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Morgenimpuls
Morgenimpuls
Author: DOMRADIO.DE
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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.
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Unser Konvent San Damiano hier in Olpe ist genau neben der Martinuskirche. Und manchmal übernehmen wir den Dienst, morgens die Kirche auf und abends abzuschließen. So war das auch dieser Tage. Also bin ich in der Frühe durch die Sakristei gegangen, habe an der metallenen Tafel die angezeichneten Knöpfe gedrückt, die die Beleuchtung anmachen. Dann gehe ich durch die Kirche, um an verschiedenen Stellen Kerzen anzuzünden. Beim Eingang gleich links, vor einem Bild, dann um die Ecke, wo ein stilisierter Mensch die Kerze auf einer Schale über dem Kopf trägt, dann an einer Schale, die Teelichte bereithält, die angezündet werden können im Gedenken an alle Opfer des Ukrainekrieges. Im Februar 2022, zu Beginn dieses Krieges, ist dieser Ort geschaffen worden, um miteinander für die vielen Opfer und betroffenen Familien um ein Ende zu beten.Dann geht es weiter mit einer Kerze vor einer schönen Madonna mit dem Kind, das mit dem Licht sehr schön in Szene gesetzt wird. Dann führt mich mein Weg nach hinten in die eine Seitenkapelle, in der ein Tabernakel mit dem Allerheiligsten steht, der angeleuchtet und mit zwei großen Kerzen in Szene gesetzt wird. In dieser Kapelle ist auch das Grab unserer Gründerin und so bleibe ich einen Moment und bitte sie in einigen Anliegen unserer Gemeinschaft.Dann gehe ich in die andere Seitenkapelle, in der ein Bild der Schmerzhaften Mutter Maria mit dem Kind verehrt wird. Und hier muss ich erst ganz viele ausgebrannte Teelichte wegräumen und eine große Kerze anzünden. Diese Kapelle ist die am meisten besuchte in der Kirche. Da sind immer Leute im Gebet vertieft und es werden immer viele Kerzen angezündet. Hier kommen die Ahnung und das Wissen der Menschen zusammen, dass diese Frau, die selbst so viel Schmerz und Leid erlebt hat, sie und ihre Anliegen versteht, zuhört und sie tröstet. Auf der Bank vor dem Bild klebt ein Gebetstext. Oft kommen die Menschen mit ihren Anliegen, wissen aber nicht, wie und was sie beten können. Da ist es eine große Hilfe, einen vorformulierten Text zu haben.Und jetzt muss ich mich beeilen, weil jemand an der Tür rüttelt und reingelassen werden möchte. Es ist ein junger Mann mit Schülerrucksack und er geht sofort zur Kapelle mit dem Muttergottesbild, zündet ein Teelicht an und ich merke ihm an, dass er ein Anliegen hat. Vielleicht hat er heute eine Prüfung.
Neun Monate vor dem Fest der Geburt des Herrn wird das Fest der Verkündigung gefeiert: der Tag, an dem der Engel zu Maria gesandt wurde und ihr verkündete, dass sie zur Mutter des Messias, des Gottessohnes, erwählt war. Der Engel begrüßt Maria als die "Begnadete" – also von Gott besonders Ausgewählte und darüber erschrickt sie sehr. Und sie überlegt sehr gründlich, was das denn zu bedeuten hat.Dann wird ihr angekündigt, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen soll, dem sie den Namen Jesus geben soll, der groß sein wird und Sohn des Höchsten genannt werden soll; der, der den Thron des Hauses David übernehmen wird und dessen Herrschaft kein Ende haben wird. Jeder von uns würde verstehen, dass sie von einer solchen Ankündigung wie erschlagen wäre und sprachlos und verwirrt und ängstlich.Aber Maria ist es nicht, sondern fragt in Ruhe nach, wie das geschehen soll, da sie noch nicht verheiratet ist. Der Engel erläutert ihr, dass es keine normal gezeugte Schwangerschaft nach menschlichem Maß sein wird, sondern dass der Geist Gottes mit seiner Kraft in ihr Mensch werden wird und das Kind deshalb heilig und Sohn Gottes genannt werden wird.Und trotz dieser Erklärung gehen der jungen Frau garantiert blitzschnell tausend Gedanken durch den Kopf. Sie weiß genau, dass sie davon kaum jemandem erzählen kann, dass sie ihren Eltern ziemlichen Kummer zumuten wird und ahnt, dass es auch ihr Josef zunächst nicht verstehen wird. Und was noch viel schlimmer ist: Sie weiß genau, wenn ihre Schwangerschaft sichtbar wird, wird sie, weil sie nicht verheiratet ist, nach dem Gesetz gesteinigt, also auf sehr brutale Weise ums Leben gebracht werden.Und trotz all dieser schlimmen Zukunftsaussichten sagt sie dem Engel zu, dass alles nach seiner Ankündigung geschehen soll. Das macht wiederum uns sprachlos, weil wir ein so anderes Marienbild im Kopf haben, das über die Jahrhunderte gepredigt und verkündet worden ist. Sie ist also auf keinen Fall die liebe und brave, demütige und fromme Jasagerin, die ja eigentlich keine Wahl hat. Nein, sie ist eine starke Frau, die tatsächlich mehr den Ankündigungen und Zumutungen dieses Gottes vertraut als den Katastrophen, die das für ihr eigenes Leben mit sich bringen könnte. Und viele von uns, die die vielen schlimmen Episoden aus dem Leben Marias kennen, ahnen das auch. Und Magd des Herrn heißt in diesem Fall, dass sie ihr Leben auf die Zusagen Gottes setzen will, egal was kommt. Das ist nicht das schlechteste Vorbild.
