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Author: The St. George Herald

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Monty Arnold & Torben Sterner unternehmen einen hilfreichen Streifzug durch die Filmgeschichte, zunächst am Beispiel der Kultfilme – von „Metropolis“ (1927) bis „Pulp Fiction“ (1994). In der laufenden zweiten Staffel halten sie pro Folge einen Kultfilm-Azubi und einem Geheimtipp parat.
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Blue Velvet / Caché

Blue Velvet / Caché

2026-01-1543:42

Tief unten im Finstern Zwei Filmemacher, die wegen ihrer rätselhaften Filmsprache entweder verehrt oder abgelehnt werden, liefern die beiden Programmpunkte unserer heutigen Präsentation. Mit dem kultigeren der beiden fangen wir an: David Lynch. Einen Film, der ihn über die Maßen beeinflusst hat, haben wir hier schon besprochen – und wurden uns nicht einig: „Carnival Of Souls“. Mal sehen, wie es uns mit diesem Hauptwerk des Meisters ergeht.  A) Blue Velvet – Verbotene BlickeAmerikanischer Thriller von 1986 Unter der kitschig-heimeligen Oberfläche der Kleinstadt Lumberton tut sich ein Abgrund auf. Der Collegestudent Jeffrey wird durch einige Zufälle dazu verleitet, ihn aufzuspüren und in ihn hinabzusteigen. Da sind zum einen seine brave Zuneigung zur Polizistentochter Sandi und die Ermittlungsdetails, die sie zuhause aufgeschnappt hat; da ist seine Faszination für die Barsängerin Dorothy, die sich regelmäßig vom Sadisten Frank misshandeln lässt; und da ist der seltsame Gegenstand, der alles ins Rollen bringt: ein abgeschnittenes Ohr, das Jeffrey zufällig findet … Der Kult um den Regie-Surrealisten David Lynch ruht bis heute auf zwei Säulen: seine als bahnbrechend empfundene TV-Serie „Twin Peaks“ und der perverse Mystery-Thriller „Blue Velvet“. Beider Ereignisse sehen wir durch die staunenden Augen des Schauspielers Kyle MacLachlan, dessen zierlich-rosige Zurückhaltung alles Übrige nur umso alptraumhafter wirken lässt. Von einer nachvollziehbaren Handlung, wie sie in diesem Frühwerk noch anzutreffen ist, hat sich der Regisseur später zunehmend verabschiedet.  B) ChachéFranzösisch-österreichisches Drama von 2005 Der Pariser Fernsehmoderator Georges Laurent und seine Frau Anne bekommen anonym Videocassetten zugeschickt, auf denen ihr Wohnhaus von gegenüber gefilmt wurde, stundenlange, ereignislose, unbewegte Aufnahmen. Einer Lieferung ist die Zeichnung eines Gesichtes beigelegt, das aus dem Mund blutet. Als auf einem weiteren Video der Gutshof zu sehen ist, auf dem Georges seine Kindheit verbracht hat, erinnert er sich an Majid, den er als algerisches Flüchtlingskind kennenlernte. Dass dieser heute durchaus ein Rachemotiv hätte, will Georges sich nicht eingestehen, weshalb er Anne nichts von seinem Verdacht erzählt. Sie erfährt doch davon – durch ein weiteres Video. Dann verschwindet Pierrot, der 12jährige Sohn der Laurents …  Der österreichische Regisseur Michael Haneke brachte es mit verrätselten Filmen zwischen viel Berufserfahrung und dem Studium der Filmgeschichte einerseits und der Missachtung fast sämtlicher Hollywood-Sehgewohnheiten andererseits zu einer bemerkenswerten Karriere. Mit seinen preisgekrönten Alterswerken „Das weiße Band“ und „Liebe“ schaffte er es in der Publikumsgunst sogar bis an den äußersten Rand des Mainstreams.Nächste Woche: Zurück in die Zukunft und Star Trek VI: Das unentdeckte Land
Seit der Erfolg von „Knives Out“ zur Serie angewachsen ist, hat das uralte und irgendwie gemütliche Genre des Krimi-Kammerspiels, der Thriller in geschlossenen Räumen, wieder Konjunktur. Das passt prima zum Jubiläum der „Queen Of Crime“ Agatha Christie, das dieser Tage in den Mediatheken gefeiert wird. Aber ist der neueste Beitrag „The Housemaid“  auch so witzig wie diese Beispiele?  The Housemaid - Wenn sie wüsste Thriller von Paul Feig Die 27-jährige Millie hofft nach der Entlassung aus dem Gefängnis als Hausmädchen bei einem wohlhabenden Ehepaar neu anzufangen. Doch schon bald merkt sie, dass sich hinter der Fassade aus Luxus und Eleganz eine dunkle Wahrheit verbirgt, die weitaus gefährlicher ist als ihre eigene. Ein verführerisches Spiel um Geheimnisse, Skandale und Macht beginnt…  Sydney Sweeney und Amanda Seyfried spielen die Hauptrollen in dieser Verfilmung eines Bestsellers von Freida McFadden.
