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Das Wort zum Schabbat
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Das Wort zum Schabbat

Author: Ricklef Münnich || ahavta - Begegnungen

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Mit Rosch HaSchana, dem Neujahrsfest im Herbst, beginnt das jüdische Jahr. Die Festtage des Volkes Israel sind gemäß der Gebote der Tora festgelegt. Die Zeit aber wird vom Schabbat, dem siebenten Tag der Woche, strukturiert. Ihn hat Gott selbst mit der Schöpfung der Welt eingeführt.
Am Schabbat wird in den Synagogen ein Stück der Tora vorgelesen. Die Wochenabschnitte führen das Jahr über durch die fünf Bücher Mose. Das Ende und zugleich der neue Anfang der Lesungen ist an Simchat Tora, dem Fest der Tora-Freude zum Abschluss des Laubhüttenfestes.
Bei ahavta - Begegnungen erklärt immer Freitags ein Rabbiner, Kantor oder Lehrer den jeweiligen Tora-Abschnitt. Die Video-Aufnahmen findest du bei https://plus.ahavta.com und auch bei YouTube unter https://youtube.com/@ahavta.


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In der Sendung „Wort zum Schabbat“ erläutert Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens den Tora-Wochenabschnitt „Jitro“ (2. Mose 18–20).Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://open.substack.com/pub/ahavta/p/jitroDer Rabbiner hebt zunächst die Bedeutung des Namensgebers hervor: Dass die Parascha, die die Offenbarung der Zehn Gebote enthält, nach Jitro, dem nichtjüdischen Schwiegervater von Mose, benannt ist, sei kein Zufall. Es symbolisiere die jüdische Offenheit für Weisheit, unabhängig von ihrer Herkunft: „Egal von woher die Wahrheit kommt, die nimmt man an.“ Jitro erkennt, dass Mose mit der alleinigen Rechtsprechung überfordert ist, und rät ihm, Aufgaben zu delegieren. Mose nimmt diesen Rat an, was Ahrens als Zeichen wahrer Führungsgröße deutet. Anstatt egozentrisch an Macht zu klammern, stellt Mose das Wohl der Gemeinschaft in den Vordergrund und schafft Strukturen, die ihn entlasten.Ein Schwerpunkt der Erläuterungen liegt auf dem 19. Kapitel und dem Konzept der Erwählung. Ahrens betont, dass die Auserwählung Israels („Am Segula“) keineswegs eine Überlegenheit gegenüber anderen Völkern impliziert. Vielmehr handele es sich um eine besondere Verpflichtung: Israel sei auserwählt, Gott exklusiv zu dienen und als „Königreich von Priestern“ eine Vorbildfunktion einzunehmen. Diese partikulare Rolle Israels ist untrennbar mit einem universalen Auftrag verknüpft – dem Segen für alle Völker. Ahrens verweist auf einen Midrasch, wonach Gott die Tora zuvor allen anderen Nationen anbot, diese jedoch ablehnten, da sie die strengen moralischen Forderungen nicht akzeptieren wollten. Nur Israel erklärte sich bereit, die Tora mit ihren 613 Geboten ohne Vorbehalte anzunehmen.Abschließend diskutieren Jehoschua und ich die Relevanz der Zehn Gebote für Christen. Ahrens differenziert hier deutlich: Die Zehn Gebote in ihrer spezifischen Form – insbesondere die strikte Sabbatruhe und der absolute Monotheismus – gelten primär für das jüdische Volk. Für Nichtjuden, und damit theologisch auch für Christen, sei der „Noachidische Bund“ mit seinen sieben ethischen Grundgeboten maßgeblich. Ahrens sieht darin jedoch keine Trennung, sondern eine Verbindung: Juden und Christen teilen durch die noachidischen Prinzipien und die „christlich-jüdische Tradition“ ein gemeinsames Wertefundament. In einer Welt, in der diese Werte zunehmend erodieren, sei es die gemeinsame Aufgabe beider Religionen, für Ethik und Moral einzustehen, auch wenn theologische Unterschiede bestehen bleiben dürfen. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Rabbiner Dr. Walter Rothschild spricht über den Tora-Wochenabschnitt Beschallach (2. Mose 13,17–17,16). Der Schabbat trägt den Namen Schabbat Schira (Schabbat des Liedes) und ist zugleich der erste Schabbat seit zweieinhalb Jahren, an dem kein Gebet für Geiseln mehr gesprochen werden muss – eine besondere Form der Befreiung.​Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://plus.ahavta.com/p/beschallach-c88Josefs Gebeine als Symbol der KontinuitätWalter Rothschild hebt die Bedeutung von Josefs Gebeinen hervor, die Mose beim Auszug aus Ägypten mitnimmt. Josef ist die Verbindung des Volkes zu den Patriarchen und zum verheißenen Land. Die Israeliten tragen seinen Sarg durch die Wüste, bis er in Sichem begraben wird – auf jenem Grundstück, das Jakob einst gekauft hat. Diese Kontinuität vom Buch Genesis bis zum Buch Josua zeigt, dass Versprechen über Generationen hinweg bewahrt werden.​Die Ambivalenz des ExodusDer Name des Wochenabschnitts Beschallach bedeutet „als Pharao sie wegschickte“ und verdeutlicht: Die Israeliten wollten nicht wirklich gehen. Sie waren über Generationen in Ägypten verwurzelt, kannten den Alltag und hatten sozusagen Vollbeschäftigung. Gott führt sie nicht den direkten Weg entlang der Mittelmeerküste (Derech Plistim, die Straße der Philister), sondern durch einen Umweg zum Schilfmeer. Die Israeliten stehen zwischen Angst vor der Vergangenheit und Furcht vor einer ungewissen Zukunft. Ihre sarkastische Frage „Gab es nicht genug Gräber in Ägypten?” zeigt typisch jüdischen Humor in existenzieller Bedrängnis.​Gottes Plan und menschliche FreiheitRothschild stellt die theologische Frage, ob Gott von Anfang an einen Plan hatte. Er vergleicht die biblische Erzählung mit aktuellen geopolitischen Ereignissen – etwa den Verhandlungen um Geiseln oder den Entwicklungen im Iran. Die Verhärtung des Herzens des Pharao und die zehn Plagen werfen die Frage auf, warum der Prozess so lange dauern musste. Vielleicht ist Gottes Plan nur rückblickend erkennbar und entsteht im Dialog mit dem Volk.​Das Lied am SchilfmeerDer Durchzug durchs Schilfmeer markiert den eigentlichen Moment der Befreiung. Der Rabbiner singt Verse aus Schirat Hajam (Kapitel 15) und erklärt, dass das Lied in der Tora-Rolle speziell formatiert ist: Die Textkolumnen bilden Wände, dazwischen der freie Raum für den Durchzug der Israeliten. Die vernichtete ägyptische Armee liegt unbestattet am Strand – für die Ägypter ein doppelter Tod, da ihnen die Grabstätte für ein Weiterleben im Jenseits fehlt.​Aktualität und GedenkenWalter verbindet den Wochenabschnitt mit dem Holocaust-Gedenktag (27. Januar) und Tu Bischwat, dem Neujahrsfest der Bäume. Er kritisiert Gedenkfeiern, bei denen die jüdischen Opfer nicht explizit benannt wurden. Der Segensspruch Schehechejanu – „der uns bis zu diesem Moment gebracht hat” – drückt Dankbarkeit für erreichte Etappen aus, auch wenn die Zukunft ungewiss bleibt. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Kantor Amnon Seelig spricht über den Wochenabschnitt Bo, „Komm“, 2. Mose 10,1–13,16. Wie beginnen mit einer sprachlichen Beobachtung: Der Name der Parascha bedeutet „Komm!“ und nicht „Geh!“. Gott fordert Mose also auf, zum Pharao zu „kommen“.Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://open.substack.com/pub/ahavta/p/bo-d13Amnon konzentriert sich auf eine jüdische Auslegung (Midrasch), die eine bemerkenswerte Lücke im biblischen Text füllt. Die Tora beschreibt eine dreitägige Finsternis, die so dicht ist, dass die Ägypter sich nicht bewegen können, während die Israeliten Licht haben. Raschi, der bedeutendenste Kommentator der Tora, erklärt hierzu, dass Gott diese Dunkelheit nutzte, um jene Israeliten sterben zu lassen, die Ägypten nicht verlassen wollten. Dies geschah im Verborgenen, damit die Ägypter nicht spotteten, dass auch die Israeliten bestraft würden.Daraus ergibt sich eine theologische Frage, die Amnon aufwirft: Wenn Gott die Sünder unter dem Volk tötete, warum überlebten dann nicht ausschließlich „gute“ Menschen? Die Antwort findet er beim Rosch (Rabbi Ascher ben Jechiel). Dieser erklärt, dass selbst sündige Israeliten gerettet wurden, solange sie die „Hoffnung auf Erlösung“ nicht aufgaben. Diese Hoffnung markiert für Seelig die entscheidende Grenze der Zugehörigkeit: Wer an die Zukunft und Erlösung des Volkes glaubt, gehört dazu, auch als Sünder.Seelig verknüpft dies mit der Pessach-Haggada und dem „bösen Kind“. Dieses fragt: „Was soll euch dieser Dienst?“, und schließt sich durch das „Euch“ selbst aus der Gemeinschaft aus. Wer sich innerlich abwendet, so Seelig, kappt die Verbindung zur Erlösung.Diese Gedanken überträgt der Kantor auch auf den interreligiösen Dialog. Er warnt vor einer oberflächlichen „Wir sind alle gleich“-Mentalität. Wahre Begegnung erfordere das Aushalten von Unterschieden und das Bewahren der eigenen Besonderheit – des spezifischen Weges, Gott zu dienen. Der Auszug aus Ägypten war genau dieser Kampf um die Freiheit zur eigenen Glaubenspraxis.Abschließend frage ich Amnon nach den Grenzen der Zugehörigkeit im heutigen Israel, angesichts säkularer oder antizionistischer Strömungen. Seelig zieht hier eine persönliche, aber scharfe rote Linie: Wer, wie nach den Massakern des 7. Oktober, die Ermordung des eigenen Volkes als „Befreiung“ bejubelt, hat für ihn die Grenze der Zugehörigkeit überschritten. Kritik sei legitim, aber die Delegitimierung der Existenz und die Freude am Leid des eigenen Volkes beenden die Gemeinschaft. Ich wende zum Schluss seinen Gedanken auf die Deligitimierung Israels in den christlichen Kirchen an. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Rabbiner Dr. Daniel Katz widmet sich im Wochenabschnitt Wa’era (2. Mose 6,2–9,35) intensiv der Bedeutung und Offenbarung der Gottesnamen, insbesondere dem Namen HaSchem (der Name) im Vergleich zu den Bezeichnungen, die den Erzvätern bekannt waren.​Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://plus.ahavta.com/p/waera-e01Katz erläutert, dass Gott sich den Vätern Abraham, Isaak und Jakob zwar offenbart habe, jedoch nicht mit seinem essenziellen Namen, den er nun Mose mitteilt. Der Rabbiner führt aus, dass HaSchem als ehrfürchtiger Ersatz für den unaussprechlichen Gottesnamen dient, da Gottes Namen heilig sind und nicht leichtfertig verwendet werden sollen. Er stellt klar, dass der Begriff HaSchem im biblischen Text selbst nicht als handelndes Subjekt auftritt – es heißt nie „der Name sprach“, sondern stets „Gott“ oder „der Herr“ sprach.​Ein zentraler Schwerpunkt der heutigen Auslegung liegt auf der Verbindung zwischen den biblischen Namen und der jüdischen Liturgie. Katz betont, dass das jüdische Gebet primär aus Segenssprüchen (Berachot) besteht, die stets der Formel Baruch ata Adonai Elohenu Melech HaOlam folgen. Hierbei hebt er eine wichtige theologische Nuance hervor: Der Mensch segnet nicht die Materie selbst – wie etwa das Brot beim Tischgebet –, sondern er segnet Gott als den Schöpfer, der das Brot aus der Erde hervorbringt. Die Heiligkeit wohnt Gott inne, nicht dem Objekt. Durch den Segen erkennen wir Gottes Heiligkeit und sein Wirken in der Welt an.​In seiner Analyse des Titels Melech HaOlam (König der Welt) zeichnet Katz das Bild eines Gottes, der menschliche Maßstäbe sprengt. Während antike Herrscher sich oft als „König der Könige“ bezeichneten, ist Gott der „König der Könige der Könige“ – die ultimative Instanz über jeder irdischen Macht. Der Begriff „Olam“ verweist dabei nicht nur auf die geografische Welt, sondern auf eine räumliche und zeitliche Unendlichkeit. Gott ist der Herrscher über alle Dimensionen, von der Vergangenheit bis in die ewige Zukunft. Abschließend verknüpft Katz diese Gedanken mit der Berufung des Mose am Dornbusch: Um das Vertrauen der Israeliten zu gewinnen, muss Mose sich auf den „Gott der Väter“ berufen, eine Identität, die Kontinuität und Erlösung verspricht. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Rabbiner Andrew Steiman öffnet ein neues Buch der Tora: Schemot (Namen), das Christinnen und Christen als Exodus kennen. Der Name leitet sich von den ersten Versen ab, während die lateinische Bezeichnung den Inhalt widerspiegelt. Diese Benennungspraxis geht vermutlich auf die Zeit zurück, als alle von einer Tora-Rolle lasen, in der keine Seitenzahlen existierten.​Der gleichnamige Wochenabschnitt in 2. Mose 1,1–6,1 führt Mose ein, der als Muster für einen Anführer vorgestellt wird – interessanterweise war er sprachbehindert, was zeigt, dass Anführer nach ihren Handlungen und nicht nach ihrer Rhetorik beurteilt werden sollten. Wie alle Propheten lehnt auch Mose seinen Auftrag zunächst ab.​Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://plus.ahavta.com/p/schemot-ab6Namen spielen eine zentrale Rolle: Sie sind für die Nachhaltigkeit der Identität entscheidend. Die Rabbinen erklären, dass die Juden in Ägypten ihre Identität bewahrten, weil sie ihre hebräischen Namen weitergaben. Der Übergang vom Buch Bereschit zu Schemot markiert einen bedeutenden Wechsel: Aus Familiengeschichten wird nun die Geschichte eines Volkes. Bevor aus einer Sippe ein Volk werden kann, müssen die einzelnen Menschen aus der Anonymität heraustreten – daher beginnt das Buch mit der Nennung von Namen.​Steiman betont die Bedeutung der positiven Identifikation: Wer sich nicht positiv identifiziert, identifiziert sich ex negativo durch Ausschluss anderer. Die Bibel nimmt den Leser ernst und zieht ihn durch die Nennung von Namen in das Geschehen hinein. Mose durchläuft einen Prozess des Zweifels, bis er schließlich an sich selbst glaubt und seinen Auftrag annimmt. Obwohl Mose sein Ziel, das gelobte Land zu erreichen, nicht erreicht, bleibt er ein Vorbild – nicht Perfektion ist gefragt, sondern authentisches Bemühen. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Kantor Amnon Seelig beleuchtet in der Parascha Wajechi – dem letzten Abschnitt des 1. Buches Mose ab Kapitel 47,28, – das dramatische Leben Jakobs unter dem Leitwort „Ende gut, alles gut".Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://plus.ahavta.com/p/wajechi.Jakob musste vor seinem Bruder fliehen, wurde von seinem Schwiegervater ausgenutzt und glaubte 22 Jahre lang, sein Lieblingssohn Josef sei tot. Mit 130 Jahren bezeichnet er sein Leben gegenüber dem Pharao als „wenig und trübe" und denkt selbst in den schönsten Momenten – etwa beim Wiedersehen mit Josef – an den Tod.Doch Jakob stirbt nicht sofort, sondern lebt noch 17 weitere Jahre in Ägypten an der Seite seines Sohnes. Diese 17 Jahre entsprechen genau jenen 17 Jahren, die Josef bei seinem Vater verbrachte, bevor er entführt wurde. Der Midrasch Lekach Tow aus dem 11. Jahrhundert lehrt: Obwohl 130 Jahre seines Lebens schwer waren, waren die letzten 17 Jahre gut – und daher gilt: Sofratow, Kulchatow – „Ende gut, alles gut".Amnon erklärt die Gematrie des Wortes „tow" (gut): Die Buchstaben Tet (9), Waw (6) und Bet (2) ergeben 17 – die Zahl der guten Jahre. Zweimal 17 ergibt 34, was dem Zahlenwert von Wajechí (er lebte) entspricht. So zeigt die Tora: Die guten Jahre am Ende verleihen Jakobs ganzem Leben nachträglich Sinn und Güte. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Wajigasch (1. Mose 44,18–47,27) ist der vorletzte Wochenabschnitt des ersten Buchs Mose. Er wird im „Wort zum Schabbat“ von Rabbiner Dr. Walter Rothschild erläutert.Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://open.substack.com/pub/ahavta/p/wajigaschDer Fokus der Betrachtung liegt auf der dramatischen Wiedervereinigung der Familie Jakobs. Rothschild betont, dass diese Begegnung zwei völlig unterschiedliche Perspektiven beinhaltet: die Sicht Josefs auf seine Brüder und die Sicht der Brüder auf den ihnen fremd gewordenen ägyptischen Herrscher. Für sie ist Josef zu einem „Alien“ geworden, da er sich optisch und kulturell nicht mehr als einer der ihren erkennen lässt.Besonders hebt der Rabbiner die psychologische Dynamik hervor. Nachdem sich Juda bereit erklärt hat, anstelle Benjamins in Gefangenschaft zu gehen, um dem Vater Jakob weiteres Leid zu ersparen, kann Josef seine Maske nicht mehr wahren. Bevor er sich jedoch zu erkennen gibt, lässt er alle Ägypter den Raum verlassen. Rothschild interpretiert dies nicht nur emotional, sondern auch als Sicherheitsmaßnahme: Josef prüft, ob „Sicherheit“ besteht, und offenbart sich erst, als sie unter sich sind. Seine erste, sehr persönliche Frage „Lebt mein Vater noch?” zeigt, dass es ihm nicht mehr um den gemeinsamen Stammvater, sondern um seine individuelle Beziehung zum Vater geht.Rothschild interpretiert Josefs Handeln als göttliche Fügung. Er erklärt seinen geschockten Brüdern, dass nicht sie ihn gesandt haben, sondern Gott, um Leben zu erhalten. Hier zieht der Rabbiner Parallelen zur modernen Migrationspolitik: Josef nutzt seine hohe Stellung und seine „Protekzia” (Beziehungen), um seiner Familie faktisch Einreisevisa und Arbeitserlaubnisse zu beschaffen. Er lädt sie ein, die verbleibenden fünf Jahre der Hungersnot im Land Goschen zu verbringen, wo sie als „privilegierte Ausländer“ unter seinem Schutz stehen werden.Ein weiterer zentraler Punkt ist die Ankunft Jakobs und dessen Begegnung mit dem Pharao. Rothschild beschreibt dies als ein Treffen auf Augenhöhe: Ein „Beduinen-Scheich“ (Jakob) trifft den „Scheich von Ägypten“ (Pharao). Jakob beschreibt sein Leben dem Pharao gegenüber als „wenig und böse“ und bezeichnet sich als jemanden, der nie wirklich sesshaft war, sondern dessen Leben eine ständige Pilgerschaft darstellte, geprägt von Konflikten mit Eltern, Brüdern, Frauen und dem Verlust geliebter Menschen.Abschließend weist Rothschild auf die Ironie hin, dass die Familie als Hirten verachtet wird, da Hirten den Ägyptern zuwider sind. Doch genau dieser Status und Josefs Einfluss ermöglichen es ihnen, im besten Teil des Landes zu siedeln. Der Abschnitt endet mit der erfolgreichen Ansiedlung der Familie in Ägypten, womit der Grundstein für den späteren Auszug gelegt wird – auch wenn dieser noch Jahrhunderte entfernt liegt. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Im „Wort zum Schabbat“ von ahavta – Begegnungen erläutert Rabbiner Dr. Daniel Katz den Tora-Wochenabschnitt Mikez („Nach dem Ende“, 1. Mose 41,1–44,17). Dieser Abschnitt bildet den Mittelteil der Josefsgeschichte und fällt thematisch oft mit dem Chanukka-Fest zusammen. Daniel führt durch die dramatischen Ereignisse, die Josefs Aufstieg zum Herrscher Ägyptens und die erneute Begegnung mit seinen Brüdern schildern, und legt dabei einen besonderen Fokus auf die innerfamiliäre Dynamik sowie das Konzept der Umkehr (Teschuwa).Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören:https://plus.ahavta.com/p/mikezDie Erzählung beginnt mit den Träumen des Pharao von sieben fetten und sieben mageren Kühen sowie von vollen und verkümmerten Ähren. Josef, der zuvor zwei Jahre unschuldig im Gefängnis saß, wird gerufen, um diese Träume zu deuten. Er sagt sieben Jahre des Überflusses voraus, gefolgt von sieben Jahren der Hungersnot, und rät dem Pharao, Vorräte anzulegen. Beeindruckt von dieser Weisheit ernennt der Pharao Josef zum Vizekönig über Ägypten. Katz betont hierbei, dass Josef seine Position als Teil eines göttlichen Plans versteht, um später seine Familie retten zu können.Als die Hungersnot auch Kanaan erreicht, schickt Jakob seine Söhne nach Ägypten, um Getreide zu kaufen. Dabei kommt es zur entscheidenden Begegnung: Josef erkennt seine Brüder, doch sie erkennen ihn nicht. Anstatt sich sofort zu offenbaren, unterzieht Josef sie einer harten Prüfung. Er verlangt, dass sie ihren jüngsten Bruder Benjamin nach Ägypten bringen. Rabbiner Katz analysiert dies nicht als Rache, sondern als notwendigen Test. Josef will herausfinden, ob die Brüder eine echte innere Wandlung vollzogen haben. Er inszeniert eine Situation, die der damaligen gleicht: Wieder droht einem Sohn Rahels – diesmal Benjamin – Gefahr. Josef lässt seinen silbernen Becher in Benjamins Sack verstecken, um ihn als Dieb zu beschuldigen und als Sklaven zu behalten.Hier bringt Rabbiner Katz den religiösen Begriff der Teschuwa (Rückkehr/Buße) ein. Wahre Buße zeige sich nicht nur in Worten, sondern darin, wie man handelt, wenn man erneut in dieselbe Situation gerät. Werden die Brüder Benjamin im Stich lassen, um sich selbst zu retten, so wie sie es einst mit Josef taten? Oder werden sie für ihn einstehen?Parallel dazu beleuchtet Katz den Aufstieg Jehudas (Juda) zum faktischen Anführer der Brüder. Er erklärt, warum die älteren Brüder diese Rolle verloren haben: Ruwen disqualifizierte sich durch das Schlafen mit der Nebenfrau seines Vaters und seinen gescheiterten Rettungsversuch bei Josef. Schimon und Levi schieden durch ihre gewalttätige Rache in Sichem aus. Jehuda hingegen übernimmt Verantwortung. Er bürgt beim Vater für Benjamin und tritt am Ende des Abschnitts vor Josef, um für den jüngsten Bruder zu plädieren. Katz hebt hervor, dass Jehuda durch dieses verantwortungsvolle Handeln zum Stammvater des wichtigsten Stammes Israels wird, von dem sich auch die Bezeichnung „Juden“ ableitet. Dies folge einem biblischen Muster, bei dem oft jüngere Söhne aufgrund ihrer Taten den Vorrang vor den Erstgeborenen erhalten.Der Wochenabschnitt endet mit einem Cliffhanger: Die Brüder stehen vor Josef, Benjamin droht die Gefangenschaft, und die Spannung ist auf dem Höhepunkt. Die Auflösung und Versöhnung, so Katz, erfolge erst in der Lesung der nächsten Woche, wenn Jehuda die Prüfung besteht und die Familie wieder vereint wird. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Rabbiner Dr. Jehoshua Ahrens eröffnet seine Auslegung des Wochenabschnitts Wajeschew (1. Mose 37–40) mit einem überraschenden kulturellen Vergleich: Die biblische Erzählung um Josef und seine Brüder enthalte alle Zutaten einer modernen „Seifenoper“. Konflikte, Intrigen, Rache, Schuld und sogar sexuelle Verwicklungen prägen die Dramaturgie, wobei am Ende – wie im Genre üblich – der Triumph des Guten steht. Doch hinter dieser spannungsgeladenen Oberfläche legt Ahrens tiefgehende psychologische und pädagogische Schichten frei.Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://plus.ahavta.com/p/wajeschew-a61Im Zentrum steht die dysfunktionale Familiendynamik im Hause Jakobs. Der 17-jährige Josef wird von Ahrens zunächst keineswegs als strahlender Held gezeichnet, sondern als unreifer, fast unsympathischer Teenager. Er fungiert als „Petze“, der dem Vater das Fehlverhalten seiner Brüder zuträgt, und tritt als „verwöhnter Balg“ auf. Ahrens greift hierbei auf die Analyse von Rabbiner Samson Raphael Hirsch zurück, um Josefs Verhalten psychologisch zu kontextualisieren. Hirsch beschreibt Josef als faktisches Einzelkind: Seine Mutter Rachel ist früh verstorben, sein Bruder Benjamin ist noch ein Kleinkind. Zu den Söhnen Leas findet er keinen Zugang; sie akzeptieren ihn nicht als vollwertigen Bruder. Aus Einsamkeit – und vielleicht aus Eitelkeit, da er sich ihnen überlegen fühlt – wendet er sich den Söhnen der Mägde zu.Der Katalysator für die Katastrophe ist jedoch Jakobs unverhohlene Bevorzugung Josefs. Ahrens betont, dass Jakob in Josef zwar zu Recht ein besonderes spirituelles Potenzial erkennt – er sieht in ihm seinen geistigen Erben –, doch die Art der Bevorzugung ist „unvernünftig“ und destruktiv. Das berühmte Geschenk des bunten Rockes deutet Ahrens unter Berufung auf den einstigen britischen Oberrabbiner Joseph Hertz nicht bloß als Zeichen väterlicher Zuneigung, sondern als politisches Symbol. Archäologische Erkenntnisse aus Ägypten legen nahe, dass solche Gewänder im antiken Nahen Osten Herrscherwürde signalisierten. Indem Jakob Josef diesen Rock verleiht, bestimmt er ihn offiziell zum Nachfolger und Familienoberhaupt. Für die Brüder geht es also nicht nur um Eifersucht, sondern um die existentielle Frage der Erbfolge und Machtverteilung. Dies macht ihren „tödlichen Hass“ laut Ahrens rational nachvollziehbar.Die Träume Josefs, in denen er über seine Familie herrscht, und seine naive Entscheidung, diese den Brüdern zu erzählen, bringen das Fass zum Überlaufen. Die Brüder planen seinen Tod, was durch das Eingreifen von Ruben und Juda verhindert wird – stattdessen wird er nach Ägypten verkauft. Ahrens interpretiert diesen tiefen Fall als notwendigen Schritt der Reifung. Josef muss vom verhätschelten Sohn zum verantwortungsvollen Mann reifen, eine Entwicklung, die nur durch die Härte des Exils und den Verlust des familiären Schutzes möglich ist. Gleichzeitig beginnt auch für die Brüder, insbesondere für Juda, ein Lernprozess hin zur Übernahme von Verantwortung.Abschließend leitet Rabbiner Ahrens aus der Erzählung eine dringliche pädagogische Warnung ab. Der Abschnitt sei nicht nur spirituell, sondern auch erzieherisch zu lesen: Eltern müssen danach streben, ihre Kinder gleichzubehandeln. Selbst wenn persönliche Präferenzen existieren oder ein Kind besonderes Talent zeigt, demonstriert die Tragödie der Jakobsfamilie die „fatalen Folgen“, die eine offensichtliche Bevorzugung nach sich zieht. Die Geschichte mahnt somit zur Vorsicht in der familiären Erziehung und zeigt, dass Reife oft erst durch Krisen erlangt wird. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Kantor Amnon Seelig widmet sich im „Wort zum Schabbat“ dem Tora-Wochenabschnitt Wajischlach in 1. Mose 32,4–36,43 und beleuchtet die zutiefst menschliche Seite des biblischen Erzvaters Jakob. Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://plus.ahavta.com/p/wajischlach-2f3Im Zentrum steht Jakobs bevorstehende Begegnung mit seinem Zwillingsbruder Esau, den er seit 20 Jahren nicht gesehen hat. Die letzte Erinnerung an Esau ist dessen Morddrohung, weshalb Jakob verständlicherweise große Angst verspürt. Seelig betont, dass die Tora hier keinen unerschütterlichen Heiligen zeichnet, sondern einen Menschen voller Widersprüche und Furcht. Obwohl Jakob göttliche Zusagen erhalten hat, fürchtet er sich. Diese Darstellung biblischer Figuren als fehlbare Menschen, die trotz ihres Glaubens Ängste durchleben, macht sie laut Seelig besonders nahbar.Jakob überlässt in dieser existenzbedrohenden Situation nichts dem Zufall. Er verlässt sich nicht allein auf Gott, sondern ergreift aktiv Maßnahmen. Unter Berufung auf den berühmten Tora-Kommentator Raschi erläutert Seelig, dass Jakob sich auf drei verschiedene Weisen („drei Dinge“) auf das Zusammentreffen vorbereitet: durch Gebet, durch Geschenke und durch Kriegsvorbereitung. Diese dreifache Strategie verdeutlicht, dass spirituelles Vertrauen und pragmatisches Handeln im Judentum Hand in Hand gehen.Zunächst wendet sich Jakob im Gebet an Gott. Er erinnert den Ewigen an dessen frühere Versprechen, ihn zu beschützen und ihm wohlzutun. Jakob zeigt sich demütig („Zu gering bin ich für alle Gnade“) und bittet explizit um Rettung aus der Hand seines Bruders. Er weiß, dass ohne göttlichen Beistand alle menschlichen Pläne scheitern können.Parallel dazu bereitet sich Jakob auf den „Krieg“ vor – den schlimmsten Fall („Worst Case Scenario“). Er teilt sein Lager, seine Familie und seinen gesamten Besitz in zwei Gruppen auf. Das Kalkül ist rational und schmerzhaft zugleich: Sollte Esau angreifen und das eine Lager vernichten, so könnte zumindest das andere entkommen. Jakob hofft auf das Beste, plant aber konkret für die Katastrophe.Die dritte Säule seiner Strategie ist das „Geschenk“ (Doron). Um Esaus Herz zu erweichen, schickt Jakob ihm riesige Herden von Tieren entgegen – Ziegen, Schafe, Kamele, Kühe und Esel. Er instruiert seine Knechte, Raum zwischen den Herden zu lassen, um die Menge der Geschenke noch imposanter wirken zu lassen. Seelig merkt an, dass diese Taktik der Bestechung oder Beschwichtigung oft funktioniert: Materielle Gaben können den Zorn eines Gegners lindern. Tatsächlich verläuft das Treffen am Ende friedlich; die Brüder umarmen sich und gehen ihrer Wege.Seelig zieht zudem eine faszinierende Parallele zu einer späteren Episode im Leben Jakobs, die im Abschnitt „Mikez“ (1. Mose 41–44,17) erzählt wird. Jahre später, während einer Hungersnot, muss Jakob seine Söhne nach Ägypten schicken. Auch hier wendet er das gleiche Muster an: Er schickt Geschenke (Honig, Nüsse, Balsam) an den unbekannten ägyptischen Herrscher (der unerkannt sein Sohn Josef ist), lässt das Geld zurückgeben und spricht ein Gebet für Barmherzigkeit. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Jakob muss seinen jüngsten Sohn Benjamin ziehen lassen, ohne eine Garantie für dessen Rückkehr. Mit den Worten „Wenn ich kinderlos sein soll, so sei ich kinderlos“ zeigt Jakob eine neue Stufe der geistigen Reife. Er akzeptiert, dass er trotz aller Vorbereitung („Kontrollfreak“-Tendenzen des Menschen) letztlich keine Kontrolle über das Schicksal hat.Das Fazit der Betrachtung ist eine Lehre für das eigene Leben: Der Mensch soll alles tun, was in seiner Macht steht – planen, arbeiten, strategisch handeln („Geschenke und Krieg“) – und gleichzeitig beten. Doch am Ende muss er, wie Jakob, loslassen und akzeptieren, dass das Ergebnis in Gottes Hand liegt. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Zum „Wort zum Schabbat“ von ahavta - Begegnungen kann ich Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens willkommen heißen. Im Mittelpunkt steht der Wochenabschnitt Wajeze (1. Buch Mose 28,10 – 32,3), der eine zentrale Jakobsgeschichte erzählt.Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören: https://plus.ahavta.com/p/wajeze-235Rabbiner Ahrens konzentriert sich in seiner Auslegung vor allem auf den berühmten Traum Jakobs von der Himmelsleiter. Er ordnet das Geschehen zunächst in den narrativen Kontext ein: Jakob befindet sich auf der Flucht vor seinem Bruder Esau, der ihm nach dem Leben trachtet, nachdem Jakob sich den Erstgeburtssegen ihres Vaters Isaak erschlichen hat. Auf Anraten seiner Mutter Riwka und mit dem Einverständnis seines Vaters zieht Jakob von Beerscheba Richtung Haran, um dort in der Verwandtschaft seiner Mutter eine Frau zu finden.Auf dieser Reise gelangt Jakob an einen bestimmten „Ort“, an dem er übernachtet. Ahrens betont die Wichtigkeit dieses Begriffs, da das hebräische Wort für Ort, Makom, im Judentum auch als Synonym für Gott verwendet wird – ein Hinweis auf Gottes Omnipräsenz. In seinem Traum sieht Jakob eine Leiter (Sulam), die auf der Erde steht und bis in den Himmel reicht. Engel steigen an ihr auf und nieder, und Gott selbst erscheint ihm. Der Ewige erneuert die Verheißung an Abraham und Isaak, verspricht Jakob das Land, zahlreiche Nachkommen und seinen göttlichen Schutz auf all seinen Wegen.Interessanterweise reagiert Jakob nach dem Erwachen nicht mit Freude oder Erleichterung, sondern wirkt laut Ahrens eher ängstlich und überrascht. Er erkennt zwar: „Wirklich, der Ewige ist an diesem Ort und ich wusste es nicht“, und benennt den Ort Bet-El (Haus Gottes), doch sein darauffolgendes Gelübde (Neder) offenbart für Ahrens eine spirituelle Unreife. Jakob formuliert Bedingungen: „Wenn Gott mit mir sein und mich behüten wird... dann soll der Ewige mein Gott sein.“ Ahrens kontrastiert diese Haltung mit dem bedingungslosen Gehorsam Abrahams. Jakob verhandelt quasi mit Gott und zeigt, dass er noch am Anfang seiner spirituellen Reise steht; ihm fehlt noch das vollkommene Vertrauen.Ahrens zieht zudem eine Parallele zur Geschichte des Turmbaus zu Babel. Auch dort versuchten Menschen, durch ein Bauwerk („eine Spitze bis an den Himmel“) eine Verbindung nach oben herzustellen. Doch während der Turmbau ein Akt menschlicher Hybris war, um sich „einen Namen zu machen“ (wie Rabbiner Samson Raphael Hirsch erläutert), ist Jakobs Leiter ein Symbol für eine wirkliche Verbindung, die jedoch von Gott ausgeht. Die Menschen von Babel scheiterten und wurden zerstreut; Jakob hingegen erhält eine echte Zusage, auch wenn er sie in diesem Moment noch nicht vollständig begreifen kann.Abschließend verweist Rabbiner Ahrens auf ein talmudisches Bild, das zwei Versionen von Jakob beschreibt: ein ideales Bild im Himmel, das sein volles Potenzial zeigt, und ein reales Bild auf der Erde, das seine aktuelle Unvollkommenheit widerspiegelt. Jakobs Aufgabe – und analog dazu die Aufgabe jedes Menschen – ist es, dieses Potenzial in die Realität zu holen und daran zu wachsen. Jakob reift erst durch die harten Arbeitsjahre bei Laban und die Gründung seiner Familie zu dem Mann heran, der später den Namen Israel tragen wird.Abschließend ergänze ich diesen Gedanken um den Wunsch, Gott nicht nur in großen Wundern, sondern im eigenen Leben mit aufmerksamem Herzen wahrzunehmen, und wünsch Rabbiner Ahrens und den Zuschauern einen friedlichen Schabbat. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Im „Wort zum Schabbat“ vom 21. November 2025 spricht Rabbiner Andrew Steiman über den Tora-Abschnitt Toldot (Die Geschlechter/Hervorbringungen) in 1. Mose 25,19 bis 28,9. Das Gespräch beginnt mit einer zeitlichen Einordnung: Der neue jüdische Monat Kislew hat begonnen, was den Rabbiner dazu veranlasst, auf das kommende Lichterfest Chanukka hinzuweisen. Er zieht Parallelen zum christlichen Kalender, der sich nach dem Totensonntag bzw. Ewigkeitssonntag der Adventszeit nähert. Steiman betont dabei die Gemeinsamkeiten im Gedenken, etwa die jüdische Bezeichnung des Friedhofs als „Haus des Lebens“.Im Zentrum der Betrachtung steht die biblische Erzählung der Zwillingsbrüder Jakob und Esau. Steiman beleuchtet die tiefen Konflikte, die bereits im Mutterleib beginnen. Er analysiert die berühmte Szene des Verkaufs des Erstgeburtsrechts für ein Linsengericht. Dabei verweist er auf eine moderne hebräische Redewendung: Wenn man in Israel sagt, man habe etwas „für ein rotes Linsengericht“ erworben, schwingt mit, dass jemand „über den Tisch gezogen“ wurde, der Wert für die Zukunft aber dennoch beträchtlich sein kann.Ein wichtiger Fokus liegt auf der Rolle der Mutter Riwka (Rebekka). Sie greift aktiv in die Erbfolge ein, da sie spürt, welcher Sohn die Tradition in die Zukunft tragen kann. Steiman hebt hervor, dass biblische Helden in der Tora nicht idealisiert, sondern mit all ihren menschlichen Schwächen gezeigt werden – so auch der fast blinde Vater Isaak, der sich täuschen lässt.Das Gespräch weitet sich auf philosophische und aktuelle gesellschaftliche Fragen aus. Unter Berufung auf den ehemaligen britischen Oberrabbiner Jonathan Sacks unterscheidet Steiman scharf zwischen Optimismus und Hoffnung („Hatikwa“). Optimismus sei eine passive Haltung, Hoffnung hingegen etwas Aktives, das man sich „machen“ müsse. In Bezug auf das Gedenken an den 9. November warnt er vor einer Vereinnahmung der Geschichte durch „laute Stimmen“ und betont, dass das Erinnern an die Vergangenheit stets der Gestaltung der Zukunft dienen müsse.Steiman erläutert den Namen „Israel“ als „Gotteskämpfer“. Ein Jude könne an Gott zweifeln oder verzweifeln, ihn aber niemals ignorieren – eine Referenz an Elie Wiesel. Auch der Begriff „Jude“ (von Jehuda) wird etymologisch als „der Dankbare“ hergeleitet.Gegen Ende des Gesprächs schlägt der Rabbiner den Bogen zurück zu Chanukka. Er erklärt, dass ohne den erfolgreichen Aufstand der Makkabäer das Judentum untergegangen wäre und das Christentum gar nicht erst hätte entstehen können. Sprachlich verbindet er Chanukka mit Chinuch (Bildung/Erziehung). „Bildung im Quadrat ist Weihe“, resümiert er. Das Gespräch schließt mit dem Wunsch nach „Schalom“ – nicht nur als Frieden, sondern im Sinne von „Schalem“, einer Ganzheit und Vollständigkeit, die erst durch Versöhnung und gegenseitiges Lernen erreicht wird.Danke an Mechthild Wallbrecher, Micha L. und viele andere, die sich das Live-Video angeschaut haben! Schaut auch beim nächsten Wort zum Schabbat live in der App herein! This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
IIm Wort zum Schabbat zum Wochenabschnitt Chaje Sara (1. Buch Mose 23-25,18) beleuchtet Rabbiner Dr. Walter Rothschild zentrale Aspekte und ungelöste Fragen des Textes. Der Wochenabschnitt beginnt mit dem Tod Saras im Alter von 127 Jahren in Kirjat Arba, dem heutigen Hebron. Rabbiner Rothschild stellt fest, dass die Tora nur sehr kurz über Saras Leben berichtet; nach der Geburt Isaaks folgt bald ihr Tod.​Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen oder sogar als Podcast anhören:Ein zentraler Punkt ist die Verbindung zwischen Saras Tod und der unmittelbar vorangehenden Erzählung von der Bindung Isaaks (Akedat Jizchak). Rothschild weist auf ein textliches Problem hin: Am Ende von Kapitel 22 kehrt Abraham allein von diesem Ereignis nach Beerscheba zurück, während Isaak unerwähnt bleibt. Direkt danach, in Kapitel 23, erfährt der Leser, dass Sara an einem anderen Ort, in Hebron, gestorben ist, und Abraham erst „hinkommt, um sie zu beklagen und zu beweinen“. Rothschild wirft die Frage auf: „Wieso ist Sarah, diese ältere Dame, eineinhalb Tagesreisen nördlich von Beerscheba?“.​In diesem Zusammenhang wird die rabbinische Interpretation erwähnt, dass Sara aus Kummer und Schock über die Beinahe-Opferung ihres Sohnes gestorben sein könnte. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Alter Isaaks zum Zeitpunkt der Bindung. Entgegen der landläufigen Darstellung als kleiner Junge ist Isaak bereits 37 Jahre alt gewesen. Zwar bezeichnet ihn die Tora als „Na’ar“ (Jüngling), doch Rothschild argumentiert, dass dieser Begriff auch einen unverheirateten, noch nicht vollends verantwortungsbewussten Mann von 40 Jahren beschreiben könne.