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Erklär mir Pop

Author: SWR

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In welchem politischen Kontext ist ein Song entstanden? Warum hat der Gitarrist das Solo so und nicht anders gespielt? Was macht die Band heute? Prof. Udo Dahmen, künstlerischer Direktor a.D. der Popakademie Mannheim und Berater für Popländ Baden-Württemberg erklärt jede Woche die Hintergründe eines großen Songs der Popmusikgeschichte.
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„Limelight" von Rush

„Limelight" von Rush

2026-03-1309:25

Der Song „Limelight“ von Rush erschien 1981 auf dem Album Moving Pictures und gehört zu den bekanntesten Stücken der kanadischen Band. Die Band Rush, das waren der Bassist, Keyboarder und Sänger Geddy Lee, der Gitarrist Alex Lifeson und der Schlagzeuger Neil Peart. Inhaltlich beschäftigt sich „Limelight“ mit dem Leben im Rampenlicht.
Gerade erst wurden sie mit dem Förderpreis des Kunstpreises der Stadt Dresden ausgezeichnet. Die Band Ätna stehe für Musik, die Grenzen sprengt und Herzen erreicht, lobt die Jury. Das Duo, das aus Sängerin Inéz Schäfer und Schlagzeuger Demian Kappenstein besteht, verbindet Jazz, Pop und elektronische Klänge und ist damit inzwischen auch international erfolgreich. Seit dem gemeinsamen Jazz-Studium an der Dresdner Musikhochschule hätten die beiden konsequent an der Weiterentwicklung ihrer elektronischen Sounds gearbeitet, so der Mannheimer Popexperte Udo Dahmen. Ihn beeindruckt besonders die Zusammenarbeit von Ätna mit verschiedenen Streichorchestern wie zum Beispiel mit dem Kammerorchester ensemble reflektor. Der Song „Lucky Dancer“ ist auf dem Album „Ätna“ im Oktober 2024 erschienen, das von Krisen, Vergänglichkeit und Empathie erzählt.
The Last Dinner Party ist eine britische Rockband aus London - fünf Musikerinnen, die ihren Stil des opulenten Rockmelodrams überzeugend präsentieren. Mit ihren theatralischen Auftritten treten sie ein für die Rechte der Frauen. Sie haben erst 2020 zusammengefunden, hatten aber schon 2024 ihren internationalen Durchbruch und konnten bereits etliche Preise abräumen. „Second Best" ist ein Song von ihrem zweiten Album „From The Pyre" (2025) und zeigt die Entwicklung von einer Rockoper mit großem Chor hin zu einem Rock- und Punkklassiker.
Laut Musikmagazin Rolling Stone zählt der Song zu den 500 besten aller Zeiten, die die Rockgeschichte geprägt haben. Geschrieben wurde er 1956 von Screamin’ Jay Hawkins und bis heute wurde der Song vielfach gecovert: von Nina Simone über Annie Lennox bis Bonnie Tyler. Eine ganz besonders gelungene Version stammt von der Soulsängerin Joss Stone und dem Jazz-Rock-Gitarristen Jeff Beck – findet der Mannheimer Popexperte Prof. Udo Dahmen.
Paula Carolina veröffentlicht erst seit 2021 Musik. Nachdem ihr Debütalbum „Aus der Blüte des Lebens“ noch nach progressivem, akustischem Indie-Pop-Rock klang, kommt ihre Single „Schreien“ jetzt wie ein NDW-Hit daher. Der Song handelt von Reizüberflutung, Großstadtgefühlen und Alltagsbeobachtungen in Berlin und der Freiheit einer jungen Generation. Ganz klar: Paula Carolina surft hier auf ihrer ganz eigenen neuen deutschen Welle, meint unser Experte für Popmusik Udo Dahmen.
Der Song erschien 2014 auf dem Album „Black Messiah“ von D’Angelo, der mit bürgerlichem Namen Michael Eugene Archer hieß. Den Künstlernamen gab sich der US-amerikanische R&B-Musiker, der im Oktober 2025 im Alter von 51 Jahren gestorben ist, vermutlich in Anlehnung an den Renaissance-Künstler Michelangelo. Musikalisch ist „Sugah Daddy“ stark vom Funk der 1970er-Jahre geprägt. Mit seiner Mischung aus Soul, Funk, Jazz und Hip-Hop gilt D’Angelo als wichtiger Impulsgeber der sogenannten Neo-Soul-Bewegung der 90er Jahre. Inhaltlich spielt der Song ironisch mit Macht, Begehren und Rollenbildern und kann auch als gesellschaftlicher Kommentar verstanden werden. Und er steht für den Anspruch D’Angelos, Musik nicht nur als Unterhaltung, sondern auch als Ausdruck von Haltung und kulturellem Bewusstsein zu verstehen.
