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WAGNIS WISSEN
WAGNIS WISSEN
Author: De Gruyter Brill
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© De Gruyter Brill
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Wie gerecht ist unsere Sprache? Welche Ethik braucht künstliche Intelligenz? Wie gestalten wir lebenswerte Städte? Wir wollen es wissen – also fragen wir bei denen nach, die sich am besten damit auskennen. Bei WAGNIS WISSEN spricht Journalistin Nadine Kreuzahler mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft über drängende Fragen der Gegenwart. ► Website: https://www.degruyter.com/publishing/wagnis-wissen
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Die Deutschen und ihre Demokratie – das scheint im Moment kompliziert. Muss man sogar schon von einer Krise der Demokratie sprechen? Die Landtagswahlen haben in diesem Jahr den Osten wieder in den Fokus der Debatte gerückt. In Sachsen, Brandenburg und Thüringen hat eine Partei große Erfolge gefeiert, die die Demokratie infrage stellt, und mit unverhohlenem Rassismus Stimmung macht. Aber auch im Westen sind immer weniger Menschen zufrieden mit der Demokratie in Deutschland. Woher kommt die Demokratieskepsis und wo liegen die historischen Wurzeln - im Osten - aber auch im Westen Deutschlands? Zu Gast in der heutigen Folge ist die Historikerin Christina Morina. Für ihr Buch Tausend Aufbrüche (Siedler) hat sie 2024 den Deutschen Sachbuchpreis erhalten. Darin untersucht sie die politische Kultur Ost- und Westdeutschlands seit den 80er Jahren und sucht nach Gründen für den Erfolg der Populisten.
Christina Morina ist derzeit 2024-25 Visiting Heuss Professor an der New School for Social Research in New York und seit 2019 Professorin für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Gesellschafts- und Erinnerungsgeschichte des Nationalsozialismus, in der politischen Kulturgeschichte des geteilten und vereinigten Deutschlands sowie in dem Verhältnis von Geschichte und Gedächtnis. Christina Morina studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Journalistik an den Universitäten Leipzig, Ohio und Maryland (USA) und wurde 2007 mit einer Arbeit über den Krieg gegen die Sowjetunion in der deutsch-deutschen Erinnerungskultur promoviert. Bei De Gruyter Brill gibt sie die Reihe Vergangene Gegenwart. Debatten zur Zeitgeschichte (Vandenhoeck & Ruprecht) heraus.
Kriege werden nicht nur mit Waffen geführt, sondern auch mit Propaganda. Verteidigung und Angriff finden nicht nur auf dem Schlachtfeld statt, sondern längst auch im virtuellen Raum. Gezielte Falschinformationen, Bots, Trollfabriken, Kampagnen in Sozialen Medien wie TikTok oder Telegram gehören zur Kriegsführung – ob aktuell in Russland und der Ukraine oder in Israel und Gaza. Es herrscht ein Krieg der Narrative. Wie öffentliche Meinung in Zeiten von Krieg und Digitalisierung entsteht, was diese Narrative transportieren und was hinter ihnen steckt, sind Themen der heutigen Folge von WAGNIS WISSEN. Zu Gast ist Christian F. Trippe, Mitherausgeber des Buches Krieg der Narrative. Russland, die Ukraine und der Westen, welches bei De Gruyter erschienen ist.
Christian F. Trippe ist Journalist und Autor. Er leitet die Hauptabteilung Osteuropa der Deutschen Welle, vorher hat er als Reporter in Berlin über deutsche Politik berichtet, war Auslandskorrespondent in Kiew, Brüssel und Moskau. Ihn treibt die Frage um, was aus den Menschen und den Ländern Osteuropas, die früher zum sowjetischen Machtbereich gehörten, wurde.
