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DienstTag - Menschen, die Staat machen
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DienstTag - Menschen, die Staat machen

Author: dbb - beamtenbund und tarifunion

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Hallo und herzlichen Willkommen zu DienstTag – Menschen, die Staat machen. Der Podcast des dbb – beamtenbund und tarifunion.
Über den öffentlichen Dienst gibt es viele Klischees. Zu langsam, zu bürokratisch, „Schreibtischtäter“. Es wird Zeit, dass jemand mit den Vorurteilen aufräumt! Der Öffentliche Dienst - Das sind Lehrkräfte, Jobcenter-Mitarbeitende, Lokführer - und Polizist:innen, Steuerfachleute, Kita-Beschäftigte und noch so viele mehr. Der dbb setzt sich für alle diese Menschen ein und ist als Dachverband für über 40 Gewerkschaften zuständig.
Was erlebt eine Streifenpolizistin mit Migrationshintergrund? Warum entscheidet man sich als Berufseinsteiger für den öffentlichen Dienst? Wie steht es um die Digitalisierung an den Schulen? Diesen und noch mehr Fragen geht unsere Moderatorin Steffi Schaller auf den Grund und sie werden alle bei „DienstTag“ beantwortet. Überall, wo es Podcasts gibt.
28 Episodes
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„Die Wachabteilung funktioniert wie eine WG – zwei Mal die Woche, 24 Stunden“ Der Dienstplan entscheidet, ob Tim Gaumann als Feuerwehrmann oder als Notfallsanitäter in den Einsatz geht. Entweder-oder, maximal einen Monat im Voraus, erzählt er in der November-Folge von DienstTag – Menschen, die Staat machen. In Nordrhein-Westfalen sind Feuerwehr und Rettungsdienst integriert. Für den 29-jährigen Siegener hieß das: Erst eine Handwerks- und Feuerwehrausbildung, inklusive Rettungssanitäter und dann zusätzlich die dreijährige Ausbildung, plus Staatsexamen zum Notfallsanitäter: „Der höchste nichtakademische medizinische Berufsabschluss.“ Im Berufsalltag, bei der Feuerwehr in Wuppertal, ist für Tim Gaumann nicht der Umgang mit zum Teil schweren Verletzungen und tragischen Unfällen, zu denen sie gerufen werden, die größte Herausforderung, sondern der jahrelange Schichtdienst: „Anderthalb bis vier Stunden Schlaf pro Nach maximal, meist nicht am Stück und der absolut ungeregelte Schlafrhythmus, das ist das größte Problem. An die Dramatik der Vorfälle gewöhnt man sich, schon aus Selbstschutz. Für mich ist das Routine, für die Betroffenen sind das Ausnahmesituationen, oft mit starken Schmerzen, Angst und Überforderung.“ Wenn Eindrücke einen vom Unfallort zurück zur Feuerwache begleiten, helfen vor allem die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Tim Gaumann: „Die Wachabteilung ist wie eine WG oder Familie. Da wird viel besprochen und – falls nötig – nachgearbeitet, zwei Mal in der Woche, 24 Stunden. Und bei wirklich schlimmen Fällen hilf die PSU – die Profis von der psycho-sozialen Unterstützung.“
„Wir sind die Staubsaugervertreter der Bundesrepublik“ „Es passieren regelmäßig Dinge, die man sich ein paar Tage vorher gar nicht vorstellen konnte“, erzählt Bianca Drogosch in der aktuellen DienstTag-Folge. Langweilig sei der Berufsalltag der Diplomatin auf jeden Fall nicht. N’Djamena, Rangun oder Ramallah, das waren die Top-Drei auf der Wunschliste von Bianca Drogosch für ihren nächsten Auslandsposten. Klingt weniger nach Cocktail-Empfang und mehr nach Herausforderung und Risiko, passt aber zu der 36-jährigen Diplomatin. „Es ist ein ganz toller Job, wenn man die Neugierde und Bereitschaft mitbringt, sich auf anderen Kulturen und Menschen einzulassen. Überspitzt formuliert sind wir ja so was wie die Staubsaugervertreter der Bundesrepublik im Ausland.“ Die kleinen Botschaften abseits der Weltmetropolen seien dabei oft die interessanteren Posten, weil die Arbeit vor Ort abwechslungsreicher und konkreter sei, erzählt Drogosch. Die Vertretung in Myanmar ist in einem schlichten 70er-Jahre Bürohaus in Rangun untergebracht. Neben den neun Diplomaten halten dabei vor allem die angestellten Einheimischen den Betrieb aufrecht: „Ohne die Locals könnten wir gar nicht arbeiten. Die sprechen die Landessprache, kennen Kultur und Gewohnheiten in Myanmar, wissen, wen man anrufen muss, wenn Ersatzteile fehlen oder Handwerker organisiert werden müssen.“ Nach Militärputsch, Bürgerkrieg und Überschwemmungen wurde Myanmar im Frühjahr auch noch von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Obwohl die Bundesrepublik mit dem Militärregime keine offiziellen Beziehungen unterhält, war die Hilfsbereitschaft trotzdem sehr hoch. „Das die aktuelle Regierung dann aber versucht hat, die Hilfe aus Drittstaaten als politisches Tool einzusetzen und Menschen, die vom Widerstand gehaltenen Gebieten leben, vorzuenthalten, war schon sehr frustrierend“, erinnert sich Drogosch. Umso wichtiger seien für die Hilfe deshalb die Netzwerkarbeit der Diplomaten, die direkten Kontakte zur Bevölkerung in Myanmar und in die Zivilgesellschaft.
