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Wer wir sind und warum das nicht klappte ...
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Author: Jan Schulte-Kellinghaus
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© Jan Schulte-Kellinghaus
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Die deutsche Geschichte vom Neandertaler bis Angela Merkel. Die Podcastserie reist in 99 Folgen durch die deutsche Geschichte. Du lernst spannende Orte und Expertinnen kennen und bekommst den Überblick über das, was war.
51 Episodes
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Mit Christian Karl Frey: Die Burg: Wohnort, Schutzraum und Symbol der Macht. Neben dem Ritter ist die Burg das populärste Symbol des Mittelalters. Wahrscheinlich standen 30.000 Burgen in Deutschland, schätzt mein heutiger Gesprächspartner. Der Burgenbau schaute auf eine über 1000jährige Geschichte zurück, als die Kanone ihm ein Ende setzte. Die neue Waffe war die Disruption für den Wehrbau.
Noch so eine Erfindung, die die Weltgeschichte veränderte. Eine der ersten Kanonen der Welt hieß „die faule Grete“. Aus Bronze gegossen wog sie fünf Tonnen, wurde von 150 Pferden gezogen und verschoss einmal am Tag eine Steinkugel. Sie kam 1413 zum Einsatz als Friedrich von Hohenzollern die Mark Brandenburg unter seine Kontrolle brachte. 40 Jahre später schossen die Osmanen mit ihren Riesengeschützen Konstantinopel sturmreif.
Die althergebrachen Burgmauern hielten den Kanonenkugeln nicht mehr stand. Zusätzlich veränderte sich der Architekturgeschmack der Burgherren. Renaissancebauten verdrängten Felsenburgen. Die Albrechtsburg in Meißen, gebaut 1471, gilt als das erste Schloss in Deutschland.
Ich spreche mit Christian Karl Frey, dem Leiter des Europäischen Burgeninstitutes über die Entwicklung von der Burg zum Schloss.
Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an.
"Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und Mittelalter.digital.
#Mittelalter #Deutschland # Westeuropa #Europa
Mit Daniel Hess:Wer verstehen will, wie die Menschen am Beginn der Neuzeit auf die Welt geblickt haben, der sollte sich den Behaim-Globus anschauen.
1493 holte sich der Nürnberger Kaufmann Martin Behaim den Auftrag der Stadt Nürnberg, eine Weltkugel herzustellen. Der Globus hat einen Durchmesser von 51 cm. Darauf bildeten Nürnberger Experten die Geografie der damals bekannten Welt ab.
In dem Jahr, in dem der Behaim-Globus der Öffentlichkeit präsentiert wurde, teilten Portugal und Spanien die damals bekannte Welt unter sich auf. Der Papst protokollierte 1494 im Vertrag von Tordesillas die Aufteilung der Welt. Die Welt links eines bestimmten Längengrades stand Spanien zu (das war im Wesentlichen der amerikanische Kontinent) und die Welt rechts davon (Afrika, Asien und Indien) fiel an Portugal. Da hatte die Kolonialzeit schon begonnen. Der Behaimglobus zeigt, dass auch die deutschen Händler ihren Anteil daran hatten. Minutiös sind die Waren eingezeichnet, die man an den verschiedenen Orten der Welt kaufen erwerben kann.
Über die Anfangszeiten der europäischen Expansion und die Rolle Nürnbergs als europäischer Handelstadt spreche ich mit Prof. Daniel Hess dem Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.
Die handelnden Personen in dieser Folge:
Martin Behaim (1449-1507), Nürnberger Kaufmann, der am portugiesischen Hof Karriere machte, holte sich 1493 von der Stadt Nürnberg den Auftrag, einen Globus herstellen zu lassen und die Waren der Welt darain zu verzeichnen. Der Behaimglobus ist der Werke aus der Wiege des Buchdrucksälteste erhaltene Globus der Welt.
Heinrich der Seefahrer (1394-1460), portugiesischer Prinz, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Westküse Afrikas mit Segelschiffen zu erkunden. Er selbst blieb immer am Land, war aber ein wichtiger Initiator der europäischen Expansion.
Bartholomeu Dias (1450-1500), portugiesischer Kapitän, der als erster Europäer die Südspitze Afrikas unsegelte und damit den Seeweg nach Indien entdeckte.
Hartmann Schedel (1440-1514), deutscher Arzt und Gelehrter, der 1493 in Nürnberg eine Weltchronik publizierte. Sie erzählte die damals bekannte Geschichte der Welt bis in die Gegenwart. Die 700 Seiten starke illustrierte Weltgeschichte ist eines der bedeutensten Werke aus der Wiege des Buchdrucks.
Albrecht Dürer (1471-1528), der berühmteste deutsche Renaissance-Künstler lebte in Nürnberg. Dort fertigte er den berühmten Holzschnitt eines Rhinozeros an, ohne ein solches Tier je gesehen zu haben.
Christoph Columbus (1451-1506), im Auftrag der spanischen Krone entdeckte der Seefahrer 1492 Amerika. Bis zu seinem Tod wußte er nicht, dass es sich um einen unbekannten Kontinent handelte. Er starb in dem Glauben, den Seeweg nach Indien entdeckt zu haben.