Die ganz große Zombiewelle ist im Abklingen, doch im Kino sind wir mittendrin in einer einschlägigen Serie, die wie es sich gehört als Trilogie angelegt ist. Im heutigen Podcast wollen wir u. a. herausfinden, wie notwendig es ist, sich mit der Serie auszukennen, um den aktuellen Film genießen zu können: 28 Years Later: The Bone TempleHorror-Drama von Nia DaCostaNachdem Spike seine Heimatinsel hinter sich gelassen hat, gerät er in die Fänge der Satanistensekte um den Guru „Sir Jimmy Crystal“. Der kleine Junge wird genötigt, sich der Horde anzuschließen. Inzwischen hat Dr. Ian Kelson das Vertrauen eines grobschlächtigen Alpha-Virus-Trägers gewonnen, den er Samson nennt. Als Sir Jimmys Sekte Kelsons Refugium, den „Bone Temple“ entdeckt, erpresst er den Einsiedler, ihn bei seinen Plänen zu unterstützen …Angeregt von der Comicserie „The Walking Dead“, die später erfolgreich als TV-Serie umgesetzt wurde, brachte der Brite Danny Boyle den Zombie-Mythos in „28 Days Later“ erfolgreich auf die Leinwand und machte inhaltliche Anleihen. Eine Fortsetzung später, legte er voriges Jahr mit „28 Years Later“ den Grundstein für eine neue Filmreihe, die nun im Kino ihre Fortsetzung findet.
Mehr als 400 Jahre nach seinem Tod kann mit dem Namen Shakespeare noch jeder etwas anfangen. Über ihn persönlich wissen wir so gut wie nichts – nicht einmal mit Sicherheit, ob er die knapp 40 Dramen tatsächlich geschrieben hat, die sich teilweise bis heute auf den Spielplänen von Kino, Theater und Internet gehalten haben. Ab und zu wird er sogar selbst zum Thema. Es ist wieder soweit: Soeben hat "Hamnet" den Golden Globe als bestes Drama erhalten, was zum Zeitpunkt unseres Gesprächs noch nicht klar war, aber Torben vermutete schon etwas in der Art.HAMNETHistorisches Drama von Chloé ZhaoDie feinfühlige Agnes und ihre große Liebe, der Handschuhmachersohn William, wirken in der streng normierten ländlichen Gesellschaft von Warwickshire wie Freaks. Immerhin: sie finden zueinander und heiraten. Schon bald zeigt sich, dass William in der Enge der Kleinstadt verrückt wird. Er muss nach London, um dort seiner Theaterambition nachzugehen. Da Agnes wiederum das Leben in der Natur nicht aufgeben will, lässt William sie und die drei Kinder Susanna, Judith und Hamnet zurück. Das tragische Ereignis, das die Familie bald darauf erschüttert, werden die Eheleute getrennt voneinander verarbeiten …Die Autorin Maggie O’Farrell half der Regisseurin, ihren gefeierten Roman zum Drehbuch umzuarbeiten. Die Frucht ihrer Arbeit wurde auf dem Toronto International Film Festival im vorigen Jahr mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Das, worum es heute geht, ist nicht einfach nur ein Film, auch nicht bloß der Teil einer Serie oder eines Franchise. Er ist der neueste Beitrag zu einem deutschen Medienphänomen.  Die ??? - Toteninsel Regie: Tim Dünschede  Kaum haben die Sommerferien begonnen, planen die jungen Detektive Justus, Peter und Bob einen Roadtrip. Stattdessen verschlägt es sie auf die Vulkaninsel Makatao, die unter dem Namen Toteninsel gefürchtet ist und von der angeblich niemand mehr zurückkehrt. Ein Geheimbund namens Sphinx, angeführt vom undurchsichtigen Professor Phoenix und dessen Assistenten Olin, streckt dort seine diebischen Finger nach einer Grabstätte aus.   Dieses Abenteuer muss nicht nur die auf dem Plakat angegebene Zielgruppe erreichen – die Jugend von heute – sondern auch die abertausenden Kassettenkinder der 70er und 80er Jahre, die die berühmte Hörspielserie noch immer lieben; möglicherweise leben ja sogar noch ein paar Fans der vorausgehenden Buchreihe. Eine Serie in einen Film zu übertragen – sei es eine vom Bildschirm oder aus der Welt des Hörspiels – ist eine lösbare Aufgabe, doch sie gelingt in den seltensten Fällen. Torben Sterner hat die „Toteninsel“ gesehen, kennt die beiden früheren Kinofilme um die drei Fragezeichen und ist auch sonst im Thema. 
