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Zettel und Zeilen

Author: Kerim Mallée

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Vertonte Gedichte und Kurzgeschichten.
32 Episodes
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In meinen Lungen warten noch so viele Worte,  die wichtig sind auf ihren Auftritt, Doch das Zugfenster zwischen  uns lässt nur Lippenbewegungen zu. So zufrieden wie nie und gleichzeitig  hätte ich von allem,  gerne noch mehr gehabt. Noch eine Zigarette am  Küchentisch vor dem  Schlafengehen. Noch einmal jede deiner Bewegungen  in der zu engen Badewanne spüren,  während das Plätschern des Wassers  von den Badezimmer-Kacheln hallt. Noch einmal dein verschlafenes Gesicht  nach dem Aufwachen sehen  und nicht sicher sein,  ob du im Schlaf sprichst,  oder bereits mit mir. Noch einmal spüren,  wie sich unsere Hände in meiner  Manteltasche  berühren, während der Schnee unter  unseren Schuhen knirscht und  Hundegebell übers Feld klingt. Noch einmal auf den Lehnen einer Parkbank  sitzen, weil die Sitzfläche selbst  voller Eis ist. Eine Woche, war so lang  und viel zu kurz zu gleich. Dein Lächeln fühlt sich an wie Trost,  deine Arme wie ein Heim. Meine Schultern schmerzen weniger von dem Gepäck,  das ich mitnehme und mehr von dem,  das ich zurücklasse. Ich versuche mir vorzustellen,  wie ich deine Hand wieder halte,  diesmal nicht in einer Manteltasche,  weil es dann wärmer ist und der Wind sich  mehr nach Lachen anfühlt, als nach Winter  und nach Sonnencreme und Sommer riecht.  
Gedanken, so verschwommen Wie weiße Hunde in sibirischem Schnee. Die Luft undurchsichtig vom Regen,  der die Nähe meines Körpers sucht, Wie Meteoriten den Einschlag: Ein stürmisches Spiegelbild  der Unruhe in meinem Kopf. Und zwischen der Unruhe,  Inseln der Konzentration: Deine Haut, die die Kälte fernhält, Wie ein Feuer am Waldrand. Mein Bewusstsein, das mit allen Sinnen  Nach dir tastet, wie mit unterschiedlichen Händen, Wie nach Bedeutung mit unterschiedlichen Sprachen, Nach schlichten Wahrheiten, wie dem Moos Auf den Küstenfelsen und dem Gras auf den Dünen, Dem salzigen Wind, der deine Worte, Jedoch nicht dein Lächeln verschluckt, Während deine Füße unter den hochgekrempelten Hosenbeinen, Zentimeter tief im Watt versinken. 
Lampenfieber

