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Author: Michael Perkampus

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POEM überschreitet die Grenzen der Konvention. Michael Perkampus ist ganz ohne Zweifel einer der rätselhaftesten gegenwärtigen Dichter deutscher Sprache. Mit diesem Podcast präsentiert er ein Langgedicht, das wie eine offene Partitur angelegt ist und auf das bisher unveröffentlichte "Possenspiel" zurückgeht. Begonnen wurde das Spektakel im Jahre 2014, und es war keine Geringere als Friederike Mayröcker, die dem Dichter riet, mit seiner Arbeit fortzufahren.
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Einst kannte ich mein Gesicht, nicht aber seinen Umfang. Ich kannte auch die Farbe meiner Augen; insofern sei gesagt, dass ich durchaus einmal daran glaubte, die Welt sei erschaffen worden und sie beträte mich durch meine Poren, doch – – Gerüchte ziehen durch das Land. Bodennah kriecht der feuchte Dunst, der von den Zungen platscht, über die Felder, und damit verderben sie dem Morgen die Schönheit der aufgehenden Sonne. Die Waldlaubsänger sirren in den frisch mit Tau bezogenen Baumbetten mit dem Zwielicht um die Wette, flappen um ihre Koje herum, bringen ihre Hymnen den Würmern dar, den großen Ernährern, die aus der Erde ragen, dem Humus, dem Sand. Fressen oder gefressen werden.
Welcher Sinn lag hinter dem Murmeln, das Bäche simulieren wollte?
74: Die Reise

74: Die Reise

2023-08-0601:02

Die Reise beginnt. Wir sehen aus dem Fenster, die Erde rast vorbei.
So viele Räume, die er sich noch nicht angesehen hatte, weil er keine Zeit dafür erübrigen konnte, in fremnde Vergangenheiten einzudringen, die er nicht selbst zu wählen imstande war. Manchmal war er neugierig auf das, was ihm dort begegnen könnte, meistens kannte er die dunklen und schlammbespritzten Seelenhaine jedoch schon längst und er wollte nicht entdeckt werden. Je länger die Geister nichts von seinem Aufenthalt in diesem gebäude wussten, desto weniger bestand die Gefahr, sich ein neues Versteck suchen zu müssen.
72: Monstra sunt

72: Monstra sunt

2023-08-0401:01

POEM überschreitet die Grenzen der Konvention. Michael Perkampus ist ganz ohne Zweifel einer der rätselhaftesten gegenwärtigen Dichter deutscher Sprache. Mit diesem Podcast präsentiert er ein Langgedicht, das wie eine offene Partitur angelegt ist und auf das bisher unveröffentlichte "Possenspiel" zurückgeht. Begonnen wurde das Spektakel im Jahre 2014, und es war keine Geringere als Friederike Mayröcker, die dem Dichter riet, mit seiner Arbeit fortzufahren.
POEM überschreitet die Grenzen der Konvention. Michael Perkampus ist ganz ohne Zweifel einer der rätselhaftesten gegenwärtigen Dichter deutscher Sprache. Mit diesem Podcast präsentiert er ein Langgedicht, das wie eine offene Partitur angelegt ist und auf das bisher unveröffentlichte "Possenspiel" zurückgeht. Begonnen wurde das Spektakel im Jahre 2014, und es war keine Geringere als Friederike Mayröcker, die dem Dichter riet, mit seiner Arbeit fortzufahren.
70: Steinerner Garten

70: Steinerner Garten

2023-08-0201:14

POEM überschreitet die Grenzen der Konvention. Michael Perkampus ist ganz ohne Zweifel einer der rätselhaftesten gegenwärtigen Dichter deutscher Sprache. Mit diesem Podcast präsentiert er ein Langgedicht, das wie eine offene Partitur angelegt ist und auf das bisher unveröffentlichte "Possenspiel" zurückgeht. Begonnen wurde das Spektakel im Jahre 2014, und es war keine Geringere als Friederike Mayröcker, die dem Dichter riet, mit seiner Arbeit fortzufahren.
69: Voluntas

69: Voluntas

2023-08-0101:18

POEM überschreitet die Grenzen der Konvention. Michael Perkampus ist ganz ohne Zweifel einer der rätselhaftesten gegenwärtigen Dichter deutscher Sprache. Mit diesem Podcast präsentiert er ein Langgedicht, das wie eine offene Partitur angelegt ist und auf das bisher unveröffentlichte "Possenspiel" zurückgeht. Begonnen wurde das Spektakel im Jahre 2014, und es war keine Geringere als Friederike Mayröcker, die dem Dichter riet, mit seiner Arbeit fortzufahren.
68: Wayward

