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Slow German
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Author: Annik Rubens
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© Annik Rubens
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In this podcast, German podcaster Annik Rubens talks slowly about topics of everyday German life, from beergardens to recycling. More information and Premium Podcast with learning materials on Slow German at www.slowgerman.com. You can read the complete transcript of each episode on this internet-site or in the ID3-Tags.
304 Episodes
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Freude, schöner Götterfunken. Sagen dir diese Wörter etwas? Vielleicht nicht. Aber die Melodie, die damit verbunden wird, kennst du mit Sicherheit. Es ist das Lied, das wir heute als Europahymne kennen. Heute erzähle ich dir mehr über dieses wichtige Stück klassischer Musik.
Der Text stammt von Friedrich Schiller. Er schrieb das Gedicht „An die Freude“ im Jahr 1785. Später überarbeitete er es noch einmal. Schiller war damals schon ein berühmter Dichter. Er liebte große Themen wie Freiheit, Freundschaft und Menschlichkeit. In der Ode „An die Freude“ wollte er zeigen, dass alle Menschen Brüder und Schwestern sind und zusammenhalten sollten.
Viele Jahre später entdeckte ein anderer sehr berühmter Mann dieses Gedicht für sich: der Komponist Ludwig van Beethoven. Er war fasziniert von Schillers Worten. Beethoven war selbst ein Mensch, der stark an die Kraft der Freiheit glaubte. Außerdem bewunderte er Schiller, weil dieser Mut zeigte und über wichtige gesellschaftliche Fragen schrieb. Beethoven wollte schon lange ein großes Musikstück schaffen, das die Idee von Gemeinschaft und Humanität ausdrückt. Als er die Ode „An die Freude“ las, wusste er, dass er diese Worte eines Tages vertonen würde.
Beethoven arbeitete viele Jahre an seiner Neunten Sinfonie. Als sie im Jahr 1824 in Wien uraufgeführt wurde, war Beethoven schon völlig taub. Er stand trotzdem am Dirigentenpult, obwohl er die Musik nicht mehr hören konnte. Am Ende des Konzerts sah er, dass die Menschen ihm begeistert applaudierten. Viele standen sogar auf. Die 9. Sinfonie war also von Anfang an ein großer Erfolg.
Der berühmte Chor mit dem Text der „Ode an die Freude“ erklingt im letzten Satz der Neunten Sinfonie. Für damalige Zeit war das etwas Besonderes. Eine Sinfonie mit einem Chor war ungewohnt. Heute gilt die Neunte Sinfonie als Meisterwerk. Der Chor mit der „Ode an die Freude“ ist der bekannteste Teil.
Interessant fand ich zu lesen, dass Schiller selbst sein Gedicht später gar nicht mehr so mochte. Er hatte das Gefühl, es sei zu übertrieben und zu pathetisch. Er hätte wahrscheinlich nie gedacht, dass seine Worte einmal von Millionen Menschen auf der ganzen Welt gesungen würden. Auch Beethoven wusste natürlich nicht, wie populär seine Musik einmal werden würde. Niemand konnte ahnen, dass seine Melodie Jahrhunderte später bei Sportereignissen, Konzerten und sogar auf Klingeltönen von Handys landen würde. Ich überlege oft, wie die längst verstorbenen Künstler es wohl empfinden würden, wenn sie ihren heutigen Erfolg sehen könnten. Gerade erst war ich in einem ausverkauften Rachmaninow-Konzert. Und das war ja ein Mann, der sehr an sich gezweifelt hat. Aber zurück zu Schiller und Beethoven. Denn die Geschichte dieses Stückes geht ja noch viel weiter.
Ein besonders wichtiger Moment in der Geschichte der „Ode an die Freude“ war nämlich das Jahr 1972. In diesem Jahr wurde die Melodie zur offiziellen Hymne des Europarats gewählt. Später, 1985, wurde sie auch die Hymne der Europäischen Gemeinschaft, aus der später die Europäische Union wurde. Das Besondere daran: Für diese Hymne wird nur die Musik verwendet. Es wird nicht gesungen. Man wollte damit zeigen, dass Europa viele Sprachen und Kulturen hat. Die Melodie steht für gemeinsame Werte, ohne eine Sprache zu bevorzugen.
Ich muss dir noch etwas erzählen, was ich selber gar nicht wusste. Ich habe es erst erfahren, als ich für diese Episode recherchiert habe: Die Melodie wurde in Japan zu einem Winterhit! Dort singen große Chöre jedes Jahr zum Jahresende Beethovens Neunte. Manche dieser Chöre bestehen aus mehreren Tausend Sängerinnen und Sängern. In Japan ist die Neunte so beliebt, dass einige Menschen sie sogar „Daiku“ nennen. Das bedeutet „Nummer Neun“. Wie genau diese Tradition entstanden ist, ist nicht ganz klar. Ich habe auf der Seite der BBC gelesen, dass diese Tradition im Ersten Weltkrieg entstanden sein soll. Damals gab es ein Kriegsgefangenenlager in Japan und dort waren deutsche Soldaten interniert. Und diese Soldaten spielten oft Musik, eben auch Beethovens Neunte. Nach dem Kriegsende gaben sie ein Konzert außerhalb des Gefängnisses. Das Stück wurde über die Jahre beliebter in Japan und 1940 wurde es bei einer Neujahrsaufführung gespielt. Auf der Seite slowgerman.com habe ich den Link zu einem Video für dich von 10.000 Sängerinnen und Sängern in Japan!
Mich hat es daran erinnert, dass ich als Kind mit meinen Eltern und Verwandten im Hollywood Bowl war. Dort gab es auch ein Konzert der „Ode an die Freude“, und meine Mutter und ich haben uns damals eher amüsiert. Denn die amerikanischen Sängerinnen und Sänger hatten nicht so ordentlich an ihrer Aussprache gearbeitet wie die aus Japan und es klang für uns einfach lustig, wie sie die deutschen Wörter aussprachen.
Dennoch finde ich es natürlich faszinierend, dass Menschen auf der ganzen Welt diese Melodie lieben und sogar den deutschen Text singen können! Noch ein paar Worte zum Text: Sei nicht frustriert, wenn du ihn nicht verstehst. Es ist Lyrik. Und es ist alt. Es ist auch für mich nicht alles gut zu verstehen. Die Freude ist zum Beispiel eine „Tochter aus Elysium“, also aus dem Paradies der Götter.
Dann schreibt Schiller: „Alle Menschen werden Brüder“. Dieser Gedanke war zur Entstehungszeit ziemlich radikal. Die Gesellschaft war streng in Klassen eingeteilt. Manche Menschen hatten viele Rechte, andere sehr wenige. Schiller stellte diese Ordnung mit seinem Gedicht offen in Frage. Für einen Dichter im 18. Jahrhundert war das mutig. Dass dieser Satz heute zu den berühmtesten Zeilen deutscher Dichtung gehört, zeigt, wie stark seine Wirkung ist. Und er ist leider nach wie vor aktuell, denn wir sind lange noch nicht an dem Punkt, an dem alle Menschen gleich sind.
Das alles wollte ich dir erzählen, in dieser Zeit der Krisen und Kriege. Wir müssen versuchen, Hoffnung zu haben. Anderen Menschen zu vertrauen. Wir sind alle Menschen auf der gleichen Erde. Es wird Zeit, dass wir gemeinsam leben und nicht gegeneinander kämpfen. Schön pathetisch, oder? Muss auch mal sein.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg311kurz.pdf
Wie Du weißt, lebe ich in München. Und vor einer Woche durften die Menschen in München abstimmen. Die Frage war: Soll München sich für die Olympischen Sommerspiele bewerben? Ich persönlich war dagegen, aber die Mehrheit der Münchner stimmte dafür. Also bewirbt sich die bayerische Landeshauptstadt um dieses Spektakel. Mal sehen, ob es klappt. Mich hat es jedenfalls auf die Idee gebracht, eine Slow German-Episode über die Olympischen Spiele zu machen.
Die Olympischen Spiele sind eines der größten Sportereignisse der Welt. Alle vier Jahre treffen sich Sportlerinnen und Sportler aus fast allen Ländern, um gemeinsam zu zeigen, was sie können. Es soll dabei nicht nur um Medaillen gehen, sondern auch um Fairness, Respekt und Völkerverständigung. Das war schon die Idee der alten Griechen, die vor über 2700 Jahren die ersten Olympischen Spiele in Olympia veranstalteten. Vielleicht hast Du auch die Eröffnung der Olympischen Spiele in Paris gesehen? Wie die Boote mit den Sportlerinnen und Sportlern über die Seine fuhren? Das war ein fantastisches Spektakel, oder?
Aber hier bei Slow German geht es natürlich vor allem um Deutschland. Deutschland hat eine lange Geschichte mit den Olympischen Spielen. Schon 1896, bei den ersten Spielen der Neuzeit in Athen, nahmen deutsche Athleten teil. 1936 fanden die Spiele in Berlin statt. Diese Spiele sind heute besonders bekannt, weil sie von der nationalsozialistischen Regierung für Propaganda genutzt wurden. Trotzdem gab es dort auch sportliche Höhepunkte, wie zum Beispiel den Sieg des afroamerikanischen Läufers Jesse Owens.
Doch die wohl bekanntesten Olympischen Spiele in Deutschland sind die von 1972 in München. Sie sollten ganz anders sein als die von 1936. Die Bundesrepublik Deutschland wollte der Welt ein neues, modernes, friedliches Land zeigen. Ein Land, das nach dem Krieg wieder aufgebaut war, freundlich und offen. Deshalb war das Motto dieser Spiele: „Heitere Spiele“.
Die Spiele in München begannen am 26. August 1972. Sie dauerten zwei Wochen. Das Olympiastadion war damals extra dafür ganz neu gebaut worden – mit einem durchsichtigen Zeltdach. Heute wird es renoviert, ebenso wie das Stadion, in dem seither übrigens sehr viele Open Air-Konzerte stattgefunden haben. Auch das Maskottchen von Olympia 1972 war fröhlich: ein bunter Dackel mit dem Namen „Waldi“. Das war das erste Mal, dass es bei Olympischen Spielen überhaupt ein offizielles Maskottchen gab. „Waldi“ war also ein echter Pionier!
München wurde für die Olympischen Spiele komplett umgebaut. Es gab ein eigenes olympisches Dorf, in dem die Sportlerinnen und Sportler wohnten. Viele dieser Gebäude werden bis heute genutzt. Allerdings finde ich sie eher hässlich, das sind Betonklötze, die aber 1972 als modern empfunden wurden. Manche der Gebäude wurden zu normalen Wohnhäusern, andere zu Studentenheimen umgebaut. Dazu gab es neue Straßen, U-Bahn-Linien und Sportanlagen.
Mit 121 teilnehmenden Mannschaften und 7170 Athleten stellten die Spiele von München einen neuen Teilnehmerrekord auf. Sportlich lief es für Deutschland sehr gut. Also für die Bundesrepublik Deutschland muss man sagen, denn das war vor der Wiedervereinigung. Besonders bekannt wurde der Schwimmer Mark Spitz aus den USA, der sieben Goldmedaillen gewann. Das war damals ein Weltrekord. Aber auch deutsche Athleten waren erfolgreich. Heide Rosendahl gewann Gold im Weitsprung und zusammen mit ihren Teamkolleginnen auch in der 4×100-Meter-Staffel. Der Turner Klaus Köste gewann Gold am Reck.
Doch so fröhlich die Spiele begonnen hatten, so tragisch wurden sie in der zweiten Woche. Am 5. September 1972 drangen acht Terroristen in das olympische Dorf ein. Sie gehörten zur palästinensischen Gruppe „Schwarzer September“. Sie nahmen elf Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln. Ihr Ziel war es, palästinensische Gefangene freizupressen. Die Situation dauerte fast den ganzen Tag. Am Ende versuchte die Polizei, die Geiseln zu befreien. Doch die Aktion scheiterte. Alle elf Israelis, ein Polizist und fünf Terroristen kamen ums Leben. Dieses Ereignis erschütterte die ganze Welt.
Trotzdem beschlossen die Veranstalter, die Spiele fortzusetzen. Sie wollten damit zeigen, dass Terror nicht siegen darf. Zwei Tage nach dem Attentat wurde eine große Trauerfeier im Stadion abgehalten. Der IOC-Präsident sprach damals den berühmten Satz: „The Games must go on.“ – „Die Spiele müssen weitergehen.“
Heute erinnern noch viele Orte in München an die Olympischen Spiele von 1972: Wir haben den Olympiapark, in dem man wunderbar spazieren gehen kann, das Olympiastadion mit seinem berühmten Zeltdach, den hohen Olympiaturm, der mittlerweile eines der Wahrzeichen der Stadt ist und von dem aus man eine wunderbare Aussicht über die ganze Stadt hat, den Olympiasee und das Olympiadorf.
Deutschland hat sich seitdem sieben Mal um Olympische Spiele beworben, aber bisher hat es keine weiteren bekommen. Jetzt will es sich für die Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Vier Städte oder Regionen sind ausgewählt worden: Berlin, Hamburg, München und die Region Rhein-Ruhr. Ende 2026 soll die Entscheidung fallen. Ich bin gespannt. Die nächsten Olympischen Sommerspiele werden 2028 in Los Angeles stattfinden, dann 2032 in Brisbane. Bist Du ein Olympia-Fan?
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg310kurz.pdf
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Als ich ein Kind war, haben wir mit der Schule einen Ausflug gemacht. Ein Bus kam und wir stiegen alle ein. Das Ziel war ein Römerkastell. Wir waren sehr aufgeregt. Was würden wir dort sehen? Eine große Burg? Ein Schloss? Eine Arena? Über eine Stunde lang waren wir unterwegs. Und als wir ankamen, war die Enttäuschung groß: Wir sahen nur ein paar Mauern. Mehr war von dieser römischen Siedlung nicht übrig geblieben. Warum ich Dir das erzähle? Weil ich heute mal in die Geschichte blicken will. Lass uns sehen, wie die Römer Deutschland geprägt haben. Denn vor fast zweitausend Jahren war ein großer Teil des heutigen Deutschlands Teil des Römischen Reiches oder stand zumindest unter seinem Einfluss.
