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Zeitrisse
Zeitrisse
Author: Tonquelle Hofer / RAG
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© Tonquelle Hofer
Description
Allerlei Geschichten die eines gemeinsam haben: Sie sollen Fantasie und Kreativität anregen und beim Zuhörer Gedankenschlösser entstehen lassen. Das Themenfeld erstreckt sich von Steampunk bis hin zu unglaublichen Begebenheiten aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
195 Episodes
Reverse
Zu "Modeteufel" ein Zitat von Friedrich Theodor Vischer (1807-1887): "Wer über Mode schreibt, wäre ein Narr, wenn er meinte, auch nur das Geringste zur Heilung ihrer Verrücktheit beitragen zu können." Da hatte er wohl recht mit diesem Statement, trotzdem war und ist das Thema Mode bis heute ein beliebtes Schlachtfeld unterschiedlicher Ansichten und Moralvorstellungen. So auch in dem in dieser Zeitrisse-Episode vertonten Artikel aus dem "Schweizerischen Familienwochenblatt" aus dem Jahr 1891. Auf dem Podcast-Cover übrigens die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur mit extravaganten Kostümen für Aufsehen sorgte.
Ein Auszug aus den anno 1900 erschienenen Memoiren des italienischen Schriftstellers Edmondo De Amicis: er schilderte darin seinen Besuch beim grossen Jules Verne, den man als tragende Säule der fantastischen Literatur kennt. Eine "Homestory" der ersten Stunde, informativ, witzig und vermutlich ganz und gar nicht das, was man eigentlich erwarten würde.
Ein Zitat aus dem Aufsatz "Eine spanische Kleinstadt" von Cäcilie von Rodt: «Die Damen handhaben eifrig den Fächer, der niemals zuhause gelassen wird, denn er ist der Dolmetscher all ihrer Gefühle». Vermutlich sind solche Sätze der Grund, dass ich die Schweizer Reiseschriftstellerin dermassen gut mag. Cäcilie stellte in diesem Aufsatz das andalusische Städtchen Ronda vor, das sie 1898 zur Zeit des Spanisch-Amerikanischen Krieges besucht hatte.
Ein eiskalter Wind weht durch diese Zeitrisse-Episode, er lässt das Blut in den Adern gefrieren und... doch halt, es wird nicht mehr zum Inhalt verraten, man höre sich doch bitte zuerst einmal selbst durch Carry Brachvogels "Das weisse Tor" (aus einer Ausgabe der Zeitschrift "Zürcher Illustrierte" von 1927) und ziehe seine eigenen Schlüsse aus den höchst mysteriösen Geschehnissen.
Manche Dinge sind langlebig, so auch das Radio. In "Der Sprecher als Hörer" gab Programmleiter Bert Herzog von Radio Zürich anno 1929 einen Einblick in seine Tätigkeit. Er konzentrierte sich dabei auf die Hörerpost, die damals tatsächlich noch vom Briefboten angeliefert wurde, ein klares Indiz dafür, dass der Bericht aus "Zürcher Illustrierte" tatsächlich in einer längst vergangenen Epoche verfasst wurde. Aber auch über sein Zielpublikum machte sich Herzog Gedanken, für den bluesigen Hintergrund dieser Proletarier-Passage sorgt Robin The Seaman mit seiner E-Gitarre. Die Radiogenossenschaft Zürich schloss sich mit anderen Schweizer Radio-Pionieren im Jahr 1931 zum Verein Schweizerische Rundspruchgesellschaft (SRG) zusammen.
Mit "Jacqueline" von Lucien Naas (vermutlich ein Pseudonym), eine Story aus der Zeitschrift "Am häuslichen Herd" (1946), beschreitet der Zeitrisse-Podcast wieder einmal den Pfad der Liebe, ein Thema das immer wieder punktet bei der verehrten Hörerschaft. Zudem beinhaltet die Geschichte auch noch eine halbe Weltreise, sie startet in Cochinchine (heute Vietnam) und endet irgendwo in einem französischen Provinzstädtchen. Als Ergänzung zur Love Story gibt es in dieser Folge einen kleinen Bericht des nach Vietnam ausgewanderten Schweizers Thomas Lüscher, es geht um fernöstliche Mobilität (mit O-Tönen aus Saigon) sowie den französischen Einfluss auf die vietnamesische Sprache.
"Jazz" - eine Story von 1926 von Alice Clara Sauer, damals veröffentlicht in "Zürcher Illustrierte" - ist zusammengesetzt aus allerlei Elementen und entwickelt sich von der Milieustudie zum Drama mit fatalem Ausgang. Im Mittelpunkt steht der Jazz, für manche Kreise war das in den 1920ern wahre Teufels- oder Satansmusik. Die Story spielt aber noch mit weiteren Elementen, eines davon glaube ich als "Zivilcourage" erkennen zu können. Nun denn, es gibt Raum für Spekulationen, sicher ist, dass die Geschichte ein paar Jahrzehnte später die perfekte Vorlage für einen "Film noir" gewesen wäre. Das "Crime"-Thema setzt sich bis in die Gegenwart fort, der Podcaster kann es sich nicht verkneifen, die rhetorische Flinte zu laden und...
