachrichtenstrom mich mitreisst und ertränkt.» Er sei ein langsamer Schreiber, sagt Gawrisch von sich selbst. «Ich suche ewig lang nach dem neuen Ansatz, einer neuen Sprache, einem neuen Anknüpfungspunkt.»
Im Gespräch mit Melanie Pfändler erzählt Dmitrij Gawrisch von seinem Suchen, dem Ringen um Worte; und davon, warum es gerade in diesen Zeiten wichtig sei, zwar die Welt ernst zu nehmen, aber sich selbst nicht allzu sehr.
Die Musiktitel:
- Igor Belkin: Goluboj wagon
- Nils Althaus: Dr Verluscht
- Sophie Hunger: Le vent nous portera
- Okean Elzy: Bez Boyu
- Herbert Grönemeyer: Mensch
Markus Stöckle wächst auf einem Bauernhof im Allgäu auf und lernt früh, dass Essen mehr bedeutet als bloss satt zu werden: Es ist Kultur.
Später kocht er im legendären Drei-Sterne-Restaurant The Fat Duck in England, wo nur die Neugier unantastbar bleibt.
In Zürich erfindet er die bayerische Wirtshausküche neu: mit Kässpatzen, die Kindheitserinnerungen wecken, mit Schnaps aus dem Heliumballon und Gerichten, die die Gäste bewegen.
Zusammen mit seiner Partnerin Elif Oskan prägt er die Zürcher Gastroszene mit Witz, Charme und unverwechselbaren Kreationen.
Warum Markus Stöckle sein Spitzenrestaurant Rosi im Kreis 4 auf dem Höhepunkt schloss, weshalb er mit Elif eine wilde Ehe führt, aber längst seinen Hochzeitssong kennt, und wie man Magie ins Leben holt, erzählt er in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu.
Musiktitel:
- Ulli Bäer: Ay ay ay
- Jonny Greenwood: One Battle After Another (Film von Paul Thomas Anderson)
- OutKast: Pink in Blue
- MF Doom: Hoe Cakes
- Alexandra: Schwarze Balalaika
Als Kind aus einer Arbeiterfamilie hätte Helen Keller nie gedacht, dass Sie einmal Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg werden würde. Heute lehrt sie Völkerrecht an der Universität Zürich. Als Ausgleich für ihre Arbeit möchte sie die Musik nicht missen.
«Glücklicherweise kam mein Mann auf die Idee, mein Akkordeon nach Strassburg zu schleppen», sagt Helen Keller, als sie von ihrer Zeit als Richterin am EGMR erzählt. Neun Jahre arbeitete sie als oberste Schweizer Hüterin der Menschenrechte. Eine fordernde Aufgabe, die sie manchmal bis in den Schlaf verfolgte. Denn die Fälle, die vor dem Europäischen Gerichthof für Menschenrechte verhandelt werden, sind tiefgreifend; die Urteile haben eine grosse Tragweite.
Das Musizieren habe ihr dabei geholfen, nach intensiven Arbeitstagen abzuschalten, sagt Helen Keller: «Auch wenn die Nachbarn zu später Stunde nicht so begeistert waren.»
Ihre Leidenschaft für Musik entdeckte Helen Keller schon in der Schule. Klavierstunden kamen für ihre Eltern nicht in Frage, also schlugen ihr die Eltern das Akkordeon vor. Seither begleitet sie dieses Instrument bei all ihren beruflichen Stationen, die sie schon rund um die Welt geführt haben. Zuletzt forschte sie in Südafrika dazu, weshalb es auf dem afrikanischen Kontinent erst wenige Klima-Klagen gibt, obwohl viele Länder stark vom Klimawandel betroffen sind. Auch wenn wir gegenwärtig in einer Umbruchzeit leben, in der vieles auf der Kippe steht, schaut Helen Keller hoffnungsvoll in die Zukunft: «Das Völkerrecht ist unheimlich robust – die Idee der Menschenrechte ist so überzeugend, dass sie nicht untergehen wird.»
Musiktitel:
- Frédéric Chopin: Grande Polonaise Brillante, op. 22, mit Đặng Thái Sơn
- Irving Berlin: Cheek to Cheek, mit Ella Fitzerald
- Toni Bürgler: Gyrs Wunsch, mit dem Laseyer Quartett
- Georg Friedrich Händel: Volo pronto, e lieto il core, Arie aus der Oper Agrippina, mit Carlo Vistoli
- Traditional Zulu Prayer: Phind'ukhulume, mit dem Chor der Universität Stellenbosch
Schon früh war Bewegung der rote Faden im Leben von Benedikt Germanier. Als Kind beobachtete er fasziniert seine älteren Brüder beim Langlauf, mit 18 Jahren coachte er bereits junge, angehende Tennisprofis.