Helden wie sie im Buche stehen  Literarische Krimihelden mit Leinwanderfahrung stehen im Mittelpunkt der heutigen Folge unseres Podcasts. Der Hauptfilm wurde uns mehrmals vonseiten des Publikums angetragen. Eine Leiche zum Dessert / Murder By Death Amerikanische Krimiparodie von 1976 Der exzentrische Millionär Lionel Twain lädt die fünf berühmtesten Detektive der Welt nebst Anhang zu einem Wochenende in sein in gruseliger Einöde gelegenes Landhaus ein. Schon aus Eitelkeit erscheinen sie alle, denn neben einem üppigen Dinner wird ihnen ein Mord versprochen. Der Hausherr erklärt ihnen, dieser würde sich um 12 Uhr ereignen, Täter und Opfer säßen bereits mit am Tisch. Dem siegreichen Ermittler winkt eine Million Dollar. In der Tat verwandelt sich das Anwesen um Mitternacht in ein Tollhaus – doch wer nun eigentlich tot oder lebendig ist, ist eines der vielen Rätsel, die zu lösen sind. Neil Simon war zeitweise der erfolgreichste Theaterautor des Broadway - und bleibt einer der witzigsten. Mit dieser Genreparodie fügte er seinen zahlreichen Filmadaptionen ein Originaldrehbuch hinzu, das er noch am Set verfeinern konnte. Die sowohl literarisch als auch filmisch wichtigsten fiktiven Krimihelden der Zeit – Hercule Poirot und Miss Marple, das elegante Ehepaar Charles aus der „Thin Man“-Serie, Charlie Chan sowie ein Hybrid aus den Hard-boiled-Detectives Sam Spade und Philip Marlowe - werden von einem ebenso schillernden Filmstar-Ensemble verkörpert und von den Giganten ihres Mediums synchronisiert. Dass die große Myrna Loy vor diesem Spaß zurückschreckte, weil ihr das Drehbuch zu gewagt war, erweist sich im Rückblick als prophetischer Akt der traurigen Sorte. B) Blutsverwandte / Les Liens de Sang Französisch-Kanadischer Thriller von 1977 Die 17jährige Muriel Stark wird nachts in einem Hauseingang erstochen, wo sie nach einer Party vor einem Wolkenbruch Schutz gesucht hatte. Die Augenzeugin, ihre 15jährige Cousine Patricia Lowery, kommt völlig verstört und mit Schnittwunden auf die Polizeiwache und meldet den Vorfall. Nach ein paar Tagen widerruft sie ihre Aussage und nennt ihren 19jährigen Bruder Andrew als den Mörder. Als Detective Carella an Muriels Tagebuch gelangt, lernt er nicht nur das Opfer besser kennen, sondern auch ihren Cousin und eifersüchtigen Liebhaber Andrew. Carella taucht in das Leben der drei Teenager ein ... Unter den Titel „Blood Relatives“ war dieser Film so etwas wie ein Ausflug des französischen Starregisseurs Claude Chabrol in den Hollywood-Mainstream, die Figuren sind erheblich freundlicher gezeichnet seinen französischen Filmen. Das aus Ed McBains Kriminalromanen berühmte „87. Revier“ wird nach Montréal verlegt, sein Held Steve Carella vom kanadischen Weltstar Donald Sutherland verkörpert. Nächste Woche: Blue Velvet und Caché 
Haie im Wolkenkratzer A) Wall StreetAmerikanisches Gesellschaftsdrama von 1987  Im New York der 80er erarbeitet sich der aus einfachen Verhältnissen stammende Yuppie und Börsenmakler Bud Fox (Charlie Sheen) ohne das Wissen seines Chefs das Vertrauen von Gordon Gekko (Michael Douglas). Der enigmatische Finanzhai mag den gelehrigen jungen Burschen und überzeugt ihn davon, auch Insidergeschäfte und andere krumme Touren nicht abzulehnen. Fox‘ Familien- und Beziehungsleben verzahnt sich immer mehr mit dem Imperium seines Förderers. Das wird sich als gefährlich erweisen.  In den 80er und 90er Jahren hatte Oliver Stone bei kommerziellen reißerischen Dramen und Thrillern, die dem Publikum das vage Gefühl einer Haltung vermittelten, die Nase in Hollywood so weit vorn wie Gordon Gecko die seine an der Wall Street. Die Filme des Regisseurs haben die Zeit unterschiedlich gut überstanden. Während etwa die Freude über seine Aufarbeitung der Kennedy-Ermordung inzwischen von diversen Faktenchecks vermiest wurde, bietet „Wall Street“ heute eine treffliche Zusammenfassung des ersten Jahrzehnts im entfesselten Neoliberalismus. Keine wertende übrigens. Selbstverständlich gab es inzwischen auch eine Fortsetzung.  B) Wie man Erfolg hat, ohne sich besonders anzustrengen / How To Succeed In Business Without Really Trying Broadway-Musical-Verfilmung von 1968 J. Pierpont Finch folgt dem verlockenden Taschenbuch-Ratgeber „Wie man Erfolg hat, ohne sich besonders anzustrengen“ und steigt tatsächlich binnen Tagen vom Fensterputzer zum Aufsichtsratsvorsitzenden einer großen Firma auf, von der wir nie erfahren, womit sie sich eigentlich beschäftigt. Finch helfen seine Chuzpe, der Zufall und die Zuneigung der Sekretärin Rosemary, die er jedoch beinahe ignoriert. Am liebsten lässt er die Torheit seiner Konkurrenten für sich arbeiten, doch zur Not bringt er sie trickreich zu Fall. Frank Loessers Bühnenmusical, das dem Film zugrundeliegt, basiert auf einem Roman von Sheperd Mead und erhielt 1962 den Pulitzerpreis. Es ist ein Segen, dass die Broadway-Besetzung sich ungewöhnlicherweise in der Verfilmung erhalten hat. Somit kommen wir auch in den Genuss der Allround-Performance von Robert Morse, dem verblüffendsten Musical-Filmhelden seit James Cagney in „Yankee Doodle Dandy“. Die Choreographie stammt von Bob Fosse.Nächste Woche: Eine Leiche zum Dessert und Blutsverwandte
Monty und Torben blicken zurück auf die Kunst- und Kulturgenüsse des Jahres: Bücher, Hörbücher, Live-Erlebnisse und natürlich Filme. Was waren Torbens Tops und Flops? Was für Monty der schrecklichste der Schrecken? Was gibt es Gutes umsonst? Und worauf freut sich Torben im neuen Jahr? All das das wird schamlos offenbart!