Das Römische Reich dehnte sich im ersten Jahrhundert vor Christus immer weiter aus. Die Römer eroberten große Teile Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens. Auch die Gebiete nördlich der Alpen wurden interessant für sie, denn dort gab es fruchtbare Böden, Holz, Metalle und Handelswege. Die Römer nannten das Land der Germanen „Germania“.
Eine wichtige Grenze war der sogenannte Limes. Das war eine Linie aus Wachtürmen, Gräben und Mauern, die das Römische Reich von den Gebieten der Germanen trennte. Der Limes verlief quer durch das heutige Deutschland, von Rheinland-Pfalz über Hessen und Baden-Württemberg bis nach Bayern. Er war über 500 Kilometer lang. Heute kann man an vielen Orten noch Reste davon sehen, zum Beispiel in Aalen, Saalburg oder Regensburg. Der Limes ist sogar UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Römer gründeten viele Städte, die heute noch existieren. Trier, das damals „Augusta Treverorum“ hieß, war eine der wichtigsten römischen Städte nördlich der Alpen. Sie war sogar eine Zeit lang Hauptstadt des Weströmischen Reiches. In Trier kann man heute noch römische Bauwerke bewundern: die Porta Nigra, ein riesiges Stadttor, oder die Kaiserthermen, in denen sich die Römer gebadet haben. Ich war leider noch nie dort. Auch Köln wurde von den Römern gegründet – Mainz, Augsburg und Regensburg haben ebenfalls römische Wurzeln.
Die Römer brachten viele Dinge mit, die für die Menschen in Germanien neu waren. Zum Beispiel Wein. Vor den Römern trank man hier eher Bier oder Met. Aber die Römer pflanzten Reben an – besonders entlang des Rheins und der Mosel. Noch heute sind diese Regionen für ihren Wein bekannt. Auch Straßen und Brücken, wie sie die Römer bauten, gab es vorher nicht. Viele moderne Straßen in Süddeutschland verlaufen noch immer dort, wo früher römische Heerstraßen waren. Die Römer bauten gerade, feste Wege – perfekt für Handel und Reisen.
Auch in der Sprache gibt es römische Spuren. Das Lateinische, die Sprache der Römer, beeinflusste viele europäische Sprachen, auch das Deutsche. Das Wort „Fenster“ kommt zum Beispiel vom lateinischen Wort fenestra, „Keller“ von cellarium oder „Mauer“ von murus.
Die Römer brachten auch ihre Kultur und ihre Lebensart mit. Sie badeten regelmäßig, aßen gemeinsam in großen Speisesälen und liebten Theater und Spiele. In manchen deutschen Städten kann man noch die Reste von römischen Amphitheatern sehen, zum Beispiel in Trier oder Xanten. Dort kämpften Gladiatoren zur Unterhaltung des Publikums. Auch die römische Mode und Architektur beeinflussten die Menschen. Häuser mit Steinmauern, Ziegeln und Fußbodenheizung waren in Germanien vorher unbekannt. Viele dieser Techniken übernahmen später auch die germanischen Stämme.
Natürlich waren die Römer nicht überall beliebt. Es gab immer wieder Kämpfe. Nach dem Untergang des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert blieben viele seiner Spuren bestehen. Die Nachfolger der Römer, etwa die Franken, übernahmen vieles aus der römischen Verwaltung und dem Rechtssystem. Auch das Christentum, das im Römischen Reich verbreitet wurde, kam auf diesem Weg nach Deutschland. Ohne Rom gäbe es hier wohl keine Kirchen, Kathedralen und Klöster in der Form, wie wir sie heute kennen.
Ich kann mich erinnern, was mich bei meinem Ausflug zum Römerkastell in Eining besonders faszinierte: Die Römer hatten eine Fußbodenheizung. Wie schlau war das denn? Und die Lehrerin erzählte uns, dass die Römer gerne gemeinsam auf die Toilette gingen – unter den Sitzbänken gab es fließendes Wasser. Jetzt weißt du, was mich als Kind an den Römern fasziniert hat. Und Du? Was weißt Du über die Römer?
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg309kurz.pdf
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Ich habe letztens ein altes Familienfoto gesehen. Es zeigt Verwandte von mir vor ungefähr hundert Jahren oder mehr. Zu sehen sind ein grimmig dreinschauender Vater und eine sehr müde aussehende Mutter und viele, viele Kinder. Damals war es üblich, dass Frauen viele Kinder bekamen. Schuld war daran nicht nur die fehlende Verhütung, sondern auch die Kindersterblichkeit. Die Menschen wussten, dass viele ihrer Kinder nicht alt werden würden. Nur wenige schafften es bis ins Erwachsenenalter. Ich habe mir die Statistiken angesehen: Um das Jahr 1870 starb eines von vier Neugeborenen in seinem ersten Lebensjahr, also 25 Prozent. 1938 waren es noch 6 von 100 Lebendgeborenen, also nur noch 6 Prozent. Heute sterben nur noch etwa drei von 1.000 Kindern, also 0,3 Prozent. Das ist eine wahnsinnige Erfolgsgeschichte.
Und auch bei den Frauen gab es positive Nachrichten: Während früher sehr viele Frauen im sogenannten Kindbett starben, also bei der Geburt oder kurz danach, ist das heute nur noch sehr selten. Dafür gab es viele Gründe, und über einen Grund möchte ich Dir heute mehr erzählen. In dieser wahren Geschichte geht es um einen Mann namens Ignaz Semmelweis.
Ignaz Semmelweis war ein Arzt, der im 19. Jahrhundert lebte. Er wurde 1818 in Budapest geboren. Damals gehörte Ungarn noch zum Kaiserreich Österreich. Er studierte Medizin in Wien und entschied sich als Spezialfach für die Geburtshilfe, also für die Betreuung von Frauen, die ein Kind bekommen. Nach seinem Studium begann er in Wien im Allgemeinen Krankenhaus zu arbeiten. Das war eines der größten Krankenhäuser Europas, und viele junge Ärzte wurden dort ausgebildet.
Im Krankenhaus gab es zwei Geburtsstationen. In der einen Station arbeiteten Ärzte und Medizinstudenten, in der anderen Hebammen, die dort ausgebildet wurden. Die Frauen wollten alle lieber zu den Hebammen gehen, und das hatte einen wichtigen Grund: Auf der Station der Ärzte starben viele Frauen nach der Geburt – bei den Hebammen war diese Zahl viel geringer. Niemand wusste, warum das so war. Die Ärzte dachten, es liege vielleicht an der Luft oder an der Angst der Frauen. Damals gab es viele Theorien, aber keine Beweise.
Ignaz Semmelweis wurde neugierig. Er wollte den Grund dafür herausfinden. Eines Tages starb sein Freund. Er war Pathologe gewesen und starb kurz nach einer Verletzung, die er sich bei einer Obduktion zugezogen hatte. Eine Obduktion ist die Untersuchung eines toten Menschen um herauszufinden, woran er gestorben ist. Der Freund hatte sich bei einer Untersuchung an der Hand verletzt, und kurz danach bekam er dieselben Symptome wie die Frauen, die im Krankenhaus nach der Geburt starben. Da hatte Semmelweis eine Idee: Vielleicht hatten die Ärzte etwas von den Toten auf die gebärenden Frauen übertragen. Die Ärzte machten nämlich Obduktionen, also Leichenuntersuchungen, und gingen danach ohne sich die Hände zu desinfizieren zu den Geburten. Hygiene galt als Zeitverschwendung. Manche wuschen sich nichtmal die Hände mit Wasser und Seife. Niemand fand das damals merkwürdig, es war ganz normal. Über Bakterien und andere Krankheitserreger wusste man damals noch nichts.
Semmelweis wollte herausfinden, ob seine Theorie richtig war. Er sagte den Ärzten und Studenten, dass sie sich die Hände mit einer Lösung aus Chlorkalk waschen mussten, bevor sie in die Geburtsstation gingen. Und plötzlich geschah etwas Erstaunliches: Die Zahl der toten Frauen sank sehr schnell. Innerhalb weniger Monate starben fast keine Frauen mehr am sogenannten Kindbettfieber. Das war ein riesiger Erfolg.
Hat man Semmelweis dafür gefeiert und belohnt? Nein. Im Gegenteil. Die Ärzte glaubten ihm nicht. Sie fühlten sich angegriffen. Denn die Theorie sagte ja im Grunde, dass sie selbst schuld waren am Tod vieler Frauen. Das wollte natürlich kein Arzt hören. Außerdem konnte Semmelweis nicht wirklich erklären, warum das Händewaschen half – Bakterien waren noch nicht entdeckt. Erst später, durch die Arbeiten von Louis Pasteur, verstand man, dass winzige Lebewesen Krankheiten verursachen können. Doch Semmelweis hatte das Problem schon vorher gelöst, einfach durch Beobachtung und ein Experiment.
Er versuchte, seine Ideen bekannt zu machen, schrieb Briefe und Artikel, später sogar ein Buch über seine Erfahrungen. Aber viele Leute lachten über ihn. Er wurde nicht ernst genommen. Heute weiß man, dass er mit allem recht hatte, doch zu seiner Zeit war er ein Außenseiter.
Nach einigen Jahren verließ Semmelweis Wien und ging zurück nach Budapest. Dort arbeitete er weiter als Arzt und führte das Händewaschen auch in der Geburtsstation seiner Heimatstadt ein. Wieder sanken die Todesfälle deutlich. Trotzdem bekam er keine Anerkennung. Viele seiner Kollegen mieden ihn, und er wurde immer einsamer. Gegen Ende seines Lebens war er sehr verbittert und krank. 1865 wurde er in eine psychiatrische Klinik gebracht, wo er nur wenige Wochen später starb – vermutlich an einer Blutvergiftung, also genau an der Krankheit, die er so oft verhindern wollte.
Erst Jahre nach seinem Tod erkannte die Welt, wie wichtig seine Entdeckung war. Heute gilt Ignaz Semmelweis als einer der Väter der modernen Hygiene. Händewaschen und vor allem die Hände zu desinfizieren gehört heute zu den einfachsten und wichtigsten Regeln der Medizin. Was heute selbstverständlich ist, war zu den Zeiten von Ignaz Semmelweis undenkbar. Gut, dass wir Menschen manchmal klüger werden und dazulernen.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg308kurz.pdf
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Warst du schon einmal arbeitslos? Ich zum Glück nicht. Bei mir geht das aber auch eigentlich nicht, denn ich bin eine sogenannte Freiberuflerin und daher selbständig. Das bedeutet, dass ich nicht angestellt bin. Ich bin meine eigene Chefin. Und ich habe immer viele Ideen für Projekte.
Arbeitslosigkeit ist aber ein Thema, das in Deutschland seit vielen Jahren wichtig ist. Immer wieder hört man in den Nachrichten Zahlen dazu. Aber was bedeutet Arbeitslosigkeit eigentlich? Ganz einfach: Wenn jemand arbeiten möchte, aber keinen Job findet, dann ist diese Person arbeitslos. In Deutschland meldet man sich dann bei der sogenannten Agentur für Arbeit. Früher hieß das Arbeitsamt. Dort bekommt man Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Stelle. Und manchmal auch Geld vom Staat, damit man in dieser Zeit überleben kann.
Schauen wir mal in die Geschichte. Wie war es da mit der Arbeitslosigkeit? Besonders schlimm war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Damals war Deutschland arm und es gab sehr viele Menschen ohne Arbeit. Ab 1929 kam es dann zur Weltwirtschaftskrise. In dieser Zeit waren in Deutschland Millionen von Menschen arbeitslos. Viele Menschen standen stundenlang in Schlangen, um eine Suppe zu bekommen. Verglichen mit anderen Ländern ging es Deutschland in dieser Krise noch vergleichsweise gut. Es erreichte nach einigen Jahren als eines der ersten Länder wieder die sogenannte Vollbeschäftigung. Das bedeutet, dass alle Menschen, die Arbeit suchten, auch welche fanden. Es gab also so gut wie keine Arbeitslosigkeit. So toll war das aber gar nicht, denn die Arbeitsbedingungen waren oft schlecht und die Löhne sehr niedrig.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sah die Lage zunächst auch nicht gut aus. Städte waren zerstört, Fabriken kaputt, viele Menschen auf der Flucht. Doch schon bald begann das sogenannte Wirtschaftswunder. In den 1950er-und 1960er-Jahren ging es Deutschland wirtschaftlich sehr gut. Plötzlich fehlten Arbeitskräfte, weil es so viel Arbeit gab. Deswegen holte Deutschland sogenannte Gastarbeiter ins Land. Viele kamen aus Italien, Griechenland oder der Türkei. Sie halfen, die Wirtschaft aufzubauen. Dazu gibt es eine eigene Episode Slow German.
Vor der Corona-Pandemie waren die Zahlen der Arbeitslosigkeit in Deutschland sehr niedrig. Während der Corona-Zeit stiegen die Zahlen jedoch wieder an. Viele Geschäfte, Restaurants oder kleine Betriebe mussten schließen. Um die Menschen zu unterstützen, führte Deutschland das sogenannte Kurzarbeitergeld ein. Das bedeutet, dass Menschen zwar weniger arbeiten, aber einen Teil ihres Lohns trotzdem vom Staat bekommen. So verloren nicht alle sofort ihren Job.