Am Wochenende war ich zu einer Tagung zum 800-jährigen Gedächtnis an den heiligen Franziskus. In dem Bildungshaus war ich noch nie und als ich nach dem Einchecken aus dem Fenster meines Zimmers geschaut habe, war ich hin und weg. Ein schöner Frühlingsmittag mit blauem Himmel und weißen Wolken und beginnendem Grün an den Bäumen und Hecken. Und ein unglaublicher Weitblick hat mir gut sichtbar, den Kölner Dom und den Fernsehturm gezeigt, der ungefähr 17 Kilometer von hier entfernt ist. Und dann, als ich staunend nur ein bisschen weiter nach links geschaut habe, habe ich einen Riesenwohnpark gesehen, der ein bisschen wie eine große Burg aussieht und Wohnraum in 700 Wohnungen bietet.Manchmal braucht es also nur eine kleine Veränderung, um etwas völlig Neues zu sehen und den Focus ebenso zu ändern. Das eine war der Blick auf den Dom, der zur Ehre Gottes gebaut worden ist und sogar aus solcher Entfernung gut zu sehen ist. Und das andere sind die Wohnungen für viele Menschen, die dicht an dicht zusammen oder nebeneinander leben und so verschieden sind, wie Menschen verschieden sein können. Und so, am Fenster stehend, war es mir sehr leicht, dann später die Vesper zu beten und zur Ehre Gottes die Anliegen der Menschen, die man so ahnt, mit ins Gebet zu nehmen.Ein Teil der Tagung ging um den Lobgesang der Kreaturen des Franziskus und dort spiegelt sich, also schon vor mehr als 800 Jahren, diese Gebetsweise wider. Die Geschöpfe werden aufgefordert, unentwegt das Lob Gottes zu singen im Schein von Sonne, Mond und Sternen, im Wesen der Elemente von Feuer, Wasser, Luft und Erde und am Ende auch in den Menschen, die Krankheit ertragen und Drangsal, die vergeben und verzeihen und die den Tod als Schwester begrüßen, die uns am Ende im Empfang nehmen wird, wenn wir unser Leben hier zu Ende gebracht haben. Mit einem aufmerksamen Herzen ist Beten leichter, weil die Themen auf dem Weg, oder wie in meinem Fall, direkt vor dem Fenster ausgebreitet liegen.Also mein Gebet in diesen Morgen mit Dir: Sei gelobt mein Herr mit allen Deinen Geschöpfen. Amen.
Morgens um diese Zeit sind sie immer zu hören. Von überall her erklingt der Gesang der vielen Vögel und ihr freundliches Gezwitscher. Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass unsere Singvögel in der Zeit vor dem Sonnenaufgang besonders aktiv sind? So als würden sie bereits erahnen, dass gleich die Sonne mit ihrem Licht erscheint und dem Tag seine Farbe gibt. Tatsächlich gibt es so etwas wie eine Vogeluhr, so wie wir Menschen auch unsere biologische Uhr haben. Manche Menschen sind Frühaufsteher und werden dann als Lerchentypen bezeichnet und die, die erst im Laufe des Tages wach werden und am Abend zur Hochform auflaufen, nennt man Eulentypen. Die Vogeluhr orientiert sich am Sonnenaufgang. Warum die Vögel morgens vor Sonnenaufgang singen, das hat ganz verschiedene Gründe. Einige wollen mit ihrem Gesang beeindrucken, die Vogelmännchen vor allem die Vogelweibchen. Andere hingegen tun dies vor allem zur Revierabgrenzung. Aber interessant ist, dass nicht alle Vögel gleichzeitig singen. Es gibt eine klare Reihenfolge. Als erstes wird die Nachtigall aktiv, meist schon 1 ½ Stunden vor Sonnenaufgang. Die Amsel beginnt eine Stunde, bevor der Tag anbricht. Zu den letzten Vögeln gehören Star und Buchfink. Warum beeindruckt mich das so? Offensichtlich gibt es auch bei Vögeln klare Regeln oder eine Ordnung der Kommunikation. Wir Menschen reden oft einfach durcheinander, hören gar nicht aufeinander. Und manchmal ist es uns auch einfach egal, was der andere zu sagen hat. Manchmal kommt es mir wie ein unerträgliches Durcheinandersabbeln vor. Vielleicht können wir das von den Vögeln lernen, dass wir nicht einfach durcheinanderreden, sondern zunächst dem anderen zuhören. Das spannende dann ist, wenn wir nicht mit unserem geplanten Beitrag weitermachen, sondern tatsächlich auf die Worte der anderen reagieren. Manches Gespräch läuft dann anders und wird ruhiger und sachlicher. Und nochmal zur Chronobiologie von uns Menschen. Wenn Du ein Lerchentyp bist, geht also das Gebet eher am Morgen und bringt den beginnenden Tag und alles, was so kommen wird vor Gott. Und wenn Du ein Eulentyp bist, dann ist es für Dich einfacher, am Abend zu beten und den Tag vor Gott zu bringen. Tu es, wie es dir entspricht und stimme ein in das unaufhörliche Gebet der Menschen vor Gott. Jeden Tag.
