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Papst Leo XIV. setzt erste Auslandsreise im Libanon fort

Papst Leo XIV. setzt erste Auslandsreise im Libanon fort

Update: 2025-11-30
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Papst Leo XIV. setzt seine erste Auslandsreise mit einem Besuch im Libanon fort. Am Sonntagnachmittag flog er von der türkischen Metropole Istanbul in Richtung Beirut ab. Zum Abschluss seines Besuches in der Türkei hatte Papst Leo XIV. erneut ein Zeichen für die Einheit der Christen gesetzt. Er nahm am Sonntag in Istanbul an mehreren Messen unterschiedlicher Konfessionen teil – unter anderem in der armenisch-apostolischen Kathedrale.





Dort betonte das Oberhaupt der katholischen Kirche das “mutige” christliche Bekenntnis des armenischen Volkes im Lauf der Geschichte – “oft unter tragischen Umständen”. Diese Aussage wurde von Beobachtern als Verweis auf die Massaker osmanischer Truppen an Armeniern im Ersten Weltkrieg verstanden. Schätzungen zufolge wurden zwischen 1915 und 1917 von den Soldaten des Osmanischen Reiches bis zu 1,5 Millionen Armenier getötet. Die Türkei spricht von wesentlich niedrigeren Opferzahlen und lehnt den Begriff Völkermord für die Massaker ab.



Der Papst sagte in einem Grußwort an Patriarch Sahag II., die Christen müssten aus dem “gemeinsamen apostolischen Glauben schöpfen, um jene Einheit wiederherzustellen, die in den ersten Jahrhunderten zwischen der Kirche von Rom und den altorientalischen Kirchen bestand”. Zuvor hatte Patriarch Sahag betont, dass “die Einheit wesentlich ist”. Der gemeinsame Glaube an Christus übersteige “Nation, ethnische Zugehörigkeit und Zeit”. Der Patriarch betonte, angesichts der Leiden der Christen im gesamten Nahen Osten werde die Einheit untereinander lebensnotwendig.



Papst und Ökumenischer Patriarch wollen mehr Einheit wagen



Nach dem Gebet in der armenisch-apostolischen Kathedrale nahm der Papst an einer orthodoxen Liturgie in der Patriarchalkirche St. Georg teil. Dort stellten Papst Leo XIV. und der orthodoxe Patriarch Bartholomaios weitere Schritte auf dem Weg zur Einheit der Christen in Aussicht. Patriarch Bartholomaios würdigte die seit 1965 erzielten theologischen Fortschritte auf dem Weg zur Einheit und erklärte, seither sei ein “Geist der Brüderlichkeit, des Vertrauens und des Verstehens” entstanden. Er bete, dass Streitfragen um das Glaubensbekenntnis und um die päpstliche Unfehlbarkeit “derart gelöst werden, dass ihr Verständnis kein Stolperstein für die Einheit unserer Kirchen mehr ist”.



Papst Leo XIV. betonte, seit der Aufhebung der gegenseitigen Exkommunikation im Jahr 1965 sei man auf einem “Weg der Versöhnung, des Friedens und der wachsenden Gemeinschaft zwischen Katholiken und Orthodoxen”. Nach vielen theologischen Fortschritten gehe es “heute darum, dass wir uns verstärkt um die Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft bemühen”. Zur Rolle des Papstes in der Ökumene erklärte Leo XIV., die besondere Rolle sei es, “auf der Ebene der Weltkirche allen zu dienen”.



Treffen mit trauerndem Vater



Noch vor seinen öffentlichen Verpflichtungen hatte er sich privat mit einem trauernden Vater getroffen, dessen 14-jähriger Sohn im Februar bei einem Messerangriff in Istanbul getötet worden war. Anschließend sagte der aus Italien stammende Vater Andrea Minguzzi, der Papst habe mit dem Treffen “einen der größten Träume meines Lebens erfüllt”.



Zweite Station: Libanon



Anders sieht es bei der zweiten Station seiner Reise aus: Am Sonntagnachmittag traf der Papst im Libanon ein, in dem multireligiösen Land mit 5,8 Millionen Einwohnern wurde sein Besuch mit Spannung erwartet. Ein Drittel der Bevölkerung bekennt sich zum christlichen Glauben, das Land galt lange als Vorbild für das Zusammenleben verschiedener Religionen in Nahost.



Seit 2019 steckt der Libanon aber in einer verheerenden Krise, die alle Schichten der Bevölkerung betrifft: Die Menschen verarmen, der Staat ist schwach. 2020 verwüstete eine Explosion im Hafen weite Teile der Hauptstadt Beirut. Trotz eines Waffenstillstands zwischen Israel und der vom Iran unterstützten schiitischen Hisbollah-Miliz kommt es immer wieder zu tödlichen Angriffen und Kämpfen, besonders im Süden des Landes.



Umso mehr freut sich das Land auf den Papst und hofft auf eine Friedensbotschaft. Straßen wurden eigens für den Gast instandgesetzt und Plakate mit seinem Bild aufgehängt. “Der Libanon will Frieden”, ist darauf zu lesen. Der Papst wollte unter anderen Präsident Joseph Aoun, einen Christen, den schiitischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri und den sunnitischen Regierungschef Nawaf Salam treffen. Danach wollte er eine Rede halten.



Am Montag sind dann unter anderem ein interreligiöses Treffen und eine Begegnung mit jungen Menschen geplant. Am Dienstag, dem letzten Tag seines Besuchs, will der Papst dann eine Freiluft-Messe mit mehr als 100.000 Gläubigen feiern – und in einem stillen Gebet am Hafen der mehr als 220 Todesopfer der Explosion vor fünf Jahren gedenken. Der Besuch im Libanon findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt, Straßen wurden geschlossen, Drohnen verboten und vor der Messe werden große Teile der Innenstadt evakuiert.



(APA/AFP/KAP/dpa)

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