Oje du Fröhliche!Was ist eigentlich ein Weihnachtsfilm? Darf man sowas selber entscheiden, oder machen das Väterchen Mainstream und Santa Algorithmus? Logisch, dass Monty und Torben in dieser Frage ganz unterschiedlicher Meinung sind - und nicht nur in dieser ...A) Kevin - Allein zu Haus / Home Alone US-Familienkomödie von 1990 Die Chicagoer Familie McAllister will zu Weihnachten mit angereister Verwandtschaft einen Trip nach Paris machen. Am Abend zuvor hat der achtjährige Kevin einen Streit mit seinem großen Bruder Buzz und übernachtet schmollend auf dem Dachboden. Am nächsten Morgen verlassen fast alle das Haus in heller Aufregung, weil sie verschlafen haben. Erst während des Fluges bemerkt Mutter Kate, dass Kevin gar nicht mitgekommen ist. Da das heimische Telefon gestört und die Nachbarschaft ebenfalls über die Feiertage ausgeflogen ist, macht sie sich verzweifelt auf den Heimweg, der Rest der Familie bleibt in Paris. Wüsste Kate, dass zwei Einbrecher den verwaisten Straßenzug für einen großen Beutezug ausbaldowert haben, wäre sie noch weitaus besorgter. Zu unrecht, denn Kevin weiß sich der Gangster zu erwehren. Produzent John Hughes, dessen „Breakfast Club“ wir vor kurzem hier besprachen, und sein Regisseur Chris Columbus schufen einen Weihnachtsklassiker, der die unvermeidlichen Fortsetzungen nach sich zog und bis heute seine Fans hat. Noch nicht zehnjährig, war Hauptdarsteller Macaulay Culkin ein Weltstar. Als er die 14 erreichte, war er weg vom Fenster, und seine Kinderstar-Millionen hatten zum Auseinanderbrechen der Ehe seiner Eltern geführt.   B) Feivel, der Mauswanderer / An American Tail US-Zeichentrickmusical von 1986 Zum Weihnachtsfest 1885 wird ein weißrussisches Schtetl im Rahmen eines zaristischen Pogroms niedergebrannt. Auch die Mäuse des Ortes sind nun heimatlos. Familie Mauskewitz wandert in die Vereinigten Staaten aus, doch bei einem Unwetter während der Überfahrt wird der kleine Feivel von seiner Familie getrennt und erreicht nur mit Mühe das Festland. Auf der Suche nach seinen Angehörigen muss er erkennen, dass Vater ihm nicht die Wahrheit gesagt hat: es gibt durchaus Katzen in Amerika. Der erste Film des ausgestiegenen Disney-Animationsdriektors Don Bluth, die finstere Parabel „Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH“, war ein Achtungserfolg. Sein zweiter, die Geschichte von Feivels Weg nach Amerika, eroberte die Herzen des Publikums, erlebte drei Fortsetzungen und eine Serie. Was die simple, an „Oliver Twist“ angelehnte Geschichte bis heute zu einem Juwel macht, sind u.a. die Schönheit des Artworks, die atmosphärische Dichte und der sinfonische Song-Score von James Horner, der gut zehn Jahre später mit „Titanic“ zum Star seiner Zunft aufstieg.
Im Gegensatz zum gleichnamigen Low-Budget-Horrorfilm von 1997 ist dies eine Actionkomödie. Statt den Film neu zu drehen, hat man sich etwas Lustigeres einfallen lassen. Wie gut ist dieses Konzept umgesetzt? Darüber spreche ich gleich mit Volker Robrahn. Anaconda  von Tom GormicanDer frustrierte Hochzeitsvideoregisseur Doug und sein Jugendfreund, der verhinderte Schauspieler Griff, lassen sich von ihrer Midlife-Crisis dazu antreiben, ihren Traum in die Tat umzusetzen. Sie wollen einen Lieblingsfilm ihrer Jugend, den Billig-Schocker „Anaconda“ neu verfilmen – wozu Griff angeblich die Rechte besitzt. Sie reisen mit zwei Freunden und der mindestnotwendigen Ausrüstung an den Amazonas, wo ihnen erst die Leih-Anaconda verloren geht und dann ein sehr viel größeres wildes Exemplar in die Quere kommt.Jack Black und Paul Rudd bespielen ihr vertrautes Rollenfach in einer altersgerecht bereinigten Version: ein Halbstarken-Ulk im Angesicht der Frührente. Und das im Urwald!Fun-Fact:  So billig „Anaconda“ von 1997 auch war, die Filmmusik von Randy Edelman war atemberaubend und ist für den Rezensenten eines der letzten Beispiele für einen guten sinfonischen Score aus Hollywood (also einen, der nicht nur so tut). In Selton Mellos Trauer-Szene wird diese Musik sogar sekundenlang zitiert.
