Discover
Kontrafunk: Audimax
Kontrafunk: Audimax
Author: Kontrafunk
Subscribed: 127Played: 4,572Subscribe
Share
© Copyright Kontrafunk
Description
Während sich der akademische Diskurs verengt, findet sich hier ein Forum des freien Geistes. Renommierte Kultur- und Sozialwissenschaftler halten Vorträge mit universitärem Anspruch – exklusiv im Kontrafunk. Für alle, die noch konzentriertes Zuhören pflegen.
192 Episodes
Reverse
Demokratie unterscheidet sich von anderen Staatsformen durch den Prozess der Legitimation der Träger von Herrschaft und durch die Grenzen, die der Ausübung von Herrschaft gesetzt sind. Demokratie beruht darauf, dass jeder Mensch als Person mit unveräußerlichen Rechten anerkannt wird. Aber gerade dadurch, dass die Demokratie im Wesentlichen im friedlichen Wechsel der Herrschenden besteht, setzt sie eine Entwicklung zum Wohlfahrts- und Kriegsstaat in Gang: Die Herrschenden versuchen, ihre Wiederwahl abzusichern, indem sie möglichst viele der Beherrschten von sich abhängig machen. Soll diese Entwicklung aufgehalten und die Demokratie erhalten bleiben, braucht es mündige Bürger, die erzwingen können, dass Politiker – ebenso wie sie selbst – die Verantwortung für die Folgen ihrer Entscheidungen tragen.
Was im deutschen Sprachraum gemeinhin als katholische Kirche gilt, ist in einem erbärmlichen, in mancherlei Hinsicht sogar skandalösen Zustand. In seinem Vortrag bittet der Theologe David Berger die Hörer trotz alledem, diese schmerzlichen Erfahrungen beiseitezulegen und zu fragen, was die Kirche von ihrer Grundidee her ist, was ihr Wesen ausmacht. Die Kirche sollte nicht aufgrund ihres gegenwärtigen institutionellen Zustands, sondern nach ihrem spirituellen Kern beurteilt werden, nach der Definition, wie sie im Neuen Testament steht: als „mystischer Leib Christi“. Der Apostel Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Leib, dessen Glieder die Gläubigen, dessen Haupt Christus ist. In diesem Sinne sprach Joseph Ratzinger davon, dass wir keine „menschlichere Kirche“ brauchten, „sondern eine göttlichere“.
Wir leben in der Zeit wie der Fisch im Wasser, die Zeit trägt uns mit sich fort, ob wir wollen oder nicht. Was ist sie aber, ist sie überhaupt real? Man könnte denken, sie sei etwas, das Menschen erfunden haben, um die Dinge zu ordnen. Doch das ist nicht so. Denn die Zeit ist von Anfang an untrennbar mit dem Universum verbunden. Physiker sprechen vom vierdimensionalen Raum, vom Raum-Zeit-Kontinuum. Gesetze der Physik geben der Zeit eine Richtung und bestimmen auch, wie schnell sie vergeht. Ist also die Zukunft vorbestimmt? Was ist ewig im Universum, und wird die Zeit zusammen mit ihm enden? Die Physik kann heute viele der Fragen über die Zeit beantworten, aber bei weitem nicht alle.
Wer politisch aktiv sein will, muss vor allem eines tun: reden. Die Wirkung politischen Redens reicht von den „großen Reden“, welche den Gang der Weltgeschichte beeinflussten, bis zu solchen Reden, die – wie man zu sagen pflegt – „nichts als Worte“ sind. Die Vorlesung behandelt zunächst die „Macht der Sprache“ im politischen Wettbewerb und dann, im zweiten Teil, die „Sprache der Macht“, also die sprachliche Herrschaft, die ein bestimmtes politisches System ausübt und als verbindliche Sprachregelung („Sprachregime“) durchsetzt. Abschließend wird anhand von zwei Redebeispielen, dem Flüchtlings- und dem Deutschen-Diskurs, aktuell gezeigt, dass auch in Deutschland für gewisse Themen heute ein politisches Sprachregime besteht.
Der „demografische Wandel“ ist eine Parole von großer politischer Durchschlagkraft; zuletzt diente sie der Rechtfertigung der Migrationspolitik. Der Begriff bezeichnet Änderungen in der Bevölkerungsstruktur mit ihren Folgen für die sozialen, ökonomischen, politischen und auch kulturellen Lebensformen einer Gesellschaft. Seit dem 17. Jahrhundert versucht man, diese Prozesse statistisch zu erfassen und zu beeinflussen. Immer geht es dabei um Ausübung von Macht, und oft genug haben sich Bevölkerungsstatistiker in den Dienst dieser Macht gestellt.