1910 beschrieb der Historiker Paul Darmstaetter im Buch "Weltgeschichte, Neuzeit seit 1815" (Ullstein & Co.) das Staatengebilde "Vereinigte Staaten von Amerika". Als Bewunderer von demokratischen Systemen wies er auch explizit auf Schwachpunkte hin, er prangerte Imperialismus, Korruption und die Superreichen an, die das politische Konstrukt für ihre eigenen Zwecke missbrauchten. Don Guelle gelangt im Jahr 2026 zu ähnlichem Ergebnis und fährt einem gewissen Donald J. Trump ziemlich heftig an die Luxuskarosse.
Die Story "Inkognito" (1928) von Luise Robert startet auf der süssen Seite: der Himmel ist blau, das Eis blitzblank wie Fensterglas, der Baron ein wahrer Edelmann und die auf Kufen herumkurvende Prinzessin ein einziger Traum. Dann aber... man ahnt es schon... ich greife bei der Beschreibung für das was dann passiert, immer gern zur Metapher "Tapete die sich von der Wand löst und graues Mauerwerk preisgibt". In der zweiten Abteilung setzt der Podcaster auf eigene Kreativkraft: "Stelldichein in den Bergen" kann man problemlos in die Kategorie "Spottgedicht" einordnen.
Der Zeitrisse-Podcast auf Reisen: im Mittelpunkt der Episode "Die ältesten Dokumente des Tierschutzes" (aus der Sonntagszeitung "Schwizerhüsli", 1911) steht Ceylon (heute Sri Lanka), respektive die alte Sage von König Devanampiya Tissa und Mönch Mahinda, der einst aus Indien den Buddhismus auf die Insel gebracht hatte. Zur titelgebenden Story gesellt sich ein Auszug aus dem Buch "Reise einer Schweizerin um die Welt" (1903) von Cäcilie von Rodt, die Bernerin besuchte Ceylon zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Weil er auf seinen Bildern Damen in "teilweise mangelhafter Bekleidung" abbildete, bekam der Maler und Schriftsteller Emil Beurmann (gemäss eigener Aussage) in seiner Heimatstadt Basel einen "recht schlechten Ruf". Eine Vermutung: der Künstler ist nicht nur wegen seiner Vorliebe für Aktmalerei von "ehrbaren Bürgern" verurteilt worden, es könnten durchaus auch seine provokanten Gedichte gewesen sein. Nun denn, der Artikel "Emil Beurmann, Basel" von Paul Schaffner (aus "die Schweiz", 1920) wurde in dieser Zeitrisse-Episode mit den beurmannschen Dichtungen "Matterhornbahn" und "Tellsplatte" kombiniert.
In dieser Zeitrisse-Episode: Dr. Albert Hablützel (1865-1940), zu Lebzeiten weitherum bekannter und geschätzter Redaktor des "Neuen Winterthurer Tagblattes", mit einem begeisternden Bericht vom Besuch des Genfer Ateliers von Ferdinand Hodler (1853-1918). Hablützel integrierte übrigens in seinem Aufsatz gleich noch den ihn begleitenden Winterthurer Maler Hans Schoellhorn (1892-1982, Sohn von Fritz Schoellhorn, Direktor der Winterthurer Brauerei Haldengut), von ihm stammt die Skizze links unten auf dem Podcast-Cover, gleich neben seinem Bild "Zur Fabrik" ("L'Usine"). Ferdinand Hodler, der anno 1900 mit der Auftragsarbeit "Rückzug von Marignano" (Landesmuseum Zürich) für hitzige Diskussionen sorgte, war bei Hablützels Besuch mit der "Schlacht von Murten" beschäftigt, das Motiv hätte das bestehende dreiteilige Fresko im Landesmuseum ergänzen sollen, infolge seines Todes im Frühjahr 1918, kam es aber nicht mehr dazu. Der abschliessende, flammende Nachruf auf den grossen Künstler stammt ebenfalls aus "Die Schweiz - Schweizerische illustrierte Zeitschrift".
Kleines Geschenk, grosses Geschenk? Darf es etwas kosten oder eher nicht? Was passt, was nicht? Tja, die vor 130 Jahren in "Schweizerisches Familienblatt" von Marie H. gestellte Frage ist noch immer aktuell. Auch wenn es heutzutage vielleicht nicht mehr unbedingt um Dienstboten geht, die Grundsätze und Überlegungen zum Thema des Schenkens sind noch immer die gleichen.
Märchen sind längst nicht nur für Kinder, thematisch sprechen sie oft auch Erwachsene an. In "Der Esel des St. Nikolaus" (1905) aus der Feder der Schweizer Schriftstellerin Lisa Wenger-Ruutz (1858-1941), lässt sich zwischen den Zeilen durchaus auch sozialistisches Gedankengut heraushören, oder wie lässt es sich sonst erklären, dass der Esel in den Streik tritt und die Frage nach fairen Arbeitsbedingungen und besserem Lohn auftaucht?