Freiheit erlangen durch Fasten. Freiheit haben – ist das schon Frieden? Oder ist Freiheit die Grundlage für Frieden? Wenn Menschen mir erzählen, dass sie für bestimmte, ganz konkrete Ereignisse beten, dann kann ich das oft nicht verstehen. Was soll Gott denn machen? Er greift einfach nicht pauschal und platt ein. Kann er nicht. Wegen mir. Wegen dir. Wegen uns. Weil er will, dass wir frei sind. Frei sein bedeutet eben immer, die Wahl haben. Aber ich glaube auch, dass Gottes Freiheit, die er mir geschenkt hat, eben mehr ist. Mehr als bloße Entscheidungsfreiheit. Eine Freiheit, die aus Liebe geschenkt ist, weil Gott für mich der Ursprung des Lebens ist. Freiheit, die Liebe und Leben ermöglicht. Das ist eine schwer zu denkende und vielleicht auch eingeschränkte Freiheit. Weil, wenn Gott mich echt liebt, so richtig, keine “situationship”, also eine Beziehung, die man nicht so richtig nach außen als solche zeigen will, weil man verdammt unsicher ist, sondern eine echte Beziehung. Also, wenn das stimmt, dass Gott mich liebt und ich von Anfang an – gewollt, gebraucht und geliebt bin – dann muss Gott seine ganze Macht aufgeben und kann echt nichts tun. Er kann wegen meiner – unserer – Freiheit nicht eingreifen. Ganz egal, wie viel wir beten. Beten ist was ganz anders als Forderungen stellen. Gott kann nichts tun. Wie Eltern oder Patentanten, die zuschauen, wie ihre Kinder Fehler machen, damit sie wachsen können, sich entwickeln und echt leben… Dann kann man manchmal eben nichts tun, als mit dem Pflaster in der Hand im Türrahmen warten. Mit Taschentüchern und einem riesigen Becher voller Eis und Esslöffel am Küchentisch sitzen. Oder eben einfach nur eine Hand halten am Krankenbett… Mehr kann Gott auch nicht mehr tun… wenn er uns echt liebt … aber wie viel mehr kann das sein… als ein blindes Eingreifen und Entscheiden für und über uns… Freiheit durch Fasten? Freiheit durch Pflaster, Taschentücher, Eiscreme und Dasein… Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.
Zeit - Zeitgeist – Zeitverlust – Zeit verschwenden – Zeit verlieren – Zeit haben – Zeit verschenken – Gute, alte Zeit – Nimm dir Zeit und nicht das Leben – sagt meine Mutter oft. Jetzt auch noch Fastenzeit… Es ist doch eh schon eine schwere und unfassbare Zeit … oder geht’s es uns wirklich zu gut? Immerhin wird ja seit längerem darüber geklagt, dass alle nur noch Teilzeit arbeiten wollen, zu wenig arbeiten oder eben zu viel krank sind. Mit den jungen Menschen heute gewinne man eben keinen Krieg mehr. Kommt da die Fastenzeit nicht zur rechten Zeit? Ist Fasten nicht bewusstes Verzichten und die Zeit der Entbehrungen, um wieder Kraft zu tanken? Die Arten zu fasten, werden zahlreicher und immer modernen. Entgiftungskur, Achtsamkeitsübungen, Mediation und Me-Time. Alles nicht mehr peinlich, sondern für die work-life-Balance sogar wichtiger. Nicht nur Burnout, sondern Burnon gegen das Burnout. Aber was dann? - Alles entgiftet, entleert und entlastet. Fasten bedeutet aber dann diese Leere nicht einfach so hinzunehmen. Das wäre doch auch ein trauriges Ziel. Ein leeres Gefäß zu sein. Fasten bedeutet für mich, leer werden, um sich dann mit den Dingen zu fülle, die wirklich guttun, die wirklich wertvoll sind. Die Dinge zu finden, die mehr sind als wir selbst. Damit wir nicht immer um uns selbst drehen. Dinge, die uns unbedingt angehen, die uns wirklich bewegen und eine Begegnung mit dem ermöglichen, was Gott im Christentum ist. Liebe, Leben und Wahrheit. Und ganz besonders eben auch Frieden! Den wir gerade so sehr ersehnen.Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.
Vorgestern war ich hier in einem Gymnasium in der siebten Klasse. Eigentlich wollten sie mich im Mutterhaus besuchen und so ein Kloster mal von innen sehen. Aber aus Zeitgründen, weil der Weg doch nicht ganz so kurz ist, bin ich zu ihnen in die Schule gegangen. In der siebten Klasse sind in Religion die Orden dran und so ist das schon toll, wenn man so eine Ordensfrau live und in Farbe mal anschauen und ausfragen kann. Die Schüler waren richtig gut vorbereitet und um die Scheu zunächst ein bisschen zu nehmen, habe ich von mir und meinem Weg ins Kloster und den vielen folgenden Jahren ein bisschen locker erzählt. Und dann prasselten die Fragen zu ganz vielen Themen. Aber besonders waren es Fragen, die sich die Schüler wahrscheinlich selbst stellen. Wie man mit Schwestern umgeht, die einem unsympathisch sind, ob so ein immer gleicher Tagesablauf nicht irgendwann langweilig wird, welche Hobbys ich habe, wohin ich im Urlaub ins Ausland fahre, wie ich mit dem Smartphone umgehe und ob es dazu Verbote gibt, was wir so kochen und ob wir auch Fastfood essen. Und daraus wird dann sehr bald ein gutes Gespräch und zwischendurch mal, weil es heute in den Klassenräumen auf den elektronischen Tafeln möglich ist, ein Blick in die Stundenbuch-App, um zu zeigen, wie wir was beten. Fast ganz am Schluss fiel einem Jungen auf, dass ich einen goldenen und einen schwarzen Ring trage und was das bedeutet. Beim goldenen Ring wussten noch die meisten, dass es etwas mit einem Bund zu tun hat, wie bei der Hochzeit, und ich konnte ihnen zeigen, dass ein Kreuz eingraviert ist. Und dass dieser Ring bedeutet, bis zum Tod diesen Bund mit Gott und meiner Ordensgemeinschaft treu zu halten. Da ist es ganz still geworden in der Klasse, weil viele schon Erfahrungen gemacht haben, dass solche Gelöbnisse in der Verwandtschaft auch beendet werden und nicht bis zum Tod halten. Und dass der schwarze Ring ein Solidaritätsring mit den Armen im Nordosten Brasiliens ist, das fanden sie echt gut. Nach solch intensiven 90 Minuten hoffe ich immer, dass etwas hängen bleibt bei den jungen Leuten und dass diese Art zu leben, etwas mit der Liebe zu Gott und den Menschen zu tun hat.
