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‚Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern‘ Als Kind hab ich diese Zeilen aus dem Vaterunser gar nicht verstanden. Ich dachte immer, es ginge um Geldschulden und wusste partout nicht, wem ich diese vergeben oder erlassen sollte. Nun weiß ich es längst besser. Gerade gestern konnte man im Tagesspiegel lesen, dass der fast 60-jährige Julian Lennon seinem berühmten Vater John Lennon vergeben hat. Der war nämlich oft abwesend, vor allem nach der Trennung von Cynthia, Julians Mutter. Da war der Kleine 5 Jahre alt und Paul McCartney schrieb den heutigen Klassiker ‚Hey Jude‘ für ihn in dieser Trennungssituation. Erst jetzt im späten Erwachsenenalter hat Julian Lennon, auch durch die Doku ‚Get back‘ über die Beatles, das Gefühl des Vernachlässigt-worden-seins überwunden und die positiven Seiten seines Vaters wieder hervorgerufen: wie klug er war, wie vergnügt oft und verrückt. Das hatte er als Kind ja auch erlebt. Gut geht es ihm jetzt damit. Das hört man oft, in der Therapie spielt dieses vergeben, auch die Aussöhnung mit den bereits verstorbenen Eltern eine wichtige Rolle. Kommt natürlich darauf an, was man ihnen vorzuwerfen hat. Generell ist Verzeihen oft besser, als ewig Hass, Rache oder andere ungute Gefühle mit sich herumzuschleppen. Doch es kann von niemandem verlangt werden, schon gar nicht, wenn es z.B. um ein schweres Gewaltverbrechen geht. Als sich jetzt die furchtbare Geiselnahme und das anschließende Massaker an israelischen Sportlern bei den Olympischen Spielen 1972 jährten, hörte man die Tochter eines dieser Sportler, die dies natürlich niemals verzeihen kann. Verständlich. Vergebung kann guttun, das entscheidet aber jede und jeder für sich selbst. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Was haben Herbert Grönemeyer, Marlene Engelhorn, Dietmar Hopp, Marius Müller-Westernhagen, Antonis Schwarz und Stefanie Bremer gemeinsam? Sehr, sehr viel Geld, ob erarbeitet, geerbt oder ersungen und sie alle wollen davon etwas abgeben. Nicht einfach so, sondern sie fordern eine deutliche Steuererhöhung für Vermögende. Man hat ja diese Zahlen schon mal gehört: 1% besitzen in Deutschland 35% des Gesamtvermögens und gerade in der aktuellen, durch den Krieg ausgelösten Energiekrise, warnen Experten, dass inzwischen bis zu 40% keinerlei Rücklagen haben. Wenn jetzt also größere Ausgaben drohen, ist schlichtweg kein Geld auf der hohen Kante. Doch schon vor Jahren haben sich u.a. die Obengenannten in Initiativen wie ‚taxmenow‘ oder ‚Steuerprivilegien kippen‘ verbündet, um ihr Anliegen, selbst höher besteuert werden zu wollen, öffentlich zu machen. Nun sagen manche, sollen sie ihr Geld doch spenden. Tun sie ja auch, aber das ist etwas Anderes. Auch wieder ein Privileg, sich aussuchen zu können, wen oder was man unterstützt. Nein, es soll z.B. durch eine Anhebung des Spitzensteuersatzes dem Staat, also letztlich der Gesellschaft zugute kommen. "Wenn man Gemeinschaft möchte, müssen diejenigen, die leichter viel Geld verdienen, auch leichter mehr Geld abgeben", so sagt es Grönemeyer. Ob das nun eine Vermögensabgabe ist oder auch eine deutliche Erhöhung der Erbschaftssteuer oder hochwertige Immobilien stärker besteuert werden, das erarbeiten Wissenschaftler. Und ausdrücklich soll es nur Personen betreffen, wo es wirklich nicht weh tut. Doch der politische Widerstand durch fast alle Parteien ist groß – schade eigentlich! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Der Lack ist dran