68: Wayward

2023-07-3100:44

POEM überschreitet die Grenzen der Konvention. Michael Perkampus ist ganz ohne Zweifel einer der rätselhaftesten gegenwärtigen Dichter deutscher Sprache. Mit diesem Podcast präsentiert er ein Langgedicht, das wie eine offene Partitur angelegt ist und auf das bisher unveröffentlichte "Possenspiel" zurückgeht. Begonnen wurde das Spektakel im Jahre 2014, und es war keine Geringere als Friederike Mayröcker, die dem Dichter riet, mit seiner Arbeit fortzufahren.
Im Traum wäre ich auch nur derjenige gewesen, der etwas träumt. Ich erwache ja kaum, Fluten um mich, wann sind einmal keine Fluten um mich? Schwarzes, schwappendes Wasser, warm in Form und Masse, das Urmeer vor der Geburt, vor dem Abstoßen des angerichteten Fötus, frisch abgeschwartet, mit Rouladennadeln verschlossen. Deshalb bade ich gerne. Körpertemperatur und heißer, fieberheiß etwa, der Dampf soll mir die Schweißperlen abflauen, soll mich aufweichen, zu Schaum werden lassen, Spuma; was für Metaphern fallen mir ein? Gebärbadewanne, Verstopfung, Abfluß, Ausfluß.
Ich will dich ja fangen, aber du nimmst nicht Reißaus.
65: Nekyia

65: Nekyia

2023-07-2802:14

Tausend Jahre der Nacht. Die Sonne ist nicht mehr zu sehen. In dieser stahldunklen Umgebung wird alles zu Stein; die Sinne der Menschen und Tiere mutieren. Die Ultraschalljäger dominieren. Licht wird künstlich hergestellt.
Andere originelle Teile schwebten herbei; choreografiert (hohes Maß an Step 1, Step 2) aufgemalte Schritte, Gold=Step Silber=Step (Vaslav Nijinsky tanzt einen Faun, übergibt sich erst später hinter der Bühne in das Costume der ihm schwanenden Kollegin, Pirouettchen Pinimini. Während die Kotze zu einer Giraffe verläuft, züngelt ihr Sopran heroisch
63: Erdmale

63: Erdmale

2023-07-2601:00

für Friederike Mayröcker So bleibt die Himmelsrichtung sichtbar. Eine Straße, die sich einen Zenit leistet, oder schiebt Gondeln westwärts ins Tal, wo wir lange nicht waren. Sollte es je geschehen, dass wir darüber denken, gibt es nur den Zugang von unten. Haus, in dem wir nachtlagen, aufgesuchte Räume vergaßen, Erde betrachtend einschliefen; Haus, in dem wir Kinder glaubten und Sensationen postschickten. Klingelzeichen überlebten Stromausfall, standen - gepudertes Gesicht - da oder verlangten Einlass von uns allen. Wir warteten, zogen dann ein in den Motorraum, der Wärme vergänglich wegen der Reise ungewiss der Kolbenbewegung Unterhaltung auf dem schmierigen Grund. Niemand, der die verätzten Erdmale aufhob aber ich kann dir nur drei geben, Rest unbekannt.
An den nackten Ufern, festgestampfter Sand und nass, stehe ich und rufe dich: Komm! Du willst ankern, aber nirgendwo ist das Land fest genug, nirgendwo ist die Zeit stabil, eine Lücke, wo wir stehen. Fische erhüpfen sich kristallene Insekten, die Wasseroberfläche kocht. Ein Huhn ohne Kopf, vom Hunger der Menschen gerichtet, flappt gegen die Sonne, eine Mücke im Licht. Der Wille ist ein letztes Aufbäumen, der Kopf auf dem Hackstock döst. Ein Huhn, ein Ikarus, ein Sonnenstrahl. Der Kopf liegt auf dem Hackstock und döst, aber sein Körper flattert nach Süden, fällt über einer Holzwippe zu Boden. Sie zieht ihre karierten Strümpfe über ihre weiße Haut, trägt nichts mehr außer ihrem Flaum, der sich im Wind, der das Huhn noch einige Meter durch die Lüfte wirft, aufrichtet. Angelruten stecken fest in der Erde. Komm! Mit dem Blut werden wir uns reinigen von der Reise, die hier endet. Ich halte die Axt, die uns stützen wird.
61: Chac Mool