Die österliche Bußzeit wird durch zwei große Feste unterbrochen: das Fest des Heiligen Josef und das Fest der Verkündigung des Herrn. Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des Heiligen Josef.Über die Rolle des Heiligen Josef, des Nährvaters Jesu, ist schon immer viel geschrieben und gesagt worden. Weil Menschen Verstehen möchten was das für ein Typ war. - Der mit beiden Beinen in der Realität seiner Zeit steht, als Handwerker seine Passion ausübt und sein Brot verdient, und dann aber so ganz unlogische Sachen macht: - er hört auf seine Träume und glaubt, dass es Gottes Wille ist, seine Verlobte nicht zu verstoßen, sondern sie zu heiraten, obwohl sie ein Kind von einem anderen bekommt- er springt spontan auf, als ihm im Traum der Befehl zur Flucht gegeben wird und er Frau und Kind und das Nötigste zusammenpackt und nach Ägypten aufbricht- er kehrt, wieder auf Weisung eines Traumes, nach Israel zurück und lebt sein normales Handwerkerleben weiter- und er quält sich drei Tage durch Jerusalem um Jesus wiederzufinden, der ihm dann auch noch Vorwürfe macht, warum er ihn denn gesucht habe.Und wir würden gern wissen, was er selbst dazu gesagt hat. Aber in der Bibel steht dazu nicht ein Wort. Da ist also einer, der zum Mitwisser der größten Geheimnisse Gottes wird und er kommentiert es nicht, er lamentiert nicht, er berät sich nicht mit anderen und hält keine Vorträge. Er tut. Seine Berufung ist es, am Werk Gottes für die Menschen mit zu arbeiten. Nicht mehr. Und schon gar nicht weniger. Viele Ordensgemeinschaften stehen unter seinem Patronat, auch wir als Olper Franziskanerinnen. Unsere Gründerin hatte so volles Vertrauen in den heiligen Josef, dass sie ihn in vielen Notlagen und Problemen um seine Hilfe gebeten hat. Darin hat sich ihr ziemlich grenzenloses Gottvertrauen gezeigt. Und aus Dankbarkeit hat sie bestimmt, dass alle Schwestern diesen Namen tragen werden. Ich heiße mit vollem Namen: Schwester Maria Katharina vom heiligen Josef. Das ist also Programm genug: sich engagieren, anpacken und tun.
In vielen Klöstern und Konventen und Häusern von franziskanischen Menschen weltweit, hängt das Kreuz von San Damiano. Es sind Nachbildungen des Originals, das in Santa Chiara in Assisi hängt. Es ist ein Tafelkreuz, wie es das in den Jahren um 1200 in Italien nicht selten gegeben hat. Wir haben diese Art Kreuze in den Zimmern hängen und auf dem Flur und im Wohnzimmer. Und manchmal bleibe ich davor stehen und kann immer wieder Dinge entdecken, die darauf dargestellt sind. Das schwarze Grab hinter den Armen des Gekreuzigten zum Beispiel. Es ist leer und weist unmissverständlich daraufhin, dass der Gekreuzigte nicht mehr darin liegt. In den Evangelien der Ostertage werden wir immer wieder davon hören und ich bekomme ehrlich gesagt, nie genug davon, wenn die Engel sagen: „Was sucht ihr den der lebt, bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“In den schwierigen und zum Teil unmöglichen Situationen, in denen die Welt zurzeit steht, bekomme ich echt die Krise. Ein Präsident, der ein Land bombardieren lässt, einfach so, ohne auf Diplomatie und Menschenrechte zu achten. Ein Wahlverlierer, der komische Forderungen an den Sieger stellt. Eine Kirche, die immer erst nach und nach die Missbrauchsvorwürfe zugibt und immer neu Entsetzen auslöst. Es ist eine Fastenzeit, die mich immer neu herausfordert zu schauen, was kann ich tun, was muss ich ändern, was fordert mich heraus. Und manchmal geht mir da echt auch die Puste aus und ich wünschte mir, Ostern wäre morgen oder spätestens am nächsten Sonntag. Aus dem Buch Jesaja stammt der heutige Lobgesang und heißt: "Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, Denn wie die Erde die Saat wachsen lässt und der Garten die Pflanzen hervorbringt, so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit hervor und Ruhm vor allen Völkern."Und auch diese Verse sind aus Zeiten, in denen Krise auf Krise gefolgt ist und das Volk kaum noch auf Gott und seine Verheißungen hoffen konnte. Aber ein kleiner Teil hat immer weiter geglaubt und vertraut und gehofft. Seien wir heute dieser, vielleicht gar nicht so kleine Teil derer, die ihr Vertrauen auf den Gott setzen, der die Toten aus dem Grab holen und seine Gerechtigkeit vor allen Völkern zeigen wird.
Am Wochenende war eine Gruppe elf bis dreizehnjährige Mädchen mit mir im Mutterhaus zu einem gemeinsamen Erleben in der Fastenzeit. Und dann haben wir unter anderem ein Fastenzeit- und Osterquiz gemacht mit immer drei bis vier Antwortmöglichkeiten. Manches ernsthaft, manches eher witzig, manches religiös und manches auch profan. Und zwei Mädchen waren immer schneller als alle anderen und wussten echt immer fast alles wirklich richtig. Ich war total erstaunt und in der Pause zwischendurch habe ich dann mal gefragt, wieso und woher sie das alles wussten. Na, aus der Schule und von zuhause, war die genauso rasche, fast identische Antwort. Die anderen Mädels, die zum Teil in die gleiche Schule und sogar in die gleiche Klasse gehen, konnten kaum eine Frage beantworten, oder, wenn ich sie animiert habe, doch einfach mal zu tippen, war es meist echt daneben. Mir ist wieder klar geworden, dass Glaubensvermittlung wirklich viel eher zuhause geschieht, oder das zuhause Vermittelte eher in Kopf und Herz bleibt. „Wir machen das doch immer zusammen zuhause oder mit Oma“, sagen die Mädchen: „das Beten, das in die Gottesdienste gehen, am allerliebsten in die Osternacht und die ganzen Sachen mit den Palmsträußen, dem Ostereierfärben, dem Backen und alles, was so dazu gehört.“ Ich hoffe sehr, dass viele Eltern und Großeltern auf dem Schirm haben, dass das so ist und die Dinge, die das liturgische und Kirchenjahreszeitliche Lernen beinhalten, nicht im Alltagsgeschehen untergehen. Beim gemeinsamen Kreuzwegbeten, hinter dem Mutterhaus mit den sehr eindrücklich gestalteten Plastiken, sind dann auch die anderen Teilnehmerinnen aus sich herausgekommen, als es bei jeder Station darum ging, für wen wir, unter dem Eindruck der einzelnen Stationen beten könnten. Da hatte ich zwischendurch Gänsehaut bei den sehr klar formulierten Anliegen und Problemen, die dieser Jesus mit auf seinen Kreuzweg nehmen sollte. „Learning by doing“ heißt es im Englischen: lernen im Tun, ist auch für uns Ältere immer wieder gefragt, damit wir gerade in dieser Fastenzeit nicht vergessen, worum es geht – bei Gott und bei den Menschen.