Die Hütte brennt A) The Man from Earth Amerikanischer Independent-Film von 2007 Eine Gruppe von Akademikern überrascht den jungen Universitätsprofessor John Oldman bei der Auflösung seiner Wohnung – eines Hauses in den Bergen – und beim etwas übereilten Aufbruch mit dem Pick-Up-Truck, den er gerade mit seiner Habe belädt. Sie wundern sich über den abrupten Fortgang ihres Freundes und wollen ein wenig Abschied feiern. John lässt sich darauf ein und kehrt noch einmal mit ihnen in die weitgehend leere Wohnung zurück. Auf ihr Nachfragen gesteht er ihnen, dass er nie länger als 10 Jahre an einem Ort bleibe, und die seien nun um. Sie entlocken ihm den Grund: er sei ein 14.000 Jahre alter Mensch der seit der Altsteinzeit viele Leben gelebt und immer wieder neu begonnen habe. Mit dem Insistieren auf dieser Erklärung ruft er in der gelehrten Runde unterschiedliche Reaktionen hervor, und es kommt zu einer ebenso persönlichen wie philosophischen Debatte … Der Film ist die posthume Realisation eines Originalrehbuchs des Science-Fiction-Autors Jerome Bixby, eine 200.000-Dollar-Indie-Produktion, die nur auf DVD herauskam. Die Gesichter des Ensembles sind uns aus Episodenrollen in diversen US-Serien vertraut. In einem amerikanischen Chatforum wurde dieses theaterhafte Kammerspiel so beliebt, dass sich Regisseur Richard Schenkman bei der Community bedankte und darum warb, die DVD zu erwerben und den Film weiterzuempfehlen.   B) Die Falle Deutsches Fernsehspiel nach einem Theaterstück von Robert Thomas von 1982 Grübelnd sitzt Daniel in einer Ferienhütte in den Bergen: mitten in den Flitterwochen hat er sich mit Elisabeth dermaßen zerstritten, dass sie fortlief und seither verschwunden ist, vielleicht auch verunglückt. Der Kommissar aus Chamonix versichert ihm, nach ihr zu suchen. Da klopft ein Pfarrer an und berichtet, Elisabeth sei wieder da und wolle sich aussöhnen. Er hat die Dame als Überraschung gleich mitgebracht. Daniel schwört, die Frau noch nie gesehen zu haben. Doch sie will nicht gehen. Und sie weiß einfach zu gut über alle Einzelheiten der kurzen Ehe bescheid, um sie dem Kommissar gegenüber als Betrügerin bloßzustellen. Ein Nervenkrieg nimmt seinen Lauf ...  Das Stück von Robert Thomas wurde – so geht die Legende – erst vom Verlag abgelehnt, woraufhin er das Skript verärgert im Vorzimmer liegen ließ. Dort wurde es nachträglich entdeckt - und ein Erfolg. Alfred Hitchcock kaufte die Filmrechte, es kam leider nicht mehr dazu. Während „8 Frauen“, ein eher tutiges Werk des Autors, später Furore machte, ist „Die Falle“ gründlich vergessen und wird auf Krimi-Dinner-Abenden verheizt. Für Oswald Döpkes ZDF-Verfilmung mit den einstigen TV-Lieblingen Wolf Roth, Judy Winter und Hans Caninenberg können wir nur dankbar sein. Rolf Kühns Soundtrack verströmt edles Ennio-Morricone-Feeling. In der nächsten Woche: Kevin - Allein zu Haus und Feivel, der Mauswanderer
Es gibt wieder Ärger im Paradies. Avatar geht weiter. Was der dritte Teil dieser auf fünf überlange Filme angelegten Saga taugt und wie gut man sich mit dem Stoff auskennen muss, um ihn überhaupt zu verstehen, ob es nicht vielleicht sogar ratsam ist, ihn sich einfach unvorbelastet anzuschauen, darüber spreche ich mit Volker Robrahn und Torben Sterner. AVATAR: FIRE AND ASHFantasy-Drama von James Cameron  In seinem neuen Leben ist der ehemalige Marine Jake Sully der Anführer der Omaticaya. Er und Neytiri trauern um ihren verstorbenen Erstgeborenen, während ihr überlebender Sohn Lo’ak sich die Schuld an der Katastrophe gibt. Als es gelingt, ihren Ziehson, den Menschenjungen Spider, von seiner Atemmaske zu befreien und die Luft von Pandora atmen zu lassen, interessiert sich das Militär dafür, wie sie das geschafft haben und will ihn entführen. Um General Frances Ardmore bei ihren Eroberungsplänen zu unterstützen, verbündet sich Colonel Quaritch mit der Schamanin Varang, Herrin des Asche-Clans Mangkwan und schlimmsten Feindin der Omaticaya. Sigourney Weaver, Sam Worthington, Stephen Lang, CCH Pounder, Kate Winslet und viele andere agieren unkenntlich vor atemberaubender, wenn auch fiktiver Naturkulisse.
A) Breakfast Club – Der Frühstücksclub US-Jugendfilm von 1985 Fünf Jugendliche – Zitat: „ein Schlaukopf, ein Muskelprotz, eine Ausgeflippte, eine Prinzessin und ein Freak“ - müssen am schulfreien Samstag acht Stunden lang in der Schulbibliothek nachsitzen und einen Aufsatz darüber schreiben, wer sie sind. Beaufsichtigt werden sie von Konrektor Vernon, der die Kids zwar nicht mag, aber gern von ihnen als harter Hund bewundert werden will. Zwar wird im Laufe des Tages gegen viele Regeln verstoßen, doch letztlich funktioniert die Maßnahme: die Jugendlichen stellen sich ihren Vorurteilen, Zwängen und Ängsten, entdecken neue Seiten an sich und erkennen, was sie miteinander verbindet. John Hughes‘ Film war mit einigen Stars des „Brat Pack“ besetzt, einer vielversprechenden Nachwuchsriege, zu der auch Tom Cruise, Matt Dillon und Nicholas Cage gerechnet wurden. Der