16 Bände, 5500 Dokumente, fast 14.000 Seiten und 18 Jahre – die Edition Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945 ist ein Mammutprojekt der Holocaustforschung. Die Dokumentensammlung liefert einen Gesamtblick auf das Ausmaß des Holocaust in Europa und lässt Zeugnisse von Tätern, Verfolgten und auch unbeteiligten Dritten sprechen. Was erzählen uns die Dokumente? Warum lohnt es sich mit diesen Quellen zu beschäftigen, obwohl schon so viel zum Thema gesagt wurde? Welche Bedeutung hat diese Edition für die Erinnerungspolitiken?
Unser heutiger Gast ist Susanne Heim, Projektleiterin und
Herausgeberin der Edition, und sie hat zwei Bände bearbeitet. Sie ist Privatdozentin an der Freien Universität Berlin und hat vielfach zum Nationalsozialismus, zur jüdischen Geschichte und internationalen Bevölkerungspolitik geforscht und publiziert.
Es ist jetzt 120 Jahre her, dass sich die OvaHerero, Nama und Oorlam in Namibia gegen die deutsche Kolonialherrschaft auflehnten. Die Deutschen antworteten mit beispielloser Brutalität und einem Vernichtungsfeldzug, der zehntausende Opfer forderte. Maßgeblich an diesem Völkermord beteiligt war Generallieutnant Lothar von Trotha - und er führte darüber Tagebuch. Bei De Gruyter ist der Band Lothar von Trotha in Deutsch-Südwestafrika, 1904–1905 erschienen, eine kritische Edition dieses Tagebuchs, herausgegeben von Matthias Häussler und Andreas Eckl. In WAGNIS WISSEN sprechen wir mit Matthias Häussler darüber, was sich für Gedanken in diesen Tagebüchern offenbaren und welche neuen Erkenntnisse sie für die deutsche Kolonialgeschichte liefern?
Matthias Häussler promovierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main im Fach Philosophie. Obschon die längste Zeit in den Sozialwissenschaften beschäftigt, erlangte er an der Universität Luzern einen weiteren Doktorgrad im Fach Geschichte. Seine Forschungen führten ihn zu ausgedehnten Forschungsaufenthalten in Namibia, Botswana and Südafrika sowie an renommierte Forschungseinrichtungen wie die University of California Berkeley oder das Hamburger Institut für Sozialforschung. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung an der Ruhr-Universität Bochum.
Wie erzählen wir uns als Gesellschaft von unserer Vergangenheit? Welche Bilder des NS-Terrors, des Holocaust und des 2. Weltkriegs bestimmen die kollektive Erinnerung und wer schafft diese Narrative? Unser heutiger Gast Magdalena Saryusz-Wolska hat das am Beispiel eines der dunkelsten Kapitel der NS-Herrschaft untersucht. Es geht um die Massenerschießungen von Juden in der besetzten Sowjetunion im 2. Weltkrieg und wie davon nach dem Krieg erzählt wurde. Sie zoomt buchstäblich mit dem Mikroskop nah heran, es geht um Mikrogeschichten der Erinnerungskultur.
Magdalena Saryusz-Wolska ist Kulturwissenschaftlerin und Soziologin und wurde 2016 an der Fakultät für Polonistik der Universität Warschau habilitiert. Seit April 2024 ist sie Leiterin des Deutschen Historischen Instituts in Warschau. Sie hat zahlreiche Bücher zur Erinnerungskultur geschrieben. Bei De Gruyter 2022 erschienen ist Mikrogeschichten der Erinnerungskultur: ‚Am grünen Strand der Spree‘ und die Remedialisierung des Holocaust by Bullets.
Das Jahr hat 12 Monate, der Monat hat 4 Wochen, die Woche besteht aus 7 Tagen und ein Tag hat 24 Stunden. Das ist die Zeiteinteilung, nach der wir heute leben. Die Uhren auf der Welt ticken weitgehend synchron. Aber das war nicht immer so. Wir gehen in dieser Folge von Wagnis Wissen weit zurück in der Zeit bis in die Antike. Welche Zeitvorstellungen existierten dort, wie dachten die Menschen in der Antike über Zeit nach? Und was kann man daraus heute noch lernen? Darum geht es in der heutigen Folge von WAGNIS WISSEN, zu Gast ist der Theologe und Professor für antikes Christentum Christoph Markschies.