2023 und 2024 lag die Arbeitslosenquote in Deutschland bei ungefähr fünf bis sechs Prozent. Das bedeutet: Von hundert Menschen im Arbeitsalter sind etwa fünf bis sechs arbeitslos. Diese Quote schwankt aber, je nach Region. In Bayern oder Baden-Württemberg gibt es oft weniger Arbeitslose, weil dort viele große Firmen wie BMW, Audi oder Bosch sitzen. In anderen Regionen ist die Quote manchmal höher. Zum Beispiel sind es in Bayern nur knapp 4 Prozent, in Bremen aber fast 12 Prozent. Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes besagen, dass die Arbeitslosenquote im August 2025 bei 6,4 lag, bei Frauen war sie bei 6,2 und bei Männern bei 6,6. Und bei Jugendlichen unter 20 Jahren bei 5,8 Prozent. Wenn man das in absoluten Zahlen ausdrückt waren etwas mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Ich habe mal nachgesehen, wie es in anderen europäischen Ländern aussieht – in Spanien und Finnland ist es am schlimmsten, Deutschland ist eher auf den vorderen Plätzen, was Beschäftigung angeht.
Aber warum werden Menschen überhaupt arbeitslos? Manche verlieren ihren Job, weil die Firma schließen muss. Momentan wird oft die Weltwirtschaftslage als Grund angeführt, denn durch die Unsicherheit investieren viele Firmen nicht in Jobs. Manche Menschen können aber auch einfach nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, weil sich die Technik verändert hat. Ein Beispiel: Früher gab es in fast jeder Stadt Telefonzellen. Jemand musste sich um diese Telefone kümmern. Heute hat fast jeder ein Handy, und dieser Beruf ist verschwunden. Dafür entstehen aber auch neue Berufe, zum Beispiel im Bereich Computer oder erneuerbare Energien. Es kann auch passieren, dass man in seinem eigentlichen Beruf nicht mehr arbeiten kann, weil man gesundheitliche Probleme hat. Auch psychische Probleme gehören natürlich dazu.
Ich erinnere mich übrigens noch an die sogenannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, kurz ABM. Da erfand der Staat Jobs, um arbeitslosen Menschen eine Möglichkeit zu geben, einen geregelten Arbeitsalltag zu haben. Meistens waren das Jobs im sozialen Bereich oder auch im Umweltschutz. Kritik daran war, dass dadurch natürlich die Arbeitslosenstatistiken plötzlich viel besser aussahen. Heute ist die ABM noch ein geflügeltes Wort. Wenn jemand das Gefühl hat, eine Aufgabe erledigen zu müssen, die eigentlich nicht nötig ist, sagt er: Das ist sowieso nur eine ABM.
Heute bietet die Agentur für Arbeit viele Hilfsmöglichkeiten für Menschen, die arbeitslos werden. Zum Beispiel bietet die Agentur Kurse an, in denen Menschen lernen können, wie man Bewerbungen schreibt oder wie man sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet. Außerdem gibt es Umschulungen. Das bedeutet, dass man einen neuen Beruf lernen kann, wenn es in der alten Branche keine Jobs mehr gibt. Und unter bestimmten Bedingungen bekommt ein arbeitsloser Mensch auch Geld vom Staat. Die Bedingungen zähle ich jetzt hier aber nicht auf, das ist zu kompliziert.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg307kurz.pdf
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Hast du bald eine Deutschprüfung und möchtest Dich vorbereiten? Dann bist Du hier im Podcast Slow German genau richtig. Ich habe aber noch einen Tipp für Dich: Die Prüfungstrainings DaF vom Cornelsen Verlag. Mit praktischen Tipps, Hinweisen und Modelltests kannst Du alleine üben und dann ganz entspannt in Deine Prüfung gehen! Und noch ein Tipp: Wenn du die deutsche Grammatik üben oder wiederholen möchtest, dann sind die Übungsbücher von Cornelsen perfekt, und zwar vom Level A1 bis C1. In diesen Büchern kannst Du jederzeit nachschlagen, wenn es um die deutsche Grammatik geht, und natürlich gibt es auch Hör- und Sprechübungen und Erklärvideos. Mehr zu den Grammatik aktiv Übungsbüchern und Prüfungstrainings von Cornelsen auf www.cornelsen.de und über den Link auf slowgerman.com.
Und jetzt zur Episode:
Seit 2007 mache ich diesen Podcast. Ist es also nicht höchste Zeit, dass wir hier auch mal über Podcasts sprechen? Ich erzähle dir erst etwas über die Geschichte der Podcasts und dann gebe ich dir Hörtipps, ok?
Anfang der 2000er-Jahre gab es die ersten Podcasts in den USA. Bald darauf sind wir auch hier in Deutschland gestartet. Ich bin seit 2005 dabei, damals gab es knapp 70 deutsche Podcasts. Heute sind es angeblich 70.000, das sagt zumindest Spotify.
Bei dieser Zahl ist also klar, dass es wirklich zu fast jedem Thema einen Podcast gibt. Und auch die Radiosender haben Podcasts für sich entdeckt und stellen ihre Sendungen ins Internet. Das finde ich persönlich sehr praktisch, weil ich sie dann hören kann, wenn ich Zeit und Lust habe. Und ich finde es super, dass alle neuen Episoden meiner abonnierten Podcasts automatisch bei mir landen – ich muss sie nicht suchen. So vergesse ich auch nie, sie zu hören!
Laut Studien von 2023 hören mehr als 40 Prozent der Deutschen zumindest manchmal Podcasts. Besonders junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren nutzen sie regelmäßig. Ich sage dir jetzt ein paar Podcasts, die ich gut finde oder die sehr bekannt und beliebt sind. Es sind aber Podcasts, die natürlich für Muttersprachler gemacht sind – die meisten sind für dich wahrscheinlich noch zu schnell. Aber probier es einfach mal aus, vielleicht verstehst du ja doch etwas!
Wenn ich so überlege, würde ich sagen, dass vor allem zwei Formate in Deutschland sehr beliebt sind. Das eine sind die sogenannten True-Crime-Podcasts. Da wird also über wahre Kriminalfälle gesprochen, meistens über spektakuläre Mordfälle, die wirklich passiert sind. Ich persönlich mag solche Podcasts nicht. Zum einen machen sie mir Angst, zum anderen finde ich es komisch, über diese Schicksale von Menschen ein unterhaltsames Format zu machen. Aber das ist Geschmackssache. Vor allem Frauen in Deutschland lieben True-Crime-Podcasts. Wenn du mal einen solchen True-Crime-Podcast hören willst, empfehle ich dir „ZEIT Verbrechen“.
Das andere Format sind die Gesprächspodcasts. Ich nenne sie auch gerne Laberpodcasts. Labern ist ein umgangssprachliches Wort für „sprechen“. Meistens machen diese Art von Podcasts Männer. Sehr alt und sehr bekannt ist zum Beispiel „Fest & Flauschig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Er gehört zu den meistgehörten Podcasts in Deutschland. Jan Böhmermann kennt man hier als Fernsehmoderator, Olli Schulz ist ein Singer-Songwriter. In ihrem wöchentlichen Podcast sprechen sie einfach über alles Mögliche, was ihnen gerade einfällt. Mit der Zeit hat man bei solchen Podcasts das Gefühl, die sprechenden Menschen zu kennen. Ebenfalls sehr bekannt ist „Baywatch Berlin“, da sprechen drei Männer. Und zwar sind das Klaas Heufer-Umlauf, Thomas Schmitt und Jakob Lundt. Klaas ist ein Fernsehmoderator, und die anderen beiden arbeiten mit ihm zusammen beim Fernsehen. Beide Podcasts sind lustig und schnell. Und in „Sträter & Streberg“ sprechen die beiden Freunde über Filme und Serien.
Wenn du dich eher für Politik interessierst, dann wäre die „Lage der Nation“ etwas für dich. Philip Banse und Ulf Buermeyer fassen in diesem Podcast jede Woche die wichtigsten Themen zusammen. Ebenfalls politisch, aber noch etwas unterhaltsamer, ist „Apokalypse & Filterkaffee“ von Micky Beisenherz und Kolleginnen und Kollegen. Dieser Podcast erscheint jeden Tag und ist ungefähr eine halbe Stunde lang.
Bei der Vielzahl an Podcasts finde ich es schwer, eine Auswahl zu treffen. Daher sage ich dir jetzt einfach, welche Podcasts ich besonders gerne höre. Die deutsche Zeitung „Die Zeit“ veröffentlicht eigentlich nur gute Podcasts. Sie sind von hoher Qualität, und man lernt eine Menge dazu. Zum Beispiel sprechen Jochen Wegner und Christoph Amend in „Alles gesagt?“ mit einem bekannten Menschen. Das kann ein Schauspieler sein oder eine Wissenschaftlerin. Das Besondere an diesem Podcast ist, dass er so lange dauert, bis der Gast ein bestimmtes Codewort sagt. Dann ist er sofort vorbei. Manche Episoden dauern daher acht oder neun Stunden! Wenn du dich für Kunst interessierst, empfehle ich dir „Augen zu“, ebenfalls von der Zeit. Florian Illies und Giovanni di Lorenzo sprechen in jeder Episode über einen Künstler oder eine Künstlerin und erzählen viel aus deren Leben.
Wenn dich eher Musik interessiert, dann hör doch mal in „Urban Pop – Musiktalk mit Peter Urban“ rein. Ausführlich wird hier über sehr bekannte Stars gesprochen, zum Beispiel über die Eagles, die Beatles oder Depeche Mode.
Es gibt auch gute deutsche Storytelling-Podcasts. Zuletzt hat mich „Legion“ sehr berührt. In sieben Episoden geht es da um die sogenannte Scamming-Industrie, also um Menschen, die anderen Menschen über das Internet Liebe vorgaukeln und sie dann dazu bringen, viel Geld zu überweisen. Dieser Podcast zeigt, was eigentlich hinter diesen Scams steckt, und es ist erschreckend. Super fand ich auch den „Seelenfänger“-Podcast, da geht es in mehreren Staffeln um verschiedene Sekten und wie diese es schaffen, Menschen zu beeinflussen. Oder „Wirecard: 1,9 Milliarden Lügen“ über den bekannten Fall der Firma Wirecard. Die mittlerweile vierte Staffel dreht sich um den Chef Jan Marsalek und um die Frage, ob dieser ein russischer Spion ist oder war. Und noch ein letzter Tipp in dieser Art: „Der Germanwings-Absturz – Zehn Jahre ohne euch“. Wie kam es dazu, dass ein Pilot ein ganzes Flugzeug mit Menschen in den Tod riss?
Wenn du dich für Spione und Agenten interessierst, dann ist vielleicht „Dark Matters“ etwas für dich. Da geht es um die Geheimnisse der Geheimdienste. Und „Die Anschlags“ erzählt die wahre Geschichte eines russischen Ehepaares, das ganz normal in Deutschland gelebt hat und sich dann als Spione entpuppte.
Ich glaube, das sind jetzt genug Hörtipps, oder? Du sollst ja auch noch Zeit haben, Slow German zu hören! Was mich aber natürlich immer interessiert, ist die Frage: Welche Podcasts hörst du gerne? Schreib gerne in die Kommentare und gib uns Tipps. Es müssen nicht nur deutsche Podcasts sein!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg306kurz.pdf
Heute erzähle ich dir etwas über eine der bekanntesten Firmen in Deutschland – und sogar auf der ganzen Welt. Sie heißt SAP. Der Name SAP steht für Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung. Die Firma stellt Software her, vor allem für andere Unternehmen. Mit dieser Software können Firmen ihre Arbeit besser organisieren – zum Beispiel bei der Buchhaltung, in der Produktion oder beim Personal. Bei meinem Arbeitgeber gibt es auch ein SAP-Portal, da kann ich zum Beispiel eintragen, wann ich in diesem Jahr Urlaub nehmen möchte. Weil ich die Firma wichtig finde, habe ich sogar Aktien von ihr gekauft – seitdem gab es aber nur Verluste. Zum Glück mache ich keinen Finanz-Podcast…
Gegründet wurde die Firma im Jahr 1972 in der Stadt Walldorf in Baden-Württemberg. Die Gründer waren fünf Männer, die vorher bei der Firma IBM gearbeitet hatten. Sie wollten ein neues System entwickeln, das alle wichtigen Bereiche wie Lohnabrechnung und Buchhaltung in einem Unternehmen verbindet. Damals war das eine neue Idee. Heute ist sie ganz normal.
Heute arbeiten weltweit über 100.000 Menschen bei SAP, in mehr als 100 Ländern. Die Firma ist also sehr groß. In Deutschland allein sind es über 30.000 Mitarbeitende. Viele arbeiten in Walldorf, wo das Unternehmen noch immer seinen Hauptsitz hat. Dort gibt es moderne Bürogebäude, viel Glas, große Kantinen – und sogar eine eigene Bushaltestelle.
Aber was genau macht SAP eigentlich? Ich habe versucht, das herauszufinden, und finde es sehr abstrakt. Die Firma entwickelt sogenannte ERP-Software. Das bedeutet: „Enterprise Resource Planning“. Mit dieser Software können Firmen viele Dinge gleichzeitig steuern – zum Beispiel Lager, Rechnungen, Bestellungen und Mitarbeiterdaten. Früher mussten Unternehmen dafür viele verschiedene Computerprogramme benutzen. Mit SAP geht alles in einem System. Große Firmen wie BMW, Lufthansa oder Coca-Cola nutzen SAP-Dienste, aber auch viele kleine und mittlere Unternehmen.
Früher haben Kunden die Software gekauft und auf ihren eigenen Computern installiert. Heute läuft vieles über das Internet – du weißt sicher, dass man das Cloud nennt – auch im Deutschen. SAP bietet jetzt also viele Dienste in der Cloud an, damit Firmen flexibler arbeiten können.
Auch künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit spielen eine immer größere Rolle. Das fällt mir momentan eigentlich in jedem Bereich auf. Die KI wird häufig als Werkzeug benutzt, um Abläufe in Firmen zu beschleunigen. Oder auch um weniger Personal zu brauchen. Denn es gibt in Deutschland einen Fachkräftemangel. Aber das ist ein anderes Thema.
SAP ist jedenfalls ein wichtiger Arbeitgeber in Deutschland. Viele junge Menschen machen dort eine Ausbildung oder ein duales Studium. Das heißt: Sie studieren an einer Hochschule und arbeiten gleichzeitig bei SAP.