Heute gibt es eine Zeile aus dem Buch Exodus aus dem Alten Testament. Da heißt es: "Gott sagt: Ihr habt gesehen, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe." Und wenn wir bedenken, dass die Worte Gottes nicht nur damals vor vielen tausend Jahren sondern auch heute an die gerichtet sind, die auf ihn hören, dann werde ich hellhörig.Viele Menschen haben ein ziemlich anstrengendes und mühsames Leben und plagen sich jeden Tag sehr, um sich und ihre Familien über die Runden zu bringen. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen kümmern sich um die Vielen, die in Not sind: um Flüchtlinge und Asylbewerber, um Strafgefangene und Nichtsesshafte, um alle, die durch unser soziales Netz gefallen sind. Und sie wissen oft nicht, wie sie mit der vielen Not klarkommen sollen. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen pflegen ihre kleinen Kinder, ihre chronisch Kranken, körperlich und geistig Behinderten und alten Familienmitglieder zu Hause mit viel Liebe und Einsatz, der sie aber oft bis an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Kraft bringt. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen engagieren sich in ihrer Kirche und müssen immer wieder damit klarkommen, dass alle Sünden und Fehler Einzelner immer allen angelastet werden und auch damit, dass sie als Frauen, als Laien, als Nichtgeweihte wenig Chancen haben, etwas in dieser, ihrer Kirche zu verändern. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Und doch und trotzdem und gerade deshalb gibt es diese Zusage Gottes an Sein Volk: "Ich habe Euch auf Adlerflügeln hierher zu mir getragen. Ihr werdet unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein." Es kann ein Trost, eine Hilfe, eine Motivation sein, wenn ich weiß: In all meiner Mühe und Sorge, in all dem, was mir mein Leben gerade nicht einfach macht, sagt mir Gott zu, dass er in meiner Nähe ist, mich in meinen schwierigen Zeiten nicht verlässt und auf mich achtet, weil ich zu ihm gehöre.
"Der Name der Rose" von Umberto Eco, ein wirklich großartiges Buch, eine Geschichte, die in einem abgelegenen Kloster in Norditalien spielt. Mordfälle, geheimnisvolle Bibliotheken, ein blinder Mönch, der einen besonderen Schatz hütet, ein Buch über die Komödie des Aristoteles. Für Jorge de Burgos, diesen Bibliothekar, ist Freude etwas unglaublich Gefährliches.Heute, am Laetare-Sonntag, soll aber schon ein bisschen österliche Freude in unsere triste Fastenzeit hineinfallen. Das wäre für ihn, für diesen Jorge de Burgos blasphemisch gewesen. Er vergiftet Bücher und will lieber die Freude zerstören, als dass jemand anderer Freude hat. Am Ende brennt die ganze Bibliothek und mit ihr das Kloster. Die beiden anderen Mönche William und Adson entkommen, doch die sorgfältig geplanten menschlichen Strukturen zerfallen.Lacht Gott? Jorge de Burgos hat das bezweifelt. Hier lacht Gott auch nicht. Es ist ein Bild für das, was passiert, wenn Menschen zu eng, zu ängstlich und zu egoistisch planen. Wenn Freude, Humor, Vertrauen und Großzügigkeit fehlen, dann endet menschliches Handeln viel zu oft in Zerstörung. Ganz anders schaut die Geschichte vom Turmbau zu Babel aus. Menschen wollten sich selbst groß machen, einen Namen erlangen, den Himmel stürmen. Sie planten, sie verwirklichten sich selbst und scheiterten. Hier wird sichtbar, dass Gott durchaus Humor hat. Er lässt die Menschen stolpern, weil sie alles zu ernst nehmen, alles allein schaffen wollen und er zeigt auf spielerische Weise, dass die Welt viel größer ist als unsere Pläne.Das Lachen Gottes ist ein Symbol für Freiheit, für Überraschung, für die Möglichkeit, dass aus Fehlern etwas Neues entstehen kann. Darin steckt eine wunderbare Einladung. Wir dürfen planen, handeln und streben. Aber wir sollten immer bereit sein, dass Gottes Wege anders verlaufen, dass Humor, Freude und Unerwartetes Teil des Lebens sind. Wo wir zu engstirnig handeln, kann es zerstörerisch enden. Wo wir offenbleiben, kann selbst das Scheitern zu Wachstum und Neubeginn führen.Der Mensch plant und Gott lacht. Ein Lachen, das nicht spottet, sondern Freude ist, das erinnert, wir sind ein Teil von etwas Größerem und darin liegt Freiheit, Lebendigkeit und gerade nach einem Fall die Chance für Neubeginn. Wie ist das in diesen letzten Wochen der Fastenzeit? Es lohnt sich sicherlich noch einmal einen Blick genau darauf zu werfen. Wo kann ich jetzt neu beginnen? In der Kraft und im Segen Gottes, weil Gott zumindest manches Mal über mich schmunzelt. Auslachen, das tut er natürlich nicht, aber er freut sich mit mir und den Chancen des Neubeginns.