​Drei Jahre nach Saras Tod heiratet Isaak im Alter von 40 Jahren. Diese Heirat ist nicht gänzlich freiwillig, da ihm seine Frau Rebekka gebracht wird, ohne dass er sie selbst gewählt hätte. Abraham, der nun seinen Fokus auf die Zukunft der Familie und das Erlangen von Enkelkindern legt, übernimmt hier die Initiative – eine Aufgabe, die man, so Rothschild, „delegieren muss“. Die Erzählung zeigt einen Abraham, der nach dem Verlust seiner Frau die Kontinuität seiner Linie sichern will. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Im Gespräch zum Wochenabschnitt „Wajera“ aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 18–22, erläutert Rabbiner Andrew Steiman vielfältige Aspekte des Textes und aktuelle politische Bezüge.​Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen oder sogar als Podcast anhören:Zunächst gehen wir auf die Wahl des neuen Bürgermeisters von New York, Zohran Mamdani, ein, der als klarer Israel-Gegner gilt. Andy Steiman führt aus, dass ihn erstaunlicherweise rund ein Drittel der jüdischen Wähler, vor allem liberale Juden sowie die kleine, radikal antizionistische Gruppe der Satmarer Chassiden, gewählt haben. Die Satmarer, eine Folge der Schoah, glauben, dass nur der Messias einen jüdischen Staat gründen dürfe, und pflegten in der Vergangenheit sogar Kontakte zu anti-israelischen und antisemitischen Politikern wie Arafat und Ahmadinedschad. Steiman hält Mamdani für einen Populisten, dessen wirtschaftliche Versprechen, wie kostenlose öffentliche Verkehrsmittel, nicht finanzierbar seien und letztlich zu noch höheren Lebenshaltungskosten führen würden. Er befürchtet, dass bei einem Scheitern seiner Politik Juden oder Israel als Sündenböcke herangezogen werden könnten.​Der eigentliche Wochenabschnitt beginnt mit der Erscheinung Gottes bei Abraham, der sich gerade von seiner Beschneidung erholt. Abraham sieht drei Männer, die in der jüdischen Tradition oft als Engel interpretiert werden, und unterbricht seinen Dialog mit Gott, um ihnen Gastfreundschaft zu erweisen. Dies unterstreicht die enorme Bedeutung der Gastfreundschaft im Judentum, die sogar über dem direkten Gespräch mit Gott steht. Die Rabbiner diskutieren die Mehrdeutigkeit des hebräischen Wortes „Adonai“, das sowohl „Gott“ als auch „meine Herren“ bedeuten kann, was zu unterschiedlichen Interpretationen der Szene führt. Diese Ambiguität im Urtext sei ein wichtiger Teil der jüdischen Auslegungstradition, die im Gegensatz zu modernen ideologischen Eindeutigkeiten stehe.​Ein weiterer Punkt ist die Ankündigung der Geburt Isaaks. Sarahs Lachen wird als menschliche Reaktion auf das Unfassbare gedeutet und der Name „Jizchak“ (Er wird lachen) verweist darauf. Steiman zieht eine Parallele zur Verkündigung an Maria im Neuen Testament, die ebenfalls in einem Lobgesang ihre Dankbarkeit ausdrückt und sich ihrer jüdischen Tradition und Geschichte bis zu Abraham bewusst ist. Er betont, dass das Christentum oft den Bezug zum Ersten Testament verliere und ein tieferes Verständnis der jüdischen Wurzeln notwendig sei.​Abschließend wird über das Wesen des Gebets reflektiert. Im Hebräischen ist „Lehitpallel“ (beten) ein reflexives Verb, das mehr als nur Bitten umfasst; es schließt vor allem Dankbarkeit ein. Anhand persönlicher Anekdoten verdeutlicht Steiman, dass Dankbarkeit für das, was man hat, zu einem erfüllteren Leben führt, selbst wenn Bitten nicht erhört werden. Das Gespräch schließt mit dem Gedenken an den vor 40 Jahren ermordeten Jizchak Rabin, dessen Name ebenfalls „Er wird lachen“ bedeutet, und der als Symbol für schwere, aber notwendige Entscheidungen in Erinnerung bleibt.​ This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Im „Wort zum Schabbat“ von ahavta - Begegnungen spricht Rabbiner Daniel Katz aus New York über den Tora-Wochenabschnitt Lech Lecha (1. Mose 12–17). Zu Beginn des Gesprächs gehen wir kurz auf die Bürgermeisterwahl in New York ein, wobei die Kandidaten und ihre Positionen im Kontext der jüdischen Gemeinde diskutiert werden. Dies leitet zur Thematik von Segen und Fluch über, die im Wochenabschnitt eine zentrale Rolle spielt.Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen oder sogar als Podcast anhören:https://plus.ahavta.com/p/lech-lechaDer Kern von Daniels Erläuterungen ist die göttliche Aufforderung an Abram: „Lech Lecha“ – wörtlich „Geh für dich“. Katz analysiert diese hebräische Wendung als einen „ethischen Dativ“, eine grammatikalische Besonderheit, die eine tiefere, persönliche Dimension vermittelt. Die Aufforderung ist mehr als ein einfacher Befehl; sie ist ein Ruf zur Selbstwerdung. Indem Abram aufgefordert wird, sein Land, seine Heimat und seine Familie zu verlassen, begibt er sich auf eine Reise, die nicht nur geografisch ist, sondern ihn zu seinem wahren Selbst führen soll. Er verlässt sein altes „Ich“, um ein neues zu finden, was später durch die Namensänderung von Abram zu Abraham symbolisiert wird.​Segen, Gehorsam und VertrauenEin weiteres zentrales Thema ist der Begriff des Segens (Bracha), der in den ersten Versen viermal vorkommt. Katz betont, dass der Segen ein fundamentaler Aspekt des Judentums und der jüdischen Liturgie ist, der die Beziehung zu Gott ausdrückt. Die Verheißung an Abram, dass in ihm alle Völker der Erde gesegnet werden, stellt den universellen Aspekt seiner Berufung dar.​Abrams sofortiger Gehorsam wird als Spiegelbild von Gottes Schöpfungsakt dargestellt: So wie Gott spricht und es geschieht („Es werde Licht“), so spricht Gott zu Abram, und dieser handelt („Geh... und er ging“). Dieser Akt des Vertrauens ist die Grundlage der sich entwickelnden Beziehung zwischen Gott und Abram, die in der Bereitschaft zur Opferung Isaaks ihren Höhepunkt findet.​Universelle und partikulare BedeutungDaniel Katz hebt hervor, dass der Wochenabschnitt eine Wende in der Genesis markiert: von der universellen Geschichte der Schöpfung und der Sintflut hin zur partikularen Geschichte des jüdischen Volkes. Obwohl Abraham eine Schlüsselfigur für Judentum, Christentum und Islam ist, beginnt mit ihm der spezifische Weg des jüdischen Volkes. Die am Ende des Abschnitts eingeführte Beschneidung ist das Bundeszeichen, das Abraham und seine Nachkommen (einschließlich Ismael, was für den Islam von Bedeutung ist) bindet und diesen Bund manifestiert.​Zusammenfassend stellt das Gespräch die Reise Abrams als paradoxen Akt dar: Man muss sich selbst verlassen, um sich zu finden. Diese spirituelle Reise, die auf Gehorsam und Vertrauen basiert, ist nicht nur eine historische Erzählung, sondern ein zeitloses Modell für die menschliche Selbstfindung im Glauben.​ This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Im „Wort zum Schabbat“ vom 24. Oktober 2025 analysiert Kantor Amnon Seelig den Tora-Wochenabschnitt Noach in 1. Mose 6,9–11,32. Im Zentrum seiner Ausführungen steht der Vergleich zwischen der Generation der Sintflut und der Generation des Turmbaus zu Babel, die beide im Abschnitt behandelt werden.​Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen oder sogar als Podcast anhören: https://plus.ahavta.com/p/noach-785Die zwei Generationen: Sintflut und TurmbauSeelig stellt heraus, dass die beiden Generationen sich fundamental in der Art ihrer Verfehlungen unterscheiden, was auch die unterschiedliche Reaktion Gottes erklärt.