Auch sozial engagiert sich das Unternehmen stark. Ein besonderes Projekt war zum Beispiel „SAP One Billion Lives“. Ziel war es, mit digitalen Lösungen das Leben von einer Milliarde Menschen zu verbessern – zum Beispiel durch Apps für Gesundheit, Bildung oder Umweltschutz. Ich kann nicht einschätzen, ob das wirklich alles so gut ist oder ob es Greenwashing ist. Lassen wir es einfach so stehen.
Die Aktien der Firma werden jedenfalls an der Börse gehandelt und es ist sogar das wertvollste Unternehmen im DAX, also im deutschen Aktien-Index. Im Jahr 2025 gehörte es sogar zu den 30 wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Wenn es der Firma gut geht, freuen sich die Aktionäre. Immerhin sind 83 Prozent der Aktien in sogenanntem Streubesitz. Das bedeutet, dass normale Menschen wie du und ich sie besitzen. Ich hoffe die anderen sind damit erfolgreicher als ich…
Klingt alles positiv? Schon. Aber es gab auch Kritik an der Firma. Es gab zum Beispiel einen Rechtsstreit mit der Firma Oracle. Journalisten fanden heraus, dass SAP geistiges Eigentum gestohlen haben soll. Außerdem hätten Mitarbeiter eine Forschungsgruppe ausspioniert. Und noch eine schlechte Nachricht: 2024 hat SAP bekanntgegeben, dass es weltweit bis zu 8000 Stellen streichen will. Es werden also Arbeitsplätze abgebaut. Und 2025 hat die Firma als erstes deutsches Unternehmen interne Diversitätsprogramme beendet – das hat etwas mit der Trump-Regierung zu tun. Ich will das alles nicht einordnen – ich wollte einfach nur, dass Du schonmal etwas von der Firma SAP gehört hast. Vielleicht hast Du ihre Produkte sogar schon benutzt, ohne es zu merken…
Also: Hast du schon einmal von der Firma gehört? Schreib gerne in die Kommentare!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg305kurz.pdf
Ich habe letztens bei Instagram einen interessanten Dienst entdeckt: Da kann ich mich melden, wenn ich ehrenamtlich arbeiten möchte. Und dann hilft mir der Dienst, eine passende Aufgabe zu finden. Ich habe mir überlegt, was ich machen möchte. Am Liebsten möchte ich Kindern dabei helfen, die deutsche Sprache zu lernen. Also werde ich das ab September tun. Das hat mich dazu gebracht, mehr über das Ehrenamt herauszufinden. Und das ist heute das Thema.
In Deutschland engagieren sich viele Menschen freiwillig. Sie helfen, ohne dafür Geld zu bekommen. Das nennt man Ehrenamt oder Freiwilligendienst. Es gibt viele verschiedene Arten, wie man sich engagieren kann – in der Nachbarschaft, in Vereinen, bei Hilfsorganisationen oder im sozialen Bereich. Dieses Engagement ist sehr wichtig für die Gesellschaft. Ohne Ehrenamt würde vieles nicht funktionieren.
Vor fast zehn Jahren habe ich schon eine Episode zu diesem Thema gemacht, aber heute wird es etwas ausführlicher. Denn das Thema ist wichtig und ich hoffe, dass sich viele von Euch auch ehrenamtlich engagieren. Das geht aber natürlich nur, wenn man dafür Zeit hat. Ich verstehe, dass das nicht in jeder Lebensphase möglich ist.
In Deutschland leisten laut Statistik mehr als 28 Millionen Menschen freiwillige Arbeit. Die Gründe sind unterschiedlich. Manche wollen einfach etwas Gutes tun. Andere möchten Menschen kennenlernen. Ich möchte in erster Linie anderen Menschen helfen und etwas Sinnvolles machen. Und ich möchte mich auch selber dadurch gut fühlen, das gebe ich gerne zu.
Schon im Mittelalter gab es Menschen, die Kranken geholfen haben oder Essen verteilt haben. Später entstanden dann Vereine – zum Beispiel Sportvereine oder Freiwillige Feuerwehren. Zu Vereinen gibt es auch eine Episode Slow German, denn es gibt wenige Dinge die so Deutsch sind wie Vereine. Vereine leben vom Engagement der Mitglieder. Auch heute noch ist die Freiwillige Feuerwehr in vielen kleinen Städten und Dörfern sehr wichtig. Dort gibt es keine Berufsfeuerwehr. Wenn es brennt, kommen die Nachbarn – freiwillig. Was mich auf die Idee bringt, dass das auch ein gutes Thema wäre für Slow German. Es gibt so viel zu tun!
Ein bekanntes Beispiel für freiwilliges Engagement ist das Technische Hilfswerk, kurz THW. Dort helfen Ehrenamtliche bei Katastrophen – zum Beispiel bei Überschwemmungen oder nach Stürmen. Das THW ist in ganz Deutschland aktiv und auch im Ausland. Die Ausbildung dort ist professionell. Viele Menschen machen das neben ihrem Beruf. Sogar Jugendliche helfen beim THW mit, für sie gibt es extra Kurse, in denen sie viele nützliche Dinge lernen, zum Beispiel wie man Erste Hilfe leistet. Mein Sohn hat das eine Zeit lang gemacht. Er musste dann am Samstag sehr früh aufstehen und hat beim THW zum Beispiel gelernt, wie man bestimmte Knoten knüpft.
Sehr viele Menschen helfen auch bei den sogenannten „Tafeln“. Das sind Organisationen, die Lebensmittel retten. Supermärkte geben den Tafeln Lebensmittel, die noch gut, aber nicht mehr verkäuflich sind. Freiwillige sortieren die Ware und geben sie an Menschen mit wenig Geld weiter. In Deutschland gibt es über 900 Tafeln, und sie helfen regelmäßig über zwei Millionen Menschen. Ohne Ehrenamtliche wäre das nicht möglich. Oft wird allerdings kritisiert, dass die Ehrenamtlichen hier eine Aufgabe übernehmen, die eigentlich der Staat ausfüllen sollte.
Ein etwas anderer Bereich ist das Freiwillige Soziale Jahr, kurz FSJ. Junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren können ein Jahr lang in sozialen Einrichtungen arbeiten – zum Beispiel in einem Krankenhaus, im Kindergarten oder im Altenheim. Sie bekommen dafür ein kleines Taschengeld, aber keine richtige Bezahlung. Das FSJ ist für viele eine gute Möglichkeit, sich nach der Schule zu orientieren. Man kann dabei Berufe kennenlernen, Menschen helfen und wichtige Erfahrungen sammeln. Es gibt auch das FÖJ – das Freiwillige Ökologische Jahr, bei dem man zum Beispiel in einem Nationalpark arbeitet oder beim Umweltschutz hilft.
In vielen Städten gibt es auch Ehrenamtsbörsen oder Freiwilligenagenturen. Dort kann man sich informieren, wo Hilfe gebraucht wird. Schön finde ich die sogenannte Nachbarschaftshilfe, wo man sich gegenseitig unterstützt. Da kann dann ein Teenager zum Beispiel für eine ältere Dame nebenan einkaufen gehen oder mit deren Hund spazieren gehen. Manche Menschen helfen regelmäßig, andere nur manchmal, zum Beispiel bei einem Fest oder bei einer Spendenaktion. Es gibt wie gesagt auch Online-Plattformen, wo man Projekte findet, bei denen man mitmachen kann.
Ehrenamt findet überall statt: beim Sport, in der Kirche, in der Schule oder bei kulturellen Veranstaltungen. Auch im Bereich der Flüchtlingshilfe engagieren sich viele Menschen. Als im Jahr 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, haben hier tausende Menschen geholfen: Sie haben Sprachkurse gegeben, Kleidung gesammelt oder die neu angekommenen Menschen bei Behördengängen begleitet. Ich fand das damals sehr rührend, dass viele Menschen so hilfsbereit waren.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Ehrenamt braucht Zeit. Manche Menschen arbeiten viel und haben keine Energie mehr, um sich zu engagieren. Viele Menschen sind auch einfach introvertiert und tun sich schwer damit, aktiv auf andere zuzugehen. Wieder andere wissen nicht, wie sie helfen können oder haben Angst, etwas falsch zu machen. Deshalb ist gute Organisation wichtig. Viele Initiativen bieten Schulungen und Treffen an, damit sich neue Helfer gut zurechtfinden.
Und die höchste Ehrung für ein Ehrenamt ist das Bundesverdienstkreuz. Im September 2024 hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser diesen Orden an 16 Menschen verliehen, die sich in Deutschland besonders engagiert hatten. Sie sagte damals: „Das Ehrenamt knüpft ein Band des Miteinanders, das unsere Gesellschaft verbindet und stärker macht. Anderen zu helfen und selbst auf Unterstützung bauen zu können, das schafft Vertrauen und Zusammenhalt. Und vieles wäre ohne den persönlichen Einsatz der Freiwilligen nicht möglich. Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Demokratie.„
Hast du schon einmal ehrenamtlich gearbeitet? Schreib es gerne in die Kommentare!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg304kurz.pdf
In Deutschland ist das Thema Wohnen sehr wichtig. Es ist auch ein großes Gesprächsthema im Alltag. Viele Menschen sprechen darüber, wie viel Miete sie zahlen oder wie schwer es ist, eine Wohnung zu finden. Besonders in großen Städten wie Berlin, München oder Hamburg ist es schwierig. Die Mieten sind dort in den letzten Jahren sehr stark gestiegen. Man spricht von einer Immobilienkrise oder auch von Wohnungsnot. Das bedeutet: Es gibt zu wenige Wohnungen, aber sehr viele Menschen, die eine suchen.
In Deutschland wohnen die Menschen auf ganz unterschiedliche Weise. Manche leben alleine, andere in einer Familie. Viele junge Leute wohnen in einer WG, also in einer Wohngemeinschaft. Das heißt, sie teilen sich eine Wohnung mit anderen. Jede Person hat ein eigenes Zimmer, aber Küche und Bad werden gemeinsam benutzt. Das ist oft günstiger als eine eigene Wohnung, besonders für Studierende. WG-Leben kann aber auch anstrengend sein – zum Beispiel, wenn jemand nie den Müll rausbringt oder laut Musik hört.
Wer mehr Geld hat, mietet eine eigene Wohnung oder kauft sogar ein Haus. Ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung ist für viele Deutsche ein Traum. Man sagt: „Einmal im Leben ein eigenes Haus.“ Aber dieser Traum wird für viele Menschen immer schwieriger. Die Preise für Häuser und Wohnungen sind sehr hoch. Auch ein Kredit von der Bank ist nicht mehr so leicht zu bekommen wie früher. Deshalb wohnen viele Menschen zur Miete. Deutschland ist ein Land, in dem viele Menschen Mieter sind. In anderen Ländern, zum Beispiel in Spanien oder Italien, ist es normaler, dass man eine eigene Wohnung besitzt. Pro Person stehen uns hier im Land knapp 55 Quadratmeter zur Verfügung.
Wenn man eine Wohnung mietet, muss man einen Mietvertrag unterschreiben. In diesem Vertrag steht alles, was wichtig ist: die Höhe der Miete, die Nebenkosten, die Kündigungsfrist. Es steht auch drin, ob Haustiere erlaubt sind oder ob man die Wände streichen muss, wenn man auszieht. Die meisten Mietverträge in Deutschland sind unbefristet, das heißt: Man kann so lange bleiben, wie man will – solange man die Miete zahlt und sich an die Regeln hält.
In fast jedem Mietshaus gibt es auch eine Hausordnung. Das ist eine Liste mit Regeln. Zum Beispiel steht da, wann man ruhig sein muss – in der Regel zwischen 22 Uhr und 7 Uhr morgens. Das nennt man „Nachtruhe“. Auch das Putzen des Treppenhauses kann in der Hausordnung stehen. In manchen Häusern muss jede Partei einmal pro Woche das Treppenhaus putzen. Das sorgt manchmal für Streit. Wer hat geputzt, wer nicht? Manche Mieter hängen sogar Listen auf, damit jeder sieht, wer dran ist.
Die Wohnung selbst ist für viele Menschen ein wichtiger Ort. Die Einrichtung zeigt, wie jemand lebt und was ihm oder ihr gefällt. In Deutschland mögen viele Leute Möbel von IKEA. Es gibt sogar ein Wort dafür: „IKEA-Wohnung“. Das bedeutet, dass alles gleich aussieht, weil viele die gleichen Möbel haben. Andere bevorzugen „Vintage“-Möbel vom Flohmarkt oder sehr modernes Design. Pflanzen, Kerzen und kleine Teppiche gehören fast immer dazu. Auch das Sofa ist wichtig – dort verbringt man viel Zeit.
Ein interessanter Fakt: In Deutschland ist es normal, dass eine Mietwohnung leer ist, wenn man sie bekommt. Oft gibt es nicht einmal eine Küche! Das ist für viele Menschen aus anderen Ländern sehr überraschend. Wer in eine Wohnung einzieht, muss manchmal Herd, Spüle und Kühlschrank selbst mitbringen. Manche Menschen verkaufen ihre Küche an den nächsten Mieter, wenn sie ausziehen.
Das Statistische Bundesamt hat festgestellt, dass die Menschen in Deutschland im Durchschnitt ein Drittel ihres Einkommens für die Miete ausgeben. In manchen Städten ist es noch viel mehr. Die teuerste Stadt in Deutschland ist leider die Stadt in der ich lebe, München. Hier zahlt man im Schnitt 22 Euro pro Quadratmeter. Dann kommen in der Liste Frankfurt am Main und Berlin, Hamburg und Stuttgart.