Nicht der Wettkampf um den ersten Platz stand für ihn im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Bewegung Menschen befähigt und erweitert. Dieser Ansatz prägte auch seinen weiteren Weg. Nach einem Wirtschaftsstudium unterrichtete Germanier Sport und Wirtschaft, bevor er in die Finanzwelt eintauchte und internationale Erfahrung sammelte – unter anderem an der Wall Street. Doch trotz globaler Karriere zog es ihn zurück zu seinen Wurzeln.
Heute ist Benedikt Germanier Geschäftsführer eines kleinen, exklusiven Unternehmens in den Bündner Bergen, das hochwertige Luxus-Ski entwickelt. Seine Skier sind mehr als Sportgeräte: Sie sind Ausdruck einer Haltung, die Technik, Design und menschliche Bewegung in Einklang bringen will.
In «Musik für einen Gast» beschreibt Benedikt Germanier sein Staunen über das Leben, das ihn seit seiner Kindheit begleitet, seine Suche nach der beruflichen Erfüllung und die Kraft der Musik, ihn in andere Welten zu tragen.
Die Musiktitel:
- George Gershwin: Summertime
(Ella Fitzgerald; Paul Smith Quartet; Berlin 1962)
- Jimy Hendrix: Hey Mannish Boy
- Georg Friedrich Händel: Arie «I know that my redeemer liveth», aus «Messiah»
(Academy of St. Martin-in-the-Fields; Sylvia McNair, Sopran; Neville Marriner, Leitung)
- Solong: Running to the Shore
Wer in einem kleinen bosnischen Dorf und dann im Toggenburg aufwächst, lernt wohl früh, sich in verschiedenen Welten zu bewegen. Muris Begovic ist eine Stimme des Dialogs, des Friedens und der erste Seelsorger der Schweizer Armee mit muslimischem Hintergrund.
Als Muris Begovic zehn Jahre alt war, versteckte er sich im Stall seines Grossvaters unter dem Heuhaufen. Seine Eltern hatten entschieden, dass der Moment gekommen war, ihre Heimat zu verlassen: In Slowenien und in Kroatien herrschte bereits Krieg und sie ahnten, dass es eine Frage der Zeit war, bis die Welle der Gewalt auch Bosnien erfassen würde. Aber der kleine Junge wollte nicht weg, wollte nicht in die Schweiz. Denn er wusste: Ich will Imam werden – und dort kann ich das nicht.
Woher kam dieser frühe, tiefe Wunsch? Und wie brachte Muris Begovic den Mut und die Entschlossenheit auf, ihm als Jugendlicher tatsächlich nachzugehen, nach Bosnien zurückzukehren und dort seine Ausbildung zu absolvieren, in einem Internat, in dem die zersplitterten Fensterscheiben noch immer vom Krieg zeugten?
Heute lebt Begovic wieder in der Schweiz, ist glücklich verheiratet, Vater von zwei Söhnen, Präsident der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) und Geschäftsleiter der muslimischen Seelsorge Zürich. Und er hat sich den Ruf erarbeitet, jemand zu sein, der sich für Offenheit, Toleranz und den konstruktiven Austausch zwischen den Religionen und Kulturen einsetzt. So wurde er 2018 mit dem «Dialogpreis der Schweizer Juden» ausgezeichnet, gemeinsam mit seinem Freund, dem Zürcher Rabbiner Noam Hertig.
Im Gespräch mit Melanie Pfändler erzählt Begovic von den Erfahrungen, die ihn geprägt haben, von den Werten und Überzeugungen, die ihn leiten und wie es dazu kam, dass er der erste Schweizer Armeeseelsorger mit muslimischem Hintergrund wurde.
Die Musiktitel:
- Michael Jackson: Earth Song
- Dino Merlin: Sredinom
- Peter Fox: Haus am See
- Tim Bendzko: Nur noch kurz die Welt retten
- Dino Merlin: Jedan dan, jedna noć
Graham F. Valentine ist Schauspieler, Sänger und Stimmkünstler und gehört seit den späten Sechzigerjahren zur Gruppe rund um den Zürcher Theatermacher Christoph Marthaler. Derzeit ist er gerade mit der Marthaler-Produktion «Le Sommet» unterwegs.
Graham F. Valentine stammt aus Dundee, einer Hafen- und Arbeiterstadt an der schottischen Ostküste. Dort wächst er als Nachzügler in einer Arbeiterfamilie auf. Die Musik am Radio und der wöchentliche Sprechunterricht, den Graham schon als Sechsjähriger besucht, bilden die Grundlage für den späteren Beruf als Sänger und Schauspieler. Doch dass er den ergreift, ist nicht geplant, sondern ein Zufall: Graham F. Valentine landet nämlich als Austauschstudent an der Universität Zürich ausgerechnet in dem Zürcher Studentenwohnheim, das von Christoph Marthalers Eltern geleitet wird. So kommt es 1969 zu einer wegweisenden Begegnung.