Markschies war bis 2010 Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 2011 war er Vizepräsident und seit 2020 ist er Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er studierte Evangelische Theologie, Klassische Philologie und Philosophie in Marburg, Jerusalem, München und Tübingen, wurde 1991 in Tübingen promoviert und dort 1994 habilitiert. Prof. Markschies ist Mitglied des Beirats bei De Gruyter und Mitherausgeber der bei De Gruyter erscheinenden Reihe Chronoi. Zu seinen Ehren wurde in dieser Reihe der Band Zwiegespräche über die Zeit veröffentlicht.
Männer verdienen das Geld, Frauen schmeißen den Haushalt und erziehen die Kinder. Diese klare Rollenverteilung ist zum Glück Schnee von gestern. Aber gleichberechtigt sind Partnerschaften heute deshalb längst noch nicht. Immer noch übernehmen Frauen zwei Drittel der unbezahlten Hausarbeit und die Kinderbetreuung. Das steht so im 3. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Wie kann Lebens- und Arbeitszeit gerechter verteilt werden? Welche Bedingungen müssen dafür geschaffen werden und welche Rolle spielt dabei bezahlte und unbezahlte Care-Arbeit? Damit beschäftigt sich die feministische Zeitpolitik und darüber sprechen wir in der heutigen Folge mit der Soziologin und Literaturwissenschaftlerin Janina Glaeser. Janina Glaeser forscht und lehrt rund um Themen zu Gender und Care, Sozialpolitik und (Queer-)Feminismus an der Evangelischen Hochschule Berlin (Professur für Sozialpolitik). Sie wurde an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Université de Strasbourg im Cotutelle-Verfahren zu Care-Politiken in Deutschland und Frankreich – Migrantinnen in der Kindertagepflege promoviert. Im Anschluss daran war sie mehrere Jahre Referentin für Frauen-, Gleichstellungs-, Geschlechterpolitik im Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). 2022 hat Glaeser den Aufsatz Feministische gewerkschaftliche Zeitpolitik – (Care-)Arbeit vom Kopf auf die Füße im Buch Politiken der Reproduktion im transcript Verlag, einem Partnerverlag von De Gruyter, veröffentlicht.
Warum haben wir eigentlich nie Zeit? Die Zeit rinnt uns durch die Finger. Die Zeit rast und sie verfliegt. Aber was ist Zeit überhaupt? Und machen diese Redewendungen Sinn?
Wir sprechen mit dem Philosophen und Physiker Norman Sieroka darüber, was die Philosophie zu unserem Verständnis von Zeit beitragen kann. Wie ist das Verhältnis von Zeitempfinden und Wohlbefinden? Was hat Corona mit unserem Zeitempfinden gemacht? Wie können das Hören und die Musik helfen, die Zeit besser zu verstehen?
Norman Sieroka beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Phänomen der Zeit. Er ist Professor für Theoretische Philosophie an der Universität Bremen und hat das Standardwerk Die Philosophie der Zeit (C. H. Beck) geschrieben. Bei De Gruyter ist gerade sein Band Zeit-Hören. Erfahrungen, Taktungen, Musik erschienen.
Häuser in Form einer Gitarre, ein Gebäude komplett aus Plastikmüll aus dem Ozean oder eine Wohnsiedlung in futuristisch verformter Optik. Mit künstlicher Intelligenz lassen sich die Städte der Zukunft jetzt schon neu denken. Macht KI Architekten bald überflüssig? Oder ist KI eine nützliche Hilfe beim Planen und Bauen? Und kann der Vormarsch künstlicher Intelligenz dazu beitragen, unsere Umwelt klimaverträglicher und sozialer zu gestalten?