Damit die Mieten nicht immer weiter steigen, hat die Politik die sogenannte Mietpreisbremse eingeführt. Denn auch Bundeskanzler Merz hat erkannt, dass bezahlbares Wohnen „eine der wichtigsten sozialen Fragen unserer Zeit“ ist. Das hat er in seiner Regierungserklärung im Mai 2025 gesagt. Und so geht die Mietpreisbremse: Die Landesregierung, also zum Beispiel Bayern, kann sagen: Das hier ist ein Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt. Und wenn ich dann in dieser Zone einen neuen Mietvertrag unterschreibe, dann darf die Miete höchstens zehn Prozent über der sogenannten ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Das klingt kompliziert, aber es soll einfach dazu dienen, dass die Mieten nicht mit jedem neuen Mieter stark angehoben werden. So ist es nämlich leider momentan in vielen Fällen. Daher können sich dann nur noch gut verdienende Menschen die Mieten in Innenstädten leisten, für Rentner oder zum Beispiel auch Krankenschwestern oder Erzieherinnen ist es zu teuer.
Und warum ist das Wohnen in Deutschland heute so teuer? Es gibt mehrere Gründe. Erstens: In vielen Städten gibt es nicht genug Wohnungen für alle. Besonders in Großstädte zieht es viele Menschen – wegen der Arbeit, dem Studium oder weil das Leben dort spannender ist. In München zum Beispiel haben sich viele große Firmen angesiedelt wie Google, Apple oder Microsoft. All diese Menschen brauchen Wohnungen. Zweitens: Die Preise für Baumaterial sind gestiegen. Das heißt, neue Wohnungen zu bauen, kostet mehr Geld. Es bauen auch immer weniger Menschen eigene Häuser oder Wohnungen, weil die derzeitige Weltlage es schwierig macht. Alles ist sehr teuer geworden. Und drittens: Investoren kaufen Wohnungen oder ganze Häuser, um damit Geld zu verdienen. Sie machen aus normalen Wohnungen „Luxuswohnungen“ – und verlangen dann sehr hohe Mieten.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg303kurz.pdf
In Deutschland gibt es viele Tierheime. Ein Tierheim ist ein Ort, an dem Tiere leben, die kein Zuhause mehr haben. Diese Tiere werden dort versorgt, bekommen Futter, medizinische Hilfe und Zuwendung. Die meisten Tierheime kümmern sich um Hunde und Katzen. Aber auch Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel, Schildkröten oder sogar Schlangen finden dort ein neues Zuhause – zumindest vorübergehend.
Die Idee von Tierheimen ist nicht neu. Schon im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland Menschen, die sich für Tiere eingesetzt haben. Der Tierschutzverein München wurde zum Beispiel im Jahr 1842 gegründet. Es war einer der ersten Vereine dieser Art in Europa. Damals lebten viele Tiere auf der Straße oder wurden schlecht behandelt. Die Menschen begannen, sich zu fragen: Wer hilft eigentlich diesen Tieren?
Heute gibt es in Deutschland über 500 Tierheime. Die meisten gehören zum Deutschen Tierschutzbund, einem großen Dachverband. Dieser Verband unterstützt die Tierheime mit Wissen, Beratung und manchmal auch mit Geld. Die Tierheime selbst bekommen aber meistens keine regelmäßige Hilfe vom Staat. Sie leben von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und von kleinen Gebühren, die Menschen zahlen, wenn sie ein Tier adoptieren.
Viele Tiere kommen ins Tierheim, weil ihre Besitzer sie nicht mehr halten können oder wollen. Manchmal liegt es daran, dass jemand umzieht und das Tier nicht mitnehmen kann. Oder eine Person wird krank oder stirbt, und es gibt niemanden, der sich um das Tier kümmert. Auch Tiere aus schlechter Haltung oder von der Straße werden oft im Tierheim aufgenommen. Besonders nach Weihnachten haben viele Heime viel zu tun – weil Menschen Tiere verschenken und später merken, dass das keine gute Idee war. Alle Tiere, die keinen Besitzer haben, landen im Tierheim. Streunende Hunde gibt es in Deutschland nicht.
In einem Tierheim arbeiten oft Tierpflegerinnen und Tierpfleger. Sie kümmern sich um die Tiere, reinigen die Käfige und Gehege, geben Futter und gehen mit den Hunden Gassi. Auch Tierärzte kommen regelmäßig, um kranke Tiere zu behandeln oder sie zu impfen. Viele Tierheime bekommen Hilfe von Ehrenamtlichen. Das sind Menschen, die freiwillig helfen – zum Beispiel beim Spazierengehen mit Hunden oder beim Spielen mit Katzen. Im Münchner Tierheim können auch Kinder helfen, indem sie den Katzen vorlesen. Das hilft beiden: die Kinder bekommen Selbstbewusstsein durch ihr lautes Lesen und die Katzen sind nicht allein.
Ein großes Problem für viele Tierheime ist das Geld. Die Pflege von Tieren kostet viel. Futter, Impfungen, Operationen, Strom, Wasser – all das muss bezahlt werden. Deshalb machen viele Heime Aktionen, um Spenden zu sammeln. Manche veranstalten Flohmärkte oder einen „Tag der offenen Tür“, bei denen Besucher das Heim anschauen können. Andere posten süße Tierfotos im Internet, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Manchmal wird ein Tier so berühmt, dass es besonders schnell ein neues Zuhause findet. Im Tierheim München spenden Freiwillige Kuchen, die dann vor Ort verkauft werden. So bekommt das Tierheim ein wenig Geld.
In den letzten Jahren hat sich einiges verändert. Immer mehr Menschen denken über Tierschutz nach. Viele adoptieren lieber ein Tier aus dem Heim, statt eines vom Züchter oder aus dem Ausland zu kaufen. Das ist gut für die Tierheime. Aber es gibt auch neue Probleme: Während der Corona-Pandemie wollten viele Menschen plötzlich ein Haustier. Sie waren viel zu Hause und dachten, es wäre schön, einen Hund oder eine Katze zu haben. Doch nach der Pandemie gaben viele ihre Tiere wieder ab – weil sie keine Zeit mehr hatten oder die Tiere doch zu anstrengend waren. Die Folge: Viele Tierheime sind heute überfüllt.
Einige Tiere bleiben sehr lange im Tierheim. Besonders ältere Tiere oder solche mit gesundheitlichen Problemen haben es schwer, ein neues Zuhause zu finden. Auch Tiere mit schlechtem Verhalten – etwa Hunde, die Angst haben oder aggressiv sind – warten oft viele Monate oder sogar Jahre. In Deutschland dürfen Tiere in Tierheimen grundsätzlich nicht einfach so getötet werden, wie es in manchen anderen Ländern der Fall ist. Das regelt das Tierschutzgesetz. Laut diesem Gesetz ist es verboten, ein Tier ohne „vernünftigen Grund“ zu töten.
Ein „vernünftiger Grund“ kann zum Beispiel sein, dass das Tier sehr krank ist und leidet. Oder dass das Tier gefährlich ist, etwa ein Hund, der Menschen oder andere Tiere angreift – aber auch dann muss ein Gutachten vorliegen. Platzmangel, Alter oder langes Warten auf ein Zuhause sind kein Grund, ein Tier einzuschläfern. Das ist ein großer Unterschied zu Ländern wie zum Beispiel den USA oder Rumänien, wo Tiere in sogenannten „Kill Shelters“ nach einer bestimmten Zeit getötet werden können, wenn sie nicht adoptiert werden.
In deutschen Tierheimen bleiben Tiere im Prinzip so lange, bis sie ein neues Zuhause finden – auch wenn das manchmal Jahre dauern kann. Es gibt viele Fälle von Hunden oder Katzen, die erst nach sehr langer Zeit adoptiert werden. Die Tierheime versuchen, mit Training und Geduld auch schwierigen Tieren eine Chance zu geben.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg302kurz.pdf
Das Dirndl ist ein traditionelles Kleid für Frauen aus dem Süden von Deutschland, besonders aus Bayern. Aber es ist auch in Österreich zu finden. Es besteht aus einem Kleid, einer Schürze und einer Bluse. Die Farben und Muster sind oft sehr bunt und schön. Das Dirndl ist heute ein Symbol für die bayerische Kultur. Viele Menschen tragen es zum Beispiel auf dem Oktoberfest. Aber das war nicht immer so.
Früher war das Dirndl ein Arbeitskleid. Im 19. Jahrhundert trugen es Dienstmädchen und Bäuerinnen auf dem Land. Der Name „Dirndl“ kommt vom bayerischen Wort für Mädchen. Eigentlich hieß das Kleid „Dirndlgewand“, also das Gewand oder Kleid der Dirn, also des Mädchens. Später sagte man nur noch „Dirndl“.
Das Dirndl war praktisch. Die Frauen konnten darin gut arbeiten. Es war einfach zu nähen, und man konnte es waschen. Die Schürze schützte das Kleid vor Schmutz. Je nach Region und Arbeit sahen die Kleider unterschiedlich aus. In den Bergen waren sie oft aus Wolle. Im Flachland eher aus Baumwolle oder Leinen.
Im Laufe der Zeit wurde das Dirndl nicht nur für die Arbeit genutzt. Reiche Menschen aus der Stadt entdeckten es für sich. Um 1900 fuhren sie in den Urlaub in die Alpen. Dort wollten sie auch so aussehen wie die Leute auf dem Land. Aber natürlich trugen sie feinere Stoffe und schöne Stickereien. Das einstige Arbeitskleid wurde plötzlich modisch. Und das ist kein Wunder, denn es betont die Figur der Frau. Das Dekolleté wird durch die Bluse und das geschnürte Mieder schön präsentiert. Die Taille durch die Schürze. Und die Beine sind unter dem weiten Rock versteckt.
In der Zeit des Nationalsozialismus bekam die Tracht, also die traditionelle Kleidung, eine neue Bedeutung. Die Nazis förderten die Trachtenkultur. Sie wollten damit die „deutsche Volkskultur“ zeigen. Das Dirndl wurde zu einem Symbol für die „deutsche Frau“. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es deshalb eine Zeit lang nicht sehr beliebt.
Erst später kam es zurück – als Zeichen der regionalen Identität. Besonders in Bayern ist das Trachtenkleid heute wieder sehr beliebt. Auf dem Oktoberfest in München tragen es viele Frauen. Es gibt dort sogar Wettbewerbe, bei denen das schönste Kleid gewählt wird. Auch Männer tragen auf dem Oktoberfest traditionelle Kleidung – die Lederhose. Lustig ist, dass manche dieser Menschen, die wie absolute Einheimische aussehen, zum Beispiel japanische oder australische Touristen sind, die sich für diesen Oktoberfestbesuch neu eingekleidet haben. Es wird in München viel darüber diskutiert, ob das gut ist oder nicht. Sollen nur Menschen eine Tracht tragen, die auch aus der Region stammen oder dort leben?
Übrigens verbirgt sich hinter dem Dirndl auch eine eigene Sprache. Die Position der Schleife auf der Schürze zeigt, ob eine Frau Single ist oder nicht. Wenn die Schleife rechts gebunden ist, heißt das: vergeben oder verheiratet. Links bedeutet: Single. In der Mitte kann heißen: Jungfrau oder unentschlossen. Und hinten? Früher trugen Witwen oder Kellnerinnen die Schleife hinten.
Manche Dirndl kosten übrigens über 1.000 Euro. Sie sind handgenäht und aus hochwertigen Stoffen. Es gibt aber auch günstigere Varianten für unter 100 Euro. Rund um das Oktoberfest gibt es viele Pop-Up-Läden, die extra günstige Tracht an Touristen verkaufen.
Auch die Haare und der Schmuck gehören zum Trachten-Look. Viele Frauen flechten ihre Haare oder tragen einen Blumenkranz. Beliebt sind auch sogenannte „Charivaris“ – das sind silberne Ketten mit Anhängern, die oft aus Tierzähnen oder kleinen Münzen bestehen. Früher war das ein Schmuck für Männer, heute tragen ihn auch Frauen.
Und der Stil? Manche Kleider sind sehr traditionell. Sie folgen den alten Mustern und Regeln einer bestimmten Region. Diese nennt man dann „Trachtendirndl“. Andere sind modern und kurz, in grellen Farben oder sogar mit Glitzer. Es gibt sogar Dirndl mit Leopardenmuster.
Und wie ist es hier in München? Die meisten meiner Freundinnen haben mindestens ein Dirndl im Schrank. Sie tragen es nicht nur zum Oktoberfest, sondern zum Beispiel auch, wenn sie auf Hochzeiten oder andere Feste eingeladen sind. Oft wird die Tracht auf Einladungen sogar explizit gewünscht. Ich selber hatte seit meiner Kindheit kein Dirndl an.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg301kurz.pdf
Hallo und herzlich willkommen zur 300. Episode von Slow German! Heute möchte ich Dir erzählen, wer ich bin und wie es überhaupt zu Slow German kam. Also eine etwas andere Folge dieses Podcasts.
Mein Name ist eigentlich Larissa Vassilian. Ich wohne in München. Ich bin Journalistin. Lange habe ich für Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet. Dann wurde 2004 das Podcasting erfunden. Und 2005 habe ich es entdeckt und meinen ersten eigenen Podcast gemacht. Er hieß damals „Schlaflos in München“ und ich habe ihn unter dem Pseudonym Annik Rubens veröffentlicht.
In diesem Podcast habe ich viel erzählt. Ich habe normal schnell gesprochen. Nach und nach bekam ich viele Hörer und Hörerinnen aus der ganzen Welt. Und manche haben mir geschrieben und gesagt: Du sprichst zu schnell! Kannst Du bitte langsamer reden? Und vielleicht ein Transkript zur Verfügung stellen?
Das wäre aber für deutsche Muttersprachler langweilig gewesen. Also habe ich mir gedacht: Ich mache einfach einen zweiten Podcast und spreche dort langsamer. Also habe ich 2007 mit Slow German angefangen. Die ersten Episoden waren einfach nochmal die gleichen Sachen wie bei „Schlaflos in München“, nur langsam gesprochen. Das hat aber nicht gut funktioniert. Also habe ich sie wieder gelöscht. Deswegen findest Du bei den ältesten Podcastepisoden nur die Folge 8.
Ich überlegte mir also ein neues Konzept für den Podcast. Langsam gesprochen war klar. Transkript zum Mitlesen war auch klar. Und die Themen sollten so sein, dass Ihr nicht nur die Sprache lernt, sondern gleichzeitig etwas über Deutschland erfahrt. Bis jetzt sind mir die Themen nicht ausgegangen!