Im Vortrag werden zunächst die zentralen Dimensionen des kaum reparabel erscheinenden politisch-gesellschaftlichen Krisensyndroms bestimmt, das sich in „westlichen“ Ländern entfaltet hat. Dessen wichtigste Folge ist ein rasanter Legitimitätsverlust des politischen Systems in der Bevölkerung. Was meint die Kategorie des Legitimitätsverlustes grundsätzlich, und welches sind ihre dominanten gegenwärtigen Einzelaspekte? Es gibt ernstzunehmende Gesellschaftsbeobachter, die bürgerkriegsähnliche Gewalt im Gefolge dieses Legitimitätsverlustes prognostizieren. Wie werden solche Prognosen begründet?
In seiner Vorlesung behandelt Michael Esfeld die Frage, wie Staaten offensichtliches, schweres Unrecht in anderen Staaten behandeln sollen. Sollen sie, wenn sie die Machtmittel dafür zur Verfügung haben, gegen das Unrecht vorgehen? Dies scheint moralisch geboten, doch ist der Weg mit dem republikanischen Rechtsstaat nicht vereinbar, denn er höhlt die Grundlage des Rechtsstaats aus und fügt den eigenen Bürgern Schaden zu. Auch wenn humanitäre Prinzipien in einem fremden Land schwer verletzt werden, ist es deshalb falsch, militärische Mittel zur Behebung des Unrechts einzusetzen. Das Beispiel von Sokrates zeigt einen Ausweg aus diesem Dilemma: Er führt vor, wie man sich selbst weigern kann, Unrecht zu tun, ohne dabei mit Gewalt gegen andere vorzugehen.
Der österreichische Journalist Karl-Peter Schwarz hatte das Privileg, den 2019 verstorbenen großen liberalen Philosophen und Ökonomen Anthony de Jasay noch persönlich kennenlernen zu dürfen. In seinem Beitrag würdigt er den gebürtigen Ungarn, der heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. De Jasay gehörte keiner intellektuellen Schule an. Er war ein origineller Denker, der radikalste unter den radikalen Individualisten, ein großer Einzelgänger unter den politischen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Mit seiner originellen Analyse der wahren Natur des Staates gelang es ihm, einen völlig neuen Blick auf dessen Funktionsweise zu werfen. Nach seiner Theorie ist der Staat kein Instrument in den Händen von Klassen oder Parteien, sondern ein autonomer Akteur mit einem eigenen Willen und eigenen Zielen, nämlich der Machtmaximierung und Selbsterhaltung.
Die Nibelungensage ist bis heute Bestandteil deutscher Identitäts- und Erinnerungskultur. Der Ausgangspunkt des Vortrages ist die Beobachtung, dass das Nibelungenlied bis in die Gegenwart politische Deutungskonflikte auslöst. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie und unter welchen historischen Bedingungen ein literarischer Untergangsmythos im 19. Jahrhundert zum deutschen Nationalepos werden konnte. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Transformation des Nibelungenliedes von dessen historischem Kern über die mittelalterliche Erzählung bis hin zu seiner nationalen und ideologischen Vereinnahmung im Kaiserreich und im Nationalsozialismus. Dabei werden Konzepte wie die der Kulturnation oder der Herkunft der Deutschen aus dem Germanentum im Verlauf der deutschen Geschichte ab dem späten 18. Jahrhundert betrachtet. Abschließend wird danach gefragt, inwiefern der Untergang der Nibelungen als Deutungsmuster über 1945 hinaus fortwirkt und in veränderter Form das politische und moralische Selbstverständnis im Deutschland der Gegenwart prägt.
Die Zivilgesellschaft ist ein Schlüsselbegriff des zeitgenössischen Demokratieverständnisses. Ihre Wurzeln reichen in die Zeit um 1800 zurück, als sich die bürgerliche Gesellschaft vom Obrigkeitsstaat emanzipierte und ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nahm. Diese alte Zivilgesellschaft gibt es nicht mehr. Sie wurde aufgesogen von einem immer globaler werdenden Netzwerk von NGOs, Regierungen, Behörden, Stiftungen, staatsnahen Medien. Die bürgerliche Gesellschaft muss neue Formen zur Gestaltung ihrer Lebenswelt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen hervorbringen.
