Archistories: Ausstellung über Architektur in der Kunst
Update: 2025-11-28
Description
Spezielle Anfertigung für die Ausstellung
Lässt man den Blick durch die schöne, hohe Eingangshalle, die Rotunde der Orangerie, schweifen, bleibt er unwillkürlich in einer der Nischen hängen: Wächst da etwa zwischen zwei Säulen ein Baum aus dem Boden?
„Es ist ein Fake-Baum aus Holzabfällen, könnte man vielleicht sagen. Ein Baum, der etwas sehr Merkwürdiges macht. Er umwächst nämlich nicht Architektur, sondern er birgt mitten in sich Architektur“, erklärt Kuratorin Kirsten Voigt.
Der Künstler Henrique Oliveira hat diesen künstlichen Baum speziell für die Ausstellung „Archistories“ angefertigt und von London nach Karlsruhe transportiert.
Verhältnis von Architektur und Natur
Die Beziehung zwischen Architektur und Natur spielt in vielen Werken der Ausstellung eine Rolle. Mal ist die Natur bedrohlicher Gegenspieler. Sie überwuchert Architektur, etwa in den Zeichnungen von Isa Melsheimer, die die brutalistischen Betonruinen der Olympiastätten in Sarajevo zeichnet, die sich die Natur scheinbar zurückholt.
In anderen Werken scheint die Architektur eher in die Natur eingebettet zu sein, wie die futuristischen Wohnhäuser in einem Norwegischen Fjord. Tritt man jedoch näher an die Foto-Arbeit des Künstlers Dionisio González heran, sieht man, dass die faszinierenden Häuser in die imposante Naturkulisse nur reinmontiert wurden.
Architektur, die den Menschen klein macht
Lange diente die Architektur in der Kunstgeschichte hauptsächlich als Bühne. Sie war eher Kulisse als Protagonist. Das ändert sich vor allem mit Aufkommen der Großstädte, die Künstlerinnen und Künstler immer wieder neu faszinieren.
Doch keinesfalls nur positiv. Und dann gibt es Architektur, die uns Menschen einfach nur klein machen und überwältigen will. Seien es Kathedralen, die höchsten Wolkenkratzer der Welt, wie sie Rebecco Ann Thess zeigt, oder auch faschistische Bauwerke.
Dagegen steht die einfache, aufs Nötigste reduzierte Form eines Hauses, einer Behausung, die Schutz und Geborgenheit bietet – zeitlebens eines der Hauptmotive des Bildhauers Werner Pokorny. Und so thront mitten in der Ausstellung eines seiner kleinen Holzhäuser auf einer Art Totempfahl.
Doch nicht alle Architekten denken daran, dass in ihren Gebäuden Menschen wohnen, arbeiten, sich wohlfühlen oder zumindest Zugang haben sollten.
Architektur als Schauplatz von Machtkämpfen
Dass gewisse Räume für manche Bevölkerungsgruppen unzugänglich wirken oder sogar sind, thematisiert die Künstlerin Judith Hopf in ihrer humorvollen Videoarbeit.
Sie zeigt eine Person, in einem dick gepolsterten Kostüm in Form eines Hühnereis, die versucht, durch die Türen eines schicken Kulturtempels in Berlin zu kommen, aber einfach nicht durchpasst, folglich draußenbleiben muss.
Die Ausstellung „Archistories“ zeigt Architektur auch als Austragungsort politischer, sozialer, ökonomischer und ästhetischer Machtkämpfe.
Verblüffende Bezüge von Kunst und Architektur
Kuratorin Kirsten Voigt hat in jahrelanger Arbeit rund 100 Werke aus 500 Jahren Kunstgeschichte zusammengetragen, die immer wieder neue, oft verblüffende Bezüge zwischen Kunst und Architektur offenlegen. Ihr Anliegen ist es, zu zeigen, dass Architektur auch ein künstlerisches Medium an sich ist.
Und was bleibt? Eher unscheinbar hängt in der Ausstellung eine Fotografie des menschenleeren Vorlegesaals der Kunsthalle Karlsruhe von Candida Höfer.
Aufgrund der Baumaßnahmen wird das Hauptgebäude des altehrwürdigen Museums noch viele Jahre ohne Publikum sein. Bleibt abzuwarten wie dieses Kapitel der „Archistories“ für Karlsruhe ausgeht.
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