„Ambulante Hilfe geht vor Kindesentzug“ „Es gibt viele Vorurteile über die Arbeit des Jugendamts“, erzählt Giannina Mohr in der aktuellen DienstTag-Folge. Die meisten sind – wie so oft – falsch. Die 28-jährige Sozialarbeiterin lebt und arbeitet im Rheinland, seit drei Jahren beim Jugendamt. „Das Kindeswohl steht im Mittelpunkt und wir versuchen immer, das mildeste Mittel einzusetzen. Ambulante Hilfe geht nach Möglichkeit immer vor Kindesentzug“, erklärt Mohr im dbb-Podcast. In akuten Kinderschutzfällen wird dann immer zu zweit gearbeitet. Das schafft Rückendeckung und Gelegenheit zu Austausch und Reflexion. Am besten ist aber natürlich, wenn die Familien schon vor einer Eskalation der Situation zum Jugendamt kommen und sich beraten lassen. Der Beratungsanteil wird dabei immer wichtiger. Die Rollenverteilung innerhalb der Familien ändert sich, externe Kinderbetreuung nimmt größeren Raum ein und Krisen wie die Covid-Epidemie haben viel Unsicherheit hinterlassen: „Jenseits der Kindesgefährdung können wir Hilfe aber immer nur anbieten. Wenn die Eltern nicht wollen, sind uns die Hände gebunden.“ Giannina Mohr wünscht sich vor allem mehr Respekt und Wertschätzung für ihren oft schwierigen Job: „Wir haben eine enorme Verantwortung und viele verstehen scheinbar nicht, was für eine wichtige hoheitliche Aufgabe wir erfüllen.“ Vom Arbeitgeber Staat wünscht sie sich vor allem eine bessere Ausstattung und Entlastung beim Thema Arbeitszeit. Mohr: „Eine bessere Work-Life-Balance, vielleicht durch eine Vier-Tage-Woche, wäre super.“
„Ich kann den Menschen ja nicht in den Kopf schauen“ Robin Kroll ist Einzelentscheider beim BAMF, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Mit seiner Entscheidung im Asylverfahren greift er drastisch in das Schicksal der Antragsteller ein. Wie geht er mit dieser Verantwortung um? „Ich entscheide nicht über absolute Wahrheiten oder Charakterfragen. Ich sammele nur die nötigen Informationen und entscheide über den Asylantrag. Das ist die Aufgabe“, erzählt der 44-jährige Sauerländer in der aktuellen Ausgabe vom dbb-Podcast „DienstTag - Menschen, die Staat machen“. Die Sachverhaltsermittlung kann dabei ein sehr komplexer Vorgang sein. Stimmen die Angaben zur Person? Wie plausibel und glaubhaft ist die Fluchtschilderung? „Die meisten Antragsteller kommen ohne Papiere zu uns und ich kann den Menschen ja nicht in den Kopf schauen“, so Kroll. Glücklicherweise klappt der Informationsaustausch mit den anderen staatlichen Dienststellen inzwischen besser. Außerdem gibt es effektive Hilfsmittel für die Entscheider, wie neue KI zur Dialekterkennung oder ständige aktualisierte Länderinformationen. Auch wenn die Fluchtgründe rein wirtschaftlicher Natur sein sollten oder die Antragssteller offensichtlich mit dem Asylverfahren nur ein paar Montage gesicherten Aufenthalt erreichen wollen, bemüht sich Robin Kroll um Verständnis: „Es darf nie das Mitgefühl verloren gehen aber Mitgefühl ist auch kein Bleibegrund. Da muss man die Balance wahren, professionell bleiben und nach Rechtslage entscheiden.“
„Kopf in den Sand stecken, hilft nicht“ Matthias Boek ist Obergerichtsvollzieher, sieht sich aber vor allem als Vollstreckungsmanager. Er sagt: „Jeder Fall ist anders. Wir versuchen, mit den Menschen zu arbeiten, nicht gegen sie.“ Oft stehe am Beginn der Überschuldung eine Lebenskrise oder Realitätsverweigerung. „Briefe bleiben ungeöffnet, Mahnungen werden ignoriert. Ich kann nur immer sagen: Kopf in den Sand stecken, hilft nicht. Haltet Eure Unterlagen in Ordnung, sucht Hilfe bei der Schuldnerberatung“, mahnt Matthias Boek. Der 53-jährige Gerichtsvollzieher aus Berlin hat in seinem Berufsleben schon viel erlebt und gesehen. Das Berufsbild habe sich dabei in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. „Der 'Kuckuckskleber' ist anachronistisch. Unser Aufgabenspektrum ist heute viel breiter. Jenseits der Mobiliarpfändung werden Finanzermittlungen, Gehalts- oder Rentenabfragen immer wichtiger“, so Boek. Und es geht auch nicht immer nur um Finanzforderungen. „Wir blicken in die Abgründe der Gesellschaft. Emotional am schwierigsten ist dabei der Umgang mit Kindern in prekären Lebensverhältnissen, zum Beispiel wenn vom Gericht Kindesentzug angeordnet wurde.