Hier im Domradio in Köln, vielleicht wusstet ihr das noch gar nicht, gibt es unheimlich viele Fans der Fernsehserie Star Trek. Ich bin jetzt selbst nicht so der riesen Fan, aber eine Figur in der alten Serie fand ich immer schon richtig faszinierend und ihr ahnt es schon, es ist Mr. Spock der Vulkanier. Und immer, wenn der auf Menschen und auf andere Lebewesen trifft, dann erhebt er seine Hand in einem merkwürdigen Segensgestus und sagt: „Live long and prosper“, lebe lang und in Frieden.Was viele auch nicht wissen: Dieser Gruß ist eigentlich ein Segen. Leonard Nimoy, der Darsteller von Mr. Spock, kannte ihn aus seiner jüdischen Kindheit. Es ist der aaronitische Segensgestus. Die gespreizte Hand formt den hebräischen Buchstaben Shin, ein Zeichen für einen der Namen Gottes, Shaddai, der Allmächtige. Ein uralter Segen, der seinen Weg in die Popkultur gefunden hat. Und genau diesen Segen hören wir in der Bibel, im Buch Numeri: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr, lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden.“Dieser Buchstabe Shin steht also mehr als nur für ein Zeichen. Er erinnert auch an Shalom, den Frieden, der mehr ist als Ruhe oder Streitlosigkeit. Er erinnert aber auch an Schomer, das hebräische Wort für Hüter, Gott, der uns behütet, der uns schützt, der uns nicht loslässt.Gerade in diesen Frühlingstagen spüren wir vielleicht: Wir brauchen diesen Segen, dass Gott mit uns geht, dass er immer wieder sagt: Ich bin da, ich wache über dich und ich gehe mit dir. Und so können wir diesen Segen von Mr. Spock in unseren Alltag hineintragen, indem wir ihn uns nicht nur von Gott zusprechen lassen, sondern ihn vor allem anderen zusprechen: Du gehst nicht allein, du bist behütet, und über deinem Leben liegt ein Segen.
Manchmal hört und liest man ja in Gottesdiensten oder geistlichen Texten Formulierungen, die kaum noch jemand versteht, weil man die Hintergründe nicht mehr weiß und die Wortwahl sehr fremd und unverständlich klingt.Im Jubiläumsjahr unserer Ordensgemeinschaft 2013, als wir 150 Jahre Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung gefeiert haben, wurde unter anderem ein immerwährender Kalender erstellt und alle Schwestern unserer Gemeinschaft weltweit haben ihn bekommen. Darin haben wir Fotos aus unseren Provinzen in Deutschland, Brasilien, den USA und den Philippinen und alle paar Tage ein Wort, ein Zitat von unserer Gründerin Mutter Maria Theresia Bonzel abgedruckt. Dieser Tage habe ich da gelesen: "Gott hat uns in seinen Dienst genommen. Lasst uns bereitwillige Werkzeuge in seiner Hand sein, damit er uns zu seiner Ehre benutzen kann."Das Wort stammt aus einem ihrer vielen Briefe an die Schwestern. Wenn ich mal von der etwas verstaubten Sprache absehe, wird ihr Denken schon deutlich. Sie ist überzeugt, dass Gott sich Menschen erwählt, damit sie in seinem Namen, an seiner Stelle für ihre Mitmenschen sorgen und sich um die kümmern, die es notwendig brauchen – damals die Waisenkinder und die Kranken. Werkzeug in seiner Hand zu sein klingt in meinen emanzipierten Ohren nicht gerade erstrebenswert und benutzt zu werden als bereitwilliges Werkzeug schon gar nicht. Benutzt mich Gott zu seiner eigenen Ehre?Ich weiß nicht, wie es für Dich klingt. Ich denke, wir müssen solche Sätze in unser heutiges Denken übersetzen. Dann könnte es heißen: "Gott hat jeder und jedem von uns eine Aufgabe in der Welt zugedacht. Jeder Mensch hat dazu so viele Talente und Gaben bekommen, wie er braucht, um zur größeren Ehre Gottes an der Stelle zu beten, zu arbeiten, zu leiden und zu sein, wo Gott uns hingestellt hat, damit Gott geehrt wird durch all unser Tun."So klingt es in meinen Ohren und in meinem kritischen Herzen auch so, dass ich glauben kann, dass ich gemeint bin und vorbehaltlos loslegen kann in all dem, was heute anliegt und auf mein Tun wartet, zur größeren Ehre Gottes.