Gast der heutigen Folge ist Georg Vrachliotis, Professor für Theory of Architecture and Digital Culture und Leiter der Design, Data, and Society Group an der TU Delft, wo er auch The New Open vorsteht, einem neuen interdisziplinären Forschungsprojekt über Architektur im Zeitalter offener Daten. Er hat bei den De Gruyter Imprints Birkhäuser und Jovis u.a. das Buch The New Technological Condition. Architecture and Design in the Age of Cybernetics und ein zuletzt ein Vorwort zum Titel Ok Computer. Icons of Architecture, Rebuilt by AI erfasst.
Künstliche Intelligenz hat schon längst Einzug in unseren Alltag gehalten. KI steckt in Video- und Musikstreamingdiensten, in Suchmaschinen, Sprachassistenten und im Verkehrsmanagement. Und Tech-Unternehmen forschen längst an der Symbiose von Mensch und Maschine. Die Entwicklung stellt uns vor neue ethische Herausforderungen. Welche Ethik braucht künstliche Intelligenz? Und wie kann sichergestellt werden, dass Unternehmen und Softwareentwickler*innen neue Technologien in den Dienst der Gesellschaft stellen? Wie geht gute KI? Das ist unser Thema in dieser Folge von WAGNIS WISSEN mit der Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann.
Sarah Spiekermann leitet seit 2009 das Institut für Wirtschaftsinformatik & Gesellschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. Sie ist Spezialistin für digitale Ethik und hat mit einem Team des weltweit größten Ingenieursverbands IEEE einen Standard erarbeitet, um ethische und wertbasierte IT-Systeme und KI zu entwickeln. Bei De Gruyter ist 2023 der Titel Value-based Engineering - a guide to build ethical technology for humanity erschienen.
Hat das ein Mensch geschrieben - oder war eine Künstliche Intelligenz am Werk? Seit dem Durchbruch von ChatGPT lässt sich das oft nicht mehr so einfach feststellen. Schon werden Warnungen lauter, dass Menschen in Zukunft überflüssig werden, dass eine KI genauso gut Kunst und Literatur produzieren könnte. Aber stimmt das? Welche Texte schreibt KI schon jetzt überzeugend? Und was muss passieren, damit KI auch Literatur kann? Darum geht's in dieser Folge von WAGNIS WISSEN. Gast ist der Autor, Philosoph und Literaturwissenschaftler Hannes Bajohr.
Bajohr forscht zum Verhältnis von KI und Literatur, aktuell im Fachbereich Medienwissenschaft der Universität Basel. Im De Gruyter Handbuch Künstliche Intelligenz und die Künste schreibt er über Autorschaft und KI. In diesem Jahr ist von ihm das Roman-Experiment "Berlin, Miami" erschienen, das er mit Hilfe von KI geschrieben hat.
Der erste Blick des Tages führt meistens schon auf das Smartphone. Schnell checken, ob jemand geschrieben hat – auf WhatsApp, Telegramm oder Signal, danach einen Blick auf Instagram werfen. Der letzte Blick des Tages geht meistens auch wieder auf das Smartphone. Das Digitale ist mittlerweile so selbstverständlich geworden wie Zähneputzen. Auch in der aktuellen Literatur spiegelt sich das wider. Messengerdienste, Emojis und Social Media sind normale Bestandteile von Geschichten geworden und die wiederum werden auf Instagram, bei Snapchat oder auch TikTok beworben und auch besprochen. Und die sozialen Medien produzieren längst eigene literarische Formen. Die Literaturwissenschaft ruft deshalb die Popliteratur 3.0 aus. Wie wirken soziale Medien in die Literatur hinein und umgekehrt? Welche neuen Literaturformen und Formate sind in und durch Instagram und Co entstanden? Darum geht es in dieser Folge von WAGNIS WISSEN mit der Literaturwissenschaftlerin Stephanie Catani.
Stephanie Catani ist Professorin für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Würzburg und forscht zu Literatur und KI. Bei De Gruyter hat sie den Band Popliteratur 3.0. sowie das Handbuch Künstliche Intelligenz und die Künste herausgegeben.