Lampenfieber

2020-12-1101:01

Eine kurze Vorstellung bis die Scheinwerfer  des vorbeifahrenden Wagens,  mich für Momente blind  in die Nacht entlassen. Aus dem Lärm des Sturmes, in die Stille unter den Wellen. in die Stille,  in der Entscheidungen entstehen, wie es anderswo Gefühle tun.  wie es anderswo Gedichte tun. Die ein bereits zum Scheitern  verurteilter, doch gerade deshalb schöner,  Versuch sind, die verletzliche Oberfläche  der Wahrheit zu enthüllen, auf eine Art, wie es die  zögerliche Sprache  eigentlich nicht kann: konsequent wie es Autoscheinwerfer  tun: zu hell, als dass,  Augen es sehen könnten und zu schnell,  als dass es irgendwer verstünde.
Ehe vom Tag ein blasses Rosa bleibt, Ehe der ausblutende Himmel blaugrau und Dann Dunkel wird: Die letzte richtige Glut des Jahres, Die im gleichen Rot schimmert, Wie jene Fragmente von Tagen, Als die Sommersonne hinter den nur leicht Geschlossenen Lidern Leuchtete. Und diese Ähnlichkeit, Spannt eine Brücke aus Assoziationen über die Zeit, Zu den verschwommenen Umrissen, Eines nur wenig jüngeren, Doch so ganz anderen Selbsts, Die man wie ein unscheinbares Fossil Am Straßenrand aufliest, In der Klarheit eines fragilen Moments. Ehe der Tag in sich zusammenstürzt, Weil der Himmel zu leicht ist, ihn zu halten, Und die Straßenlaternen, Welten mit viel kleinerem Radius auf das Pflaster zeichnen, So, dass zwischen Schritten, Kontinente liegen.
Zeit verstehen können nur die Uhren,  doch dem Menschen ist sie fremd, der sich in ihr bewegt wie auf einem Jahrmarkt: Der Abend ist jung, alles ist einfach. Aber was deutlich war, verschwimmt zu Einer Welt im Vorübergehen. Zuckerwatte knistert lauter  als Auto-Scooter zusammenstoßen  und  Gebrannte Mandeln, die nach Karamell schmecken, Lebkuchen, der nach Honig riecht, Sägespäne, die unter den Schuhsohlen wispern, das alles ist eins und doch für sich, so wie das Gefühl,  dass es in den nächsten Tagen noch regnen wird. Erleichterung für unsere Seelen die vor den Küsten in der Luft baumeln,  dort mit den Triebwerken der Flugzeuge tanzen. Die Welt nimmt unsere Farbe an,  unseren Geruch und unseren Klang  und wo die Wellen an den Küsten brechen  finden sich im Rauschen unsere Stimmen. Die unverständliche Zeit ist alles was wir haben und der Himmel, der an Regentagen blutet, damit wir nicht in ihm ertrinken.
Die Märchen die, die Henker dieser Stadt ihren Kindern vor dem Schlafen vorlesen, Sind die gleichen wie die von allen Eltern. Die von glücklichen Ehen und absoluter Autorität. Die, dass Eltern irgendetwas anderes wären, Als fehlbare, sterbliche, gewöhnliche Menschen, Die am Ende selbst vorm Henker stehen. Dass du dein Glück schon in den Händen hältst, Wenn du nur hart genug daran arbeitest. Dass wir in einer Welt lebten, In der wir alle gleich sind. Glückliche Familien sind alle gleich. Aber hinter verschlossenen Türen Ist dieses Glück ein fragiles Gut. Und dennoch gibt es so etwas wie vollkommene Tage. Ich denke an die Möglichkeiten. Ich denke an die Welt da draußen: An Fledermäuse, die sich an Kakteen hängen, wie Vorhänge an die Fenster in unserem Schlafzimmer. Mein Lächeln gilt dem nächsten Tag. Auch wenn es Tage, Wochen dauert. Selbst heiße Wüstenluft ist frisch, Wenn sie beim Steigen nicht an Zimmerdecken stößt. Kerim Mallée
Zeit ist launisch, Wankelmütig und auch sprunghaft. Sie schleicht, versteckt sich und verschwindet, Verweilt und begegnet uns von neuem. Ich fand meine alten Tagebücher Und ich fand mich im Gespräch, Mit einem jüngeren Selbst. All die Veränderungen die ich übersah, Weil sie schleichend stattfanden, Nicht sprunghaft, Waren deutlich, denn es war, Als wär’ ich selbst in der Zeit zurückgesprungen. Einsamkeit ist keine Folge räumlicher Entfernung, Sondern ein Produkt der Zeit. Wir vermissen Menschen nicht, Weil sie weiter von uns entfernt sind als andere, Sondern weil sie jetzt nicht da sind, wo wir sind. Ich schließe wieder Freundschaft mit einem fremden Gestern und finde meine Worte dort stehen, wo ich sie zuletzt verließ. Diese Bücher sind eine Welt im kleinen, Die schnell riesig wird, Weil man sich in ihr auf Zehenspitzen bewegt, So seltsam darin geht, wie in einem neuen Paar Schuhe, Oder wie die pinken Flamingos durchs blaue Wasser schreiten, Und sich gleichzeitig so vertraut fühlt, Wie beim Gedanken an einen lieben Menschen, Wie bei Regentropfen auf der Haut und der Frischen Luft, die einen Raum flutet. Kerim Mallée
Durch die offenen Fenster dringt die kühle Luft des Tages nach dem Regen, darin klingt der Verkehrslärm sanfter und freundlicher. Statt dem trockenen Staub der Baustellen, von dem sonst am Ende der Woche die Fenster wieder trübe sind, steigt der butterweiche Geruch von Löwenzahn herauf, der in den Bordsteinfugen und den winzigen Grünflächen am Straßenrand, den Regentau im Wind abschüttelt. Rechts: Der Weg zum Wald, wo die Geräusche schwächer, aber der Duft des Regens stärker wird. Links: Die Straßenbahn-Station ins Herz der Stadt, das vorübergehend leise schlägt, doch schlägt. Und wenn man die Straße überquert, den Hügel hinabgeht, dann kommt man zum Bahnhof, wo Züge warten, wie ein versprochenes Wiedersehen mit Freunden, deren Lachen irgendwann wieder so deutlich klingen wird, wie jetzt das Geräusch der abfahrenden Straßenbahn. Kerim Mallée
Der Gedanke ans Meer ist mir ein Trost: Irgendwann wieder barfuß, mit hochgekrempelten Hosenbeinen Durchs kühle Watt zu stapfen. Dabei die Socken trocken in den Schuhen wissend, dort wo die Wellen noch nicht dunkel den Sand geglättet haben. Die Luft riecht salzig und nach Algen, in meinen Ohren ab und an ein Möwenschrei, Klebriger Sand an meinen Füßen und auf der Haut der raue Wind. Unsichtbar in der Ferne: Strände fremder Küsten, an denen Menschen gehen, die Dänisch oder Englisch sprechen, doch was ich gerade fühle, haargenau verstehen. Kerim Mallée
Tinte ist gnädig