Überall in den Gärten sieht man die Leute herumwuseln und ihren Garten frühlingsschön machen. Da werden dürre Gräser und Zweige abgeschnitten, die trockenen Blüten vom letzten Jahr und die Wassertriebe an den Bäumen, neue Blumen gepflanzt oder ausgesät und so weiter und so fort. Weil das schöne Wetter einfach lockt und wir Lust haben, draußen zu sein und endlich wieder bunte Blüten zu sehen, die langsam aber sicher überall aufsprießen. Meine Brüder sind Gärtner und von ihnen habe ich gelernt, dass zu warten in diesem frühen Frühling einfach klüger ist. Viele Dinge, die wir jetzt abschneiden, treiben fröhlich neu und wenn dann noch Frost kommt, was hier in der Gegend nicht so selten ist, dann erfrieren die frischen Triebe und alle Mühe war umsonst.Ich gebe gerne zu, dass mir in manchen Situationen das Warten echt schwerfällt. Wir sind in der dritten Woche der Fastenzeit und es ist gefühlt noch ewig hin bis zum Osterfest. Eigentlich wären wir doch schon vorbereitet dafür, oder? Bei der scheinbar langen Zeit der Fastenzeit gerät schon mal aus dem Sinn, worum es in dieser Zeit geht. Im Abschnitt aus dem Lukasevangelium heute gibt es einen sehr prägnanten Schlusssatz: Jesus erklärt den Leuten, die ein Wunder von ihm nicht als göttlich anerkennen wollen und sagt: "Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut." Oh, das ist mehr als deutlich. Es geht nicht nur um freundlich kleine Aktivitäten, damit mein Glaube frisch aufblüht und mein Christsein wach bleibt. Es geht um knallharte Entscheidung für oder gegen Jesus und das, was er vom Reich Gottes verkündet.Für Jesus sein heißt immer auch für die Menschen sein, die Gottes Kinder sind und mit allen, egal wo sie herkommen, welche Religion oder Hautfarbe sie haben, in Frieden zu leben. Und alles und jedes, was dem entgegensteht, das sammelt nicht in Jesu Sinn, sondern zerstreut. Für Jesus sein und mit ihm Menschen für sein Reich gewinnen ist unsere Aufgabe, egal was und wie und wo wir leben und arbeiten. Nicht mehr und auch nicht weniger, damit die Botschaft Jesu immer frisch austreiben kann und keinem Glaubensfrost zum Opfer fällt.
Guten Morgen, kommst Du eigentlich morgens gut aus dem Bett? Das ist ja bei jedem anders: Meine Mitschwestern, die hier in San Damiano mit mir leben, tun sich schwerer als ich. Wenn mein Wecker loslegt, bin ich sofort da und muss mich fast bremsen, nicht ganz so eifrig sofort aus dem Bett zu springen. Auf dem Weg zum Bad höre ich dann einen Wecker aus dem anderen Zimmer, der einen Hahnenschrei imitiert und ich muss lächeln, wie lange der sich bemühen muss, ehe er sein Werk getan hat und seine Kundin wach ist.Der Schrei des Hahnes hat für uns ja eine besondere Bedeutung: Petrus, in seinem ungestümen Eifer für seinen Meister Jesus Christus, beteuert, dass er ihm folgen wird, wohin er auch geht. Und Jesus, der seinen Jünger kennt, kann ganz klar sagen: "Du? bevor der Hahn kräht, wirst Du mich dreimal verleugnen." In einem Hymnus, den ich sehr gern habe, werden wir daran erinnert und es ist gut zu bedenken, dass dieser Hahnenschrei des Petrus auch für mich gültig ist:Der Hahn, des Tages Herold, ruft, der Wächter in der Finsternis.Sein Schrei trennt von der Nacht die Nacht, dem Wanderer zur Nacht ein LichtDa fühlt der Schiffer neue Kraft, des Meeres Brandung sänftigt sich,der Fels der Kirche, Petrus, weint, bereut die Schuld beim Hahnenschrei.So stehet rasch vom Schlafe auf: Der Hahn weckt jeden, der noch träumt.Der Hahn bedrängt, die säumig sind, der Hahn klagt die Verleugner an.Herr, wenn wir fallen, sieh uns an und heile uns durch deinen Blick.Dein Blick löscht Fehl und Sünde aus, in Tränen löst sich unsre Schuld.Du Licht, durchdringe unsern Geist, von unsren Herzen scheuch den Schlaf,dir sei das erste Wort geweiht, dich preise unser Morgenlob. Amen.Aufstehen und neu beginnen. Schuld und Fehler in den Blick nehmen, bekennen, bereuen und bekehren. Die Fastenzeit ruft uns dazu ganz besonders auf.
Bei einer Tagung mit Diakonen und ihren Ehefrauen aus den östlichen Bistümern war ein Programmpunkt ein Besuch in Bautzen in der Oberlausitz. Das ist mittlerweile eine wunderschöne Kleinstadt und sie wirbt sehr schön um Besucher und schreibt: "Die Altstadt von Bautzen steckt voller Geschichten. Kriege, Stadtbrände, Königsparaden oder Strafgerichte – 1.000 Jahre Stadthistorie versprechen jede Menge Anekdoten und Legenden. Lassen Sie sich verzaubern von 1.000 Jahren Geschichte und nutzen Sie die unvergleichliche Gelegenheit für einen Bummel durch die Jahrhunderte!" Das ist die eine Seite dieser schönen Stadt.In den Zeiten von 1933 bis 1989 hatte der Name der Stadt einen solchen Schreckensklang, dass allein diesen Namen zu nennen, Gänsehaut und Angst ausgelöst hat. Gefängnisse und Lager in Bautzen I und II künden von unglaublichen Taten von Menschen an Menschen in den verschiedenen Diktaturen und Zeitläufen. Wir haben das Stasigefängnis mitten in der Stadt besucht und ich hatte ja schon im Vorhinein ein bisschen Angst davor, dieses Gefängnis, diese Geschichten, diese Bilder von politisch Gefangenen und die Filme mit Gesprächen mit Kindern und Enkeln zu hören. Wir wurden immer stiller und konnten uns kaum des Schreckens erwehren, dass nur das Schauen und Hören in uns ausgelöst hat. Aber es ist immer wieder notwendig zu erinnern und das Gedenken wach zu halten, damit das nie wieder passiert in unserem Land. Und dann sind wir noch zu einem besonderen Ort gefahren, einem Friedhof, auf dem durch das Engagement vieler Menschen nach 1990 den verscharrten Toten der Lager ein Ort und für Gedenken und Gesichter und Berichte gegeben worden ist.Mir ist bewusst, dass das hier kein freundlich schöner Morgenimpuls ist. Aber er kann helfen, wach zu bleiben für alles, was nicht gut ist in unserem Alltag und wo es um Menschen und besseres menschliches Miteinander geht. Auf der Tafel vor dem großen Holzkreuz auf diesem Friedhof stehen Worte von Paul Löbe: "Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch Tote zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet Abkehr von Hass, bedeutet Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat Liebe nötig."