Der Song aus dem Jahr 1980 gilt als Meilenstein der New Romantic-Bewegung. Den Text und die melancholische Melodie schrieb Midge Ure, der spätere Sänger von Ultravox. Sowohl er als auch alle anderen Musiker kamen aus der Londoner Punk- und frühen Elektroszene.
Ein kraftvoller Song über Beziehungen, Freiheit, Treue und Untreue: Mit „Like The Way I Do“ schaffte Melissa Etheridge nicht nur den Durchbruch in Europa, sondern schrieb auch einen 80er-Jahre Klassiker. Veröffentlicht wurde der Titel auf ihrem Debütalbum am 2. Mai 1988. Interessant ist, dass Melissa Etheridge hier nicht über eine Mann-Frau Beziehung singt, sondern über eine gleichgeschlechtliche Liebe. Da sie ihr Coming Out aber erst fünf Jahre später hatte, war das zunächst keineswegs klar. Melissa Etheridge macht seit 1993 kein Geheimnis aus Ihrer Homosexualität und setzt sich schon lange für die Rechte der LGBTQ-Community ein. „Like The Way I Do“ beschreibt sie selbst wegen seiner Leidenschaft und Offenheit als einen ihrer besten und persönlichsten Songs.
Inhaltlich geht es um ein zerbrechliches Herz, während der Song musikalisch Wave-Punk und Euro-Disco zusammenbrachte. Eine Provokation für die Punkszene 1978, in der Disco als absolut uncool galt. Der Song war damals der absolute Hit der US-amerikanischen Band, die wenige Jahre zuvor in New York gegründet wurde von Debbie Harry und Chris Stein. „Heart of Glass“ stürmte die Charts, ist längst in die „Grammy Hall of Fame“ aufgenommen worden und auch als Coverversion von Miley Cirus ging er erneut durch die Decke.
Blasmusik und Techno - eine sehr eigenwillige Kombination, die bei dieser Formation perfekt zusammengeht. 2015 hat der Trompeter Thomas Burhorn „Meute“ als 11-köpfiges Bläserensemble gegründet. Dabei spielt die Gruppe nicht nur auf der Festivalbühne oder im Club, sondern sucht sich als Techno-Marching-Band auch öffentliche Räume.
Schon der Titel wirkt exotisch, dazu die ungewöhnliche Bassstimme von Sänger Brad Roberts. Dieser Song auf dem zweiten Album der Band wurde weltweit ein Hit. An diesen Erfolg konnten die kanadischen Musiker niemals mehr anknüpfen. Das war auch nicht das zentrale Ziel. Pop-Experte Prof. Udo Dahmen erklärt, dass insbesondere Frontmann Roberts immer auf Unabhängigkeit geachtet hat, auch weil er in seinen Songs Teile seiner Vita verarbeitet. Die Sprachgewalt hat er in einem Studium der englischen Literatur zur Kunst ausgebaut. Die Crash Test Dummies sind immer mal wieder auf Tour, und passen mit ihrer unaufgeregten Bühnenperformance perfekt zur Sehnsucht vieler Menschen nach Ruhe und Frieden.
Herz-Schmerz-Songs gibt es viele. Und trotzdem ist es Gracie Abrams gelungen, noch einen drauf zu setzen. In „That’s So True“, im Oktober 2024 veröffentlicht, geht es um Trennungsschmerz und die Eifersucht auf die neue Freundin des Ex. Aber auch darum, sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren. Es sind die Worte die Gracie Abrams gewählt hat und ihre lässige Performance, die den Song für unseren Popmusikexperten Udo Dahmen so besonders machen.
Klaus Doldinger war einer der ganz großen Jazzmusiker, Komponisten und Bandleader. Im Oktober ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.
Männer und Frauen in einer Band, schwarze und weiße Musiker - das war in den 60 er Jahren ungewöhnlich. Mit dieser Besetzung unterstrich Bandleader Sly Stone seine Botschaft für ein friedliches, gleichberechtigtes Miteinander.
