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Was klingt im Koran?
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Was klingt im Koran?

Author: Alhambra Gesellschaft und Katholische Akademie in Berlin

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Der Koran ist nicht nur ein Buch zum Lesen und Verstehen, sondern er klingt auch. Und dies bei jedem Menschen anders. Der Wortsinn ist dabei gar nicht immer das Wichtigste. Wir haben unsere Gäste gebeten, von ihren Hör- und Leseerfahrungen und ihren Erlebnissen mit dem Koran zu erzählen. Es antworten: Ein Schriftsteller, ein Online-Streetworker, eine Erzieherin, ein Schauspieler, eine Lehrerin, ein bildender Künstler und verschiedene Koranforschende.
Eine Kooperation der Alhambra Gesellschaft e.V. und der Katholischen Akademie in Berlin e.V.
Gefördert die Berliner SenKultGZ im Jahr 2025
11 Episodes
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Leben mit dem Text

Leben mit dem Text

2026-02-2801:24:30

Serdar Kurnaz, heute Professor für Islamisches Recht, hat als Kind den kompletten Koran auswendig gelernt. Und Bernd Moss ist Schauspieler am Deutschen Theater und muss ständig neue Texte auswendig lernen – und sie behalten. Wie ist das, wenn man sich einen Text einverleibt? Wie kommt er in Kopf und Herz, und wie bleibt er drin? Und welches Eigenleben entfaltet dieser Text, wenn er mal eingedrungen ist? Darüber sprechen die beiden aus ihrer jeweiligen Perspektive – und die Künstlerin Elshan Ghasimi greift an der Langhalslaute dieses Gespräch musikalisch auf.Gastgebende: Aydın Süer und Katrin Visse
Ihre Muttersprache ist Dari, im Grundschulalter flüchtete sie von Afghanistan nach Saudi-Arabien und als junge Frau kam sie nach Deutschland. Dort wurde sie Lehrerin, später Schulleiterin. Immer dabei war für Fereshta Ludin der Koran: Als Ermutigung, sich als Frau durchzusetzen, als Gewissheit, gehört zu werden, und als Kraft – „gewaltig und sanft zugleich“. Koranrezitationen: Aisha Sastra und Peter GößweinVerse 50:16; 13:28; 8:2-4; 2:186 und Sure 103 Postproduktion: Till Hofrichter und Sachli Golkar
Serap Ermiş ist Promovierende der Islamischen Archäologie und forscht über Mekka. Sie bedauert sehr, dass beim Bau von Hochhäusern dort Vieles zerstört wurde. So versucht sie mit schriftlichen Quellen und einer ganzen Menge Bildmaterial zu rekonstruieren, wie es dort früher ausgesehen hat. Zuletzt folgte sie gemeinsam mit Beduinen und Wissenschaftlern der historischen Hidschra-Route – dem legendären Fluchtweg des Propheten von Mekka nach Medina. Die Frage, die sie umtreibt, lautet: „Was kann die Archäologie zur muslimischen Geschichte beitragen?“ Dabei ist die Forscherin völlig angstfrei. Denn schließlich, so erzählt sie, war es der Koran selbst, der sie zur Archäologin gemacht hat.Koranrezitationen: Aisha Sastra und Peter Gößwein; zitiert werden Verse 53:19-23; 29:14-15; 54:9-15. Deutsche Übersetzung nach Hartmut Bobzin.Postproduktion: Till Hofrichter und Sachli Golkar
Koran und Kinder

Koran und Kinder

2026-02-2543:28

Wie macht man Kinder mit dem Koran vertraut – in der Familie, in der Moschee oder im Kindergarten? Iman Andrea Reimann, Kindergartenleiterin und Mutter, und Meho Travljanin, Vater und Vorsitzender eines islamischen Kulturzentrums mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendarbeit, erzählen von ihrer Arbeit und ihren persönlichen Erfahrungen: Vom Morgenkreis, von Koranversen im Auto, nachfragenden Teenagern und auch dem Unbehagen, wie viel Koran man in Berlin der Öffentlichkeit zumuten darf.Koranrezitationen: Lina und die Regenbogen-Kidz
An vielen Stellen greift der Koran Geschichten auf, die auch in der Bibel, im Tanach und anderen Quellen vorkommen. Vieles wird nur angedeutet und vieles ganz anders erzählt – oder mit einer anderen Aussage. Das Wissen um diese Andeutungen und Hinweise, ihre Quellen und die Zusammenhänge hilft uns, den Koran zu verstehen. Das zeigen die beiden Koranwissenschaftler Tuğrul Kurt und Dirk Hartwig an verschiedenen Beispielen.Koranrezitationen: Aisha Sastra und Peter GößweinRezitiert werden Verse 5:27-31 und 19:16-35; deutsche Übersetzung nach Hartmut Bobzin.Postproduktion: Till Hofrichter und Sachli Golkar
Von Suren zu Farben

