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Kontrafunk: Audimax
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Kontrafunk: Audimax

Author: Kontrafunk

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Während sich der akademische Diskurs verengt, findet sich hier ein Forum des freien Geistes. Renommierte Kultur- und Sozialwissenschaftler halten Vorträge mit universitärem Anspruch – exklusiv im Kontrafunk. Für alle, die noch konzentriertes Zuhören pflegen.
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In seiner Vorlesung behandelt Michael Esfeld die Frage, wie Staaten offensichtliches, schweres Unrecht in anderen Staaten behandeln sollen. Sollen sie, wenn sie die Machtmittel dafür zur Verfügung haben, gegen das Unrecht vorgehen? Dies scheint moralisch geboten, doch ist der Weg mit dem republikanischen Rechtsstaat nicht vereinbar, denn er höhlt die Grundlage des Rechtsstaats aus und fügt den eigenen Bürgern Schaden zu. Auch wenn humanitäre Prinzipien in einem fremden Land schwer verletzt werden, ist es deshalb falsch, militärische Mittel zur Behebung des Unrechts einzusetzen. Das Beispiel von Sokrates zeigt einen Ausweg aus diesem Dilemma: Er führt vor, wie man sich selbst weigern kann, Unrecht zu tun, ohne dabei mit Gewalt gegen andere vorzugehen.
Der österreichische Journalist Karl-Peter Schwarz hatte das Privileg, den 2019 verstorbenen großen liberalen Philosophen und Ökonomen Anthony de Jasay noch persönlich kennenlernen zu dürfen. In seinem Beitrag würdigt er den gebürtigen Ungarn, der heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. De Jasay gehörte keiner intellektuellen Schule an. Er war ein origineller Denker, der radikalste unter den radikalen Individualisten, ein großer Einzelgänger unter den politischen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Mit seiner originellen Analyse der wahren Natur des Staates gelang es ihm, einen völlig neuen Blick auf dessen Funktionsweise zu werfen. Nach seiner Theorie ist der Staat kein Instrument in den Händen von Klassen oder Parteien, sondern ein autonomer Akteur mit einem eigenen Willen und eigenen Zielen, nämlich der Machtmaximierung und Selbsterhaltung.
Die Nibelungensage ist bis heute Bestandteil deutscher Identitäts- und Erinnerungskultur. Der Ausgangspunkt des Vortrages ist die Beobachtung, dass das Nibelungenlied bis in die Gegenwart politische Deutungskonflikte auslöst. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie und unter welchen historischen Bedingungen ein literarischer Untergangsmythos im 19. Jahrhundert zum deutschen Nationalepos werden konnte. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Transformation des Nibelungenliedes von dessen historischem Kern über die mittelalterliche Erzählung bis hin zu seiner nationalen und ideologischen Vereinnahmung im Kaiserreich und im Nationalsozialismus. Dabei werden Konzepte wie die der Kulturnation oder der Herkunft der Deutschen aus dem Germanentum im Verlauf der deutschen Geschichte ab dem späten 18. Jahrhundert betrachtet. Abschließend wird danach gefragt, inwiefern der Untergang der Nibelungen als Deutungsmuster über 1945 hinaus fortwirkt und in veränderter Form das politische und moralische Selbstverständnis im Deutschland der Gegenwart prägt.
Die Zivilgesellschaft ist ein Schlüsselbegriff des zeitgenössischen Demokratieverständnisses. Ihre Wurzeln reichen in die Zeit um 1800 zurück, als sich die bürgerliche Gesellschaft vom Obrigkeitsstaat emanzipierte und ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nahm. Diese alte Zivilgesellschaft gibt es nicht mehr. Sie wurde aufgesogen von einem immer globaler werdenden Netzwerk von NGOs, Regierungen, Behörden, Stiftungen, staatsnahen Medien. Die bürgerliche Gesellschaft muss neue Formen zur Gestaltung ihrer Lebenswelt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen hervorbringen.
Horst-Joachim Lüdecke, emeritierter Professor für Informatik und Physik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, befasst sich schon seit langem mit der Auswertung von Klimadaten. In seiner Vorlesung mit dem Titel „Klima und CO₂ – warum Dekarbonisierung keine gute Idee ist“ beschreibt er viele mächtige physikalische Prozesse, von denen CO₂ nur eine – wahrscheinlich eher geringfügige – unter vielen ist, die unser Klima bestimmen. Klima ist gerade wegen der Interaktion so vieler Einflüsse nur auf kurze Sicht modellierbar, was die langfristigen Klimamodelle, auf die sich Politiker berufen, eher fragwürdig erscheinen lassen. Unter diesen Umständen ist es wenig sinnvoll, eine hochentwickelte Volkswirtschaft mit enormen Kosten und um den Preis der Deindustrialisierung zu dekarbonisieren. Denn es gibt keine Beweise für eine bevorstehende katastrophale Erwärmung des Klimas durch die industrielle Tätigkeit der Menschen.