Von seiner Prägung in Schottland und seiner Begeisterung für die Sprache, vom Volkslied seiner Heimat und dem Kunstgesang im Beruf, von der Verwurzelung in der Vergangenheit und der Zusammenarbeit mit jungen Menschen am Theater erzählt Graham Valentine im Gespräch mit Michael Luisier.
Die Musiktitel:
- Alexander Maria Wagner: «Sommer» aus «Käfer töten»
(Interpretation: Graham F. Valentine)
- Friedrich Wilhelm Möller: Der fröhliche Wanderer
(Schaumburger Märchensänger)
- Billie Grey: The Laughing Policeman
(Charles Jolly)
- Traditional Song of Ireland: «Her Mantle So Green»
(Margaret Barry / Michael Gorman)
- Traditional Song of Scotland: Adieu Dundee
(Live gesungen von Graham F. Valentine)
- Maurice Ravel: «L'indifférent», aus Shéhérazade. 3 Lieder für Singstimme und Orchester
(New Philharmonia Orchestra / Janet Baker, Mezzosopran / John Barbirolli, Leitung)
7. Leos Janácek - Sonate für Klavier es-Moll. 1.X.1905. Von der Strasse: «Der Tod»
(András Schiff, Klavier)
Mit zwölf Jahren sieht sie Franco Zeffirellis «La Traviata» im Fernsehen. Tief beeindruckt beschliesst sie, Opernsängerin zu werden. Während des Studiums erleidet sie nach einer unsachgemässen Intubation ein Stimmbandödem.
Sie lehnt eine Operation ab und wählt den Weg der langsamen Heilung. Während anderthalb Jahren spricht und singt sie kaum.
1995 debütiert Damrau als Eliza in «My Fair Lady» in Würzburg. Bald darauf erobert sie als Königin der Nacht in Mozarts «Zauberflöte» die grossen Bühnen - von Wien bis New York. Kritiker loben ihre Technik und Bühnenpräsenz. Damrau gilt als Diva ohne Allüren.
Als sie 2013 als Violetta in Verdis «Traviata» an der Mailänder Scala auf der Bühne steht, ist ihr Mädchentraum wahr geworden. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, Damrau habe die höchste Stufe des Operngesangs erreicht: die Callas Stufe.
Wie die Mutter zweier Söhne Bühne und Familie vereint, warum die Königin der Nacht zu ihren Lieblingsrollen zählt und weshalb sie sich als Bühnentier sieht, erzählt Diana Damrau in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu.
Die Musiktitel:
- Giuseppe Verdi: La Traviata: 1. Act, E’strano
(Maria Callas / Coro Cetra / Orchestra Sinfonica di Torina de la Rai / Gabriele Santina, Leitung)
- Edvard Grieg: «Morgenstimmung», aus Peer Gynt
(Berliner Philharmoniker / Herbert von Karajan, Leitung)
- Wolfgang Amadeus Mozart: «Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen», Arie der Königin der Nacht, aus «Die Zauberflöte»
(Edda Moser, Sopran / Bayerisches Staatsorchester München / Wolfgang Sawallisch, Leitung)
- Michael Jackson: Thriller
- Richard Strauss: «Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding». Arie der Marschallin aus «Der Rosenkavalier»
(Philharmonia Orchestra / Elisabeth Schwarzkopf, Sopran / Otto Edelmann, Bass / Herbert von Karajan, Leitung)
Der Einspieler:
Wolfgang Amadeus Mozart: «O zittre nicht, mein lieber Sohn - Zum Leiden bin ich auserkoren». Rezitativ und Arie der Königin der Nacht, aus «Die Zauberflöte»
(Diana Damrau, Sopran / Cercle de l’Harmonie / Jérémie Rhorer, Leitung)
Wie unterwandert Kunst die Diktatur in Belarus? Dazu forscht Iryna Herasimovich am Slavischen Seminar in Zürich. Als sie in die Schweiz kam, wollte sie nur einige Monate bleiben, um Literatur zu übersetzen. Doch die gewaltsame Niederschlagung der Protestbewegung verunmöglichte eine Rückkehr.
«Hier habe ich das Gefühl, endlich angekommen zu sein», sagt Iryna Herasimovich, wenn sie von ihrer Arbeit am Slavischen Seminar in Zürich erzählt. Sie habe das Glück, dass ihr Umfeld sensibel auf ihre Situation reagiere. Hinter ihr liegen Jahre voller Entscheidungen, die sie nie treffen wollte: Sie musste ihre Wohnung in Minsk per Video auflösen, ihr altes Leben und vor allem geliebte Menschen für unbestimmte Zeit zurücklassen. Heute kann sie sagen: «Exil ist nicht nur Verlust, sondern auch eine Bereicherung.»