Lange Zeit habe ich nur wenige Episoden pro Jahr veröffentlicht. Seit Dezember 2023 schaffe ich es allerdings, pünktlich alle zwei Wochen am Dienstag eine neue Episode online zu stellen. Am Freitag vorher geht die Episode bei Patreon online. Und am Sonntag als YouTube-Video.
Weil viele von Euch danach gefragt haben, biete ich in der Premium-Version auch Lernmaterial und eine schneller gesprochene Version der Episode an.
Und wer steckt heute hinter Slow German? Immer noch nur ich! Ich mache alles alleine. Ich bin die IT-Abteilung für die Webseite, ich bin das Tonstudio für die Podcastaufnahme, ich bin die Redaktion für den Inhalt, ich bin die Werbeabteilung für die Ads. Und weil der Podcast viel Zeit in Anspruch nimmt, freue ich mich über die Unterstützung meiner Hörerinnen und Hörer. Manche von Euch bezahlen für das Premium-Abo oder sind bei Patreon. Das hilft mir sehr. Vielen Dank!
Manchmal hörst Du vor den Folgen eine kurze Werbung. Diese Werbespots helfen mir, die Ausgaben zu finanzieren. Denn so einen Podcast zu betreiben, kostet Geld. Ich versuche aber immer Werbepartner zu finden, die für Euch interessant sind, weil es dort ebenfalls um Sprachen und Lernen geht.
Und wie geht es weiter? Slow German entwickelt sich, das ist klar. Es bleibt nicht gleich. Zum Beispiel habe ich immer das Problem, dass ich Dialoge nicht alleine sprechen kann. Manchmal habe ich meine Stimme künstlich verändert und wie ein Alien gesprochen – aber das war nicht optimal. Also experimentiere ich gerade damit, die zweite Stimme von der KI sprechen zu lassen. Das hast du vielleicht in Folge 298 gehört.
Wenn du mir einen Gefallen tun möchtest, dann schreib mir gerne eine kurze Mail an podcast@slowgerman.com. Schreib mir, wer Du bist. Ich finde es spannend, mehr über meine Hörerinnen und Hörer zu erfahren. Und sag mir gerne auch, ob Dir Slow German gefällt oder ob ich etwas anders machen soll. Ich freue mich auch immer über Themenvorschläge.
Na denn – auf die nächsten 300 Episoden! Danke, dass du dabei bist!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg300kurz.pdf
Der Klimawandel ist ein großes Thema auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland. Aber was bedeutet Klimawandel genau? Es bedeutet, dass sich das Klima auf der Erde verändert. Es wird wärmer. Das Wetter ändert sich. Es gibt mehr extreme Wetterereignisse. Der Mensch hat einen großen Einfluss auf diese Entwicklung.
Der Klimawandel ist kein neues Thema. Schon in den 1970er-Jahren haben Wissenschaftler gewarnt. Sie sagten: Wenn wir so weitermachen, wird sich die Erde stark erwärmen. Damals hörten nur wenige Menschen zu. Erst in den 1990er-Jahren begannen mehr Länder, über das Problem zu sprechen. Deutschland war eines dieser Länder. Es unterschrieb 1997 das Kyoto-Protokoll. In diesem Vertrag sagten viele Länder, dass sie weniger CO₂ ausstoßen wollen. CO₂ ist ein Gas, das durch Autos, Fabriken und Heizungen in die Luft kommt. Es ist ein sogenanntes Treibhausgas und macht die Erde wärmer.
In Deutschland kann man die Auswirkungen des Klimawandels heute deutlich sehen. Die Temperaturen steigen. Laut dem Deutschen Wetterdienst war das Jahr 2023 eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen. Seit 1881 ist es in Deutschland im Durchschnitt um 1,7 Grad Celsius wärmer geworden. Das klingt vielleicht nicht nach viel. Aber diese kleine Veränderung hat große Folgen.
In den Sommermonaten gibt es mehr Hitzetage. Ein Hitzetag ist ein Tag mit mehr als 30 Grad Celsius. Diese Tage sind besonders gefährlich für ältere Menschen und Kinder. Auch Städte leiden. Sie speichern Wärme. In großen Städten wie Berlin oder Frankfurt ist es deshalb oft noch heißer als auf dem Land.
Auch der Regen hat sich verändert. In manchen Regionen regnet es mehr, in anderen weniger. Es gibt häufiger starke Regenfälle, die zu Überschwemmungen führen. Im Juli 2021 gab es eine große Flut in Westdeutschland. Besonders stark betroffen war das Ahrtal in Rheinland-Pfalz. Über 180 Menschen starben. Viele Häuser wurden zerstört. Diese Flut war ein extremes Wetterereignis – und viele Experten sagen: Der Klimawandel macht solche Ereignisse wahrscheinlicher.
Auf der anderen Seite gibt es in manchen Regionen zu wenig Regen. In den letzten Jahren war es im Sommer oft zu trocken. Landwirte haben Probleme. Ihre Felder bekommen nicht genug Wasser. Die Ernte wird schlechter. Besonders betroffen sind Getreide, Mais und Kartoffeln. Wälder leiden ebenfalls. Viele Bäume, besonders Fichten, sterben ab. Das liegt auch am Borkenkäfer, der sich bei Wärme stärker vermehrt.
Die Politik in Deutschland versucht manchmal etwas gegen den Klimawandel zu tun. 2020 einigte man sich auf ein Klimaschutzgesetz. Dieses Gesetz sagt, wie viel CO₂ Deutschland in Zukunft ausstoßen darf. Jedes Jahr gibt es ein Ziel. Wenn ein Ministerium sein Ziel nicht erreicht, muss es ein Sofortprogramm machen. Dieses Programm soll zeigen, wie man schnell wieder auf den richtigen Weg kommt. Leider wurde es vor kurzem entschärft – jetzt gibt es nur noch eine Summe von CO₂, nicht mehr einzelne Sektoren. Gute Bereiche können also schlechte Bereiche ausgleichen.
Außerdem gibt es auch seit 2020 den sogenannten CO₂-Preis. Wer viel CO₂ ausstößt, muss mehr bezahlen. Das betrifft zum Beispiel Benzin und Heizöl. Die Idee ist: Wenn etwas teurer wird, wird es weniger benutzt. So soll der CO₂-Ausstoß sinken. Im Jahr 2025 ist der CO₂-Preis auf 55 Euro pro ausgestoßener Tonne gestiegen. Dadurch wird zum Beispiel das Tanken etwas teurer. Aber es geht auch um klimafreundliches Bauen. Alte Gebäude sollen zum Beispiel saniert und besser gedämmt werden, damit weniger geheizt werden muss.
Deutschland investiert auch in erneuerbare Energien. Das sind Energien aus Wind, Sonne oder Wasser. Im Jahr 2023 kamen etwa 52 Prozent des Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energien. Vor 20 Jahren waren es nur rund 10 Prozent. Der Ausbau geht also voran. Trotzdem gibt es Kritik. Viele Menschen finden, dass es noch zu langsam geht. Ich gehöre dazu. Denn hier in Bayern hat die Politik lange Jahre verhindert, dass es mehr Windkraftanlagen gibt.
Ein weiterer Punkt ist der Verkehr. Autos und Flugzeuge stoßen viel CO₂ aus. Deshalb will Deutschland den öffentlichen Verkehr stärken. Es gibt mehr Busse und Bahnen. Auch Fahrradwege werden ausgebaut. Seit 2023 gibt es das Deutschlandticket. Es kostet 58 Euro im Monat und man kann damit in ganz Deutschland mit Bus und Bahn fahren. Die Hoffnung ist, dass dadurch weniger Menschen mit dem Auto fahren.
Aber nicht alle Menschen sind zufrieden. Manche finden: Der Staat macht zu wenig. Andere finden: Die Maßnahmen sind zu teuer oder machen das Leben komplizierter. Und dann gibt es noch jene Menschen, die anzweifeln, dass es den Klimawandel gibt oder dass er wirklich menschengemacht ist. Die Wissenschaft ist sich was das angeht allerdings einig, die Fakten sind eindeutig.
Sicher ist: Der Klimawandel betrifft uns alle. Und Deutschland muss weiter daran arbeiten, das Klima zu schützen – natürlich zusammen mit allen anderen Ländern.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg299kurz.pdf
Hinweis: Die Stimme von Herrn Meier ist mit ElevenLabs generiert, das ist also keine echte Stimme.
Frau Schulze: Guten Tag, Herr Meier! Schön, dass Sie da sind.Herr Meier: Guten Tag, Frau Schulze. Vielen Dank für die Einladung zum Vorstellungsgespräch.Frau Schulze: Sehr gerne. Nehmen Sie doch Platz. Möchten Sie etwas trinken?Herr Meier: Ein Glas Wasser wäre nett, danke.Frau Schulze: Sie haben sich bei uns als Sachbearbeiter beworben. Können Sie mir etwas über sich erzählen?Herr Meier: Ja, natürlich. Ich heiße Tobias Meier, ich bin 29 Jahre alt und habe Betriebswirtschaft studiert. Danach habe ich drei Jahre in einer Steuerkanzlei gearbeitet. Dort war ich für die Kundenbetreuung und für die Buchhaltung zuständig.Frau Schulze: Warum möchten Sie bei uns arbeiten?Herr Meier: Ich interessiere mich für Ihre Firma, weil Sie in der IT-Branche arbeiten. Ich möchte gerne etwas Neues lernen und mich beruflich weiterentwickeln.Frau Schulze: Das klingt gut. Was sind Ihre Stärken?Herr Meier: Ich bin zuverlässig, arbeite gerne im Team und bin sehr organisiert. Außerdem spreche ich fließend Englisch und ein bisschen Französisch.Frau Schulze: Und was würden Sie als Ihre Schwächen beschreiben?Herr Meier: Ich bin manchmal zu genau. Ich kontrolliere meine Arbeit oft mehrmals. Aber ich arbeite daran, schneller Entscheidungen zu treffen.Frau Schulze: Welche Aufgaben machen Ihnen besonders Spaß?Herr Meier: Ich arbeite gerne mit Zahlen und finde Lösungen für Probleme. Der Kontakt mit Kunden gefällt mir auch sehr.Frau Schulze: Wie sieht es mit Ihren Computerkenntnissen aus?Herr Meier: Ich arbeite sicher mit Excel, Word und PowerPoint. Ich habe auch Grundkenntnisse in SAP.Frau Schulze: Wann könnten Sie bei uns anfangen?Herr Meier: Ich habe eine Kündigungsfrist von vier Wochen. Ich könnte also zum Ersten des nächsten Monats beginnen.Frau Schulze: Haben Sie noch Fragen an mich?Herr Meier: Ja, wie sieht ein typischer Arbeitstag in Ihrer Firma aus? Und wie groß ist das Team?Frau Schulze: Wir arbeiten in einem kleinen Team mit acht Personen. Die Arbeitszeiten sind flexibel. Wir beginnen zwischen acht und neun Uhr. Die Aufgaben sind abwechslungsreich, aber die meiste Zeit geht es um die Betreuung unserer Kunden.Herr Meier: Das klingt sehr interessant.Frau Schulze: Herr Meier, vielen Dank für das Gespräch. Wir melden uns in den nächsten Tagen bei Ihnen.Herr Meier: Ich danke Ihnen auch. Auf Wiedersehen!Frau Schulze: Auf Wiedersehen!
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Deutschland hat einen neuen Kanzler. Er heißt Friedrich Merz. Vielleicht hast du seinen Namen schon einmal gehört. Er ist schon lange in der deutschen Politik aktiv. Aber erst jetzt ist er Bundeskanzler geworden. Das war nicht ganz einfach – und auch ein bisschen historisch.
Friedrich Merz ist 69 Jahre alt. Er wurde im Jahr 1955 in Nordrhein-Westfalen geboren. Er hat Jura studiert und war viele Jahre als Anwalt und Politiker tätig. Schon in den 1980er-Jahren kam er in den Bundestag, also in das deutsche Parlament. Dort war er ein Mitglied der Partei CDU, der Christlich Demokratischen Union. Die CDU ist eine konservative Partei. Mit ihrer Schwesterpartei CSU, der Christlich-Sozialen Union aus Bayern, bildet sie die sogenannte Union.
Merz war in den 2000er-Jahren schon einmal sehr bekannt. Damals war er Fraktionschef der CDU im Bundestag. Das bedeutet: Er war der wichtigste Politiker der CDU im Parlament. Doch dann kam Angela Merkel. Sie wurde Parteichefin und später Kanzlerin. Merz und Merkel hatten unterschiedliche Meinungen. Deshalb zog sich Merz eine Zeit lang aus der Politik zurück. Das war 2009.
Danach arbeitete er in der Wirtschaft. Zum Beispiel war er im Aufsichtsrat von großen Firmen, zum Beispiel von Black Rock, der Commerzbank und BASF. Viele Leute sagten, er sei ein typischer Vertreter der Wirtschaft – klug, aber auch kühl. Manche fanden ihn zu weit weg vom normalen Leben der Menschen. Andere sagten, er sei genau der richtige Mann, um Ordnung und Klarheit in die Politik zu bringen.
Im Jahr 2018 wollte Merz zurück in die Politik. Angela Merkel war gerade dabei, sich langsam zurückzuziehen. Merz bewarb sich um den CDU-Vorsitz – aber verlor. Zwei Jahre später versuchte er es wieder – und verlor wieder. Erst beim dritten Mal, im Jahr 2022, wurde er dann CDU-Chef. Ein bisschen wie im Märchen: Aller guten Dinge sind drei.
Seitdem hat Merz die CDU geführt und versucht, sie zu erneuern. Die Partei hatte nach den vielen Jahren mit Angela Merkel ihr Profil verloren. Merz wollte wieder konservativer sein – mit klareren Meinungen zu Themen wie Migration, Wirtschaft oder Sicherheit.