* Die Generation der Sintflut: Zur Zeit Noachs ist die Menschheit von innerer Bosheit und moralischer Verdorbenheit geprägt. Die Menschen nutzen einander aus, missbrauchen sich und sind gewalttätig. Gott sieht dieses zwischenmenschliche Fehlverhalten als irreparabel an und beschließt, die Menschheit durch die Flut zu vernichten. Nur Noach und seine Familie überleben, da sie als gerecht gelten.​* Die Generation des Turmbaus: Einige Generationen nach der Flut lebt die Menschheit in Einheit. Alle sprechen dieselbe Sprache, teilen dieselben Ideen und leben friedlich zusammen. Ihre Sünde, so Seelig, richtet sich nicht gegen die Mitmenschen, sondern direkt gegen Gott. Angetrieben von technologischem Hochmut und dem Glauben an die eigene Intelligenz, versuchen sie, mit dem Turmbau den Himmel zu erreichen. Sie wollen beweisen, dass sie ohne Gott auskommen und ihn sogar bekämpfen können. Seelig betont, dass die Tora diese erzwungene Harmonie und das Fehlen von Meinungsvielfalt kritisiert. Gott bestraft diese Generation daher nicht mit dem Tod, sondern mit der Verwirrung der Sprachen und der Zerstreuung über die ganze Erde. Diese Strafe ist eine Lektion, die zur Vielfalt der Perspektiven und Ideen zwingt.​Lehren und GegenwartsbezügeAus diesem Vergleich leitet Seelig Lehren für die Gegenwart ab. Die Geschichte des Turmbaus dient als Analogie für die heutige Zeit, in der sich Menschen oft in “Bubbles” und Echokammern der sozialen Medien bewegen, wo nur bestätigende Meinungen zugelassen werden. Das Streben nach einer homogenen Gesellschaft ohne Auseinandersetzung wird als problematisch dargestellt.​Im weiteren Verlauf des Gesprächs wird diese Idee auf die globale politische Lage übertragen. Israel wird dabei als moderner „Störfaktor“ identifiziert, der die Illusion eines einfachen Weltfriedens stört. Die Vorstellung, dass ohne Israel Harmonie herrschen würde, wird als eine Form der Sündenbocksuche aufgedeckt. Seelig kritisiert, wie globale Probleme wie der Klimawandel instrumentalisiert und fälschlicherweise mit dem Nahostkonflikt verknüpft werden, um einen Schuldigen zu benennen.​Diese Dynamik hat laut Seelig tiefe historische Wurzeln, die bis in die christliche Theologie zurückreichen, wo die Juden durch ihre Weigerung, Jesus anzuerkennen, als „Störer“ der Welterlösung angesehen werden. Menschen neigen dazu, andere bzw. einen externen Faktor für Probleme verantwortlich zu machen, anstatt nach innen zu blicken und Verantwortung zu übernehmen.​Die abschließende Botschaft des Wochenabschnitts ist demnach, dass ein erfülltes menschliches Leben sowohl ein respektvolles Miteinander als auch eine spirituelle Dimension und den Glauben an Gott erfordert. Technologie und menschliche Intelligenz allein sind nicht ausreichend. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
In seinem Wort zum Schabbat für den Wochenabschnitt Bereschit erläutert Rabbiner Dr. Walter Rothschild die tiefere Bedeutung des Schöpfungsberichts im 1. Buch Mose. Er betont, dass die Bibel nicht mit einem wissenschaftlichen Traktat, sondern mit dem schönsten Gedicht der Geschichte beginnt. Fantasielose Wortgläubige, die den Text als Prosa lesen und mit Fakten aus Wissenschaft oder Biologie abgleichen wollen, stellen laut Rothschild die falschen Fragen und erhalten daher unbefriedigende Antworten. Poesie handle von Gefühlen und Wahrnehmungen, nicht von Fakten.Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen oder sogar als Podcast anhören:https://plus.ahavta.com/p/bereschit-f75Um die poetische Kraft des Textes zu verdeutlichen, entwirft Rothschild ein Gedankenexperiment: Er erklärt einem intelligenten, aber unwissenden Menschen das Universum. In einfachen, beobachtenden Worten beschreibt er die grundlegenden Elemente der Welt. Er beginnt mit der Entstehung von Licht aus dem Nichts, dem Wechsel von Tag und Nacht und der Trennung von Wasser und Himmel durch eine schützende Atmosphäre. Er erläutert die Zyklen der Natur: die Sonne, die Wärme und Licht spendet, der Mond, der die Gezeiten beeinflusst, und die Sterne, die zur Orientierung dienen. Diese Regelmäßigkeit der Zyklen, so Rothschild, ist ein göttliches Design, das Ordnung schafft und Furcht überflüssig macht. Es gibt eine Zeit zum Arbeiten und eine zum Schlafen.Rothschild unterscheidet diese „Infrastruktur“ der Welt von dem Mysterium des „Lebens“. Das Leben, erklärt er, kann nicht erschaffen, sondern nur beobachtet werden. Es entspringt aus dem Nichts und erfüllt Wasser, Luft und Erde in unzähligen Formen – von Fischen und monströsen Meereskreaturen über Vögel und Insekten bis hin zu den Säugetieren, zu denen auch der Mensch gehört. Selbst die Pflanzenwelt zeugt von dieser unerklärlichen Lebenskraft. Diese ganze geordnete und lebendige Welt deutet auf einen Schöpfer, „Elohim“, hin, der allem einen Sinn und eine Bestimmung gibt.Anschließend zeigt Rothschild auf, dass der biblische Text eine zweite, alternative Erzählung präsentiert. Diese konzentriert sich nicht auf den Kosmos, sondern auf den Menschen. Sie beginnt in einem paradiesischen Zustand, der jedoch durch menschliches Handeln eine Wendung erfährt. Aus Gottes Sicht geht etwas schief, aus menschlicher Sicht findet eine Evolution statt: Der Mensch muss fortan für seinen Lebensunterhalt schwitzen, Ackerbau betreiben, Werkzeuge erfinden und Familien gründen, um Wissen weiterzugeben.Die entscheidende Einsicht ist für Rothschild, dass das zweite Kapitel keine chronologische Fortsetzung des ersten ist, sondern ein völlig neuer Anfang. Die Existenz dieser beiden unterschiedlichen, sich nicht nahtlos aneinander anschließenden Versionen beweist, dass keine von beiden die alleinige Wahrheit für sich beansprucht. Stattdessen bietet die Tora mehrere Perspektiven, um die Welt und die Rolle des Menschen darin zu verstehen, und trägt damit einen poetischen und metaphorischen Charakter. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Im Wort zum Schabbat von ahavta - Begegnungen erläutert Kantor Amnon Seelig den Tora-Wochenabschnitt Wesot HaBracha aus dem 5. Buch Mose, Kapitel 33 und 34. Dieser Abschnitt ist der letzte der Tora und wird ausschließlich am Feiertag Simchat Tora gelesen, niemals an einem regulären Schabbat. Dies – zusammen mit dem anschließendem Lesen von Bereschit an diesem Tag – symbolisiert, dass das Studium der Tora niemals endet; sobald der Zyklus abgeschlossen ist, beginnt er sofort von Neuem.​Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Rabbiner Simon Bernfeld lesen oder sogar als Podcast anhören:https://plus.ahavta.com/p/wesot-habrachaDie ewige Tora und die wandelbare RegierungAmnon Seelig stellt zwei aufeinanderfolgende Verse aus Kapitel 33 in den Mittelpunkt seiner Auslegung. Der erste Vers, Die Tora hat uns Mose befohlen, ein Erbe der Gemeinde Jakobs (33,4), ist die Grundlage für ein bekanntes jüdisches Kinderlied, das uns Amnon singt. Es drückt eine einfache Wahrheit aus: Die Tora ist das ewige und unveränderliche Erbe des jüdischen Volkes.​Im Gegensatz dazu steht der komplexere nächste Vers (33,5), den die „Lesezeichen“ in der Tor in drei Teile gliedern. Amnon interpretiert den Vers mit den Weisen als symbolische Darstellung der Entwicklung menschlicher Regierungsformen:​* Die Monarchie: Der Teil Und es war ein König in Jeschurun (ein poetischer Name für Israel) repräsentiert die älteste Regierungsform, in der ein einzelner Herrscher wie ein König, Kaiser oder Diktator die alleinige Macht innehat.