In seiner Vorlesung behandelt Michael Esfeld ein von Hobbes aufgezeigtes Dilemma, dessen zwei Seiten oft mit den zwei Hörnern eines wilden Stiers verglichen werden. Entweder herrscht in der Gesellschaft der Naturzustand mit unkontrollierter Gewaltanwendung, oder es wird mit dem sogenannten Gesellschaftsvertrag eine Staatsgewalt mit uneingeschränkter Befugnis zur Setzung und Durchsetzung von Recht errichtet. Dann allerdings bleibt die Freiheit auf der Strecke. Der Vortrag zeigt dagegen Wege auf, wie sowohl der gesellschaftliche Frieden als auch die Freiheit der Bürger gesichert werden können.
Die meisten Nationen pflegen Großerzählungen aus ihrer Geschichte, die sie zu sozialen Einheiten formen und den Zusammenhalt stärken sollen. Solch eine Erzählung ist für Frankreich die Revolution von 1789, für Russland der Große Vaterländische Krieg gegen Deutschland. Die deutsche Kollektivlegende der Gegenwart unterscheidet sich markant von diesen Erzählungen. Sie beinhaltet das Bekenntnis zur „singulären“ deutschen Schuld an zwei Weltkriegen und die Verpflichtung zum „Antifaschismus“, um so die Vergangenheit zu „bewältigen“. Die staatlich gepflegte Erinnerungskultur war berufen, diese Großerzählung zu festigen. Dabei spielte der sogenannte Historikerstreit 1986/1987 eine entscheidende Rolle, im Laufe dessen jeder mögliche Widerspruch medial vernichtet wurde. Wie aber verträgt sich mit dem aggressiven Antifaschismus die kriegerische Verteidigung der Ukraine, eines Nachfolgers der Alliierten des Nazi-Regimes?
Politik und Humor stehen in einem spannungsreichen Verhältnis zueinander. In jüngerer Zeit sind die Grenzen fließend geworden: Politiker sollen humorvoll sein, und Fernsehclowns wollen Politik machen. Das Verlachen, der Witz, die Satire, das Kabarett, die Komödie wurden seit je zur Kritik an politischen und gesellschaftlichen Zuständen genutzt, auch in den Diktaturen des Dritten Reichs und der DDR. Aber durchschlagend war ihre Wirkung nie. Überhaupt ist das Lachen der Politik nie wirklich heimisch geworden. Es hat seinen eigentlichen Ort in der Gesellschaft, in der Lachkultur der Unterschicht und im Humor der Literaten. (Wiederholung vom 21. September 2025)
Im gesamten Westen, insbesondere aber in Deutschland und Europa tobt ein geistiger Bürgerkrieg, ein Kulturkampf. Auf der symbolischen Ebene prallt dabei der natürliche Regenbogen als Sinnbild für das Wahre, Schöne und Gute auf die Familie der Regenbogen- und Pride-Flaggen als ideologische Erkennungszeichen. An ihrer Symbolik entzünden sich die Gemüter. Sie ist damit ein im wahren Sinne des Wortes epochales Zeichen für die frühen 2020er-Jahre. Doch wie konnte es so weit kommen? Wie konnte aus einem jahrtausendealten Symbol für Hoffnung und himmlischen Frieden ein Emblem des Untergangs werden? Diesen Fragen geht der Vortrag „Banner des Nihilismus – die Regenbogenfahne im Wandel der Zeit“ nach. (Wiederholung vom 14. September 2025)
Das Thema der deutschen Kultur gehört zu den brennenden Fragen der Gegenwart und bildete eine, wenn nicht sogar die zentrale Fragestellung des Werkes von Thomas Mann. Der vor 150 Jahren geborene Schriftsteller erlebte in seinen frühen Jahren den Einbruch der Moderne in Kunst und Gesellschaft und suchte nach Antworten, wie eine genuine deutsche Kultur unter diesen Bedingungen gestaltet werden könnte. Zunächst Anhänger Nietzsches und ihm folgend Fürsprecher einer „Rebarbarisierung“, wandelten sich seine Ansichten im Angesicht des heraufziehenden Nationalsozialismus. Die Versöhnung der scheinbaren Gegensätze von Zivilisation und Kultur wurde zu seinem wichtigen Anliegen. Philipp Gut zeichnet in seinem Essay diese Entwicklung nach und hebt hervor, warum Thomas Manns Ideen von der deutschen Kultur heute noch als Vorbild dienen sollten. (Wiederholung vom 8. Juni 2025)
Wenn heute wahrscheinlich die Mehrheit der Menschen in Deutschland nichts mehr über den biblischen Hintergrund des Weihnachtsfestes weiß, ist das in geistiger – und keineswegs nur theologischer – Hinsicht eine Tragödie. Denn bei der Menschwerdung Gottes geht es nicht um irgendeine Nebensache, sondern um Fundament, Herz und Zentrum des Christentums und letztlich auch unserer abendländischen Kultur. Ohne die Menschwerdung Gottes wird alles andere in der christlichen Religion hinfällig. Ebenso ergibt dann die Idee der Gottebenbildlichkeit des Menschen keinen Sinn mehr – womit letztlich auch die gedankliche Grundlage für die allgemeine Menschenwürde und all das entfällt, was wir an Europa so schätzen und immer noch erhalten wollen.