Nun hat Merz endlich sein Ziel erreicht: Er ist Bundeskanzler. Doch es gab eine Überraschung. Bei der Wahl im Bundestag wurde er im ersten Wahlgang nicht gewählt. Das ist noch nie passiert in Deutschland. Normalerweise wird ein Kanzler direkt im ersten Durchgang gewählt – wenn er genug Stimmen hat. Doch bei Merz fehlten einige Stimmen. Das bedeutet, dass einige Politiker und Politikerinnen aus seiner eigenen Regierungskoalition von Union und SPD ihn nicht gewählt haben. Nach vielen Diskussionen und Unterbrechungen der Bundestagssitzung wurde er dann im zweiten Wahlgang gewählt.
Viele fragen sich: Warum hat das so lange gedauert? Hat er nicht genug Unterstützung in seiner eigenen Partei? Oder wollten manche Abgeordnete ein Zeichen setzen? Das ist nicht ganz klar, denn es war eine geheime Wahl.
Nach seiner Wahl wurde er zum Bundespräsidenten gefahren, wo er seine Ernennungsurkunde erhielt. Erst dann durfte er wieder zurück in den Bundestag und wurde dort vereidigt. Gleich am nächsten Tag flog er nach Frankreich, seine erste Reise als neuer deutscher Bundeskanzler.
Er wird Deutschland in den nächsten Jahren führen – sicher mit einem anderen Stil als Angela Merkel oder Olaf Scholz. Er gilt als direkter, manchmal auch als scharf in der Sprache und sogar cholerisch. Viele sind gespannt, wie er mit der aktuellen Weltlage umgeht.
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Heute sprechen wir über ein ganz besonderes Luftfahrzeug: den Zeppelin Hindenburg. Vielleicht hast du schon einmal ein Foto von diesem riesigen Fluggerät gesehen. Oder du hast vom tragischen Unglück gehört, das mit der Hindenburg verbunden ist. In dieser Folge erzähle ich dir die Geschichte dieses berühmten Zeppelins – von seiner Entstehung bis zu seinem Ende.
Ein Zeppelin ist ein Luftschiff. Es fliegt durch die Luft, aber nicht wie ein Flugzeug. Ein Zeppelin ist leichter als Luft, weil er mit einem Gas gefüllt ist. Deshalb schwebt er. Der Name „Zeppelin“ kommt von Ferdinand von Zeppelin. Er war ein deutscher Graf und ein Pionier der Luftfahrt. Schon um das Jahr 1900 baute er die ersten Luftschiffe. Die Zeppeline waren vor allem am Anfang des 20. Jahrhunderts sehr wichtig. Damals gab es noch nicht viele Flugzeuge. Zeppeline konnten viele Menschen und auch Post über weite Strecken transportieren.
Die Hindenburg war der größte Zeppelin, der je gebaut wurde. Sie war 245 Meter lang – das ist fast so lang wie drei Fußballfelder. Gebaut wurde sie in Deutschland, in der Stadt Friedrichshafen am Bodensee. Ihr offizieller Name war LZ 129 Hindenburg, benannt nach dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Der Bau war im Jahr 1936 fertig.
Die Hindenburg sollte ein Symbol für die moderne Technik in Deutschland sein. Sie konnte bis zu 72 Passagiere transportieren – das war für die damalige Zeit sehr viel. Der Zeppelin hatte sogar einen Speisesaal, eine Lounge mit einem Klavier und große Fenster, durch die man die Landschaft sehen konnte. Das war Luxus pur. Viele Menschen träumten davon, einmal mit der Hindenburg über den Atlantik zu fliegen.
Aber es gab ein Problem: Die Hindenburg war mit Wasserstoff gefüllt. Dieses Gas ist sehr leicht – das ist gut zum Fliegen – aber es ist auch sehr leicht entzündlich. Eigentlich wollte man Helium benutzen. Helium brennt nicht. Aber die USA hatten damals fast das ganze Helium der Welt und sie wollten es nicht nach Deutschland verkaufen. Deshalb musste man Wasserstoff nehmen. Schon damals wussten viele Experten, dass das gefährlich war.
Trotzdem flog die Hindenburg viele Male ohne Probleme. Sie machte im Jahr 1936 17 Fahrten über den Atlantik – von Deutschland in die USA und zurück. Die Passagiere waren begeistert. Eine Fahrt dauerte ungefähr drei Tage. Man konnte über das Meer fliegen, Musik hören, lesen, gut essen – es war eine sehr elegante Art zu reisen.
Doch dann kam der 6. Mai 1937. Die Hindenburg war gerade auf dem Weg nach Lakehurst in den USA, in der Nähe von New York. An Bord waren 97 Menschen. Als der Zeppelin landen wollte, geschah das Unglück: Plötzlich gab es ein Feuer. Innerhalb von nur 34 Sekunden brannte das ganze Luftschiff. Es war eine Katastrophe. 35 Menschen an Bord und ein Mensch am Boden starben. Die Bilder vom brennenden Zeppelin gingen um die ganze Welt.
Nach diesem Unglück war das Vertrauen in Zeppeline zerstört. Die Menschen hatten Angst, damit zu fliegen. Auch wenn viele Flüge zuvor sicher waren – der Brand der Hindenburg machte klar, wie gefährlich diese Technik sein konnte. Nach 1937 wurden keine großen Zeppeline mehr gebaut. Die Ära der Luftschiffe war vorbei. Flugzeuge waren schneller und wurden bald sicherer.
Heute gibt es wieder kleine Zeppeline. Man kann zum Beispiel Rundflüge über den Bodensee machen. Sie sind viel kleiner und sicherer als die Hindenburg. Und sie fliegen mit Helium, nicht mit Wasserstoff.
Übrigens: Wusstest du, dass es sogar eine Hundekabine in der Hindenburg gab? Es waren zwei Hunde an Bord – aber leider hat nur einer das Unglück überlebt. Auch das Klavier an Bord war besonders. Es war aus Aluminium und extra leicht gebaut, damit das Luftschiff nicht zu schwer wurde.
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg296kurz.pdf
Heute geht es um ein besonderes Gefühl: Ostalgie. Das Wort setzt sich aus „Ost“ für Ostdeutschland und „Nostalgie“ zusammen. Es beschreibt die Sehnsucht nach Dingen aus der ehemaligen DDR. Aber warum gibt es Ostalgie überhaupt?
Nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 veränderte sich das Leben vieler Menschen in Ostdeutschland schlagartig. Die DDR verschwand, und mit ihr auch viele Produkte, Gewohnheiten und Traditionen. Viele Menschen freuten sich über die Wiedervereinigung, doch manche hatten auch das Gefühl, dass ein Stück ihrer Identität verloren ging. Sie vermissten bestimmte Dinge aus ihrem Alltag. Das können Produkte sein, wie die berühmten „Spreewaldgurken“, der „Rotkäppchen-Sekt“ oder die „Schwalbe“-Mopeds. Aber es geht auch um ein Lebensgefühl, das viele mit der DDR verbinden.
Ein Beispiel ist die Arbeitswelt. In der DDR hatte jeder Mensch eine Arbeit, weil das System so organisiert war. Nach der Wiedervereinigung kamen plötzlich Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit. Viele Menschen fühlten sich orientierungslos. Auch soziale Strukturen veränderten sich. In der DDR gab es viele Gemeinschaftsaktivitäten, zum Beispiel in Wohngebieten oder Betrieben. Nach der Wiedervereinigung wurde das Leben individueller und viele vermissten das frühere Miteinander.
Ostalgie zeigt sich auch in Filmen und Musik. Ein berühmtes Beispiel ist der wirklich wunderbare Film „Good Bye, Lenin!“ aus dem Jahr 2003. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die im Koma liegt und nichts vom Mauerfall mitbekommt. Ihr Sohn versucht, die DDR für sie künstlich am Leben zu halten. Dieser Film hat viele Menschen berührt, weil er zeigt, wie sehr sich das Leben für Ostdeutsche verändert hat. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, Folge 51 von Slow German beschäftigt sich mit diesem Film. Ich verlinke die Episode auf slowgerman.com: https://slowgerman.com/2009/04/27/slow-german-051-good-bye-lenin/
Manche Menschen sammeln DDR-Produkte als Erinnerung. Es gibt sogar Ostalgie-Partys, bei denen alte DDR-Speisen serviert werden und Musik aus der Zeit gespielt wird. In Berlin gibt es das DDR-Museum, in dem man eine typische DDR-Wohnung sehen kann. In manchen Supermärkten gibt es eigene Regale mit Ost-Produkten. Auch wenn viele dieser Marken heute westlichen Firmen gehören, sind sie für viele Menschen ein Stück Vergangenheit.
Natürlich gibt es auch Kritik an der Ostalgie. Manche sagen, dass sie die negativen Seiten der DDR vergisst oder sogar verdrängt. In der DDR gab es keine Reisefreiheit, keine Meinungsfreiheit und die Staatssicherheit hat viele Menschen überwacht. Doch für viele Ostalgiker geht es nicht um Politik, sondern um die kleinen Dinge des Alltags, die für sie eine besondere Bedeutung haben. Es ist eine Sentimentalität, die wir doch eigentlich alle kennen, wenn wir zum Beispiel an unsere Kindheit denken und die Dinge, die es damals gab und heute nicht mehr gibt.
Heute, mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, ist Ostalgie immer noch ein Thema. Vor allem ältere Menschen erinnern sich gerne an ihre Jugend. Aber auch junge Leute interessieren sich für das Leben in der DDR, weil sie es nur aus Erzählungen kennen. Vielleicht hast du ja selbst schon einmal ein Produkt aus der DDR gesehen oder ausprobiert? Schreib gerne in die Kommentare, ich bin gespannt!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg295kurz.pdf
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Im Moment passieren interessante Dinge auf der Welt. Zum Beispiel gibt es einen Streit zwischen Kanada und den USA. Dieser hat dazu geführt, dass in kanadischen Supermärkten oft US-amerikanische Produkte aus den Regalen entfernt wurden oder dass kanadische Produkte extra hervorgehoben wurden. Deswegen geht es heute um ein Thema, das dazu passt, und zwar das Siegel „Made in Germany“. Viele Menschen auf der ganzen Welt kennen diese drei Worte. Sie stehen für Qualität und Zuverlässigkeit. Aber wusstest du, dass dieses Siegel ursprünglich gar nicht positiv gemeint war?
Die Geschichte von „Made in Germany“ beginnt in Großbritannien im Jahr 1887. Damals gab es dort ein Gesetz, das ausländische Produkte kennzeichnen sollte. Die Briten wollten ihre eigene Wirtschaft schützen. Vor allem wollten sie verhindern, dass billige und schlechte Kopien aus Deutschland verkauft wurden. „Made in Germany“ war also zuerst eine Warnung an die Kunden. Die Menschen in Großbritannien sollten erkennen, dass ein Produkt aus Deutschland kam – und es lieber nicht kaufen.
Doch etwas Unerwartetes geschah. Statt schlechte Produkte zu verkaufen, verbesserten die deutschen Hersteller ihre Qualität. Sie entwickelten neue Techniken und stellten immer bessere Waren her. Bald war „Made in Germany“ kein Warnzeichen mehr, sondern ein Gütesiegel. Ein Gütesiegel ist also ein Zeichen von besonders hoher Qualität.
Deutsche Produkte wurden weltweit beliebt. Besonders in der Industrie, im Maschinenbau und in der Chemie waren deutsche Firmen sehr erfolgreich. Auch heute noch gibt es viele bekannte Marken aus Deutschland, zum Beispiel Mercedes-Benz, Siemens oder Bosch. Allerdings muss man aufpassen, denn manche Marken aus Deutschland wurden mittlerweile verkauft. Dann steckt hinter der deutsch klingenden Marke mit gutem Ruf zum Beispiel ein Produkt, das aus China stammt. Aber das ist ein anderes Thema.
Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg wurde „Made in Germany“ ein Symbol für den wirtschaftlichen Wiederaufbau. Deutschland lag in Trümmern, doch die Industrie wuchs schnell wieder. Produkte aus Deutschland standen für Langlebigkeit und Erfindergeist. Viele Menschen wollten zum Beispiel deutsche Autos fahren, weil sie sicher und gut verarbeitet waren. Volkswagen, BMW und Audi sind bis heute bekannte Marken.
Früher bedeutete „Made in Germany“, dass ein Produkt komplett in Deutschland hergestellt wurde. Heute ist das oft anders. Viele Firmen haben Teile ihrer Produktion ins Ausland verlegt. Trotzdem dürfen die Produkte noch „Made in Germany“ tragen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Zum Beispiel muss die sogenannte Endmontage in Deutschland erfolgen und auch die entscheidenden Produktionsschritte müssen hier im Land stattfinden. Das bedeutet, dass zwar einzelne Bauteile aus dem Ausland stammen dürfen, aber das fertige Produkt muss in Deutschland seine Hauptmerkmale bekommen. Es kann zum Beispiel auch sein, dass Forschung und Design in Deutschland stattgefunden haben, viele Teile der Produktion dann aber im Ausland erledigt werden, weil es dort einfach billiger ist. Manche Menschen finden das nicht gut, weil sie glauben, dass es die Bedeutung des Siegels schwächt.
2017 gab es eine internationale Studie, die herausfinden wollte, welches Siegel besonders angesehen ist bei den Menschen. Welches die Menschen also besonders gut finden. „Made in Germany“ belegte den ersten Platz von 52 Ländern.
Ich bin gespannt: was bedeutet für dich das Siegel „Made in Germany“? Steht es für etwas? Oder ist es dir einfach egal, woher ein Produkt kommt? Schreib gerne in die Kommentare!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg294kurz.pdf
Deutschland ist bekannt für seine Universitäten, seine Erfindungen und seine großen Wissenschaftler. Die Wissenschaft hat in Deutschland eine lange Tradition. Schon im Mittelalter gab es berühmte deutsche Gelehrte. Einer von ihnen war Albertus Magnus. Er lebte im 13. Jahrhundert und war einer der ersten Wissenschaftler, der versuchte, Naturgesetze genau zu beobachten und zu verstehen. Man nannte das damals einen Gelehrten. Später, in der Renaissance, wurde Johannes Kepler berühmt. Er entdeckte die Gesetze der Planetenbewegung und zeigte, dass sich die Planeten auf Ellipsen um die Sonne bewegen.