Von Suren zu Farben

2026-02-2351:12

Auf seinen Bildern ist nicht zu erkennen, dass sie auch vom Koran inspiriert sind – und genau das ist Absicht. Denn für Alper Emeklier würde eine allzu eindeutige Lesart sowohl den Blick des Betrachters als auch die Größe Gottes begrenzen. Warum uns ein Bild dennoch berührt, bleibt ein Geheimnis. Aber wie bringt man eine Koransure auf die Leinwand? Und welche Farbe hat das Paradies?Koranrezitationen: Aisha Sastra und Peter GößweinRezitiert werden die Verse 12:4-15; 57:17 und Sure 107. Übersetzung nach Hartmut Bobzin.Postproduktion: Till Hofrichter und Sachli Golkar
Noch bevor sie in Sarajevo in die Schule kam, hat Saima Mirvic-Rogge den Koran auf Arabisch lesen, schreiben und lieben gelernt – heimlich jedoch. Denn Religion war in Jugoslawien unter Tito nicht erwünscht. Erst als 30-Jährige hatte sie Zugang zu Übersetzungen. Das war, während sie und so viele andere im belagerten Sarajevo zu überleben versuchten. Von dieser Zeit sagt sie: „Nur beim Beten hatte ich keine Angst.“ Und auch, als sie später in Berlin mit traumatisierten Frauen Bosnien und Herzegowina, vor allem mit Genozid Überlebenden aus Srebrenica zusammenarbeitete, half der Klang des Korans ihr, dem Gehörten und Erlebten nicht das letzte Wort zu geben.Koranrezitationen: Aisha Sastra und Peter GößweinRezitierte Verse: 36:1-12; 51:56; 2:154. Deutsche Übersetzung nach Hartmut Bobzin.Postproduktion: Till Hofrichter und Sachli Golkar
Koran und Rap

Koran und Rap

2026-02-2159:17

Vier von fünf muslimischen Gläubigen können kein Arabisch – oder nicht so gut. Deswegen ist die wörtliche Bedeutung des Korans gar nicht die einzig wichtige. Bei Rap, zeigt uns Sercan Üstündağ, ist das genauso: bei manchen Raps geht es um den Beat. Bei anderen um Stichworte, die einen Kontext herstellen oder Andeutungen machen, und die nur Insider verstehen. Und wie bei allen Texten ist es natürlich so, dass jeweils das anspricht, wofür man gerade empfänglich bin. Bleibt die Frage: Wie sehr darf der Exeget zulassen, sich auch persönlich vom koranischen Text angesprochen zu fühlen?
Halil ist Online-Streetworker. Auf TikTok, Discord und Instagram kümmert er sich um Jugendliche. Dabei spielt auch der Koran eine Rolle – zum Beispiel dann, wenn es um Fragen geht, ob bestimmte Sachen erlaubt sind oder nicht. Auch in die Kommentarspalten salafistischer Prediger bringt er sich ein und zeigt, wie komplex und vielfältig der Koran ist und eben nicht so schwarz-weiß, wie diese behaupten. All das kann Halil aus zwei Gründen: Er hat Theologie studiert. Und er versteht die jungen Leute sehr gut, weil er selbst als Jugendlicher beinahe in den Krieg gezogen wäre. Dem, der ihn davon abgehalten hat, ist er heute noch dankbar.Koranrezitationen: Aisha Sastra und Peter GößweinFolgende Verse werden zitiert: 12:67; 4:75; 2:16-18; 1:5. Deutsche Übersetzung nach Hartmut Bobzin.Postproduktion: Till Hofrichter und Sachli Golkar
Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive ist der Koran mindestens eine Herausforderung: Er wechselt die Perspektive, spricht mal im Plural und mal im Singular, ist voller Einschübe und Auslassungen – und das oft noch alles gleichzeitig. Und zu allem Überfluss macht er einen eher Männerfixierten Eindruck. Die Professorin für islamische Textwissenschaft, Nimet Şeker, erwartet gar nichts vom Koran: weder Gesetzbuch, noch feministisches Manifest, noch Dichtung – und schon gar keine klaren Antworten. Vielmehr lässt sie sich einnehmen von den Bildern und Klängen, die der Koran hervorruft. Wenn man sie beschreiben müsste, dann so: „Ganz tief aus der Erde und gleichzeitig fern im Weltall.”Das erwähnte Buch lautet: Michael Sells, Approaching the Qur’án. The Early Revelations. Introduced and Translated by Michael Sells. 1999 Oneworld.Koranrezitationen: Aisha Sastra und Peter GößweinRezitiert wird: Sure 101; 3:195; 33:35. Übersetzung nach Hartmut Bobzin.
Koran und Literatur

Koran und Literatur

2026-02-1801:07:37

Gefragt danach, wie religiöse Motive seine Kunst, vor allem aber sein Schreiben und Erzählen, prägen, antwortet der Schriftsteller und Maler Feridun Zaimoglu zuerst mit einer Leseerfahrung: Der „Bibliatheusch“ von Martin Luther. Und dann der Koran auf Deutsch. Den schönen Bruch der heiligen Bücher mit der spießigen Normalität, den liebt er bis heute. Was wenig bekannt ist: Vor seinem Leben als „Schreiber“ hatte Zaimoglu auf Wunsch der Eltern Medizin studiert. Im Präpariersaal, erzählt er, „an der Leiche, … wurde ich gläubig. Je mehr wir sahen … – das ist unmöglich, dass das in irgendeiner Weise nicht gefügt ist.“Gastgebende: Aydın Süer und Katrin Visse
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