​* Die Versammlung der Oberhäupter: Die Phrase als sich die Häupter des Volkes versammelten steht für eine fortgeschrittenere Form, in der eine Gruppe von Ältesten, Gelehrten oder ein Parlament (wie die Knesset oder der Bundestag) gemeinsam Entscheidungen trifft.​* Die Demokratie: Der letzte Teil, zusammen die Stämme Israels, symbolisiert die modernste Form der Regierung. Hier hat jeder Bürger eine Stimme und nimmt an der Entscheidungsfindung teil, auch wenn dies in der Praxis meist indirekt durch Wahlen geschieht.​Amnon betont, dass diese politischen Systeme von Menschen geschaffen sind und sich im Laufe der Geschichte ständig verändern. Sie unterscheiden sich von Land zu Land und von Epoche zu Epoche. Die Tora hingegen, wie im vorherigen Vers beschrieben, bleibt als göttliches Erbe für alle Generationen stabil und unveränderlich. Sie ist die feste Grundlage des jüdischen Volkes, unabhängig von der jeweils herrschenden Regierungsform.​Ausblick und HoffnungIch ergänze die Auslegung um eine messianische Perspektive: Die Stufe der „direkten Demokratie“ könne auch auf eine zukünftige Zeit verweisen, in der alle Menschen die Tora gleichermaßen verstehen und es keine Hierarchie zwischen Gelehrten und Laien mehr gibt.Abschließend wird der Wunsch ausgedrückt, dass die am Ende des Kapitels verheißene Sicherheit für Israel bald Realität wird. Kantor Seelig endet mit dem Hoffnungswunsch, dass die Geiseln befreit werden.​ This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Im Wochenabschnitt Haasinu in 5. Mose 32erhält Mose den Befehl zu sterben. Rabbiner Daniel Katz erklärt dieses letzte, schwierige Lied und seine Botschaft der ewigen Kontinuität für das Volk Israel.Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Rabbiner Simon Bernfeld lesen oder sogar als Podcast anhören:https://plus.ahavta.com/p/haasinuKontext und SchwierigkeitRabbiner Katz stellt zunächst klar, dass der Wochenabschnitt Haasinu weniger im Kontext des gerade vergangenen Jom Kippur steht, sondern vielmehr auf das bevorstehende Fest Simchat Tora verweist. Er wird als letzte reguläre Parascha vor dem Abschluss des jährlichen Tora-Lesezyklus gelesen.Haasinu gilt als einer der schwierigsten Abschnitte der gesamten Tora. Dies liegt weniger am Inhalt als an der Sprache: Das Hebräisch ist äußerst poetisch und komplex, was das Verständnis erschwert. Obwohl die Parascha mit 52 Versen zu den kürzesten zählt, stellt sie eine große Herausforderung dar.Form und Inhalt des LiedesDer Abschnitt besteht aus einem Lied, das Mose dem Volk Israel vor seinem Tod vorträgt. In der Tora-Rolle hat dieses Lied ein einzigartiges Layout: Der Text ist in zwei schmalen Spalten angeordnet, was seine poetische Form visuell unterstreicht. Dies unterscheidet es von der normalen Textanordnung und auch von der ebenfalls poetischen Darstellung des „Liedes am Meer“, das wie Ziegelsteine gesetzt ist.Inhaltlich ist das Lied eine Zurechtweisung. Mose ruft Himmel und Erde als Zeugen an und ermahnt das Volk, weil es sich von Gott abgewandt hat. Er prophezeit Gottes Zorn, aber auch die spätere Rückkehr des Volkes zu Gott und die endgültige Versöhnung. Damit ähnelt das Lied den Abschiedsworten Jakobs im 1. Buch Mose, der seine Söhne vor seinem Tod segnet und ihre Zukunft voraussagt.Verbindungen zu anderen zentralen TextenKatz hebt zwei wichtige Verbindungen hervor:Das Schma Jisrael: Nach dem Lied befiehlt Mose dem Volk, sich seine Worte zu Herzen zu nehmen und sie den Kindern weiterzugeben. Die Formulierung „die Worte, die ich heute gegen euch bezeuge“ erinnert stark an die Sprache des Schma Jisrael. Sie kann als juristische Warnung verstanden werden, die auch im zweiten Absatz des Schma zu finden ist.Der Tod Moses: Unmittelbar nach dem Lied erhält Mose von Gott den Befehl: „Steig auf den Berg [...] und stirb“. Dieser Imperativ ist bemerkenswert. In der folgenden Parascha heißt es, Mose sei „auf den Mund Gottes“ (al pi Adonai) gestorben. Daniel Katz erläutert zwei Deutungen: Entweder stirbt Mose aufgrund dieses direkten Befehls, oder – in einer poetischen Auslegung – Gott nimmt sein Leben durch einen Kuss.Die Kontinuität des LebensObwohl Mose den Befehl zum Sterben erhält, endet die Geschichte nicht. An Simchat Tora wird unmittelbar nach dem Ende der Tora wieder mit dem Anfang begonnen und zudem das Buch Josua aufgeschlagen. Dies symbolisiert, dass das Tora-Studium und das jüdische Leben niemals enden. Während das Leben des Einzelnen (Mose) endet, lebt das Volk Israel weiter. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
Im Wort zum Schabbat von ahavta - Begegnungen erläutert Kantor Amnon Seelig den Wochenabschnitt Wajelech aus dem 5. Buch Mose, Kapitel 31. Dieser Abschnitt ist mit nur 30 Versen der kürzeste der Tora und wird in den meisten Jahren zusammen mit dem vorherigen Abschnitt Nizawim gelesen.Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Rabbiner Simon Bernfeld lesen oder sogar als Podcast anhören:https://plus.ahavta.com/p/wajelechDie Bedeutung des GehensAmnon Seelig konzentriert seine Auslegung auf das erste Wort des Abschnitts, Wajelech – „Und er ging“. Der erste Vers lautet: „Und Mose ging und redete diese Worte zu ganz Israel.“ Dies erscheint widersprüchlich, da Mose an Ort und Stelle steht und eine lange Abschiedsrede hält. Der Vers scheint überflüssig, da er lediglich eine Rede fortsetzt.Die Besonderheit liegt laut Seelig in der seltenen Verwendung der Wortkombination Wajelech Mosche („Und Mose ging“). Diese Formulierung kommt in der gesamten Tora nur viermal vor und markiert stets einen entscheidenden Fortschritt in der Geschichte des jüdischen Volkes :Als Mose nach der Offenbarung am Dornbusch zu seinem Schwiegervater Jetro zurückkehrt, um nach Ägypten zu gehen.Als Mose gemeinsam mit Aaron die Ältesten Israels versammelt, um ihnen Gottes Botschaft zu überbringen.Zu Beginn des aktuellen Wochenabschnitts Wajelech.Innerhalb desselben Abschnitts, als Mose gemeinsam mit Josua zum Zelt der Zusammenkunft geht, um Josua in sein Amt als Nachfolger einzuführen.Symbol für fortschrittliche FührungDie ersten beiden Male stehen am Anfang von Moses’ Wirken, die letzten beiden am Ende seiner Führung. Seelig deutet dies als Symbol für Moses’ Führungsqualität: Er war immer in Bewegung und dachte stets daran, wie er das Volk Israel weiterbringen kann. Obwohl das „Gehen“ im aktuellen Abschnitt nicht physisch ist, symbolisiert es einen geistigen Fortschritt. Mose klammert sich nicht an sein Amt, sondern sorgt für einen geordneten Übergang und die Erfüllung von Gottes Willen. Seine Priorität ist die Aufgabe, nicht die Macht.Verbindung zur HalachaVon dem hebräischen Wort für „gehen“ (halach) leitet sich auch der Begriff Halacha ab, das jüdische Religionsgesetz. Seelig erklärt, dass die Halacha daher kein starres, eingefrorenes Regelwerk ist. Vielmehr ist sie ein Weg, der sich den jeweiligen Herausforderungen der Zeit anpasst und immer in Bewegung bleibt, genau wie das Leben selbst. Mose verkörpert dieses Prinzip, indem er stets voranschreitet und nur das Interesse des Volkes und Gottes Wort vor Augen hat. This is a public episode. If you'd like to discuss this with other subscribers or get access to bonus episodes, visit plus.ahavta.com/subscribe
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