Amerigo Vespucci (1454-1512), der Italienische Kaufmann und Seefahrer erkundete die Ostküste Amerikas und stellte als erster fest, dass es sich um einen eigenen Kontinent handelt. Deshalb ist der Kontinent nach ihm benannt.
Marco Polo (1254-1326), venezianischer Reisekaufmann. Zwei Jahrzehnte lang bereiste er Asien. Seine Lebenserinnerungen inspirierten Kartographen und Entdecker noch viele Jahrhunderte später.
Batholomé de las Casas (1484-1566), spanischer Theologe, der als erster die Misshandlung der indigenen Völker in den spanischen Kolonien anprangerte.
Michel de Montaigne (1533-1592), französischer Philosoph und Schriftsteller.
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#Mittelalter #Deutschland # Westeuropa #Europa
Mit Tobias Daniels:a.e.i.o.u. war sein rätselhaftes Markenzeichen. Kaiser Friedrich III. von Habsburg ließ die Buchstabenkombination überall anbringen. Schon seine Zeitgenossen rätselten warum. Bis heute weiß keiner, was sie genau bedeuten. Auch der Charakter des Kaisers bleibt rätselhaft. Jahrhundertelang schimpften ihn die Historiker die "Erzschlafmütze" des Heiligen Römischen Reiches, weil er sich selten blicken ließ. Tobias Daniels hält ihn dagegen für den Kaiser der Superlative. 53 Jahre lang hat er das römisch-deutsche Reich regiert. Die Rekordamtszeit in der deutschen Geschichte. Und obwohl die Kurfürsten unzufrieden mit ihm waren, wählten sie seinen Sohn Maximilian zu seinem Nachfolger. Damit legte Friedrich den Grundstein für die über 380 Jahre lange Herrschaft der Habsburger.
Über den rätselhaften Kaiser und die Frage, warum gerade unter seiner Herrschaft das Heilige Römische Reich den Namenszusatz "deutscher Nation" bekam, spreche ich mit Tobias Daniels von der Uni Heidelberg.
Seine Reisetipps und viele Bilder findet Ihr auf www.99xgeschichte.de
Das "Personal" dieser Folge:
Friedrich III. (1415-1493) aus dem Haus Habsburg, römisch-deutscher König seit 1440 und römisch-deutscher Kaiser seit 1452, hält mit seinen 53 Regierungsjahren den Rekord auf dem römisch-deutschen Thron.
Eleonore von Portugal (1436-1467) heiratete Friedrich III. 1452 und wurde selbst zur Kaiserin gekrönt. Mutter von Maximilian I.
Maximilian I. (1459-1519) Sohn von Friedrich III., römisch-deutscher König seit 1486 und Kaiser ab 1508. Durch die Heirat mit Maria von Burgund gewann er zusätzlich zu Österreich die Herrschaft über die Niederlande für das Haus Habsburg.
Karl der Kühne (1433-1477), seit 1467 Herzog von Burgund. Einer der reichsten europäischen Herrscher seiner Zeit. Vater von Maria von Burgund. Forderte für die Eheschließung seiner Tochter mit Maximilian I. die Kaiserkrone von Friedrich III. Erfolglos. Karl starb in der Schlacht von Nancy 1477 und hinterließ seine Tochter Maria als Alleinerbin.
Maria von Burgund (1457-1482), seit 1477 Herzogin von Burgund. Heiratete nach dem Tod ihres Vaters Maximilian I. Zusammen bewahrten sie das Herzogtum Burgund vor dem Zugriff des französischen Königs. Fünf Jahre nach der Hochzeit starb Maria an den Folgen eines Reitunfalls.
Sigismund (1368-1437) aus dem Haus Luxemburg war der Vorvorgänger von Friedrich III. als römisch-deutscher König und Kaiser.
Jan Hus (1370-1415) tschechischer Prediger und Universitätsprofessor, der Missstände in der Kirche anprangerte. Er wurde 1415 als Ketzer auf dem Konzil von Konstanz verbrannt. Nach seinem Tod revoltierten seine Anhänger, die Hussiten, in Böhmen. Die Hussitenkriege hielten Osteuropa und König Sigismund zwei Jahrzehnte in Atem.
Matthias Corvinus (1443-1490), König von Ungarn seit 1458. Eroberte 1485 Wiener Neustadt und Wien und vertrieb Friedrich III. zeitweise. In der Hofburg residierte er fünf Jahre bis zu seinem Tod.
Enea Silvio Piccolomini (1405-1464), seit 1458 Papst Pius II. Berühmter Humanist und Dichter, der als Papst die Herrscher Europas erfolglos zu einem Kreuzug zur Befreiung Konstantinopels, Jerusalems und gegen die osmanische Invasion drängte
Amerigo Vespucci (1454-1512), der Italienische Kaufmann und Seefahrer erkundete die Ostküste Amerikas und stellte als erster fest, dass es sich um einen eigenen Kontinent handelt. Deshalb ist der Kontinent nach ihm benannt.