In «Musik für einen Gast» erzählt Iryna Herasimovich davon, weshalb ihr ein Lied von Mani Matter während der Revolutionswirren geholfen hat. Und sie erklärt, weshalb übersetzen für sie auch eine politische Bedeutung hat: «Es geht um die Haltung, sich auf andere einzulassen und sich zu bemühen, sie zu verstehen.»
Die Musiktitel:
1. Belarussisches Volkslied: «Lito» (Ivan Kirchuk / Siarhei Douhushau / Margarita Levchuk)
2. Uladzimier Teraŭski - «Kupalinka» (Singfrauen Winterthur / Albin Brun Quartett)
3. Erstes Wiener Heimorgelorchester (EWHO) – «Die Letten werden die ersten sein»
4. Edvard Grieg - Peer-Gynt-Suite: «Åses Tod» (Zürcher Kammerorchester / Howard Griffiths)
5. Arvo Pärt - «Salve Regina» (Estonian Philharmonic Chamber Choir / Paul Hillier)
Es gibt Fragen, die selbst jahrzehntelange Forschung nicht zu beantworten vermag. Und genau die faszinieren ihn am meisten. Alexander Borbély ist ehemaliger Prorektor der Universität Zürich und einer der einflussreichsten Schlafforscher der Welt.
Geboren ein halbes Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. In die Schweiz geflüchtet nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Ungarn. Beginn des Medizinstudiums im Jahr nach dem Ungarnaufstand 1956. Alexander Borbélys Lebenslauf liest sich wie ein Querschnitt durch das 20. Jahrhundert.
Heute ist er 86 Jahre alt. Aus dem kleinen Jungen, der nach der Ankunft in der Schweiz erst Deutsch lernen, sich in einer anderen Kultur zurechtfinden musste, sollte einer der einflussreichsten Schlafforscher der Welt werden. Das sogenannte «Zwei-Prozess-Modell der Schlafregulation», das Alexander Borbély 1982 in einem Fachartikel vorstellte, wird noch heute an Universitäten in der Schweiz und im Ausland gelehrt. Und doch: Das Geheimnis des Schlafs sei bis heute nicht gelüftet, sagt er.
Wer nach dieser Stunde noch mehr über Alexander Borbély erfahren möchte: 2019 hat er bei «Tredition» seine Autobiografie «Mehr als Schlaf» publiziert.
Die Musiktitel:
1. Dave Brubeck - Take Five
2. Felix Mendelssohn-Bartholdy - Albumblatt für Klavier, e-Moll, Op. 117: «Allegro»
(Daniel Barenboim, Klavier)
3. Barbara - Göttingen
4. Leonard Cohen - If I Didn't Have Your Love
5. Richard Strauss - Vier letzte Lieder: «Beim Schlafengehen»
(Renée Fleming, Sopran / Münchner Philharmoniker / Christian Thielemann, Leitung)
Tobias Stückelberger ist ein leidenschaftlicher Chorleiter. Das Hören ist ihm dabei genauso wichtig wie das Singen selbst. Die Grundlage für gute Chorarbeit, so sagt er im Gespräch, bestehe aber darin, dem Chor ein Zuhause zu bieten.
Tobias Stückelberger stammt aus einer Pfarrersfamilie und wächst in der Baselbieter Gemeinde Therwil auf. Die Predigten seiner Mutter, zu denen er als Kind mitgenommen wurden, bringen ihn früh in Berührung mit Kirchenmusik. Er schliesst sich dem Kinderchor der Gemeinde an und wechselt mit zehn Jahren zur Knabenkantorei Basel. Mittlerweile ist Tobias Stückelberger 32 Jahre alt und schaut bereits auf eine intensive Zeit als Chorleiter zurück. Nach einem Studium in Basel wird er Assistent der Leiterin des «Norwegian Soloist Choir» Grete Pedersen in Oslo, wo er wesentliche Impulse für seine Arbeit bekommt und gleichzeitig den Master macht. Und nach einer weiteren Station in Südafrika als Leiter des Chores der «Drakensberg Boys Choir School» kehrt er in die Schweiz zurück, wo er nun die vielen internationalen Einflüsse in seine Arbeit als Leiter der Solothurner Singknaben und anderer Chorprojekte im Raum Basel einfliessen lässt.