theaterhafte Film wurde ein Überraschungserfolg und erwies sich als stilbildend für den amerikanischen Jugendfilm. Ein Teil seines Nachruhms beruht freilich darauf, dass man die Qualität dieses leicht erzählten Dramas vor allem an den nachfolgenden Teenie-Komödien und –Klamotten gemessen hat.B) Zu heiß gebadet / The Ladies Man Musikalische US-Klamotte von 1961 Herbert H. Heebert muss am Tag seines erfolgreichen Schulabschlusses erkennen, dass das Mädchen seiner Träume einen anderen hat. Er schwört sich, nie wieder etwas mit Frauen zu tun haben zu wollen. Der Ort, an dem er sich spätabends als Hausboy verpflichten lässt, entpuppt sich am nächsten Morgen als überdimensionales Puppenhaus einer früh verwitweten und kinderlos gebliebenen ältlichen Operndiva. Mrs. Helen Welenmelon fördert junge Künstlerinnen. Unversehens ist Herbert der einzige Mann in einem Haus mit 35 hinreißenden Musikerinnen, Schauspielerinnen und Tänzerinnen. Unter der Bedingung, nicht als Mann, sondern ausdrücklich als „Mädchen für alles“ angesehen werden, ist er bereit, zu bleiben. Vorerst! Als das Fernsehen kommt, um die Diva in einer Homestory zu portraitieren, will sich Herbert nützlich machen. Mit ins Bild will er natürlich auch … Der Starkomiker Jerry Lewis war tugendhaft genug, sich vor der Kamera nicht etwa mit Nieten zu umgeben, um selbst besser auszusehen – eine verbreitete Unsitte –, sondern Kollegen auszuwählen, die ihre eigenen Lacher verdienen konnten. Keiner von ihnen schaffte das häufiger als Kathleen Freeman, die bei ihm annähernd den Status der Evelyn Hamann im Loriot-Ensemble einnahm. Diesmal gesellt sich noch die leibhaftige Wagner-Diva Helen Traubel dazu. U.a. deshalb ist nicht etwa „Hallo Page“ die beste Konzeptklamotte des „total filmmaker“ Jerry Lewis, es ist „The Ladies Man“.Nächste Woche: The Man From Earth und Die Falle
Stromberg – Wieder alles wie immer Komödie von Arne Feldhusen Nach „Stromberg – Der Film“ kommt Bernd Stromberg, Leiter der Schadensregulierung, Abteilung M–Z, in der Capitol Versicherung AG, wieder auf die Leinwand zurück. Die als Mockumentary angelegte deutsche Sitcom, mit der alles anfing, lief von 2004 bis 2012 – und ist seither nie wirklich weg gewesen. Alle, die darin auftraten, haben von diesem Erfolg profitiert, ganz besonders Christoph Maria Herbst in der Titelrolle: ein grässlicher Kollege und die Verkörperung all dessen, was das Büro zu einem schrecklichen Lebensraum macht. Für eine Reunion-Show, aufgezeichnet in einem TV-Studio, kommen im neuen Film nun fast alle wieder zusammen – und bevor Wiedersehensfreude aufkommt, brechen wieder die alten Konflikte aus.Torben Sterner hat sich den Film angesehen.
Seltsame Bettgenossen   Die RomCom als aktuelle Spielart der uralten Filmgattung „romantische Komödie“ steht heute zunächst im Mittelpunkt: der Witz ist mit den Liebenden. Dem zweiten Paar hilft er nicht, denn da haben wir es mit schwarzem Humor zu tun.   A) Harry und Sally / When Harry Met Sally … Romantische Hollywood-Komödie von 1989  Der leichtlebige Hobby-Philosoph Harry (Billy Crystal) lässt sich als Mitfahrer von Sally (Meg Ryan), der besten Freundin seiner Partnerin, von Chicago nach New York mitnehmen. Die beiden sind auf kritische Weise fasziniert voneinander, verlieren sich aber erst einmal aus den Augen. Als sie sich in längeren Abständen wiedertreffen, erblicken sie im jeweils anderen schließlich eine verwandte Seele. Doch eine sexuelle Beziehung wollen sie nicht riskieren, um ihre Freundschaft nicht zu gefährden.  Ab jetzt wartet das Publikum darauf, was aus Harrys früh verkündeter These wird, nach der Männer und Frauen niemals Freunde sein könnten, weil ihnen der Sex doch immer in die Quere komme. Wie sich herausstellt: sogar der, den man nicht hat …  Rob Reiner, der bald darauf in „Misery“ ein anderes, noch schrägeres Paar in Szene setzen sollte, schuf mit „Harry und Sally“ zweierlei: ein frühes Beispiel für die vor der Jahrtausendwende so beliebte Gattung der romantischen Komödie, das auf der immer längeren Liste der Beiträge erhalten blieb; und natürlich die oft herauskopierte Cafeteria-Szene mit Meg Ryans vorgetäuschtem Orgasmus. Letztere ermunterte Til Schweiger – Deutschlands Verkörperung des Genres – zu dem Hinweis, dies sei die beste schauspielerische Leistung der Filmgeschichte. Vor solchem Lob sollte man „Harry und Sally“ auf jeden Fall in Schutz nehmen.    B) Haus der Schatten / The Night Digger Englisches Thrillerdrama von 1971  Die verhärmte Maura Prince lebt mit ihrer blinden, tyrannischen Adoptivmutter in einem verfallenden Landsitz in der englischen Provinz. Als Mutter gegen ihren Willen den jungen Vagabunden Billy als Gärtner einstellt, macht der sich schnell im Haushalt unentbehrlich. Bald entwickelt sich eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen Maura und Billy, die in eine Romanze übergeht. Gemeinsam wollen die beiden ausbrechen: sie aus ihrem tristen Dasein zwischen Kirchengemeinde, Arbeit im Krankenhaus und der Ausbeutung durch ihre Mutter, er aus dem Sog eines noch weitaus dunkleren Geheimnisses … In keinem Drehbuch, das der Kinderbuch- und Kurzgeschichtenmeister Roald Dahl verfasst hat, ist sein schräger schwarzer Humor so lebendig wie in dieser Adaption einer Erzählung von Joy Cowley. Und nur hier erleben wir seine Spezialität im bewegten Bild: den Zuschauer in einem maximal empfindlichen Moment alleinzulassen. Dahls Ehefrau Patricia Neal und der theatererfahrene Jungschauspieler Nicholas Clay liefern eine berührende Darstellung, die bestens mit den skurrilen britischen Kleinbürgerchargen interagiert, die sie umgeben.     In der nächsten Woche: Breakfast Club – Der Frühstücksclub und Zu heiß gebadet
