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Der Sozialkompass
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Der Sozialkompass

Author: ksœ — Katholische Sozialakademie Österreichs

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Der Sozialkompass widmet sich aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und den Menschen, die dafür Orientierungsmöglichkeiten und Lösungswege bieten. Gemeinsam mit ihnen versucht er, mehr über die Voraussetzungen für ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander zu erfahren. Einmal im Monat treffen Markus Schlagnitweit und Henning Klingen Personen aus Theorie und Praxis, um mit ihnen herauszufinden: „In welche Richtung kann es weitergehen?“

Ein Podcast der ksœ - Katholische Sozialakademie Österreichs
www.ksoe.at

43 Episodes
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"Ich würde mir von der österreichischen Politik wünschen, dass sie – nicht nur was die Seen, sondern auch, was unsere gesamte Landschaft betrifft – es besser schafft, Visionen herzustellen und Perspektiven zu geben. Und an den Seen sind wir momentan an einem Punkt, wo es uns ein bisschen an Visionen fehlt, denn es geht jetzt schon so lang schief, und jetzt ist irgendwie alles privatisiert, und man fragt sich schon manchmal, was machen wir jetzt? Die paar Flächen, die übrig sind, ja, da tun wir halt jetzt ein bisserl… Also das ist für mich keine Vision." Gemäß der Katholischen Soziallehre sind die Güter dieser Erde allen Menschen zur verantwortungsvollen Nutzung anvertraut. Gleichzeitig befindet sich ein Großteil der österreichischen Seeufer heute in Privatbesitz. Daraus ergeben sich Fragen nach Gerechtigkeit im Umgang mit den begrenzten Seezugängen. Über diese Fragen sprechen wir in der aktuellen Podcastfolge mit Stephanie Drlik. Die Landschaftsarchitektin und Geschäftsführerin der Österreichischen Gesellschaft für Landschaftsarchitektur (ÖGLA) ist Initiatorin der ersten Österreichischen Seenkonferenz, die unterschiedliche Stakeholder zur Zukunft der österreichischen Seenlandschaften zusammenbringen möchte. Drlik beschreibt Seeufer als komplexe Räume, in denen zahlreiche Interessen aufeinandertreffen: Gemeinden, Politik, Tourismus, Grundeigentümer:innen, Besucher:innen und nicht zuletzt die Natur selbst. Die meisten Ufergrundstücke befinden sich heute in privater Hand. Eine Enteignung hält sie weder für realistisch noch für zielführend. Stattdessen plädiert sie für Lösungen, die Zugänge und gemeinschaftliche Nutzung ermöglichen, ohne bestehende Eigentumsverhältnisse infrage zu stellen. Dabei verweist sie auf bestehende rechtliche Möglichkeiten und bislang wenig genutzte öffentliche Flächen entlang vieler Seen. Ein besonderes Anliegen ist ihr dabei die ökologische Perspektive. Uferverbauungen, aufgeschüttete Badeflächen und andere Eingriffe verändern sensible Lebensräume und wirken sich auf Biodiversität und Wasserökologie aus. Gleichzeitig verpflichten europäische und nationale Vorgaben Österreich dazu, den ökologischen Zustand seiner Gewässer langfristig zu erhalten oder wiederherzustellen. Für Drlik braucht es deshalb übergeordnete Planungsansätze, die verschiedene Interessen in Einklang bringen und langfristige Ziele formulieren. Sie versteht Landschaftsplanung als eine Form der Moderation zwischen Naturschutz, öffentlichen Bedürfnissen und privaten Ansprüchen. Soziale Gerechtigkeit sei dabei ebenso zentral wie ökologische Nachhaltigkeit. Darüber hinaus sprechen wir über die Auswirkungen von Klimawandel, Trockenheit und sinkenden Wasserständen auf die Seenlandschaften Österreichs, über die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit sowie über die Frage, wie in komplexen gesellschaftlichen Konflikten wieder tragfähige Kompromisse gefunden werden können. Drlik plädiert für eine neue Kultur des Aushandelns und für eine Politik, die langfristige Perspektiven für die gemeinsame Nutzung und den Schutz unserer Landschaften entwickelt.