Von seiner Liebe zur Chormusik und seiner Art zu arbeiten, von einer unglaublichen Begegnung in Südafrika und einer darauffolgenden Reise nach London, von seiner aktuellen Arbeit bei den Solothurner Singknaben und einem nicht wirklich geplanten Erfolg als Dominospieler erzählt Tobias Stückelberger im Gespräch mit Gastgeber Michael Luisier.
Die Einspieler:
1. Singknaben der St. Ursenkathedrale Solothurn – «Es Ching gebore in Betlehem» (Norwegisches Weihnachtslied) Tobias Stückelberger, Chorleiter
2. Lebo M – The Lion King: «Busa le lizwe»
Drakensberg Boys Choir / Lebo M, Solist / Tobias Stückelberger, Leitung
Die Musiktitel:
1. Filmmusik - Ronja Rövardotter (Ronja Räubertochter): «Rövarsången» (Räubergesänge)
Komponiert: Björn Isfält / Arrangiert: Anders Berglund
2. Luciano Berio - A-Ronne für achtstimmiges Vokalensemble a cappella: «Den Den»
Swingle II (Chor)
3. Edvard Grieg - 4 Psalmen für Bariton und Chor a cappella: «Jesus Kristus er opfaren»
Norwegischer Solistenchor / Grete Pedersen, Leitung
4. Jaakko Mäntyjärvi - «Pseudo Yoik»
Singknaben der St. Ursenkathedrale Solothurn / Tobias Stückelberger, Leitung
5. Johann Sebastian Bach – «Komm, Jesu, komm, mein Leib ist müde» Mottete BWV 229
Ensemble Allegria / Norwegischer Solistenchor / Grete Pedersen, Leitung
Mit seinen Zaubertricks enthüllt er, wie trügerisch unsere Wahrnehmung ist: Was wir sehen, entspricht oft nicht der Wirklichkeit.
Seit fast vierzig Jahren steht der Luzerner Alex Porter als Zauberer, Poet und Theatermacher auf der Bühne. Er verbindet Magie mit Geschichten, Gesang und Musik.
Was auf der Bühne mühelos wirkt, ist das Ergebnis jahrelanger Hingabe. Doch Porter sagt: «Ich übe nicht, ich quäle meine Hände nicht, ich lasse sie spielen.»
Wie der Sohn des berühmten Fotografen Allan Porter seine Vorgesetzten in der Rekrutenschule zur Verzweiflung brachte, warum er als Jugendlicher mit einer stinkenden Socke um den Hals in einem Luxusrestaurant für Aufsehen sorgte und weshalb seine beiden Töchter zuerst «öpis Rächts» lernen mussten, erzählt Alex Porter in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu.
Die Musiktitel:
Der Einspieler: Alex Porter improvisiert
1. David Popper - Suite für 2 Violoncelli: 3. Scherzo
Thomas Demenga / Patrick Demenga
2. Steely Dan (Ensemble) - Do it Again (Song von Walter Becker)
3. Hazel O’Connor – Writing On Wall (Film Braking Glass)
4. Boléro Magique – Alex Porter / Orchester Santa Maria / Droujelub Yanakiew, Leitung Arrangements
5. Albin Brun’s Nah Quartet – Valsakana
6. Oona Porter – Memory Lane
Sie gilt als «Grande Dame der Klarinette»: Seit den frühen 1980er-Jahren prägt Sabine Meyer das internationale Konzertleben entscheidend mit, als Solistin wie als Kammermusikerin.
Mit ihrem warmen Klang und ihrem grossen Gestaltungswillen hat sie dem Instrument weltweit zu mehr Sichtbarkeit verholfen und war für viele junge MusikerInnen ein grosses Vorbild. Im Dezember beendet sie nun ihre musikalische Karriere.
Sabine Meyer hat viele Werke uraufgeführt, aber auch Mozarts Klarinettenkonzert auf der Bassettklarinette neu zum Leben erweckt, und sie hat gezeigt, welche Kraft und Vielseitigkeit in der Klarinette steckt. Gleichzeitig kennt sie den hohen Druck des Musikerinnenlebens: Disziplin, Erwartungshaltungen, die ständige Suche nach Perfektion. Umso wichtiger waren ihr Rückzugsorte abseits der Bühne – der Garten, die Pferde und vor allem ihre Familie. Diese Balance ermöglichte ihr, über so viele Jahre künstlerisch präsent zu bleiben und trotz enormem Erfolg nicht abzuheben. Sie ist ein Star ohne jegliche Allüren.
Nun verabschiedet sie sich bewusst, «solange sie noch fit ist». Auf die Zeit danach freut sie sich sehr: keine anstrengenden Konzertreisen mehr, ohne Sorge im Garten arbeiten, schwimmen gehen und unbeschwert mit den Enkeln spielen.