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Mit Carla Meyer-Schlenkrich:Wir sind in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Mainzer Johannes Gutenberg hatte einen revolutionären Einfall. Er stellte einzelne Buchstaben aus Metall her, die er für jeden Text beliebig zu Wörtern, Sätzen und Absätzen zusammensetzen und wieder auseinandernehmen konnte. Von den Weinbauern seiner Gegend schaute er sich die Spindelpresse ab und mixte aus Leinöl und Ruß Druckerschwärze. Schon in seinen ersten Druckwerken entwickelte er eine Präzision, die noch heute bewundert wird. Um den Blocksatz akkurat herzustellen, goss er jeden Druckbuchstaben des Alphabets in zehn unterschiedlichen Breiten. Damit jede Zeile exakt gleichlang war, konnte er mit den unterschiedlich breiten Metallbuchstaben die Abstände haargenau anpassen. Sein erstes gedrucktes Buch war die Bibel mit einer Auflage von 180 Stück. 49 sind davon noch heute erhalten unter anderem in Berlin, New York oder Tokio. Kurze Zeit später schossen in ganz Europa Druckerpressen aus dem Boden und die Medienrevolution begann...
Aber stimmt die Geschichte der Medienrevolution aus Mainz eigentlich? Was hätte Gutenberg ohne Papier gemacht? Oder ohne Leser? Die Revolution, sagt Carla Meyer Schlenkrich, hat mindestens 100 Jahre früher eingesetzt, als immer mehr Menschen lesen und schreiben lernten und sich die Erfindung des Papiers langsam verbreitete. Ohne Papier kein Druck und ohne Leser keine Bücher. Die eigentliche Medienrevolution schlich auf leisen Sohlen durchs Spätmittelalter.
Die Reisetipps und viele Bilder findet Ihr hier:
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Mit Julia Burkhardt:Als Sigismund 1411 König wurde, war er 43 Jahre alt. Ein bewegtes Leben lag bereits hinter ihm. Seit 24 Jahren war er König von Ungarn und hatte gelernt sich machtpolitisch durchzusetzen.
Als römisch-deutscher König stellte er sich der Aufgabe, das große Schisma, also die Teilung der Kirche unter drei Päpste, zu überwinden.
Sigismund lud im November 1414 Vertreter der gesamten Christenheit zum Konzil nach Konstanz. Schätzungsweise waren es mehr als 50.000 Konzilsteilnehmer, die in die kleine Stadt am Bodensee strömten. 33 Kardinäle, 300 Bischöfe, 500 Äbte, Heerscharen von Gelehrten, Unterhändlern und Bodyguards. Sogar 700 Prostituierte wurden offiziell registriert. Die 50.000 Menschen blieben jahrelang. Konstanz war für diesen Andrang gar nicht geschaffen.
4 Jahre dauerte der Ausnahmezustand am Bodensee. Eine bewegte Verhandlungszeit. Der Papst aus Pisa floh nach 5 Monaten verkleidet als Stallknecht nach Freiburg. Der Papst aus Rom trat freiwillig zurück und der aus Avignon wurde abgesetzt. Damit war der Weg für eine neue Papstwahl frei. Die fand gleich in Konstanz am Hafen statt. Das Gebäude steht heute immer noch. Ein Warenlager funktionierte man zum Konklave um und einigte sich endlich auf nur einen Papst: Martin V. Das große Schisma war beendet. 7 Jahre nach seiner Königswahl hatte Sigismund sein Ziel erreicht. Er war auf dem Höhepunkt seiner Macht.
Umso erstaunlicher, dass das Schicksal eines einfachen tschechischen Predigers, das restliche Leben von Sigismund dominieren sollte. Die Kirche machte dem Reformgelehrten Jan Hus während des Konzils in Konstanz den Prozeß. Jan Hus starb auf dem Scheiterhaufen, obwohl König Sigismund ihm freies Geleit zugesichert hatte. Daraufhin brachen in Böhmen die Hussitenkriege aus, die Sigismund und die Reichspolitik Jahrzehnte in Atem hielten.
Ich spreche mit der Julia Brukhardt, Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, über den zupackenden König- und Kaiser und die Voraussehbarkeit der Revolte in Böhmen.
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Mit Christian OertelDer römisch deutsche König Wenzel hält den Rekord an übler Nachrede unter den Königen und Kaisern in der deutschen Geschichte. Wenzel, der Sohn von Karl IV., regierte 22 Jahre lang das römisch-deutsche Reich. Zumindest sah er das so. Die Kurfürsten waren anderer Meinung und setzen Wenzel nach 22 Jahren ab. Wegen Untätigkeit. Sie nannten ihn „unwürdig“ und „unnütz“. Eine beispiellose Demütigung. Zusätzlich verunglimpfte ihn der Papst. Wenzel hätte nicht nur einen verdorbenen Charakter, sondern sei weitgehend untätig geblieben, schrieb er 50 Jahre nach Wenzels Tod. Mit dem vernichtenden Urteil des Papstes bekam Wenzel in der Geschichtsschreibung den Beinnamen: „der Faule“.
Schon zu seinen Lebzeiten häuften sich Horrogeschichten von Peitschen und Kampfhunden mit denen er auf Untergebene losgegangen sein soll. Er habe Löwen zur Einschüchterung seiner Gegner gehalten, Reliquien zerstört und Prag angezündet. Dabei wäre er der Völlerei und der Trunksucht verfallen.
Doch was ist dran an den Vorwürfen? Sie alle haben eines gemeinsam: Sie stammen von seinen Gegnern. Der Papst verachtete ihn, weil Wenzel als König von Böhmen den Reformator Jan Hus unterstützte. Wenzel selber kümmerte sich nicht um breitenwirksame Gegen-PR sondern ließ erlesene Prachthandschriften herstellen, die seine Königswürde beweisen sollten.