Wer an Popliteratur denkt, denkt an Bret Easton-Ellis und Nick Hornby. An Benjamin von Stuckrad-Barre, Christian Kracht und Benjamin Lebert. Vielleicht noch an Alexa Hennig von Lange. Popliteratur scheint ein Männerclub zu sein. Aber spätestens seit den 90er Jahren mischt der Popfeminismus die Popliteratur auf. Popfeminismus – was ist das überhaupt? Und wie passen feministische Positionen und Mittel des Pop – also Politik und Kommerz – zusammen? Darum geht es diesmal in WAGNIS WISSEN.
Gast der heutigen Folge ist Anna Seidel. Sie ist Literaturwissenschaftlerin an der Universität Innsbruck und forscht aktuell zu Transformationen des Populären. Außerdem ist sie freie Autorin und gibt die Zeitschrift Testcard. Beiträge zur Popgeschichte mit heraus. Zum Handbuch Literatur & Pop bei De Gruyter hat sie den Artikel Pop-Feminismus/ Geschlechterverhältnisse im Pop beigesteuert.
Literatur und Pop – Gegensatz, oder ein und dasselbe? Popliteratur wird oft als abwertendes Etikett für weniger anspruchsvolle Literatur benutzt. Für andere bietet Pop einen besseren Zugang zur Welt als andere gegenwärtige Literatur. Doch wenn die Grenzen zwischen high und low verschwimmen, was unterscheidet aus Sicht der Literaturwissenschaft noch gute von schlechter Literatur? Oder ist das alles nur Geschmacksfrage? Nadine Kreuzahler und Moritz Baßler sprechen über Popliteratur, populären Realismus und Midcult.
Moritz Baßler ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Münster und hat bei De Gruyter das Handbuch Literatur & Pop herausgegeben. Mit seinen Thesen zu einem neuen Midcult und populären Realismus hat er jüngst eine weitreichende Literaturdebatte ausgelöst.
Generative KI erzeugt Texte, Musik und Bilder – oft scheinbar ohne menschliches Zutun. Damit geraten grundlegende Fragen über Autorschaft und Verantwortung ins Wanken. Wie schaffen wir es in einer von digitalen Technologie durchdrungenen Welt handlungsfähig zu bleiben, ohne den Menschen aus dem Zentrum zu verlieren? Und was passiert mit unserem Verständnis von Kreativität, wenn Maschinen zunehmend an künstlerischen Prozessen beteiligt sind? Darüber sprechen wir in „Wagnis Wissen“ mit der Philosophin und Kunsthistorikerin Dr. Dorothea Winter.Dorothea Winter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Angewandte Ethik an der Humanistischen Hochschule Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Demokratietheorie, Ethik, Erkenntnistheorie und Feminismus. Bei De Gruyter Brill hat sie das Buch „Rationalität– Freiheit – Verantwortung: Beiträge zur Philosophie Julian Nida-Rümelins“ mitherausgegeben. Gemeinsam mit Nina Zuber steuerte sie außerdem das Kapitel „Digitaler Humanismus: Die unverzichtbare Rolle menschlicher Autorschaft im Zeitalter der Technologie“ bei. Ihr Buch „KI, Kunst und Kitsch. Ein philosophischer Aufreger“ erschien 2023 bei Carl Auer.