“ Für den Gewerkschafter Boek ergeben sich aus dem breiten Aufgabenspektrum auch Konsequenzen für die Gerichtsvollzieher-Ausbildung. „Früher was der Job eher handwerklich-technisch. Heute nehmen Finanzstatusermittlungen und Grundrechtseingriffe immer mehr zu. Das sollte in der Ausbildung berücksichtigt werden. Wir vom Deutschen Gerichtsvollzieherbund plädieren deshalb für eine Fachhochschulausbildung. Das würde unseren Beruf aufwerten und auch bei der Nachwuchswerbung helfen.“
„Vor allem Frauen bewerben sich bei uns kaum noch“ Für Michaela Wenzel war Straßenbahnfahrerin schon immer DER Traumberuf. Darum versteht sie auch nicht, warum es inzwischen so schwer ist, Nachwuchs für den Beruf zu finden. Seit 2016 ist die 51-jährige Berlinerin auf dem Streckennetz der Hauptstadt unterwegs: Betriebshof Weißensee, Einsatzgebiet City. „Die vielen Touristen, die wir durch die Stadt fahren, aber auch die Vielfalt der Charaktere und Kulturen bei uns im Betrieb. Was man da an Menschen kennenlernt. Das ist mein absoluter Traumberuf“, erzählt Michaela Wenzel in der Januar-Ausgabe von DienstTag – Menschen, die Staat machen. Natürlich läuft auch in ihrem Berufsalltag nicht alles perfekt. „Viele Berliner Radfahrer akzeptieren scheinbar keine roten Ampeln mehr. Fußgänger sind zu oft durch Handy oder Kopfhörer abgelenkt und immer mehr Autofahrer parken einfach in zweiter Reihe. Manche Touren sind schon extrem nervig“, klagt Wenzel. Außerdem nehmen auch Beleidigungen und Übergriffe durch Fahrgäste merklich zu. Aber die schönen Erlebnisse und Begegnungen überwiegen eindeutig. Etwa der kleine Junge, der vor einigen Jahren am 2. Weihnachtstag an die Tür der Fahrerkabine klopfte, um ihr eine selbstgebastelte Kerze zu schenken: „Danke, dass Du heute arbeitest und mich zu meiner Oma fährst.“ Michaela Wenzel versteht deshalb auch nicht, wieso die Bewerberzahlen und das Niveau immer weiter zurückgehen: „Vor allem Frauen bewerben sich bei uns kaum noch. Wir haben inzwischen einen extremen Nachwuchsmangel. Das führt so weit, dass immer öfter auch Züge ganz ausfallen und der Fahrplan ins Rutschen kommt.“
„Die schlimmen Sachen kann man ja zuhause nicht erzählen“ Gerade in Extremsituationen ist die Solidarität der Kolleginnen und Kollegen auf der Feuerwache besonders wichtig, erzählt Valentino Tagliafierro bei DienstTag. Als freigestellter Personalratsvorsitzender kümmert sich Tagliafierro jetzt um die Sorgen und Wünsche seiner Kolleginnen und Kollegen bei der Feuerwehr Duisburg. Viele Jahre vorher war der 47-Jährige aber selbst im Einsatz, zuletzt in der Rettungsleitstelle. Das Tolle am Feuerwehrberuf sei die extrem breite Palette der Tätigkeiten, von der Brandbekämpfung bis zum Rettungsdienst. Man könne bei der Feuerwehr sogar als Taucher oder Kranfahrer arbeiten, erzählt Tagliafierro: „In Duisburg haben wir fünf- bis sechshundert Leute und 80 Prozent unserer Einsätze sind im inzwischen im Rettungsdienst, abseits der Brände, manchmal 230 Einsätze am Tag. Da ist alles dabei, vom Brand, über die Katze auf dem Baum, bis zum Mann im Rhein.“ Besonders belastend sind die Einsätze, bei denen man es mit verletzten oder toten Menschen zu tun bekommt, vor allem wenn es dabei um Kinder geht. „Diese ganz schlimmen Sachen kann man ja zuhause nicht erzählen. Da sind die Kolleginnen und Kollegen auf der Wache ein sehr wichtiger Rückhalt.“ Valentino Tagliefierro hat für sich den „besten Beruf der Welt“ gefunden, mit viel familienfreundlicher Flexibilität, Abwechselung und Zusammenhalt. Als Personalrat erzählt er im dbb Podcast aber natürlich auch von den Problemen bei der Feuerwehr, bei Bezahlung und Personalausstattung oder mit der rapide zunehmenden Gewaltbereitschaft einiger Kunden, zu deren Rettung man doch eigentlich ausrückt.