Horst-Joachim Lüdecke, emeritierter Professor für Informatik und Physik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, befasst sich schon seit langem mit der Auswertung von Klimadaten. In seiner Vorlesung mit dem Titel „Klima und CO₂ – warum Dekarbonisierung keine gute Idee ist“ beschreibt er viele mächtige physikalische Prozesse, von denen CO₂ nur eine – wahrscheinlich eher geringfügige – unter vielen ist, die unser Klima bestimmen. Klima ist gerade wegen der Interaktion so vieler Einflüsse nur auf kurze Sicht modellierbar, was die langfristigen Klimamodelle, auf die sich Politiker berufen, eher fragwürdig erscheinen lassen. Unter diesen Umständen ist es wenig sinnvoll, eine hochentwickelte Volkswirtschaft mit enormen Kosten und um den Preis der Deindustrialisierung zu dekarbonisieren. Denn es gibt keine Beweise für eine bevorstehende katastrophale Erwärmung des Klimas durch die industrielle Tätigkeit der Menschen.
In seiner Vorlesung behandelt Michael Esfeld ein von Hobbes aufgezeigtes Dilemma, dessen zwei Seiten oft mit den zwei Hörnern eines wilden Stiers verglichen werden. Entweder herrscht in der Gesellschaft der Naturzustand mit unkontrollierter Gewaltanwendung, oder es wird mit dem sogenannten Gesellschaftsvertrag eine Staatsgewalt mit uneingeschränkter Befugnis zur Setzung und Durchsetzung von Recht errichtet. Dann allerdings bleibt die Freiheit auf der Strecke. Der Vortrag zeigt dagegen Wege auf, wie sowohl der gesellschaftliche Frieden als auch die Freiheit der Bürger gesichert werden können.
Die meisten Nationen pflegen Großerzählungen aus ihrer Geschichte, die sie zu sozialen Einheiten formen und den Zusammenhalt stärken sollen. Solch eine Erzählung ist für Frankreich die Revolution von 1789, für Russland der Große Vaterländische Krieg gegen Deutschland. Die deutsche Kollektivlegende der Gegenwart unterscheidet sich markant von diesen Erzählungen. Sie beinhaltet das Bekenntnis zur „singulären“ deutschen Schuld an zwei Weltkriegen und die Verpflichtung zum „Antifaschismus“, um so die Vergangenheit zu „bewältigen“. Die staatlich gepflegte Erinnerungskultur war berufen, diese Großerzählung zu festigen. Dabei spielte der sogenannte Historikerstreit 1986/1987 eine entscheidende Rolle, im Laufe dessen jeder mögliche Widerspruch medial vernichtet wurde. Wie aber verträgt sich mit dem aggressiven Antifaschismus die kriegerische Verteidigung der Ukraine, eines Nachfolgers der Alliierten des Nazi-Regimes?
Politik und Humor stehen in einem spannungsreichen Verhältnis zueinander. In jüngerer Zeit sind die Grenzen fließend geworden: Politiker sollen humorvoll sein, und Fernsehclowns wollen Politik machen. Das Verlachen, der Witz, die Satire, das Kabarett, die Komödie wurden seit je zur Kritik an politischen und gesellschaftlichen Zuständen genutzt, auch in den Diktaturen des Dritten Reichs und der DDR. Aber durchschlagend war ihre Wirkung nie. Überhaupt ist das Lachen der Politik nie wirklich heimisch geworden. Es hat seinen eigentlichen Ort in der Gesellschaft, in der Lachkultur der Unterschicht und im Humor der Literaten. (Wiederholung vom 21. September 2025)
Im gesamten Westen, insbesondere aber in Deutschland und Europa tobt ein geistiger Bürgerkrieg, ein Kulturkampf. Auf der symbolischen Ebene prallt dabei der natürliche Regenbogen als Sinnbild für das Wahre, Schöne und Gute auf die Familie der Regenbogen- und Pride-Flaggen als ideologische Erkennungszeichen. An ihrer Symbolik entzünden sich die Gemüter. Sie ist damit ein im wahren Sinne des Wortes epochales Zeichen für die frühen 2020er-Jahre. Doch wie konnte es so weit kommen? Wie konnte aus einem jahrtausendealten Symbol für Hoffnung und himmlischen Frieden ein Emblem des Untergangs werden? Diesen Fragen geht der Vortrag „Banner des Nihilismus – die Regenbogenfahne im Wandel der Zeit“ nach. (Wiederholung vom 14. September 2025)