Der Lack ist dran

2022-09-0701:55

Neu ist es nicht, gab es hier und da schon in den letzten 30,40 Jahren, aber in letzter Zeit fällt es mir immer mehr auf: Jungs mit lackierten Fingernägeln. Meist schwarz lackiert, aber nicht immer. Und sie sind ansonsten keineswegs exzentrisch gekleidet, kein Kajalstrich, kein gefärbtes Haar, kein langer schwarzer Mantel. Die oft sehr jungen Männer haben Jeans, T-Shirts und Hoodies an. Es ist – das konnte ich sogar nachlesen - bei urbanen jungen Männern kein Massenphänomen, aber es ist immer öfter zu beobachten. Der Modedesigner Gianni Versace hatte 1994 männliche Models mit Minirock über der Hose, roten Lippen und eben lackierten Nägeln über den Laufsteg in Mailand geschickt. Auf die Frage, wer so etwas denn tragen würde, antwortete er: "Nette und geistreiche Männer". Was für eine schöne Antwort! Den Schauspieler Lars Eidinger sah man schon mit schwarzem Nagellack, den Sänger Harry Styles sowieso schon eine ganze Weile und Fußballstar Cristiano Ronaldo mag lieber lackierte Fußnägel. Völlig daneben ist aber das Bemühen der Kosmetikindustrie, spezielle Nagellacke für Männer auf den Markt zu bringen. Betongrau z.B. oder Mattschwarz. Gibt doch längst jede nur denkbare Farbe, oder? Und erzählt uns jetzt nicht, die Fingernägel von Männern seien ganz anders beschaffen.Zurück aber zu den Jungs in der S-Bahn oder in der Bar: Hier gefällt mir gerade diese neue Normalität, die sich irgendwie eingeschlichen hat. Kein Statement, so scheint es mir, kein Auffallen-Wollen, sondern lackierte Nägel, einfach so, warum auch nicht? Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Hört auf, vom ‚Wutwinter‘ zu reden Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Mehr grüßen