„Die stärkste Waffe der Polizei ist die Kommunikation“ Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Mobilität und Kommunikation: darauf kommt es bei der Bundespolizei-Ausbildung zentral an, erzählt Bianca Oehlmann in der 20. Folge von DienstTag. „90 Prozent der Polizeiarbeit sind Kommunikation. Das ist unsere stärkste Waffe“, betont die 49-jährige Polizeioberkommissarin aus Niedersachsen. Das ist wichtig für die Eskalationsvermeidung vor allem in schwierigen Einsatzkonstellationen. „Es sind einfach nicht mehr genug Kolleginnen und Kollegen auf der Straße und wenn dann zum Beispiel in Bahnhofsnähe eine Massenschlägerei losgeht, sind wir da immer öfter in Unterzahl. Das kann gefährlich werden“, so Oehlmann. Eskalationsvermeidung, Einsatz- und Situationstraining, Schießausbildung, Sport, Rechtswissenschaften, politische Bildung, Deutsch und Englisch: alles Bestandteile der 30-monatigen Ausbildung für den Mittleren Dienst bei der Bundespolizei. Genauso wie der Appell um Viertel vor sieben: „Wir nennen das ‚Antreten‘. Da wird Meldung gemacht und von dort gehen die Züge wirklich geschlossen durch den Tag. Das fördert das Teambuilding. In der Polizeiarbeit muss man sich später schließlich immer auf die Kolleginnen und Kollegen verlassen können.“ Probleme gibt es genug, auch bei der Bundespolizei: Es fehlt an Personal und Ausstattung. Außerdem sollte die Ausbildung zugunsten der Fort- und Weiterbildung auf der späteren ‚Zielstelle‘ verschlankt werden, findet Bianca Oehlmann. Trotzdem bildet sie sehr gerne Menschen aus, deren Traumberuf die Bundespolizei ist. „Man hat so viele Möglichkeiten bei uns, gerade als Frau, wenn man mobil und flexibel ist. Das ist keine Männerwelt mehr bei der Bundespolizei. Wir sind inzwischen ein ganz bunter Haufen geworden.“
„Die Leute bestellen heute sogar ihre Blumenerde per Post“ Manfred Palm erzählt bei DienstTag, wie Arbeitsbelastung, Zeitdruck und Krankenstände in der Postzustellung ständig steigen. „Für ältere Kolleginnen und Kollegen ist das kaum noch zu schaffen“, erklärte der gebürtige Pfälzer. 24 Jahre war er Postzusteller, 16 davon mit einer festen Tour. Seit kurzem arbeitet er als Gewerkschaftssekretär bei der DPVKOM in Hannover und versucht, den sich immer weiter verschlechternden Arbeitsbedingungen seiner Kolleginnen und Kollegen etwas entgegenzusetzen. Palm sagt: „Pakete bis 31,5 Kilogramm. Das ist buchstäblich der ‚schwerste Brocken‘. Die Leute bestellen inzwischen ja sogar ihre Blumenerde per Post.“ 4,15 Milliarden Pakete jährlich seien es inzwischen bundesweit. „Es mangelt am Personal, an der Zeit. Die Touren werden immer länger, die psychische Belastung und der Druck ‚von oben‘ steigen und die Krankenstände schießen in die Höhe“, kritisiert Palm. Durch die private Konkurrenz auf dem Postmarkt wird der Druck noch verstärkt: „Die arbeiten häufig mit Sub- und Sub-Sub-Unternehmen und drücken so die Preise und Arbeitsbedingungen immer weiter.“ Jetzt wolle die Post auch die Stammzusteller abschaffen, um mehr Flexibilität zu haben. Touren würden zusammengelegt, Kollegen hin und her geschoben. „Das ist der größte Fehler, den man jetzt machen kann. Wir müssen im Gegenteil Personal zusetzen und die Attraktivität erhöhen. Es gibt Kollegen, die neben ihrem Job bei der Post inzwischen Zweitjobs angenommen haben und irgendwo Pizza ausfahren müssen.“ Viel zu tun also für den leidenschaftlichen Gewerkschafter.
„Das mit den Papierstapeln wird langsam besser“ Kristina Fuhs liebt vor allem ihre Unabhängigkeit als Rechtspflegerin. „Kein Vorgesetzter redet mir in die Sachentscheidungen“, erzählt sie in der Mai-Ausgabe von DienstTag. Drei Jahre Anwärterin, duales Studium, jede Menge juristisches Spezialwissen, Staatsexamen oder Diplom – und „schon“ ist frau Rechtspflegerin am Gericht mit eigenem Zuständigkeitsbereich. „In dem uns übertragenen Rechtsgebiet entscheiden wir dann unabhängig. Da gleichen wir Richterinnen und Richtern. Nur in Straf- oder Zivilverfahren dürfen wir keine Urteile fällen. Das machen die Volljuristen“, so die 43-jährige Potsdamerin im dbb-Podcast. Die möglichen Rechtsgebiete sind dabei vielfältig: Straf- und Zwangsvollstreckungen, Pfändungen, Insolvenzen, Vereinsregister, Grundbucheintragungen oder Betreuungs- und Familiensachen. Auf letzteres hat Kristina Fuhs sich spezialisiert. Wer seine eigenen Interessen nicht selbst wahrnehmen kann, wird unter Vormundschaft (bei Minderjährigen) oder Betreuung (bei Erwachsenen) gestellt. Dabei geht es oft um schwierige persönliche Umstände, um komplizierte juristische Sachverhalte und um viele – nicht nur für Laien – schwer zu durchdringende Gesetze und Vorschriften. Fuhs: „Das resultiert meist aus dem Versuch, Sachverhalte so zu formulieren, dass die Texte auf möglichst viele Einzelfälle passen. Und dann stellt man fest, hier muss noch eine Ausnahme hin und da noch eine Klarstellung und am Ende wird alles nur immer komplizierter.“ Überhaupt: Die Akten. Ja, das Klischee über die vielen Aktenberge in der Justiz stimme noch, erzählt die Rechtspflegerin. „Aber das mit den Papierstapeln wird weniger, auch wir kommen langsam im Zeitalter der Digitalisierung an.“ Das eigentliche Problem sei heute die Nachwuchsgewinnung: „Wir stehen in zunehmender Konkurrenz zu anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes und der Privatwirtschaft. Gerade für Berufseinsteiger sind die Bedingungen bei uns dann aber oft nicht gut genug.“