Frank Zappa verstarb am 4. Dezember 1993 – nur einen Monat vor seinem Tod erschien sein Album „Yellow Shark“. Eingespielt hatte es der Ausnahmemusiker mit dem Ensemble Modern aus Frankfurt am Main. Die Zusammenarbeit zwischen dem Ensemble für zeitgenössische Musik und dem Komponisten Zappa war für beide Seiten eine spannende Grenzüberschreitung. Das beweist auch der Titel „Moggio“, der zehn Jahre später auf dem Album „Ensemble Modern plays Frank Zappa – Greggery Peccary & other persuasions“ erschien.
„Ich hab ein Ohr mehr als Vincent van Gogh“ heißt es im Refrain. Der Song aus dem Debutalbum nimmt sich die bundesdeutsche Kunstszene vor und seziert sie genüsslich. Auch gesellschaftliche Probleme wie Rassismus oder Kriege beschäftigen die jungen Musiker. Mit dem selbsternannte Einhornpop haben sie sich in den sieben Jahren ihres Bestehens eine treue Fanbase erspielt. Sowohl live als auch digital, im eigenen Land und international. Frontfrau Eva Sauter und ihre Kollegen kennen sich aus der Mannheimer Popakademie und taten sich 2018 zur Band Ok. Danke Tschüs zusammen. Derzeit sind sie im Südwesten unterwegs, um ihr neues Album „Knutschen & Boxen“ vorzustellen. Ich hab ein Ohr mehr als Vincent van Gogh"
Blumfeld nannte sich eine Hamburger Band, die vor allem in den 90ern den Nerv der Zeit traf. Mit anspruchsvollen, nachdenklichen und intellektuellen Songs passte sie gut in die Zeit der Wiedervereinigung, der politischen Umbrüche und der Suche nach Orientierung. Der Bandname war nicht zufällig gewählt, er ging zurück auf den älteren Sonderling und Junggesellen Blumfeld in einer unvollendeten Erzählung von Franz Kafka. Jochen Distelmeyer, Gründungsmitglied, Songwriter und Sänger von Blumfeld, beschäftigt sich in dem äußerst textlastigen Song mit seinem Verhältnis zur Gesellschaft, der persönlichen Einsamkeit und der mangelnden Möglichkeit vor sich selbst fliehen zu können. Die Band, die sich 2007 auflöste, stand in einer Reihe mit den Protestbands „Ton Steine Scherben“ und „Fehlfarben“.
Mastodon ist eine Progressive Metal Band, die ihre Einflüsse aus dem Progressiv Rock, Metal und Fusion bezieht. Der Titel „Steambreather“ wurde am 31. März 2017 auf dem 7. Studioalbum „Emperor of Sand“ veröffentlicht. Ein Konzeptalbum um einen Wanderer in der Wüste, der ein Todesurteil erhalten hat. Biografischer Hintergrund der Themenwahl ist die schwere Erkrankung naher Verwandter von drei Bandmitgliedern innerhalb kürzester Zeit. Der Song und das Album beschreiben metaphorisch die Auseinandersetzung mit Krebs.
Rick Davies hat Supertramp maßgeblich geprägt – mit der tieferen der beiden Männerstimmen und seinem speziellen Anschlag auf dem Wurlitzer-Piano. Schon als Kind war er musikalisch aktiv – erst am Schlagzeug, später an diversen Tasteninstrumenten. Von ihm stammen einige der erfolgreichsten Supertramp-Songs. Kompositorisch und stimmlich ergänzten sich Davies und Hodgson, aber es gab auch erhebliche Differenzen. Der Song stammt von dem sechsten Album der Band „Breakfast in America“, das zwei Grammys gewann. Einen davon für das beste Cover. Als Roger Hodgson die Band verließ, machte Davies weiter und war bis 2010 mit seinen Bandkollegen auf Tour. Rick Davies starb am 6.9.2025.
Die prägnante Stimme von Shane MacGowan ist in diesem folkigen Song mit Square Dance-Anmutung unverkennbar und hat den Sound der Pogues stark geprägt. Der irisch-britische Leadsänger der Band starb am 30. November 2023 im Alter von nur 65 Jahren. Shane MacGowan hat Popmusikgeschichte geschrieben und 2018 einen Preis für sein Lebenswerk erhalten. Veröffentlicht wurde „If I Should Fall From Grace With God” auf dem gleichnamigen dritten Studioalbum im Februar 1988. Im Song fällt der Widerspruch auf zwischen der so optimistischen musikalischen Grundstimmung und der Ernsthaftigkeit des Textes, in dem es auch um Tod, Verlust und Verzweiflung geht. Udo Dahmen sagt, hier gehe es um das kämpferische Moment und die Aussage: Wir tanzen auf den Trümmern unseres Schicksals und lassen uns nicht unterkriegen.
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