Mehr grüßen

2022-09-0501:55

Schönen guten Tag, ich grüße Sie und zwar deshalb, weil ich mich heute mit dem Grüßen beschäftige. In meinem Sportstudio, das erfreulicherweise, obwohl es so preiswert ist, eine Sauna hat, fiel mir immer schon etwas Seltsames auf: in der Frauensauna wird eher nicht gegrüßt, still kommt man herein, sucht sich einen Platz und ebenso lautlos verschwindet man wieder. Ganz anders in der gemischten Sauna: hier grüßen die Männer beim Hereinkommen laut und deutlich und noch netter fällt die Verabschiedung aus: tschüß, angenehmen Tag oder ..schönet Wochenende noch!Im Österreich-Urlaub kamen wir aus dem Grüßen gar nicht mehr heraus: erst war‘s ungewohnt und wir fielen wieder als schoflige Touristen auf, dann aber immer: auf dem Berg sowieso, aber auch beim Spaziergang mit dem Hund, beim Fahrradfahren, eigentlich immer ‚Grüß Gott‘ oder ‚Servus‘, mindestens hallo! Kaum zurück in Berlin waren Fremde wieder Personen, die man nicht grüßt, mit denen man oft nicht mal Blickkontakt hat. Na gut, am S-Bahnhof oder in der belebten Schloßstraße wäre es auch absurd. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: wir Hundebesitzer grüßen uns und das genieße ich sehr. Seit wir unseren Hund haben, kenne ich auch wesentlich mehr Leute in der Nachbarschaft. Motorradfahrer grüßen sich meist auch – finde ich immer wieder schön. Und kennen Sie diesen Tipp für ein glücklicheres Leben? Grüßen Sie heute einfach mal eine Ihnen fremde Person.Ich werde jetzt nicht nur in der Frauensauna grüßen, sondern auch die Frau, die die Umkleidekabine neben mir hat. Und, das mach ich allerdings schon länger: die Busfahrerin oder den Busfahrer der BVG. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Nun also auch noch Schmu bei der Beschäftigung eines Beraters. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg hat bei der Beschäftigung einer Beraterfirma wohl gegen das Vergaberecht verstoßen. Ein Berater, der gar nicht mehr beauftragt werden durfte, soll als Subunternehmer bei einer für den RBB tätigen Anwaltskanzlei beschäftigt worden sein. Und er soll unrechtmäßig Leistungen für den RBB in Rechnung gestellt haben. Kommt immer noch was drauf in diesem Skandal und es geht hier eben um unsere Gebührengelder, die krass verschwendet werden. 55,08 € zahlen wir alle 3 Monate, auch Leute, die keinen Fernseher haben und sich auch nie einen anschaffen würden. Doch die digitalen Angebote und das Radio stehen ja auch zur Verfügung. So ärgert man sich seit Wochen über das Finanzgebaren - wir erinnern uns: Nach Vorwürfen über Korruption, Vorteilsnahme und Verschwendung von Beitragsgeld trat die RBB-Intendantin Patricia Schlesinger Anfang August zurück – und wurde später sogar entlassen - ohne Abfindung. Wenn man selbst bei einem Privatradio arbeitet, ausschließlich werbefinanziert und eben ohne Gebühreneinnahmen, stößt einem dies alles besonders übel auf. Und doch möchte ich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht missen. Hier und da sehe ich Verschwendung, auch von Kapazitäten und Manpower, aber ARD, ZDF, Arte und Co, außerdem den RBB auch mit seinen Radiosendern, nutze auch ich gern und oft. Nachrichtensendungen, politische Talkshows, Reportagen, ja seriöse Berichterstattung, das schätze und wertschätze ich. Gerade darum ist es so ärgerlich, dass durch haarsträubende Verschwendung nun wieder Stimmen laut werden, die das ganze System abspecken oder gleich ganz abschaffen wollen. Lieben Gruß an die freien und festen Kolleginnen und Kollegen, hoffentlich gelingt die Aufklärung und ein Neuanfang! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Auf dem Schwarzweiß-Foto in den Nachrichten Dienstag am späten Abend haben wir ihn erst gar nicht erkannt. So anders sah der gealterte Michail Gorbatschow aus, dessen Gesicht doch sonst so unglaublich bekannt war. Dann fiel aber sein Name mit der Nachricht, dass er mit 91 Jahren gestorben ist. Ach Gorbi, dachten wohl viele. Gerade hier in Deutschland und in Europa ein Hoffnungsträger damals, ein Reformer und wenn er natürlich nicht allein die deutsche Einheit und den Fall des Eisernen Vorhangs bewirkt hat, so wäre dies alles ohne ihn wohl nicht so gelaufen. Nur von März 1990 bis Dezember 1991 war er Staatspräsident der Sowjetunion, davor aber jahrelang Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Diese wollte er nicht abschaffen, aber umwandeln und wir alle lernten die Worte Glasnost (‚Transparenz, Offenheit‘) und Perestroika (‚Umbau‘). Da dies zwar in Ansätzen gelungen ist, aber letztlich zu großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Zusammenbruch der Sowjetunion führte, ist er im heutigen Russland nicht annähernd so beliebt wie im Westen. Und diese hohe Anerkennung zeigt sich gerade in diesen Zeiten mit seinem Tod. Denn den Angriffskrieg auf die Ukraine hatte der inzwischen Schwerkranke aufs Schärfste verurteilt. War er es doch, der in Abrüstungs-verhandlungen mit den USA das Ende des Kalten Krieges eingeleitet hatte und der 1990 den Friedensnobelpreis bekam. Schade, dass Gorbatschow in seinem letzten Lebenshalbjahr einen auch für ihn unerträglichen Krieg aushalten musste. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Kühler wird es und schon längst ist wieder Sommerschlussverkauf, den es ja offiziell gar nicht mehr gibt. Gefühlt ist aber sowieso ständig Sale oder Super-Sale oder PopupSale – je größer die Not, die Lager leer zu bekommen, desto englischer die Begriffe, scheint es mir. Einige große Kleidungsläden haben ohnehin immer absurd niedrige Preise: Kleid 11,-€, T-Shirt 6,-€, Kapuzenpulli 12,- € - wirkt alles wie geschenkt und schlimm ist auch der Satz ‚bei dem Preis kann man nichts falsch machen.‘ Kann man eben doch, wenn man zu schnell, zu unüberlegt zu viele Sachen kauft, die man am Ende doch nicht anzieht. Auch bei mir hängt ein solches Kleid im Schrank, schon mindestens ein Jahr und noch mit Preisschild. Aktuell warnen Wirtschaftswissenschaftler vor der gesunkenen Kauflaune. Die Hälfte der Bürger spart bei Kleidung und Energieverbrauch heißt es. Interessanterweise aber nicht unbedingt bei Reisen. Schöne Erlebnisse scheinen jetzt wichtiger, als immer mehr Dinge anzuhäufen. Klar sollte jede und jeder und vor allem jedes Kind gute und zum Wetter passende Kleidung haben. Aber inzwischen weiß man: Damit wir hier billige T-Shirts und Hosen kaufen können, müssen in Ländern wie China und Bangladesch häufig Menschen unter schlechten Arbeitsbedingungen schuften. Und neue Kleidung wird noch immer tonnenweise verbrannt oder geschreddert, z.B. weil die Markensachen nicht zu billig verkauft werden sollen oder weil die Lagerkosten hoch sind. Gut überlegen sollte man auch seine online-Bestellungen, denn Zurückgeschicktes wird oft auch lieber zerstört, als wieder gefaltet und zurück ins Lager gelegt. Statt Billigkleidung vielleicht lieber hochwertige Stücke gebraucht kaufen. Gibt auf jeden Fall ein besseres Gefühl. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Ein Desaster – anders kann man es nicht nennen, was bei der Berlin-Wahl am 26. September letzten Jahres stattgefunden hat und welche Konsequenzen dies nun hat. Wieder gibt es diese Gleichzeitigkeit: mein Mann und ich sind an jenem Tag morgens gegen halb 10 zur Wahl gegangen, hatten vielleicht 3 Leute vor uns und trafen auf junge, zahlreiche Wahlhelferinnen und Wahlhelfer. Alles ganz normal, bis am Abend immer mehr Chaos-Meldungen kamen. Natürlich war es ein Wahnsinn, die Wahlen zum Bundestag, Abgeordnetenhaus, der Bezirksparlamente und dazu noch einen Volksentscheid gleichzeitig durchzuführen. Dazu noch der Berlin-Marathon. Doch dachte man sicher an die Wahlbeteiligung, die vielleicht höher wäre, wenn die Leute nicht öfter kommen müssen. Der Marathon wird sehr lange im Voraus geplant, Zehntausende haben sich dann längst angemeldet, Flugtickets gebucht, da ist sicher nichts mit Verschieben. Die Bundestagswahl hatte auch schon früh diesen Termin. Also - im Nachhinein ist man immer klüger – hätte man die Berliner Abstimmungen doch auf einen anderen Tag legen sollen. Der Fehler lag wohl in der Einschätzung, das alles wuppen zu können. Ein Aspekt kommt noch hinzu: Man hatte im Frühjahr vor allem junge Menschen als Wahlhelfer gelockt, mit dem Versprechen, zeitnah die damals noch so begehrte Corona-Impfung zu bekommen. Das haben sehr viele in Anspruch genommen, und nicht wenige sagten dann aber kurz vorher ab oder erschienen gar nicht im Wahllokal. Auch dadurch kam einiges ins Rutschen. Da meine Sorge um unsere Demokratie ein weiteres Mal wächst, hilft es mir nur, nach vorne zu schauen: Sollte es zu Neuwahlen kommen, einfach wieder hingehen und vielleicht melde ich mich auch mal wieder als Wahlhelferin. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
In Australien, genauer im Westen von Tasmanien, sind in einer flachen Bucht wieder rund 230 Grindwale gestrandet. Das bedeutet im Grunde ihren sicheren Tod. Sogar für dieses Phänomen gibt es Experten, die solche Massenstrandungen wie folgt erklären: die friedlichen Giganten seien sehr sozial, haben enge Bindungen untereinander. So eng, dass sie einem kranken oder verletzten Artgenossen folgen, bis zum Ende und hundertfach. ‚Das tun sie nicht, weil sie dumm sind, sondern wegen ihrer emotionalen Bindung zu den anderen Tieren‘ wird ein Meeresbiologe zitiert. Wieviel Respekt vor diesen Geschöpfen steckt in diesen Worten! Solchen bringt auch der Schauspieler Hannes Jaenicke auf in seinem Film ‚Im Einsatz für das Schwein‘ der kürzlich im Fernsehen lief und weiterhin in der Mediathek zu sehen ist. Ohne Schockbilder, worauf extra hingewiesen wird. Wir lernen dort, dass Schweine wie Hunde auf ihren Namen hören, wenn sie denn einen haben, dass sie intelligent, sauber, neugierig, verspielt und sozial sind. Dies alles können sie eingepfercht in ihren Gitterkäfigen nicht ausleben. Von der traurigen Mutterschaft einer Sau mal abgesehen, deren 30 Ferkel im Jahr ihr so schnell wie möglich weggenommen werden. Das ist alles nicht neu, aber für mich haben sich diese beiden Dinge miteinander verknüpft. Abermals stellt sich die Frage: warum streicheln und verwöhnen wir unsere Hunde und Katzen, essen aber Schweine, Hühner und Rinder oder lassen zu, dass sie in der Massentierhaltung leiden? Die Schockbilder gab es dann letzte Woche ganz am Ende in der Sendung ‚Frontal‘: heimliche Aufnahmen in 9 verschiedenen Mastanlagen, es laufen jetzt Ermittlungen. Furchtbare Bilder - müssen wir eben doch aushalten. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Okay, er hat sich entschuldigt. Aber der CDU-Chef Friedrich Merz ist ein absoluter Polit-Profi und weiß, was er sagt. Und dass seine Worte, nicht am Stammtisch, sondern am Montagabend bei „Bild Live“ geäußert, trotz Entschuldigung natürlich hängen bleiben. Er hat Geflüchteten aus der Ukraine „Sozialtourismus“ unterstellt. Sie würden teilweise hin- und herreisen und unsere Leistungen in Anspruch nehmen. Mich macht dieser Vorwurf sprachlos. Selbst wenn es in Einzelfällen so sein sollte, ist es ungeheuerlich, Menschen in dieser furchtbaren Situation, die sie sich wahrlich nicht ausgesucht haben, auf diese Weise zu diskreditieren. Ich würde sogar sagen, dass es in Ordnung und verständlich ist, dass man nach Monaten in der Fremde, wenn es die Situation erlaubt, zuhause nach dem Rechten schaut. Familienmitglieder und Freunde trifft, die nicht fliehen konnten oder wollten. Doch der Krieg ist nicht vorbei und die Situation in großen Teilen der Ukraine ist unsicher, immer wieder auch gefährlich. Also kann es richtig sein, nach einem riskanten Besuch dort, wieder nach Deutschland zurückzukommen. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind übrigens auch ganz und gar in ihr Heimatland zurückgekehrt und noch viel mehr würden das so gerne tun. Missbrauch und Abzocke gab es immer und wird es immer geben, gerade wenn man Menschen eigentlich helfen will. Man denke nur an die Corona-Schnelltestcenter, die Beschaffung der Masken oder so einen Klassiker wie Steuerhinterziehung. Und ja, auch Flüchtlinge aus anderen Ländern und Leistungsempfänger hier werden nicht immer wirklich berechtigt sein. Das gehört leider dazu. Dies nun aber gerade den kriegsgebeutelten Ukrainerinnen und Ukrainern nach 7 Monaten brutalem Krieg vorzuwerfen, ist echt infam. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Berlin-Brandenburg hätten wir wohl geheißen. Immer wieder gab es ja Bestrebungen, Berlin und Brandenburg zu einem neuen Bundesland zu vereinen. Hat aber nicht geklappt, 1996 scheiterte ein von beiden Landesregierungen vereinbarter Fusionsvertrag an der fehlenden Zustimmung in Brandenburg. Auch bei den Berlinern gab es nicht gerade Euphorie für das Thema. Euphorisch kann man aber werden, gerade als Berlinerin und Berliner, wenn man die Landesgartenschau in Beelitz besucht. Plötzlich ist Brandenburg so viel mehr als das die Hauptstadt umgebende Land oder die Autokennzeichen PM oder TF. Gerade jetzt im Herbst gehen einem die Augen über vor noch immer blühenden Blumen, schönster Gartenkunst, originellen Möbeln, Arrangements unter zarten Pavillons, Kräutern, Früchten, Kürbissen, einfach allem, was die Natur hergibt und was Menschen im besten Sinne draus machen können. Neben dem riesigen Gelände mit all seinen thematischen Überraschungen und meditativen Ruheinseln gehört auch ein Besuch der ebenfalls in diesem Sinne hergerichteten Altstadt Beelitz dazu. Die Krönung ist dort die St. Marien-St. Nikolai-Kirche mit einer üppigen Blumen- und Pflanzenschau direkt im Kirchenschiff. Sie merken, ich schwärme und zwar ausdrücklich für Brandenburg, weil ich es bei der LaGa so attraktiv und sympathisch finde. Falls Sie noch nicht dort waren - noch bis Ende Oktober ist Zeit. Ob und für wen sich die Länderfusion gelohnt hätte, vermag ich nicht zu sagen. Die Landesgartenschau zu besuchen, lohnt sich auf jeden Fall! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
„Komm mit Deinem Frieden und mach dem Grauen ein Ende“ klingt nach einem Gebet und ist es auch. Blau-gelb und zweisprachig sind die Gebetskarten, die die Evangelische Kirche in Deutschland jetzt herausgegeben hat. Sie sollen zum gemeinsamen Gebet von Deutschen und Ukrainern aufrufen. Es steht auf Deutsch und Ukrainisch eine bittere Klage darauf und eine Bitte und ein Segen. Man kann die Karten kostenlos bestellen, ganz unkompliziert. Der Hintergrund ist klar: Geflüchtete «sollen wissen, dass sie nicht verlassen sind: nicht von Gott und nicht von anderen Menschen», sagt Bischof Christian Stäblein, der auch EKD-Beauftragter für Flüchtlingsfragen ist. Drastisch beschreibt er das Leid, das der russische Angriffskrieg auf die Ukraine mit sich bringt. Vor allem auch jetzt angesichts der neuen politischen Entwicklungen und des bevorstehenden Winters in dem schon so sehr zerstörten Land. Mir gefällt diese eindeutige Positionierung der Kirche, denn es gibt hier nichts abzuwägen und schon gar nicht zu rechtfertigen. Natürlich sind solche Karten nur ein Zeichen und ich weiß nicht, ob sie wirklich praktisch genutzt werden. Man kann sie in Kirchen oder an Orten ablegen, an denen ukrainische Geflüchtete zusammenkommen. Warum nicht? Und auch wer niemals betet, kann diesen klaren Worten am Ende vielleicht etwas abgewinnen: „Komm mit Deinem Frieden und mach dem Grauen ein Ende“ Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Den Sorgen davonlaufen