Der moderne Konservatismus ist ein illegitimes Kind der Französischen Revolution. Im Laufe der Jahrhunderte hat er sich in den westlichen Gesellschaften im Wechselspiel von traditionalistischen Lebensformen, politischer Programmatik und intellektueller Reflexion entfaltet und gewandelt. Manche seiner Leitideen sind im Dunkel der Geschichte verschwunden und manche Radikalisierungen wurden an den Rand gedrängt. Aber oft und besonders in jüngerer Zeit sind dem Konservatismus paradoxe Modernisierungen gelungen, die ihn auch für die bürgerliche Lebenswelt des 21. Jahrhundert attraktiv haben bleiben lassen.
Wie die Wirkung der Inflation weit über steigende Preise hinausgeht, zeigt Professor Karl-Friedrich Israel in seinem Beitrag auf: Sie verzerrt Anreize, fördert spekulative Blasen, unterminiert soziale Mobilität und schafft kulturellen Verdruss. Anhand historischer Beispiele und moderner Entwicklungen wird sichtbar, wie Geldschöpfung aus dem Nichts Gesellschaften verändert – ökonomisch, sozial und moralisch. Schon Johann Wolfgang von Goethe griff das Thema auf und wies in seiner „Faust“-Tragödie auf den Kern des Problems hin: Das Inflationsproblem beginnt immer dort, wo man die Knappheit realer Mittel mit einer Knappheit an Geld verwechselt. Weiteres zum Thema vom Autor:https://austrian-institute.org/wp-content/uploads/2024/06/Israel-Soziale-und-kulturelle-Folgen-der-Inflation-Ai-Paper-Nr.-47-2024.pdf https://verlag.koenigshausen-neumann.de/product/9783826079054-goethes-faust-und-die-geldschoepfung-aus-dem-nichts/
Dass Deutsch eine „Männersprache“ ist, war den hundert Millionen deutschen Muttersprachlern bis 1980 nicht bewusst. Damals entdeckte die neue Frauenbewegung die enorme Symbolkraft, welche in der grammatischen Kategorie Genus der deutschen Sprache steckte: Warum treten in ihr Männer im Maskulinum auf (Jeder Mann kennt das), Frauen im Femininum (Jede Frau kennt das), aber Männer und Frauen ebenfalls im Maskulinum (Jeder kennt das)? Die Linguistik bezeichnet die geschlechtsübergreifende Funktion der Maskulinform als „generisches“ (allgemeines) Maskulinum. Dieses generische Maskulinum, das die Frauen sprachlich „unsichtbar“ mache und deshalb diskriminiere, wurde zum Hauptmerkmal der Männersprache Deutsch erklärt und zum Feind einer geschlechtergerechten Sprache.
Das Thema wird aus drei Perspektiven in den Blick genommen. Zunächst geht es existenziell-anthropologisch um die Merkmale, die kulturgeschichtlich in den Bildern des menschlichen Alterns immer wieder auftauchen. Wie lassen sich deren typische Grundmuster bestimmen? Dann folgt eine soziologisch-demografische Analyse unserer Gegenwartsgesellschaft. Wie lässt sich deren deutsches Bevölkerungssegment im Hinblick auf „Alterung“ bestimmen? Welche Kennzeichen sind für ein sozialpsychologisches Habitusprofil dieser alternden Gesellschaft charakteristisch? Drittens wird die Konfrontation dieser alternden Gesellschaft mit der „jungen“ Gesellschaft der Immigranten analysiert. Wie lässt er sich begrifflich präzisieren?