Die Kurzgeschichte "Eine Woche" von Charles Lewis kommt im Gewand von Tagebucheinträgen daher: wir begleiten Mitte der 1920er einen namenlosen und eigentlich recht biederen Protagonisten durch das mondäne New York. So weit so gut, allerdings verursacht der Hauptdarsteller einen Vorfall, der Fragen der sittlichen und gesellschaftlichen Verhaltensregeln aufwirft. Doch was ist richtig, was ist falsch? Wer fühlt sich zum Richter oder zur Richterin berufen und möchte über das Vorkommnis urteilen? Die vertonte Story entstammt der Zeitschrift «Zürcher Illustrierte», Heft 22, 1927.
Den "Jungen" ist vielleicht der deutsch-schweizerische Schriftsteller Hermann Hesse nicht mehr geläufig, manchen "Alten" hingegen schon, die hatten seinen "Steppenwolf" und "Siddhartha" sicher auch so begeistert verschlungen wie ich. Hesses hier vertonte Kurzgeschichte "Die Stadt" von 1910 ist gleichermassen Parabel, Zukunftsvision, Erzählung oder gemäss Bezeichnung der 1916 in "Die Schweiz - Schweizerische illustrierte Zeitschrift" abgedruckten Textversion, eine Skizze. Die Umsetzung erfolgte in bewährter Zeitrisse-Manier, das Geräuscheffekt-Pendel (SFX) schwingt einmal mehr hin und her und Gitarrist "Robin The Seaman" greift in die Saiten seiner Gibson Les Paul Junior.
Die Welt von heute und morgen durch die Brille von gestern betrachtet: in den beiden hier vertonten Artikeln aus der Zeitschrift "Zürcher Illustrierte", philosophierte und spekulierte man 1927 ("Im Jahre 1950") und 1928 ("Die Stadt im Jahre 2000") über die Zukunft. Im Nachhinein ist es immer spannend zu sehen, was man sich von einer solchen Zukunft erhoffte, was Luftschloss blieb und was von diesem Gedankengut schlussendlich technische und soziale Realität wurde.
Jules Verne hatte anno 1873 mit seinem Roman "Reise um die Erde in 80 Tagen" die Vorlage geschaffen: reale Abenteurer versuchten in der Folge die vorgegebene Zeit des Romanhelden Phileas Fogg zu schlagen, es entwickelte sich ein regelrechter Wettkampf. Als der 15-Jährige Palle Huld 1928 von der dänischen Zeitung "Politiken" auf eine solche Weltreise geschickt wurde, waren die Verkehrswege bereits so gut ausgebaut, dass Palle die Weltumrundung in 44 Tagen schaffte.
Hanns Günther, der Autor von "Wie man die Stimme von Sängern prüft" (1925), tönt es in seinem Aufsatz an, nicht alles was aus Amerika kommt muss auch beklatscht werden, ein Grundsatz der auch 100 Jahre später noch seine Gültigkeit hat. Das gilt wohl auch für die seltsame Maschine mit der die Gesangsleistung mittels Spirometer, Oszillograph und Gasmaske gemessen werden sollte, glücklicherweise setzte sich die Methode nicht durch und die Geräte landeten im Schrottcontainer. Vom 15. November bis 7. Dezember 2025 trifft man sich übrigens wieder am "Weihnachts-Zirkus-Zauber" in Russikon: auch dieses Jahr wieder mit einem Märchenland (inklusive Tonspur von Tonquelle Hofer), Variété Pavé und Raphaelius, der seine neueste Erfindung, eine Zuckerwatten-Apparatur, den Händen von Professor Knallkopf überlässt. Ob das gut geht?
Vor ein paar Jahren stolperte ich über den 1903 in der Zeitschrift "Die Schweiz" veröffentlichten Artikel "Sternenberg". Wahrscheinlich war er mir damals zu kurz um ihn zu vertonen, aber als er mir kürzlich beim Durchblättern des Jahrbuches wieder ins Auge stach, da ergab sich alles wie von selbst: der "Sternenberg"-Bericht war die perfekte "Ouvertüre" zu "Die Jakobszelle" aus dem Buch "Sieben mal sieben Jahre aus meinem Leben" des Zürcher Oberländers Jakob Stutz. Der Dichter beschrieb in diesem Kapitel die Entstehung seiner "Klause", die er 1842 in Sternenberg baute, ein einfaches Holzhäuschen, heutzutage würde man so ein Gebäude vermutlich als "Tiny House" durchwinken. Ob diese Zeitrisse-Episode, respektive das Geschichten-"Puzzle" funktioniert? Man überzeuge sich doch bitte selbst. Ganz am Ende dieser Zeitrisse-Folge geht es dann übrigens noch ins Kino, wir besuchen in Wetzikon einen "Kurzfilmabend" von Pat Pascale.