Den Sorgen davonlaufen

2022-09-2302:10

Mehr als 42 km rennen am Stück – das ist ein Marathon und das ist auch der Berlin-Marathon jetzt am Sonntag. Mein Respekt für die 45 000 erwarteten Teilnehmer ist grenzenlos. Mein lieber Kollege Thorsten Wittke hat bereits 9 Mal teilgenommen – wow! Ich selbst hatte als Kind nicht viel mit Sport am Hut und hab das Laufen erst mit Mitte 40 für mich entdeckt. Ansporn war damals der AVON-Frauenlauf, überglücklich war ich, als ich die 10 km geschafft hatte und viele solcher Läufe folgten. Weiter geht mein Ehrgeiz nicht, aber das Laufen ist seither ein fester Bestandteil meines Lebens. Wer es körperlich kann, weil keine Knie- oder Rückenprobleme hindern, dem kann ich es nur empfehlen, egal in welchem Alter. Ein phantastischer Sport, gerade in diesen schlimmen Zeiten. Die Nachrichten tun weh, also loslaufen und den Kopf buchstäblich frei kriegen oder mit ganz anderen Ideen oder Gedanken füllen. Bei mir funktioniert es jedes Mal, auch wenn ich nur ein paar Runden auf dem Sportplatz drehe. Wenn Sie mitten in der Stadt wohnen, fahren Sie mit dem Rad zum nächsten Park und laufen erst dort los. Man braucht keine teure Ausrüstung, gut passende Laufschuhe und fertig. Die Strecke, die Geschwindigkeit, jede und jeder wie er mag. Neben der Seele freuen sich natürlich auch das Herz-Kreislaufsystem und die Muskulatur. Am Sonntag werde ich aber wieder nur am Straßenrand stehen, Tränen der Rührung in den Augen, weil ich mich so sehr mitfreue. Junge und alte Menschen von überallher ziehen da in einem steten Strom an uns vorüber, für jeden möchte man klatschen. Und eine große Portion Stolz auf meine so oft geschmähte Stadt schwingt auch noch mit. Am Sonntag also Auf die Plätze - fertig - los ! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
1973 war ich schon auf der Welt und habe als Grundschulkind die damalige Ölkrise mitbekommen. Allerdings nicht als Bedrohung, sondern hängen geblieben sind in meiner Erinnerung die autofreien Sonntage. Herrlich war das, wir konnten Rollschuhlaufen auf den Straßen und sogar die Autobahnen waren leer. Die Araber hieß es, hatten die Öllieferungen gedrosselt und der Ölpreis stieg. Als direkte Folge wurden in der Bundesrepublik an vier Sonntagen im November und Dezember Fahrverbote erteilt. Dabei gab es längst nicht so viele Autos wie jetzt. Sogar Geschwindigkeitsbegrenzungen konnte man den Autofahrern zumuten. Die haben sich im Großen und Ganzen dran gehalten. Und nun gucken Sie mal aus dem Fenster: sehen Sie Autos fahren oder sind die Straßen still und leer? Heute ist nämlich internationaler autofreier Tag und wir hier in Berlin machen mit. Einige Spielstraßen bleiben komplett gesperrt und man kann gratis mit den Öffentlichen fahren. Ansonsten leider wieder nur eine Empfehlung, von der noch nicht mal jeder gehört hat. Ob nun Energiekrise oder Umweltkrise – autofreie Sonntage wenigstens ab und zu wären doch auf jeden Fall sinnvoll. Klar mit den bekannten Ausnahmen wie Busse, Feuerwehr, Krankenwagen. Hätten wir gerade in dieser Zeit längst wieder einführen sollen! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Jedes Kind zwischen drei und dreizehn Jahren sieht pro Tag im Schnitt 15 Werbespots für ungesunde Lebensmittel. Und dass ungesunde Ernährung eine der Hauptursachen für die Ausbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen ist, ist bekannt. Mehr als 300 Kinder- und Jugendärzte haben am Montag ein Verbot von «Junkfood»-Werbung gefordert. wenden sich an Bundesernährungsminister Cem Özdemir und fordern ein Gesetz, das Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel umfassend beschränken soll. Foodwatch und weitere Organisationen haben sich angeschlossen. Das ist das Eine. Doch auch der umgekehrte Ansatz ist wichtig: jungen Menschen so früh wie möglich etwas über gesunde Ernährung zu erzählen, mit ihnen zu kochen. Ja, die Schulen sind aus mehreren Gründen überlastet, es fehlen Lehrkräfte allerorten und doch sollte das Wissen über gesunde Ernährung und später so etwas wie Haushaltsführung ein Schulfach sein – durchgehend. Das würde sich lohnen. Jedes übergewichtige Kind ist ein zukünftiger kranker Erwachsener – Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen. So drastisch formulieren es Experten. Andere, wie der Autor Martin Rücker, sprechen von verborgenem Hunger, auch in unserem gut ernährten Land. Denn auch übergewichtigen Kindern fehlen oft wichtige Nährstoffe und dies wirkt sich letztlich auch auf ihr Fortkommen in der Schule aus. Alles wissenschaftlich nachgewiesen. Bücher, auch tolle Kochbücher gibt es genug, es braucht Menschen, die in den Schulen über das Essen reden, das müssen nicht unbedingt Lehrerinnen und Lehrer sein! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Alles zu seiner Zeit