„Das Hinterhältige am Hackerangriff ist ja, dass man ihn oft nicht gleich bemerkt“ „Als klassische Querschnittsaufgabe muss IT eigentlich in allen Fachressorts mitgedacht werden“, betont Frank Estler im neuen dbb Podcast. Der studierte Chemiker hat sich aus Leidenschaft und über diverse Fort- und Weiterbildungen im öffentlichen Dienst quasi „selbst digitalisiert“ – mit Erfolg. Inzwischen leitet der 47-Jährige im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft das IT-Referat, ein Team von rund 40 Kolleginnen und Kollegen, mit einem breiten Aufgabenspektrum: Wartung der Netzwerk- und Serverstruktur, von Telefonie und Konferenztechnik, das Lizenz- und Vertragswesen und natürlich die Nutzerhotline: „Wir können vielleicht nicht jedes Problem lösen, aber wir finden immer eine Alternative.“ Bei vielen Alltagsproblemen helfe oft der berühmte „Neustart“. Zur wirklich ernsten Herausforderung für die IT entwickele sich aber die Cybersicherheit, „egal ob im Bundesministerium oder bei Privatpersonen.“ Frank Estler ist klar, dass man sich dabei nie komplett schützen kann: „Das ist jeden Tag ein Wettrennen mit der blühenden Industrie der Cyberkriminellen. Das Hinterhältige am Hackerangriff ist ja, dass man ihn oft nicht gleich bemerkt.“ Und dann werde auch der Themenkomplex KI jeden Tag wichtiger: „Das Vollpotential der künstlichen Intelligenz kann sich im Moment keiner von uns auch nur vorstellen.“ Mit Blick auf die Digitalstrategie der Bundesregierung wünscht sich Frank Estler eine noch konsequentere Zentralisierung der IT bei gemeinsamen Dienstleistern. „Zusammenarbeit und Standardisierung, das ist der Schlüssel zu mehr IT-Sicherheit und Effizienz. Es gibt schon jede Menge digitale Insellösungen und Altverfahren, überall im Land. Die Integration der Daten und Systeme unter Berücksichtigung der vielfältigen Rahmenbedingungen bei Bund, Ländern und Gemeinden, das ist eine wirklich große Aufgabe.“
„Wir suchen Auswege, die ohne Fäuste funktionieren“ „Schulsozialarbeit findet oft auch zwischen Tür und Angel statt“, erzählt Simon Walker im aktuellen dbb Podcast. In der Schule sei halt nie genug Zeit. Der studierte Sozialpädagoge, Rennradfahrer und Hiphop-Fan hat ursprünglich in der Jugendhilfe angefangen und arbeitet jetzt als Schulsozialarbeiter in Bonn. Zwei Drittel seiner Zeit verbringt der 31-Jährige dabei mindestens an der Schule selbst, im Gespräch mit Schülern, Lehrkräften, Eltern und anderen Akteuren der sozialen Arbeit. „Viel wird dabei zwischen Tür und Angel erledigt“, schildert Simon Walker seinen Arbeitsalltag. „Denn in der Schule ist eigentlich nie genug Zeit.“ Schulsozialarbeit, was ist das eigentlich? „Alles Mögliche, je nach Konstellation vor Ort. Wir beraten alle, die mit Schülerinnen und Schülern zu tun haben. Wir fördern soziales Lernen, wir betreiben Gruppenfindung, Demokratieförderung. Wir werden gerufen, wenn ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung vorliegt oder einfach zur Konfliktschlichtung.“ Oft verfolgt Simon Walker dabei einen erlebnispädagogischen Ansatz: „Das sind Übungen, bei denen die Jugendlichen erstmal denken, sie spielen mit mir. Über die Reflektion kommen wir dann zur Sozialarbeit. Wichtig ist, dass Konflikte sich nicht zu sehr verfestigen. Je früher wir in die betroffene Klasse gehen, desto leichter findet sich eine Lösung.“ Gewalt gebe es an jeder Schule, schon immer. Es komme darauf an, für zugrundeliegende Konflikte Auswege zu finden, „die ohne Fäuste funktionieren.“ Mit der These, die Jugend von heute sei nun wirklich die schrecklichste, die es jemals gegeben hat, kann Simon Walker gar nichts anfangen: „Das haben Erwachsene schon immer behauptet. Jede Generation ist anders und muss eigene Herausforderungen bewältigen. Die aktuelle junge Generation hat einiges vor der Brust, musste sich durch die Covid-Pandemie kämpfen, den Umgang mit Social Media lernen und lebt in unsicheren Zeiten. Und dann ‚kickt‘ auch noch die Pubertät ein.“