61: Chac Mool

2023-07-2402:01

Aber ja, wir sind in die Köpfe eingedrungen, wir fanden die Klamotten Unserer Vorgänger unter den schwarzen Trauben, ihrer Kultur längst beraubt. Dennoch warten sie geduldig auf die Pflücker, die eines Tages fratzenhaft Aus dem Gebüsch schreiten, schief, aus Gründen eines Opfers für Chac Mool, Das erwartungsvoll in seiner besten Schale zu begaffen ist. Und sie harren dem Ende der Zeit. Und er Liegt und harrt dem Neubeginn. Die steinerne Finsternis verheisst ein Leben In Ewigkeit, in den Erinnerungen, in den unbedachten Gedanken, die Abschmieren wie ein Seifenkahn. Die gestiefelte Keramikschüssel, aller Dämpfe beraubt, allem Unglück ein Zeuge. Woher stammst du, Jungfernrebe? So wild schüttelst du deine Gifte und stolzierst rankend hinauf zu den Erschütterten Vulkanen, zu den Schakalen, die mich stolz bewachen.
60: Aton

60: Aton

2023-07-2401:37

Ich muß durch alle dunklen Zeiten, meine Türen sind geschlossen und lassen den Wind nicht mehr herein. Die Türen sind geschlossen, ich verlasse mich durch das Fenster in den Hinterhof hinaus, darauf bedacht, daß niemand mir begegnet oder zumindest niemand mich jemals wiedererkennt. In den Gedichten steht der Grund, sich neue Masken zu schnitzen, steht der Grund, sie zu vernichten. Worte, die mehr mit mir gemeinsam haben als mein eigenes Fleisch. Ich koche daraus die Suppe einer Agonie und leite den Enthusiasmus von mir fort, von ihr und ihr fort, suche ein unbescholtenes Wesen, das mich trifft, ein magisches, wissendes Wesen, nur vergiftet durch eine Melancholie, der meinen ähnlich. Lass uns unser Gift zusammentun und im Todeskrampf erstarren. Ein ewiges Denkmal des letzten Ausdrucks.
59: Mia Marple

59: Mia Marple

2023-07-2205:53

1 Der Staub, nur die Uhr 2 Stillstand, ich verlasse dich 3 Die Mälz 4 Wenn wir wollten 5 Mundtuch 6 Die Zeiten falsch wählen 7 Weiter Winkel 8 Verlässlich haben wir uns nie gekannt
58: Kleopatras Nacken

58: Kleopatras Nacken

2023-07-2101:01

Letzte Woche bin ich abgestürzt,fand Kleopatras Nacken. Der Legende nach soll er sehr schön sein, glatt wie die Rippen eines Gullydeckels. In Wirklichkeit sah er aus wie antiker Joghurt, an den Rändern ausgeblichen wie das Fernsehbild der damaligen Zeit. Trotzdem steckte ich einen Teil davon ein, sei es, um etwas Wonne in die Kaffeehäuser zu bugsieren, wenn da auf einem Schild steht: Dichter mit Teilen von Kleopatras Nacken sucht Appartement mit Bad auf dem Flur.
Die Erinnerung ist der Kern der Muschel, der zur Perle wird, durch Verletzung des tiefen Mantelgewebes verursacht, als gäbe es ein Seelen-Aragonit, aus dem die spitzpyramiden Kristalle ihre Form dem häufigsten Traum angleichen, an den man sich gerade aufgrund seiner Häufigkeit nicht erinnern wird. So verwoben ist nämlich dieser Traum mit dem ehemals gespeicherten Eindrücken, dass bald nicht mehr klar erscheint, wer da ins Becken griff, um das darin sichtbare Bild zu fassen. Oder ob nicht umgekehrt aus dem Teich eine Hand sich streckte, sein Ebenbild zu berühren, das dann unter der Berührung Wellen warf, und ob es sich nicht auch bei dem Wasserwesen nur um den Traum des Wasserwesens handelte, an den es sich, weil häufig geträumt, nicht erinnert. Die Erinnerung ist also nur (mag sein) die Komposition verschiedener Inhalte, die man auch zu denken fähig ist. Denn so wie die Klänge der Musik aus dem Nirgendwo zu kommen scheinen - was wiederum nicht sein kann, da das Nichts kein Musik-Molekül besitzt - sind es die schönen Schattierungen jener Episoden, die man sich wünscht, die sich zu einem Reigen auf die Gedankenäste setzen, um von dort gepflückt und neu angeordnet zu werden. Und ich frage mich, wie man sich an Dinge erinnern kann, die nie geschehen sind, und ob man das Innere der Erinnerung je wirklich wahrgenommen hat, als man die Empfindung speicherte, oder ob das Geschehen sich nicht durch meine Erinnerung überhaupt ereignete. Und ich beantworte mir die Frage mit: Ja, so ähnlich, aber anders.
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