Alles zu seiner Zeit

2022-09-2001:57

Auch weniger Licht halten wir aus Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Spendenvortrag, Progressionsvorbehalt, Sonderausgabenabzug, unmittelbare Begünstigung, Nutzungsentnahme… wenn Ihnen diese Begriffe was sagen, haben Sie wahrscheinlich beruflich mit Steuern zu tun oder aber Sie haben sich eingefuchst in ‚mein Elster‘ und längst Ihre Steuererklärung fertig. Mir ist das nach einigen Anläufen auch letzte Woche gelungen. Als ich endlich keine Fehlermeldung mehr hatte und das Ding abschicken konnte, hätte ich mir am liebsten einen Sekt aufgemacht. Meine Stimmung war jedenfalls großartig. Diesmal musste ich auch nicht, wie in den vergangenen Jahren, ständig zum Finanzamt radeln und dort Frage für Frage klären. Immerhin hat man mir da stets freundlich weitergeholfen. Warum nur aber ist das so kompliziert? Warum diese sperrigen Begriffe, die man aus keinem anderen Zusammenhang kennt? Klar, wer viel Geld hat, leistet sich einen Steuerberater, eine Steuerberaterin – kostet natürlich, aber das kann man ja auch wieder absetzen und es kommt wahrscheinlich auch mehr raus. Kürzlich wurde bekannt, dass es auch erhebliche Probleme bei der Grundsteuer gibt. Jeder dritte Eigentümer hat Probleme beim Ausfüllen der Formulare hat eine Umfrage ergeben. Bis Ende Oktober müssen Besitzer von Häusern und Wohnungen diese Erklärung beim Finanzamt abgeben. Bisher hat das aber noch kaum jemand geschafft. Müsste es da nicht, wenn es schon so kompliziert ist, einfache und niederschwellige Hilfe geben? Wir sind doch alle nicht blöd und schaffen auch andere Dinge im Leben. Aber wie hat es schon Reinhard Mey 1978 gesungen: ‚Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars - Zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars‘ wunderbar, hör ich mir gleich mal wieder an! Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Earth for All