Tinte ist gnädig

2020-04-2701:47

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Ein sehr langer Begriff, um die Grundproblematik meines Alltags auszudrücken: Mein Stoffwechsel baut Dopamin schneller ab, Als bei anderen Menschen. Ohne Medikamente geht mir bei den meisten Tätigkeiten, Auf halber Strecke der Sprit aus. Medikamente helfen zu funktionieren. Das Schreiben hilft mir auch dabei. Papier ist gnädig, es erinnert leichter. Die Worte verschwinden nicht, nur weil du kurz an Etwas anderes denkst. Jedes geschriebene Wort ist wie ein weiterer Haken, Den man in die Felswand klopft an der man mühselig entlang Kraxelt. Wie ein weiterer Schützengraben, Den man ins Niemandsland schaufelt, Hinter dem für mich der Wunsch liegt, Noch mehr und noch weiterzuschreiben. Also habe ich geschrieben, Ich habe das Blut vergifteter Gedanken, Aufs Papier tropfen lassen, um es von meiner Seele fernzuhalten. Wie passend, dass Tinte ebenfalls in Patronen kommt. Sie ist keine gewöhnliche Flüssigkeit: Dunkel und undurchsichtig, aber vermag es, Klarheit zu schaffen. Und was auf dem Papier wächst, blüht schöner, Als es in Vasen jemals blühen könnte. Kerim Mallée
Déjà-vu