„Wir versuchen ganz bewusst einen Kontrapunkt zu setzen zu einer starken Leistungsgesellschaft, indem wir die Kooperation in den Mittelpunkt stellen, weil wir glauben, dass das das Vorbild ist, das wir aus dem Evangelium leben können… Die Idee, Kindern eine günstige, sinnvolle Ferienbeschäftigung anzubieten, indem sie auf Jungscharlager, auf ein Ministrant:innenlager fahren, ist eine großartige. Nur wenn wir niemanden mehr haben, der da als Begleitperson mitfahren kann, dann bleibt das alles graue Theorie.“ Die Katholische Jungschar ist einer der größten Anbieter von Kinderbildungsangeboten in Österreich. Rund 100.000 Kinder nehmen regelmäßig an Jungschargruppen teil – sie verbringen dort ihre Freizeit, engagieren sich, erleben Gemeinschaft, Wertebildung und Glauben. Veronika Schippani-Stockinger ist Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar und dort für den Bildungsbereich zuständig. In Bezug auf Bildungsgerechtigkeit stellt sie fest, dass Kinder und Jugendliche in Österreich formal zwar denselben Zugang zu Bildungsangeboten haben, es in der Praxis jedoch ganz starke Unterschiede, bedingt durch die Herkunftsfamilie, gibt. Für sie hat Bildungsgerechtigkeit vor allem mit Zugang und Inklusion zu tun. Das beginnt schon damit, Kinder als Kinder – und nicht als kleine perfekte Erwachsene – wahrzunehmen. Für sie ist klar: Kinder sollen laut sein und Fragen stellen dürfen; ein gerechtes Bildungssystem kommt dem entgegen, geht auf Augenhöhe mit den Kindern und versucht, die Welt aus ihrer Perspektive zu sehen. Bildung bedeutet in der Katholischen Jungschar, die in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, vor allem Herzensbildung und ganzheitliche Begleitung der Kinder in ihrer gesellschaftlichen und persönlichen Entfaltung. Damit diese Funktion erhalten bleibt, äußert sie auch eine klare Forderung an die Politik, dass Ehrenamt leistbar sein muss. Denn auch die Gruppenleiter:innen müssen es sich (finanziell) leisten können, ehrenamtlich tätig zu sein. Darüber hinaus sprechen wir mit Schippani-Stockinger auch über die hohen Ansprüche an Kinder in den Schulen, den sich immer stärker auswirkenden Leistungsdruck sowie über die Auswirkungen der Digitalisierung und Smartphones. ________________________________________ Veronika Schippani-Stockinger ist Bundesvorsitzende der Katholischen Jungschar und dort für den Bildungsbereich in der Jungschar zuständig. Darüber hinaus ist sie in ihrem Hauptberuf Pädagogin und Lehrerin. Zur ksoe-Website: https://www.ksoe.at/podcast Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung.
„Kapitalismus ist per se krisenhaft. Das lässt sich schwer regulieren. Wir hören ständig, dass wir alle international wettbewerbsfähig sein müssen. Und für die internationale Wettbewerbsfähigkeit müssen wir den Gürtel enger schnallen. Alle. Was aber dazu führt, dass wir ein Herrschaftsverhältnis haben, das verschleiert wird. Ich kriege das ständig zu hören, wenn ich mich für Vergesellschaftung einsetze. Die will die DDR wiederhaben. Das ist alles Sozialismus und so, da müsste man ansetzen, dass man sagt, wir müssen die Betriebe wieder zu demokratischen Unternehmen machen und müsste die Wirtschaftssphäre durchgängig demokratisieren. Und da kann jeder was machen, in jedem Betrieb alle.“ Im Jahr 2024 sorgte ein Tweet von Isabella Weber für Aussehen, die konstatierte, dass ökonomische Krisensituationen den rechten Parteien zugutekommen – und festhielt, dass es Zeit sei, über antikapitalistische Wirtschaftspolitik zu sprechen. Zu deren Maßnahmen zählen u. a. Umverteilungsinstrumente wie die Vermögens- und Erbschaftssteuer, die Stärkung von Arbeitnehmer:innenrechten und staatliche Investitionen, um Arbeitsplätze zu schaffen und die grüne Reindustrialisierung einzuleiten – sowie staatlicher Katastrophenschutz in der Krise, wie etwa eine Deckelung der Gaspreise. Diese Maßnahmen gehen aus von der Idee des regulierbaren Kapitalismus. Für Sabine Nuss ist antifaschistische Wirtschaftspolitik zwar notwendig, aber nicht ausreichend: Sie bezweifelt, dass der Kapitalismus so stark reguliert werden kann, dass er dem Wohle aller dient und sieht ihn per se als krisenhaft, schwer regulierbar und von Herrschaftsverhältnissen durchdrungen. Zum anderen sei ökonomische Benachteiligung nicht der einzige Beweggrund, rechte Parteien zu wählen – wie sich anhand von Superreichen wie Elon Musk sehen lässt. Stattdessen zeigt sie auf, wie das dem Kapitalismus innewohnende Konkurrenzdenken ein solidarisches Miteinander verunmöglicht und ihn dadurch unter bestimmten Bedingungen anschlussfähig für rechtes Gedankengut macht – und was die bürgerliche Mitte damit zu tun hat. Zuletzt sprechen wir über einen Thomas-Bernhard-KI-Chatbot und die Probleme der Sozialdemokratie, die aktuellen Probleme an der Wurzel zu lösen.