Kennst Du Gordana Davkova, Halla Tómasdóttir, Claudia Sheinbaum, Netumbo Nandi-Ndaitwah, Jennifer Simmons, Catherine Connolly, Ilijana Jotowa? Das sind Präsidentinnen ihrer Länder und es gibt viele weitere Ministerpräsidentinnen und Regierungschefinnen weltweit. Warum erzähle ich das?Gestern war der Internationale Frauentag. Als DDR-Kind war und ist mir dieser Tag sehr präsent. Wir haben als Kinder den Tisch gedeckt, die Küche gefegt und Blumen gesucht. Und in den vielen Betrieben, in denen die Frauen den Hauptanteil der Belegschaft ausgemacht haben, gab es ebenso Blumen, und Reden und kleine Präsente. 1975 haben die Vereinten Nationen den 8. März zum "Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden" gemacht und in 27 Ländern ist dieser Tag ein staatlicher Feiertag. Ein paar Zitate von Frauen gefallen mir bis heute sehr gut: "Träume dir dein Leben schön und mach aus diesen Träumen eine Realität."Das sagt zum Beispiel Marie Curie, die Nobelpreisträgerin und PhysikerinUnd Ella Fitzgerald, die begnadete Musikerin und Sängerin gibt den Tipp:"Gib niemals auf, für das zu kämpfen, was du tun willst. Wo Leidenschaft und Inspiration ist, kann man nicht falsch liegen.""Wir können nicht erfolgreich sein, wenn die Hälfte von uns zurückgehalten wird."sagt Malala Yousafzai, Friedensnobelpreisträgerin und Kinderrechtsaktivistin aus Pakistan und meint ihren Staat und ihre Gesellschaft.Und Nancy Pelosi, die ehemalige Sprecherin des US-Repräsentantenhauses stellt fest:"Ich will, dass Frauen ihre Macht erkennen und wertschätzen. Sie müssen verstehen, dass nichts der Politik so gutgetan hat, wie mehr weiblicher Einfluss."Alle diese Zitate und Tipps tun uns auch als Frauen in der Kirche gut und es ist gut, weiterhin darüber nachzudenken und in die Zukunft zu tragen, damit Frauen nicht weiter die Kirche in Scharen verlassen, sondern teilhaben werden an allen Diensten und Ämtern in der Kirche.
Augen zu und durch! Aber dann bin ich selbst mit Blindheit geschlagen. Dann mache ich etwas, was ich nicht will, weil ich muss. Ich wollte mir mal die Augen lasern lassen. Aber da geht das nicht mit Augen zu und durch. Da muss man sehenden Auges, diese Prozedur aushalten. Und ich habe mal gehört - es stinkt. Fastenzeit ist für mich kein Aushalten mehr von unangenehmen selbst auferlegten Regeln. Die alle mit Essen und Trinken zu tun haben. Nein, ich will da genau das Gegenteil einüben. Nämlich: Augen auf! Augen auf für das, was mir wichtig ist. Augen auf, auch wenn es unangenehm wird. Ich will die Blindheit meiner Zeit abschütteln. Die Babbel, die Blase, in der ich um mich selbst kreise, die will ich aufpicken oder mir dieser Blindheit zumindest bewusst werden. Die eigene Blindheit sehen. Geht das? Vielleicht braucht man dazu eben dann doch einen guten Anstoß von außen. Etwas oder jemanden, der einem die Augen öffnet. Gott kann das sein. Der Augenöffner – wie Jesus in den Wundererzählungen – und dann werden wir zu Staunenden. Aber ich will das gar nicht so mit Wow-Effekt. Eher so, wie wenn man einen Horrorfilm guckt und sich schnell die Hände vors Gesicht schlägt und doch durch die Finger schaut. Ganz vorsichtig. Dann stelle ich mir vor, dass Gott sanft hinter mir ist und mir ins Ohr flüstert. "Ja ist gruselig, aber schau hin, trau dich, öffne trotzdem vorsichtig die Augen. Du bist bei mir. Du bist in Sicherheit." Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.
Meine Fastenzeit ist irgendwie jedes Jahr vom Scheitern geprägt. Sogar zum Scheitern verurteilt? Na wunderbar. Ich schmeiß hin. Obwohl … Rückschritte bedeuten ja nicht direkt Scheitern. Und ein Schritt zurück kann ja auch eine Chance sein, um Anlauf zu nehmen. Aber ich schaffe es einfach nicht, mich vom Süßigkeiten Schrank fernzuhalten. Manchmal merke ich sogar erst, wenn es zu spät ist, dass ich doch / was Süßes gegessen hab. Besondern auf der Arbeit, wenn es stressig wird … dann habe ich das Papierschen noch verräterisch in der Hand und fühle mich sofort schlechter. Versagerin. Gescheitert. Oder? Schritt zurück? Anlauf nehmen? Ziele sollen SMART sein. Also spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Was ist denn wirklich realistisch / für mich und als Christin sogar attraktiv? Will Gott, dass ich abnehme oder kein Diabetes bekomme? Ich will mir nicht mehr 40 Tage vornehmen. Ich ändre schon einmal den Zeitraum, dann wird’s auch realistischer. Mein Ziel für heute, was für mich heute machbar und realistisch ist, ist einfach zuhören, hinhören oder nur hören. Ich habe die Woche viel gesprochen, da wäre das ein attraktives Ziel für mich und meine Umgebung. Das mach ich, das schaffe ich und damit kann ich dann ohne schlechtes Gewissen zum Süßigkeiten Schrank greifen, weil es um etwas viel Attraktiveres geht. Im Hören, Zuhören, Lauschen, Horchen, da kann ich meinen Mitmenschen begegnen, echt Dasein an diesem Wochenende, und wer weiß, vielleicht ist da auch Gott. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.