Vielleicht war er kein "natural born leader" sagt der Historiker Christian Oertel, aber ganz so schlimm, wie ihn seine Gegner zeichneten, wird er wohl nicht gewesen sein. Im Gegenteil: Vielleicht war er seinen Zeitgenossen in manchen Punkten seiner Herrschaftspraxis einfach weit voraus...
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Mit Gregor Rohmann:Was bleibt von Klaus Störtebeker und der Seeräuberromantik des Mittelalters, wenn man zeitgenössische Quellen erforscht? Darüber sprechen wir heute.
Die Vitalienbrüder waren Gewaltunternehmer zur See und keine sozialromantischen Freibeuter sagt Gregor Rohmann, Professor für die regionale Kulturgeschichte Mecklenburgs in Rostock. Jede Konfliktpartei auf der Ostesee konnte sie engagieren. Die dänische Königin genauso, wie die Meckelnburger Herzöge oder die Hanse. Die Vitalienbrüder wechselten oft die Seiten. In einer Zeit ohne wirksames Gewaltmonopol waren sie legitime Unterstützer zur Durchsetzung des privaten Rechts. So jedenfalls, sah der jeweilige Auftraggeber seine Mitkombattanten. Für die jeweiligen Gegner waren die Vitalienbrüder meistens die "Piraten".
Erst durch die Geschichtsschreibung entsteht die Legende von Klaus Störtebeker, dem legendären Anführer. Gregor Rohmann erforscht seit Jahrzehnten die zeitgenössischen Quellen und fand keinen Hinweis auf einen "Klaus" Störtebeker im Zusammenhang mit den Söldnern zur See. Vielleicht war "Johannes" Störtebeker aus Danzig gemeint. Der wurde allerdings nie hingerichtet sondern am Ende seines Lebens, friedlich in Rostock eingebürgert.
Über die Fahndung nach Klaus Störtebker und was wir heute gesichert über die Vitalienbrüder wissen, darüber spreche ich mit dem Historiker Gregor Rohmann in dieser Episode.
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Mit Angela Huang:Die Hanse war das größte Europäische Handelsnetzwerk im Mittelalter. Es erstreckte sich über den ganzen Ostseeraum und darüber hinaus. Die Hanse hatte Niederlassungen in Russland, Norwegen, London und Brügge. Den ersten Hansetag, das Treffen aller aktuellen Mitglieder der Hanse, datieren wir ins Jahr 1358. Auch nach 668 Jahren ist sie bis heute in vielen Fragen eine Black Box. Die Hanse führte kein Mitgliederverzeichnis. Es war nie ganz klar, wer außer Lübeck, Köln und Hamburg gerade mit an Bord war. Auch Paderborn, Soest oder Magdeburg gehörten ihr zeitweise an. Aber seit wann und wie lange? Kein Mitgliederverzeichnis, keine Angestellten und sowieso kein Organigramm...Und trotzdem wurde sie die Hanse die mächtigste Handelsorganisation des Mittelalters.
Ich spreche mit Dr. Angela Huang, der Leiterin der Forschungsstelle zur Geschichte der Hanse und des Ostseeraums am Europäischen Hansemuseum in Lübeck. Was war das Erfolgsrezept der verschwiegenen Kaufleute und warum hielt ihr Ostseemonopol 300 Jahre lang?
Das alles und wie jeder von uns sich an der aktuellen Hanseforschung beteiligen kann, hört ihr in dieser Folge.
Den link zum citizen science Projekt, die Reisetipps und viele Bilder findet Ihr hier:
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Mit Eva Schlotheuber: Karl IV. war hoch arlamiert:"Besonders Du, Mißgunst, hast das christliche Kaisertum (…) mit dem altbösen Gift, das Du wie eine Schlange in verbrecherischer Untat auf die Zweige des Reiches und seine nächsten Glieder gespritzt hast, um nach Einsturz der Säulen das ganze Gebäude als Ruine zusammenstürzen zu lassen - so hast Du also mannigfach Spaltung unter die sieben Kurfürsten des Heiligen Reiches gebracht (…) durch die das Heilige Reich erleuchtet werden soll.“ So beginnt der Text der Goldenen Bulle.
Karl IV. fürchtete den Kollaps des römisch-deutschen Reiches. Zerrieben zwischen den Interessen der Päpste und der Kurfürsten. Deshalb verhandelte und verfasste er die "Goldene Bulle". Das erste Grundgesetz des römisch-deutschen Reiches. Karl IV. schaffte es, die Mitspracheansprüche der Päpste bei Königswahlen zurückzudrängen und die Kurfürsten zur Einigkeit zu verpflichten. Ein Meisterstück der Diplomatie.
Ich spreche mit Eva Schlotheuber, Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Uni Düsseldorf, über Karls hartnäckige Verhandlungen zur Entstehung der Goldenen Bulle und ihre jahrhundertelange Bedeutung für das Reich.