Earth for All

2022-09-1602:10

16.09.2022PC Earth for all – und was sie dafür tun können. Mensch Mahler am 16.09.2022 Earth for all – Teil 2. Wer wissen will, wie sich eine gute Zukunft realisieren lässt, kommt an »Earth for All« nicht vorbei.Der Club of Rome ist einer der bekanntesten Thinktanks der Welt. Er wurde 1968 gegründet und setzt sich für eine nachhaltige Zukunft ein. Dem Zusammenschluss von Expert*innen verschiedener Disziplinen aus mehr als 30 Ländern gehören u. a. Maja Göpel, Hans J. Schellnhuber und Ernst Ulrich von Weizsäcker an. Bekannt wurde die gemeinnützige Organisation durch den Bericht »Die Grenzen des Wachstums«, der über 30 Millionen Mal verkauft wurde. Im oekom verlag erschienen bislang sechs Reports an den Club of Rome, darunter »2052« von Jørgen Randers und »Der geplünderte Planet« von Ugo Bardi. Und nun, 50 Jahre nach den Grenzen des Wachstuns, das Buch des Club of Rome, das ich als 18jähriger politisch erwachter junger Erwachsener verschlungen habe, also Earth for all mit dem zum Teil identischen Forscherinnen Team wie damals. Mich hat es aufgerüttelt und mein gesamtes politisches Leben nachhaltig geprägt. Schon damals waren die Themen dieselben wie heute: Kli-maerwärmung, Gendergerechtigkeit, globale Armut des Südens, Gerechtigkeit für alle, Energiewende und nachhaltige regenerative Landwirtschaft. Ich wünsche dem Buch Earth for all die selbe durchschlagende Wirkung – nein, noch mehr, denn dieses Buch ist noch notwendiger wie die Grenzen des Wachstums. Möge es auch wieder eine ganze Generation weltweit wachrütteln. Das Zeug dazu hat es auf jeden Fall. Schlusssatz: Hat dieser Globus noch eine Chance? Das entscheiden Sie, wenn sie dieses Buch zuklappen und den nächsten Schritt tun.„Earth for all“, herausgegeben vom Club of Rome, 256 Seiten kosten 25 Euro, die die Welt – mindestens ihre Welt – verändern können.  Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
15.09.2022PC Earth for all. Mensch Mahler am 15.09.2022 Vielleicht ist es noch nicht zu spät. 50 Jahre nach dem Report des Club of Rome „Die Grenezen des Wachstums“ erscheint in diesen Tagen das Nachfolgewerk „Earth for all“. All das, was vor 50 Jahren vorausgesagt wurde, ist eingetroffen. Nein, schlimmer noch: Die Szenarien, die das internationale ForscherInnenteam des Club of Rome vor 50 Jahren entworfen hat, sind allesamt übertroffen worden – im negativen Sinn. Fünf Themen waren es damals, fünf Themen sind es heute:-       die Armut im globalen Südendie grassierende Ungerechtigkeit-       die Entwicklung einer regenerativen und naturverträglichen Landwirtschaft-       die umfassende Energiewende-       und die Gleichstellung der Frauen. Mit diesen 5 Programmpunkten könnte das Steuer des trägen »Tankers Erde« von seinem zerstörerischen Kurs noch abgebracht werden. Dafür verbinden die Forschenden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit innovativen Ideen für eine andere Wirtschaft. Der aktuelle Bericht an den Club of Rome liefert eine politische Gebrauchsanweisung für die wesentliche Handlungsfelder, in denen mit vergleichbar kleinen Weichenstellungen große Veränderungen erreicht werden können. Sie behaupten: noch haben wir eine nicht ganz unrealistische Chance. Aber wir müssen sie ergreifen: jetzt. Und alle. Also auch Sie und ich. Unbedingt lesen, wenn sie an der Zukunft unseres Planeten interessiert sind und handeln möchten: Earth for all, herausgegeben vom Club of Rome, 256 Seiten kosten 25 Euro, die die Welt verändern können. Wenigstens für die Leserin, den Leser. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
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