Tote und Verletzte nach russischen Angriffen in der Ukraine
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Bei neuen russischen Raketen- und Drohnenangriffen in der Nacht auf Samstag sind laut Behörden mindestens sechs Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Russland habe mit 36 Raketen und fast 600 Drohnen angegriffen, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Hauptziele der nächtlichen Angriffe seien die Energieinfrastruktur und zivile Objekte gewesen. Selensky sprach auch von massiven Schäden und Bränden in Wohnhäusern in Kiew und Umgebung.
Mehr als 600.000 Menschen ohne Strom
Mehr als 600.000 Kunden mussten laut ukrainischem Energieministerium nach dem russischen Angriff auf das Stromnetz in der Nacht ohne Elektrizität ausharren. Getroffen worden seien Anlagen in Kiew und fünf Regionen. Mehr als 500.000 der betroffenen Haushalte seien in der Hauptstadt. Bürgermeister Vitali Klitschko gab die Zahl der Toten in Kiew mit zwei an. Zudem gebe es 29 Verletzte. Menschen mussten sich wegen des nächtlichen Luftalarms in Bunkern in Sicherheit bringen. Auch in anderen Teilen des Landes gab es Angriffe.
Kiew ist eines der häufigsten Ziele russischer Luftangriffe. Schon in der Nacht auf Dienstag waren dort laut Bürgermeister Vitali Klitschko bei Attacken mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern, Hyperschallraketen und Drohnen sieben Menschen getötet worden. Das Energieministerium sprach danach von einem “massiven kombinierten Angriff”.
Brand in Ölraffinerie im Süden Russlands
Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass neben Energieinfrastruktur auch Rüstungsbetriebe Ziele der Angriffe gewesen seien. Es handle sich um Antworten auf ukrainische Angriffe gegen russische Ziele. Demnach schoss die russische Flugabwehr innerhalb von 24 Stunden 158 ukrainische Drohnen ab. Zu Schäden machte das Ministerium wie immer keine Angaben.
Im Süden Russlands wurde nach Angaben örtlicher Behörden in einer Ölraffinerie ein Brand durch herabfallende Drohnenteile ausgelöst. Einige technische Anlagen auf dem Gelände der Raffinerie Afipski in der Region Krasnodar seien beschädigt worden, die Tanks seien jedoch nicht betroffen, teilte der örtliche Krisenstab mit. Das Feuer sei inzwischen eingedämmt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Einheiten der Flugabwehr hätten in der Nacht über russischen Regionen 103 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört, darunter elf über Krasnodar.
Ölterminal im Schwarzmeerhafen Noworossijsk schwer beschädigt
Die Ukraine hat indes nach russischen Angaben bei einem Angriff mit Seedrohnen ein international wichtiges Ölterminal im Schwarzmeerhafen Noworossijsk schwer beschädigt. Eine Anlegestelle des Terminals sei nicht mehr nutzbar, teilte das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC) mit. Das Unternehmen sprach von einer “zielgerichteten Terrorattacke mit unbemannten Booten”. Die Ukraine setzt solche mit Sprengstoff beladenen Wasserfahrzeuge – Seedrohnen – immer wieder gegen russische Ziele ein.
Verletzt worden sei niemand. Es war bereits der dritte Angriff auf eine Anlage des auch von Kasachstan betriebenen Konsortiums. Das kasachische Energieministerium kritisierte die Attacke als Angriff auf die wirtschaftlichen Interessen der ölreichen Republik in Zentralasien. Das Ministerium wolle nun alternative Transportwege suchen.
Portal: Zwei Öltanker der russischen Schattenflotte getroffen
Die Ukraine nimmt in ihrem Abwehrkampf gegen Moskaus Angriffskrieg immer wieder Ziele in Russland ins Visier. Besonders geht es dabei um Schäden für die Ölindustrie, die wesentlich ist für die Finanzierung der russischen Kriegsmaschinerie. Die Angriffe wirken sich massiv auf den Export aus.
Das ukrainische Onlineportal “Ukrajinska Prawda” berichtete unter Berufung auf den Geheimdienst SBU, dass Kiew bei einer Spezialoperation im Schwarzen Meer zwei Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte mit seinen Seedrohnen angegriffen und in Brand gesetzt habe. Die Schiffe sollen demnach leer auf dem Weg nach Noworossijsk gewesen sein, um dort eine neue Ölfracht aufzunehmen.
Angeblich kein Öl ins Schwarze Meer ausgetreten
Während der ukrainischen Angriffe seien alle Ladeoperationen im Hafen von Noworossijsk eingestellt und die Öltanker weggefahren worden. Auch die Pipelines seien geschlossen gewesen zum Zeitpunkt der Explosion. Nach ersten Erkenntnissen sei kein Öl ins Schwarze Meer geraten, hieß es.
Im Februar war die größte Ölpumpstation des Konsortiums in Russland bei einem Drohnenangriff im südrussischen Gebiet Krasnodar außer Betrieb gesetzt worden. Im Mai nahm sie die Arbeit wieder auf. Im September wurde das Büro des Konsortiums in Noworossijsk bei einem Drohnenangriff beschädigt, zwei Mitarbeiter seien verletzt worden, hieß es damals.
CPC transportiert nach eigenen Angaben Öl von großen Ölfeldern der zentralasiatischen Republik Kasachstan. Im vergangenen Jahr waren das demnach rund 63 Millionen Tonnen Öl; zwei Drittel davon entfielen demnach auf ausländische Unternehmen, darunter ExxonMobil, Eni und Shell.
Selenskyj: Ukraine braucht mehr Raketen
Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte unterdessen, sein Land brauche für einen besseren Schutz vor den russischen Angriffen ausreichend Raketen für ihre Flugabwehrsysteme. Erneut forderte er die EU auf, die in Belgien im Zuge von Sanktionen eingefrorenen russische Staatsmilliarden freizugeben, wenn Moskau seine Angriffe nicht einstelle.
(APA/Reuters/dpa)