Und ewig schleichen die Erben Frau ohne Gewissen / Double Indemnity US-Kriminaldrama von 1944  Mit kühler Raffinesse wickelt Phyllis Dietrichson den braven Versicherungsmakler Walter Neff um den Finger, um ihren Mann erst zu versichern und dann um die Ecke zu bringen. Die beiden schaffen es sogar, einen Unfall vorzutäuschen, was die Prämie verdoppelt. Doch als Walters Freund und Kollege Barton Keyes ihnen auf die Schliche zu kommen droht, beginnt das perfekte Team auseinanderzubrechen …  James M. Cains Buchvorlage wurde innerhalb weniger Jahre in Hollywood zweimal prominent verfilmt. Es war die Version des eigentlich auf Komödien spezialisierten Billy Wilder, die nicht nur besser funktionierte, sie gilt heute als archetypisches Beispiel für den klassischen Film Noir. Es duellieren sich: Barbara Stanwyck, Fred MacMurray und Edward G. Robinson. Die Strohpuppe / Woman Of Straw Britischer Thriller von 1963Der Millionär Charles Richmond tyrannisiert seine Mitwelt vom Rollstuhl aus: er quält seine schwarzen Bediensteten, die er schlechter behandelt als seine Hunde, und demütigt seinen Neffen Anthony, einen bei ihm angestellten Lebemann, dessen Vater er in den Selbstmord getrieben hat, um sich die Mutter zu angeln. Nun ist auch sie nicht mehr am Leben, und Anthony sinnt auf Rache. Er engagiert die ahnungslose Italienerin Maria, um sie für sein Komplott zu benutzen …Die James-Bond-Produzenten verbaten Sean Connery, pro Jahr mehr als einen weiteren Film zu drehen, was seinen Hass auf die 007-Rolle schürte und ihn von Anfang an zu einer vielseitigen Rollenwahl antrieb. Basil Dearden ließ ihn an der Seite von Gina Lollobrigida und dem Altstar Ralph Richardson seine bis zuletzt fieseste Rolle verkörpern.Nächste Woche: Harry und Sally und Haus der Schatten
Ein rechter Film für’s Herz, der seine Weltpremiere auf dem diesjährigen Toronto International Film Festival feierte, ist seit heute im Kino.   ROOFMAN – Der Hochstapler Komödie von Derek Cianfrance  Der ehemalige Army Ranger Jeffrey Manchester (Channing Tatum), hält sich mit Überfällen auf Fast-Food-Restaurants über Wasser, seit er bemerkt hat, dass die Lokale von McDonalds baugleich sind und sich ihre Sicherheitsvorrichtungen alle auf die selbe Art umgehen lassen.  Zugang verschafft er sich übers Dach, was ihm den Spitznamen „Roofman“ einbringt. Als er nach mehr als 40 erfolgreichen Einbrüchen gefasst wird, gelingt ihm der Ausbruch aus dem Gefängnis – nicht zuletzt, weil er das Wachpersonal mit der gleichen harmlos-liebenswerten Ausstrahlung täuscht, mit der er die ausgeraubten  Restaurantmitarbeiter regelmäßig in Erstaunen versetzt hatte.  Jeffrey verlässt nicht etwa die Gegend, wie die Polizei vermutet, sondern versteckt sich hinter der hohlen Wand einer nahegelegenen „Toys ‚R‘ Us“-Filiale, wo er sich häuslich einrichtet. Nach Ladenschluss startet er von dort behutsam in ein neues Leben. Nebenbei züchtigt er den Personalchef (Peter Dinklage) für seine Hartherzigkeit. Sogar eine neue Liebe (Kirsten Dunst) kann er sich auf seinen Freigängen erobern. Es dauert eine ganze Weile, bis ihn die Vergangenheit einholt …
ANEMONEFamilien- und Polit-Drama von Ronan Day-Lewis  Jem Stoker (Sean Bean) will nach langer Zeit endlich seinen Bruder Ray (Daniel Day-Lewis) wiedersehen, der in absoluter Abgeschiedenheit in den Wäldern lebt. Ray ist nach überaus traumatischen Erfahrungen in der Irisch-Republikanischen Armee desertiert und hat mit der Welt gebrochen. Von heute auf morgen ließ er seine Frau Nessa und den gemeinsamen Sohn Brian zurück. Jem hat sich schließlich um die beiden gekümmert und musste mit ansehen, wie auch Brian zum Militär eingezogen wurde und dort mit seinen eigenen Dämonen ringt. In Rays Hütte liefern sich Jem und Ray ein Psycho-Duell, ohne sich zunächst recht im Klaren darüber zu sein, wie sie sich dessen Ausgang eigentlich wünschen.Daniel Day-Lewis gilt seit den frühen Tagen seiner Karriere, spätestens aber seit dem Oscar für „Mein linker Fuß“ von 1989, als einer der besten Filmschauspieler der Welt. Er macht sich auf der Leinwand so rar, dass bereits sein schieres Auftauchen auf derselben wie eine Marienerscheinung gefeiert wird. Mit diesem Glanz will er nun auch seinen Sohn Ronan bestrahlen, der ihm dieses Drama als Mitautor und Regie-Debütant auf den Leib geschneidert hat. 