In «Musik für einen Gast» spricht Sabine Meyer über ihr Leben auf der Bühne, ihre Liebe zur Kammermusik, die Belastung von jährlich über hundert Konzerten – und darüber, wie befreiend es ist, sich künftig all dem widmen zu können, was neben der Klarinette immer zu kurz kam.
Die Musiktitel:
Der Einspieler: W.A.Mozart – Klarinettenkonzert – Sabine Meyer, Bassklarinette / Staatskapelle Dresden / Hans Volk, Dirigent
1. Benny Goodman & His Orchestra - Clarinet À La King
2. Heinz Holliger - Marin Marais: "Folies d'espagne" aus der Suite für Viola da gamba und Basso continue, Nr.1 d-Moll - Eigenaufnahme RTS Espace 2 (Genf, 2003)
3. Wolfgang Amadeus Mozart – Adagio für Glasharmonika C Dur (Bearbeitung für 3 Bassetthörner) Trio di Clarone (Reiner Wehrle / Wolfgang Meyer / Sabine Meyer)
4. Fatma Said – El helwa di (Das ist so süss ) (Komponist: Sayed Darwish)
5. Gustav Mahler – 7. Sinfonie, e-Moll: 2. Nachtmusik
Lucerne Festival Orchestra / Riccardo Chailly, Leitung
Eigenaufnahme SRF, Eröffnungskonzert 2024
Viviane Chassot gehört zu den renommiertesten Akkordeonistinnen überhaupt. Sie hat mitgeholfen, ihrem Instrument auch die klassische Musik zu erschliessen. Damit macht sie die klassische Musik auch jenen Menschen zugänglich, die sonst keinen Bezug zu ihr gehabt hätten.
Geboren wird Viviane Chassot in Zürich. Sie wächst in Wollerau auf, wo das Akkordeon eine grosse Rolle spielt. Allerdings nicht im klassischen Bereich, sondern in Form eines Akkordeon-Orchesters, das es bis heute gibt. Viviane Chassot interessiert sich damals mehr fürs Ballett. Und zwar so sehr, dass es auch beruflich eine Option wird. Eine Ausbildung am Opernhaus Zürich wäre möglich. Da hört sie am Radio ein Stück von Johann Sebastian Bach. Gespielt auf einem Akkordeon. Das ändert alles. Vivianne Chassot ist Feuer und Flamme und entscheidet sich – weil in ihrer Familie nur ein Hobby erlaubt war – für das Akkordeon. Längst ist das Hobby Beruf. Viviane Chassot hat Werke von Haydn, Mozart und Rameau eingespielt und aufgeführt und so auch mit Grössen wie Simon Rattle oder Alfred Brendel zusammengearbeitet. Und sie verbindet Klassik, Jazz, neue Musik und Improvisation. Auch darin also eine Brückenbauerin.
Von ihrer Pionierarbeit für das Instrument und ihrem differenzierten Zugang zum Klang, von ihrem Weg zum Erfolg und ihren Rückschlägen und Krisen, von ihrer Arbeit mit anderen Musikerinnen und Musikern und ihrer Liebe auch zur Rockmusik erzählt Viviane Chassot im Gespräch mit Gastgeber Michael Luisier.
Die Musiktitel:
Der Einspieler: Josef Haydn: Klaviersonate e-Moll, HOB 16/34: Presto
Viviane Chassot, Akkordeon
1. Meat loaf – Alive
2. Joseph Haydn – Die Schöpfung: Holde Gattin, dir zur Seite. Duett (Adam, Eva)
Balthasar-Neumann-Ensemble / Thomas Hengelbrock, Leitung / Dorothee Mields, Eva / Locky Chung, Adam
3. Aimee Mann / Rush: Time stand Still
4. Stefanie Heinzmann – Good
5. Johannes Brahms - Piano Concerto no. 1, D Moll, op. 15: 3. Rondo allegro non troppo
Maurizio Pollini, Piano / Berliner Philharmoniker / Claudia Abbado, Leitung
https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-musik/video/drei-genres-ein-klang---das-srf-kultur-showcase?urn=urn:srf:video:e1e3dc7f-8af6-4474-8bd7-94add5638358
Zurück in die Zukunft! In dieser Ausgabe von «Musik für einen Gast» hören wir, wie Christian Lutz, der damalige Direktor des Gottlieb Duttweiler Instituts, sich Ende der 90er die Zukunft vorstellte. Und wir erfahren, was derselbe Christian Lutz heute, 27 Jahre später, zu diesen Szenarien sagt.