Bahnbrechende deutsche Erfindungen
Im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland viele bahnbrechende Erfindungen. Einer der berühmtesten Wissenschaftler dieser Zeit war Alexander von Humboldt. Er reiste durch die Welt, sammelte Pflanzen und Tiere und erforschte das Klima und die Natur. Er gilt als einer der ersten Forscher, der erkannte, dass alles in der Natur miteinander verbunden ist. Ein anderer großer Name dieser Zeit ist Carl Benz, der das erste Auto erfand.
Das 20. Jahrhundert brachte große Erfolge, aber auch große Herausforderungen für die deutsche Wissenschaft. Albert Einstein ist einer der bekanntesten Wissenschaftler der Welt. Der Physiker wurde in Deutschland geboren und entwickelte die Relativitätstheorie. Seine berühmteste Formel lautet „E = mc²“. Aber er musste wie viele Wissenschaftler Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus verlassen, weil sie verfolgt wurden. Einstein ging nach Amerika. Das war ein großer Verlust für das Land.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Wissenschaft in Deutschland wieder stark. 1948 wurde die Max-Planck-Gesellschaft gegründet. Sie ist heute eine der wichtigsten wissenschaftlichen Organisationen in Deutschland. Auch die Fraunhofer-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft forschen an neuen Technologien. Ein großer Teil der Forschung ist die sogenannte Grundlagenforschung. Man versucht also nicht, etwas zu entdecken, mit dem man vor allem Geld verdienen kann. Vielmehr versucht man, die Dinge von Grund auf zu verstehen und Zusammenhänge zu erkennen. Auf dieser Grundlagenforschung können dann viele praktische Entwicklungen basieren. Deutsche Wissenschaftler entwickelten zum Beispiel den MP3-Standard, mit dem man Musik digital speichern kann. Ohne diese Erfindung gäbe es keine Musik-Streaming-Dienste!
Deutsche Universitäten
Heute gibt es in Deutschland viele Universitäten und Forschungsinstitute. Besonders bekannt ist die Technische Universität München, die Universität Heidelberg und die Ludwig-Maximilians-Universität in München, an der ich studiert habe. Viele deutsche Universitäten gehören zu den besten der Welt. Wissenschaftler aus aller Welt kommen nach Deutschland, um hier zu forschen.
Deutsche Wissenschaft spielt auch eine wichtige Rolle in der Raumfahrt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt arbeitet an vielen Projekten mit. Deutsche Astronauten waren schon auf der Internationalen Raumstation. Ein bekanntes Beispiel ist Alexander Gerst, der 2014 und 2018 ins All flog.
In Deutschland gibt es auch viele wissenschaftliche Museen, die Forschung für alle verständlich machen. Besonders bekannt ist das Deutsche Museum in München. Dort kann man alte Flugzeuge, Computer und sogar eine echte Raumkapsel sehen. Es ist eines der größten Technikmuseen der Welt.
Wissenschaft ist in Deutschland sehr wichtig. Die Regierung gibt viel Geld für Forschung aus. 2022 waren es 121,4 Milliarden Euro. Es gibt Programme, um junge Forscher zu fördern, und viele Firmen arbeiten mit Universitäten zusammen, um neue Erfindungen zu entwickeln.
Ein besonderes Förderprogramm für die Forschung in Deutschland ist die sogenannte Exzellenzinitiative. Sie wurde 2005 eingeführt, um Universitäten mit herausragender Forschung besonders zu unterstützen. Seit 2019 heißt das Programm Exzellenzstrategie. Universitäten, die als „Exzellenzuniversitäten“ ausgezeichnet werden, bekommen mehr Geld für ihre Forschung. Das soll helfen, Deutschland als Wissenschaftsstandort international konkurrenzfähig zu halten.
Ein weiteres wichtiges Prinzip ist die Wissenschaftsfreiheit. In Deutschland können Wissenschaftler frei forschen, ohne von der Politik oder Wirtschaft beeinflusst zu werden. Das ist im Grundgesetz verankert und schützt die Forschung vor Zensur oder Einschränkungen. Es ist wichtig, dass das so bleibt.
Ich habe übrigens auch einen Wissenschaftspodcast. Er heißt „Exzellent erklärt“ und in diesem Podcast besuche ich verschiedene sogenannte Exzellenzcluster in Deutschland. Diese Cluster setzen sich aus verschiedenen Forschungseinrichtungen zusammen, die gemeinsam ein Problem lösen möchten oder ein Themengebiet näher erforschen. Das geht von Architektur bis Quantenphysik, von grüner Chemie bis Verhaltensforschung. Hör gerne mal rein, wenn dein Deutsch besser ist!
Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg293kurz.pdf
Heute sprechen wir ausnahmsweise mal über ein aktuelles Thema, und zwar über die Bundestagswahl 2025. Die Wahl hat am 23. Februar stattgefunden, und die Ergebnisse stehen fest. Ich erkläre dir, was passiert ist, warum die Wahl so wichtig ist und wie die Geschichte der Bundestagswahl in Deutschland aussieht.
In Deutschland gibt es alle vier Jahre eine Bundestagswahl. Dabei wählen die Menschen die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Der Bundestag ist das Parlament von Deutschland. Die Abgeordneten im Bundestag entscheiden über Gesetze, den Haushalt und viele andere wichtige Themen. Die Bundestagswahl ist also eine sehr wichtige Wahl, denn sie bestimmt, wer Deutschland regiert.
Die Bundestagswahl 2025 fand am 23. Februar statt. Millionen von Menschen sind zur Wahl gegangen oder haben vorher per Briefwahl abgestimmt. In Deutschland hat jeder Bürger und jede Bürgerin ab 18 Jahren das Recht zu wählen. Wohlgemerkt ist es nur ein Recht. Es ist keine Pflicht. Diesmal machten 82,5 Prozent Gebrauch von ihrem Wahlrecht. Das ist die höchste Wahlbeteiligung seit 38 Jahren.
Bei der Wahl haben die Menschen zwei Stimmen. Mit der ersten Stimme wählt man eine Person aus dem eigenen Wahlkreis. Mit der zweiten Stimme wählt man eine Partei. Die zweite Stimme ist besonders wichtig, weil sie bestimmt, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag bekommt. In Deutschland gibt es eine Fünf-Prozent-Hürde. Das bedeutet: Eine Partei muss mindestens fünf Prozent der Stimmen bekommen, sonst kommt sie nicht in den Bundestag. Diese Regel gibt es, damit nicht zu viele kleine Parteien im Parlament sitzen und es zu kompliziert wird.
Die Bundestagswahl 2025 war spannend. Viele Menschen haben über die Zukunft Deutschlands diskutiert. In den letzten Jahren gab es große Herausforderungen, zum Beispiel die Energiekrise, den Klimawandel und wirtschaftliche Probleme. Das größte Thema im Wahlkampf war allerdings die Migration. Es gab in den Monaten vor der Wahl einige terroristische Anschläge in Deutschland. Sie wurden von Männern aus Afghanistan oder Syrien begangen. Auch meine Stadt München war betroffen. Hier raste kurz vor der Wahl ein afghanischer Mann mit seinem Auto in einen Demonstrationszug. Eine Frau und ihr Kleinkind starben, viele weitere Menschen wurden verletzt.
Taten wie diese lösten bei den Menschen verständlicherweise Angst und Bestürzung aus. Aber auch Wut. Das ist mit ein Grund, warum die konservative Union aus CDU/CSU die meisten Stimmen gewonnen hat. Zweitstärkste Partei war die in Teilen als rechtsextrem eingestufte Partei AfD.
Olaf Scholz, der bisherige Bundeskanzler Deutschlands, und seine Partei, die SPD, haben sehr viele Wählerinnen und Wähler verloren. Die FDP, die ebenfalls in der Regierung war, hat ebenfalls viele Stimmen verloren und schaffte es nicht über die 5 Prozent-Hürde. Das bedeutet, dass sie im nächsten Bundestag gar nicht mehr vorhanden sein wird. Und die Grünen haben ebenfalls Stimmen verloren. Einige Politiker haben aus diesen Verlusten ihre Konsequenzen gezogen und werden sich aus der Politik zurückziehen.
Warum war diese Wahl besonders? Zum einen, weil zum ersten Mal eine in Teilen rechtsextreme Partei die zweitstärkste Kraft ist. Allerdings haben die anderen Parteien schon lange gesagt, dass sie nicht mit dieser Partei zusammenarbeiten werden. Sie bleibt also in der Opposition. Das bedeutet, dass sie nicht in der Regierung ist, sondern sozusagen die Gegner der Regierung sind. Der zweite Grund ist, dass der Bundestag verkleinert wird. Viele Menschen hatten sich beklagt, dass der Bundestag zu groß war. 736 Abgeordnete gab es in der letzten Legislaturperiode. Und das ist sehr teuer für den Staat. Denn all diese Menschen haben zum Beispiel ihr eigenes Büro und Angestellte. Also gab es eine sogenannte Wahlrechtsreform. Der neue Bundestag wird also nur noch 630 Abgeordnete in Berlin haben.
Wer wird das sein? Klar ist, dass der Bundestag männlicher wird. Es sind sehr viel weniger Frauen im Bundestag. Das liegt daran, dass die Union und die AfD die meisten Menschen in den Bundestag schicken. Und diese konservativen Parteien haben nicht viele Frauen in ihren Reihen. Parteien wie die Linke, die SPD und die Grünen achten darauf, dass das Verhältnis ausgeglichen ist. Ihnen ist die Gleichberechtigung der Geschlechter wichtig.
Nach der Wahl müssen die Parteien jetzt überlegen, wie sie eine Regierung bilden. In Deutschland gibt es fast nie eine einzige Partei, die alleine regieren kann. Deshalb gibt es meistens eine Koalition. Das bedeutet, dass sich zwei oder mehr Parteien zusammenschließen und gemeinsam regieren. Die letzte Regierung bestand aus drei Parteien: Der SPD, den Grünen und der FDP.
Sehr wahrscheinlich wird die nächste Regierung aus der Union und der SPD bestehen. Das werden aber letztlich die Koalitionsverhandlungen zeigen. Das bedeutet, dass die Politiker untereinander verhandeln müssen, wie sie das Land regieren möchten. Sie müssen sich in manchen Punkten auf Kompromisse einigen. Am Ende steht dann ein Koalitionsvertrag. Dort steht alles drin, was die Parteien in ihren vier Jahren machen wollen.
Das erste Bild von Verhandlungen hat in den sozialen Netzwerken bereits für Spott und Häme gesorgt. Es zeigt einen Tisch, an dem sechs Menschen sitzen. Es sind Politiker der CSU und CDU. Keine einzige Frau ist dabei.
Bis Ostern soll die neue Regierung stehen, das ist derzeit das Versprechen. Sobald die Regierung steht, wird eine neue Bundeskanzlerin oder ein neuer Bundeskanzler gewählt. Das ist die wichtigste Person in der deutschen Politik. In der Geschichte Deutschlands gab es bisher nur eine Frau als Kanzlerin: Angela Merkel. Sie regierte von 2005 bis 2021. Der nächste Kanzler Deutschlands ist sehr sicher Friedrich Merz von der CDU. Er war drei Tage nach der Wahl bereits bei einem Besuch in Frankreich und schüttelte dort Emmanuel Macron die Hand.
Für mich war diese Wahl übrigens auch etwas Besonders: Ich hatte mich zum ersten Mal als Wahlhelferin gemeldet. Denn es braucht Hunderttausende von Freiwilligen, die bei der Wahl helfen. Wir haben den ganzen Sonntag von 8 bis 18 Uhr dafür gesorgt, dass alle Menschen geheim und sicher ihre Kreuzchen machen konnten. Nach 18 Uhr haben wir die Stimmzettel ausgezählt und das Ergebnis in unserem Wahlkreis ermittelt. Das war eine sehr interessante Erfahrung.
Und was sage ich zum Wahlergebnis? Ich bin kein konservativer Mensch, daher bin ich enttäuscht. Ich hätte mir mehr Mut zu Veränderungen gewünscht und ich finde, wir müssen dringend etwas gegen die Klimakrise unternehmen. Das ist allerdings ein Thema, das die Konservativen leider kaum interessiert.
Ich finde es auch schlimm, dass die AfD so viele Stimmen bekommen hat. Ich kann nicht verstehen, wie man eine Partei wählen kann, die nur für Reiche Vorteile bieten möchte und für viele Probleme keinerlei Lösungsvorschläge hat. Sie verbreitet Hass und Hetze, spaltet unser Land und stört damit den inneren Frieden. Bei Debatten im Bundestag stört sie, indem sie ständig Zwischenrufe macht. Eine sachliche Diskussion ist so kaum möglich. Die menschengemachte und von der Wissenschaft bestätigte Klimakrise leugnet sie. Und sie schiebt die Schuld für alle Probleme auf Menschen aus dem Ausland. Aber genau ohne diese Menschen wird unser Land nicht gut weiterleben können – denn Krankenhäuser sind zum Beispiel angewiesen auf ausländische Fachkräfte. Und auch die Rente wird zu einem beträchtlichen Teil von Menschen mit Migrationshintergrund finanziert.
Wir werden sehen, was all das mit Deutschland macht.
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Toller Podcast – ich habe einiges Neues gelernt, danke!
Dankeschön! Das war mir sehr hilfreich!
super
Dankeschön 🙏🏻
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Danke 🙏🏻
متن بعضی اپیزود ها کامل نیست🤔
komisch alle Leute sind Iraner , deutsch ist unglaublich schön 😂🤣
Was für ein schönes Thema, ich bedanke mich bei ihnen für diese wertvolle Padcost
das ist sehr hilfreich
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Die Musik war super!
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