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Mit Eva Schlotheuber:Die Stadt seines Herzens war Prag. Fast alles, was wir an Sehenswürdigkeiten dort heute noch bewundern, geht auf Karl IV. zurück. Er ließ die Neustadt anlegen, die dreimal größer als die ursprüngliche Stadt war. Mit drei Märkten und 40 Kirchen. Er ließ die Karlsbrücke über die Moldau bauen. Er baute die damals abgebrannte Burg wieder auf und gründete 1348 in Prag die erste Universität im Reich nördlich der Alpen mit deutschsprachigen Gelehrten. Auch kirchenpolitisch war er aktiv. Er sorgte dafür, dass Prag ein eigenes Erzbistum wurde und engagierte den Dombaumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der den Veitsdom schuf.
Zur Aufbewahrung der Reichsinsignien ließ er eine eigene Burg bauen. 35 km von Prag entfernt. Eine weit sichtbare Höhenburg auf einem Felsen. Hoch oben im Hauptturm ließ er eine mit Gold ausgeschmückte Kapelle errichten. Dort wurden die Krone, die Heilige Lanze, das Reichskreuz, das Zepter und der Reichsapfel verwahrt. Das war keine Burg für Gäste, dort durfte niemand übernachten. Nur das Wachpersonal und die Portraits von Karl an den Wänden beschützten die heiligen Symbole seiner Herrschaft.
Karl kompensierte seine geringe reale kaiserliche Macht durch Symbolik. Er führte wenig Kriege, war aber ein erfahrener Verhandler und Dipolmat. Mit der Goldenen Bulle stabilisierte er das Reich indem er die erste geschriebene Verfassung schuf.
Mit Eva Schlotheuber, Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Uni Düsseldorf, spreche ich über seine Autobiografie, sein Verhältnis zu seinem Vater und seine Angst vor dem Auseinanderbrechen des Reiches.
Personen:
Karl IV. (1316-1378), Herrscher der Luxemburgerdynastie, römisch-deutscher König seit 1346, Taufname Wenzel, König von Böhmen seit 1347 und römisch-deutscher Kaiser seit 1355. Karl IV. erließ 1356 auf den Hoftagen von Nürnberg und Metz → die Goldene Bulle #41
Ludwig IV. von Wittelsbach "der Bayer" (1286-1347), Herrscher aus der Dynastie der bayerischen Wittelsbacher, seit 1323/1324 bis zu seinem Tod von den Päpsten gebannt. Zu ihm auch: #36 Ludwig der Bayer, der dem Papst trotzt.
Johann von Luxemburg (1296-1346), Vater Kaiser Karls IV. aus der Dynastie der Luxemburger, von1311-1346 König von Böhmen, auch Johann der Blinde aufgrund seiner Augenerkrankung genannt.
Elisabeth von Böhmen (1392-1330), Königin von Böhmen seit 1310, Tochter des böhmischen und polnischen Königs Wenzels II., Gemahlin Johanns von Luxemburg und Mutter Kaiser Karls IV.
Blanca Margarete von Valois (1316/1317-1348), französische Prinzessin und Schwester des französischen Königs Philipp VI. von Valois, Blanca wurde 1323 in Paris mit Karl IV. vermählt, Königin von Böhmen 1347-1348.
Karl IV. von Frankreich (1294-1328), seit 1322 König von Frankreich aus der Dynastie der Kapetinger. Kaiser Karl IV., der damals noch seinen Taufnamen Wenzel trug, wurde an seinem Hof erzogen. Karl IV. verlieh ihm als sein Firmpate den eigenen Namen Karl. Als er 1328 ohne männlichen Erben starb, führte die Königserhebung Philipp VI. von Valois zum Ausbruch des Hundertjährigen Krieges, weil auch der englische König Eduard III. über seine Mutter Isabella von Frankreich Anspruch auf den französischen Thron erhob.
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Mit Stefan Leenen:1331 brach die Pest im heutigen China aus und wanderte von dort aus westwärts. Sie brauchte 15 Jahre bis sie die Küste der Krim erreichte. In Caffa betrieben Händler aus Genua einen Stützpunkt. Sie handelten mit Getreide und transportierten es über das Schwarze Meer nach Westeuropa.
1346 hatten12 genuesische Galeeren nicht nur Getreide, sondern auch die Pest an Bord und nahmen Kurs auf Süditalien. Sie verursachten die bisher größte medizinische Katastrophe in der europäischen Geschichte. Zwischen 20 und 50 Millionen Menschen fielen der Pest zum Opfer. Etwa ein Drittel der Bevölkerung.
Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 2 Kilometern pro Tag verbreitete sich die Pest in alle Richtungen: nach Spanien, Frankreich Deutschland.
Die Lungenpest führte innerhalb weniger Stunden nach der Ansteckung zum Tod. Die Beulenpest brauchte etwas länger. Die Patienten litten noch zwei bis drei Tage bevor sie starben.
Die Krankheit traf arme und reiche, junge und alte, Frauen und Männer gleichermaßen und breitete sich unaufhaltsam aus. Sie schob die Horrormeldungen vor sich her. Die lösten schon Massenhysterien aus, lange bevor die Pest tatsächlich zuschlug.