Fast zwanzig Jahre lang hat Christian Lutz das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in Rüschlikon geleitet. Er analysierte gesellschaftlicher Trends und formulierte auf dieser Basis mögliche Zukunftsszenarien. Von dieser Arbeit erzählte er 1998 Moderatorin Ellinor von Kauffungen in «Musik für einen Gast». Sie sprachen über Veränderungen in der Arbeitswelt, über Biografien, die laut Lutz zusehends individueller und vielfältiger werden und über dieses wundersame, neue System, das damals von immer mehr Menschen im Alltag genutzt wurde: das Internet.
Heute ist Christian Lutz 85 Jahre alt und lebt in einem umgebauten Landhaus im Département Gard in Südfrankreich. Wie beurteilt er seine damaligen Analysen? Welche Voraussagen traten ein, was kam ganz anders? Und wie blickt er persönlich auf das Kapitel seines Lebens als GDI-Direktor zurück?
Die Musiktitel:
1. The King Singers – Chi la gagliarda (Vocal Version)
2. Johann Sebastian Bach – Matthäus Passion: Aria. Erbarme dich, mein Gott
Michael Chance, Countertenor / Englisch Baroque Soloists / John Eliot Gardiner, Dirigent
3. Paul Hindemith – Mathis der Maler. Sinfonie. Versuchung des heiligen Antonius
Philadelphia Orchestra / Wolfgang Sawallisch, Dirigent
4. Franz Schubert – Sinfonie Nr. 4 c-Moll. Tragische: Adagio molto – Allegro vivace
WDR Sinfonieorchester Köln / Günter Wand, Dirigent
Der neue Musikwunsch:
Antonin Dvorák - Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 «Aus der Neuen Welt»: 1. Adagio - Allegro molto
Tschechische Philharmonie / Jiri Belohlavek, Dirigent
Die Sekretärin von C.G. Jung: So wurde Aniela Jaffé häufig wahrgenommen. Dabei war sie selbst Psychoanalytikerin, Autorin und sogar Verfasserin eines der bekanntesten Werke, das Jung zugeordnet wird. Wer war diese kluge, einfühlsame Frau, die ihren Beruf «aus Menschenliebe» ausübte?
Anfang der 30er-Jahre lebte Aniela Jaffé in Hamburg und stand kurz davor, ihren Doktortitel in Psychologie zu erlangen. Doch als Tochter jüdischer Eltern sah sie sich gezwungen, vor den Nationalsozialisten zu flüchten und sich ohne universitären Abschluss in der Schweiz ein neues Leben aufzubauen. Und dennoch sollte es ihr gelingen, auf dem Gebiet der Psychologie wichtige Beiträge zu leisten: Sie lernte C.G. Jung kennen, ging zu ihm in die Analyse und begann schliesslich mit ihm zusammenzuarbeiten. Jung hielt derart hohe Stücke auf sie, dass er sie mit dem Verfassen seiner Biografie betraute – die jedoch bis heute häufig als seine Autobiografie wahrgenommen wird. Jaffé war auch selbst bis ins hohe Alter als Psychoanalytikerin tätig und hat so das Leben vieler Menschen geprägt.
1975 wurde Aniela Jaffé von Roswitha Schmalenbach für «Musik für einen Gast» interviewt. Wir hören eine gekürzte Fassung dieser historischen Sendung, kombiniert mit einem Gespräch mit Robert Hinshaw: Der am C.G. Jung Institut ausgebildete Psychoanalytiker war ein enger Freund Aniela Jaffés und verwaltet heute ihren Nachlass.
Die Musiktitel:
1. Wolfgang Amadeus Mozart – Quintett für Klarinette, KV 581: Allegro
Gervase de Peyer, Klarinette / Mitglieder des Melos Ensemble
2. Richard Strauss – Vier Letzte Lieder für Sopran und Orchester: Beim Schlafengehen
Lisa Della Casa, Sopran / Wiener Philharmoniker / Karl Böhm, Dirigent
3. Kapelle Heirassa - Im schönen Schwyzerland, Schottisch
4. Mani Matter – Bim Coiffeur
Musiktitel von Robert Hinshaw:
5. Arvo Pärt: «Spiegel im Spiegel» für Viola und Klavier
Benjamon Hudson, Viola / Jürgen Kruse, Klavier
Das besprochene Buch:
Streiflichter - Zu Leben und Denken C.G. Jungs
Aniela Jaffé nach Gesprächen mit C.G. Jung
Mit einem historischen Kommentar von Elena Fischli
Daimon Verlag: ISBN 9783856307783
Er gründete das erste Schweizer Paraplegikerzentrum, wurde als Mediziner eine internationale Koryphäe und sass selbst im Rollstuhl: Alain Rossier war in vielerlei Hinsicht ein Pionier. Vor 57 Jahren erzählte er in «Musik für einen Gast» aus seinem Leben. Wie wirkt dieses Gespräch aus heutiger Sicht?