„Wer über die Gleise geht, fährt bei mir nicht mit“ Kommunikation ist fast alles im „System Bahn“, findet Domenic Stamm, Lokführer aus Halle/Saale. Der Rest ist Flexibilität und Improvisation. In den Regionalbahnen der Deutschen Bahn ist immer viel los, aber in der 9-Euro-Ticket-Zeit herrschte Ausnahmezustand, erinnert sich Stamm in der Dezember-Folge von DienstTag: „Samstag-Nachmittags, Richtung Leipzig. Die standen wie die Heringe. Da verzögert sich das Ein- und Aussteigen und die Abfahrten schon mal. Allein wegen der vielen Fahrräder. Da muss man als Lokführer viel kommunizieren, um die Leute bei Laune zu halten.“ Kommunikation ist für Domenic Stamm kein Problem. Der 27-jährige „Eisenbahner im Betriebsdienst“, so die offizielle Berufsbezeichnung, fährt ohnehin mehrgleisig - Gewerkschaftlich aktiv in der GDL, Party-Veranstalter, DJ und Fußball-Schiedsrichter, alles neben dem Schichtdienst bei der Bahn. Flexibilität ist ein Schlüsselbegriff seiner Jobbeschreibung. Kein Tag ist wie der andere, ständig neue Strecken, Schichten und Aufgaben. So sehr Stamm seinen Job als Lokführer auch liebt, kritisiert er doch den Gesamtzustand der Bahn: „Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Seit der Ära des Vorstandsvorsitzenden Mehdorn wurde die Bahn kaputtgespart und jetzt müssen wir das System mühsam wieder aufbauen. Hierfür sollten auch die Arbeitsbedingungen dringend verbessert werden. Nicht nur die Bezahlung, sondern auch die Arbeitszeiten, vor allem im Schichtdienst.“ Richtig in Rage gerät Domenic Stamm auch, wenn er von der Unvernunft und Rücksichtslosigkeit mancher Bahnkunden erzählt: „Zum Glück hatte ich selber noch keinen Personenschaden, aber es ist unglaublich, wie leichtsinnig manche Leute sind. Die rennen, nur um einen Zug zu bekommen, quer über die Gleise. Und wenn dann eine Durchfahrt mit 160 km/h käme… unverantwortlich! Wer über die Gleise geht, fährt bei mir jedenfalls nicht mit.“
„Kein Tag ist wie der andere“ Auch wegen der Abwechslung im Arbeitsalltag wollte Tanja Eißmann Lehrerin werden. Im neuen dbb Podcast erzählt sie, wie ihr Wunsch wahr wurde - und ganz schön Kraft kostet. „Bei uns an der Schule ist kein Tag wie der andere: Verschiedene Fächer und Altersklassen und immer neue Herausforderungen. Spontanität hilft da manchmal mehr als ein lange vorbereitetes Unterrichtskonzept“, erzählt die 26-jährige Lehrerin aus Leipzig in Folge 14 von „DienstTag – Menschen, die Staat machen“. Seit gut drei Monaten ist Tanja Eißmann jetzt im Regelschuldienst und hat ihre erste eigene Klasse bekommen, eine fünfte. Vor allem die 18 Monate Referendariat hätten sie ziemlich gut auf den Schulalltag vorbereitet. „Das Fachstudium war eher theoretisch, aber im Referendariat konnte ich meine eigenen Erfahrungen aus der Schule wissenschaftlich auswerten. Das hat mir sehr viel gebracht.“ Vielleicht sollte das ganze Lehramtsstudium dualer aufgebaut werden, findet Eißmann. Die junge Sächsin mit russischen Wurzeln bezeichnet sich selbst als Perfektionistin und sitzt oft bis spät abends an der Unterrichtsauswertung und -vorbereitung. „Wie viele Stunden das am Ende in der Woche sind, würde ich auch gerne wissen. Auf jeden Fall mehr als vierzig“, erzählt sie Moderatorin Steffi Schaller bei „DienstTag“. Tanja Eißmann sieht die Gefahr der Selbstausbeutung: „Man muss halt auch auf sich selbst aufpassen, dass man nicht in Arbeit versinkt.“
„Man kann nicht hinter jede Pizza einen Kontrolleur stellen“ Maik Maschke brennt für seinen Beruf als Lebensmittelkontrolleur. An erster Stelle steht für ihn dabei Beratung und Kooperation, nicht Überwachung und Kontrolle. „Was ich im Vorfeld durch Gespräche und Schulungen erreichen kann, verbessert die Lebensmittelsicherheit nachhaltiger als alle Kontrollen", erzählt der 41-jährige Erzgebirgler in Folge 13 von "DienstTag - Menschen, die Staat machen". Damit ist er dann auch schon beim Hauptproblem der Lebensmittelkontrolle in Deutschland: Inzwischen fehlen landesweit über 1.500 Kolleginnen und Kollegen. Das senkt den Kontrolldruck und die Qualität der Arbeit vor Ort. "Früher war eine Gaststätte in Sachsen viermal dran, jetzt dürfen wir da nur noch zweimal im Jahr routinemäßig hingehen“, bedauert Maschke. " Da ist einfach die Frequenz dem Personalschlüssel angepasst worden und nicht umgekehrt." Lebensmittelkontrolleurinnen und -kontrolleure überprüfen übrigens nicht nur gastronomische Betriebe. Tabakwaren, Tattoofarben oder bestimmte Spielwaren fallen genauso in ihr Aufgabengebiet. Maik Maschke liebt die Vielfältigkeit seines Jobs, das Teamwork etwa mit Lebensmittelchemikern oder Amtsveterinären und das selbstständige Arbeiten im Kontrollgebiet. Sorgen macht er sich vor allem um die Zukunft der Branche: "Natürlich kann man nicht hinter jede Pizza einen Kontrolleur stellen. Die Personalnot wird aber inzwischen zum Hauptproblem. Früher hatten wir 30 bis 40 Bewerbungen pro Stelle. Bei uns im Erzgebirgskreis sind aktuell mehrere Stellen frei. Wir suchen dringend Leute. Alle Qualifizierten sind hiermit ausdrücklich zur Bewerbung eingeladen!"