Das Thema der deutschen Kultur gehört zu den brennenden Fragen der Gegenwart und bildete eine, wenn nicht sogar die zentrale Fragestellung des Werkes von Thomas Mann. Der vor 150 Jahren geborene Schriftsteller erlebte in seinen frühen Jahren den Einbruch der Moderne in Kunst und Gesellschaft und suchte nach Antworten, wie eine genuine deutsche Kultur unter diesen Bedingungen gestaltet werden könnte. Zunächst Anhänger Nietzsches und ihm folgend Fürsprecher einer „Rebarbarisierung“, wandelten sich seine Ansichten im Angesicht des heraufziehenden Nationalsozialismus. Die Versöhnung der scheinbaren Gegensätze von Zivilisation und Kultur wurde zu seinem wichtigen Anliegen. Philipp Gut zeichnet in seinem Essay diese Entwicklung nach und hebt hervor, warum Thomas Manns Ideen von der deutschen Kultur heute noch als Vorbild dienen sollten. (Wiederholung vom 8. Juni 2025)
Wenn heute wahrscheinlich die Mehrheit der Menschen in Deutschland nichts mehr über den biblischen Hintergrund des Weihnachtsfestes weiß, ist das in geistiger – und keineswegs nur theologischer – Hinsicht eine Tragödie. Denn bei der Menschwerdung Gottes geht es nicht um irgendeine Nebensache, sondern um Fundament, Herz und Zentrum des Christentums und letztlich auch unserer abendländischen Kultur. Ohne die Menschwerdung Gottes wird alles andere in der christlichen Religion hinfällig. Ebenso ergibt dann die Idee der Gottebenbildlichkeit des Menschen keinen Sinn mehr – womit letztlich auch die gedankliche Grundlage für die allgemeine Menschenwürde und all das entfällt, was wir an Europa so schätzen und immer noch erhalten wollen.
Der moderne Konservatismus ist ein illegitimes Kind der Französischen Revolution. Im Laufe der Jahrhunderte hat er sich in den westlichen Gesellschaften im Wechselspiel von traditionalistischen Lebensformen, politischer Programmatik und intellektueller Reflexion entfaltet und gewandelt. Manche seiner Leitideen sind im Dunkel der Geschichte verschwunden und manche Radikalisierungen wurden an den Rand gedrängt. Aber oft und besonders in jüngerer Zeit sind dem Konservatismus paradoxe Modernisierungen gelungen, die ihn auch für die bürgerliche Lebenswelt des 21. Jahrhundert attraktiv haben bleiben lassen.
Wie die Wirkung der Inflation weit über steigende Preise hinausgeht, zeigt Professor Karl-Friedrich Israel in seinem Beitrag auf: Sie verzerrt Anreize, fördert spekulative Blasen, unterminiert soziale Mobilität und schafft kulturellen Verdruss. Anhand historischer Beispiele und moderner Entwicklungen wird sichtbar, wie Geldschöpfung aus dem Nichts Gesellschaften verändert – ökonomisch, sozial und moralisch. Schon Johann Wolfgang von Goethe griff das Thema auf und wies in seiner „Faust“-Tragödie auf den Kern des Problems hin: Das Inflationsproblem beginnt immer dort, wo man die Knappheit realer Mittel mit einer Knappheit an Geld verwechselt. Weiteres zum Thema vom Autor:https://austrian-institute.org/wp-content/uploads/2024/06/Israel-Soziale-und-kulturelle-Folgen-der-Inflation-Ai-Paper-Nr.-47-2024.pdf https://verlag.koenigshausen-neumann.de/product/9783826079054-goethes-faust-und-die-geldschoepfung-aus-dem-nichts/
Dass Deutsch eine „Männersprache“ ist, war den hundert Millionen deutschen Muttersprachlern bis 1980 nicht bewusst. Damals entdeckte die neue Frauenbewegung die enorme Symbolkraft, welche in der grammatischen Kategorie Genus der deutschen Sprache steckte: Warum treten in ihr Männer im Maskulinum auf (Jeder Mann kennt das), Frauen im Femininum (Jede Frau kennt das), aber Männer und Frauen ebenfalls im Maskulinum (Jeder kennt das)? Die Linguistik bezeichnet die geschlechtsübergreifende Funktion der Maskulinform als „generisches“ (allgemeines) Maskulinum. Dieses generische Maskulinum, das die Frauen sprachlich „unsichtbar“ mache und deshalb diskriminiere, wurde zum Hauptmerkmal der Männersprache Deutsch erklärt und zum Feind einer geschlechtergerechten Sprache.