Am letzten Tag seines Medizinstudiums erlitt Alain Rossier im Schwimmbad einen Unfall, der seinen privaten und beruflichen Weg massgeblich prägen sollte: Er war fortan querschnittgelähmt, schloss noch im Krankhaus sein Staatsexamen ab, spezialisierte sich auf die Paraplegiologie und wurde über die Jahre zu einer Koryphäe auf seinem Gebiet.
1968 besuchte Roswitha Schmalenbach, die langjährige Moderatorin von «Musik für einen Gast», Rossier an seinem Arbeitsort, im Hôpital Beau-Séjour in Genf, wo er das erste Paraplegikerzentrum der Schweiz aufgebaut hatte. Der damals 38-Jährige erzählte von seiner eigenen Geschichte, den Erfolgen und Entwicklungen in seinem Fach, aber auch den Hindernissen, die ihm im Alltag begegneten.
Wie klingt dieses Zeitdokument in den Ohren einer Person, die heute auf einen Rollstuhl angewiesen ist und sich für die Rechte von Menschen mit Querschnittlähmung einsetzt? Das erfahren wir zum Schluss der Sendung von Olga Manfredi, Juristin und Präsidentin der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung.
Die Musiktitel:
1. Antonio Vivaldi - Magnificat für Soli, Chor und Orchester g-Moll: Magnificat und Et exsultavit
Agnès Gibel, Sopran / Orchestra La Fenice, Venezia / Vittorio Negri, Dirigent
2. The Swingle Singers – W.A. Mozart: Eine kleine Nachtmusik: Romance/Romanze
3. Ella Fitzgerald & Louis Armstron - April in Paris
4. Antonin Dvorák - Sinfonie Nr. 9. Aus der neuen Welt: 1. Adagio (Allegro molto)
Czech Philharmonic Orchestra / Karel Ancerl
Musikwunsch von Olga Manfredi:
5. Bob Dylan – Blowin’ In The Wind / I Shall Be Free
Brigitt Flüeler ist Historikerin und Kulturvermittlerin. Und sie hat 27 Jahre lang beim Schweizer Radio gearbeitet, wo sie unter anderem die Sendung «Persönlich» geleitet hat. Nun erhält die Nidwaldnerin den Innerschweizer Kulturpreis.
Geboren wird Brigitt Flüeler 1954. Geprägt von einer weltoffenen Familie einerseits und einem strengen Katholizismus andererseits wächst sie in Stans auf. Sie wird Lehrerin und verdient ihr eigenes Geld, was ihr ein Studium der Geschichte, Volksliteratur und Volkskunde in Zürich ermöglich. Später wechselt sie zum Radio. Aber auch dort interessiert sie vor allem der Alltag, die Leute, der einzelne Mensch. 27 Jahre bleibt sie dem Radio treu. Dann lässt sie sich vorzeitig pensionieren, kehrt nach Stans zurück und wirft sich erneut ins Nidwaldner Kulturleben, organisiert Lesungen und Ausstellungen, plant und veranstaltet zusammen mit dem Regisseur Buschi Luginbühl Leseabende und Theatervorstellungen und präsidiert den Historischen Vereins Nidwalden. Und jetzt also der Innerschweizer Kulturpreis. Eine Auszeichnung, die wie geschaffen ist für Brigitt Flüeler, denn immer schon hat sie es als ihre Aufgabe angesehen, die Nidwaldner Kultur über die Kantonsgrenzen hinauszutragen. Beispielsweise ins südfranzösische Arles, wo sie neben Stans und Zürich ihren dritten Lebensmittelpunkt gefunden hat.
Von ihrer Herkunft und ihrer Prägung, von ihrem Aufbruch in die Stadt ausgerechnet während der Jungendunruhen, von ihrer Zeit am Radio und ihrer Liebe zu Arles und natürlich auch von ihrer Musik erzählt die frischgebackene Innerschweizer Kulturpreisträgerin im Gespräch mit Gastgeber Michael Luisier.
Die Musiktitel:
1. Aktomis & Mungg - II Tea Time (Where The Sirens Meet For Tea)
Aktomis =Jo Flüeler / Mungg = Moritz Widrig
2. Lucio Dalla - L'anno che verrà
3. Hélène Grimaud - Johannes Brahms – 7 Fantasien für Klavier, Op.17: Intermezzo in e-moll (Andante con grazia)
4. Alexandre Tharaud - Jean-Philippe Rameau: Nouvelles Suites, «Gavotte» / «1er Double de la Gavotte» / «2e double»
5. Wolfgang Amadeus Mozart – Requiem: «Sequenz. Dies irae: Allegro assai»
Concentus musicus Wien / Nikolaus Harnoncourt, Dirigent