„Vom Eierdieb bis zum Mörder ist alles dabei“ Ute Dörfler betreut als Bewährungshelferin bis zu 80 sogenannte „Probanden“ gleichzeitig, höchstens 60 fordert ihr Berufsverband, eine Obergrenze von 40 wäre ideal. „Da kann man keine Wunder vollbringen“, erzählt die 52-jährige Bewährungshelferin aus Weimar. Man bräuchte vor allem mehr Zeit für Flexibilität und Einzelbetreuung. Trotz der Überlastung leisten die Kolleginnen und Kollegen der Justizsozialarbeit viel: Die Rückfallquote liegt stabil bei nur 30 Prozent, mehr als zwei Drittel schaffen also den Neustart in ein „normales“ Leben. Viele „Probanden“ kommen dabei aus prekären sozialen Verhältnissen. Das falsche soziale Umfeld ist oft ein Hauptproblem bei der Resozialisierung. Dörfler: „Aber wo findet man andere, ‚saubere‘ Freunde und wie entkommt man neuen – oder alten – sozialen Anhängigkeiten?“ Neben der Kontrolle der Einhaltung der Bewährungsauflagen ist deshalb die Netzwerkarbeit, die Hilfe bei der Suche nach einer passenden Selbsthilfegruppe, nach einem neuen Job oder einer Wohnung von zentraler Bedeutung für den erfolgreichen Wiedereinstieg in die Gesellschaft. Die Klientel, mit der Ute Dörfler zu tun hat, ist überwiegend männlich und aus allen Altersgruppen. Die Betreuung dauert meist zwei bis drei, in Einzelfällen aber auch mal fünf Jahre. „Vom Eierdieb bis zum Mörder ist alles dabei. Es ist wichtig, emphatisch zu sein und sich auch als Mensch einzubringen“, erklärt Dörfler. „Man darf aber nicht mit jeder traurigen Geschichte mitleiden. Das hat in unserem Beruf nichts mit Abstumpfung zu tun, sondern mit Selbstschutz.“
„Durch den Klimaschutz ändert sich mein Selbstbild als Försterin“ Trockenheit, Borkenkäfer, Personalmangel – die Försterei steht vor großen Problemen. Trotzdem ist es der schönste Beruf der Welt, findet Anne-Sophie Knop. Die studierte Forstwissenschaftlerin aus Ostwestfalen hat mit 30 Jahren schon einige Stationen in der Forstwirtschaft kennengelernt. Sie war Revierleiterin, hat als Referentin für Waldgestaltung im Umweltministerium Rheinland-Pfalz gearbeitet, beim Forstwirtschaftsrat und ist heute als Bildungsreferentin in einer Waldzukunftswerkstatt tätig. Der Beruf der Försterin kann also äußerst vielseitig sein. Außerdem braucht man viel Geduld, denn „bei uns alles sehr langfristig und präventiv angelegt“, erzählt Anne-Sophie Knop in der neuen Folge des dbb Podcasts „DienstTag“. „Eine gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Bedeutung hatte die Försterei schon immer. Jetzt kommt mit dem Klimaschutz aber eine ganz neue Dimension hinzu. Das ändert natürlich die Identität meines Berufs und mein Selbstbild als Försterin“, so Knop. Auch Corona habe dann nochmal viel verändert. Der Wald sei während der Pandemie für viele Menschen ein besonders wichtiger Ort geworden: „Man konnte ja sonst nirgends hin!“ Schade sei, dass man sich um die Reviere nicht mehr so gründlich kümmern könne. „Durch den Personalabbau werden die einzelnen Reviere immer größer. Das geht zu Lasten der nachhaltigen Waldpflege.“ Ihre Hoffnungen setzt Anne-Sophie-Knop auf die Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger: „Viele klimabewegte junge Leute streben in den Beruf. Die Studiengänge sind ausgebucht. Gut so.“
„Die Baby-Boomer gehen und wir werden jedes Jahr weniger“ Ohne effiziente Steuerverwaltung funktioniert der Staat nicht, weiß Diplom-Finanzwirt Thorsten Bulthaup: „Es muss halt auch Geld in die Kasse kommen.