Déjà-vu

2020-03-2401:24

Es ist lange her, aber jetzt fühle ich mich wieder als wäre ich selbst. Vertraut in meiner Haut. Auch wenn ich mich in manchen Nächten, Immer noch genervt von einer Seite auf die andere drehe, Ähnelt der Abdruck in der Matratze nun mehr einem Menschen, Als einem Schneeengel.  Die gestrichelten Linien an den Umrissen meines Ichs sind nun dichter. Wenn auch nicht komplett durchgezogen, Ich bin noch ohne Plan, aber mit Hoffnung, Auf Gutes, das da kommt. Das muss fürs Erste reichen. Manchmal kriegen wir nicht heraus, was wir sagen müssen, obwohl wir es wissen, weil unsere Zunge in Schlafparalyse verfällt. Weil, so bescheuert es klingt, Gut Ding eben doch Weile braucht. Nicht alle Lieder wollen gesungen werden. Manche sind leise und verstecken sich im Detail. Sie warten in der Luft zukünftiger Sommertage und in den Poren deiner Haut. Sie warten im Äther und im Knistern alter Transistor-Radios. Ein Flüstern irgendwo zwischen dem Rauschen der kosmischen Hintergrundstrahlung. Aber wenn du sie hörst, dann ist es immer wie ein Déjà-vu. Kerim Mallée
Auf lange Sicht gesehen, war Traurigkeit immer nur ein kurzer Gast. Man hat sie alle verkraftet und nicht verkraftet zugleich: Die falschen und die richtigen Menschen, Da man sich hauptsächlich ins Chaos verguckt hat Und selbst das Chaos war. Weil einem der eine Tropfen Blut im Haifischbecken notwendig schien, Aus den gleichen aberwitzigen Gründen Aus denen man Korean Hot Sauce oder Tabasco auf Pizza träufelt: Weil man a) die verrücktesten Sachen beizeiten für sinnvoll hält, b) nicht ganz nüchtern ist Und c) seinem Bauchgefühl folgt. Doch auch wenn die Mischverhältnisse immer noch Kraut und Rüben sind, Fühlen sich die Zutaten zur Zufriedenheit richtig an: Neugier, Feindschaft bis in den Tod mit dem verfickten Perfektionismus Und Freunde, Die dich lieben, Bullshit aber auch beim Namen nennen. Kerim Mallée
Wenn Brustkörbe Zellen und Rippen Gitterstäbe sind, Ist deine Stimme ein Fluchtversuch, Deine Worte ein Labyrinth und du mehr als manchmal ein Rätsel für mich. Es ist neblig und die Fahrbahn in die Freiheit ist Sowieso schon schwer genug zu erkennen, Auch ohne die Stimmen all der Teufel Und Götter, die sich auf der Rückbank Streiten wie Kinder. Wir sitzen am Pier, die Handflächen auf dem feuchten kalten Holz. Kein Stern ist zu sehen und wir schauen den Booten zu, wie sie wenige Meter vor uns im Nebel verschwinden. Wir wollten die Welt sehen, Das Meer könnte ebenso gut ein See sein, Wäre da nicht der Salzgeruch. Freudlos sind wir, laut und können schreien. Doch heute schließt du deine Lippen, wie ein Buch seine Seiten, denn manchmal reicht es Gerade nur für ein Schweigen. Kerim Mallée
Irgendwo im Innern

Irgendwo im Innern

2020-02-0301:33

Während ich von den Geistern all der Menschen zehre, Zu denen ich nie wurde, Ziehst du mit deinem Blick Messer aus meinem Fleisch Und verschließt Wunden, wo Stahl zu Leere wird. Meine Gedanken sind irgendwo. Nicht hier bei dir, obwohl sie dort sein sollten, Obwohl sie dort sein wollen, Obwohl sich mein Körper so fühlt, Als wäre er endlich am Ziel. Doch meine Konzentration ist irgendwo auf der Strecke geblieben. Ich habe Angst vorm Sterben, Denn wenn schlagende Herzen nicht mehr sind, Bleiben nur noch die Geister schlechter Absichten, Die von einer Wolke zur anderen schleichen, Damit man sie vor dem blauen Rundbogen des Himmels Nicht sieht. Reservisten hinter den blinden Flecken in meinem Sichtfeld Und ich habe Angst. Das Wasser ist unruhig und kleine Wellen Umkreisen deine Finger. Obwohl ich noch nicht gehen muss, Sind meine Gedanken bereits fort. Hinter uns, Über uns, Vor uns steht die Stadt in Flammen, Wie wir es immer wollten Und auch der Boden ist schon warm. Wir sind bereits ganz woanders und Immer noch ein bisschen hier. Kerim Mallée
Brachland