Das vorherrschende gesellschaftliche System in Deutschland und im Westen generell kann als postmoderner Totalitarismus verstanden werden. In seinem Essay untersucht Michael Esfeld, Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Lausanne, die Entstehungsgeschichte dieses Totalitarismus. In diesem benutzt die Staatsgewalt angebliche wissenschaftliche Lehrmeinungen wie zur „Corona-Pandemie“ und zur „Klimakatastrophe“, um das soziale und private Leben zu steuern, und setzt diese mithilfe der Medien und mit Zwang durch. Das System bedient sich eines kollektivistischen, moralischen Narrativs. Der Autor geht der Frage nach, wie es nach einer Periode der scheinbar vorherrschenden offenen Gesellschaften bis Ende der neunziger Jahre entstehen konnte.
Seitdem die Energiewende zu einer der wichtigsten Zielsetzungen deutscher Politik erklärt wurde, sprechen alle von Energie und Strom – aber wissen sie auch, was das ist? Es wird Zeit für Aufklärung. Was ist das physikalische Phänomen, das wir umgangssprachlich als Strom bezeichnen? Wie wird er erzeugt? Welche Besonderheiten der Strom-Erzeugung und -nutzung in Deutschland gibt es? Im Vortrag wird jene Kernfrage unserer Stromversorgung untersucht, die allen technisch besser informierten Zeitgenossen den Schlaf raubt: Wie weit können die bisherigen, mit Kohle und Gas betriebenen Grundlastkraftwerke durch die neuen Methoden ersetzt werden? Und schließlich wird die Frage erörtert, ob das komplette Umkrempeln unserer ehemals bestens funktionierenden Stromwirtschaft, das rücksichtslos gegen die überlebenswichtige energieintensive Industrie durchgezogen wird, überhaupt noch vernünftig ist und das Prinzip der Verhältnismäßigkeit einhält.
Als Friedrich Nietzsche im August 1900 nach elf Jahren geistiger Umnachtung starb, war er kein Unbekannter mehr im europäischen Geistesleben. Der Pfarrersohn, Basler Altphilologie-Professor und ruhelose Freigeist hat der Moderne den Weg bereitet. Seine Wirkungsgeschichte im 20. Jahrhundert ist voller dramatischer Wendungen: Sie umfasst die Nietzsche-Euphorie im Fin de Siècle, die gezielte Inszenierung einer Nietzsche-Legende durch die Schwester, seine Rezeption im „Dritten Reich“ und in der DDR, und schließlich wurde Nietzsche zum Geburtshelfer der postmodernen Philosophie.
Der Rechtsstaat ist eine Idee, die während der Aufklärung entstanden ist, mit dem Ziel, der staatlichen Macht Grenzen zu setzen. Seine wichtigsten Institutionen sind Gesetze, Gerichte und Verfahrensregeln. Heute ist die merkwürdige Lage entstanden, dass Gesetze den Rechtsstaat bedrohen und zu Fehlentwicklungen führen, mit denen das Eigentliche des Rechtsstaats völlig verdeckt wird. Er ist auch heute noch, mehrere Jahrhunderte nach der Geburt der Idee, in der Entstehung begriffen. Am Ende gab und gibt es den Rechtsstaat noch gar nicht so, wie er eigentlich oder richtig sein sollte.
Der Albtraum ist kein pathologisches Phänomen, sondern ein den meisten Menschen wohlvertrautes furchterregendes Nachtgeschehen. Trotz ihrer unterschiedlichen Formen haben alle Albträume zwei Grundmerkmale: Todesangst und das ihr folgende Erwachen. Es gibt „falsche“ Verwandte des Albtraums wie den „pavor nocturnus“ oder das Schlafwandeln, aber enge Beziehungen zu „normalen“ Angstträumen und insbesondere zu Traumaträumen. Die genauere kategoriale Bestimmung des Albtraums ist ohne Reflexion des größeren Kontextes von Schlaf und des menschlichen Traumgeschehens nicht möglich. Welchen Schlafphasen gehören Albträume an, welche phänomenalen Eigentümlichkeiten hat das Traumgeschehen? Mit dem Instrumentarium der freudschen Traumdeutung lässt sich der Albtraum nicht erfassen. Wodurch gelingt am ehesten der Zugang zu diesem rätselhaften Phänomen, und vor allem: Welches sind seine anthropologischen Grundmerkmale und Funktionen?
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