„Es geht gar nicht darum, ob wir eine Emotionalisierung in der Politik zulassen, sondern wie wir sie betreiben. Wir müssen mit den Emotionen arbeiten im Sinne davon, dass wir sie reflektieren müssen. Wir können nicht automatisch sagen, das ist eine Emotion, und deshalb ist es authentisch und richtig. Wir müssen uns zutrauen, über Emotionen zu sprechen, auch Emotionen ablehnen zu können, auch Emotionen sortieren zu können.“ Die Politik ist nicht vor Emotionalität gefeit, wie auch Schreiduelle im Hohen Haus immer wieder zeigen. Sind diese ein Ausdruck davon, dass es den Beteiligten um etwas geht, oder schaden solche Emotionen der politischen Debatte? Mit Anna Durnová sprechen wir über die Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften und wie diese helfen können, Gerechtigkeit herzustellen. Für Anna Durnová, Professorin für politische Soziologie an der Universität Wien, sind politische Emotionen stark eingebettet in unsere Sozialisierung – durch Herkunft, Gender und soziale Strukturen. Als solche prägen sie unsere Wahrnehmung von Politik. Doch die Rolle von Emotionen in der Politik hat sich stark verändert, zum einen durch die zunehmende Individualisierung, zum anderen durch die Emotionalisierung der Öffentlichkeit. Das sorgt dafür, dass oftmals individuelle Gefühle mit Argumenten gleichgesetzt werden. Emotionen traten laut Durnová in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in die politischen Debatten ein und wurden etwa durch Bürger:innenkonferenzen, Referenden, Diskussionen in Dörfern rund um den Bau von Kraftwerken sichtbar. Neben dem Aktivismus nutzt jedoch auch der Populismus Emotionen der Bürger:innen – vielfach jedoch, um diese zu manipulieren. Durnová plädiert dafür, sich zu trauen, über Emotionen zu sprechen. Wichtig für sie ist, dass Politiker:innen auf die Emotionen der Bürger:innen hören; diese gilt es jedoch einzuordnen – und sie dürfen auch abgelehnt werden. Anna Durnová ist Professorin für Politische Soziologie am Institut für Soziologie der Universität Wien und Faculty Fellow am Center for Cultural Sociology der Yale University. Zudem ist sie Mitglied der Redaktionsbeiräte der Zeitschriften „Policy & Politics“ und „Critical Policy Studies“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften. Derzeit ist sie Konsortialleiterin des CIDAPE-Projekts (Climate, Inequality and Democratic Action: The Force of Political Emotions; Horizon Europe 2024–2027) und ist Hauptforscherin des ERC Advanced Grant LONERS (2026–2031). Im Jahr 2024 erhielt sie den Preis der Mattei-Dogan-Stiftung für europäische politische Soziologie. Portraitfoto: © Eguenie Sophie Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für politische Bildung
„Bitte überlegen Sie, welche Probleme in der Klimakrise Ihnen wirklich Sorgen bereiten, und was eigentlich Ihr Einflussbereich ist. Die kollektive Wirksamkeit, wenn man gemeinschaftlich aktiv wird – das ist das Wichtige. Über solche Coalitions of the Willing könnten wir das Thema etwas in eine andere Richtung lenken, vielleicht viel effektiver aufstellen und es auch am Köcheln halten.“ In dieser Folge von Der Sozialkompass sprechen Henning Klingen und Markus Schlagnitweit mit dem Wirtschaftsforscher Thomas Schinko über die Frage, was der Klimawandel mit Gerechtigkeit zu tun hat – und warum Klimapolitik ohne Gerechtigkeitsfragen kaum funktionieren kann. Zum Zeitpunkt der Aufnahme gab es schon im Mai Temperaturen von über 30 Grad. Vor diesem aktuellen Hintergrund gehen wir den Fragen nach: Wer trägt Verantwortung für die Klimakrise? Wer leidet am stärksten unter ihren Folgen? Und wie kann Klimagerechtigkeit gelingen? Thomas Schinko erklärt, warum Klimagerechtigkeit weit mehr ist als die Verteilung von Emissionsrechten oder finanziellen Lasten. Unterschiedliche gesellschaftliche Vorstellungen von Gerechtigkeit prägen internationale Klimakonflikte ebenso wie die Beziehungen zwischen globalem Norden und Süden. Besonders Länder des globalen Südens empfinden viele klimapolitische Prozesse als ungerecht oder neokolonial geprägt. Ein weiterer Schwerpunkt der Episode ist die Rolle sozialer Bewegungen wie Fridays for Future. Schinko analysiert, warum die Klimadebatte derzeit an öffentlicher Aufmerksamkeit verloren hat und welche Chancen dennoch in neuen „Coalitions of the Willing“ liegen – also Bündnissen von Staaten und Akteur:innen, die beim Klimaschutz vorangehen wollen. Zum Abschluss geht es um die Handlungsmöglichkeiten jedes Einzelnen: Wie kann man angesichts der Größe der Klimakrise handlungsfähig bleiben? Schinko plädiert für einen realistischen Blick auf den eigenen Einflussbereich und betont die Bedeutung kollektiver Wirksamkeit – gemeinsames Handeln statt individueller Überforderung.
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