Im Zeitalter der Polykrisen stehen die Geisteswissenschaften zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Brauchen wir sie überhaupt noch? Und wenn ja, warum fällt es vielen Geisteswissenschaftler*innen so schwer, selbstbewusst mit ihrer Forschung an die Öffentlichkeit zu gehen?In „Wagnis Wissen“ sprechen wir mit dem Literaturwissenschaftler Johannes Franzen über die Vertrauenskrise der Geisteswissenschaften und wie diese überwunden werden kann.Johannes Franzen ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Deutsche Philologie der Universität Mannheim und Autor verschiedener Bücher. Im Newsletter „Kultur und Kontroverse“ schreibt er über kulturelle Konflikte der Gegenwart. In seinem Essay „Die Geisteswissenschaften und die Öffentlichkeit – Szenen einer Legitimationskrise“, veröffentlicht in dem Open-Access-Band „Überzeugungskräfte: Über das Vertrauen in Wissenschaft (und Pseudowissenschaft)“ (Brill, 2025), setzt er sich mit dem Thema der aktuellen Folge auseinander. Foto: Marion Koell
Die deutsche Erinnerungskultur und die Aufarbeitung des Nationalsozialismus gelten weltweit als vorbildlich. Aber war die Demokratisierung der Deutschen nach 1945 wirklich eine lupenreine Erfolgsgeschichte? Die Historikerin und Antisemitismusforscherin Stefanie Schüler-Springorum erzählt in ihrem neuen Buch "Unerwünscht" (S. Fischer) die Nachkriegsgeschichte aus der bisher unterbelichteten Perspektive der Opfer und Verfolgten der Nazis und rüttelt so am Selbstbild Deutschlands als Weltmeister der Vergangenheitsbewältigung. Wir sprechen mit ihr bei WAGNIS WISSEN über Kontinuitäten von Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus seit 1945 und gehen der Frage nach, wie neu gegenwärtige Formen von Ausgrenzung und Diskriminierung wirklich sind.Stefanie Schüler-Springorum ist Historikerin und seit 2011 Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, seit 2012 Ko-Direktorin des Selma-Stern-Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und seit 2020 Leiterin des Berliner Standorts des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind deutsche und jüdische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Geschlechtergeschichte und spanische Geschichte. Bei De Gruyter Brill sind von und mit ihr unter anderem diese Titel zum Thema erschienen: Antisemitismus und Rassismus (V&R), Handbuch Jüdische Studien (Böhlau).Bei S. Fischer Verlage: Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-RegimesFoto: G. Faller-Walzer
Kalorien scheinen objektiv, neutral, wissenschaftlich – ein einfacher Zahlenwert, der angibt, wie viel Energie in einem Lebensmittel steckt. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich: Die Kalorie ist alles andere als unpolitisch. Sie erzählt eine Geschichte von gesellschaftlicher Kontrolle, Disziplin und Körpernormen.Seit dem frühen 20. Jahrhundert hat die Kalorie unser Verständnis von Ernährung, Arbeit und Gesundheit geprägt. Sie machte Essen messbar, Körper vergleichbar – und schuf neue Vorstellungen davon, was als „richtig“ oder „gesund“ gilt. Mit dem Kalorienzählen entstanden neue moralische Erwartungen: Wer gilt als diszipliniert, wer als maßlos oder unbeherrscht? Zugleicht entstand auch die Idee der Kalorie als Maß für Arbeitskraft, welche als Legitimierung sozialer Ungleichheit diente. Mit der Historikerin Nina Mackert sprechen wir über die Geschichte der Kalorie, Macht und Körperpolitik. Nina Mackert schloss 2007 ihr Magisterstudium in den Fächern Geschichte, Gender Studies sowie Politische Wissenschaft an der Universität Hamburg ab. Es folgte 2011 an der Universität Erfurt die Promotion in Geschichte. Seit 2012 war Nina Mackert als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an zwei Forschungsprojekten in Erfurt beteiligt und zuletzt seit 2019 im interdisziplinären LeipzigLab „Global Health“ angestellt. Im Dezember 2024 beendete sie, ebenfalls an der Universität Erfurt, ihr Habilitationsverfahren mit der Schrift „The Calorie: A History of Measure Food, Bodies, and Choices“. Seit Oktober 2025 hat Nina Mackert eine Professur für Nordamerikanische Geschichte und Public History am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg inne. Mackert hat verschiedene Arbeiten zur Geschichte der Kalorie publiziert, bei De Gruyter die Beiträge No Chocolate Creams Subjektivierung und die Klassenpolitik der Kalorie in den USA der Progressive Era und ‘Nature always Counts’: Kalorienzählen als Vorsorgetechnik in den USA des frühen 20. Jahrhunderts.