“ Im dbb Podcast DienstTag berichtet der 48-jährige Betriebsprüfer aus Herford in Westfalen von seinem Berufsalltag: Davon, dass viele Betriebsprüfer bis zu 90 Prozent ihrer Arbeitszeit im Unternehmen verbringen; dass er dort zwar ein Getränk, niemals aber eine Essenseinladung annehmen würde; wie komplex der Prüfauftrag vor allem bei Großbetrieben werden kann und wie eng sich manchmal die Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaften und anderen Ermittlungsbehörden gestaltet. Außerdem spricht er über die aktuelle Aufgabenvermehrung in der Landesfinanzverwaltung – Stichwort: Grundsteuererklärung – und den wachsenden Personalmangel. „Wir werden jedes Jahr weniger. Aktuell haben wir in NRW 1.500 Vollzeitstellen nicht besetzt und jetzt gehen auch noch die Baby-Boomer“, erzählt Thorsten Bulthaup. Die technische Ausstattung der Betriebsprüfer – inklusive Dienstlaptops und verschlüsselte Leitungen - sei immerhin auf der Höhe der Zeit, findet Bulthaup. Homeoffice während der Covid-Lockdowns sei trotzdem auch für die Betriebsprüfer eine Herausforderung gewesen. „Die Kinder waren ja auch Zuhause und wir hatten schlicht zu wenig Platz und Schreibtische für alle. Mein Homeoffice hab ich dann irgendwann in unseren Wohnwagen auf der Einfahrt vor dem Haus verlagert.“
„Der Bürger sieht oft gar nicht, was wir alles machen“ Kaum eine Behörde hat so vielfältige Aufgaben wie der Zoll. Gerade das macht seine Arbeit dort interessant, findet Nico Hellmuth, 30-jähriger Zollhauptsekretär aus Fulda. Gleichzeitig wird die Aufgabenhäufung beim Zoll aber immer mehr auch zum Problem, erzählt er in Folge 9 von „DienstTag – Menschen, die Staat machen“. Neben der klassischen Einfuhrkontrolle hat die Politik immer neue Betätigungsfelder für den Zoll ausgemacht. „KfZ-Steuererhebung, Finanzkontrolle Schwarzarbeit: Der Bürger sieht oft gar nicht, was wir alles machen, welche Aufgaben der Zoll inzwischen alles übernommen hat und je mehr Aufgaben, desto mehr Personalbedarf, vor allem an Fachkräften. Das alles bei ständig wachsendem Nachwuchsmangel“, schildert Nico Hellmuth die Lage. Er selbst arbeitet seit einem Jahr in der Vollstreckung, quasi als Geldeintreiber für den Staat. Vorher war er zehn Jahre am Frankfurter Flughafen eingesetzt und hat in der Zeit viele spannende Geschichten erlebt. Zum Glück entwickelt jeder Zöllner, jede Zöllnerin mit den Jahren einen ziemlich guten Instinkt, bei welchem Fluggast sich ‚genaueres Hinsehen‘ lohnen könnte. „Denn das Hauptproblem der Schmuggler ist der Faktor Mensch. Wenn da jemand steht und schwitzt oder wenn einer mit seinem Koffer das dritte Mal durch die Ankunftshalle kreist, ohne sich bei uns durchzutrauen, ist das schon ein Anhaltspunkt“, so Nico Hellmuth. „Guten Tag, ist das Ihr Koffer? Machen Sie den bitte mal auf.“
„Die werden hier nicht verhätschelt, sondern resozialisiert“ Die Bewerberlage ist schlecht: „Wer will schon im Justizvollzug arbeiten?“ Silke Jonas zum Beispiel, seit 23 Jahren, aus voller Überzeugung. Die 48-jährige Berlinerin arbeitet heute in der Untersuchungshaftanstalt Moabit. U-Haft ist nochmal ein Sonderfall, erzählt sie in Folge 8 des dbb Podcast DienstTag. „Die Häftlinge könnten ja unschuldig sein. Darum wird ihre Freiheit erstmal so wenig wie möglich eingeschränkt.“ Aber auch hier gilt wie im Regelvollzug: In der Haft wird den Insassen die Selbstbestimmung genommen. „Das ist aber der Kern der Freiheit“, so Silke Jonas. Die meisten Konflikte, Probleme und Herausforderungen im Umgang mit den Häftlingen ergeben sich aus diesem zentralen Stressfaktor. Der Umgang mit ihren „Kunden“ sei deshalb nicht immer ungefährlich, erzählt die Justizvollzugsbeamtin. „Aber in der JVA weiß ich zumindest, mit wem ich es zu tun habe. Draußen gibt es auch gefährliche Leute. Nur sieht man es denen halt nicht an.“ Gelegentliche Kritik an angeblich zu laschen Haftbedingungen lässt Silke Jonas nicht gelten. Sport- oder Medienangebote dienten vor allem dazu, eine Anbindung an die „Welt draußen“ sicherzustellen und Sozialverhalten zu erlernen und zu üben: „Die Häftlinge werden bei uns nicht verhätschelt, sondern resozialisiert.“ Wirklich Sorgen macht den Kolleginnen und Kollegen in den Justizvollzugsanstalten dagegen der immer akutere Personalmangel. Silke Jonas: „Die Bewerberlage ist sehr schlecht geworden. Wir tauchen bei Überlegungen zur Berufswahl einfach nicht mehr auf. Wer will schon im Justizvollzug arbeiten?“
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