In vielen deutschen Städten brachen Judenpogrome aus. Die Verfolgung der jüdischen Einwohner durch aufgebrachte Massen trat das erste Mal in der Provence auf. Die Hysterie begann lange bevor die Seuche selbst das Land erreichte. Schon die Nachricht vom Schwarzen Tod und die Phantasie, dass Juden die Brunnen vergiftet hätten, reichte für tödliche Hetzjagden. In Basel und Straßburg töteten blutrünstige Bürger 1349 große Teile der jüdischen Bevölkerung. Stadträte, die mäßigend einwirken wollten, wurden von den aufgepeitschten Mordlustigen vertrieben. In Worms, Frankfurt und Mainz verübten die jüdischen Gemeinden nach anfänglicher Gegenwehr Massenselbstmorde.
Es waren die bis dahin schlimmsten Pogrome gegen Juden in Deutschland. In unserer Geschichte nur noch übertroffen vom Holocaust. Mit dem Auftreten der Pest wurden fast alle jüdischen Gemeinden in Deutschland vernichtet oder vertrieben. Damit war das jüdische Leben für fast 400 Jahre in Deutschland zerstört.
Über Flagellanten, die Ratlosigkeit der Gelehrten, das große Sterben und die anschließende Wirtschaftskrise spreche ich mit Dr. Stefan Leenen, dem Kurator der letzten großen Pestausstellung in Deutschland.
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Mit Simon Kellner:Simon von "Zeit für History" spricht mit mir über unsere gemeinsame Leidenschaft für Geschichte, was uns dazu bringt, aus ihr jeweils einen Podcast zu machen und was auf diesem Weg schieflaufen kann...
Eine Sonderfolge als Blick hinter die Kulissen.
Simons Podcast "Zeit für History" findet Ihr hier:
https://open.spotify.com/show/773867UfbsmIqhjeUMYVy9?si=f96f462992604400
Oder überall, wo es Podcasts gibt....
#Geschichte #Podcasts #Nerds
Mit Eva Haverkamp-Rott:Vor der langen Geschichte der Unterdrückung, Vertreibung und Verfolgung der Juden in Europa gab es eine Zeit, in der Juden und Christen das Leben in unserem Land gemeinsam geprägt haben. Und über diese Zeit und ihr jähes Ende möchte ich heute sprechen.
Im frühen Mittelalter, ab dem 10. Jahrhundert begann die aktive Ansiedlung jüdischer Familien in den Städten entlang des Rheins. Die ottonischen und salischen Kaiser des römisch-deutschen Reiches hatten erkannt, dass die Ansiedlung von jüdischen Kaufleuten aus Italien oder Spanien wie ein Wirtschaftsmotor die Lebensverhältnisse der Menschen verbesserte.
Zu der Gründung einer Stadt gehörte die Ansiedlung von jüdischen Kaufleuten. Deshalb wurden die Wohnviertel der Juden oft in der Stadtmitte neben der Kirche gebaut. Viele jüdische Synagogen wurden von christlichen Dombaumeistern errichtet.
Mainz, Worms und Speyer waren die ersten Zentren des jüdischen Lebens nördlich der Alpen. Sie waren die größten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden im frühen Mittelalter. Doch was gehörte zu einer jüdischen Gemeinde? Zuerst: die Selbstverwaltung. Die jüdischen Gemeinden hatten einen Rat und eine eigene Gerichtsbarkeit für die Streitigkeiten untereinander. Die Gemeinden waren meistens in der Innenstadt angesiedelt und hatten neben den Wohnvierteln Gemeinschaftseinrichtungen: Eine Synagoge, ein Ritualbad, der Mikwa die aus fließendem Wasser gespeist wird, und in die man mit dem ganzen Körper eintauchen kann, ein Tanzhaus, ein Backhaus, ein Hospital, ein Friedhof, und manche jüdische Gemeinden betrieben eine Hochschule mit angeschlossenem Studierendenwohnheim.
Über das jüdisch-christliche Zusammenleben im Mittelalter und die beginnende Verfolgung und Vertreibung spreche ich mit Eva Haverkamp-Rott, Professorin für jüdische Geschichte Kultur im Mittelalter an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
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Mit Richard Loibl:Neben den Welfen und den Habsburgern waren die Wittelsbacher die dritte bedeutende Adelsfamilie, die unser Mittelalter nachhaltig geprägt hat. Und trotzdem hat es mit dem Griff zur Kaiserkrone nie dauerhaft geklappt.
Über Kaiser Ludwig „den Bayern“ haben wir in der letzten Folge gesprochen. 53 Jahre nach ihm wurde Ruprecht von der Pfalz -auch ein Wittelsbacher - zum Kaiser gekrönt. Er regierte 10 Jahre, konnte aber nicht viel ausrichten. Danach brauchte es über 330 Jahre bis wieder ein Wittelsbacher Kaiser wurde. Karl VII. regierte aber nur für drei Jahre meistens von Frankfurt aus, weil die Österreicher München besetzt hatten. Auch seine Kaiserherrschaft war eher glücklos.
Warum machte Barbarossa einen Wittelsbacher 1180 zum Herzog von Bayern? Und wie hat die Familie in den anschließenden 845 Jahren die deutsche Geschichte beeinflußt? Darüber spreche ich mit Dr. Richard Loibl, dem Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg.