Brachland

2020-01-2800:45

Wir gruben deine Asche im Brachland aus. Zerstreuten sie in den Kalkwäldern und Zigeunerstädten. In der heißen Wüste deiner Zweifel, waren die Dünen auf die wir kletterten um den Horizont zu sehen, scharf wie Dolche. Doch bevor deine zögerliche Stimme, die Entschlossenheit deiner Augen sabotierte, in denen sich der Mond spiegelte, während wir die Lügen der Götter auf den schwarzen Wimpern des Himmels aufspießten, gruben wir dich im Brachland aus. Und wo wir die Asche verstreuten, wuchs das Korn schneller, während der Sommer wie Regentropfen in tausend Kupferwannen roch und klang und nach Wacholder schmeckte. Kerim Mallée
Wir feiern unser größtes Fest, in einer Wüste aus Glassplittern. Noch einmal scheinen, noch einmal glänzen. Die Zunge wird zum Geigenbogen und spielt ein letztes Lied, bevor wir für immer schweigen. Du strahlst zwischen deinen Schrammen. Lachst als wäre Schmerz nicht existent. Du benutzt dein Blut als Lippenstift und siehst so schön aus wie noch nie. Du tanzt. Wie leuchtende Sternschnuppen über den Nachthimmel. Noch einmal scheinen, noch einmal glänzen. So hell, dass die ganze Welt es sieht. Kerim Mallée
In dieser Stadt

In dieser Stadt

2020-01-2602:40

Die Zeit einzuschätzen, war einfacher Als man noch geraucht hat. Als die plattgetretenen Filter und Stummel auf Dem Boden Zeugnis ablegten, Darüber wo und wie lange man wartete. Vielleicht darauf, Dass die Tage einander wichen, Weil der Kalender an der Wand, Letzten Endes auch nur eine ToDo-Liste mit 365 Feldern ist. — So wie die abgebrannten Stummel im Gleisbett, Zeugnis darüber ablegen, wieviele Züge Es dauert, bis zu dem einen, Mit dem man geht und der nie pünktlich ist, In dieser Stadt. Ein paar mal im Jahr kommt man noch zurück, Aber nur, um bald schon wieder genug zu haben. Man begutachtet den Ort, an dem man aufwuchs Und stellt fest, dass man ihm immer mehr entwächst, Wie einem Nimmerland ohne Piraten und Krokodile. Wie einem zerlaufenen Paar Schuhe, Das längst nicht mehr bequem ist. Anfangs hat man noch gedacht, die Vergangenheit wäre Wichtig, aber Vergangenheit ist Vergangenheit Und die verschwindet nicht, Nur weil man selbst es tut. Die Freunde, die es seit damals noch gibt, Die hat man immer noch, Doch damit hat die Stadt nichts zu tun. Die Freunde, die man aus den Augen verlor, Sind jetzt irgendwo, Doch damit hat diese Stadt nichts zu tun. Diese Städte und Dörfer, sind allesamt ein Sammelsurium an Hinterlassenschaften: Vom Kirchturm, über die Straßennamen, Dem alten Kino an der Ecke, Das heute eine Kneipe ist— Bis zu den Menschen in diesem Gebäude, Die nach der letzten Vorstellung zu lange auf ihren Sitzen verweilten und mit dem Fundament verwuchsen. Es war gut fortzugehen, Das ist der eine Punkt, Wo man wirklich das tun sollte, Was alle tun. Denn die Uhr dreht sich weiter, Auch wenn man stehen bleibt. Auch die Züge, obwohl sie immer zu spät kommen in dieser Stadt, Halten nicht lange und Das schlimmste wäre, Immer noch hier zu sein, Wenn man gehen muss. Selbst zu einer Hinterlassenschaft zu werden, In Stillstand zu verharren, Dass sogar der Staub schneller ist Und die Fugen schließt, Zwischen der Nostalgie mit der man eingemauert ist: Wie die Zigarettenreste im Gleisbett Und die Gespenster in den Kinosälen. An die man nur denkt, Wenn der Zug eben schon wieder zu spät ist Und man jetzt beim Warten nicht mehr raucht, Weil man es aufgegeben hat, Wie auch eigentlich das Warten, Bevor es zur Gewohnheit wurde. Kerim Mallée
Bad Days