Kinderkrippen existierten in der DDR seit den 1950er-Jahren und galten dort als modern und fortschrittlich. Schon ab dem Säuglingsalter wurden viele Kinder in staatlichen Tages-, Wochen- oder Dauereinrichtungen betreut. Besonders die Wochenkrippen stehen heute im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, weil sich immer mehr ehemalige „Wochenkinder“ zu Wort melden und über psychische Folgen berichten, die sie bis ins Erwachsenenalter begleiten. In der alten BRD fehlte Kinderbetreuung nicht völlig, sie war aber stark begrenzt und gesellschaftlich wenig akzeptiert. Dauereinrichtungen wie Säuglingsheime existierten zunächst, doch nachdem in den 1960er-Jahren gravierende Hospitalisierungsschäden bei den Kindern festgestellt wurden, baute man diese Einrichtungen fast vollständig ab. Heute erscheint es kaum vorstellbar, wenige Wochen alte Babys in ein Heim zu geben. Betreuung von Vorschulkindern in Kindergärten allerdings ist für die meisten Familien in Deutschland heute mittlerweile Alltag und gesellschaftlich akzeptiert. Dennoch entzündet sich an den DDR-Kinderkrippen bis heute ein ideologischer Streit. Während sie den einen als Beleg für die Unmenschlichkeit der Diktatur gelten, betrachten andere sie weiterhin als fortschrittliches Modell, das es Müttern ermöglichte, früh wieder arbeiten zu gehen. Wir sprechen heute über dieses Thema mit Dr. Carolin Wiethoff.Wiethoff studierte Neuere und Neueste Geschichte, Osteuropäische Geschichte und Volkskunde an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universität Erfurt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Bildungsgeschichte der DDR, Medizin in Diktaturen sowie die Geschichte der Sozialpolitik und der sozialen Sicherung in Deutschland. Bei De Gruyter ist im Juli das Buch Allein unter vielen Alltag, Ausbau und Krise der Kinderkrippen in der DDR 1950–1968 erschienen.
Fake News, Politikverdrossenheit, Autoritarismus. Ideale der Aufklärung, wie Demokratie, Gleichheit, Freiheit, Universalismus und das Vertrauen in rationales Denken sind heute zunehmend unter Beschuss. Dabei wird die Aufklärung nicht nur von ihren offensichtlichen Feinden attackiert, sondern steht seit Jahrzehnten auch von ihren Befürwortern in der Kritik, weil sie hinter die eigenen Ansprüche zurückzufallen droht. Philosoph Markus Tiedemann hat mit seinem Buch Post-Aufklärungs-Gesellschaft. Was wir verlieren und was uns bevorsteht eine engagierte Verteidigungsschrift für die Werte der Aufklärung verfasst. Aufklärung, sagt er, ist das Beste, was die Menschheit je hervorgebracht hat. Trotzdem konstatiert er das Ende der Epoche der Aufklärung - und wagt den kritischen Blick nach vorne, in eine Welt nach der Aufklärung.Prof. Markus Tiedemann studierte Philosophie, Psychologie, Geschichte und Erziehungswissenschaft. Nach dem Studium arbeitete er zwölf Jahre als Lehrer und Fachseminarleiter an einer Gesamtschule und am Hamburger Institut für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Er lehrte an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, der Freien Universität Berlin und folgte dann einem Ruf an die Technische Universität Dresden, wo er die Professur für Didaktik der Philosophie und für Ethik innehat. Zu seinen Arbeits- und Interessensschwerpunkten zählen Philosophiedidaktik, normative Integration und De-Radikalisierung und ethische Orientierung in der Moderne. Er ist Vorsitzender des „Forums für Didaktik der Philosophie und Ethik“ und Mitherausgeber der „Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik“. Bei Brill I Mentis erschien von ihm das Buch Post-Aufklärungs-Gesellschaft, welches 2025 auch in englischer Übersetzung veröffentlicht wurde: Post-Enlightenment-Society. What we are losing and what lies ahead.























