Zieht Orban jetzt sein eigenes Ding mit Putin durch?
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Ungarns Premier trifft Putin in Moskau – Energie, Friedensplan, Wahlkampf: Was steckt wirklich hinter dem Besuch?
Viktor Orban war am Freitag einmal mehr bei Russlands Präsident Wladimir Putin zu Gast. Der ungarische Premier vermarktet seinen Besuch als Beitrag zum Frieden – doch Kritiker sehen darin vor allem eines: einen politischen Alleingang, der EU-Positionen untergräbt und Orbans eigene Interessen bedient.
Öl, Gas und ein Gipfel mit Trump
Orban brachte eine alte Idee aufs Tapet: ein Gipfeltreffen zwischen Russland und den USA – möglichst in Budapest. Eine Einladung, die Putin dankend aufgriff. Auch US-Präsident Donald Trump hatte einen solchen Gipfel ins Spiel gebracht, diesen jedoch zuletzt abgesagt – wegen fehlender Friedensperspektiven im Ukraine-Krieg.
Nun also ein neuer Anlauf. Laut Kreml sollen kommende Woche US-Vertreter in Moskau über eine überarbeitete Friedensinitiative verhandeln. Orban betonte, wie dringend sein Land auf ein Kriegsende hoffe – nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Folgen für Ungarn.
Parallel verhandelte der Premier erneut über Energie: günstiges Gas, russisches Öl und die Lieferung von Kernbrennstoff für das Atomkraftwerk Paks. Orban lobte Russland als “verlässlichen Partner” – während die EU genau diese Abhängigkeit abbauen will.
Freund Putin, Feind Brüssel?
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Im April 2026 stehen in Ungarn Parlamentswahlen an – und Orban setzt auf außenpolitische Präsenz. Seine Linie ist bekannt: Nähe zu Putin, Distanz zur EU, Härte gegenüber der Ukraine. Wiederholt hatte er Sanktionen blockiert oder abgeschwächt – und den russisch-orthodoxen Patriarchen vor EU-Strafmaßnahmen bewahrt.
Für den Kreml ist Orban damit ein willkommener EU-Dissident. “Wir schätzen Ihre ausgewogene Haltung”, lobte Putin öffentlich – wohl wissend, dass dies in Brüssel alles andere als gut ankommt.
Merz kritisiert Orbans Russland-Reise scharf
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Freitag deutliche Kritik an der Moskau-Reise des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban geübt. Orban hatte sich erneut mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen – offenbar ohne vorherige Abstimmung mit der EU oder der Bundesregierung. Merz reagierte scharf.
“Dieser Besuch damals war nicht nur erfolglos”, sagte der Kanzler mit Blick auf Orbans Putin-Treffen im Juli 2024. “Wenige Tage danach hat es mit die heftigsten Angriffe der russischen Armee auf zivile Infrastruktur und zivile Ziele in der Ukraine gegeben.” Merz sprach von einem beunruhigenden Muster und warnte vor möglichen Folgen. “Ich hoffe, dass diese Reaktion Russlands diesmal ausbleibt.”
Besonders kritisierte Merz, dass Orban ohne Rücksprache mit den europäischen Partnern handelte: “Er reist ohne europäisches Mandat und ohne Abstimmung mit uns”, so der Kanzler. In Brüssel und Berlin wird Orbans außenpolitischer Kurs seit Langem mit Skepsis betrachtet – sein jüngster Besuch in Moskau dürfte das Vertrauen weiter strapazieren.
Übersetzungs-Panne sorgt für Spott
Kurios: Laut dem ungarischen Portal “444.hu” könnte Orban beim Treffen nicht alles richtig verstanden haben. Ein Dolmetscherfehler soll Putins Satz “Unsere Ansichten stimmen nicht unbedingt überein” in ein harmonisches “Unsere Zusammenarbeit funktioniert gut” verwandelt haben. Ein peinlicher Fauxpas – oder doch Absicht?
Trumps Plan: Diktatfrieden?
Brisant ist auch der Friedensplan selbst, der offenbar erneut auf dem Tisch liegt. Die erste Version, verhandelt von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff, sah weitreichende ukrainische Gebietsabtretungen vor – inklusive Krim und Donbas. Nun soll eine “abgeschwächte” Version geprüft werden.
Orban stellt sich demonstrativ hinter Trumps Linie. Die EU dagegen spricht von einem “Diktatfrieden” im Sinne Moskaus. Kremlsprecher Peskow ließ am Freitag wissen, Russland wolle “ausschließlich mit den USA” über den Plan verhandeln – Europa spielt keine Rolle mehr.
Was Orban als diplomatische Friedensmission verkauft, wirkt zunehmend wie eine geopolitische Ein-Mann-Show. Zwischen Putin und Trump, zwischen Gasdeals und EU-Sabotage – Ungarns Premier zieht offenbar sein eigenes Ding durch.
(VOL.AT)