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Mit Martin Kaufhold:Ludwig hatte es besonders schwer. Er hatte nicht nur einen Gegenkönig, den er bekämpfte und einsperren ließ, sondern wurde vom Papst exkommuniziert. Der Bann traf nicht nur ihn persönlich sondern das ganze Reich nördlich der Alpen. Solange Ludwig regierte, verbot der Papst per Interdikt jegliche kirchliche Handlungen im Reich. Gottesdienste, Beerdigungen, Taufen oder Beichten… alles verboten. Über 20 Jahre lang. Aber nicht mit Ludwig dem Bayern: Mit Waffengewalt zwang er die Dominikaner ihre Kirchen für die Gläubigen offen zu halten.
Nachdem Ludwig seinen Gegenkönig besiegt hatte, kam er auf eine sehr besondere Idee. Er beschloss mit seinem Konkurrenten zusammen zu regieren. Die erste Doppelspitze in der deutschen Geschichte. Ein völlig neuer Gedanke: Ludwig wollte geeint mit Friedrich von Habsburg dem Papst entgegentreten. Doch das Politikexperiment scheiterte.
Der exkommunizierte König ritt 1328 über die Alpen und ließ sich in der Peterskirche zum Kaiser krönen.
Über das kämpferische Leben des ersten Wittelsbachers auf dem Königs- und Kaiserthron spreche ich in dieser Episode mit Martin Kaufhold, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Uni Augsburg.
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Mit Martin Kaufhold:Am 7. September 1303 gegen 15.00 Uhr ruft der Papst um Hilfe. Er bangt um sein Leben. Ein militärisches Überfallkommando belagert und beschießt sein Sommerhaus in Anagni. Hier in seinem Heimatort 70 km süd-östlich von Rom verbringt Papst Bonifaz VIII. seinen Sommer. Bis im Morgengrauen des 7. September eine bewaffnete Truppe in die Stadt einfällt und seinen Sommerpalast angreift.
Vergeblich flehte der Papst um Hilfe. Sein Palast wurde gestürmt. Die Angreifer verlangten seinen sofortigen Rücktritt. Doch der Papst schmetterte ihnen entgegen: „Ich verliere lieber den Kopf…Hier mein Hals, hier mein Haupt“. Daraufhin misshandelten sie ihn schwer. Drei Tage dauerte die Tortur, bis der alte Herr von den Bürgern der Stadt befreit wurde. Sie vertrieben das französische Überfallkommando und retteten ihren Papst. Doch die Wunden heilten nicht und Bonifaz starb vier Wochen später an den Folgen des Attentats.
Was hat diese Gewalttat mit der deutschen Geschichte zu tun? Die Macht des französischen Königs wuchs. Der nächste Papst war ein Franzose und wählte Avignon statt Rom als seine Residenz. Die Stadt in der Provence wurde die nächsten 70 Jahre der Sitz des Papstes. Der starke französische König hatte die französischstämmigen Päpste in Reichweite und dominiert die europäische Politik im Spätmittelalter.
Auch die Wahl des römisch-deutschen Königs wollte er beeinflussen. Er schlug seinen Bruder für den deutschen Thron vor. Doch die Kurfüsten einigten sich auf einen Kompromisskandidaten: Heinrich von Luxemburg. Heinrich war Vasall des französischen Königs, stammte aber aus einem Grafenhaus, das zum römisch-deutschen Reich gehörte. Der Graf aus der zweiten Reihe war frankophil und ausreichend machtlos, um sowohl vom französischen König als auch den deutschen Kurfürsten akzeptiert zu werden.
Wie Heinrich von Luxemburg seiner Familie das Königreich Böhmen sicherte und sie dadurch zu einer der mächtigsten Sippe im Reich machte, darüber spreche ich mit Martin Kaufhold, Professor für mittellaterliche Geschichte an der Uni Augsburg.
Seine Reisetipps und viele Bilder findet Ihr hier:
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Mit Jürgen Sarnowsky:Warum der geistliche Ritterorden 4000 Kilometer von seinem Gründungsort im Heiligen Land entfernt an der Ostseeküste seine neue Heimat fand, und wie daraus das Herzogtum Preußen entstand, das besprechen wir heute.
Der Deutsche Orden wurde 1190 im heutigen Israel in der Hafenstadt Akkon gegründet. Kaufleute aus Bremen und Lübeck wollten Pilgern Schutz, Unterkunft und vor allem Krankenversorgung bieten. Das war in der Zeit des dritten Kreuzzuges, bei dem Barbarossa schon auf dem Hinweg ums Leben gekommen war. Wir haben in der Folge #24 zu Richard Löwenherz über diesen dritten Kreuzzug gesprochen. Für die deutschen Kreuzfahrer war er ein Desaster. Die übriggebliebenen Deutschen, die es nach Palästina geschafft hatten, belagerten die Hafenstadt Akkon und brauchten diese medizinische Unterstützung dringend. Erst als der englische und der französische König eintrafen, wurde Akkon erobert.
Und aus dieser Keimzelle, eines Hospitals vor den Toren der belagerten Stadt, wurde ziemlich schnell eine große Organisation. Denn einerseits stifteten viele Menschen aus der Heimat an den Deutschen Orden um den Kreuzzug und die Versorgung der Pilger zu unterstützen, und andererseits gab es auch viele junge Männer, die sich dem Orden anschlossen.