Bad Days

2020-01-2501:53

Manche Tage sind nicht gut Und es ist nicht deine Schuld, Wenn du im Moment fürs erste keine Hoffnung findest. Zwischen den Sternen und den Supernovae, Leuchten Glühwürmchen, deren Flügel Unbemerkt verkokeln. Heute warst du bereit, Dir anzuhören, was die Welt von dir Fordert und ihr alle Wünsche von Den Lippen abzulesen. Aber schäumende Tollwut hat ihre Schrift verdeckt. Jemand fragt, Wie es dir geht. “Gut.”, Sagst du. Aber was du eigentlich meinst, ist: “Nimm mich mit an einen besseren Ort.” Du verstehst, warum Menschen rauchen. Stellst dir vor, Wie etwas so beruhigend ist, dass Sogar die Sorge um den Krebs dadurch schwindet. Heute ist kein Tag wie alle anderen, Eher einer wie wenige bisher: Nicht unbekannt, aber gewöhnt hast du Dich an solche Tage immer noch nicht. Ein Tag, schwieriger und schlimmer als andere, Aber, dass die Erfahrung nicht komplett neu ist, Ist ein Denkmal für deine Stärke und deinen Willen, Nicht das Handtuch zu werfen. Und mit dem Erinnern kommt die Ahnung, Dass für alles Durchhalten und alles was irgendwie geklappt Hat, Die ganzen Szenarien im Raum standen, Wie es hätte anders kommen können. In so einer Situation ist es schwer, Auf Fortuna und dich selbst zu vertrauen, Aber genau dann hängst du mehr denn je von beiden ab Und das Beunruhigende an diesem Gedanken ist, Wie vage er sich anfühlt. Kerim Mallée Website Facebook Instagram Twitter Tumblr
Rasierklingenballet

Rasierklingenballet

2020-01-2200:50

Ihre Schminke färbt die Tränen schwarz und sie malt damit ein Aquarell. Granat bröckelt ihre Wangen hinab, unter Augen aus gerissenem Obsidian. Ihre Zunge wird zum Schwert, damit werden Löcher in die Luft gespießt, die sie so zum Schwingen bringt, ein schrilles Pfeifen formt, das kleine, scharfe Schnitte auf mir hinterlässt. Wir sind Tänzer im Rasierklingenballet, begleitet vom Tinitusorchester und wenn der Vorhang fällt, ist Schweigen der Applaus. Kerim Mallée Website Facebook Instagram Twitter Tumblr
Glücksdrachen

Glücksdrachen

2020-01-2100:54

Du bist ein Werk, an Worten ewig und groß begonnen. Worte, endlos schon im Anfang. Worte zum Erzählen einer unendlichen Geschichte. Worte die man nur mit der Art von Schmetterlingsnetz einfangen kann, mit der deine Wimpern das Sonnenlicht einfangen. Mit deiner Stimme, stellst du Bilder vor den Himmel und erbaust so Welten, in meinem Kopf. Es ist ein Fallen, von Nähe zu Nähe, weil du in mir bist und mich trägst, weil die Worte die in mir, deinetwegen wachsen, Flügel sind. Ein Fallen, von Nähe zu Nähe, als würde man den Boden immer bei sich tragen. So fliegt man auf Glücksdrachen. Kerim Mallée Website Facebook Instagram Twitter Tumblr
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