Aufgeweckte FrüchtchenA) Show Girls Amerikanisches Erotikdrama von 1995  Die Prostituierte Nomi Malone versucht, ihrem alten Leben zu entkommen und in Las Vegas als Tänzerin Karriere zu machen. Zwar findet sie ihren ersten Job als „Lap Dancer“ in einem Hinterzimmer unter ihrer Würde, doch er ermöglicht ihr einen rasanten Aufstieg in die Galashow des legendären „Stardust Hotels“. In Cristal, Star der Show „Goddess“, findet sie eine erbitterte Konkurrentin. Sie quittiert deren Intrigen mit Sabotage und steigt weiter auf – auch weil sie ihr den Liebhaber ausspannt: Zack Carey, den Direktor der Show. Aber ihr Traum offenbart seine Schattenseiten, vor allem diese: sie wird auch in ihrer neuen Karriere nichts als eine Prostituierte sein.Der „Kult“ des Films beruht auf seinem seismischen Misserfolg. Was diesen Flop so pikant macht, sind jedoch nicht seine dröge-hausbackenen Sexszenen, sondern der Umstand, dass Paul Verhoeven und sein Drehbuchautor Joe Eszterhas bei dem Versuch gescheitert sind, ihren eigenen Hit „Basic Instinct“ zu kannibalisieren. Die Freigabe ab 17 war ihnen dabei so wichtig, dass alles Handwerkliche in den Hintergrund trat. Nach all der Zeit darf man sich fragen: ist „Show Girls“ wenigstens unfreiwillig komisch und am Ende gar nicht so schlimm wie alle sagen? B) Blue Jasmine US-Tragikomödie von 2013Nach dem Scheitern ihrer Ehe mit einem betrügerischen Investment-Tycoon steht die flatterhafte Jasmine mit Chanel-Jäckchen und Louis-Vuitton-Koffer bei ihrer Schwester Ginger vor der Tür, um sich einzuquartieren. Jasmine, die das Leben auf Manhattans Upper East Side gewohnt ist, muss bis auf Weiteres unter einfachen Leuten in Downtown San Francisco leben, die ihr offensichtlich zuwider sind.  Nach einem kurzen Versuch, zu jobben, hält sie Ausschau nach einem reichen Verehrer, der ihr die Rückkehr in ihr altes Leben ermöglichen soll. Doch die wie beiläufig eingestreuten Rückblenden verraten uns nach und nach die Details der Vorgeschichte. Und dass der Abstieg nicht aufzuhalten ist …Bald nach seinen ersten Erfolgskomödien drehte Woody Allen ein paar Filme, die ihn als gelehrigen Bewunderer des schwedischen Meisterregisseurs Ingmar Bergman auswiesen. Zeitweise wurde schon befürchtet, er sei vollständig ins ernste Fach gewechselt. Aber erst gut 20 Jahre später lotete der Autorenfilmer die Abgründe der menschlichen Seele wieder ähnlich tief aus. „Blue Jasmine“ wurde allgemein als künstlerischer Erfolg gefeiert und gilt als die beste schauspielerische Leistung von Kate Blanchett.Nächste Woche: Frau ohne Gewissen und Die Strohpuppe
EddingtonGesellschaftsdrama von Ari Aster  In Eddington, einer fiktivem Kleinstadt im US-Bundesstaat New Mexico, ist die grassierende Corona-Pandemie noch nicht angekommen. Während sich der konservative Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) weigert, der Maskenpflicht Folge zu leisten, weil er das Virus für eine Erfindung hält, nimmt es der um seine Wiederwahl kämpfende Bürgermeister Ted Garcia (Perdo Pascal) umso genauer. Auch privat sind sich die beiden Männer in herzlicher Abneigung verbunden. Grund ist ihre jeweilige Vorgeschichte mit Joes heutiger Ehefrau Louise (Emma Stone). Sie hat seelische Probleme – wenn auch nicht annähernd so große wie ihre durchgeknallte Mutter Dawn, eine Verschwörungsaktivistin, die Besuch kam und einfach nicht wieder geht. Die Ereignisse überschlagen sich, als Sheriff Joe beschließt, ebenfalls für das Bürgermeisteramt zu kandidieren und kurz darauf ein Doppelmord geschieht.  Neben der Covid-19-Pandemie hält „Eddington“ Personal und Publikum auch mit Black Lives Matter, der Trump-Präsidentschaft, Pizzagate und QAnon, der Antifa, toxischer Männlichkeit, Rassismus, dem Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern und der Bedrohung durch mächtige Tech-Konzerne auf Trab. Das Tollhaus USA tobt in einem Mikrokosmos. Anders als in ähnlichen Milieustudien wie „Cop Land“ oder „A Bad Day At Black Rock“ ist dies jedoch kein Kammerspiel.   Wenn das Gerede in einem Film nie aufhört, dann hat man es hoffentlich mit einem gut geschriebenen Dialogstück zu tun, in dem auf geistreiche Weise Feindseligkeiten ausgetragen werden. „Eddington“ bietet von Schauplatz und Personal her dafür die besten Voraussetzungen. Andererseits ist es aber ein Film von Ari Aster – und der mag es ja gern sehr groß und gewaltig. Ein Interessanter Widerspruch, dem wir versuchen, auf den Grund zu gehen. 
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