1226 wurde der Deutsche Orden von Palästina an die Ostsee gerufen, um die heidnischen Prussen zu christianisieren. Mit einem jahrelangen Kreuzzug entlang der Ostseeküste unterwarf der deutsche Orden die Prussen und missionierte sie. 1309 verlegte der Hochmeister des Deutschen Ordens seinen Sitz von Venedig in die Marienburg bei Danzig. Er war der Regierungschef des Deutschordensstaates Preußen. Aber: Was war der Deutsche Orden überhaupt? Ritter oder Mönche. Und warum waren sie an so weit voneinander entfernten Orten gleichzeitig aktiv?
Darüber spreche ich mit Jürgen Sarnowsky, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Uni Hamburg.
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Mit Martin Kaufhold:Rudolf von Habsburg dachte hielt die Nachricht für einen Scherz. Er war ein Graf von regionaler Bedeutung. Seine Familie stammte aus der heutigen Nordschweiz. Rudolf belagerte gerade Basel, da erreichte ihn im Feldlager nachts die Nachricht: Die Kurfürsten wollten ihn zum König wählen. Nach einem Vierteljahrhundert ohne einen allseits akzeptierten Herrscher, einigten sich die Kurfürsten im Jahr 1273 auf diesen „armen Grafen“. Rudolf war so überrascht, dass er es selbst kaum glauben wollte. Wahrscheinlich haben sie gedacht, mit ihm als König hätte niemand etwas zu befürchten.
Wir sind im Jahr 1273. Das Hochmittelalter mit den mächtigen Kaisern des Heiligen Römischen Reiches war vorbei. Die Päpste hatten den Machtkampf gewonnen. Der letzte Staufer Konradin war auf dem Marktplatz von Neapel enthauptet worden. Die sieben deutschen Kurfürsten sollten einen neuen König zu küren. Doch das klappte nicht: Fast ein Viertaljahrhundert lang, konnten sie sich nicht einigen. 1273 war es so weit. Sie votierten für Rudolf von Habsburg.
Doch sollten sie ihn tatsächlich für schwach gehalten haben, dann haben sie sich gründlich verschätzt. Während seiner Könisgherrschaft sorgte Rudolf für den Aufstieg der Habsburger in Österreich und der Steiermark.
Über den konsequenten Machtausbau des Aufsteigers spreche ich mit Martin Kaufhold, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Uni Augsburg.
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Mit Willem Fromm: Jetzt betritt einen neue Gesellschaftsschicht die Bühne unserer Geschichte. Bisher haben wir über Kaiser, Könige, Päpste, Bischöfe und Herzöge gesprochen. In der Mitte des 13. Jahrhunderts, haben Menschen wie Du und ich Premiere: Die Bürger.
Durch den Wirtschaftsboom im Hochmittelalter und der damals neuen Geldwirtschaft wurden die Kaufleute und Handwerker in Köln so reich, dass sie alleine das Sagen in der Stadt haben wollten. Ohne ihren Landesherren, den Erzbischof.
Die Bürger dieser einzigen deutschen Großstadt im Mittelalter mit schätzungsweise 40.000 Einwohnern drangen auf Selbstverwaltung. Die Bürgerschaft bestand aus zwei großen Machtblöcken: Den Zünften der Handwerker und den Patriziern. Die Patrizier waren reiche Kaufleute, die in der "Richerzeche", der Bruderschaft der Reichen, organisiert waren.
Über den Freiheitskampf der Kölner Bürger und das Leben in der größten deutschen Stadt des Mittelalters spreche ich mit dem Podcaster Willem Fromm.
Seine Reisetipps und "Lümmelfotos" findet Ihr hier:
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Zu Willems Podcast "Eine Geschichte der Stadt Köln" gehts hier lang:
https://open.spotify.com/show/6kk7THL3rdJAmWU4Nj3jPV?si=8150896ee2274688
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Mit Barbara Schock-Werner:Der Kölner Dom war ein Jahrtausendprojekt im politischen Chaos. Mitten im Interregnum, der herrscherlosen Zeit, wollten die Kölner das größte Gebäude der Christenheit bauen.
In Frankreich war ein Baustil in Mode gekommen, der das Prinzip der dicken dunklen Wände durch eine neuartige Architektur ersetzte. Wändflächen bestanden jetzt aus großdimensionierten Fenstern, die den Kirchenraum in buntes Licht tauchten. Die Spitzbogenarchitektur verbesserte die Statik und gab den Baumeistern die Freiheit, die Gesamtkonstruktion des Gotteshauses als Skelett aus Pfeilern, Streben und Spitzbögen zu bauen. Statt Außenwänden setzten sie bunte Fenster ein, die mit den Sonnenstrahlen spielen.
Am Beginn der Geschichte des Kölner Doms steht sein erster Dombaumeister: Meister Gerhard. Über sein Leben vor dem Kölner Dom weiß man so gut wie nichts. Höchstwahrscheinlich hat er in Frankreich die damals neuen gotischen Bauten gesehen. Vielleicht hat er auch bei dem Bau der Kathedrale von Amiens mitgearbeitet. Jedenfalls war er der Kopf hinter dem Jahrtausendprojekt.
Über die Genialität von Meister Gerhard, die Geheimnisse der Steinmetzbruderschaften und die Schwierigkeit des Bauens im Mittelalter spreche ich mit Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, der ehemaligen Dombaumeisterin von Köln.
Die Reisetipps der Vorsitzenden des Zentralen Dombauvereins findet Ihr hier:
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